Sonntag, 20. März 2016

So kann' s gehen

Die letzten Minuten des Spiels der Eintracht gegen Hannover habe ich gestern Abend in der Hocke kauernd,  hinter dem Rücken meines Vordermannes verbracht.  Bitte, bitte, lass es gut gehen. Wir hätten zu diesem Zeitpunkt klar führen können, wenn nicht sogar müssen, und doch hätte es jetzt, in den letzten Minuten, auch noch schief gehen können. Drei Minuten Nachspielzeit, unfasslich wie lange die sein können. Pfeif ab, Pfeif ab. Und dann stehen wir alle, das ganze Stadion, und es ist aus aus aus. Wir haben es geschafft, die drei Punkte sind auf unserem Konto. 1:0. Das knappst von knappem. Aber egal, geschafft. Zentnerlasten, die durchs Stadion rollen. Marco Russ holt seine kleine Tochter aus dem Block und trägt sie in die Kurve. Lukas Hradecky gibt sein Trikot ab, Constant Djakpa steht mit hocherhobenen Armen und strahlt über alle vier Backen und die Kurve stimmt den Eintracht Frankfurt-Walzer an. Nein, wir sind nicht verrückt oder gerade Deutscher Meister geworden, aber ein Hauch von Finnegan's Wake lag in der Luft. Der alte Holzmichel lebt noch. Jetzt können wir anfangen mit dem Anfangen.

Klar, gestern ging es hauptsächlich darum, die drei Punkte irgendwie da zu behalten. Aber es sind nicht nur die Punkte, sondern vor allem die Art, wie wir sie geholt haben, die mir Mut für die kommenden Wochen machen.

Kampf, Leidenschaft? Ja, aber was ich gesehen habe, waren eben nicht nur Leidenschaft und unbedingter Wille, sondern vor allem eine Idee davon,  wie dieser Kampf erfolgreich geführt werden kann. Wie haben wir uns in den vergangenen Wochen über die vielen, viel zu einfachen Fehler und die fehlende Schnelligkeit in unserem Spiel  und Spielaufbau geärgert. Fehler machen wir leider immer noch viel zu häufig und aus im Schnitt eher langsamen Spielern kann man über Nacht keine Dynamiker machen, aber: Da ist jetzt ein systematischer Ansatz erkennbar, wie wir mit den Gegebenheiten umgehen und die damit verknüpften Nachteile verringern können. Für mich sah das so aus, als hätten die Kovacs den Spielern ein Repertoire an Regeln an die Hand gegeben, das ihnen dabei hilft, die offensichtlichsten Fehler zu vermeiden und Spielsituationen zu bewältigen. (Noch) kein System oder Konzept – aber: Probleme erkannt und erste konkrete Gegenmaßnahmen eingeleitet.

Beispiele:

Samstag, 19. März 2016

So oder so

Abstiegskampf-Gedanken, die einem nach dem Spiel in Gladbach während der Woche durch den Kopf geschwurbelt sind:


Was sechs Stunden vor dem Spiel gegen Hannover davon übrig ist:


Montag, 14. März 2016

Elf Denker müsst ihr sein!

Jetzt haben wir also die Lösung: Die Eintracht spielt deshalb derzeit so schlecht Fußball, weil der Verein keine Philosophie hat. Diesen Vorwurf kann ich nicht nachvollziehen.  Denn bekanntermaßen ist– von wegen Frankfurter Schule -  kein Verein nachweislich und von Grund auf so philosophisch geprägt wie gerade die Frankfurter Eintracht. So mag es sein, dass wir keine Philosophie entwickeln, die uns dabei hilft, eine eigene Identität und Perspektive zu gewinnen – bei der Analyse der laufenden Dinge beherrschen wir das philosophische 1 x 1 aber seit jeher perfekt:

Vor jeder Saison haben wir große Pläne:
„Die Welt als Wille und Vorstellung.“ (Artur Schopenhauer)

Leider werden wir regelmäßig von der Realität eingeholt:
„Umso schlimmer für die Tatsachen.“ (Friedrich Hegel)

Samstag, 12. März 2016

Nimm Zwei!

