Sonntag, 31. Oktober 2010

Auf Rekordjagd!

Die Eintracht steht seit langer Zeit wieder da, wo sie eigentlich und in einem höheren Sinn hingehört: Mit an der Spitze der Liga. Theofanis Gekas katapultiert sich auf den ersten Platz der Torschützenliste und Container-Willi im Tippspiel des Eintracht-Forums an die Spitze des Einzel-Rankings (heeeeey - Glückwunsch!) . Caio erzielt ein Tor mit dem Kopf, die Eintracht hat das drittbeste Torverhältnis der Liga und Oka Nikolov war gestern zum ersten Mal in seiner Karriere zu Gast im Aktuellen Sportstudio. Wow. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Weltrekord.

Weltrekord? Den könnt ihr, den können wir uns holen: Morgen, am 1.11. ab 11 Uhr beim Online-Spiel „Play for your club“. Jeder kann mitmachen, das PFYC-Prinzip ist einfach: Es geht darum , in einem begrenzten Zeitrahmen so viele Tore für die Eintracht zu schießen wie möglich und dafür Punkte zu sammeln. Mehr als 2.147 Milliarden Punkte in weniger als 16 Stunden 39 Minuten müssen es morgen sein, dann ist – crashboombang – der Counter gesprengt und der bisherige Weltrekord von Borussia Mönchengladbach löst sich in Luft auf.

Die PFYC-Adler Community gibt es seit 2006, da waren es nur ein paar versprengte Einzelkämpfer, heute sind über 100 Spieler regelmäßig in der PFYC-Liga (von Montag bis Mittwoch) und bei den Europacup-Spielen (von Mittwoch bis Freitag) dabei – die SGE hat sich in den letzten vier Jahren von einer virtuellen grauen Maus zu einem der Top-Player (81 Deutsche Meisterschaften, 65 Europapokalsiege) entwickelt. Da sieht man mal, was man mit systematischer und kontinuierlicher Weiterentwicklung  ,-) alles schaffen kann  – wenn man ein starkes Team ist. Denn: Die Tore bei PFYC schießt zwar jeder selbst – gewinnen kann man aber nur gemeinsam. Jeder, der antritt, spielt für sein Team, für die SGE. Alle Punkte, die während des festgelegten Zeitraums erzielt werden, werden addiert – per Punktezähler kann jeder live mit verfolgen wie die Punkte – die eigenen, aber auch die von allen Mitspielern – auf das Punktekonto rattern.

Ein PFYC-Durchgang dauert ca. 3-4 Minuten, dann geht es weiter mit dem nächsten und nächsten und nächsten. Pro Spiel können im Kern 15 Tore erzielt werden, für jeden Treffer gibt es Punkte, durch die Art wie die Treffer erzielt werden, kann die Punktzahl erhöht, durch Bonus-Elfmeter nochmals gesteigert werden. Jeder Punktwert über 15.025 kommt in die Wertung. Klar, dass die Adler, die schon lange bei PFYC dabei sind und regelmäßig spielen, höhere Punktwerte erzielen als Anfänger oder Gelegenheitsspieler. Davon braucht sich keiner abschrecken zu lassen: Jeder trägt zum Gesamtergebnis bei. Ob als Powerplayer am Stück oder einfach mal zwischendurch ein paar Punkte mit aufs Konto schaufeln. Je mehr Adler dabei sind, umso besser.

Über 300 Adler sind im PFYC-Forum engagiert – Männer, Frauen, Immer-ins-Stadion-Geher, Auswärtsfahrer, zu-Hause-vor dem-Fernseher-mit der Eintracht-Bibberer, alles dabei – der jüngste PFYC-Adler ist 6, der älteste 69 Jahre alt. Das PFYC-Orga-Team hat in den vergangenen Wochen Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um für den großen Tag die Trommel zu schlagen: Kommunikationsmaschinerie angeworfen, 15.000 Flyer verteilt, Mail-Rundschreiben an EFCs, Banner im Stadion,  hunderte von Mails an potenzielle Mitspieler verschickt, Presse, Hörfunk informiert, alles aktiviert, was einen PC und Hände hat. Alle, alle haben zum Mitmachen aufgerufen: Das Eintracht-Forum, Blog G, Beve,, Kid, Ama, Sebi Jung. Klare Sache: Play for your club. Gemeinsam 2.147 Milliarden-Punkte in weniger als 16.39 Stunden, vielleicht in noch kürzerer Zeit, holen – das ist ein gigantisches Ziel. Aber es ist zu packen – helft mit!

