Sonntag, 29. August 2010

Das nächste Spiel. Ist immer. Das Schwerste.

Es gibt Niederlagen, nach denen man fürchterlich unter Strom steht und nach dem Abpfiff nichts anderes will, als den Ort des Geschehens schnellstmöglich verlassen. Und dann gibt es andere, bei denen fühlt man sich so als hätte jemand den Stecker herausgezogen. Matt. Konsterniert. Enttäuscht. Ratlos. Das Spiel ist aus und man bleibt einfach sitzen. Gestern war für mich eine solche Sitz-Niederlage.

Dabei hatte der Tag eigentlich ganz gut angefangen. Niederlage in Hannover noch nicht verdaut, aber weggesteckt. Skepsis nicht beseitigt, aber weggeschoben. Zuversicht. Auf dem Weg zum Stadion Stopp an der Fußgänger-Ampel in einem Pulk gut gelaunter Eintrachtler. Ein HSV-Fan-Bus fährt an uns vorbei, aus einem der Fenster weht ein Eintracht-Schal. Lautes Gejohle. Eintracht, Eintracht. Wie Tupfer leuchten vor uns in der Menge die Eintracht-Trikots – Franz. Ochs. Meier. Caio. Wie ein Spotlight auf die Mannschaftsaufstellung.

Im Stadion, im Block dann großes Hallo. Wiedersehen nach der Sommerpause - fast ein bisschen wie Heimkehr. Der Dauerkartentrupp in unserer Ecke ist auch in dieser Saison komplett beieinander geblieben. Alle sind wieder da. Auch der kleine Paul, der in diesem Jahr erstmals stolzer Besitzer einer eigenen Dauerkarte ist. Vollkommen unterschiedliche Menschen, manche mag ich mehr, manche weniger, manchmal nerven wir uns, gar nicht so selten ärgern wir uns sogar übereinander – und trotzdem – irgendwie hier an diesem Ort miteinander verbandelt, schon viel miteinander erlebt, die Macken und Besonderheiten der Einzelnen kennen gelernt. Ein Mikro-Kosmos. Fast überkommt mich so etwas wie Rührung. Hey – wir!

Überhaupt - sie schwappen hoch und heftig, die Gefühlswellen vor diesem Spiel. Zuerst nach oben: Die U 17-Meistermannschaft wird geehrt und geht auf eine Stadionrunde. Sie lachen, strahlen, sind übermütig und ausgelassen, genießen das Stadiongefühl, vorbei an der Fankurve, der applaudierenden Gegengerade , Richtung Gästekurve. „Nur der HSV“ schallt es von dort - die Jungs von der U17 grinsen und winken, die Kurve winkt zurück. Dann ein scharfer Kontrast: Das Gedenken an Jörg Berger. Bilder und Szenen aus seinem Leben auf dem Video-Würfel. Wir stehen und schauen und schlucken. Tränen kullern. Ein Standbild zum Abschluss. Das ganze Stadion erhebt sich und spendet Beifall. Ein anrührender und bewegender Moment.

Das Leben und der Ball rollen unterdessen weiter, unaufhörlich weiter. Europa-Lied. Die Aufstellung sorgt für die ersten erstaunten Blicke: Huch. Maik Franz und doch kein Vasi. Auch kein Tzavellas. Dafür mit Caio. Dann passiert links hinten also tatsächlich das, was wir auf andere Weise bereits aus dem Tor kennen: Egal wer kommt – am Ende spielt Oka, tschuldigung: Benny Köhler. Die Mannschaften laufen ein. 5- 4- 3- 2- 1 – auf Kommando werfen wir alle (Ausnahme: Mein Mit-Adler) die auf den Sitzen bereitgelegten Schnipsel in die Luft - weißer Riese(l) - und dann konzentrieren wir uns auf das Spiel und versuchen herauszufinden, wie die Aufgabenverteilung zwischen Meier und Caio gedacht ist. Wir scheitern. So ganz im Klaren scheinen sich die beiden darüber auch selbst nicht zu sein. Meier steht ein Stück weiter vorne als zuletzt, also irgendwo zwischen 6 und hängender Spitze. Oder doch nicht? Caio soll links – oder doch hängend in der Mitte? Mehr als einmal schaut er sich fragend um: Wohin soll ich? Meier dirigiert ihn – da hin.

Das Spiel in der ersten HZ läuft ganz ordentlich. Anfänglich ein wenig überhastet, aber dann kombinieren wir gewohnt gefällig und ohne Raumgewinn im Mittelfeld vor uns hin. Schwegler deutlich verbessert gegenüber dem Hannoverspiel, Meier (wie mir scheint) einen Tick offensiver, Altintop konstruktiv. Die Eintracht erarbeitet sich eine optische Überlegenheit – und doch, unser Spiel ist merkwürdig statisch. Keine Tempowechsel. Kaum ein schneller Vorstoß. Die Hamburger stehen nahezu perfekt, sie stellen die Räume zu und lassen uns hinten herum kombinieren. Ballverlust der Eintracht, ein schlampiger Pass – sofort die blitzschnelle Vorwärtsbewegung, mal über die Außen (wo Sebi Jung sich redlich gegen Elía müht), mal durch die Mitte, (wo unsere Innenverteidigung nicht besonders gut aussieht). Straight. Schnörkellos. Physisch präsent. Kein bisschen spanisch, kein Dauerkurzpasskombinationsspiel und trotzdem mit System.

Caio scheint irgendwie sein eigenes Spiel zu spielen. Er bemüht sich sichtlich, alles richtig zu machen. Geht halbwegs mit zurück, versucht Bälle zurückzuerobern, aber irgendwie steht er meist falsch, kommt einen Schritt zu spät. Wenn er allein mit dem Ball geht, vorm Tor Fahrt aufnimmt, da blitzt das auf, was er kann und andere nicht. Das war es dann aber auch schon. Ama bemüht sich und ist ein ständiger Unruheherd – leider eher für uns als für die Hamburger. Das moniert vor allem der Herr mit Eintracht-Schal, der heute hinter uns sitzt, und sich von Beginn an auf Ama eingeschossen hat. "Der schwätzt mehr als er läuft."  Mangelnde Laufbereitschaft kann man Ama nun gewiss nicht vorwerfen, aber - aha - da zeigen die Worte des großen Vorsitzenden ihre Wirkung. "Schon widder de Ama." Und: „Der gehört uff die Bank“, motzt er genau in dem Moment, in dem Ama halblinks durch ist, den heranstürmenden Ochs sieht und den Ball zurücklegt. Ochs zieht ab. Tor. Tor. Tor. Wow. Aufspringen. Arme und Schals fliegen in die Luft. Wir führen. Yep. Yep. Yep. Tatsächlich. Also doch. Alles wird gut. Auch der Herr hinter uns hat kurz gejubelt – sein erster Kommentar nach Wiederanpfiff: „Also – des kann mir keiner sage, dass der Ama den Pass absichtlich da hin gespielt hat...“

Die Wolken ballen sich schwarz über dem Stadion und doch sieht es danach aus, als könnte das heute ein sonniger Tag für die Eintracht werden. Krasser Abspielfehler der Hamburger noch in der eigenen Hälfte. Meier stiebt dazwischen, geht alleine aufs Tor, das wird... das ist... Wir springen auf, reißen die Arme hoch. Tooor... Nein, doch nicht. Fassungslosigkeit. „Wenn er den macht, is das Spiel gelaufen...“ „Er muss doch nur...“ „Flach ins Eck schieben...“ Lupfe muss er den, lupfe.“ Wie auch immer. Jedenfalls: Anders.

Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Es regnet jetzt in Strömen, der Platz wird glitschig, insbesondere Fährmann (der einen sicheren und ruhigen, fast zu ruhigen Eindruck hinterlässt) rutscht beim Abschlag mehrfach aus. Merkwürdigerweise ist fast vom ersten Moment an klar, dass wir dieses Spiel nicht nach Hause bringen werden. Später höre ich im Sportstudio, dass van Nistelrooy auffälligster Hamburger war. War er? Für Kid Klappergass war es Mathjisen. Ja, ok. Mathjisen war stark.  Für mich war der stärkste Hamburger trotzdem Zé Roberto. Immer präsent. Anspielbar. Konsequent. Zielstrebig. „Ballbehandlung“ – fast ist es absurd, diesen Begriff auf ihn anzuwenden. Man merkt nicht mal, dass Ze Roberto den Ball „behandelt“ – der Ball gehorcht ihm einfach, es fällt einem gar nicht groß auf, dass da an dem Ball auch noch ein Fuß ist. Und die Ecken? Wow. Angeschnitten. In genau der richtigen Höhe scharf vors Tor gezogen. Ja, der Ausgleich – das war ein krasser Stellungsfehler. Aber eben auch eine perfekt hereingezogene Ecke und ein hellwacher Mathjisen. Und nein: Durch die Auswechslung direkt vor der Ausführung der Ecke darf man sich nicht so aus der Konzentration bringen lassen.

