Montag, 31. Dezember 2012

Bald schlägt es 13!

Wieder ein Jahr vergangen. Kein richtig gutes, aber auch kein schlechtes und keinesfalls ein durchschnittliches Jahr.  Mit vielen kleinen und stillen, aber auch großen, lauten und überschwänglichen Glücksmomenten, mit Höhenflügen,  überraschenden Erlebnissen und Erfahrungen, mit Herzeleid und Enttäuschungen, mit jähem Schmerz, enttäuschten Hoffnungen und Verlusten,  mit Zweifeln, voll von Erinnerungen, aber auch mit frohem Schaffen, wilden Plänen, langen Nächten, guten  Gesprächen, fast vergessenen Einsichten und wieder entdeckten Talenten, mit Wind, Wetter und weitem Himmel, Freundschaft und Zuversicht und mit Träumen, die noch lange nicht zuende geträumt sind. Still going strong.

Im letzten Jahr an Silvester habe ich dem neuen Jahr eher vorsichtig aus der Halbdistanz zugeblinzelt:


In diesem Jahr schaue ich direkt nach vorn, ein bisschen trotzig, aber wild entschlossen und  mutig:


Sowieso gilt: Wir Adler rutschen nicht ins neue Jahr, wir fliiiiiiiiiiiiiiiiiegen! Allen, die hier vorbeischauen, ein glückliches, gesundes  und frohes Jahr 2013. Europa, wir kommen, wo immer du auch bist.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Rotundschwarze Jahresschnipsel (Teil 3)




Mai

Obwohl hier jetzt schon Mai ist, findet das letzte Heimspiel der Eintracht - gegen 1860 München -  noch im April, genau gesagt: am 29. April, statt. Wie nicht anders zu erwarten, verliert die Eintracht. Die Stimmung im Stadion ist nichtsdestotrotz ausgelassen, wir tragen lustige Papierhemdchen , halten rote, schwarze oder weiße Zettel in die Luft und sind alle Teil der größten und geilsten Choreo. Ever. Gerne würden wir die Mannschaft nach dem Spiel  gebührend feiern, daraus wird nix, weil wie vorgeschrieben der Platz gestürmt werden muss. Zunächst schwappt die West in den Innenraum, dann quellen die Eintrachtler aus allen Blocks aufs Feld, es dampft und qualmt, die Polizei findet das gar nicht lustig und manch Eintrachtler, dem das alles zu doof ist, verlässt mehr oder weniger fluchtartig das Stadion.  Auch die Mannschaft flüchtet erst einmal in die Kabine, wir bleiben, beobachten das Treiben vom Rande. Fahnen werden geschwenkt, Rasenstücke ausgebuddelt, die große Choreofahne über dem Feld entrollt.  Die eigentliche Aufstiegsfeier findet dann an der Waldtribüne statt. Wild. Bunt. Lustig.  Mit Caser Nova.  Tankard. Beve. Frauke. Heribert Bruchhagen im Aufstiegsshirt.  Mo. Benni. Pirmin.  Sebi. Seppl. Caio. Ümit. Frankfurter Jungs. Wir wollen die Mannschaft sehen und wir sehen sie. Wie sie hüpfen und singen und Sekt verspritzen. Feine Kerle. Alles, feine Kerle. Bruno Hübner hat die Haare schön, Armin Veh kriegt sich gar nicht mehr ein.

Rotundschwarze Jahresschnipsel (Teil 2)


„Mehr Transparenz!“ – dafür weniger Durchblick? – soll es im kommenden Jahr überall und auf allen Wegen – hier und hier und hier und hier – geben. Nicht nur die Dinge, sondern auch die Debatten darüber werden immer transparenter - da ist es gut, dass es immer mehr Transparenzagenturen und Transparenzstellen gibt, die für Transparenz in der Transparenz sorgen. Ihr habt Glück: Gerade noch rechtzeitig, bevor das Jahr 2012 sich endgültig verabschiedet, meldet sich die vollkommen eklektische, intransparente rotundschwarze Schnipselstelle mit weiteren Jahresschnipseln 2012.

Januar und Februar-Schnipsel gibt es bereits – hier!

Und jetzt also weiter mit dem März und dem April.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Weihnachtsworte

Weihnachten war alles andere als weiß, aber natürlich gab es auch in diesem Jahr viele weise Weihnachtsworte:

Wer sagte: "Wir müssen den Menschen im Abseits eine Stimme geben."

1) Die Schiedsrichtervereinigung
2) Der Papst

Vervollständigt bitte folgenden Satz, der in der Tagesschau verlesen wurde:  "Die Rede des Bundespräsidenten können Sie sich..."

1) "...schenken."
2) "...in die Haare schmieren."
3) "...im Internet herunterladen."

Und wer ist das noch gleich, der "eine Innovationsfläche für neue Programmpunkte" schaffen möchte?

1) Die CDU mit ihrem Jahresparteitag
2) Das ZDF mit dem Freitagabendprogramm
3) Die DFL mit ihrem Sicherheitspapier

Was ist falsch? Was ist richtig? Wer weiß, wer weiß!

Schlüssel mit bzw. für Eintracht-Anhänger

Montag, 24. Dezember 2012

And now it is Christmas

Es soll ja Menschen geben, die ihre Weihnachtsgeschenke bereits im Sommer kaufen, ebenso frühzeitig die Schleifchen, Kärtchen, den Tesafilm und das Packpapier bereitlegen, um dann – spätestens zwei Wochen vor dem Fest – alles geschmackvoll zu verpacken, während im Hintergrund Weihnachtslieder erklingen.   Bei mir ist das nicht so. So viel zu denken, zu schreiben, zu erledigen, zu planen. Dies noch und das, das vielleicht nicht, dafür aber das andere.  Die Vorweihnachtszeit ist meistens hektisch, immer überraschend schnell da und viel zu schnell vorbei, oft nachdenklich, manchmal melancholisch,  fast immer bunt und ein bisschen schräg  und hat - vielleicht ja gerade deshalb – inmitten all des Trubels wunderbar frohe und stille Momente, mit schnurrenden Katzen, Plätzchen und Tee, Willa Cather und Scrooge, mit Glücksmomenten im Sprühregen auf dem Eisernen Steg, dem Blick auf die Skyline von Frankfurt und auf das glitzernde Weihnachtsmarktufer, mit  Gesprächen bis tief in die Nacht, Erinnerungen und Hoffnungen und mit Bob Dylan, der Weihnachtslieder singt. In diesem Jahr sind da auch noch 30 herzhüpfende Punkte. Must be Santa.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Spieler der Stunde: Pirmin Schwegler, Kapitän der Mannschaft, die in der Hinrunde 30 Punkte geholt hat

Eigentlich war es mir schnurzpiepegal, dass da gestern Abend noch Spiele im DFB-Pokal stattgefunden haben - als ich dann die Ergebnisse gesehen habe, hat es mir dann doch noch mal einen kleinen Stich in der Magengrube versetzt. Was wäre, wenn… Hätten wir doch…  Aber nix da: Schnell weggewischt diese Gedanken. Mir doch egal. So viel Glück wie die Eintracht uns in dieser Vorrunde geschenkt hat, wäre ohnehin nicht zu toppen. (Außer vielleicht durch den Einzug ins Pokalviertelfina... aaaaaaaaargs...  weg da, giltet nich...apage...!) Wenden wir uns Wichtigerem zu, wenden wir uns dem zu, was zählt:

30 Punkte. Championsleaguequalifikationsplatzüberwinterer. Wie war das gleich noch mal? So:


Der Spieler der Stunde im Schnelldurchlauf

Montag, 17. Dezember 2012

Rotundschwarze Jahresschnipsel (Teil 1)

Eigentlich wollte ich in diesem Jahr wieder mehr schnipseln. Leider – hat nicht geklappt. Zum Abschluss des  Jahres soll es wenigstens ein paar rotundschwarze Jahresschnipsel geben. Und hier kommt auch schon Teil 1.

Januar

Samstag, 15. Dezember 2012

Traumhaft


Heute morgen war ich eigentlich schon wach, und bin dann doch noch einmal eingenickt. Es regnete so schön – plitschplatsch. Unser schwarzundweißes Kätzchen saß am geöffneten Fenster und schaute dem Regen zu, ich sah der Katze zu und – wutsch – war ich wieder eingeschlafen. Ich träumte von meinem Opa. Konnte es kaum fassen. Mein Opa, der schon viele Jahre nicht mehr lebt, ist mir lange, lange nicht mehr im Traum begegnet. Heute also. Er suchte seine Brille und bat mich, ihm zu helfen. Das tat ich natürlich gerne. „Wo spielt denn heut die Eintracht?“ wollte Opa wissen. „Wir haben schon gespielt. In Wolfsburg,“ antwortete ich. „Wie?“ „Gewonnen!“

"30 Punkte. Hammer. Unfasslich. Wahnsinn," schwurbelte, wirbelte und hüpfte es durch meinen Kopf – dann wachte ich auf und mir wurde schlagartig klar: Mensch. Stimmt ja gar nicht, wir müssen ja erst noch spielen  – hätte das meinem Opa gerne noch gesagt, aber er war natürlich schon wieder weg. Was für ein Glück, dass ich jetzt weiß, dass ich ihm nichts Falsches erzählt habe. Traumhaft. Danke, Eintracht!

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Spieler der Stunde: Pirmin Schwegler - feiner Fußballer, feiner Kerle, Kapitän.

Jetzt ist es also vollbracht, die „Beer ist geschält“, die DFL hat ihr Sicherheitskonzept verabschiedet.  12:12 war in den vergangenen Wochen das beherrschende Thema und hat die Stimmung in den Stadion geprägt. Bringt das was?  Schaden wir damit unserer Mannschaft?  Egal, was der eine oder andere für Bedenken hatte – alle haben mitgemacht,  Kurve, Haupt- und Gegentribüne, alle.  Ich bin mir nicht ganz sicher, ob alle wirklich gewusst haben, um was es geht – trotzdem war da so etwas wie eine stadion- und vereins-übergreifende Solidarität zu spüren. Auch die, die sonst nicht gerade durch überschwängliche Nähe zur Kurve auffallen, hielten ihren Mund – fast als wäre zumindest in einem höheren Sinn  und zumindest für 12:12 Minuten allen klar: Hier geht es um mehr als persönliche Befindlichkeiten, Meinungen oder Animositäten.   Keine Ahnung, wie dauerhaft oder nachhaltig dieses Gefühl war oder sein kann.  Wenn wir an bei diesen Spielen jedem einen Zettel in die Hand gedrückt  hätten und  alle Menschen im Stadion hätten ihre Stimme Pro oder Contra Sicherheitskonzept abgeben können – wie wäre die Abstimmung wohl ausgegangen?  Ich weiß es nicht.

Beeindruckend jedenfalls, dass in den vergangenen Wochen auch die Pro- und Contra-Pyro-Diskussion nicht unnötig, ähem, angefeuert wurde. Es gab kaum Rauch, kaum Pyro. Die DFL hat die Verabschiedung des Konzepts trotzdem wie geplant durchgezogen - das ist ein bisschen so, wie wenn eine vorsichtig ausgestreckte Hand ausgeschlagen wird.  Ein Spiel gibt es noch in dieser Hinrunde, und irgendwie wäre mir lieber, es gäbe es nicht.

