Mittwoch, 31. März 2010

Rotundschwarzer Eintracht-Schnipsel (the-one-and-only-edition)

Es ist wieder an der Zeit: Morgen werde ich nicht dazu kommen, deswegen mache ich mich heute daran, meine Notizen zu sichten und die letzten beiden Wochen zu verschnipseln. Ich schreibe...

Dienstag, 30. März
Aus Genf wird berichtet, dass das
CERN-Experiment geklappt hat und Atomteilchen mit bisher ungeahnter Energie aufeinander geprallt sind Neue Ära der Physik? Manche sagen so, andere sagen anderes. Auch auf dem Trainingsgelände draußen im Wald waltet eine bisher ungeahnte Energie und einen lauten Knall gibt es auch, nämlich in dem Moment, in dem die Köpfe von Pirmin Schwegler und Chris aufeinanderprallen. Zumindest dieser Knall wird uns noch einige Tage beschäftigen. (Gute Besserung!).

…und genau in diesem Moment steht mein Mit-Adler in der Tür und wedelt mit zwei Tickets. Mist **stirnpatsch** - das hätte ich jetzt fast vergessen. Wir haben heute Abend ja schon etwas vor.

Zufällig haben wir vor einiger Zeit Frank Turner für uns entdeckt. Der Mann ist zwar nicht neverending, aber stattdessen „always“ on tour. In diesem Frühjahr zieht er non-stop durch die USA, England, Deutschland, Belgien, Kanada und Australien. Nicht unwahrscheinlich, heißt es in einem Vorbericht, dass er einem irgendwo ganz in der Nähe begegnet. Heute abend also begegnet er uns bzw. wir ihm in Wiesbaden im Schlachthof. Draußen Regen und Wind. Drinnen eine Mini-Bühne in einem Nebenraum der Halle, kaum 200 Leute, dicht gedrängt. Und nachdem wir die „Achtung-gleich-werden-Sie-Geiseln-nehmen“-Vorgruppe überstanden haben, wird es ein wunderbarer, hüpfender, folk-punkiger, bierseliger Abend.

“And we are definitely going to hell
But we’ll have all the best stories to tell”




Mehr Schnipsel gibt es heute nicht. Aber der Rest folgt - definitely :-) Noch vor Ostern!

Sonntag, 28. März 2010

Wie Venus aus der Muschel

Es gibt Menschen, denen fällt zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit ein Zitat oder ein Sprichwort ein. Z.B. auch Gabriele, einer früheren Freundin von mir, die es liebte, Dinge abschließend noch einmal auf den Punkt zu bringen – häufig in Form eines Sprichworts. Leider war ihre Liebe zum Sprichwort ebenso ausgeprägt wie unglücklich – sie zitierte nämlich grundsätzlich falsch.

Wenden wir uns von Gabriele ab und stattdessen der Eintracht zu, genauer gesagt: dem Spiel der Eintracht beim VFL Bochum. Und noch genauer: Den Spielern der Eintracht, die genau in diesem Moment das 2:1 von Caio bejubeln. Caio selbst ist nicht zu sehen. Er liegt begraben unter einem Berg von Leibern, Trikots, Armen und Beinen. Caio, „unser junger Brasilianer“. Ich starre auf das Knäuel, das da am Boden liegt. Strahle. Lächle. Bin einfach nur froh. Hey, staune ich. Hey – tatsächlich. Das ist der Wahnsinn. Das hätte ich nicht gedacht. So hätte ich das nicht gedacht. Die mögen den, die mögen ihn ja wirklich. Caio gehört zur Mannschaft, nicht nur so und irgendwie. Sondern richtig, ganz richtig. Er ist einer von ihnen, einer von uns. Ümit, Alex, Benny, Marco - die freuen sich nicht nur über das Tor, über den jetzt greifbaren Sieg. Sie freuen sich auch darüber, dass es Caio war, der dieses Tor geschossen hat.

Schon lange nicht mehr hochgehypt. Längst auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Mit der vagen Aussicht auf eine große Zukunft. Irgendwann. Vielleicht. Wenn die Qualität stimmt. Der Caio. Und: Die Eintracht. Mmh. Genau: Die Eintracht.

Wie Venus aus der Muschel – hätte Gabriele gesagt. Und sie hätte recht gehabt. Jetzt warten wir einfach mal ab, ob unsere Jungs auch am Samstag gegen Leverkusen zum großen Hallodri blasen. Und mal sehen, was für einen Salmon ich dann dazu gebe. Oder ob ich ihn lieber esse?

In diesem Sinne: Einfach weiter freuen! Jetzt!

Sonntag, 21. März 2010

So ein Tag

Wenn ich in einigen Jahren an diesen unfasslichen Samstagnachmittag im Waldstadion denken werde, werden mir viele Dinge einfallen: Zum Beispiel diese großartige, wunderbare, wahnsinnige Mannschaft, die fast 90 Minuten gegen einen frühen Rückstand angekämpft und angespielt hat und sich auch von einer und noch einer und auch von der nächsten vergebenen Chance nicht hat entmutigen lassen. An die überraschende Aufstellung werde ich denken und an die bärenstarke Leistung, die Sebastian Jung und Marcel Heller auf der rechten Seite geboten haben. An Chris. An Christoph Spycher, der den ach-so-gefährlichen-Arjen-Robben weitgehend abgemeldet hatte und dem im Notfall Marco Russ und Benny Köhler zur Hilfe geeilt sind. An diese aberwitzigen letzten 20 Minuten des Spiels – als es fast schon so aussah als würde das Ding am Ende doch genau so ausgehen wie Spiele der Bayern am Ende immer ausgehen und als Oka Nikolov ein Tor verhinderte, das eigentlich nicht zu verhindern war. Und die mutigen Auswechslungen unseres Trainers werden mir einfallen, der in den letzten 15 Spielminuten alles auf Sturm setzte und nacheinander Martin Fenin, Ümit Korkmaz und Juhvel Tsoumou brachte. Martin Fenin und Juhvel Tsoumou. Martin Fenin und Juhvel Tsoumou.