Es gibt viele Möglichkeiten, sich auf morgen vorzubereiten: Noch ein wenig den Sieg der Eintracht gestern bei St. Pauli feiern, die Nase an die frische Luft strecken und sich die Sonne auf selbige scheinen lassen, schon mal Kaffee und Nervennahrung bereitstellen, um sich morgen unnötige Wege zu ersparen, Fingerübungen machen , sich nochmal einstimmen, noch ein bisschen üben – was auch immer ihr tut: Der Countdown läuft.

Plant euch morgen Zeit ein. Seid dabei, holt den Weltrekord für die Eintracht. Morgen, am 1.11 ab 11!

Weltrekord. Jetzt! 

Samstag, 30. Oktober 2010

Doppel-Whopper.

Also: Ich mag Hamburger. Am Mittwoch, an diesem wunderbaren Abend im Waldstadion, hatte ich Gelegenheit, meine Sympathien zu festigen.

Direkt hinter uns saßen zwei HSVler, die in Begleitung einer lebhaften Eintrachtlerin ins Stadion gekommen waren: Ein mittelalter, sehr kräftiger Herr im HSV-Poncho und ein etwas jüngerer Kollege mit Kutte, Schal und Kapp. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir diesen Abend sehr unterschiedlich erlebt haben und doch: Wir durchlebten ihn in gewisser Weise gemeinsam - getrennt in den Farben, aber verbunden durch die Liebe zu unserem Verein.

Unsere Stimmungskurven verliefen sehr unterschiedlich.

Vom Ausgangspunkt „hibbelig, angespannt, erwartungsvoll“ arbeiteten wir Adler uns die komplette Glückleiter nach oben: Vom Staunen über die verschiedenen Stadien des Jubelns (Arme hoch reißen, schreien, hüpfen, kreischen, umarmen, singen, strahlen, zappeln, zucken, nicht-mehr-wissen-was-man-eigentlich tut) bis zum überschwappenden, stillen, ungläubigen Glück . Bei den HSVlern genau umgekehrt: Zunächst nur irritiert. Dann verärgert. Kämpferisch. Schimpfend. Wütend. Hadernd. Sich Aufbäumend. Trotzig. Schließlich enttäuscht. Resigniert. Apathisch.

Als Halil Altintop sich den Ball zum 11er hinlegt, stehen wir längst alle. Er trifft. Tor. Tor. Tor. Nicht mehr der Hauch eines Zweifels, wer dieses Spiel gewinnen und an diesem Abend in die nächste Pokalrunde einziehen wird. Und während ich da noch stehe, Hände in den Himmel gereckt, stubbst mich jemand von hinten. Es ist einer der beiden HSVler, der mir seine Hand entgegenstreckt: „Glückwunsch!“ Ehrlich – ich kann nicht sagen, wann mir das zum letzten Mal im Stadion passiert ist.

Heute also wieder Hamburg, wenn auch ganz anders. Die Eintracht spielt bei dem Hamburger Verein, der bekundet, imer noch und immer wieder alles anders zu machen, und trotzdem ein Beispiel dafür ist, dass nichts bleibt, wie es war. Tatsache ist: St. Pauli spielt bisher eine überraschend starke Saison, hat seine Punkte aber - wie die Eintracht - bisher zumeist auswärts geholt.  Die Eintracht wird am ausverkaufen Millerntor ohne Chris, ohne Meier, vielleicht sogar ohne Schwegler (Rücken) auflaufen. Trotzdem sind wir (die Voodoo-Kuh und ich) uns sicher: Wir werden heute nachlegen.

Eintracht-Zauberfußball jetzt auch in der Liga. Für uns. Und ein kleines bisschen auch für die beiden Jungs vom HSV, die am Mittwoch hinter uns gesesessen haben.

Auswärtssieg!

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Tatsachenbeweis

Vor dem Schlafengehen musste ich mich zur Sicherheit doch noch mal kurz überzeugen. Doch - hat alles seine Richtigkeit:


Weiterhüpfen!