Wie geht es weiter? Das Sicherheitskonzept ist – so wird ausdrücklich betont – nicht aufgrund politischen Drucks verabschiedet worden, sondern ist eine DFL-interne Angelegenheit. Wer gestern z.B.  Boris Rhein im Interview in den Tagesthemen gesehen hat, weiß, dass die „Empfehlungen“, die den Vereinen zur Diskussion mit den Fanvereinigungen mit auf den Weg gegeben worden sind, politische Optionen zumindest offen halten. Irgendwann wird der Tag kommen, an dem wir entscheiden müssen, was wir im und ums Stadion herum mit uns anstellen lassen.  Und „uns“ heißt  „uns“ – auch dann, wenn es dich oder mich scheinbar nicht direkt betrifft.

Das Thema wird uns – hoho – mit Sicherheit noch länger beschäftigen, deswegen jetzt zu dem, um das es  in diesem Eintrag eigentlich gehen soll: Zum Spieler der Stunde.

Samstag, 8. Dezember 2012

Ein Riesenspaß.


Heute also:  Werder.  Letztes Heimspiel in diesem Jahr und der brennende Wunsch:  Ein Sieg. Ein Ausrufezeichen hinter diese Vorrunde setzen!  Der Schnee glitzert im Sonnenlicht, es ist schweinekalt und mir kommt es vor als läge das Spiel gegen Düsseldorf schon viel länger als eine Woche zurück. Manchmal rast die Zeit und steht gleichzeitig still und es ist, als sei alle Zeit, die war, schon immer da.

Vorgestern ist Peter Handke 70 Jahre alt geworden. Ich mag und schätze ihn, obwohl ich irgendwann aufgehört habe seine Bücher zu lesen. Ich mag, wie er da zwischen Gegenständen, Bildern, Äpfeln  und Büchern in seinem Haus in Frankreich sitzt, leise und sanft spricht, auch mit 70 immer noch schön ist  und schwierig und auf seine suchende und tastende Art über die Welt nachdenkt. Viele seiner Buchtitel  sind ausgesprochen fußballkompatibel, mal sehen, in welche Richtung das heute draußen im Wald gehen könnte: 

Freitag, 7. Dezember 2012

Neues vom Kid aus der Klappergass (Teil 2)

Die Adler pfeifen es  bereits von den Dächern: Hurra - der neue Band aus der Klappergass ist da!  Der Eintrag, der jetzt hier kommt, hätte eigentlich bereits früher in dieser Woche hier stehen sollen, musste ihn leider aufgrund eines Unglücksfalls verschieben  - „eigentlich“ bin ich also zu spät, aber für Dinge, die einem wichtig sind, ist es ja nie zu spät. Deswegen – here we go:

Seit gut  einem Jahr bloggt er nicht mehr, der Kid, zumindest nicht mehr öffentlich und immer noch fehlt vielen von uns der morgendliche Blick in die Klappergass, der für mich auch immer so etwas wie ein Ruhepol im Jeden-Tag-eine-neu-Sau-durchs-Ort treibenden Netzgetriebe war. „Da könnte Kid jetzt gut ein bisschen die Luft rausnehmen.“ „Schade, dass Kid DAZU jetzt nichts schreibt.“ So etwas in die Richtung denke ich gar nicht so selten und freue  mich um so mehr, dass Kid seit dieser Saison zumindest als Gastautor hier bei mir im Blog wieder ab und zu netzöffentlich schreibend auftaucht.

Und natürlich schreibt der Kid auch sonst  weiter über die Eintracht. Im Eintracht-Archiv – wo er sein ganz persönliches Projekt – mindestens 10 komplette Saisonverläufe  in Form von Spielberichten zu dokumentieren – nach wie vor langsam aber stetig vorantreibt. (Derzeit geht es um die Saison 1965/66 ) – aber selbstverständlich hat Kid auch das  aktuelle Eintracht-Geschehen immer im Blick. Im Mai bereits ist der erste Klappergass-Band  "Der lange Abschied" erschienen, in dem Kid  die Saison 2010/11 Tag für Tag begleitet, auch in der tasmanischen Rückrunde (anders als die Akteure auf dem Platz) am Ball bleibt  und fassungslos, aber unerbittlich den Weg der Eintracht in die zweite Liga dokumentiert.  Zweite Liga? Da konnte, da durfte die Eintracht nicht bleiben – folgerichtig, dass Kid auch die Fortsetzung der Geschichte schreibt. „Lamento und Euphorie“ heißt  der vor zwei Wochen erschienene Band, der sich mit der Atomaufstieg-jetzt-Saison 2011/12 beschäftigt , in der die Eintracht versucht, die Dinge wieder gerade zu rücken – und auch Kid sich  Schritt für Schritt aus dem tiefen Loch der Enttäuschung, der Wut, der Apathie wieder  ins Freie schreibt.

Zwischen „Lamento und Euphorie“ liegen in der Saison 2011/12 nicht einmal 12 Monate – und auch  im Titelbild des Bandes sind diese beiden Eckpole  eingefangen – vorne steht ein jubelnder Seppl Rode, im Hintergrund läuft Sebi Jung, den Kopf gesenkt, und es ist kaum zu glauben, dass das keine Fotomontage ist, sondern diese Szene tatsächlich zeitgleich in einem Spiel stattgefunden haben soll – hat sie aber – und zwar  im Spiel gegen Energie Cottbus. Freude und Niedergeschlagenheit – warum auch immer und wie im richtigen (Eintracht-)Leben ganz dicht nebeneinander.

Samstag, 1. Dezember 2012

Crash-Test

Heute vor einer Woche war die Eintracht-Welt noch in Ordnung. Wolke 7 mit Kurs auf Europa, am Dienstag ist die Wolke in ein Luftloch gefallen, gestern dann mit einem dumpfen Knall auf die Erde gestürzt. Am Dienstag habe ich im Waldstadion wie paralysiert der Humba der Mainzer zugekuckt, gestern ca. ab der 40. Minute stumm und starr auf den Fernseher gestarrt, wo die Düsseldorfer sich ihr Mütchen an uns gekühlt und keine Gelegenheit ausgelassen haben, um zu demonstrieren, wie gut es ihnen tut, uns zu demütigen. Armin Veh hatte gewarnt:  Der Einbruch wird irgendwann kommen. Nicht Schalke, nicht Dortmund, nicht Bayern sind unsere Spitzenspiele, sondern die gegen Mannschaften in den unteren Regionen – Augsburg, Düsseldorf, Mainz. Jetzt haben wir den Salat. Zwei dieser drei Spiele haben wir verloren. Die Mannschaft ist dezimiert, ersatzgeschwächt. Die bekannten Lücken – in der Innenverteidigung, im Sturm – sind größer als man zwischendurch geneigt war zu glauben.  Das Selbstbewusstsein ist im Keller, sogar der bisher unangreifbare Torwart wackelt.  Mindestens vier sicher geglaubte Punkte  haben wir nicht geholt.

Und jetzt?

Freitag, 30. November 2012

Spieler der Stunde: Unser Youngster - Marc-Oliver Kempf

Oops. Freitag morgen. Kaum sind die Wunden nach dem Spiel gegen Mainz 05 geleckt, steht heute bereits das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf ins Haus (vom Veh bzw. dem der Eintracht). Ganz kurz die morgendliche Lücke genutzt, um den Spieler der Stunde zu ehren, der alles andere als ein Lückenbüßer ist, vielmehr die durch Verletzungen und sonstige Unbill entstandene Lücke im Kader im Kader gefüllt und auf dem Platz die Lücke in der Innenverteidigung gestopft hat.

Aber zunächst noch einmal ein kurzer! Blick aufs Spielgeschehen, für den ich eine Anleihe beim wunderbar abgedrehten Fußball-Analyseblog „Spielverlagerung“ nehme. Der hat nämlich in dieser Woche  das Spiel der Eintracht gegen die 05er in den Blickpunkt gerückt und mir dadurch sehr geholfen, das Spiel zu verarbeiten. Doch, doch. Keine Ahnung, ob das tatsächlich – also TATSÄCHLICH – alles ernst gemeint ist, was da so steht,  aber ich liebe, liebe, liebe den sprachlichen Aufwand (und die kryptischen Bildchen) mit denen bei "Spielverlagerung" ein Spiel bis ins Detail zerlegt, ach was: mit denen der Matchplan hinter dem – wie wir alle wissen – nur scheinbar spielerischen Treiben auf dem Platz aufgedeckt und bis ins letzte Detail entlarvt wird. So kann ich heute mit Fug und Recht behaupten: Ich habe genau verstanden, was da am Dienstag abgegangen ist, im Waldstadion und fasse kurz zusammen:  

***Die Mainzer spielten mit einer beweglichen Raute, die den Raum zwischen den Linien versperrte und sich mit der Defensive kompakt und nur im Verbund nach vorne verschob - zunächst als 4-4-1-1-, später ein 4-5-1 mit Ansätzen eines 4-3-2-1 mit breiter Dreierkette im zweiten Band,  am Ende aber dann doch eher ein 4-3-3 mit drei Sechsern.  Überhaupt die Sechser: Die haben sich nämlich kettenähnlich verschoben, während die  ballnächsten Halbspieler pressten. Auch die Stürmer der Mainzer halfen sehr gut mit – sie ließen sich fallen und wurden bei Kontern als Prellböcke genutzt. Die Eintracht versuchte durch Flanken aus dem Halbfeld eventuelle Löcher am zweiten Pfosten zu bespielen, was aber nicht gelang. Vor allem deshalb weil Alex Meier, der wie üblich in der Horizontale pendelte, nicht verhindern konnte, dass die Mainzer bei Kopfballduellen bereits während der Ballverarbeitung Bälle von ihm erpressten.  Die Mainzer (z.B. Baumgartlinger) füllten Löcher,  bildeten pressingrestistente Anspielstationen, ließen sich bei Bedarf abkippen und kümmerten sich um das Bespielen der Halbräume. Die Eintracht presste ebenfalls aggressiv, aber nicht so ausgefeilt und musste immer einmal mehr pressen als ihr lieb war. So konnten wir nicht verhindern, dass der junge Shawn Parker mit schneller Beschleunigung in Löcher startete, einen Spieler befreite oder sich selbst in der Gasse frei lief.*** 

Da war nichts zu machen und wir wissen alle wie es ausgegangen ist.

(Das, was sich hier – zumal im Zeitraffer – so putzig liest, lässt sich übrigens statistisch exakt nachvollziehen: Von wegen kompakt zugestelltes Zentrum, hoch stehen,  zugestellte Passwege der Innen- auf die Außenverteidiger, Zweikampfwerte von Alex Meier. Na, also!)

Die Wahl zum Spieler der Stunde

Mittwoch, 28. November 2012

Tage wie diese


Dienstagabend, kurz vor zehn Uhr, Waldstadion. Zusammengedonnert fast ein bisschen paralysiert (Kann das sein? Wir haben tatsächlich verloren? Gegen die 05er? GEGEN DIE 05er?) stehe ich nach Abpfiff des Spiels an der Bande. Die Mannschaft dreht trotz Niederlage eine kleine Runde. Trotzig stimme ich in den Gesang ein, den die Westkurve anstimmt   – Alles, alles Frankfurter Jungs – aber als die Mainzer Mannschaft dann vorm Gästeblock Aufstellung nimmt, ein Transparent mit „Auswärtssieg“  geschwenkt  und die lustige Humba angestimmt wird, verlassen wir dann doch zügig den Ort des Geschehens. Man muss den Leidenskelch nicht unbedingt bis zur Neige leeren.