Vor allem aber werde ich mich an die Menschen erinnern, mit denen gemeinsam ich im Stadion dieses Spiel, diesen Tag erlebt habe. Das Stadion, das bebt und wackelt und wie ein Mann hinter den Jungs auf dem Platz steht, mit ihnen kämpft und leidet. Dieser unfassliche, unbändige, überbordende Jubel in dem Moment, in dem Alaba den Ball viel zu lässig auf Butt zurückspielt und Juhvel, Juhvel Tsoumou angespritzt kommt und den Ball ins Tor drückt. Ich schreie, schreie, schreie – und alle um mich her tun das selbe. Entfesselt. Abgehoben. Fassungslos. Wir hüpfen. Reißen die Arme in die Luft, können gar nicht mehr aufhören zu jubeln. Das Gefühl, dass das Spiel gelaufen ist. Jetzt haben wir ihn, den Punkt. Nur noch zwei Minuten, jetzt kann nichts mehr passieren. Und dann passiert doch noch was. Martin Fenin, ja, Martin Fenin hat den Ball, lässt Alaba aussteigen, legt sich den Ball nach rechts, treibt fast bis zur Torauslinie und zieht einfach ab – zimmert den Ball ins lange Eck. Und der ist drin, der Ball ist tatsächlich drin und auf einmal ist nichts mehr wie es war. Das ganze Stadion einfach nur noch ein seliger Haufen von vollkommen Durchgeknallten. Schreien. Lachen. Weit aufgerissene Augen. Mützen, Schals, Kappen, die fliegen. Ich klettere auf meinen Sitz, umarme, wen ich greifen kann. Trauben von Menschen. Hüpfen. Hilfloses Schreien. Lachen. Drücke mein Gesicht in eine mir unbekannte Lederjacke. Jemand greift von hinten nach mir, zieht mich zu sich, schreit. Der kleine Paul, der immer mit seinem Papa da ist, steht mit seiner Eintrachtjacke ganz klein und verklärt und fast ergriffen inmitten all der hüpfenden, schreienden, durchgeknallten Eintrachtler. Ich packe ihn, hebe ihn hoch, drücke ihn. Tor. Tor. Tor. Wir haben gewonnen. Tatsächlich. Wir haben gewonnen.

Und dann ist Schluss, wirklich Schluss. Abpfiff und wir lehnen an der Bande. Die Kurve, die Gegengerade. Keiner will sich trennen, keiner will gehen - na ja, die Bayern, die reichlich bedrippelt und fast ein wenig doof in ihrer Kurve stehen, die vielleicht schon. Von hinten, vorne, von der Seite, Menschen, die nach vorne drängen. Dem Spielfeld, der Mannschaft nah sein wollen. Wir schreien. Strahlen uns an. Aufgelöste, glückliche Gesichter. Haarwirbelweh. Verrutschte Jacken. Wir drücken uns. Lachen. Lachen. Lachen. Können gar nicht mehr aufhören zu lachen. Die Mannschaft, die irgendwann in der Kabine verschwindet. Und das halbleere Stadion, in dem die West noch einmal „Eintracht Frankfurt“ intoniert. „Eintracht Frankfurt“ antworten wir von der Gegengerade. „Eintracht Frankfurt“ von der West und wir, die Gegengerade noch einmal als Echo: „Eintracht Frankfurt“. Das war der Moment, in dem ich gedacht habe, dass ich es nicht aushalte, das Glück des Augenblicks, und vielleicht jetzt und hier und gerade in diesem Moment verrückt werde.

Dann leert sich das Stadion doch allmählich und auch wir gehen die Stufen der Treppe hinauf. Langsam, ganz langsam. Ich bleibe stehen, schaue noch einmal zurück ins Stadionrund und stapfe dann die Treppe nach oben. Da steht ein mittelalter Mann, im Eintracht-Trikot. Sieht mir entgegen. Reißt die Arme nach oben. Wir lachen uns an. Ich hab den Mann noch nie gesehen. Aber als ich oben bin, fallen wir uns einfach um den Hals, drücken uns, drücken uns so fest, als wollten wir die Welt aus den Angeln heben. „Endlich“, sagt er an meinem Ohr, „Endlich. Da is sie wieder, unsere Eintracht.“

Vor der Rückfahrt wollen wir noch eine Bratwurst essen, aber es dauert eine Weile bis wir am Bratwurststand ankommen. Umarmungen. Zurufe. Gesänge. Freudenschreie. Wir bleiben stehen, einer fängt an, alle stimmen ein „Schwarz weiß wie Schnee“ singen wir, singen alle. Hinter der Haupttribüne. Vor dem Hauptausgang. Rufen, lachen. Auch im Zelt am Fantreff Black & White wird gesungen. „O wie ist das schön“ schallt es uns entgegen. Und alle, die draußen vorbei laufen singen ganz laut mit. Wir auch.

So also war es an diesem unfassbaren, wundervollen Samstagnachmittag im Waldstadion. Dem Tag, an dem wir in den letzten beiden Spielminuten das Spiel gegen die Bayern gedreht und mit 2:1 gewonnen haben. So ungefähr jedenfalls. Oder vielleicht war es auch einfach so:

Danke, liebe Eintracht!

Samstag, 20. März 2010

Weißblau.

Über der rein hessischen Welt spannt sich ein himmelblauer Bogen. Weiße Schäfchenwölkchen. 16 Grad. Milde Luft. Kräftiger Wind. Ein Tag zum Bäume ausreißen. Ein Tag, um... aber warten wir ab.

Waldstadion. 15 Uhr 25. Die Spannung steigt ins Unermessliche. Nur noch fünf Minuten bis zum Anpfiff. Die Mannschaften nehmen Aufstellung. Gleich werden sie einlaufen. "Schwarz weiß wie Schnee..." schallt es aus dem Stadionrund in den Spielertunnel. Aber da - was ist das? Statt in sich zu gehen, sich zu konzentrieren, geht eine Welle durch die Reihe der Eintracht-Spieler - von hinten nach vorne. Martin sagt es Halil ins Ohr, der lächelt und sagt es Alex. Der grinst und beugt sich hinunter zu Benny. Benny gibt es weiter an Chris, der wiederum an Pirmin, der sagt es Sebi, der übersetzt für Ricardo. Marco weiß sowieso was Sache ist und flüstert es Oka ins Ohr und der, der sagt es dann auch noch dem Christoph: "Ratz und Rübe sind doof und könne nix. Weitersagen."