Das Spiel der Hamburger rollt, sie erspielen sich Chance um Chance. „Giiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii“, schallt es aus der HSV-Kurve, wenn Guy Demel über die rechte Seite kommt und der halb so große Benny Köhler tut mir zunehmend leid. Marco Russ eilt ihm das ein oder andere Mal zur Hilfe – fehlt dann aber Innen. Trotzdem – auch wir haben noch unsere Chancen. Der Freistoß von Caio. Der Abpraller, den Ama direkt in die Arme von Rost schießt. Aaaaaaaaaaargh. Frische Impulse von außen tun Not - aber erst nach dem 2:1 (klar: Ecke Zé Roberto, Guerrero verlängert auf Van Nistelrooy.Tor.) entschließt Skibbe sich, zu wechseln - Kittel und Gekas kommen. Zu spät. Es passiert, was passieren musste. Guerrero versäckelt Köhler. 3:1. Köhler trabt mit hängendem Kopf davon und ich ärgere, ärgere, ärgere mich, dass er heute auf eine Mission geschickt worden ist, an der er nur scheitern konnte.

„Die offizielle Stadionwurst“ wird an der Leuchtbande vor der Gegengerade beworben und die Abwanderbewegung aus dem Stadion setzt ein. In Scharen streben die Menschen dem Ausgang zu. Wie ich das hasse. Abpfiff. Zwei Spiele. Null Punkte. Was e Elend.

Wie gesagt: Das gestern - das war eine klassische Sitz-Niederlage. Und so sitze ich also nun. Sehe zu, wie die HSV-Fankurve ihre Mannschaft feiert und zwei Kids an der Bande sich um das Trikot von Marcel Jansen raufen. Nehme auch noch die letzten Schläge in den Magen hin, die der heutige Tag bereithält: Den Sieg der Mainzer in Wolfsburg und den Blick auf das Tabellenende, das zumindest in den nächsten beiden Wochen die Eintracht zieren wird.

Durch feiernde Hamburger machen wir uns den Weg zum Ausgang. Hey, hier kommt Hamburg. Ja ja. Is. Ja. Gut. Draußen vor dem Stadion an den Wurstständen herrscht Hochbetrieb. Die Stimmung ist entspannt. So richtig ernst scheint diesen elenden Start in die neue Saison keiner zu nehmen. Vielleicht zu recht. Vielleicht auch nicht. Im Moment tendiere ich zu - gar nichts.


Epilog
Heimfahrt. Wir diskutieren. Hätten wir die Niederlage heute verhindern können? Hätte es auch anders ausgehen können? So viel besser waren die doch gar nicht. Das Spiel war doch lange Zeit ausgeglichen. Nein, sage ich, nein – das Spiel heute hätten wir nicht gewinnen können. So nicht. Na ja - dann halt gegen Gladbach. Gegen Gladbach? Höret die weisen Worte, die einer meiner jungen Mit-Adler jetzt sprach: „So wie wir spielen, machen wir gegen ‚kleinere‘ Mannschaften keinen Stich. Also müssen wir unsere Punkte gegen die ‚Großen“ holen.“ Eigentlich.

Samstag, 28. August 2010

So oder so

„Ich hab’s mir irgendwie gedacht, dass die Lauterer gewinnen würden“, sprach mein Mit-Adler gestern am späten Abend. „Aha“, sagte ich, „Du hast es dir also gedacht – und warum hast du dann nicht auf Sieg getippt?“ Die Antwort: „Ich hab’s mir gedacht – aber ich hab nicht daran geglaubt.“

Das stimmt mich optimistisch, den bei mir ist es heute gerade umgekehrt: Ich versuche mir, nicht so viel dabei zu denken – aber ich glaube fest daran, dass die Eintracht nachher gegen den HSV 3 Punkte holt. Mit ohne Oka und Franz. Mit ohne Chris. Aber mit Einsatz und Spielwitz, mit Toren und mit Kampf. Von mir aus auch mit Glück. Vielleicht ja sogar mit Entertainment-Garantie (wie der Kuh-Beurteilungswettbewerb  in Bismarck, wie Zappo, der Geburtstagszauberer  oder wie die Playstation von Sony). Und wenn es sein muss, dann halt auch noch mit Hausfrauensoße (wie das Matjesfilet, das heute nachmittag im Businessclub des Waldstadions verspeist werden wird). Jedenfalls: Ohne Quatsch.

Sieg!

Mittwoch, 25. August 2010

Von Adlern und Störchen

Aschaffenburg oder Büttelborn? Das war die Frage, die sich uns gestern am späten Nachmittag stellte. Die Nähe zu Büttelborn gab den Ausschlag – und so fuhren wir bei Wind und Sonnenschein ins Ried, um die Eintracht-Traditionsmannschaft einmal live und in Farbe zu erleben. Selten haben wir so schnell und so einfach den Weg in ein Stadion gefunden - immer geradeaus, dann rechts, dann wieder rechts und gleich am Ortseingang von Büttelborn noch einmal : Huch – das Stadion. Am Nachmittag hat es kräftig geschüttet, wir parken an einer trockenen Stelle im Acker und waten auf die andere Straßenseite ins Stadion.

Erst seit einigen Wochen weiß ich, dass zwischen dem SKV (= Sport- und Kulturverein)  und der Eintracht eine direkte Verbindung besteht. Büttelborn ist der Heimatverein von Hans-Dieter („Fips“) Wacker  der (auch dies weiß ich erst seit kurzem) in den späten 70er-Jahren als eines der größten Nachwuchstalente der Eintracht galt und dessen Leben einen so tragischen Verlauf  nahm. Er absolvierte nur ein Spiel für die Profimannschaft, wurde bereits mit 21 Jahren zum Sportinvaliden, arbeitete danach als Trainer und starb mit nur 34 Jahren. Am Eingang des Stadions in Büttelborn erinnern einige am Kassenhäuschen angepinnte Fotokopien an ihn - Zeitungsberichte zum Benefizspiel, das die Eintracht nach seinem abrupten Karriereende 1980 in Büttelborn austrug. Und an das zweite, 13 Jahre später, direkt nach seinem Tod.

Die Eintracht in Town - da wird nicht selten ein kleines Volksfest mit Honoratioren, Tschingderassa und – z.B. in diesem Fall – Nostalgie-Touch gefeiert – aber nichts da – hier in Büttelborn hat das Ganze einen eher beiläufigen Charakter. Auch nicht schlecht. Ein E-Jugend-Spiel auf dem Kleinfeld vorneweg, ein umlagerter Getränkestand, ein paar Sitzbänke und ein Bratwurststand (sehr lecker, die Wurst der Metzgerei Herbert) – das ist es auch schon. Rund um das Spielfeld stehen tiefe Pfützen auf der Laufbahn, der Rasen ist saftig grün und tief durchgeweicht. Die SKV „Old Boys“ sind bereits dabei sich aufzuwärmen – nach und nach trudeln auch die Eintracht-Spieler ein und - Schande, Schande – es ist für uns gar nicht so einfach, den ein oder anderen zu identifizieren. Charly Körbel – logisch. Ronnie Borchers – na klar. Dietmar Roth. Und da ist ja auch – yep – Thomas Zampach, Fußballgott. Das da drüben, das ist doch – jawohl das ist Slobo Komljenovic. Und mit der 11 – das muss… das ist doch… ja klar: Cesar Tobollik.

Die Mannschaften laufen ein, flankiert von Norbert Lawitschka, der mit Attila heute ebenfalls in Büttelborn zu Gast ist. Der Stadionsprecher erzählt uns ein bisschen was zu den „Vitas“ der Spieler, die heute für die Eintracht auf dem Platz stehen. Im Tor steht Hans Steinle. Steinle? Ok, der hat nie für die Eintracht gespielt (stattdessen für die Stuttgarter Kickers), ist aber der Stammtorwart der Traditionsmannschaft und wohnt hier ganz in der Nähe. Ebenso wie André Wiedener, der heute ebenfalls mit von der Partie ist und im Nachbarort Dornheim zu Hause ist. Zusammen gezählt hat die Mannschaft, die heute für die Eintracht auf dem Platz steht, über 2.000 Bundesligaspiele auf dem Buckel – fast ein Drittel davon gehen auf Charly Körbel.