Während ich die Treppe nach oben steige, versuche ich mich zu sammeln: "Hey - kein Grund,  in Weltuntergangsstimmung zu verfallen. So viele wunderbare Spiele und Moment haben wir in dieser Saison schon erlebt",– sagt mein besseres Ich.  "Aber warum so, warum ausgerechnet heute gegen Mainz?"jammert und klagt das Weichei in mir.   "Jetzt mach mal halblang, wen kümmern die 05er, stell dich nicht so an..." wehrt sich die Vernunft. "Ich könnte kotzen. Ich will nicht gegen die verlieren. Nicht gegen die. Und jetzt fehlen auch noch Schwegler und Zambrano. Was, wenn wir jetzt einbrechen?"  Har, har - so leicht lässt sich das Weichei nicht abschütteln.

Wie fast immer nach Niederlagen fühle ich mich ein wenig mitschuldig. War ich zu sicher? Zu hochmütig? Habe keine Sekunde damit gerechnet, dass wir gegen „die“ verlieren könnten. Merke jetzt erst, wie sehr ich (wider besseres Wissen) geglaubt habe, dass gehe jetzt immer, immer so weiter.  Später, irgendwann im Laufe der Nacht werde ich mich dazu durchringen, all dem auch etwas Gutes abzugewinnen. Boden der Tatsachen.  Wir berappeln uns schon wieder. Junge Truppe, muss noch viel lernen.  In Düsseldorf können wir zeigen, dass uns so was nicht umwirft und wie lernfähig wir sind. Direkt nach dem Spiel klingt das alles noch wie blablablubb.

Dienstag, 27. November 2012

"Schnappt's euch die!"


Ich bin waschechte Hessin, lebe und arbeite seit vielen Jahren in der Nähe von Mainz und (ich glaub, ich hab's hier mitunter schon mal erwähnt ,-): Ich mag Mainz mit all seinen Kuriositäten, Wurschdelischkeiten,  alteingesessenen Geschäften, dem Fastnachtsgedöns, den Festen, der Altstadt, dem Dom, Rhein, Theater   – und bin der festen Überzeugung, dass Mainz 05 und Mainz nicht so fürchterlich viel miteinander zu tun haben, wie sie gerne denken und wie es in der Öffentlichkeit vermittelt wird.  (Darüber hab ich hier im Blog das ein oder andere Mal schon geschrieben – wer mag z.B. hier)

Die Frankfurter Eintracht ist in Mainz – da beißt die Maus keinen Faden ab - so etwas wie der Erbfeind, der Inbegriff des Bösen und Garstigen. Wenn man mit einem Eintracht-Schal durch die Stadt geht, weichen die Menschen zurück, bekreuzigen sich, halten einem eine Knolle Knoblauch entgegen und bilden eine Gasse. (Na ja, das ist vielleicht ein klitzekleines bisschen übertrieben, aber nur ein bisschen).  Unvergessen jedenfalls der ca. 1,50 große Youngster, der sich am Mainzer Hauptbahnhof vor mir in meiner Eintrachtregenjacke, aufbaute, wild gestikulierte und rief: „Heeey, du…rausausmeinästadt.“ Mainzer, die mich neu kennen lernen und nett finden,  können es nicht glauben: „Eeeeeeeeecht? Du bist Eintrachtler?“ Wie kann das sein?  Da geht’s mir wie Sebastian Vettel: Witzig, klug, unglaublich kultiviert, einigermaßen ordentlich gekleidet, bildhübsch *g – und  trotzdem Eintrachtler. Sache gibt’s.

Sonntag, 25. November 2012

Fliiiiieg...

In den letzten Wochen war der Himmel einheitlich grau, eine feuchte Nebeldecke hing  wie eine Käseglocke über der Welt - heute weht endlich ein frischer Wind.  Die letzten trockenen Blätter wirbeln durch die Luft,  dicke, dunkle Wolken ziehen, blaue Wolkenfetzen, Regen sprüht   - wild-wehendes hinaus, hinaus Wetter.  Jetzt fliegen nicht nur die Adler, sondern auch die Drachen. Immer schön hart am Wind bleiben, sich die Höhenluft um die Nase wehen lassen, Kurs halten.

Schon am Dienstag  werden weitere Wirbelstürme im Hessischen erwartet, für Freitag ist weiterer Rückenwind aus dem Rheinland angesagt. Falls ihr einen kurzen Zwischenstopp auf dem Boden einlegt: Auch in der englischen Woche findet hier im Blog die Wahl zum Spieler der Stunde statt, aber - Achtung! - sie läuft einen Tag kürzer als gewohnt. Umfrageende für das Schalkespiel ist bereits am frühen Montagmorgen. Deswegen nicht vergessen: Erst abstimmen - dann weiterfliegen!

Mein Taschendrache und ich....
...immer startklar zum Abheben.

Samstag, 24. November 2012

Ohrstöpsel für Jerry


Für meinen heutigen Vor-dem-Spiel-Eintrag habe ich über vier verschiedene Aufhänger nachgedacht: 1) den zweihundertsten Geburtstag von „Grimms Märchen“, 2) die jährliche Aufführung des Weihnachtsmärchens im Theater, 3) Inspektor Columbo und 4) Trainingsanzüge.

Die Brüder Grimm und das Märchen müssen noch ein bisschen warten – fangen wir mal mit Columbo an. Wie jeder Film- und Fernsehkommissar hat auch Inspektor Columbo (wunderbar als ewige Figur verkörpert vom leider im letzten Jahr verstorbenen Peter Falk) seine ganz eigene Ermittlungsmethode. Columbos Stärke liegt darin, dass er freundlich-harmlos, und scheinbar naiv auftritt und deswegen von seinen Gegnern häufig nicht ganz ernst genommen wird. Er wiegt sie in Sicherheit und sie unterschätzen ihn. Wenn er in einen Tatverdächtigen befragt, redet er von allem und über alles – nur nicht über das, um was es eigentlich geht. Er wirkt immer ein wenig abwesend und vergesslich, erzählt von seinem Hund und von Mrs. Colombo. Er regt sich auf über das Wetter, bewundert ein Bild, das im Zimmer hängt. Läuft hierhin und dorthin, blickt aus dem Fenster, schweift ab, scheint den Faden zu verlieren und sich viel mehr z.B. für die Zubereitung von Marmelade zu interessieren als für die zu lösende Aufgabe. Greift nach – sagen wir – einem Buch, das auf einem Tisch liegt. Erinnert sich nicht mehr genau an den Tathergang oder an Details, die bereits erzählt worden sind. Und sorgt zwischendurch immer wieder für Irritationen, wenn deutlich wird, dass er jedes, aber auch jedes Detail  genau registriert und all das, was er da vor sich hin nuschelt, vielleicht gar nicht so zufällig und harmlos ist.

Dienstag, 20. November 2012

Spieler der Stunde: Immer dieser Meier

(Die Fotos im Stadion hat wib gemacht und zur Verfügung gestellt. Ganz herzlichen Dank dafür!!)

Viele Menschen sind ja der Auffassung, dass die besten Interviews am Rande von Fußballplätzen, nach Abpfiff eines Spiels geführt werden. Kann sein. Vor vielen Jahren haben Freunde von mir mal eine Alternativtheorie entwickelt, nach der die besten Interviews auf Schiffen gegeben werden. Anlass war ein Gespräch im Rahmen irgendeiner Fernsehshow, die auf einem Schiff statt fand. Das Schiff dümpelte durch die Landschaft, es gabTalk-Gäste und eine Live-Band und der Moderator befragte zwischendurch auch die Musiker, z.B. den Schlagzeuger. „Was ist das für ein Gefühl, hier auf diesem Schiff zu sein und Musik zu machen? Macht das Spaß?“ Der Schlagzeuger schweigt für einen Moment. Überlegt. Und sagt dann: „Ja.“ Der Moderator hakt nach. „Das ist doch sicher etwas ganz besonderes, auch für Sie.  Erzählen Sie unseren Zuschauern doch mal genauer, wie sich das so anfühlt. Wie geht es Ihnen dabei? Was ist das besondere an diesem Spaß?“ Wieder Stille. Und schließlich die Antwort: „Es macht mir einen schönen Spaß.“

Auch ich suche nach Worten, wenn ich jemandem erklären will, wie das im Moment ist, draußen im Stadtwald. Ein schöner Spaß.  Es ist schön, so schön und es macht Spaß. Ein Stück vom Glück. Schon vor dem Spiel. Da ist so ein Zauber, so eine (doch tatsächlich und obwohl es laut ist) stille Freude, die in den Gesichtern der Leute steht. So eine frohe Erwartung, ein Kribbeln: Was wird wohl heute passieren? Mit was werden sie uns heute überraschen? Wie in Märchenfilmen, wenn an Weihnachten die Weihnachtstür aufgeht – man weiß, dass es da hinter glitzert und dass es Geschenke gibt, aber man weiß noch nicht, was es dieses Mal sein wird. Und man bekommt zwar nie ganz genau das, was man sich gewünscht hat, aber etwas anderes. Schöneres. (Also: Im Märchen, in Wirklichkeit könnte ich ganz andere Weihnachtskindheits-geschichten erzählen – von einem grünkarierten Puppenkleid, das blaugetupfelt war, und mich in tiefsten Kummer gestürzt hat.  Von einem Tonbandgerät, das mit Volksmusik bespielt war und zum Eklat führte. Von… aber das ist ein anderes Thema).

Der schöne Spaß, der Zauber eines Eintrachtspiels, fängt derzeit bereits mit der Pressekonferenz vor dem Spiel an. Dank Frankfurter Rundschau (die es hoffentlich noch lange gibt!)  gibt es die PK seit einiger Zeit als Live-Mitschnitt im Netz, den ich mir immer erst am Spieltag selbst anhöre. Um das anstehende Spiel geht es nur am Rande, es ist mehr so eine Art „eingrooven“.  Armin Veh zelebriert sich und die Situation und er nimmt die anwesenden Journalisten mit. Rede, Gegenrede. Es wird viel gelacht. Ein Plauderstündchen. Und trotzdem merkt man da – wenn man genau hinhört – eine innere Ernsthaftigkeit. Klar, macht der das so, weil er so ist, wie er ist – witzig, ein bisschen eitel, sehr charmant -  weil: Wenn er nicht so wäre, könnte er das ja gar nicht. Aber er macht es, denk ich mal, auch ganz bewusst, um die Luft herauszunehmen.

Jedes Heimspiel bisher war wie ein buntes Überraschungspaket – ok, vielleicht Fürth als Ausnahme, das war einfach nur ein ganz normales Fußballspiel, aber so ein bisschen Erdung zwischendurch kann nicht schaden.  Wilde Spielverläufe, überflüssige Rückstände, Aufholjagden, Gegentore, die weggesteckt werden. Mut. Kampfkraft. Lustvoller Kombinationsfußball. Wundervolle Einzelleistungen. Tore, die man – wenn überhaupt -  alle paar Jahre mal zu sehen bekommt. Eine Mannschaft, die sich die Lunge aus der Brust läuft, an sich glaubt, der man anmerkt, wie viel Spaß sie daran hat, gut Fußball zu spielen.

Samstag, 17. November 2012

Wer A sagt, muss auch Ugsburg schlagen

Die Niederlage gegen Bayern liegt  - so kommt es mir vor – schon seit ewigen Zeiten zurück. Das hängt wohl damit zusammen, dass die vergangene Woche aus verschiedenen Gründen mehr oder weniger an mir vorbeigerauscht ist. Habe mich intensiv auf einen lange feststehenden Termin vorbereitet, den ich dann doch nicht wahrnehmen konnte, sozusagen Spielabsage in letzter Minute. Statt am Meer war ich dann im Schwäbischen. Nebel wallen, aber was immer auch geschieht in den Wirren der Welt und des Lebens, eine Gewissheit gibt es: Am Wochenende spielt die Eintracht. Heute also gegen Augsburg.