Sieg!
(Zumindest träumen muss an so einem Tag erlaubt sein ,-)

Mittwoch, 17. März 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel - 6. März bis 17. März 2010

Samstag, 6. März
Seufz. War da wirklich vor ein paar Tagen ein Hauch von Frühling in der Luft? Kurz bevor wir Richtung Waldstadion starten, fegtvor dem Fenster eine dichte weiße Wand aus Schnee und Graupel vorbei. Waagrecht.
Der Sturm im Stadion ist nicht weiß, leider auch nicht rotundschwarz, sondern blau. „Grau und weiß“…ähem „Blau und weiß, das sind die Farben“, singt der Schalker hinter uns., der mit heimischem Liedgut anscheinend nicht sehr vertraut ist.

1:0. Zack. 2:0. Zack. Zack. Halbzeit. Anschlusstreffer: 1:2. Konter 1:3. Überlaufen. 1:4. Aus die Maus. Denkste. Leere Hände, statt Anschluss an die Spitze. Ziemlich desillusioniert stehen wir um kurz vor 6 am Bratwurststand. Die nette Frau am Grill („Ei – nadierlisch – für Stammgäste!“) wirft extra für uns ihre Currywurst-Zerhack-Maschine noch einmal an. Ach ja.

Brumm. Brumm. Heimfahrt durch die wieder winterlich weiß gefärbte Landschaft. Blättern im Stadionmagazin. „Ah – da ist ja das Protokoll des Fan-Chats mit Halil Altintop. Mal sehen…“ Lieblingsfilm: Keiner. Lieblingsbuch: Keins. Lieblingssong: Keinen. Lieblings-Urlaubsland: Kein besonderes. Haustiere? Nein. Traumstadt? Nein. Lieblingsverein? Nein. Naja. Besonders ausgeprägte Vorlieben scheint der Mann nicht zu haben. „Wär mir egal, wenn er wenigstens Fußball spielen könnte,“ raunzt es vom Sitz neben mir. Wir lesen weiter. Halils Lieblingsfach in der Schule? Ich rate: „Keins?“ Falsch. Die richtige Antwort lautet: „Philosophie.“ War ja klar *stirnpatsch*: Der Mann ohne Eigenschaften.

Sonntag, 7. März
Schon hundert Mal gelesen, aber heute muss ich es mir einfach noch einmal gönnen. „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ liegt in einer wunderbaren Neu-Übersetzung vor. Lese, blättere, kichere, zittere mit Tom und Huck und Muff Potter, trinke Tee, knabbere Kekse und lasse die Eintracht Eintracht und die Welt Welt sein. „Ben bewegte sich in einem Hops- und Hüpfgang vorwärts – Beweis dafür, dass sein Herz fröhlich und voller Erwartungen war.“ Gleich mal ausprobieren, ob das auch umgekehrt funktioniert. Hopse. Hüpfe. Doch – geht.

Montag, 8. März
Halil Altintop ist traurig über das 1:4 gegen Schalke. Europa ist für die Eintracht ausgeträumt, obwohl sie gegen Schalke mit Herz und Charakter gespielt hat. Hat sie? 111 Jahre wären jedenfalls ein schönes Alter, um beides zumindest ab und zu unter einen Hut – ähem: Unter eine Kapp (ein Mützje?) – zu bringen..

Interessante Nachrichten gibt es aus Afghanistan: Die Tarnanzüge der Bundeswehrsoldaten wurden mit einem Waschmittel (mit „Aktiv-Formel“) gewaschen, das sie rosa werden ließ. Die rosagefärbten Tarnanzüge sind, wie ich mit Interesse lese, mit Nachtsichtgeräten besonders gut auszumachen, was ihrem ursprünglichen Sinn (genau: Tarnung!) sozusagen diametral entgegenwirkt. Klarer Fall von dumm gelaufen. Bleibt zu hoffen, dass der Taliban die rosa Soldaten nicht für – in mehrfacher Hinsicht ,-) - verirrte Eintracht-Fans hält!

Große Oscar-Nacht. Wir freuen uns darüber, dass Jeff Bridges den Oscar für für die beste männliche Hauptrolle in „Crazy Heart“ bekommt, hoffen, dass es den eigentlich geplanten Film über Merle Haggard irgendwann auch noch gibt und erspähen im Publikum einen Michael Skibbe-bei-der-Geburt-getrennt-Clon (vielleicht Jon Cryer aus „2 and a half man?). Das erhöht die Qualität. Die Oscar-Verleihung endet überstürzt – das Zeitlimit ist ausgeschöpft. Zum Glück kann Tom Hanks gerade noch in die Kameras rufen, dass „The Hurt Locker“ den Oscar für den besten Film erhält. Die zuvor bereits oscar-geehrte und hinter der Bühne verschwundene Regisseurin Katryhn Bigelow galoppiert in ihrem Glamour-Outfit hurtig wieder nach vorne. Und wir, wir galoppieren ins Bett.

Dienstag, 9. März
Am 9. November wurde unser Ex-und-trotzdem-irgendwie-immer-noch Kapitän Ionannis Amanatidis am Knie operiert – heute, genau vier Monate später trainiert er zum ersten Mal wieder in Frankfurt mit. Krafttraining, ein bisschen Lauftraining. Langsam, ganz langsam. Good news!

Das Eintracht-Mützje hat gegen Schalke nix gemützt (hallo, Kid **gg) – trotz seiner deutlich angeschlagener Glücksbilanz schicke ich es heute wieder in Richtung Norden, damit es in Hannover dabei sein kann. Denn: Immerhin auswärts ist es bisher noch ungeschlagen! Generell sollte man Mützen nicht unterschätzen. Die Eintracht teilt mit, dass der Personaletat für die kommende Saison um 2 Millionen Euro aufgestockt wird. Der finanzielle Spielraum – meint die Frankfurter Rundschau – ist überschaubar. Trainer Skibbe wolle den schnellen Erfolg, Klubchef Bruchhagen wolle vorsichtig aufbauen. „Schar-Mütz-el sind da vorprogrammiert.“ Das steht zu befürchten.