Die Old Boys aus Büttelborn heißen Mo und Mobbes, Olle, Mörder und „de Geerer“ (= der, der aus Groß-Gerau kommt) – und nachdem der Stadionsprecher uns dies erzählt hat, hat er entweder keine Lust mehr oder der Lautsprecher wird abgeklemmt – denn bis zur Halbzeit hören wir keinen Mucks mehr von ihm – keine Torschützen, keine Einwechslungen. Keine Halbzeit-Musik-Beschallung – alles geht seinen gemächlichen Gang. Die Sonne versinkt allmählich hinter den Bäumen, die Kids laufen mit Kästen herum und sammeln Pfandflaschen ein („Für unsere Kasse.“), die anderen platschen und schlurfen durch Matsch und Pfützen (Mutter zum kleinen Sohn: „Bleib da fort." Denkste!) - und ich werde Zeuge eines bemerkenswerten Dialogs zwischen zwei Jungs: sehr kleiner rothaariger Junge zum größeren Jungen im Eintracht-Trikot: „Bist du mein Freund?“ Größerer Junge zum kleinen Jungen: „Weiß ich nicht. Aber gleich heb ich dich an den Ohren hoch – das macht mein Papa auch immer.“ - Aha. Das Ried ist ein raues Land, Fremder.

Auf dem Platz spritzt das Wasser und das Spiel plätschert munter vor sich hin. 5:3 führt die Eintracht zur Halbzeit nur knapp - das 4: 3, wunderschön halbhoch nach direktem Zuspiel verwandelt von der Nummer 30 der Eintracht, bei der es sich – anders als am Spielfeldrand gemutmaßt – wohl doch nicht um Caio gehandelt hat. Der war ja zu dieser Zeit in Aschaffenburg.

In den letzten 15 Minuten steht zur allgemeinen Erheiterung der schwergewichtige Schorsch im Tor der Büttelborner, der (aaah – da isser ja wieder der Stadionsprecher) sich seinen Platz in der Mannschaft beim Weinfest ersteigert hat. Das ist natürlich eine gelungene Vorlage für Thomas Zampach, der publikumswirksam mit Schorsch herumblödelt - naaaaaain, er behält sein Trikot an, aber er garniert seine Torschüsse zwischendurch schon einmal mit einigen Liegestützen.

Dann ist das Spiel aus. 9:3 für die Eintracht. Kleine Pulks auf dem Spielfeld, aber kein großer Run auf die Spieler. Das vorrangige Interesse gilt dem Bier danach, auch Metzger Herbert macht weiterhin gute Geschäfte. Wir sitzen, schlendern, kucken noch ein bisschen – vorbei am Vereinsheim, wo Zampe gerade die Tür zur Eintracht-Umkleide aufreißt und laut „Zicke zacke zicke zacke heu heu heu“ brüllt. Ein nackter Hintern blitzt, die Tür fällt ins Schloss und wir plitschen und platschen zurück zum Parkplatz. Über dem Stadion kreist – nein – das ist nicht Attila. Es ist, es sind Störche – zwei fliegen gerade Richtung Horizont, zwei weitere sitzen auf dem Fluchtlichtmast und tun das, was man von Störchen erwartet: Sie klappern. Still und schön und majestätisch.

Charly Körbel eilt schnellen Schrittes über den Parkplatz, das Handy am Ohr. Er steigt in sein Auto und braust davon. Im Westen leuchten noch die letzten Sonnenstrahlen hinter den Wolken, im Osten steht bereits ein runder Mond über den Dächern. Tschüss, Büttelborn. Tschüss, Störche. Schön war’s.

Dienstag, 24. August 2010

Stimmt/Stimmt nicht

Aus gegebenem Anlass ,-)

Stimmt:
„Drei Punkte zu Beginn ist sehr wichtig, sie stärken das Selbstvertrauen und man kann beginnen, sich in der Tabelle festzubeißen. Es ist immer besser mit Punkten zu beginnen, als direkt hinterherzulaufen und die Tabelle von unten anschauen zu müssen.“
Michael Skibbe vor der Auftaktniederlage in Hannover.

Stimmt nicht:


Alan Hansen (ehemaliger Spieler des FC Liverpool, heute Fernseh-Experte) in einem Fernsehkommentar im Jahr 1995, nach einer Auftaktniederlage von Manchester United gegen Aston Villa. Zum Team von ManU gehörten in dieser Saison fünf Spieler, die 20 Jahre oder jünger waren: Gary Neville, Phil Neville, David Beckham, Paul Scholes und Nicky Butt. ManU wurde am Ende der Saison Meister und holte den Pokal. Der Satz "You don't win anything with kids" gilt als eine der legendärsten fußballerischen Fehlprognosen.

(Dank ins Rheinhessische Hinterland für das anregende T-Shirt ,-)

Montag, 23. August 2010

Der Russ, der Russ

Montagmorgen. Immer noch drückt das Samstagsspiel der Eintracht auf mein Gemüt. Sorgenumwölkt sitze ich vor meinem PC. Da – ein Anruf – eine Geschichte und - ei, wer sagts denn -: Gleich sieht die Welt doch wieder ein bisschen freundlicher aus.

Setting:
Ein Mietshaus mitten in Frankfurt. Im unteren Stock wohnt eine Eintracht-Familie – also: Echte Frankfurter, Hardcore-Eintrachtler, schon seit immer. Bei jedem Spiel der Eintracht wird am Fenster die Eintracht-Fahne gehisst. Im Stockwerk darüber: Ein Ehepaar – er: ruhig und besonnen, in Maßen am Fußball und schon aus allgemein-gesellschaftlichem Interesse  auch an der Eintracht interessiert, sie: Sozial engagiert, vollkommen Fußball-desinteressiert, aber – nicht zuletzt wegen der Mitbewohner im Haus – wohlwissend, dass es so etwas wie die Eintracht gibt.

Die Situation:
Zeit: Samstag, 21. August,  ca. 16 Uhr 55
Unteres Stockwerk: Fahne gehisst, Fenster geöffnet, im Fernsehen läuft das Eintracht-Spiel, Gesprächsfetzen, Rufe.
Oberes Stockwerk:
Er: Vor dem Fernseher. Auch hier läuft das Eintracht-Spiel.
Sie: Kommt gerade zurück aus dem Keller.

Folgender Dialog:
Sie: "Sag mal -  was hat denn die Eintracht seit neuestem mit Russen zu tun? Haben die jetzt einen russischen Spieler?"
Er: "Wie bitte? Russen bei der Eintracht? Wie kommst du denn darauf? Quatsch!"
Sie: „Und warum schreien die da unten dann immer ‚Der Russ, der Arsch‘ und ‚Schon widder – der Drecks-Russ‘…?"

Rotundschwarz meint: Ein klarer Fall für das Stadteil-Rassismuskommitee ,-)

(Herzlichen Dank an meinen Mit-Adler, der mir von diesem Telefonat erzählt hat!)

Samstag, 21. August 2010

Es ist, wie es ist.

Man hätte es wissen können, eigentlich sogar müssen. Das konnte nicht gut gehen. Vor dem Spiel habe ich mit keinem – KEINEM – Eintrachtler gesprochen, der nicht davon überzeugt war, dass wir in diesem Jahr in Hannover gewinnen. Vielleicht musste der eine oder andere sich dazu überreden. Vielleicht hat der eine oder andere sich wider besseres Wissen zum Optimismus durchgerungen. Aber je näher das Spiel rückte, desto größer wurde die Gewissheit. Sieg. Was sonst? Auch bei mir.

Vor ein paar Wochen, als das Auftaktprogramm bekannt wurde, hatte ich noch so meine Bedenken. Von wegen „Mmh, mal sehen, was hier abgeht, wenn wir nach drei Spielen nur einen Punkt haben...“ Aber seit dem Pokalsieg in Wilhelmshaven war es bei mir wie (fast) jedes Jahr vor dem Beginn einer Saison: Ich habe mich dafür entschieden alle Zweifel (z.B. die am „System Skibbe“) beiseite zu schieben und einfach nur optimistisch zu sein und zu glauben. Jawohl, zu glauben. Dieses Jahr wird es wahr. Ein furioser Auftakt in eine große Saison. Einfach mal unbefangen durchstarten. Die Liga aufmischen. Von Anfang an klar stellen, dass mit uns in dieser Saison zu rechnen ist.