Montag, 12. November 2012

Frankfurter Jung

Au net schlecht! Jetzt standen wir schon kurz vor dem Herzkaschper, weil Jogi Löw weder Sebastian Rode noch Kevin Trapp in den Kader für das am Mittwoch anstehende Länderspiel gegen Holland berufen hat. Dann fallen erst Jerome Boateng, dann Marcel Schmelzer, dann auch noch Toni Kroos und Elfmeter-Opfer Schweinsteiger aus und dann tut Jogi Löw tatsächlich, was er längst schon hätte tun können oder müssen:

Endlich! Nach fast fünfzehn (und eigentlich noch viel, viel mehr) Jahren hat die Eintracht wieder einen Nationalspieler. Keine Frage, Kevin Trapp und Sebastian Rode werden folgen. Aber dass die erwartete Reihenfolge sich jetzt geändert hat, kommt mir - Zufall hin, Löwsche Gedankenspiele her - vor wie eine höhere Fügung. Ein gutes Zeichen, fast ein Symbol für die Zukunft - so, als ob der Erste nach so langer Zeit nur einer sein konnte und musste. Ein echter Frankfurter. Jung!

Sonntag, 11. November 2012

Kein Spiel des Jahres


Seit einigen Jahren sitzt im Waldstadion direkt vor mir ein fränkischer Herr, der Eintracht-, aber eigentlich doch noch mehr Bayern-Fan ist. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas möglich ist, aber doch: Es ist. Nun könnte von mir aus jeder nach seiner Facon glücklich werden – „Besser der wie isch!“ würde ein pfälzischer Bekannter sagen -,  wenn, ja wenn, der fränkische Herr, einfach im Stillen seiner Zuneigung zum 1.FC Bayern München frönen würde. Aber nein, bei jeder sich bietenden und nicht bietenden Gelegenheit trompetet er es in die Welt und sobald via Videowürfel ein Tor der Bayern verkündet wird, bricht er – unabhängig vom Geschehen oder vom Spielstand im Waldstadion – in lautstarken Jubel aus. Das hat bereits zu allerlei Disputen geführt und es ist lediglich einer schier übermenschlichen Disziplin meinerseits zu verdanken, dass Handgreiflichkeiten (Würgegriffe, Rütteln, leichte – mit dem FGV-Heftchen – ausgeführte Schläge auf den Hinterkopf, Verrutschen der Eintracht-Kapp o.ä.) bisher nur gestisch simuliert worden sind und Interventionen unsererseits ausschließlich auf größtmöglich-freundlicher sprachlicher Ebene stattgefunden haben, z.B. „Jetzt isses abber gut…“ „Hast duse noch all?“ Oder ganz einfach: „…!“

Spiele gegen die Bayern mag ich nicht, hab ich noch nie gemocht.  Immer dieser blöde Hype, dieses Gerede vom „Spiel des Jahres.“ Deswegen hat mir ein Satz von Armin Veh in der Pressekonferenz besonders gut gefallen: „Wieso Spiel des Jahres? Wir müssen uns doch nicht kleiner machen als wir sind!“  Müssen wir nicht. Zumal in diesem Jahr dieses Spiel erstmals seit vielen Jahren wieder unter anderen Vorzeichen stattgefunden hat: Es war ein Spitzenspiel und – obwohl wir das Spiel am Ende verloren haben – kann man das nach diesem Spiel mit größerer Berechtigung und mit größerer Selbstgewissheit behaupten als davor.

Donnerstag, 8. November 2012

Der Phallussieg


Dieses Wort habe ich gestern zum ersten Mal gehört und das hat auch einen guten Grund: Das Wort gibt es nämlich gar nicht. Trotzdem hat es gestern im Fernsehen jemand gesagt. Naaaaain, nicht – wie man vielleicht vermuten könnte - im Zusammenhang mit dem Sieg der Bayern gegen Lille (von wegen mächtig starke Jungs), sondern mit Blick auf den Ausgang der US-Wahlen. „Barack Obama hat einen Phallussieg errungen,“ sprach ein Immobilienmakler, den Anne Will als Experte in ihre US-Wahl-Nachbetrachtungsrunde geladen hatte.  Stutzen und Erstaunen bei den übrigen Gästen. Nachfrage, was er denn damit meine. Und die einfache Erklärung: „Ach, da hab ich mich wohl versprochen. Irgend sowas Griechisches halt…“  In diesem Fall dann also nicht der Phallus, sondern Pyrrhus, der einst eine Schlacht gewann, die er am Ende doch teuer bezahlen  musste. 

Hey…. daraus lässt sich doch was machen.  Gebildete Metaphern für alle Fälle. Bei einem Sieg der Eintracht brechen wir aus in Tantalusfreuden. Wenn uns eine Arbeit besonders schnell von der Hand geht, denken wir gleich an Sisyphos. Wer zu hoch hinaus will und dann abstürzt, dem geht es wie Ikea. So etwas kann man leicht vermeiden, wenn man – anders als die Trojaner – auf die Warnungen der Sabrina hört. Beim Barte des Reus -  dann soll mal einer versuchen, uns einen trojanischen Höllenhund unter zuschieben. Wenn es uns dann trotzdem mal umhaut – macht nichts, dann stehen wir wieder auf wie Venus aus der Muschel. Und wenn wir wissen wollen, was die Zukunft bringt, befragen wir das Debakel von Delphi. Das hilft uns dann ganz sicher, selbiges zu vermeiden. Oma! 

Samstag, 3. November 2012

Technische Probleme


Nein: In diesem Eintrag geht es nicht um die Eintracht - er ist in eigener Sache. Wie hier bereits angesprochen, gibt es seit der vergangenen Woche technische Probleme bei der Durchführung der Umfrage zum Spieler der Stunde: Es verschwinden Stimmen. Das ärgert mich teuflisch - euch wahrscheinlich auch. Nun schon fast vier Jahre Spieler der Stunde und jetzt so was - menno! Um trotzdem ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen, protokolliere ich (jetzt wie auch in der vergangene Woche) die Stimmen ind regelmäßigen Abständen handschriftlich - so dass zumindest ein (möglicherweise unvollständiges) aber doch in etwa reales Ergebnis zusammenkommt. 

13 Fragezeichen, ein Punkt und ein Ausrufezeichen

Um halb sieben sitze ich im Auto. Heute allein, treffe mich mit meinen Mit-Adlern am Stadion.  Die Nacht ist dunkel. Straßenlaternen. Nasse Straßen. Regen fällt. Ich wühle in den CDs auf dem Rücksitz, werfe eine CD ein (Hank Williams Tribute) und fahre los. Kaum zehn Minuten später frage ich mich, ob das so eine gute Idee war - und dann weiß ich nichts mehr. Tauche ein in einen Tunnel aus Schwärze, blinkenden Lichtern und nass glänzenden Straßen.  Im rheinhessischen Hinterland  ist kaum noch eine Socke unterwegs. Ab und zu leuchtet eine Straßenlaterne. Regen- und Windböen. Der Scheibenwischer kratzt. Wo und wer bin ich? Wohin fahre ich und warum? Grade halten, immer gerade aus. Dort ein paar eingemummelte Gestalten an der Bushaltestelle. Schwärze. Die Autobahnauffahrt, hurra.  Der Scheibenwischer knarzt, Jack White singt. Das Autoradio meldet sich. Staus. Überall. Kilometerweise. Der Regen wird dichter. Ich fahre. Ins schwarze, blinkende, nass glänzende Nichts. Mein Herz klopft. Sind das Autos? Aliens? Weiter, nicht denken. Fahren. Grade aus, immer gerade aus. Runter von der Autobahn. Irgendwie auf Seitenpfaden durchschlagen. Wird schon gut gehen. Path Finder ist mein zweiter Name.  Schilder am Straßenrand. Was stand da? Vorbei. Schwärze. Eine Baustellenmarkierung. Holprige Wege. Der Regen fällt. Wohin führt mein Weg? Schemenhafte Gebäude am Straßenrand. Blätter wirbeln. Die Lichter, die in der Ferne blinken – ist das vielleicht Wanne-Eickel? Bietigheim-Bissingen?? Tombestone? Dodge City?  Laredo? Würde mich nicht wundern, wenn gleich noch Tumble Weeds durchs Bild wirbeln. Da. Ein neues Schild: Frankfurt Stadtmitte. Yeah. "I'm crying, cause I'm so lucky that I found you." Singt Lucinda Williams.

Geschafft. Bin da. Einigermaßen rechtzeitig und genau dort wo ich hinwollte. Es ist viertel vor Acht. Mein Auto und ich stehen mitten im Wald. Es ist stockfinster. Ich stehe in einer Pfütze. Meine Schuhe triefen. Stapfe, schlurfe, rutsche durch glitschige Blätter. Regen nieselt. Dort, dort hinten leuchtet es hell und freundlich. Rotundschwarze Regenjacken und Zipfelmützen. Menschliche Stimmen: "Ei, Gude!" Geschafft. Waldstadion, Eintracht  – ich komme!

Freitag, 2. November 2012

Ein Trainer, der nicht blöd ist, richtig geile Schweißfüße in der Mannschaft hat, die - wenn’s dumm läuft - halt 5, 6 Tore machen müssen und heute einen Riesenschritt machen können, was schon lustig wäre. Ausrufezeichen!



Diesen einigermaßen erstaunlichen Satz sprach Mike Büskens, Trainer von Greuther Fürth, in der Pressekonferenz vor dem heutigen Spiel und er sagt damit eigentlich mehr über seine eigene Mannschaft als über die Eintracht. Greuther Fürth ist nämlich  (und das meine ich gar nicht mal despektierlich)  nach wie vor gefühlt eher zweite Liga. Oder sagen wir so: Es fühlt sich immer noch merkwürdig an, dass die Unaufsteigbaren es tatsächlich in die Bundesliga geschafft haben .

Zweite Liga, das scheint für uns lange, lange zurückzuliegen -  die beiden Spiele gegen Fürth aus der letzten Saison sind aber noch knallhart und bestens in Erinnerung.  Das Hinspiel,  das erste Spiel der „Mission direkter Wiederaufstieg“, in dem es fast schon nach einem Fehlstart aussah und wir das Ding – Batmour sei Dank  **boaheeeeyuuufyep** – am Ende dann doch noch gedreht und die Aufstiegsdinge von Beginn an in die richtige Richtung gebracht haben. Das Rückspiel – der Beginn der Rückrunde noch im Dezember, vor Weihnachten – ein ziemliches Gegurke, ein „konfuses, zerfahrenes, destruktives Spiel“.  Wir wollten die Tabellenspitze stürmen – und mussten am Ende mit einem 0:0 zufrieden sein, hatten (Zitat Bruno Hübner) „einen direkten Mitkonkurrenten auf Distanz gehalten.“

Genau aus diesem Spiel wollen die Fürther  für heute Abend „einiges mitnehmen“. Das ist gut zu wissen – dann müssen wir also einfach nur das Gegenteil von dem machen, was wir letztes Jahr gemacht haben: Unser eigenes Spiel aufziehen, flach und schnell spielen, Bälle halten, wach und schnell in Zweikämpfe gehen.   Und Edgar Prib nicht allein laufen lassen -  ich würde nämlich nicht darauf wetten, dass er  – so sich ihm die Chance bietet – den Ball noch einmal an den Pfosten schiebt.