Mittwoch, 10. März
Folge den Spuren des Hobokollektivs. Ein Schwarz-Weiß-Foto. Ein Link zu Richmond Fontaine. Statt mich in der Welt zu verlieren, lande ich in Galway, wo RF heute – tatsächlich genau heute :-) - ein Konzert gibt. Galway. Erinnerungen an einen Sommer voller Wind, Wasser, Regen, Smithwicks, Guinness und Liebe. Mit Rucksäcken am Straßenrand, verrauchten Pubs. Käse aus der Tube. Kennys Bookshop. Einer Kuh im Meer. Einem kultivierten, älteren Herrn, der uns in seiner Limousine hinter Galway aufgabelt und zu den Klängen von Mozart durch grüne Täler kutschiert. Das Saturday-Night-„Event“ im Pub in Achill – mit melancholischem Alleinunterhalter, der lustige Lieder singt („I do my own washing, do my own cooking…“). Der Ire, der nach Mitternacht sturzbetrunken auf mich zutorkelt, mich anspricht – mit höchster Anstrengung und um aufrechte HaItung bemüht „I…ve…heard…that…” herausbringt und dann ganz schnell „youarelonelytonight“ hinzufügt – umfällt und von seinen Kumpels abtransportiert wird. Bin ich später jemals wieder so cool und charmant angebaggert worden? Bin ich nicht. Das Meer. Ben Lettery. Dublin. Gespräche im Pub, straight, wahr, gütig. Sätze wie aus einem Film von John Ford, ins Gedächtnis eingebrannt, unvergessen: „It’s the woman who makes the man.“

… oder doch vielleicht eher sein Auto? SEAT ist als neuer Trikotsponsor der Eintracht m Gespräch. Aber auch wenn Fraport als Haupsponsor aussteigen sollte, will der Konzern der Eintracht erhalten bleiben. „Der Verein ist uns ans Herz gewachsen.“ Na ja – was wem so alles ans Herz gewachsen ist… Und was man so alles darunter versteht.

Donnerstag, 11. März
Geschäftstermin in Frankfurt im Gebäude eines großen Konzerns. Alles sehr offiziell, sehr förmlich. Korrekt und höchst offiziell Business-mäßig gekleidete Menschen in Anzügen und Kostümen um mich her. Auch ich im Business-Outfit. Sicherheitskontrollen. Werde am Empfang abgeholt und stehe bereits mit meiner Ansprechpartnerin im Aufzug, der uns nach oben, zu unserem Meeting bringen soll. Die Tür des Aufzugs öffnet sich noch einmal, ein mittelalter Herr witscht herein. Aktentasche, Anzug, Krawatte, angenehmer Duft nach teurem Rasierwasser. Auf seinem Kopf: eine Eintracht-Wollmütze. Sein Blick fällt auf mein Handy, das in einem schwarzundweiß geringelten Eintracht-Täschchen steckt. Wir grinsen uns an.

Freitag 12. März
Abi-Zeitung. Abi-Streich. Abi-Parties. Abi-Mottowochen. Wer in diesen Zeiten sein Abitur macht, hat nicht nur seinen Lernstoff – er hat vor allem auch ein umfangreiches Drumherum zu bewältigen. Heute findet in der Christuskirche zu Mainz der Abitur-Gottesdienst statt, den die Abiturienten weitgehend selbst gestalten. Nun mag man von Gottesdiensten halten, was man will – aber wenn einer stattfindet, sollte es auch einer sein, oder? „Freiheit“ ist das Thema des Abends. Rollenspiele. Sartre. Nietzsche. Emerson. Peter Licht. Luftballons mit Wünschen steigen in den Nachthimmel. Was Freiheit ist, kann ich leider auch nicht so genau sagen. Aber wenn ich jetzt ein Schnitzel bei Mama Binzel im rheinhessischen Hinterland bekomme, ist das eine gute Grundlage, um weiter darüber nachzudenken.

Die Schalker gewinnen gegen Stuttgart und Lena Mayer-Landrut wird „unser Star für Oslo“. Also: Ich finde sie putzig! Lena, mein ich!

Samstag, 13. März
Habe zwar, ach Literatur studiert – bin Doktor gar – aber heute, als ich bei der akademischen Feier zur Übergabe der Abiturzeugnisse sitze und einem Quartett von Haydn lausche – da fühle ich mich genauso unerwachsen und fremd wie bei meiner eigenen Abiturfeier, vielleicht sogar noch ein bisschen fremder. Ach, Leute. „It’s rough out there. High Water everywhere.“ Tränen kullern. Trotzdem. Oder gerade deshalb.


Ein Adler-Freund im norddeutschen Exil war in dieser Saison bei folgenden Eintracht-Spielen dabei: Auswärts in Bremen. Beim Heimspiel gegen Hannover. Auswärts bei Hertha, bei Dortmund und in Hamburg. 3:2. 2:1. 3:1. 3:2. 0:0. Noch keine Niederlage. 13 Punkte aus fünf Spielen. Ungeschlagen. Eine absolut positive Bilanz. Das wird sich heute ändern.

Sonntag 14. März
In diesem langen, kalten Winter ist es fast schon zur Gewohnheit geworden, dass es mich am Sonntag nach dem Aufwachen nicht im Haus hält. Ich packe mich warm ein, zurre den Eintracht-Schal um meinen Hals und schlage mich in den Acker, durchlaufe die flache rheinhessische Landschaft, die sich hinter dem Ort erstreckt, an dem ich lebe. Nach Samstagen, an denen die Eintracht gewonnen hat, bin ich stillvergnügt und hopse, nach Niederlagen melancholisch und nachdenklich. So auch heute. Laufe, lasse mich durchpusten, schaue ins Weite, denke, sortiere mich und meine Gedanken, Bilderrauschen. Mache mir Notizen, Skizzen - kurzer Halt an meinem Lieblingsbänkchen. Hungrig, froh und leicht mache ich mich auf den Heimweg.


(Hallo Celtix :-) - auch da?)