Noch einmal, heute Vormittag, gab der Fußballgott mir ein Zeichen. Ein Adler-Freund - gerade auf dem Weg nach Hannover - rief an und erzählte, nicht nur ich, auch er habe heute Nacht geträumt – und zwar vom Spiel in Hannover. Nach 20 Minuten führte die Eintracht bereits mit 3:0. Spätestens, also spätestens jetzt, hätte ich hellhörig werden müssen – nein, das konnte nicht gut gehen. Aber ich schlug auch dieses Zeichen in den Wind. Ich will, ich will, ich will, dass dieses Jahr alles anders wird. Sogar in der Halbzeitpause, als schon offensichtlich war, dass dieses Spiel gewiss kein Selbstläufer werden würde, habe ich mich nicht entlödet, lauthals zu verkünden: „Denkt an mich – dieses Spiel gewinnen wir noch. Garantiert.“

Und dann nahm es also seinen Lauf, das Auftakt-Desaster, mit dem keiner gerechnet hatte und das doch gerade deshalb absehbar war. Tatsächlich. Verloren. Wir haben mit 2:1 in Hannover verloren. Huch. Und leicht erschüttert stellen wir fest: Das war nichts. Gar nichts. Maik Franz und Marco Russ in der Innenverteidigung heute komplett überfordert. Oka bestätigt alle, die seit Wochen mahnen und ein Torwartproblem erkennen. Meier auf der 6 verschenkt. Gekas steht wo er muss, trifft aber trotzdem nicht. Das fällt auch Michael Skibbe auf, der stattdessen den spielstärkeren Altintop bringt. Vergebens. Tzavellas muss gelbrotgefährdet raus, der bis dahin ganz ordentlich spielende Benni Köhler findet sich wieder einmal links hinten ein und zeigt dort ungewohnte Schwächen. Ümit kommt ins Spiel und macht eine höchst unglückliche und konfuse Figur. Caio soll es richten? Soll er? Oder soll nur – präventiv – vorgeführt werden, dass auch er uns nichts gebracht hätte? Beweis gelungen. Dann kurz vor Schluss doch fast noch der Ausgleich, der doch nur Kosmetik gewesen wäre. Aus.

Aber zum Glück ist der Tag ja noch nicht gelaufen. Die Pokalauslosung wird ein Trostpflaster bereithalten. Und tatsächlich: Steffi Jones zieht zuerst die Kugel mit dem Eintracht-Logo. Heimspiel. Na also. Und gegen wen? Gegen den HSV. Na, das nenne ich eine lösbare Aufgabe!

Wie gesagt: Man hätte es wissen müssen. Es ist, wie es ist. Und es wird schon werden. Wird's ja immer. Oder?

Ich hab geträumt heut nacht

Heute Nacht hatte ich einen merkwürdigen Traum.

Es ist der erste Spieltag der Bundesliga-Saison 2010/2011. Das Eröffnungsspiel – die Bayern spielen gegen Wolfsburg. Das Stadion ist  ausverkauft und vor dem Anpfiff gibt es im Stadion eine große Show. Riesige Plastikkugeln rollen herein, 18 Stück – eine für jeden Bundesligaverein. Vorneweg die Bayern, danach alle anderen. In der Kugel steckt - wie ein Hamster in seiner Hamsterrolle - jeweils ein Mensch, der die Kugel nach vorne bewegte. Was hat das zu bedeuten? "Was Sie hier sehen", verkündet die Reporterstimme aus dem Off, "ist ein großartiger neuer Service der Bundesligavereine. Bereits vor der Saison wird festgelegt, wie die Platzierungen am Ende aussehen werden. Die Reihenfolge, in der die Mannschaften ins Stadion rollen, entspricht dem Platz, auf dem sie am Ende der Saison landen werden."  Ach du Scheiße. Was soll das denn? Verzweifelt suche ich die Eintracht-Kugel – richtig, da hinter Mainz, an zehnter Stelle, rollt sie ins Stadion. Alles wie letztes Jahr. Leichter Schweiß bildet sich auf meiner Stirn.

Anpfiff. Das Spiel und der Reporter nehmen Fahrt auf.  Er brabbelt vor sich hin, erzählt dass der WM-Funke jetzt auch auf die Bundesliga übergesprungen sei, nicht nur hier in München, überall in der Republik seien die Stadion voll. Überall werde immer besserer Fußball-Service (arrrrgh) geboten. Der Schweiß auf meiner Stirn fängt jetzt bereits an, kleine Perlchen zu bilden. Hilfe, ich will das jetzt nicht weiterträumen. Aber es soll noch schlimmer kommen.

Schnitt zur zweiten Halbzeit. Das Spiel wogt hin und her, trotzdem führen die Bayern. Lattentreffer Wolfsburg, ein knapp verzogener Ball – Wolfsburg drängt, aber der Ausgleich will nicht gelingen. Doch dann – Dzeko. Klar Dzeko. 1:1. Na, also. Ha - so war das sicher nicht geplant. Fußball ist halt doch auffem Platz. Wer sagt denn, dass auch in dieser Saison wieder alles so sein wird wie immer. Aber ich habe mich zu früh gefreut. Ribery auf der linken Seite. Eine lange Flanke. Ein Loch in der Mitte. Ein in den Ball rutschender Schweini - das 2:1 und das Spiel ist aus. Die Bayern haben gewonnen.

Verdammt. Verdammt. Tatsächlich – alles zementiert. Sogar im Traum. Die Kugeln hatten doch recht. Im Vordergrund jubeln die Bayernspieler. Louis van Gaal macht schon wieder sein Ich-bin-Louis-van-Gaal-Gesicht. Im Hintergrund sehe ich, wie eine riesige Meisterschale über dem Stadion einschwebt. Mein Herz schlägt heftig. Kann das wahr sein? Alles vorbei bevor es angefangen hat? Die Saison bereits beendet, bevor sie angefangen hat?

Aber da – was ist das? Plötzlich – von den Rängen herab setzt sich etwas in Bewegung. Es ist rund. Wird immer größer. Das ist...das ist... die Eintracht-Kugel, die vorhin mit ins Stadion gerollt ist. Sie kommt näher, wird immer schneller,  immer größer. Die Bayern-Spieler treten zurück, bilden ein Spalier, die Kugel kommt zum Stillstand. Staunendes, atemloses Schweigen. Jetzt steht das ganze Stadion. Der Deckel der Kugel öffnet sich. Eine Eintracht-Fahne fährt nach oben. Und dann, dann kommen sie - quellen aus der Kugel hervor - ich erkenne Alex Meier, Patrick Ochs, Ama, Marco Russ, Sebi Jung, Maik Franz - ach, da ist ja auch Caio, Pirmin Schwegler, Benni Köhler, Vasi, Chris (hurra Chris!) und Martin, yep! Martin, dann Gekas, Altintop, Tzavellas, der gerade Oka tätschelt, dann Fährmann, Sonny Kittel, Petko, Cenk Tosun und schließlich: Attila erscheint, ein riesiger Attila, er erhebt seine Schwingen...

Ich wache auf, ein Lächeln liegt auf meinem Gesicht. Doch noch mal die Kurve gekriegt. Ja. Ja. Ja. Gut geträumt, Adler. Genau so machen wir’s. Von wegen Zement. Hey - das wird unsere Saison! Und in Hannover fangen wir damit an.

Auswärtssieg!

Freitag, 20. August 2010

Silber und Gold

„Wenn du am Spieltag beerdigt wirst, kann ich leider nicht kommen“, heißt eines der Fußballbücher von Christoph Biermann. So weit würde ich nicht gehen, aber es gibt nicht wenige frohe oder traurige Ereignisse in meinem Leben, die mit der Eintracht verknüpft sind. Und es gibt eine Reihe von Geburstags- oder sonstigen Ehrentagen, die im Laufe der Jahre der Eintracht zum Opfer gefallen sind. Auch heute ist ein Spieltag, der erste Spieltag einer – wie ich jedes Jahr aufs Neue fest annehme – für die Eintracht glorreichen Saison, und es jährt sich ein Geburtstag, an den ich – bevor es losgeht – kurz erinnern möchte.

Flashback. Es ist jetzt gut drei Jahre her, dass in einem Mainzer Programmkino ein Dokumentarfilm lief, der das Leben von Joe Strummer nachzeichnet: „The Future is unwritten“ – Freunde von Joe Strummer sitzen um ein Lagerfeuer und erinnern sich. Ein wilder, poetischer Mix aus Rückblenden, Gesprächen, Dokumentarszenen, Originalaufnahmen, Clips, Zeichentrick, Bildercollagen und Musik. Heute ist der letzte Tag, an dem der Film hier in Mainz läuft – nur zu einer Uhrzeit, abends um sieben -, wir sind spät dran, hecheln zum Kino, erwarten einen gewissen Andrang – aber vor dem Kino ist: Nichts. Huch, haben wir uns vertan? Nein, alles richtig – 19 Uhr soll es losgehen. Aber außer uns ist halt einfach niemand da. Strange. „Zeigt ihr den Film trotzdem….?“ „Ja, klar.“ Und so kaufen wir bei dem Alt-Freak im Kassenhäuschen unsere Tickets, stapfen durch das abgeschubbste Treppenhaus – kein Mensch nirgends - linsen ins Parkett – leer, in den Rang – leer – Wahnsinn, ein ganzes riesiges, altmodisches Kino nur für uns. Fast ein bisschen unheimlich. Hammer. Ein Hauch von Käutner und König Ludwig umweht uns. Wir überlegen, wo wir uns hinsetzen - Platz genug ist ja - und entscheiden uns für den zweiten Rang – einen erhöhten Logenplatz mit nur vier, fünf Reihen plüschiger Klappsessel.