Auch Armin Veh hat natürlich – wie immer vor einem Spieltag – in einer Pressekonferenz Rede und Antwort gestanden. Die PK  brachte dieses Mal besonders viel Schnurriges an den Tag.  Wir wissen jetzt z.B., dass es in der Mannschaft zwar keinen Stinkstiefel, aber vielleicht den ein oder anderen Schweißfuß gibt, der aber trotzdem ein netter Kerle sein kann. Nach dem Training bleibt die Mannschaft – auch nach dem Duschen – noch ein Weilchen zusammen. Marc-Oliver Kempf wäre in der Innenverteidigung leistungsmäßig sehr wohl eine Alternative, soll jetzt aber erstmal noch ein bisschen in die Schule gehen. Wir können auch mit einer 6 und mit zwei Achtern spielen. Warum nicht.  Keine Ahnung was dann hinten passiert, dann müssen wir halt 5, 6 Tore mehr machen. Und es ist gut, dass immer noch Herr Veh (und nicht etwa Herr Palmert) die Mannschaft aufstellt. Also meistens.

Armin Veh erwartet nicht, dass die Fürther sich hinten rein stellen, das sei nicht deren Konzept. Unseres ist es auch nicht: „Nach vorne machen wir wie immer – und nach hinten müssen wir sehen.“ Heute Abend soll es regnen und es wird stürmisch. Letzteres ganz sicher vor allem auf dem Platz!

Ein Hauch von Alltag nach der Niederlage beim VFB. Verletzungssorgen. Leise Zweifel, ob wir die Ausfälle kompensieren können? Alles Quatsch. Alles gut. Zur Not machen wir halt 5, 6 Tore mehr.

Macht es noch einmal: Sieg - und sonst gar nix!

Wo das wohl hin fühlt?

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Spieler der Stunde: Ohne Worte - Alex Meier!

28. Oktober 2012. 9. Spieltag der Saison 2012/13. VFB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt.

1) Die Rahmenbedingungen


2) Der Spielverlauf


3) Die Wahl zum Spieler der Stunde


4) Spieler der Stunde:  Unser Nummer 14 - Alex Meeeeeeeier!



Herzlichen Glückwunsch an Alex Meier - und danke an alle, die sich (trotz Niederlage und Abstimmungspanne) auch dieses Mal wieder an der Wahl beteiligt haben!

Dienstag, 30. Oktober 2012

30. Oktober 2012: Wer macht was?*


Carlos hat sich einen Zeh gebrochen. Pirmin hat Adduktorenprobleme, weswegen Armin gefrustet ist. Ronny geht Uni, spielt heute Abend aber erst einmal gegen den 1. FC Köln, während Benjamin gegen Dortmund antritt. Da ist sicher auch Bruno ziemlich gespannt. Marc hat einen Profivertrag unterschrieben, genauso wie Marc-Oliver. Peer macht die Hütte voll. Tim greift durch. Huub träumt nicht,  aber Sebastian fliegt auf und davon, während Seppl noch Zeit braucht.  Stefan feiert seinen 50. Geburtstag. Lorenz-Günther bekommt eine Chance. Eike ist unschuldig. Kevin ist halb so schlimm. Auch Mandy und Peggy haben zu Unrecht ein schlechtes Ansehen. Das gilt auch für Sandy, was die aber nicht daran hindert die Welt durcheinander zu wirbeln und Chaos zu bringen.  Arjen erinnert an das Vorjahr. Ron will noch mal heiraten und auch Jürgen ist kein Außenseiter. Barack macht es wie Gerhard,  während Mitt Witze macht. Serena ist ungeduldig und Felix verschüttet Grundwerte. Lionel hat keinen Platz mehr in seiner Vitrine. Zdravko ist nächstes Jahr weg.  Bei Lucien ist der Knoten geplatzt. Jupp erwartet Wiedergutmachung, aber Vitali lässt die Zukunft lieber offen.

Montag, 29. Oktober 2012

Aktuelle Umfrage: Spieler der Stunde - Info

Aaaaargs. Wie es im Moment aussieht, gibt es ein technisches Problem bei der laufenden Umfrage zum Spieler der Stunde. Wie es aussieht, reduzieren die Stimmen sich selbsttätig - im Laufe des gestrigen Abends waren es (als ich zum letzten Mal geschaut habe) bereits 18 (Kevin Trapp knapp vor Alex Meier), jetzt sind es nur noch zwei. Ich weiß im Moment nicht, woran das liegt und  hoffe jetzt einfach mal, dass sich  eine Erklärung findet und alle bereits abgegebenen Stimmen wieder "reanimiert" werden können.  Falls Stimmen tatsächlich verloren gegangen sind, würde ich versuchen, sie - mit eurer Noch-Einmal-Abstimmungshilfe - wieder neu einzusammeln.  Bitte lasst euch nicht irritieren, stimmt einfach weiter mit ab. Ich hoffe, dass sich die Abstimmungsabgründe morgen wieder lichten. Himmel und Erde? Hoffentlich nicht lost in space. Danke für euer Verständnis!!

PS: Da ich seit der Deaktivierung des "Robots" unglaublich viele Spam-Kommentare bekommen habe, habe ich die Sicherheitsabfrage jetzt erst mal wieder aktiviert - möglicherweise hängt der Stimmenschwund ja irgendwie damit zusammen. Hoffe, dass ihr die Kommentarhürde trotzdem überwindet - werde den Robot dann schnellstmöglich wieder abschalten.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Himmel und Erde


Heute setzt sich der Adlertross in Richtung Stuttgart in Bewegung. Wir waren, wie so oft in den vergangenen Wochen, gestern schon im Schwäbischen,  auf Krankenbesuch. Ein fast unwirkliches Szenario. Gestern noch Sommer, jetzt rieselte der Schnee. Neblig-nasse, graue Autobahn. Eine weiße, milchige Decke auf dem Äckern und Wiesen, aus der die bunten Blätter der Bäume leuchteten. Es gibt schon merkwürdige Dinge zwischen Himmel und Erde. Apropos…

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Spieler der Stunde im Doppelpack: Alex Meier und Sebastian Juuuuuuuuuuung


Der Kampf tobte hin und her. Mal war der eine vorne, mal der andere.  Erst schien es sogar ein Dreikampf zu werden: die Mannschaft, Sebastian Jung und Alex Meier sammelten Stimme um Stimme und lagen Kopf an Kopf. Dann (ungefähr in der Nacht von Sonntag auf Montag) gab es einen Ruck in Richtung Jung.  Drei, vier Stimmen lag er jetzt vorn, die Sache schien für ihn zu laufen,  aber dann mobilisierten die Meier-Wähler noch einmal alles. Die Stimmen für die Mannschaft stagnierten, Meier holte unaufhörlich auf, setzte sich an die Spitze – ein, zwei Stimmen - , Jung kam wieder heran, Meier setzte sich deutlicher ab (drei Stimmen), noch deutlicher (vier, dann sogar sechs) - jetzt schien es, als sei die Waagschale ganz klar in die Meierrichtung gekippt. Eine Alternativbewegung schwappte durch die Tabelle, auch auf den Konten anderer Spieler trudelten immer mehr Stimmen ein – Trapp, Rode, Schwegler, Matmour – da, jetzt auch eine Stimme für Stefan Aigner, zwei für Zambrano, zwei für Oczipka -  aber wer gedacht hatte, dass sich jetzt bis zum Abpfiff am Ausgang der Partie nicht mehr viel ändern würde, der sah sich getäuscht. Sebi Jung wollte und wollte nicht aufgeben, langsam aber beharrlich näherte er sich: Noch fünf Stimmen, noch vier, noch drei – als ich Montagnacht um ein Uhr ins Bett ging, war noch eine Stunde Abstimmungszeit offen  und Sebastian Jung lag bei der Wahl zum Spieler der Stunde noch zwei Stimmen hinter Alex Meier. Am Dienstagmorgen dann der Blick auf das Ergebnis: Nachts waren noch fünf weitere Stimmen abgegeben worden  – zwei für Alex, drei für Sebi. Alex Meier hatte seinen knappen Vorsprung über die Ziellinie gerettet.

Das Zielfoto entscheidet, zwei Hundertsel sind zwei Hundertsel und eine Entscheidung muss gefällt werden. Muss sie? Dieses Mal, finde ich, muss das nicht sein und habe  mich also entschlossen, den Titel „Spieler der Stunde“  zwei Mal zu vergeben. Die Doppelspitze ist zwar im Moment out, aber Doppelpack ist immer in. Doppelsechs gabs vor ein paar Jahren auch noch keine und jetzt gibt es eben auch den Doppel-SdS. Man muss innovative Wege gehen.

Montag, 22. Oktober 2012

Menschenskinders.


„Was ist das?“ steht in der SMS, die ich am Samstag ungefähr um fünf vor Vier bekomme. Ich bin im Waldstadion, klar. Vor ein paar Minuten ist das 2:0 gefallen. Dieses unfasslich wunderbar herausgespielte zweite Tor. Was machen die denn da? Noch eine Station. Noch eine. Wie im Zickzack an der Linie entlang – tak, tak, tak,  an der Strafraumgrenze von links nach rechts, one touch, fließend, wie selbstverständlich, filigran , traumwandlerisch sicher und dann – es war so unfasslich – dann war da tatsächlich rechts auch noch Sebi Jung. Dann hat Stefan Aigner ihn tatsächlich gesehen – ach, was – gesehen: er wusste, dass er da kommt. Alex Meier wusste das auch, tritt zurück, so dass Stefan Aigner den Ball durchstellen kann, direkt in den Lauf von Sebi Jung und es ist  klar, dass jetzt nichts mehr schief gehen wird, Sebi wird den Ball nicht vertändeln, Sebi wird  das Ding machen, nimmt ihn, läuft ein paar Schritte, zieht ab. Tor. Tor. Tor. Ein rotundschwarzes Knäuel von Armen, Beinen, Körpern.  Sein hundertstes Pflichtspiel für die Eintracht. Sein erstes Tor in dieser Saison. Und was für eines. Und was für eines.

Die ersten 25 Minuten dieses Spiels waren wie eine Urgewalt.  Da war kein Kraut gewachsen.  Da war nichts und niemand, der sie hätte stoppen können. Sie haben die Hannoveraner einfach überrollt.  Bevor die recht wussten, wie ihnen geschieht, waren die beiden Tore gefallen.  Unwiderstehlich. Bedingungslos. Mutig. Inspiriert. Kraftvoll. „Diese Laufbereitschaft,“ ächzt, staunt, ruft mein DK-Vordermann.  Wie die Dortmunder direkt nach der Pause, wie die Nürnberger, die Freiburger, jetzt also  auch die Hannoveraner –  verdutzt, konsterniert, fast schon paralysiert: „Was ist das?“

Samstag, 20. Oktober 2012

Von Adlern, die keine Meckervögel und keine Stinkstiefel sind, gerne im Kreis fahren und nichts ausschließen


Kaum zu glauben, dass das wirklich erst zwei Wochen her ist, dass die Eintracht in Gladbach gespielt hat. In fast schon träumerischer Vergangenheit all die Siege gegen Leverkusen, den HSV und Freiburg, in Hoppenheim, in Nürnberg,  das großartige, abgedrehte Spiel gegen Dortmund.  Schnell noch mal in den Arm gezwickt und auf die Tabelle geschaut, kurz den Blick nach oben gewendet: Doch, tatsächlich, da schwebt sie noch, leicht und luftig, die rotundschwarze Wolke. Eintracht. Zweiter.