Montag, 15. März
Stuttgart, Wolfsburg, Mainz **grmpfff** - alle an uns vorbei. Zum Glück hat wenigstens Hoppenheim verloren. Bei der Einblendung der Tabelle am Bildschirm ist die Eintracht jetzt trotzdem nicht mehr im ersten Teil, sondern an der Spitze (haha) der zweiten Hälfte zu sehen. Ochs, T-Bär und Franz fallen wegen Gagelmann, vor allem aber wegen eigener Dummheit am nächsten Samstag aus. Der Einsatz von Russ und Spycher ist gefährdet. Aber Michael Skibbe fürchtet „keinen Absturz“ , denn „es ist Hoffnung vorhanden.“
Vor mir türmt sich ein Berg Arbeit. Ein ganz normaler Montag.

„Das ist der Hammer!“ Wäre schön, wenn wir das am Samstag um 17 Uhr 20 ausrufen könnten. Bernd Nickel wird heute 61 Jahre alt.


Dienstag, 16. März
Frühlingserwachen und zwar jetzt wirklich. Die Luft schwirrt von Vogelgezwitscher. Blumenknospen ploppen durch die noch wintergraue Erde. Gegen Mittag durchbricht die Sonne die Wolkendecke. Der Kater wälzt sich auf dem Sonnenfleck im Wohnzimmer, alle vier Pfoten in der Luft.

Dornbirn – diesen Ortsnamen höre ich heute zum ersten Mal. Dornbirn liegt in Österreich, in Vorarlberg. Ich denke, am 18. Juni werde ich mir die Stadt mal genauer ansehen.

Entwarnung vom Trainingsgelände draußen im Wald: Russ und Spycher können am Samstag spielen. Die Vorbereitungen für Samstag laufen auf Hochtouren. Kernfrage: Wer spielt gegen Robben?
Spycher? (Achtung, der Vorschlag kommt aus Offenbach!) Korkmaz? Oder doch der "Mini-Köhler“? Unterdessen läuft Ama zum Glück weiter, wenn auch noch nicht rund.

Ich sag’s doch: Frühling. Lichtblicke.

Mittwoch, 17. März
Dank Patrick Ochs wissen wir seit kurzem, dass bei der Eintracht trainiert wird wie bei Barcelona. Werfe abends einen Blick auf das Spiel des VFB bei Barca und schlagartig wird mir klar: Wir trainieren nicht nur wie Barca – wir spielen auch wie die. Na ja – fast. Diese Passgenauigkeit. Das Tempo im Spiel. Der Ball läuft kurz, direkt, traumwandlerisch über vier, fünf Anspielstationen. Der steile Pass vors Tor kommt genau im richtigen Moment genau da hin, wo er hin muss. Da steht Altintop… ach, sorry, das ist ja Messi.


Na gut. Wir sind nicht Barcelona. Die sind besser als wir. Auch die Bayern sind besser – und zwar – wenn Robben und Ribery spielen – ziemlich viel besser, um genau zu sein: vier Klassen. Meint wiederum Patrick Ochs. Vier Klassen. Mmh. Das ist eine ganze Menge Holz (*g). Was machen wir denn da bloß? Unser Rat: Rausgehen. Fußball spielen. Hintern aufreißen. Und dann – ja – dann sehen wir mal.

Achtung, der will nicht nur spielen!

*** to be continued***

Sonntag, 14. März 2010

Heute kein Pudding!

Flashback. Klassenfahrt nach Tirol. Schullandheim. Unser Begleitlehrer, Herr Rentsch, war damals schon das, was man heute als „old school“ bezeichnen würde. Er hielt sehr viel von Disziplin und von Bewegung in der frischen Luft und so verbrachten wir den überwiegenden Teil unserer Klassenfahrt damit, von a nach b und wieder zurück zu trotten. Wir wandern, wir wandern. Das fanden wir manchmal ganz lustig, meistens aber einfach nur stinkefad.

Als besondere Auszeichnung empfand Herr Rentsch es, wenn er mitunter die Führung der Wanderungen einer Gruppe von Schülern überließ. Heute waren meine Freundin Steffi und ich zu dieser Ehre gekommen und sollten jetzt also – bewaffnet mit einer Wegekarte – die Vorhut bilden, um dem Rest der Truppe die Marschroute zu einem vorgegebenen Ziel zu weisen. „Muss das sein?“ „Warum denn wir?“ „Ok, ok. Wir machen ja schon...“ Und so zottelten Steffi und ich also - voll motiviert, versteht sich ,-) - vorneweg. Wir waren gerade einmal drei Minuten von unserem Ausgangspunkt entfernt, als wir an einer Weggabelung landeten. Links oder rechts? Steffi schaute in die Karte – "Kuck...ah ja, hier ist unser Standort, hier sind die beiden Wege." Zwei Dumme, ein Gedanke. Wir grinsten uns an. Klare Sache: Links. Wir bogen ab, der Rest der Gruppe folgte uns willig und wir landeten – wie aus der Karte unzweifelhaft ersichtlich – vor einer Felswand: Wir hatten die Wanderer in eine Sackgasse geführt. Allgemeines Gickeln, Lachen, Grinsen. Alle fanden das sehr komisch. Alle – bis auf einen – und das war Herr Rentsch. Der war – ja was eigentlich? Enttäuscht? Gekränkt? Jedenfalls richtig, also richtig wütend. Was würde er mit uns anstellen? Er stürmte auf uns zu, riss mir die Karte aus der Hand, schnappte nach Luft, rang sichtlich nach Worten. „Heute kein Pudding!“ zischte er schließlich hervor.

Kein Pudding! Ich weiß jetzt noch genau wie ich mich in diesem Moment fühlte. Alles hatte ich nach seinem Blick erwartet: Strafarbeiten, Weggehverbote, weiß der Geier und jetzt das: „Heute kein Pudding!“ Das war ebenso rührend wie lächerlich und hilflos. Ich musste schwer an mich halten, um vor Lachen nicht laut heraus zu platzen. Und ein ganz kleines bisschen schäbig fühlte ich mich auch.

So verdanke ich Herrn Rentsch mancherlei: Ganz ordentliche mathematische Kenntnisse, viel Bewegung in der frischen Luft, vor allem aber die bei maximal möglicher Wirkung ultimativ sinnloseste Drohung in allen Lebenslagen: Heute kein Pudding!