Auf der Leinwand flimmert schon die Werbung als sich die Seitentür zu unserer Loge öffnet. Der Kartenverkäufer tritt ein. Er möchte unsere Karten kontrollieren. Mir klappt das Kinn herunter. Der will uns auf den Arm nehmen, oder? Wir sitzen in einem leeren Kino, wollen uns einen Film über Punk ansehen – der Herr inszeniert hier einen guten Gag?!! Aber nein: Tatsächlich. Er meint es ernst, weist uns darauf hin, dass unsere Karten nur für das Parkett und den ersten Rang gelten und wir – falls wir hier sitzen bleiben wollen – je einen Euro nachzahlen müssen. Inzwischen werde ich von einem unterdrückten Lachkrampf geschüttelt. Mein Mit-Adler bleibt ernst, kramt in seiner Hosentasche. „Na, das können wir dann ja gerne tun...“ „Eigentlich müssen Sie nochmal mit runter an die Kasse kommen, aber wir können das ausnahmsweise auch hier regeln...“ „Ach wirklich? Das ist ja großartig!“ Und dann geht der Film auch schon los. Nur für uns. Musik, Bilderflut. London is calling. Das ist zunächst befremdlich – und wird zunehmend wie ein Sog. Die Merkwürdigkeit der Umstände und der Film treten in Korrespondenz. Überwältigend, unwirklich, anrührend. Irgendwann ist da nichts mehr zwischen uns und der Leinwand, da ist nur noch Musik, da sind die Bilder eines Lebens - und da sind wir. Die Welt da draußen, die gibt es nicht mehr.


Bis zum letzten Namen des Abspanns bleiben wir in unseren Plüschsesseln sitzen, halten uns an den Händen. Dann taucht alllmählich wieder die Wirklichkeit auf. Wir tappern durchs Treppenhaus nach unten. Taumelig. Durstig. Im Foyer des Kinos erwartet uns bereits der Kartenabreißer. Wir verlassen das Kino – er schließt die Tür hinter uns ab.

Joe Strummer war in den 70ern Teil der Londoner Polit-,Country-, Folk-, Punk- und Kunstszene, Mitbegründer, Sänger und Frontman von The Clash. Er trennte sich von der Band, spielte kurzzeitig bei den Pogues, gründete Ende der 90er wieder eine eigene Band – die Mescaleros. Joe Strummer hatte einen Herzfehler, von dem nur wenige wussten. Völlig überraschend starb er vor 8 Jahren, er wurde nur 50 Jahre alt. „A great man and a great musician.” (Johnny Cash)

Freude. Schöner Götter Funken.

„Das Team wird noch Spaß an mir haben!“  Diesen bemerkenswerten Satz sprach Ioannis Amanatidis - und zwar am Anfang dieser Woche, direkt  nach seinem guten Spiel in Wilhelmshaven: „Das Team wird noch Spaß an mir haben.“

Dieser Satz hat mich beschäftigt, fast kann ich sagen: Er hat mich durch die ganze Woche begleitet. Mal ehrlich – das kann man doch so nicht sagen, über sich selbst. Oder doch? Und wenn ja: Was ist gemeint?

Um das herauszufinden, sehen wir uns doch einfach einmal zwei Anwendungsbeispiele aus dem täglichen Sprachgebrauch an:

Beispiel 1:
Eine Oma ist überaus angetan von ihrem kleinen Enkelsohn. Sie erzählt der Nachbarin mit stolzgeschwellter Brust: „Also der Bub – was der alles kann. An dem werden wir noch viel Spaß haben.“  Hier wird also hohe Wertschätzung zum Ausdruck gebracht.

Beispiel 2:
Eine Oma sieht mit großer Besorgnis, was ihr Enkelkind alles so treibt. Sie spricht zur Nachbarin: „Eieiei, der Drecksbangert – an dem werde sei Eltern noch viel Freud habbe.“ Das klingt dann schon eher nach einer Drohung.

Analog lässt sich die Formulierung natürlich auf das Fußballerische anwenden:

Beispiel 1:
Ein Fußballverein hat einen Spieler verpflichtet, dessen Qualitäten im Moment noch nicht so ganz ersichtlich sind. Der Trainer ist jedoch weiterhin von der Qualität des Spielers überzeugt - er sagt in der Pressekonferenz: „Also – dieser Spieler wird dem Verein noch viel Freude machen.“  (Aha: Wertschätzung!)

Beispiel 2:
Bei einer Mannschaft steht ein Torwart zwischen den Pfosten, der dafür bekannt ist, ab und zu mal einen Aussetzer zu haben. „Na“, könnte dann z.B. am Beginn einer Saison der eine Fan zum anderen Fan sagen: „Na - da werde mer widder unsern Spaß habbe.“ (Aha: Be-Drohung)

So weit so klar – jetzt muss man diese Leseweise also einfach nur noch auf die persönliche Sichtweise drehen und - wuppdich - kann man sie auf den Satz von Ama anwenden. Mein erster Übersetzungsversuch aus dem Amanatidischen lautete deshalb:

„Hey – Leute – ich bin verdammt gut. Genaugenommen: Der Beste! Warum sagt das eigentlich keiner?“

Mmh. Das haut schon einigermaßen hin. Trotzdem war ich mit dieser Übersetzung noch nicht ganz zufrieden – war doch der unterschwellig drohende Charakter verloren gegangen. Deswegen unternahm ich einen zweiten Versuch:

„Also ich kann euch garantieren, dass ihr euren Spaß an mir haben werdet – und wehe, wenn einer das Gegenteil behauptet.“

Nochmal mmh.

Wisst ihr was? Unterm Strich ist das sowieso alles Unfug. Und ich hab sowieso noch nie viel von allzu wörtlichen Übersetzungen gehalten. Frei übersetzt hat Ama nämlich etwas ganz einfaches sagen wollen:

„Tooooooooooooooooooor Amanatidis!“  Und: Auswärtssieg!

Samstag, 14. August 2010

Tza. Tza. Hellas.

Eins ist spätestens seit gestern abend klar: Die linke Seite der Eintracht ist nicht mehr das, was sie einmal war. Hach. Da wird zwar nur noch ab und zu verteidigt – aber ansonsten geht da jetzt die Post ab. Wohl wahr: Patrick Ochs war der beste Spieler auf dem Platz, die Kombi Jung und Ochs rollte und rollte. Ama wuselte. Altintop zeigte, dass er möglicherweise ein guter Stürmer, aber kein Goalgetter ist. Aber der eigentliche Hingucker gestern war dieser Vulkan auf der linken Seite, der raumgreifende Lebens- und Spielfreude ausstrahlte.

What a man. Immer (also: immer) in der Vorwärtsbewegung. Mit vollem Körpereinsatz, kraftvoll, ungestüm,sprühend,  lebendig. Hier, hier bin ich. Flanke in den Strafraum. Abgefangen. Wo sollte ich noch mal spielen? Links hinten? Huch – da ist ja gerade ein Roter in Richtung Eintracht-Tor unterwegs. Nix wie hinterher. Oops, der is schnell, den hol ich nicht mehr – ab in die Innenverteidigung, Russ doppeln, dazwischen spitzeln, Ball abfangen, uff, noch mal gut gegangen. Und schon wieder auf dem Weg nach vorne. Er rennt, lächelt, tätschelt alles und jeden, der ihm über den Weg läuft, gestikuliert – Aaah! Zeigt! Deutet – schreitet mit raumgreifenden Armbewegungen, schießt zwischendurch mal eben ein wunderschönes Freistoßtor - ist überall, nur nicht da, wo er eigentlich sein sollte: Links hinten. Aber macht ja nichts. Irgendein Kollege ist sicher grad in der Nähe und hilft aus. Schließt die Lücke. Doch. Doch. Das hatte schon was.