Viel passiert ist in den letzten beiden Wochen. Bevor das nächste Kapitel startet, hier noch ein kurzer Blick auf das, was zuletzt geschah:  

Sonntag, 7. Oktober 2012

Hund sind wir schon


Siebter Spieltag der  Bundesligasaison 2012/13. Die Eintracht spielt  in Gladbach und von Spieltag zu Spieltag wird die Stimmung ein bisschen ausgelassener und  selbstbewusste. Wie war das noch gleich?

Am ersten Spieltag  zu  Hause gegen Leverkusen hatten wir Gelegenheit, eine erste „Duftmarke“ zu setzen. (Abgehakt)   

Auswärts in Hoppenheim – das war eine erste Bewährungsprobe. (Abgehakt)

Der angeschlagene HSV zu Hause war zu packen, obwohl mit dem gerade neu zum Team gestoßenen Rafael van der Vaart  ein ganz anderes Team auf dem Platz stehen würde. (Abgehakt)

Auswärts bei den (damals noch)  bärenstarken, unangenehmen, aggressiven Nürnbergern - das war dann der erste richtige Test auf Augenhöhe. (Abgehakt)

Gegen den Meister aus Dortmund war zu Hause auf jeden Fall etwas zu holen. (Abgehakt)

Gegen  Freiburg – da wurde  es dann richtig schwer. Die sind gut auf- und eingestellt. Wir sind Neuling – da waren wir keineswegs Favorit. Und außerdem kennt man ja seine Diva. (Abgehakt).

Jetzt also ist endgültig  Schluss mit Skepsis und Kleinmut:Wir fahren nach Gladbach, um zu gewinnen. Gladbach ist angeschlagen. Gladbach ist zerstritten. Gladbach hat unter der Woche in der Europa-League eine derbe Heimniederlage gegen Fenerbahce Istanbul einstecken  müssen. Wie viel Tore wollen wir ihnen einschenken und wer macht sie dieses Mal? So lauten die vor dem Spiel meist gestellten Fragen.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Spieler der Stunde: Unsere Nummer 14 - Alex - MEIII-EEER


Über keinen anderen Eintracht-Spieler habe ich in der vergangenen Saison so viel geschrieben wie über Alex Meier – was allein schon daran lag, dass er insgesamt 10 Mal zum Spieler der Stunde gewählt wurde. 10 – in Worten ZEHN  - Mal -  das ist fast ein Drittel aller Spieltage: Es war Alex Meier, der von Beginn an zeigt, worauf es ankommt.  Der die wichtigen Tore macht. Das Herz des Angriffsspiels.  Der für die Mannschaft kämpft und rackert. Der im Alleingang für die Entscheidung sorgt. Der das Spiel der Mannschaft prägt und inspiriert. Der Kapitän. Der überragende Techniker und Torschütze. Der nicht aufsteckt und den Mund aufmacht. Der unbedingt will.

Nicht mehr zu toppen? Doch – fast hätten wir es geschafft und Alex Meier wäre an diesem 6. Spieltag der Saison 2012/13 der erste Spieler in der Geschichte des SdS geworden, der  alle Stimmen auf sich vereinigt hat. Aber dann kam doch noch  Herr Striebel mit der Nummer 8 – Pirmin Schwegler, Sebastian Rode und Kevin Trapp erhielten vollkommen zu recht und verdient ebenfalls einige Stimmen - und so ist die Wahl des Spielers der Stunde in dieser Woche zwar überaus deutlich, aber eben nicht hundert-, sondern "nur" einundneunzigprozentig ausgefallen.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Voll im Trend

Die Adler sind im Steigflug. Genau der richtige Zeitpunkt, um durch geschicktes Merchandising ein paar Euro mehr in die Kassen der Frankfurter Eintracht zu spülen. Hier exklusiv einige rotundschwarze Produktideen, die das Zeug zum Verkaufsschlager haben.

Montag, 1. Oktober 2012

Glücksvorrat

Via Facebook bin ich in der vergangenen Woche auf einen wunderbar dämlichen Text gestoßen, der sich mit Vorratshaltung unter besonderer Berücksichtigung des Katastrophenfalls beschäftigt. „Was (sic!) sieht eine gut organisierte Speisekammer aus?“ fragt der Verfasser.  Im Folgenden ist zu lesen, dass man nicht darauf bauen sollte, im Fall einer Katastrophe einfach so zum Supermarkt gehen zu können. Auch das Aufbewahren von Vorräten im Kühlschrank ist nicht zu empfehlen, denn: „Wenn es einen Stromausfall gibt, verderben die Lebensmittel in wenigen Tagen.“ Und - obacht:  „Das gilt auch für die Tiefkühltruhe.“ Na so was. Außerdem erfährt der staunende Leser, dass  die Vorratshaltungsexpertin vom Bundesamt für Katastrophenschutz empfiehlt, bei der Katastrophenschutz Vorratshaltung unbedingt auch die eigenen Geschmacks-Vorlieben zu berücksichtigen: „Im Katastrophenfall will man ja nicht auch noch auf Vertrautes verzichten.“ Und ich stelle mir vor, wie draußen die Welt untergeht und die Katastrophenschutzexpertin im Bunker sitzt und sich ein Nutella-Knäckebrot streicht.

Es muss nach dem Sieg gegen den HSV gewesen sein, als wir auf der Rückfahrt vom Waldstadion im Auto saßen und über die Dauerhaftigkeit von Glücksgefühlen sprachen. „Jetzt mal ehrlich – egal, was in dieser Saison noch passiert: Dieser Mannschaft kann man doch gar  nix mehr übel nehmen. Das, was da grad passiert, das wird  uns durch die Saison tragen,“  sprach ich – und wurde schon beim nächsten Heimspiel, in der ersten Halbzeit gegen Dortmund,  eines besseren belehrt. Weil: Der Veh. Und der Japaner. Und der Oschibbka. Und der Trapp. Tatsächlich: Der Trapp.

Sonntag, 30. September 2012

Sie Armin, Sie!


Sechster Spieltag in der Bundesligasaison 2012/13. Die Eintracht liegt auf Platz 2 der Tabelle. Alle schütteln den Kopf, alle Welt staunt und so stellen sich „Armin“ und „Heribert“  den Fragen, die die Welt (hihi) stellt.  „Wie konnte es dazu kommen?“   

Eine durchaus berechtigte Frage – denn war es nicht  Heribert Bruchhagen, der immer davon gesprochen hatte, dass es „so etwas“ nicht geben würde, so lange er bei der Eintracht etwas zu sagen hat? Jetzt haben wir also den Salat. Stehen nach fünf Spielen ganz oben und statt an Spieltagen darauf zu kucken wie Augsburg oder Mainz spielen, interessieren uns vor allem die Ergebnisse von Schalke, Dortmund und Bayern (aaargs, wie blöd, dass die gestern  in Bremen dann doch noch gewonnen haben).

Alle Welt hat heute ein schlechtes Gefühl, warnt vor Freiburg, erinnert an die Eintracht als Diva – ich dagegen bin  vollkommen ruhig, habe keinerlei Befürchtungen,  bin mir vollkommen sicher, dass wir dieses Spiel heute gewinnen werden. Schon deshalb,  weil ich keinen vernünftigen Grund sehe, warum die Mannschaft heute anders spielen sollte als in den vergangenen Wochen. Und wenn sie so spielt, dann wird sie gewinnen – so einfach ist das. Die Jungs wissen, was sie können, sie  haben  Reschbeggt vor dem Gegner und haben sich konzentriert vorbereitet. So what?

Denke doch gar nicht dran, jetzt schon wieder von meiner Wolke herunterzukommen. Wir bleiben weiter euphorisch und Armin Veh bleibt weiter gelassen  - er wird  uns rechtzeitig Bescheid sagen, wenn seine Frau (und sein Hund?) ihn wieder  duzen  - oder wenn es beim "Sie" bleibt und dann wohl doch Anlass besteht, ein neues Saisonziel auszugeben. Alles gut. Und bis dahin probieren wir einfach aus, ob wir Christian Streich, dem Trainer der Freiburger, eine Antwort auf die Frage geben können, die ihn in der vergangenen Saison beim Blick auf den Dortmunder Punkterekord ins Grübeln gebracht hat..„Wie muss es sein, wenn du nie mehr verlierst?“ 

Ich habe große Lust darauf, das herauszufinden.

Sieg und sonst gar nichts! 

Freitag, 28. September 2012

Spieler der Stunde: Der Mannschaft, nein: die… Kennt ihr die Borg? Assimilieren. Egal, Eintracht!!!

War ja klar. Kaum gewinnen wir mal nicht, ist gereizt dran. Ausgerechnet. Um Rührworte über den sogenannten Spieler der Stunde zu schreibulieren. Bei einem Unentschieden, ich betone Remis!, einer Punkteteilung! Wobei mir unsere höchstverehrte Bloglukaschenka äh -chefin immer noch nicht erklärt hat, wieso “der Stunde“. Soll das reichen? 60 Minuten ansehnlich kicken und alle schon so, yabba dabba doo, der ist es! Auch wenn er den Rest der 90, jawohlja, Neunzig! plus x so behäbig rumschlurft wie gereizt vor der ersten Kippekoffeinkazzekraulunit kurz nach Weckerterror.

Kopfschüttel. Dazu noch die Kreuzanmöglichkeit für “Die Mannschaft“. Ist das Spieler oder wie? Würde Max in seinem Deutschaufsatz schreiben, „der Spieler Mannschaft war heute sehr gut. Viele Leser haben die Mannschaft zum Spieler der Stunde gewählt.“ Hey, das gäbe ein Minus, ein dickes, fettes, rotes Minus bei seinem Lehrkörper, der, das muss ich ihm ja, obwohl er Lehrer ist, positiv ankreiden, Dauerkartenbesitzer ist. Und der bei meinem Neunkommaschachtelsatzinferno wohl fließend von der Vollschwarzhaar- nicht in die Grauhaar-, sondern unmittelbar in die Nurnochpopohaarphase gleiten würde, so er ihn hätte lesen müssen…

Tschulligung, ich gleite auch. Daher zurück zur Punkteteilung. Auch so ein blödes Wort, ich mein, gibt ja nicht 1,5 Punkte sondern nur einen Mickrigen für beide. Und der Dritte? Kassiert da der DFB die Prämie? Egal, denn ich gebe es ja zu. War schon “geil“, wie unser Übungsleiter ziemlich unphilosophisch meinte. – Unterbrechung, kurze Rübenzellsammelphase -

Donnerstag, 27. September 2012

Japanisch für Anfänger


Alle Welt macht sich Gedanken: Warum sind die bloß so gut, die Japaner? Meinen Mit-Adler und mich wundert das alles nicht so besonders. Und das liegt daran, dass es uns schon vor Jahren vergönnt war, Einblick in die Abgründe und Geheimnisse der japanischen Seele zu nehmen.  Unsere Eindrücke verdanken wir Dr. phil. Bernd K. Und das kam so.

Bernd K. ist ein guter Freund von uns. Wir studierten zusammen: Komparatistik, also: Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Ein höchst unberechenbarer und wilder Studiengang, in dem man sich grenz- und länderüberschreitend mit Literatur, mit Film, mit Kulturgeschichte und  Philosophie beschäftigt - und den es (deswegen?) an Deutschlands modularisiert-verwalteten Universitäten immer seltener gibt. Aber ich schweife ab. Voraussetzung für die Zulassung zum Hauptstudium war die Lektürefähigkeit in mindestens zwei Fremdsprachen – ok, das kriegt man irgendwie hin – und als weitaus höhere Hürde: Das große Latinum. Ich hatte das Glück, dass ich bis zum Abitur Latein hatte, Fall erledigt. Andere waren weniger glücklich, darunter Bernd K.  Immer wieder neue Anläufe  - Selbstlernverfahren, „Lerngruppen“,  Intensivkurse – , keine Lust, trotzdem irgendwie durchziehen, irgendwann dann zumindest ein paar Grundkenntnisse, das schaff ich locker, zweimalige Anmeldung zur Prüfung: Katastrophe.

