Montag, 16. Juli 2012

Der Rabe Ralf ruft schaurig "ra" - das End ist nah, das End ist nah!

Kaum dass die Frankfurter Eintracht wieder Morgenluft schnuppert, kaum dass sie sich wieder aus den Tiefen des Unterhauses zurück in die Eliteklasse des deutschen Fußball gekämpft hat – schon setzt sie ihre Zukunft willkürlich aufs Spiel.

Bei der Präsentation des neuen Trikots
wiederentdeckt: Das dritte Bein (vorne, Mitte)
Während – in froher Erwartung des am Donnerstag zu präsentierenden neuen Sponsors - bereits 250.000 Vorbestellungen für das neue Heimtrikot (nur echt mit dem "QR-Security-Label mit direkter Verbindung zur Homepage") vorliegen, während Millionen und Abermillionen Eintracht-Fans der neuen Saison entgegenfiebern und sich die Köpfe heiß reden,  weigern sich die Verantwortlichen hartnäckig - trotz intensiver Intervention von Fußballehrer Armin Veh - Visionen zu entwickeln. Wer sind wir? Wo gehen wir hin? Wer waren wir und wer wollen wir sein? All diese Fragen hängen bebend und zitternd im Raum und harren der Beantwortung, während Bruchhagen, Hübner und Co nichts Besseres zu tun haben als sich sinnfrei an Verhandlungstischen und in DFB-Zentralen herumzutreiben bzw. (wahlweise mit Nokia-Handy  - veraltet - und/oder Smartphone) zu telefonieren, zu telefonieren, zu telefonieren. Und SMSe zu schicken.

Aber das ist noch nicht alles: Kurzfristig hat man sich nämlich bei der Eintracht entschlossen, die kommende Saison gänzlich ohne Innenverteidigung zu bestreiten. Sämtliche Bemühungen, weitere Spieler zu verpflichten, wurden Knall auf Fall eingestellt. Finanzchef Hellmann und Vorstandschef Bruchhagen verkünden unisono: „Harhar.“ Chefcoach Armin Veh, der über eine mehrhundertjährige Trainererfahrung verfügt, ist fassungslos („So etwas ist mir in meiner Laufbahn noch nie passiert.“) und erhöht den Druck auf die Verantwortlichen.

Ohnehin scheint  die Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft der Eintracht trotz anderslautender Bekundungen schon längst im Orkus versunken zu sein.  Wie erst jetzt (am Rande des Sommerfests der BLÖD-Zeitung) aus gut informierten Quellen zu erfahren war, wurden direkt nach dem Wiederaufstieg aus absolut unerfindlichen Gründen die Verträge sämtlicher Eintracht-Spieler – allen voran diejenigen, deren Vornamen mit einem "S" beginnen, darunter also auch die Verträge der Rohdiamanten S. Jung, S. Rode und S. Kittel – mit einer Klausel ausgestattet, nach der sie ihren Vertrag von einer Sekunde auf die andere auflösen können. Nicht nur, dass sie ablösefrei gehen können – nein, nein - der Verein hat sich außerdem dazu verpflichtet, Ihnen auch nach Ihrem Weggang noch mindestens zwei Jahre Prämien und Gehälter auszuzahlen. Einzige Ausnahme: Oka Nikolov. Im Gegenteil liegt ihm (wie es heißt) ein unterschriftsreifer Vertrag vor, der ihn bis ans Lebensende an den Verein bindet und in dem ihm  zudem bis ins Jahr 2028 ein Platz als Nummer 1 im Tor zugesichert wird.

Das sind Zustände. Nicht zu glauben.

Samstag, 14. Juli 2012

Hey, hey Woody Guthrie

Mir ist nicht bekannt, dass mein Vater eine besondere Beziehung zu Amerika oder gar zur Folkmusik hatte. Wenn ich an Woody Guthrie denke, denke ich trotzdem immer auch an ihn und an mein Elternhaus. Eine Szene, ein kurzes Gespräch, Bilder, die möglicherweise nicht einmal direkt miteinander zu tun haben, sich aber in meiner Erinnerung miteinander vermischen und übereinander schieben.

Flashback

Mein Vater lebte lange Jahre und bis zu seinem Tod vor sieben Jahren allein in dem Haus, in dem wir -  er und später auch ich - aufgewachsen sind. Ein einfaches, ein bisschen aus der Zeit gefallenes Haus. Mein Vater nutzte zwei Zimmer im unteren Stockwerk - der Wohnraum lag nach hinten zum Garten. Im Frühjahr und Sommer waren die Fenster immer weit geöffnet, davor der große Kirschbaum. Der Tag, an den ich mich im Zusammenhang mit Woody Guthrie erinnere, war irgendwann in den 1990er Jahren, heiße Sommertage, schwüle Nächte. Ein Sonntagmorgen. Ich sehe auf einen Sprung bei meinem Vater vorbei. Es ist schwül und dämpfig. Mein Vater erzählt, dass er nicht einschlafen konnte heute Nacht – viel zu warm - und schließlich noch einmal den Fernseher eingeschaltet hat. Da lief ein Film, der ihn zunächst nicht besonders interessierte und ihn dann doch immer mehr in seinen Bann gezogen hat. Um was ging es? Amerika. Weites Land. Güterzüge, die durch staubige, weite Landschaften fahren. Woody Guthrie? Ja, genau.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Alles Wurst?

Man soll nicht alles wörtlich nehmen. Oder vielleicht doch?

Während der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki schildert der TV-Reporter eines der 800-Meter-Halbfinals mit deutscher Beteiligung:
"Keiner geht das Rennen verhalten an."
"Keiner kann den Anschluss halten."
"Keiner fällt zurück."

Aber dann:
"Keiner zieht nicht in das Finale ein." (Huch!)

Und was tut sich drüben beim Stabhochsprung? Eben sah es noch so aus, als ob der französische Favorit ins Straucheln kommen könnte. jetzt ändert sich die Lage, denn:
"Jetzt packt er den alten Franzosen aus." (Hilfe!)

Des einen Freud, des anderen Leid:
"Da sitzt er, der undankbare Vierte."

Ganz anders die Spanier - die feiern:
"Fiesta für Iniesta."
"Fiesta mit Iniesta."
"Iniesta Fiesta."
"Fiesta dank Iniesta."
"Fiesta de Iniesta."

Is ja schon gut. Und was hat die Eintracht sich für diese Saison vorgenommen. Ganz einfach:
"Kein Ziel."

Da bin ich jetzt schon begeistert. Und sollte es trotzdem in den nächsten Wochen mal dazu kommen, dass ich mich einsam und verlassen fühle, dann mache ich es wie Unilever: Ich ruf meine Teewurst zurück.