Dazu diese wunderbaren Szenen am Rande:

Tzavellas hat einen Gegenspieler mit raumgreifenden Armbewegungen ausgeknockt, will ihm hochhelfen, tätschelt ihn. Der wehrt ab. Kein Bock. Verzieh dich. Tzavellas dreht ab, kommt zurück, lässt nicht locker, streichelt ihn nochmal kurz. Hey. Komm. Tut mir leid. Der Wilhelmshavener will immer noch nicht. Aber Tzavellas gibt nicht auf. Tätschelt noch mal. Hey, sorry. Von so viel Charme lässt sich sogar der gebeutelte Wilhelmshavener beeindrucken.  Ok. Ok. Grinst ein bisschen widerwillig. Is ja schon gut. Aber jetzt verzieh dich wirklich. Tzavellas lächelt, einmal nochmal tätscheln, dann zieht er ab. Alles gut.

Die Szene nach dem Tzavellas-Tor. Ama, der auf ihn zustürmt, fast noch breiter strahlt als sein Landsmann. Ihn knufft, drückt, und ihm schließlich noch einen liebevollen Tritt in den Hintern mit auf den Weg zum Anstoßkreis gibt.

Und schließlich nach dem Spiel - ach , da ist er ja wieder, der Kombatant, dem Tzavellas vorhin nach seinem Foul keine Chance gelassen hat, weiter ungnädig zu sein. Jetzt umarmen sich die beiden. Tzavellas wird von einem anderen Wilhelmshavener um sein Trikot gebeten. Klar, gerne. Zieht es sich über den Kopf, lächelt, tätschelt. Und im Hintergrund sehen wir Ama, der gerade von einer attraktiven Blondine mit Griechenfahne bestürmt wird und sich - klick! - zum gemeinsamen Foto in Positur stellt. Plaudert. Lacht. Danach dann noch ein Foto mit einem (griechischen?) Platzordner – jetzt wieder ganz der ernst und kühn blickende Held. Cool. Haaaach. Jassu. Opa, Opa. Seitlich schlendert Tzavellas. Wie? Tätschelnd. Natürlich. 

Wie ich aus gut unterrichteten, durstigen (*g) Kreisen weiß, vermeldeten die beiden Bierstände vor Ort bereits zur Halbzeit: Sold out. Egal. Nach dem Spiel wartete ja schon die Bembelbar. Das Stadion glänzte im Abendrot.

Donnerstag, 12. August 2010

5:0 für die Eintracht!

Endlich! Es geht wieder los. Und endlich ist es auch wieder da: Das Kribbeln, das - zumindest bei mir - bis vor ein paar Tagen noch gefehlt hat. Schluss mit dem Geplänkel von wegen: Was erwarte ich von der Saison? Wird sie gut, wird sie schlecht? Wer wird die Nummer 1 im Tor? Wer ist im Sturm gesetzt? Spielen wir ein 4-4-2 oder doch ein 4-2-3-1? Wird  die Saison richtungsweisend? Und von was hängt es ab, ob die Richtung, die sie weisen wird, stimmt oder nicht stimmt?

Stattdessen: Kribbeln. Also nicht irgendein Kribbeln, sondern dieses ganz direkte Ohne-Umweg-über-den-Kopf-Gefühl – diese Welle, die von den Füßen über den Bauch nach oben schwappt und in der Herzgegend hängen bleibt und vibriert: Morgen. Die Eintracht. In Wilhelmshaven.

Auch die Richtung für die Saison ist bei mir schon vorgegeben. Nein, nicht weil ich das „Ca. 50-Punkte“-Ziel vor Augen habe - sondern weil ich den Blick auf den Mannschaftsrat der Eintracht richte. Fünf unserer Jungs, die genau das verkörpern, wie und was die Eintracht in dieser Saison sein kann:

Chris - der erwartete Kapitän: Überragende fußballerische Fähigkeiten. Filigran. Konsequent. Leichtsinnig. Elegant. Lässig. Souverän. Unkonventionell.

Patrick Ochs – der erwartete Stellvertreter: Dynamisch. Hitzköpfig. Antrittsschnell. Schussstark. Hellwach. Verantwortungsbereit.

Ioannis Amanatidis – der überraschende Rückkehrer: Immer in Bewegung. Unbedingter Siegeswille. Kampfbetont. Unbeugsam. Zäh. Willensstark. Mitreißend.

Pirmin Schwegler - der erstaunlich „fertige“ Youngster. Hohes spielerisches Vermögen. Ballsicher. Technisch versiert. Einsatzfreudig. Geradlinig. Ernsthaft. Zielstrebig.

Und:

Alex Meier – endlich (endlich!) da, wo er hingehört. Der, mit dem Gefühl im Fuß. Individualist im Dienste der Mannschaft. Ausgeprägtes Standing. Kampfstark. Torgefährlich. Zurückhaltend. Überraschend. Cool. Unabhängig.

Was für eine Mischung! Jetzt mal ehrlich: Alle reden von Typen - WIR haben sie! Und die Richtung für diese Saison dürfte damit doch nun wirklich eindeutig sein: Es ist alles drin – in diesem Mannschaftsrat. In dieser Eintracht. Und in der neuen Saison.

Sieg!

Sonntag, 8. August 2010

Plitschplatschnass.

Super Soaker Shotblast. Super Soaker Rattler. Super Soaker Bumble. Super Soaker Hydro Fury. Mizumi Oyakata. Mizumi Shubi 2in1. Hier handelt es sich keineswegs um Handfeuerwaffen, sondern lediglich um - oops - handelsübliche Modelle von Wasserpistolen. Wie ich auf Wasserpistolen komme?

Erinnerungsflash: Jürgen D. war der Name eines meiner Mitschüler. Er hatte den Ruf des Klassenclowns, den er z.B. dadurch unter Beweis stellte, dass er auf Bestellung jederzeit sehr laut rülpsen konnte. Befördert wurde diese Fähigkeit – laut eigenem Bekunden - durch den Genuss von ekelhaft süßem Kirschsaft, den man im Getränkeautomaten neben dem Hausmeisterbüro ziehen konnte. So wurde Jürgen D. also häufig von Freunden in der Pause gesponsert (= mit Kirschsaft abgefüllt), damit er in der nachfolgenden Unterrichtsstunde, das tun konnte, was er und einige andere lustig fanden: Laut rülpsen.

Leider war Jürgen D. – wie das bei Klassenclowns häufig der Fall ist – nicht in der Lage zu merken, wenn die Lustigkeit überschritten war und die Peinlichkeit begann. Aber das ist ein anderes Thema, denn immerhin verdanke ich dieser Tatsache eine meiner bleibenden Schulerinnerungen.

Jürgen war – wie gesagt – für jeden Lacher dankbar und so kam es, dass er – der nicht besonders groß war – sich in einer Pause von wohlmeinenden Freunden in einen Papierkorb setzen ließ, aus dem er sich nicht mehr mit eigener Kraft befreien konnte. Es klingelt. Jürgen sitzt fest, die Kollegen ziehen ab. Der Unterricht beginnt. Kurz vorm Ende der Stunde taucht Jürgen im Klassenzimmer auf und zwar ziemlich ramponiert. Er hebt zu einer wortreichen Erklärung an, die mit folgendem Eintrag ins Klassenbuch endet: „D. verbringt den Unterricht im Papierkorb.“

Warum ich das jetzt hier erzähle und was das Alles mit Wasserpistolen zu tun hat? Ganz einfach: Ich grübele die ganze Zeit darüber nach, was der Schiedsrichter, der gestern das Testspiel der Eintracht gegen Udinese Calcio gepfiffen hat, wohl bei der roten Karte für Patrick Ochs in seinem Spielbericht vermerkt hat...?

Vorschläge nimmt dankend entgegen: rotundschwarz.

Donnerstag, 5. August 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel vom 21. Juli bis zum 5. August 2010

Mittwoch, 21. Juli
Die Eintracht spielt in Kehl gegen Racing Straßburg und wir sind dabei. Wir machen eine Kurve über das Elsaß und kaufen im Super-Ü: Ein Six-Pack Orangina. Eine Packung „La vache qui rit“. Eine Tüte Madeleines. Ein Baguette. Wir fühlen uns mächtig französisch, sitzen nach Hitze und Gewitter dampfend im Stadion und sind vergnügt. Ein neben uns sitzender alter Herr erklärt uns Kehl und wir erklären ihm die Eintracht (na ja, so weit man sie halt erklären kann).

Donnerstag, 22. Juli
Ama schlägt in einem Interview schon mal die Pflöcke für die neue Saison ein: Er ist (fit). Er kann (spielen). Er muss (in die Mannschaft). Er wird (demnächst das Wasser des Mains teilen).