Dienstag, 26. Oktober 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel vom 6. bis 26. Oktober

Mittwoch, 6. Oktober
In der Mainzer Allgemeinen Zeitung lese ich einen Bericht über eine Pfarrerin, die regelmäßig Hunde-Segnungsgottesdienst abhält. Kurz aufblitzende Assoziation von einem Schild an der Kirchentür:


Armer Hund, das... Na ja - kann sich ja schließlich  integrieren!

Donnerstag 7. Oktober
Ein wuseliger, hektischer Arbeitstag. Eigentlich wollten wir besonders früh los – Anpfiff schon um 5 Uhr – ok, wir schaffen es (wie immer) gerade noch rechtzeitig zum Spiel der Eintracht in Hattersheim. Wir parken neben dem Schwimmbad, hasten schnellen Schrittes unter Herbstbäumen und –himmel zum Stadion. „Fußball ist unser Leben“ schallt es aus den Lautsprechern bereits herüber. Ein freundliches Stadion, entspannte Stimmung und ein äußerst unterhaltsames Fußballspiel. Die Hattersheimer sind  in der ersten Halbzeit noch einigermaßen dabei, in der zweiten sind sie platt. Der Hattersheimer Torhüter steht in der ersten Halbzeit im Tor (wo sonst?), am Ende der zweiten Halbzeit auf Rechtsaußen (huch). Die Eintracht? Gewinnt. Natürlich – 14:0. Martin Fenin: früh verletzt, hadernd. Marcel Heller: schnell. Sonny Kittel: Boah (echt!). Gekas: trifft. Ama: von Fans umlagert. Bratwurst: Kalt (brrrrrr, eklig).

Die kalte Wurst kompensieren wir, indem wir, wieder zurück im Rheinhessischen, den freundlichen Landgasthof hier im Ort aufsuchen und uns essbare Nahrung zuführen. Vor unserem Fenster sitzt die Hauskatze, die einem Schliebensäfer aufschlauert. Siebenschläfer. Lauert. Die Wirtin rettet ihn.

Freitag, 8. Oktober
Immer noch einer und noch einer dieser wunderbaren sonnigen, ruhig dahin fließenden Oktobertage. Markus Pröll hat recht, wenn er von der Eintracht eine Nachzahlung der während seiner Verletzungspause nicht erstatteten Prämien fordert. Sagt das Gericht in der ersten Instanz.  Ich schließe mich dem Fazit an, mit dem Maybritt Illner gestern die verschiedenen Standpunkte zu Stuttgart 21 zusammengefasst hat: „Der Bürger versteht immer nur Bahnhof.“ Oder wie John Lennon sagen würde: „We all live in a yellow submarine“. Heute wäre er 70 Jahre alt geworden. Stattdessen gewinnt die deutsche Fußballnationalmannschaft mit 3:0 gegen die Türkei.

Samstag, 9. Oktober
Noch einer dieser überwältigend schönen John Ford-Filme „The Quiet Man“. John Wayne und Maureen O’Hara lieben und streiten und versöhnen sich vor der Kulisse des irischen County Mayo. Abspann. Seufz. Schön. Ich trete vor dem Schlafengehen noch einmal hinters Haus. Es ist kalt. Ein glitzernder und blinkender Sternenhimmel spannt sich über die Welt.

Sonntag, 10. Oktober
Kreisligaspiel im Nachbarort - TSV Uelversheim gegen Spielvereinigung Selzen. Mein (weiblicher) Mit-Adler ist vor Ort. Eintritt 1 Euro 50. Also: Für Männer. Denn: „Von Fraue nemme mer nix…“

Montag, 11. Oktober
Das Spiel gegen Lautern wirft seine Videos voraus. Ist es eine Sauerei? Eine Kampfansage? Splatter-Ästhetik? Schwachsinn? Witzig? Kontraproduktiv? Revolutionär? Kreativ? Oder einfach nur doof. Jedenfalls: Die Wutz is los. Derweil sind Marcel Heller, Markus Steinhöfer, Ümit Korkmaz und Martin Fenin mit ihrer Reservistenrolle unzufrieden. Dann wollen wir mal hoffen, dass sie nur ihren Frust, und nicht auch noch die Sau raus lassen.