Irgendwann war die Zeit abgelaufen. Es gab kein Vertun mehr  – Bernd K. musste den Latein-Schein vorlegen. Er griff zum allerletzten Strohhalm:  Einem Latein-Crashkurs, für wenig Geld angeboten von einem lateinbeseelten Altphilologen, um den sich  alljährlich in den Semesterferien  Verzweifelte, Gebeutelte, Traumatisierte, Gestrandete, Hoffnungslose scharten, damit er sie zum großen Latinum führe.  Wilde Gerüchte machten die Runde:  über schlimmste Folterqualen, schreckliche Entbehrungen und ein gnadenloses Regiment. Eine Art Survival-Training -  vier Wochen, nur Latein, zurückgezogen in einer Jugendherberge im Hunsrück. Nur Füchse, Wölfe,  Pfälzer. Und Latein. Bernd K. war verzweifelt, aber ihm blieb keine Wahl: Er tat es.

Vier Wochen später kam er zurück und hatte Erstaunliches zu berichten: Ungefähr zehn Mann waren mit im Hunsrück gewesen, darunter auch ein Japaner. Klein und schmächtig. Er sprach kein Deutsch, was ausgesprochen ungünstig war, denn wer das große Latinum will, muss eine Übersetzung anfertigen – und der Leiter des Latein-Camps verfügte über allerlei Tugenden, japanisch gehörte nicht dazu. Nach einigem Hin- und Her bekam „unser Japaner“ die Erlaubnis, die Abschlussprüfung – und also auch die Übersetzung – auf Englisch zu verfertigen und die Dinge nahmen ihren Lauf. Während der Rest der Truppe heimlich auf entlegenen Hunsrückpfaden nach Kneipen suchte, ausgeklügelte Versorgungswege zur Beschaffung von Alkohol und Zigaretten organisierte und es auch sonst zu mancherlei verzweiflungsbedingter Unregelmäßigkeit kam  – unser Japaner blieb am Ball. Verbissen, unerbittlich, unermüdlich und immer nur sein Ziel vor Augen. Er stand morgens um 7 Uhr auf, duschte kalt, war freundlich und hilfsbereit  – und lernte. Er sprach kein Wort. Abends ging er pünktlich um zehn Uhr zu Bett. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob und wie er sich während dieser Zeit ernährte. Am Ende des Camps gelang ihm, was zuvor noch keinem vor ihm gelungen war: Er bestand die Prüfung mit einer glatten Eins.

So ist er halt, der Japaner. Er ist mit seinem Latein nie am Ende.

(Für alle, die sich jetzt um den weiteren Lebensweg und das Schicksal von Bernd K. sorgen: Auch er  hat sein Latinum gemacht, irgendwie,  und  am Ende ist dann doch noch etwas Ordentliches aus ihm geworden.)

Mittwoch, 26. September 2012

Wahnsinn!


Dienstagabend, zehn vor 9, Waldstadion. Halbzeitpause. Ich gehe kurz nach draußen. Durchschnaufen. Schwarze, schwarze Nacht, leuchtendes Stadionrund. Es nieselt. Ich gehe ein paar Schritte, stelle mich ein wenig abseits, blicke auf den Wald und auf die Rücken eiiniger pinkelnder Männer. Fühle mich sehr sanft und ein klitzekleines bisschen weh. Nein, nicht traurig. Warum auch? Die Eintracht spielt gut, gegen einen sehr starken deutschen Meister.  In der Reihe vor uns hat mit  unerwarteter Schnelligkeit schon wieder das  gewohnte Geknodder eingesetzt („Der Japaner macht nix nach hinne und verliert die Bäll vorne. Wie der Funkel gesagt hat.“ „Den muss der Trapp doch habbe.“). Unsere Halbzeitanalyse aber ist sehr positiv ausgefallen: Wenn der Schuss von Inui, gleich nach ein paar Minuten nicht knapp links am Tor vorbeigezischt wäre, hätte das Spiel noch ganz anders laufen können. Die Dortmunder stehen sehr hoch, sehr eng, lassen uns kaum Raum. Sind aggressiv, druckvoll, spielstark. Wir können keinen eigenen Druck aufbauen, unser Spiel nicht aufziehen, aber wenn wir durchkommen, ist das immer gefährlich. Zwischenfazit: „Die spielen wie wir, nur  besser.“ Und: „Vielleicht geht ja doch noch was. Habe 3:2 getippt – das kann ja noch klappen.“ Lächeln.

Da stehe ich also und fühle mich sehr sanft. Die Stadiongeräusche zeigen an, dass es gleich wieder losgeht, da drinnen. Die Menschen strömen nach Innen, ich stehe noch ein wenig herum, blicke zum Wald –  die Geräusche, die Atmosphäre, die frische Luft, der Regen  - und denke, dass es doch eigentlich fast verlockend wäre, jetzt zu gehen. Wie gesagt: Nicht weil mich die Mannschaft enttäuscht hat oder ich das Spiel abgeschrieben habe. Habe ich nicht.  Mich lockt einfach die Vorstellung, das Spiel im Regen und ein bisschen aus der Ferne zu verfolgen. Sanft.

Nein, ich habe dem Impuls nicht nachgegeben. Was für ein Glück, was für ein großes Glück! Die nächsten Minuten, diese zweite Halbzeit, gehören sicher zu dem Abgefahrensten, zu dem Großartigsten, zu dem Wunderbarsten, das ich je im Stadion erlebt habe.

Dienstag, 25. September 2012

Zu allem fähig!


Dienstag, 24. September 2012. 15 Uhr und 15 Minuten. Gleich geht es los in Richtung Frankfurt, ins Waldstadion, wo die Eintracht eine Verabredung mit dem (noch!) amtierenden Deutschen Meister Borussia Dortmund hat. Wir wollen heute (endlich einmal) frühzeitig losfahren – rund ums Waldstadion ist nachher nämlich mit erhöhtem Glücksaufkommen zu rechnen. Es regnet, ein trüber Tag, der trotzdem überaus hell leuchtet und – wenn ich Armin Veh in der PK gestern richtig verstanden habe – könnte es sogar sein, dass auf dem Platz der Sonny (er) scheint (hoho).

Fast fängt das alles an, mir ein bisschen unheimlich zu werden.  Können wir wirklich ernsthaft darauf hoffen, dass wir auch dieses Spiel noch gewinnen?  frage ich mich und gebe mir gleich selbst die Antwort:  So richtig fällt mir auch kein Grund ein, der dagegen spricht. Ok. Die Dortmunder haben schon ewig keine zwei Spiele hintereinander mehr verloren. Aber wir haben auch schon ziemlich, also ziemlich lange keine 5 Spiele mehr hintereinander gewonnen. Wie sagt Jürgen Klopp  doch gleich in einem TV-Werbespot: „Ich glaube nicht daran, dass die Angst zu verlieren, dich eher zum Sieger macht als die Lust auf Gewinnen.“

Die Jungs auf dem Platz und wir auf den Rängen – wir haben Lust auf Fußball. Lust auf Siege. Lust, weiter da oben zu  bleiben.  Pirmin Schwegler, unser Kapitän, ist angeschlagen und will doch unbedingt heute dabei sein. Das alles ist viel zu schön, um  jetzt schon wieder aufzuhören.  Oder um es mit Seppl Rode zu sagen: „Wir sind zu allem fähig!“ 

Fünf Siege in Folge. Warum eigentlich nicht? WARUM EIGENTLICH NICHT?

Macht es noch einmal – Sieg!

Spieler der Stunde - unser junger Japaner: Takashi - IIII-NUUU-III!

Kennt ihr das? Als die Abstimmungsphase zur Wahl zum Spieler der Stunde des 4. Spieltags allmählich zu Ende ging, wurde ich immer kribbeliger, weil ich mich darauf freute, den Spieler der Stunde zu küren. Die Worte würden nur so aus mir heraussprudeln. Lobpreisen, huldigen wollte ich sie. Ein Lob- und Glücksfüllhorn wollte ich ausschütten, dabei aber auch die ein oder andere ungemein witzige und pointierte Anmerkung einstreuen. Ein buntes, glückssprudelndes Bild wollte ich zeichnen. Und dann: Nichts. Die Worte, sie wollen nicht kommen. Die Bilder: Unzulängliche Krakel.  So viel Lob in den letzten Tagen. Schlagzeilen. Interviews. Jubelarien. Erklärungen. Überall, überall, wohin man schaut: Adler.  Facebook quillt über vor  Fotos, Zitaten, und Glück.  Der Doppelpass erklärt die Eintracht zum Vorzeigeverein. Bruno Hübner erhält die goldene „Best Buyer-Sportdirektor“-Medaille am Bande. Sebastian Rode, der (Zitat Armin Veh) in Nürnberg „ganz gut“ gespielt hat, ist im Kicker zum „Spieler des Spieltages“ gekürt worden. Rode, aber auch Jimmy Hoffer und Takashi Inui sind in allen erdenklichen Mannschaften des Tages. Die Süddeutsche Zeitung  beschreibt das Spiel der Eintracht als „zeitlos schön“ und „ohne akademisches Getue.“ (Da ist sie also wieder, die „emininent hohe Spielkultur der Frankfurter Eintracht"),

Und ich: Stumm.

Heute sind alle Blicke bereits nach vorne gerichtet, heute Abend, gleich, also jetzt soll das Glück in eine neue Kurve einbiegen. Ich halte noch einmal ganz kurz an,  blicke zurück auf das noch gar nicht so lang Vergangene, und suche nach Worten.

Sonntag, 23. September 2012

Letzte Minuten und Wahnsinnsaussichten


Am Donnerstagabend, vor dem Spiel der Eintracht in Nürnberg, waren wir in Darmstadt und haben in der Centralstation ein großartiges Konzert gehört. Calexico. Wilder, weher,  melancholischer Texmex.  Aye aye aye.  Ein Hauch von Alamo. Gitarren und Mariachi-Trompeten schwappen über uns hinweg, all the pretty horses und bei der ersten Zugabe wird es ganz still: „Waiting for a miracle.“

Freitagabend. Es gibt verschiedene Orte, an denen ich die letzten Minuten von Eintracht-Spielen verbringe, wenn ich nicht im Stadion bin und es vor dem Fernseher nicht mehr aushalte. In den vergangenen Jahren waren das vorrangig die Minuten, in denen es darum ging, überlebensnot-wendige Punkte zu holen (doch: Auch die Punkte, die wir in der letzten Aufstiegssaison geholt haben, waren  in diesem Sinne überlebens-notwendig).  Ich kreise um die Tanne oder den kleinen Teich im Garten, immer rundherum, rundherum. Oder ich knie auf dem Sofa, mit einer Decke über dem Kopf – immer so, dass ich zwar nicht alles sehen muss, aber kann, wenn ich will. Immer in Hörnähe zum Spiel und Mit-Adler(n).