Chris steht als Kapitän bereits fest, obwohl er noch nicht feststehen sollte. Das, was vorher bereits Jens Keller, Alex Schur und dem, dessen Namen man nicht aussprechen darf, wiederfahren ist, danach dann Ama und dann auch Spycher traf, das trifft jetzt auch ihn: Der Fluch der Kapitänsbinde. Er wird an der Leiste operiert werden müssen und fällt (mindestens) für einige Wochen aus. Merkwürdige Vorstellung: Wäre das vielleicht nicht passiert, wenn er noch nicht Kapitän gewesen wäre?

Wie auch immer: Damit muss jetzt Schluss sein – ich greife zum letzten Mittel und befrage die Orakel-Kuh. „Wenn der Kaptiänsfluch jetzt beendet ist – dann gib mir ein dreifaches Zeichen.“ Muh. Muh. Muh. Danke!

Freitag, 23. Juli
Thierry Henry bestreitet sein erstes Spiel für Red Bull New York. Da wären er und Oka ja um ein Haar Mannschaftskollegen geworden – also das, was Ama und Maik Franz bereits sind, die auch im Training immer wieder gerne ihre herzliche Verbundenheit unter Beweis stellen.

Samstag, 24. Juli
Die Eintracht spielt in Niederkalbach – ein Festtag für die dortigen Ultras, die zwischen zehn und 16 Jahren alt sind. Anderswo brennt die Hütte – hier brennt das Baumhaus. Putzig. Nach der ersten Halbzeit führt die Eintracht mit 13:0. Das Spiel endet mit 14:1. Auch putzig – zumindest in einem höheren Sinn.

Sonntag, 25. Juli
Ja. Ja. Ich weiß. Kein neues Thema, aber man muss seine Obsessionen pflegen – und heute fällt mir namenstechnisch wieder ein besonders schönes Fundstück in die Hände: Zur Welt gekommen ist „Leo Gideon“. Er ist der Bruder von „Jana Marie“ und „Gero Oliver“. Mal ehrlich: Was soll aus diesen Kindern bloß werden?

Grade mal noch rechtzeitig vor der neuen Saison findet heute die Meisterschaftsfeier unserer Rheinhessenliga statt. Bevor wir uns Steaks und Würstchen und Kartoffelsalat schmecken lassen, findet die feierliche Ehrung des Meisters statt. Mit Pokal und Rede und allem Pipapo. Grummel. Ich habe die Medaille in diesem Jahr schon wieder knapp verpasst. Ein Platz an der Sonne war möglich, aber in den letzten Spielen habe ich geschwächelt, irgendwann nicht mehr an den möglichen Erfolg geglaubt – und – tja – Medaillentraum geplatzt. Mal sehen, welche Schlüsse ich daraus ziehe. Ich glaub: ich setze voll auf Stareinkäufe. So sind sie halt, die Gesetze der Liga.

Ach ja: Als Nachtisch gab es die Coface-Arena. Arrg. Wir haben sie platt gemacht. Natürlich.

Montag, 26. Juli
Ewig nicht mehr gesehen, auf DVD nicht erhältlich, aber heute in Arte. Am letzten Mittwoch sind wir mit der Eintracht nach Westen gefahren, heute geht es noch ein ganzes Stück weiter - mit dem grandiosen Wagonmaster von John Ford.




Dienstag 27. Juli
Ein Adler ist selten allein. Aber an manchen Tagen kommen aus allen Ecken noch welche dazu. Und vielleicht ist es ja gerade umgekehrt: Wir ziehen uns gegenseitig an. Zunächst stoße ich in der Tageszeitung auf einen Bericht über die Jungfernfahrt der „Adler“ von Nürnberg nach Fürth. Dann adlert es in dem Buch, das ich gerade lese („Kapitel 5: Denn er macht sich Flügel wie ein Adler.“) Und dann – tatsächlich. Adler. Sogar auf der Autobahn. Genau genommen: Ein Geisteradler. Nachts. Und dann auch noch betrunken und bekifft. Stutz. Ach so. Radler.

Die Leichtathletik-WM in Bar-the -lona hat begonnen. 100-Meter Vorlauf: „Der deutsche Meister ist unglaublich positiv.“ Mmh - das würde ich in diesem Zusammenhang jetzt aber besser nicht so formulieren. Und was macht die Führende im Kugelstoßen: „Sie kann ganz befreit aufstoßen.“

Mittwoch, 28. Juli
Die Eintracht gewinnt in Göttingen gegen Racing Santander auch das sechste Vorbereitungsspiel. Ich stelle eine kleine Statistik zusammen – klick aufs Eintracht-Archiv – mal sehen….. Also: Insgesamt erzielte die Eintracht 45 bzw. 44 Tore (eines war ein Eigentor) und bekam 7 Gegentore. Es gab 16 Torschützen und zwar folgende: Je ein Tor erzielten – Marcel Titsch-Riveiro, Patrick Ochs, Cenk Tosun und Pirmin Schwegler. Je zwei – Benjamin Köhler, Martin Fenin, Marcos Alvarez, Markus Steinhöfer, Marco Russ, Marcel Heller. Je vier: Ioannis Amanatidis, Alex Meier. Je fünf: Halil Altintop. Je sechs: Caio und Gekas. Die sieben Gegentore verteilen sich auf die Torhüter wie folgt: Rössl (Spielzeit 225 Minuten): 4 Gegentore; Özer (Spielzeit 45 Minuten): 0 Gegentore; Fährmann (Spielzeit 135 Minuten): 1 Gegentor; Nikolov (Spielzeit 135 Minuten): 3 Gegentore.

Anhand dieser Zahlen kann man eindeutig feststellen: Nichts.

Der Abend senkt sich über die Welt, auf dem Herd schmurgelt ein Lecker-Eintopf – da wird es innerhalb von wenigen Minuten draußen erst rabenschwarz, dann schwefelgelb – und dann steht unser Keller unter Wasser, wadenhoch. Bis spät in die Nacht schöpfen, kehren, wischen und tunken wir. Zäh und verbissen. Es ist dämpfig. Egal. Kämpfen und Siegen. Ächz und Stöhn. Duschen. Bier. Bett.

Donnerstag 29. Juli
Tipp eines Forums-Adlers: „Fan geht vor“ hat zur neuen Saison in einer kleinen Auflage Eintracht-Tassen, T-Shirts, Poster und ein Memory aufgelegt – die Tassen mit Motiven der Ausstellung, die im Frühjahr im Museum zu sehen war, die Shirts und das Memory als "poppiger" Eigenentwurf. Ein Teil des Erlöses geht ans Eintracht-Museum. Fein.

Die Feuerversicherung für unser Haus muss überprüft werden. Zum Termin erscheint ein junger Außendienstmitarbeiter, der heute zum ersten Mal bei uns ist. Er sieht die Eintracht-Plakate, Wimpel, das Eintracht-Shirt, das ich – zufällig ,-) – grade trage. „Sie sind Eintrachtler?“ Ja, klar. Adler. „Ich hab bis zur A-Jugend bei der Eintracht gespielt." Die Welt ist klein.

In Bar-the-lona steht heute die Diskuswurfentscheidung bei den Frauen an. Eine Werferin ist schon sehr lange dabei: „Seit 20 Jahren dreht sie sich im Ring.“

Als Beilage in der Mainzer Allgemeinen Zeitung gibt es heute – huch! - ein Mannschaftsposter der Eintracht und im Zeitungsladen endlich auch die Bundesliga-Sonderhefte für die neue Saison. Bei vielen Fußballbloggern quer durch alle Vereine ist das 11Freunde-Heft heute ganz oben auf der Themenliste. Und überall können bei Preisrätseln drei Hefte gewonnen werden. So was.

Das Sgt. Pepper-11-Freunde-Cover fnden alle gut. Jou jou. Diva im goldenen Glitzerkleid is ja schön und gut. Aber ob Ama das witzig findet, wenn er jetzt die ganze Saison so (r)umläuft? Mmh.

Freitag 30. Juli
Melanie Seeger wurde gestern bei der Leichtathletik-WM Vierte im 20 Kilometer Gehen und freut sich einen Ast. Babypause – jetzt Vierte. Unglaublich. Sie kann ihr Glück nicht fassen. Weint vor übersprudelndem Glück. Heute finde ich das Bild der auf dem Boden knieenden Melanie Seeger in der Zeitung. Bildunterschrift: „Seeger verpasst Bronze nur knapp.“ Klar – und deswegen heult sie jetzt. Ein Bild sagt manchmal halt doch nur die Worte, die darunter stehen.