Dienstag, 12. Oktober
Vor ein paar Wochen ist die neue Shell-Jugendstudie herausgekommen und heute schaue ich sie mir – von Berufs wegen – einmal genaue ran. „Der Optimismus der Jugendlichen ist gestiegen.“ - lautet die Headline der Presseinfo, aber auch „Die sozialen Unterschiede haben sich vergrößert.“ Da ist es doch praktisch, wenn man die hell- und die dunkelgrünen in der Auswertung der Studie gleich voneinander separiert. Zusammengefasst sehen die Ergebnisse dann so aus:

Die Jugendlichen aus sozial guten Verhältnissen – nennen wir sie hellgrün - sind optimistisch, sehen ihre berufliche Zukunft positiv, glauben, dass sie berufliche Ziele verwirklichen können, benutzen das Internet (statt zum Spielen) als „Multifunktions-Tool“ und engagieren sich in ihrer Freizeit aktiv für soziale Zwecke. Die Jugendlichen aus sozial benachteiligten Schichten (dunkelgrün) sind alles andere: Weniger optimistisch, weniger zuversichtlich, benutzen das Internet zum Daddeln und kümmern sich in ihrer Freizeit einen Scheiß um andere.

„Ideologie ist falsches Bewusstsein.“ Wer war das nochmal, der das gesagt hat?

Mittwoch, 13. Oktober
Die Eintracht gewinnt das Testspiel in Hanau mit 20:0. Kein Wunder, seit heute gibt es ja auch Adler-Power. (Ja, ja. Ein dünnes Witzchen, aber ich kann es mir nicht verkneifen).

Donnerstag, 14. Oktober
Blauer Himmel, leichter Wind, Schleierwolken. Brumm. Brumm. Vor uns fährt ein Lieferwagen mit der Aufschrift „Lieber Frankfurter Kranz als Frankfurter Kreuz" und wir brausen vorbei an buntbeblätterten Bäumen und Büschen nach Darmstadt, wo wir uns die Ausstellung zur Nachkriegsliteratur anschauen wollen. Langer Ludwig. Mathildenhöhe. In der Russischen Kapelle sitzt eine rundliche Frau, die in Tücher gehüllt ist. Wie eine Matrjoschka. Hüterin der Kirchenschätze. Im Ausstellungsgebäude wandern wir vorbei an Büchern und Bildern. Alfred Andersch. Arno Schmidt. Thomas Mann. Hanns Henny Jahnn. Tupfen. Bilder. Schnipsel.

Es ist kalt. Herbstwindweh. Blätter fallen, Männer spielen Boule unter bunten Bäumen der Ahornallee. Die Rasenflächen sind noch grün. Letzte Blüten an Mauervorsprüngen. Die Welt ist weit und frei. Vor dem Café a Eingang des Parks sind Tische und Stühle aufgestellt. Wir sitzen und blinzeln in die tief stehende Sonne. Eine Katze tappert unternehmungslustig vorbei. Um uns herum spielt und wuselt und klettert ein kleines Kind. Es juchzt und kreischt. Seine Mutter eilt herbei und sammelt es ein: „Ich finde, es sollte eine Vorschrift geben, dass zu jedem Restaurant ein Kinderspielplatz gehört.“ Du liebes bisje…

Wenn erst die Rosen verrinnen
aus Vasen oder vom Strauch
und ihr Entblättern beginnen,
fallen die Tränen auch.
(Gottfried Benn)

Freitag, 15. Oktober
Keith Richards hat Johnny Depp zwei Jahre lang für den Dealer seines Sohns gehalten. Daraus lernen wir gleich mehreres:

1. Keith Richards hat ganz eigene Vorstellungen von Kindererziehung.
2. Bei Familie Richards sind Gäste zum Abendessen jederzeit herzlich willkommen.
3. Man muss nicht immer alles genau so genau wissen wollen.



Samstag, 16. Oktober
Die sonnigen Tage sind vorerst vorüber. Blätterwirbel. Regen. Wind. Puh, kalt isses geworden.

Vormittags klingelt es an unserer Haustür. Davor steht eine freundliche Nachbarin mit einem kleinen Päckchen in der Hand. Der Inhalt: Eine Leberwurst. Selbstgemacht. Nun steht die Nachbarin allem Fußballerischen fern und ist also absolut provokationsunverdächtig. Wir nehmen die Leberwurst dankend entgegen.