Hurra, wie leben noch. Schon vor dem Spiel in Gladbach kann man nach der zurückliegenden Woche dieses Zwischenfazit ziehen. Als hätte jemand ein Fenster aufgemacht und frische Luft herein gelassen. Statt sowieso schon zu wissen, was als nächstes passiert oder gesagt werden wird,  ist da endlich wieder Neugier auf das, was hinter der nächsten Kurve zu entdecken ist.

Samstag, 5. März 2016

Bumm und Basta

Wahrlich keine richtig guten Tage für Eintrachtler. Schon befinden wir uns - Hilfe! - in der Phase, in der Hohn und Spott in Mitleid umschlagen. Bekannte und Freunde, die mit der Eintracht nichts am Hut haben (doch, so was gibt es - böse Zungen behaupten: es werden immer mehr) und die sonst gerne ein lockeres Witzchen über Frankfurt und überhaupt auf den Lippen haben, sind längst im Mitleidsmodus angekommen und behandeln mich wie eine Kranke: "Oje...was ist denn da bei euch los?...wie geht's dir denn?" Oder: "Ein schönes Wochenende kann ich Ihnen ja nicht wünschen..." (Kunde, gestern Nachmittag am Telefon).

Tatsächlich bin ich in der vergangenen Woche einmal mehr durch alle denkbaren Eintracht-Täler gegangen - Wut, Enttäuschung, rationale Analyse, Melancholie, leise Hoffnung, Apathie, Resignation, Sarkasmus. Jetzt, am Ende der Woche direkt vor dem Spiel gegen Ingolstadt überwiegt vor allem eins; Das Kämpferische, ich kann nicht anders. Den Tag, an dem ich ins Stadion gehe, um die Eintracht verlieren zu sehen oder mir wünsche, dass meine bösen Ahnungen in Erfüllung gehen, wird es hoffentlich nie geben. Die natürlichen, eingeborenen Reflexe funktionieren noch.

Donnerstag, 3. März 2016

Null Null

Irgendwie sind die Spielergebnisse der Eintracht so etwas wie ein Sinnbild der Mannschaft und der Situation im Verein. Da ist: Nichts, absolut nichts. Aber warum?

Intensive Recherchen haben folgende Bestandsaufnahme ergeben:

Woran liegt es?
An der Verunsicherung (greifbar)
An den sozialen Netzwerken (böse)
An den vielen (sic!) jungen Spielern (können dem Druck nicht stand halten)
An Schiedsrichterentscheidungen (immer gegen uns)
An den vielen Verletzten (und dann auch noch immer andere)
Am Druck (zu hohe Erwartungshaltung)
An den Leistungsträgern (bringen nicht ihre gewohnte Leistung)
An Alex Meier (fehlt)
An Alex Meier (wenn er spielt, trifft er nicht)
An den Fans (pfeifen)
An den großen Vereinen (sind Platzhirsche und haben viel mehr Geld als wir)
An den kleinen Vereinen (haben es leichter als wir)
An nichts (wir tun schließlich alles)

Woran liegt es nicht?
Am Trainer (der kann das)
An den Verantwortlichen (haben ihre Hausaufgaben gemacht)
Am Training (ist geheim)
An der Vorbereitung (läuft konzentriert)
Am Wintertrainingslager (war intensiv)
An den Neuverpflichtungen (passen perfekt und waren für uns finanzierbar)
An der Spielweise (geht im Moment nicht anders)
An der Defensive (steht ordentlich)
An der Offensive (hat einen Rucksack)
An der Kondition (ist vorhanden)
An der Ruhe (die bewahren wir)
Am Konzept (haben wir)
An der Aufstellung (da denken wir uns schon was dabei)
An der Stimmung und dem Zusammenhalt im Team (ist bestens)
Am Verhältnis zwischen Trainer und Team (ist super)
An der Beurteilung der Lage (wissen wir sehr wohl einzuschätzen)

Na gut! Dann wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben als abzusteigen.