Zurück in die Zukunft. Zurück zum Spiel der Eintracht gestern in Hannover. Auch da standen ein paar Herren an einer Weggabelung und haben definitiv die falsche Richtung eingeschlagen. Arrrrrrrrrrrggggggh. Bevor ich mich also in meiner Wut darüber verheddere oder unnötig weiter ereifere, folgt die schrecklichste aller Strafen jetzt und hier auf dem Fuß: Heute kein Pudding!

Und zwar für...

...Selim Teber, damit er das nächste Mal seine Reflexe besser unter Kontrolle hat.

...Maik Franz, der ein netter Kerl ist, aber lernen muss, dass auch auf dem Platz "iron" nicht immer und ausschließlich die richtige Lösung ist.

...Patrick Ochs – der zwar gerne weiter auf dem Spielfeld seine Energie ausleben, aber ab und zu einfach auch mal seinen Mund halten sollte.

...den Schiedsrichter Gagelmann, damit er beim nächsten Spiel, das er pfeift, seinen Blindenhund nicht vergisst.

...Alex Meier, der vielleicht nicht der Lieblingsschüler von Friedhelm Funkel war, aber einer meiner Lieblingsspieler ist und den ich deshalb herzlich darum bitten möchte, seinem Phlegma einen Tritt in den Hintern zu geben.

... Halil Altintop, dem noch einmal verdeutlicht werden soll, dass er nicht als brot- und bindungslos links und rechts herumdribbelnder Galerist, sondern als Torjäger verpflichtet worden ist.

... Benny Köhler, damit er merkt, dass eine Saison nicht nur 3 oder 4, sondern 34 Spiele hat.

Und für Michael Skibbe, dem der Pudding-Entzug vielleicht verdeutlicht, dass es nicht reicht, ständig etwas anzukündigen, wenn man es dann doch nicht umsetzt. Der darüber nachdenken sollte, dass man besser nicht die Schuld bei anderen sucht, wenn es genügend Dinge gibt, über die man selbst mal nachdenken sollte. Vielleicht, vielleicht nutzt er die puddingfreie Gelegenheit ja sogar, um eine plausible Erklärung für die gestrige Aufstellung und die weitgehend sinnfreien Ein-, Aus- bzw. Nicht-Auswechslungen in der Defensive zu finden. Lieber Michael, damit wir uns richtig verstehen: Jammern nützt in diesem Fall gar nichts. Das Beklagen fehlender Qualität und die Forderung nach Verstärkung wird in den kommenden Tagen mit weiterem Pudding-Entzug nicht unter zwei Wochen bestraft.

Hugh, ich habe gesprochen. Diskussion zwecklos. Wollen wir doch mal sehen, welche Richtung wir dann am nächsten Samstag einschlagen!

Nachtrag:
Es ist also noch jede Menge Pudding übrig an diesem Wochenende. Den verteile ich – als kleines Trostpflaster - an Nicole und Rosa, an Ingo, Alex und Isa, an Frank und Sanne und an ,-) owladler, von denen ich weiß, dass sie gestern in Hannover waren. Die größte Portion – sogar mit Extra-Schokoladenstreuseln - erhält jedoch einer meiner Mit-Adler. Der hat nämlich in den letzten Wochen sein Abitur bestanden und gestern feierlich sein Abiturzeugnis überreicht bekommen. Möge es in deinem Leben immer die richtigen Wege und im Zweifelsfall auch genügend Pudding geben. Da du wohl doch kein Profi-Fußballer bei Eintracht Frankfurt werden wirst, besteht gute Hoffnung ,-)


Freitag, 12. März 2010

Again and again and again.

Alles schon gefühlt, gedacht, empfunden. Analysiert, bedacht. Schon mal gehört. Noch mal nachgelesen. Neu bedacht, wieder verworfen, noch mal einander gegenüber gestellt. Abgewogen. Aufgearbeitet. Lieber außen vor gelassen. Gehofft. Gezittert. Gehadert. Geträumt. Sich fallen gelassen. Abgehoben. geschwebt. Aus allen Träumen gerissen. Gelitten und mitgelitten. Wunden geleckt. Gezweifelt. In Abrede gestellt. Wütend, ungerecht, außer Rand und Band gewesen. Verzweifelt. Wieder eingekriegt. Debattiert. Argumentiert. Prognostiziert. Noch mal nachgelegt. Wieder durch gekaut. Mit einbezogen. So stehen gelassen.

Wie oft schon sich ereifert, immer weiter hineingesteigert, alles auf eine Karte gesetzt. Zuversicht ausgestrahlt. Sich aufgeregt und wieder beruhigt. Die Nase endgültig voll gehabt. Blöde Witzchen gerissen. Sich in Galgenhumor geflüchtet. Immer noch einen drauf gesetzt. Resigniert. Niedergeschmettert. Ernüchtert. Ausgepowert. Sich auf das Wesentliche besonnen. Sich den Mund fusselig geredet. Einen neuen Anlauf genommen. Die Kurve grade noch mal gekriegt. Ganz große Ziele ins Auge gefasst. Realistisch gewesen. Doch wieder alles über den Haufen geworfen. Alles gegeben. Das Herz in die Hand und alle Hürden genommen. Gewonnen. Verloren. Auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Gekämpft. Mit sich gerungen. Sich wieder berappelt.

Alles schon mal dagewesen. Alles richtig. Immer wieder neu. "Only one thing I did wrong, stayed in Mississippi a day too long."

Beiße in meine Frikadelle und denke: "Hey, da ist was drin!" 3 Punkte für die Eintracht. Morgen in Hannover. Was sonst?

Sonntag, 7. März 2010

Kalt erwischt.

Samstag, 6. März. Waldstadion. Es ist kurz vor Ende der ersten Halbzeit, als meine allgemeine Skepsis gegen Statistiken neue Nahrung findet. „Ballbesitz Eintracht Frankfurt: 54%“ ist auf dem Video-Würfel zu lesen. Und: „Flanken Eintracht Frankfurt: 5. Flanken Schalke 04: 1.“ Das sind wahrhaft erstaunliche Erkenntnisse beim Stande von 0:2 und bei zwei Toren, die aus Flanken per Kopf erzielt worden sind. Oder zählen Flanken nach Standards grundsätzlich nicht als Flanken? Das sind so Fragen.