In der Mainzer Innenstadt tummeln sich erstaunliche viele HSVler. An den Federweißer-Ständen bilden sich blaue Trauben. Ab und zu erschallt ein Ruf in Richtung Dom. „Nur der HSV.“ Ich weiß: Sie werden heute hier gewinnen. Machen sie dann auch.

Und noch ein Gewinner: Linus Radau gewinnt abends im Sportstudio das Torwandschießen Armin Veh. Mein Mit-Adler: „Der hat bestimmt noch einen Bruder.“ Häää? „Ist doch klar – die Radau-Brüder.“

Sonntag 17.Oktober
Letztes Jahr beim Testspiel der Eintracht in Lautern war ich seit langer Zeit zum ersten Mal wieder bei einem Spiel auf dem Betzenberg. So viele Erinnerungen an Spiele, die ich hier gesehen hab. An einen guten Freund, der aus Lautern kam und FCK-Fan war und leider nicht mehr lebt. Da - die Sparkasse, in der früher mal Fritz Walter gearbeitet hat. „Von da aus is der nämlich immer zum Training de Bersch enuff gelaufe – so hat der sich sei Kondition geholt und hat im Training Zeit gehabt an seiner Technik zu feile….“ – Arrrrrrrrrrrg…. Wie oft habe ich diese Geschichte gehört? Und es gab auch viel Neues - die 11-Freunde-Installation am Fuß des Berges - Kunst oder ein Hauch von Nordkorea? Der neue Betze mit Fritz-Walter-Ottmar-Walter und Horst-Eckel-Toren, mit Treppen auf und ab, die unterschiedliche Aussichten auf Stadt und Landschaft freigeben, die beeindruckende Riesenglasfront hinter der Gegengeraden mit Blick über „Lautere“. Nicht zuletzt: Der leckere Betze-Burger (fast so gut wie die traditionell lecker Bratwurst).

Heute also vor dem Fernseher statt live vor Ort. Meine Frage an die Voodoo-Kuh lautet heute: Den wievielten Sieg hintereinander holt die Eintracht? Mit ihrer Antwort hat sie recht, wie immer. Und - hey Poldi - wie war noch mal das genaue Ergebnis? Genau:

Montag 18. Oktober
„Eine Ultra-Gruppierung hatte im Vorfeld des Spiels der Eintracht beim 1. FC Kaiserslautern ein Video online gestellt, das heftige Diskussionen auslöste, weil es den Verdacht zumindest nahe legte, dass es im Umfeld des Spiels zu Unruhen kommen könnte. Diese Befürchtungen erwiesen sich als grundlos.“ Wo ich das gelesen habe? Leider nirgends.

Abends im Heimspiel bin ich mir nicht sicher, ob ich glauben soll, was ich da sehe und höre. Der, dessen Namen man nicht nennt – nein, nicht Voldemort – sitzt in seinem Wohnzimmer. Ach, nein, das ist wohl der Schalker Fan-Shop , und er ist traurig. Die Welt ist ungerecht. Vor allem zu ihm. Also mal ehrlich – das hat er sich ganz alleine. Versaut.

Dienstag 19.Oktober
Zugbegleiter dürfen auf ihren Namensschildchen einen falschen Namen angeben, um sich vor Pöbeleien von Passagieren zu schützen. Mmh. Wäre vielleicht auch eine Option für Fußballer? Also im Falle der Zugbegleiter, wäre es eindeutig am praktischsten, man würde sie nicht nur mit falschen, sondern alle mit dem gleichen Namensschildchen ausstatten. Alle Männer sagen wir mal mit „Hans Dampf“, alle Frauen mit „Liese Lok“. Das spart Kosten – und auch der Kunde kann auf ganz anderem Niveau Standard-Pöbeleien entwickeln.

 

Mittwoch 20.Oktober
Die Schweinegeschichten nehmen kein Ende. Jetzt macht auch noch der Schlachthof in Wiesbaden zu. Und in der Metzgerei im Nachbarort hat ein Kunde zwei ganze Fleischkäse bestellt. Sie sollen in Scheiben geschnitten werden. Jede Scheibe soll genau 28 Gramm wiegen. Die Verkäuferin schneidet, wiegt und flucht. „Hoffentlich wiegt er jede Scheibe einzeln nach.“ Vorschlag meines Mit-Adlers: Zwischendurch immer mal eine Scheibe mit 29 Gramm dazwischen legen.