Noch fünfzehn Minuten zu spielen. Wir führen 2:1. Noch. Und direkt in die Drangphase der Nürnberger hinein, durchfährt es mich wie ein Stich. Es ist, als ob ich jetzt gerade erst merke, wie sehr ich diesen Sieg will. Will. Will. Unbedingt will.  Die drei Punkte. Die Tabellenführung. Den Auftakt-rekord. Diesen Sieg noch. Erst mal. Bitte. Nein, heute geht es nicht ums Überleben. Heute geht es einfach nur um eins: Wir, die Eintracht muss weiterfliegen. Sie müssen, siewir wollen und  werden das Ding jetzt durchbringen. 

Freitag, 21. September 2012

Geschichte(n) schreiben!

Gleich geht' los. Die Eintracht trifft in Nürnberg auf den Club. Dabei geht es um drei Punkte, aber es geht auch um den Platz an der Tabellenspitze, zumindest für eine Nacht. Die Eintracht - so ist überall zu lesen und zu hören - kann heute Geschichte schreiben: Bester Bundesliga-Start ever. Bester Aufsteiger. Ever.

Eben gerade war im Sky-Vorbericht Sebastian Jung zu sehen, auf Besuch in der Bäckerei, bei der er seine Ausbildung absolviert hat. Danach Heribert Bruchhagen im Live-Interview im Stadion und man sieht ihm förmlich den Schauer an, der ihm über den Rücken läuft, als er sich an den 1:0 Sieg gegen den BVB und an 26 Punkte auf dem Winterpausenkonto erinnert, - und an das, was danach kam. Beim Schwenk ins Stadion schwappen die Gesänge der Eintrachtler vor Ort  durchs Wohnzimmer. Ich kann nicht anders, ich singe mit:  "Deutscher Meister wird nur die SGE..."

Ganz egal, ob wir heute Geschichte schreiben - die besten Geschichten, die schreiben wir sowieso: "And we are definitely going to hell, but we have all the best stories to tell."

Lasst uns noch ein bisschen weiterfliegen - oder um es in Gedanken an Sebastian Jung auf gut fränggisch zu sagen: Die Nürnberger - die backen wir!

Sonntag, 16. September 2012

Mit allem Pipapo

An diesem Wochenende steht die Fußball-Bundesliga im Zeichen der Integration und der Chancengleichheit.  Aufs Allgemeine gesehen, kann man an diesen Dingen durchaus seine Zweifel haben, kein Zweifel besteht jedenfalls daran, dass Rafael  van der Vaart – „Rückkehrer“, „verlorener Sohn“, "Raffi"  –  bereits bestens in die Mannschaft des HSV integriert ist. (Da funktioniert – hoho – dann tatsächlich „Integration spielend".).   So gut, dass der HSV von heut auf nachher vom Abstiegskandidaten  zur Spitzenmannschaft und Thorsten Fink zum Spitzentrainer geworden ist.  Man kennt das ja: So ein Star in der Mannschaft hebt die Qualität  des Teams gleich um 53,78 %. Wo  vorher nichts war, ist dann also jetzt 53,78% mehr.

Von all diesen Dingen und gar nicht so geheimnisvollen Vorgängen hat man natürlich auch im Stadtwald gehört  (wir haben ja sogar Videoanalyse und Pipapo) und ziehen uns entsprechend warm an. Seit Tagen werden alle Register gezogen, um zumindest noch eine kleine Chance zu haben, gegen Rafael van der Vaart auch nur irgendwie mithalten zu können. Alle Gedanken drehen sich nur um dieses eine Problem. Händeringend fragt sich ganz Frankfurt Tag und Nacht: Wie? Um  des Himmels willen: WIE können wir diesen Rafael van der Vaart stoppen? Es wurde sogar  schon überlegt, ein überlebensgroßes Foto von Sylvie van der Vaart direkt hinter dem Tor von Kevin Trapp zu installieren, es konnte aber auf die Schnelle nicht hinlänglich analysiert werden, welche Auswirkungen das haben würde. Und auf wen.  

Trotzdem haben wir uns natürlich etwas einfallen lassen  - selbstver-ständlich werden wir der riesigen, der geradezu vandervaartischen Übermacht trotzen - und die Blöd-Zeitung wusste es natürlich als erstes, wie wir das bewerkstelligen wollen:  Nach langen und intensiven Analysen  wird die Eintracht heute Nachmittag „gleich zwei Sonderbewacher“ abstellen, die sich um van der Vaart kümmern: Sebastian Rode und Pirmin Schwegler.

Muhaha. Sagen wir mal so: Wir gehen da nachher raus. Das Stadion ist voll. Die Sonne scheint. Wir spielen mit der gleichen Aufstellung und auch sonst in etwa so wie gegen Leverkusen und Hoppenheim. Wir sind selbstbewusst. Wir sind hellwach. Alles Gute dem HSV - aber erst nach diesem Wochenende. Die Eintracht ist  - nach den Bayern – die einzige Mannschaft, die mit drei Siegen in diese Bundesligasaison starten kann. So wird es sein. Noch ein bisschen weiter auf dem Boden der Tatsachen schweben!

Sieg und sonst gar nix!

Freitag, 14. September 2012

So ein Glück

Zwei Wochen ist es jetzt her, seit dem die Eintracht diesen wunderbaren 4:0-Sieg in Hoppenheim eingefahren hat – und ein bisschen ist es so, als ob man sich nach einem – mehr oder weniger erholsamen – Schlaf räkelt und streckt, die Nase zum Fenster hinaus streckt, und merkt, dass es immer noch da ist, dieses Glück,  das da im Herz vor sich hin schnurrt.

Wenn es der Eintracht schlecht geht,  fällt ein Schatten auf alles andere, das trotzdem schön ist. Wenn es der Eintracht gut geht, ist alles, was schwierig ist, heller und leichter.  Das war bei mir schon immer so. wird wohl auch immer so sein und obwohl die letzten beiden Wochen für mich eher anstrengend und nicht ganz einfach waren, ging es mir trotzdem  (na ja, meistens) gut dabei – hey: Wir. Tabellenzweiter. Eurobbabogaalanwärter. Kommende-Nationalspieler-Hervorbringer. Konzept- und Vision-Haber.  Euphorie- und Trotzdem-Gelassenheit-Verbreiter. Feine Ironiker. Wir können gleichzeitig auf dem Boden stehen und auf einer Wolke schweben. Wir. Das muss uns erstmal einer nachmachen.  

Flashback

Samstag, 1. September 2012

Die Welt ist voller Wunder


(Nicht nur) in der Sportberichterstattung gibt es Begriffe, die besonders gerne und zu bestimmten Zeiten fast sogar inflationär verwendet werden. Nehmen wir zum Beispiel die Wundertüte. Die ganze Bundesliga – eine einzige Wundertüte. Das gilt insbesondere für Borussia Mönchengladbach. Und für Augsburg, aber auch für Werder Bremen - noch nie passte der Begriff besser. Auch Wolfsburg ist - einmal mehr - eine Wundertüte, ebenso wie der VFB Stuttgart. Oder Fortuna DüsseldorfDer HSV war im letzten Jahr eine. Und ist auf gutem Weg im nächsten Jahr in der zweiten Liga vielleicht in die Wundertüten-Fußstapfen des 1. FC Köln zu treten, wobei sich die zweite Liga generell wundertütenmäßig nicht lumpen lässt: Die reinste Wundertüte. 

Auch Spieler können Wundertüten sein.  Balotelli war während der EM eine, sogar eine „muskulöse“. Theo Gekas war eine, als er damals zur Eintracht kam.Und auch unter den Neuzugängen in der diesjährigen Bundesliga gibt es wieder eine ganze Menge „Rookies, Wundertüten und Hoffnungsträger“Ramos, der gestern kurzfristig nochmal auf der Transfergerüchteliste stand, wäre so eine  gewesen, bleibt jetzt aber stattdessen bei der Wundertüte Hertha, kommt also bei uns nicht in die Tüte, was gut so ist, denn im Sturm hat die Eintracht bereits zwei: Wundertüte Occean und Wundertüte Koemaha, der schon beim MSV Duisburg eine war. Außerdem ist da ja auch noch die Innenverteidigung, mit Wundertüte Zambrano.  Und nach vorne sollten wir Takashi Inui nicht vergessen. Auch er - eine Wundertüte, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Manchmal stehen Wundertüten (wie in Fürth) vor Zerreißproben, trotzdem gibt es sie – o Wunder -  auf allen Ebenen und in allen Sportarten. Die ganze Olympiade war eine einzige Wundertüte.  Die argentinische Fußballnationallmanschaft ist  eine „Wundertüte mit Weltstars“ und auch der TUS Stockum tritt in in der Fußball-Landesliga an der Pferdebachstraße gegen  Wundertüte WSV Bochum an.  Der TV Hüttenberg ist die Wundertüte der Handballbundesliga  und im Tischtennis kann die „Wundertüte SV Plüdershausen“ sogar  eine Überraschung gegen den TTC Rhön-Sprudel Fulda schaffen, während die Handballfrauen des TSV Greven 09 ein Testspiel gegen (hab ich’s doch gewusst!) die „chinesische Wundertüte“, den Shanghai Handballclub,  bestreiten.

Aaaaaaaaargs. Jetzt wollen wir hier doch mal klipp und klar festhalten. Wundertüte gibt es in dieser Saison nur eine einzige – und die ist rotundschwarz, heißt Eintracht Frankfurt und wird in ziemlich genau drei Stunden in Sinsheim ihre Funken versprühen.

Auswärtssieg!

Mittwoch, 29. August 2012

Spieler der Stunde: Kevin Trapp - Er steht im Tor und nicht dahinter!


Es muss  ungefähr in der Mitte der zweiten Halbzeit des Spiels gegen Leverkusen gewesen sein. Die leere Westkurve gähnte wie eine offene Wunde zwischen all den Fahnen und Bannern im Oberrang, links und rechts. Es steht 1:1 Das Stadion brodelt, pulsiert und vibriert. Liebe. Staunen. Glück. Hingabe. Wir sind ein bisschen fassungslos. Da ist etwas, da passiert etwas, ein ganz besonderer Moment. Wie häufig habe ich in den letzten Wochen mit den (aus meiner Sicht) all zu vielen Neuverpflichtungen gehadert. Gezielte Verstärkungen? Hä? Was bedeutet der Begriff „Verstärkung“, wenn die Gruppe, die zur Verstärkung herbei geholt wird, (fast) größer ist als die, die verstärkt werden soll?  Hier sind wir, zurück in der Bundesliga. Es steht 1:1 und hier und jetzt merke ich, dass ich mich nicht mehr wehren will und kann: Das, was ich da sehe, sieht nicht nur gut aus, es fühlt sich auch richtig an. Kann es sein, dass ich das vor nicht allzu langer Zeit schon einmal gedacht habe? Egal. Dieses Mal ist es anders. Richtig richtig. Aufbruch. Neuanfang. Es war. Es ist. Es wird. Es ist, wie es ist: Eintracht.

Das 2:1. Wir schreien unsere Erleichterung in den Himmel. Umarmungen – nach vorne, nach hinten. Alte, liebgewonnene und neue DK-Nachbarn. Hüpfen. Sinnfreies einander auf den Rücken Klopfen. Und bei all dem fühle ich mich von Innen heraus fast still – große Momente, stilles Glück. Der Ruderer Lauritz Schoof  huscht durch meinen Kopf. Vor einem Jahr hatte er durch eine kleine Unachtsamkeit seine Mannschaft um dem sicher geglaubten WM-Titel gebracht, jetzt in London hat er mit seinem  Vierer Olympia-Gold geholt und inmitten all des Jubels um ihn herum  konnte er im Interview zuerst nur einen Satz sagen: „Ich bin so froh.“ Yep.

Die Wahl zum Spieler der Stunde