Wir haben das Spiel gesehen - vielleicht ist unsere Halbzeitanalyse deshalb deutlich näher dran an dem Geschehen auf dem Platz? Wir gewinnen kaum einen Zweikampf, stehen zu tief, Halil dribbelt brotlos, mal links, mal rechts, aber selten in der Mitte. Angriffsbemühungen über rechts bleiben heute fast ausnahmslos hängen. Meier müht sich, aber glücklos. Die Innenverteidigung wankt. Franz fehlt. Benny ist ein Stück entfernt von seiner Leistung gegen Dortmund und Freiburg. Teber mit einzelnen gute Szenen, aber auch mit dummen Fehlern. Schalke ist aggressiver. Körperlich präsenter. Präzise. Konsequent. Lakonisch. Mannschaftlich geschlossen. Klassenunterschied? Na, soweit würde ich dann doch nicht gehen, aber...


Vor Wiederanpfiff witsche ich noch einmal kurz nach draußen. Dort schwirrt vor allem ein Name durch die Gegend: Podolski. Der hat nämlich das Tor gegen die Bayern gemacht. Und wer es am Videowürfel im Stadion noch nicht mitbekommen hat, der bekommt es spätestens jetzt gesimst, telefoniert es in die Welt oder staunt am Hot Dog-Stand. Der Podolski. Gegen die Bayern. Die Schlange vor der Damen-Toilette ist heute nicht rotundschwarz, sondern blauundweiß. Bei mir entsteht der Eindruck, dass die weiblichen Schalker Fans alle blond sind und leise „Schalke, meine Liebe“ vor sich hin singen. „Image. Mirage.“ Nennt man das wohl in der Literaturwissenschaft, wenn sich Bilder von Wirklichkeit mit Wirklichkeit vermischen und dann auf einmal real sind.

Nach der Pause kommt Caio. Es kommt Ümit. Und dann, kurz vor Schluss, kommt auch noch Martin (welcome back!). Und auch der Anschlusstreffer von Meier kommt, sogar ziemlich schnell nach Wiederanpfiff. Eine Zeitlang sieht es tatsächlich so aus als könnte die Eintracht doch noch geben dem Spiel eine Wende. „Eintracht. Eintracht.“ Schallt es von der West. „Eintracht. Eintracht.“ Schreie ich und ein in Ehren ergrauter Eintrachtler neben mir, der das ganze Spiel über – warm verpackt in eine Decke – leise kommentierend verbracht hat, schreit mit. Das freut mich. Wir lächeln uns an. Na ja.

Schlusspfiff. Der Moment, in dem der Schalker Jubel alle Dämme bricht und zur Jubelorgie ausartet, ist uns definitiv zu viel an diesem Tag. Wir raffen eilig unsere Mützen und Jacken zusammen und verziehen uns ein, zwei Blocks weiter nach links. Dort verharren wir, stehen stumm. Gibt ja auch nicht viel zu schwätzen. Wir sehen, wie das Stadion sich allmählich leert und wie Asamoah vor dem blauen Gästeblock hüpft und den Gute-Laune-Bär gibt. In der West-Kurve werden die letzten Banner eingerollt. „Adler-Ente“ steht auf einem, aber da muss ich mich wohl verlesen haben. In der Ost-Kurve hat Asamoah inzwischen den Zaun erklommen und dirigiert die Humba. Melancholie senkt sich über das weite Rund.

Erst jetzt merke ich so richtig wie elend kalt es heute ist. Der Wind schneidet ins Gesicht. Die ausgejubelten Schalker Spieler werden auf dem Weg in die Kabine von ihrem Coach abgefangen und begeben sich statt ins Warme auf direktem Weg auf die Auslaufrunde. Und auch wir berappeln uns, hilft ja nix, komm wir gehen.

Auf dem Rückweg machen wir einen kurzen Stopp am Fan-Shop. Wollen ein paar Skatkarten mitnehmen. „Skatkarten haben wir keine da – nur „Schwarzer Peter“. Ach, nö. Danke. Wer den heute gezogen hat, ist sowieso klar.


Freitag, 5. März 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel - 25. Februar bis 5. März 2010 (Außer-der-Reihe-Edition)

Besucherrekord im Städel in Frankfurt. Alle wollen sie sehen, Botticellis Meisterwerke - Experten, aber auch „Erstbesucher“, die „durch Marketing an die Thematik herangeführt“ wurden. Ach so – Event-Fans. Auch heute, bei Wind, Regen, Kälte – vor der Kasse eine Schlange bis nach Oxxenbach. Stehen die da immer noch oder schon wieder? Wir drehen wieder ab und suchen uns anderswo ein kunstvolles, warmes Plätzchen. Vielleicht haben wir ja Glück und treffen sie ebenfalls: Botticellis Nichte :-)




Freitag, 26. Februar
Jetzt ist es raus: Oka wird weder nach New York, noch nach Dallas wechseln – er bleibt im Odenwald und bei der Eintracht. Schaler Nachgeschmack oder ungeteilte Freude? Das kann man aus Überzeugung so oder so sehen. Mmh. Ich glaub, ich seh‘ s so.

Mit PET-Flaschen kann man Haiti wieder aufbauen. Meint Die Zeit.
Na prima, wir saufen, damit die wieder ein Dach über dem Kopf haben. Oder – wie einst ein schwäbischer Vater gesagt haben soll: „Es is ebbes args, was i an Wurscht fresse muss, damit moine Kindr von dr Haut satt wärre.“

Samstag, 27. Februar
Apropos Schwaben: Über die sind viele Klischees im Umlauf. Jedes mal, wenn ich die Familie meines schwäbischen Mit-Adlers auf der schwäbischen Alb besuche, weiß ich: Sie stimmen (fast) alle.


Der Schwabe ißt gerne Spätzle. Ja, so ist das. Der Schwabe schwätzt schwäbisch. Mmh. Und zwar so, dass man ihn nicht oder nur schwer versteht. Der Schwabe sagt Dinge wie „ha noi“.Oder: „Jetzetle.“ Und wenn er „gschwind“ sagt, heißt das, dass es noch ungefähr zwei Stunden dauert. Er schlotzt gern ein Viertele. Manchmal auch zwei, drei oder vier – und zwar von einem Getränk, das nur er mag. Und schon der kleine Schwabe kann übrigens unmissverständlich zum Ausdruck bringen, wenn er etwas nicht will oder nicht für richtig hält.