Donnerstag, 21.Oktober
Das Eintracht-Museum ist ein feiner Ort. Heute sind dort Norbert Nachtweih, Jürgen Pahl und Jürgen Sparwasser zum Thema „Die Mauer umspielt und bei der Eintracht gelandet“ zu Gast. An diesem langen und interessanten Abend, hören wir nicht nur spannende, facettenreiche Ost-West-Geschichten der Gäste, sondern auch allerlei am Rande zu notierendes. Z.B. weist Andre Rothe, ebenfalls mit seiner Geschichte im Museum anwesender Stadionsprecher im Waldstadion, beiläufig darauf hin, dass ja auch ein aktueller Liebling der Fans aus Sachsen-Anhalt stamme. Trotz (hey.... hallo Forums-Adler, ja - genau du! **gg) anders lautender Einwürfe aus der letzten Reihe weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei nicht um Caio handelt.

Freitag, 22. Oktober
Ein langer hektischer Tag. Ich bin müde. Es ist kalt. Trotzdem mache ich mich abends auf den Weg zum Sportplatz in den Nachbarort Hahnheim. Frauenfußball. Bezirksliga. Heute ist der VFL Nußbaum (doch , gibt es wirklich) zu Gast. Rund um den Platz ist ganz schön was los. 40, vielleicht 50 Zuschauer. Flutlicht. Am Spielfeldrand, neben der Ersatzbank, glüht ein Bulleröfchen mit lodernder Flamme. Nebelschwaden. Der Atem bildet Fähnchen vor dem Mund. Rufe schallen über den Platz. Sehe ein sehr ordentliches Fußballspiel. Kombinationsfußball. Schön herausgespielte Tore. Starke Einzelleistungen. 8:1 für „uns“. Cool.

Samstag, 23. Oktober
Es gibt Spiele, die enden 0:0 und sind so,  und es gibt Spiele, die enden 0:0 und sind ganz anders. Heute war eines der letzteren Sorte. Mmh. Sooooo anders hätte es jetzt vielleicht doch nicht sein brauchen.

Sonntag, 24.Oktober
Gestern war es kalt und nebelig. Heute scheint die Sonne. Über Nacht hat der Nussbaum im Garten sämtliche Blätter verloren. Während Dortmund gegen Hoppenheim nur Unentschieden spielt, stapfe ich durch die Äcker im rheinhessischen Hinterland. Der Himmel ist blau. Wind weht. Drachen fliegen. Raben krächzen und Blätter rascheln. Die Welt ist weit und schön und frei. Ich laufe und laufe immer weiter bis zum Horizont.


Montag, 25. Oktober
Habe ich mich gestern abend tatsächlich über den Sieg der 05er in Leverkusen geärgert? Egal. Vollkommen Egal. Heut freue ich mich über das feine Interview mit Patti Ochs und merke wie mich ein stillvergnügtes ich-bin-froh-dass-es-so-ist-wie-es-ist durchrieselt. Bin froh, dass wir wir, dass die Eintracht die Eintracht und dass ich ich bin. Alles gut so wie es ist. "Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

Dienstag, 26. Oktober
Heute und morgen findet die zweite Pokalrunde statt und im Rhein-Main-Gebiet ist ganz schön was los. Ein Hauch von "Asterix bei den Spaniern". Aus jeder Ecke und in jede Richtung bewegen sich Fan-Prozessionen.


Also: Bei uns stimmt die Richtung! Sieg!

(***to be continued***)

Sonntag, 24. Oktober 2010

Knapp daneben ist auch vorbei.

Boah. Hilfe. Aus. Aus. Das Spiel ist aus. Nicht zu fassen. Das hätten wir. MÜSSEN. Kann doch nicht wahr sein. Also mindestens. Mit zwei, drei Toren. Maaaan. Warum? WARUM? Eins, wenigstens eins dieser Dinger kannmuss doch rein gehen. Haareraufundindentischbeiß. Arrrrrrrrrrrrrrrrrgh.