Auch die Eintracht ist bei der EM erfolgreich. Betty Heidler gewinnt im Adler-Weitwurf. Naaaaaaaain – natürlich im Hammerwerfen. Cool.

Sonntag 1. August
Gestern ist die Installation des neuen Logos auf dem Dach des Waldstadions abgeschlossen worden – heute spielt die Eintracht gegen Chelsea. Sie gewinnt auch dieses Spiel – ich ergänze meine Statistik. Altintop schließt mit jetzt sechs Treffern zu Caio und Gekas auf. Ha. Das ist der Beweis. Ich habe empirisch nachgewiesen, was vielerorts zu lesen ist und diskutiert wird: "Vorne sind wir sehr gut bestückt und breit aufgestellt." "Es wird schwierig die richtige Sturmformation zu finden." Ama, Gekas, Altintop werden sich um ein oder zwei Plätze im Sturm streiten. Die Nachwuchsstürmer werden nur wenige Einsatzzeiten bekommen. Fenin wird es schwer haben.. (Klick!)

Alles (fast,-genau so wie bei meiner - hoho - statistischen Auswertung der Vorbereitungsspiele. Ich sag nie wieder ein Wort gegen Statistiken.

Dienstag, 3. August
Während Chelsea im Waldstadion vor der Wintersporthalle trainiert (Mistmistmist - zu spät mitgekriegt. Das hätt ich mir wirklich gern angeschaut.), bricht die Eintracht nach Kärnten zum Feinschliff-Trainingslager auf – mit dem noch verletzten Chris, ohne Juhvel Tsoumou, bei dem jetzt feststeht, dass er nach Aachen wechselt. Alles Gute!

Am späten Nachmittag fahren wir nach Frankfurt, um uns im Städel doch noch die – zum Glück verlängerte - Kirchner-Ausstellung anzuschauen. Als wir nach getaner Tat aus dem Museum herauskommen, steht die Sonne bereits tief, das Museumsufer, der Main leuchten. Summer in the city-Feeling. Hunde, Spaziergänger, Jogger. Auf einer Treppe direkt am Mainufer sitzt eine junge Frau und liest. Ruderboote auf dem Wasser. Plitschplatsch. Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche. Der Wind weht leise Akkordeonklänge vom gegenüberliegenden Ufer zu uns herüber. Schön. So schön. Nothing but the whole wide world to gain. Nothing.



( “All our power is in our hats.” Von wem er den Satz wohl hat? Und: Yes he can, too.)

Mittwoch, 4. August
Im aktuellen Kader der Eintracht gibt es:


Heute ist gleich drei mal der Löwe los: Herzlichen Glückwunsch Benjamin Köhler, Marco Russ und Michael Skibbe.

Donnerstag, 5. August
Ein weiterer Löwen-Geburtstag. Heute nur einer - nur Maik Franz. Das wundert mich nicht – sein Aszendent ist ja auch Platzhirsch.

Im Eintracht-Forum gibt es jetzt wieder täglich die wunderbaren Im-Trainingslager-Vor-Ort-Berichte von Enkhaamer und Exil-Bischemer zu lesen. Vom Spiel gegen US Palermo gibt es einen Liveticker per Blackberry. Es ist schon unfasslich – wenn die Eintracht morgen ein Testspiel auf dem Mond zu bestreiten hätte – ich bin sicher: Es wäre tatsächlich ein Adler vor Ort, der berichten würde.

*** to be continued ***

Montag, 2. August 2010

Qualität. Geballt!

Als ich hörte, dass die Eintracht in diesem Jahr ein Vorbereitungsspiel gegen den FC Chelsea bestreitem würde, war für mich von vornherein klar: Nein. Ich werde nicht im Stadion sein. Die Real-Erfahrung (von wegen "Potemkin") reicht - Spiele gegen europäische Mannschaften schaue ich mir erst dann wieder an, wenn es „in echt“ ist und für die Eintracht um etwas geht.

Aber je länger die Waldstadion-Abstinenz andauerte und je näher das Spiel rückte, desto häufiger kam ich dann doch ins Schwanken. Ob ich nicht vielleicht doch...?

Nein. Nein. Nein. Nix da. Jetzt nicht im letzten Moment noch umkippen. Ich, wir fahren nicht, aber im Fernsehen. Da schauen wir es uns natürlich an.

Pünktlich um halb fünf verschwindet Thekla Carola Wied vom Bildschirm und der Trailer für das Supermatch, den Höhepunkt der Vorbereitung, das große Spiel, läuft. Der Sprecher faselt aus dem Off etwas von einer Revanche für das Spiel Deutschland gegen England (hä?) und Thomas Berthold wird als Co-Kommentator vorgestellt. Im Hintergrund erklingt das Europalied und es kommt mir merkwürdig vor, dass ich hier und nicht dort bin. Als Antidot murmelt mein Mit-Adler etwas von "Harlem Globetrotters" und „was’n Scheiß“. Ja, ja. Is ja schon gut.

Ich versuche mich auf das Spiel zu konzentrieren und das Geschwätz vom „ganz besonderen Spiel“ zu ignorieren. Das ist nicht ganz einfach, denn im Hintergrund des Platzes fahren an der animierten Werbebande ständig Autos oder Busse von links nach rechts und von rechts nach links durchs Bild.

Der Platz sieht aus wie ein Acker (schlechte Qualität) und Chelsea ist zunächst die stärkere Mannschaft – hat also die Qualität, die der Eintracht zunächst fehlt - vor allem im Passspiel. Ashley Cole, so erfahren wir, verfügt links hinten über eine hohe Qualität (Weltniveau) und auch die Qualität der Flanken von Tzavellas kann sich - wenn er denn dazu kommt, eine zu schlagen -  sehen lassen. Überhaupt: Die Qualität des Spiels wird besser - insbesondere auf Seiten der Eintracht, während man Chelsea dringend anraten sollte, doch besser noch einen Qualitätsspieler fürs Mittelfeld zu verpflichten. Und weil Patrick Ochs und Ioannis Amanatidis hellwach sind und Chelsea – da Cech verletzt ist - nicht nur besagter Qualitätsspieler im Mittelfeld, sondern auch ein Qualitätstorhüter (im Tor. Wo sonst?) fehlt, führt die Eintracht zur Halbzeit verdient mit 1:0.

Halbzeitpause. Bei uns: Mit Kaffee und Kuchen. Beim HR: Mit einem Einspielfilm, der an das Europacup-Finale 1960 erinnert.  Hey – Leute. Halblang. Das hier ist ein Testspiel. Kein Anlass, die größten Erfolge der Vereinsgeschichte zu bemühen und zum Vergleich heranzuziehen.

In der zweiten Halbzeit wird viel gewechselt, es werden – unter qualitativen Gesichtspunkten eher bedenkliche – Interviews am Spielfeldrand gegeben und nebenbei wird Fußball gespielt. Chelsea erzielt den Ausgleich und ich könnte wetten, dass das Spiel 1:1 ausgeht. Das Raunen der beiden Kommentatoren erinnert immer mehr an das Kommentatoren-Duo bei der Übertragung des Rosenmontagszuges. Thomas Berthold bekundet, dass er beinahe eingeschlafen wäre („Haha!“) und wenn noch einmal das Wort „Qualitätsspieler“ fällt, beiße ich in den Tisch.

Den Siegtreffer für die Eintracht erzielt Halil Altintop per Elfmeter – und dann reicht die Qualität der Eintracht aus, um den Sieg ins Ziel zu bringen. „Die Fans sind glücklich," verkündet der Moderator. War ich bis eben ein bisschen gelangweilt und genervt - jetzt dann doch noch ein Adrenalinstoß. Also - ehrlich. Glücklich. Jetzt ist aber wirklich genug - beleidigen müssen wir  uns schließlich nicht lassen. Warum zur Hölle soll irgendjemand wegen dieses Sieges glücklich sein? Für die im Stadion anwesenden Adler war es  - hoffentlich -  ein unterhaltsamer Nachmittag mit ,-) guter Stimmungsqualität, qualitativ hochwertigem Ebbler und (außerhalb des Stadions genossener) Qualitätsbratwurst – und ein Sieg gegen Chelsea macht sich ganz nett in der Statistik. Aber glücklich? Die Glücksmomente bei einem Sieg der Eintracht – also die werden in dieser Saison erst noch kommen.

Immerhin bleiben am Ende des Nachmittags dann doch noch einige Erkenntnisse ,-) : Die Eintracht hat sich (bis auf die Qualität des Platzes) qualitativ sehr ansprechend präsentiert. Chelsea muss dringend noch einen Qualitätsspieler fürs Mittelfeld verpflichten – und der Hessische Rundfunk den ein oder anderen Qualitätskommentator.