Beispiel:
„Die Eintracht holt heute einen Punkt beim VFB.“
Noi edda.“


Stimmt... Und wie fühlt sich das an? Da fragen wir am besten Adil Chihi. „Das fühlt sich an wie eine Niederlage.“ Und mit dem Reporter antworten wir: „Ist ja auch eine.“

Sonntag, 28. Februar
Am Freitag wütete die Schlechtwetterfront Jürgen. Dann kam das Zwischenhoch Felix, allerdings mit Donnergrollen Und heute also das Sturmtief Xynthia. Streife durch das rheinhessische Hinterland und lasse mich von den Windböen durch die Äcker treiben. Der starke Wind wird zum Sturm, der Sturm wird zum heftigen Sturm. Fliiiiiiiiiiege. I am the batman. (Och nö. Bleib doch lieber Adler!)

Bis um 19 Uhr steht mein Tipp noch: Bayern – HSV 0:0. Tja. Den Ribery hab ich noch nie gemocht. Jedenfalls steht Bayern am Ende des Spieltags an der Spitze der Tabelle. Und das mag ich noch weniger.

Neil Young singt bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Väncouvä. Ein Drei-Minuten-Schnipsel in einer 3 Stunden Veranstaltung. Immerhin.

Montag, 1. März
Der Sturm hat sich verzogen, meine Arbeit leider (und irgendwie auch zum Glück ,-) nicht. Hektischer Vormittag zwischen Telefon, Mails und Papierbergen. Vor dem Fenster blitzt der blaue Himmel durch die Zweige eines Baumes. Ein Uhr, zwei Uhr, drei Uhr, vier Uhr. Mag nicht mehr vor dem PC sitzen. Hinaus. Hinaus. Zum ersten Mal in diesem Jahr wusele ich im Garten. Klaube Äste und Zweige zusammen, die der Sturm heruntergerissen hat. Schneide hier, zupfe da. Schneeglöckchen und Christrose blühen. Erste Knospen an der wilden Himbeere. Krokusse, Traubenhyazinthen, Narzissen, Winterling haben sich ebenfalls bereits nach oben durch gebohrt. Geruch nach Gras und Erde. Vögel flattern.

Dienstag, 2.März
In der Turnhalle unseres Nachbarorts hat am Wochenende die Wahl zur Miss „Crocodile“ stattgefunden. Sorry – meine natürlich„Miss Galaxy“. Die Veranstaltung war so professionell und so perfekt organisiert, dass Eltern und Angehörige der Teilnehmerinnen ihrer Begeisterung lautstark und handgreiflich Ausdruck verliehen. Der Veranstalter flüchtete durchs Fenster der Toilette. Ächt!


Ganz andere heitere Nachrichten gibt es dagegen vom Trainingsgelände draußen im Wald: Martin Fenin ist heute wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen.

Mittwoch, 3. März
Habe heute einen Geschäftstermin in Frankfurt. Kein Parkplatz weit und breit. Kreise weiträumig um das Gelände. Einmal. Zweimal. Dreimal. Der Termin rückt immer näher. Fange an nervös zu werden. Da sehe ich ihn, den Lichtblick: Einen Eintracht-Smart im Halteverbot. Ruhig und selbstverständlich steht er da als ob er dort hingehört. So ist es recht. Was Adler tun, ist wohl getan. Geselle mich mit meinem Adler-Fahrzeug dazu. (Bin pünktlich bei meinem Termin. 3 Stunden später allerdings kann ich einen aufgebrachten Lieferwagenfahrer gerade noch daran hindern, die Polizei zu verständigen. Aber das ist eine andere Geschichte.)


Zum Abendessen gibt es Käsebrote und Bier. Länderspiel war heute auch noch. „Und – wie?“ Die Käsebrote waren sehr lecker.

Donnerstag, 4. März
„Manche Leute tragen Superman-Schlafanzüge. Und was trägt Superman? Einen Maik Franz-Schlafanzug.“ Aber auch der eisernste Maik ist nicht immer und pausenlos eisern. Das von einem Dummy lädierte Knie ist warm und tut weh. Sieht nicht richtig gut aus für Samstag.


Louis van Chaaaaal verkündet via Kicker, dass aus seiner Sicht das Verhältnis zwischen Bundes-Jogi und Bundes-Theo zerrüttet sei. Er selbst hätte Interesse daran, Bundestrainer zu werden. „Das wäre das erste Mal, dass ein ausländischer Trainer die deutsche Fußballnationalmannschaft trainiert.“ Diese Aussage ist nicht ganz korrekt: „Das wäre (seit langem) das erste Mal, dass ein Trainer die deutsche Fußballnationalmannschaft trainiert.“ So ist es richtig ,-)

Freitag, 5. März
Schon die ganze Woche habe ich probiert übers Eintracht-Forum noch eine zusätzliche Karte fürs Schalke-Spiel aufzutreiben. Das wird wohl nichts mehr. Bin angenervt und schlecht gelaunt. Versuche mich aber trotzdem auf meine Arbeit zu konzentrieren, wühle mich zäh und mühsam voran. Und da - plötzlich – hurra, hurra – doch noch ein Kartenangebot. Sogar ganz in der Nähe unserer DK-Plätze. Und der Adler, der die Karte kurzfristig abzugeben hat, wohnt gar nicht so weit entfernt. Wir verabreden uns zur Übergabe auf halber Strecke am MediaMarkt in Mainz-Bretzenheim . Setze mich am Spätnachmittag ins Auto und fahre in die untergehende Sonne. Der Himmel ist blau, mein Herz wird weit. „You can’t always get what you want.“ Singen die Stones. Und ich singe mit: “But if you try somehow – you get what you neeeeeed.“ Jawohl – eine Karte und dann drei Punkte gegen Schalke.

Hallo Schalk(e) - wir sind schon da!
***to be continued!***

Donnerstag, 4. März 2010

Naheliegend.

Manchem sitzt der...ja, genau da sitzt der. Und da, wo der sitzt, da sitzen wir jetzt dem. Also eigentlich denen. Jetzt schon. Aber erst recht am Samstag.