Es ist kalt. Nebelschwaden hängen über dem Stadtwald. Es nieselt, erste dicke Tropfen fallen. Kein Zweifel: Es ist Herbst. Als wir gegen Sechs noch einmal beim Fantreff Black&White Station machen und vor uns eine Currywust dampft (Brat, Rind ist schon aus) haben wir uns soweit sortiert, dass wir uns auch mit der Stimmungslage der gegnerischen Fans beschäftigen können und zu dem erstaunlichen Ergebnis kommen: Sie ist gut. Viele sind es, sehr viele, die mit nach Frankfurt gekommen sind und auch jetzt stehen noch viele blaue Trupps mit Bierbechern und Bratwurst um uns herum. Sie wirken entspannt, lachen, scherzen. Kann man das verstehen? Also wenn ich Schalker wäre (was der Himmel verhütet hat), dann hätte ich den Ort des Geschehens gestern tief deprimiert verlassen. Da nützt auch nix, dass Felix Magath ein paar Stunden später im Sportstudio das Ganze augenzwinkernd in ein freundliches Licht taucht. Nö nö. Das war gar nix. Die Innenverteidigung wackelig (Christoph Metzelder wirkt nicht wie jemand der außer Form ist, sondern wie jemand der erst seit kurzem Fußball spielt und nicht besonders viel Talent mitbringt), die Außenbahnen ohne richtigen Druck, nach vorne Stückwerk, keine mannschaftliche Geschlossenheit. Nur ganz, ganz vereinzelt blitzen sie auf, die überragenden fußballerischen Fähigkeit, am ehesten noch bei Raul. Sonst nichts zu sehen von herausragenden Einzelleistungen, die ein Spiel entscheiden können. Einzig Farfan.... Aber was interessieren mich eigentlich die Schalker? Wir haben unsere eigenen Probleme. Ich bin geneigt zu sagen: Aber auf anderem Niveau.

Fangen wir vorne an, also vor dem Spiel.  Heute drei Punkte holen und wenn es gut läuft sind wir Vierter. Vierter. Unser eigentlich vierköpfiger Adlertrupp ist heute an verschiedenen Stellen im Stadion und in der Welt verteilt. Abklatschen. Aufmunternde SMS aus der Ferne. Erwartungsfroh, kämpferisch. Hey, wir machen das! Ganz anders die Stimmung bei uns im Block. Die DK-Nachbarin in der Reihe vor uns war auch auswärts in Stuttgart und Lautern dabei und schimpft und zetert. Der Altintop (kann nix). Die Ultras (sowiesoanallemschuld). Der Gekas (stachelt die auch noch auf). Das Spiel (schlecht). Der Sieg (vollkommen unverdient, in der ersten Halbzeit hätten wir den Arsch vollkriegen müssen). Und der Skibbe. „Lässt de Ama nur zwo Minute spiele.“ Hey – Ama war angeschlagen. "Trotzdem." Gar nix positives? Doch: „Oka!“ Na dann. Die Seele eines Eintracht-Fans ist unergründlich.

Erfreut registriere ich, dass Meier doch mit aufläuft. Schad, Tzavellas ist wohl doch noch zu grippegeschwächt. Stattdessen also Benny einmal mehr als LV. Direkt vor uns machen sich die Schalker warm. Wow. Das da – das ist wirklich Raul.

Schwarz und weiß wie Schnee. Noch in den Gesang hinein ertönt der Anpfiff und das Spiel rollt an. So ein bisschen hatte man ja befürchtet, die Schalker würden mit dem Champions-League-Erfolg im Rücken jetzt auch in der Bundesliga aufdrehen und hier bei uns damit anfangen. Aber, nein, so sieht es nicht aus. Sie haben zunächst zwar mehr vom Spiel, sind torgefährlicher, Oka rettet ein, zwei Mal in höchster Not – aber so richtig zwingend ist das alles nicht.

Pfiffe im Rund jedesmal, wenn der, dessen Namen man nicht nennt, am Ball ist. Der kleine Schalker ein paar Plätze neben mir, stubbst seinen Vater an und lächelt verklärt: „Pfeifkonzert.“ Auch ich werde heute dauernd gestubbst – von dem Schalker hinter mir. "Hinsetzen." Verdammt. Mir platzt der Kragen. Schon klar, lieber Schalker, dass du lieber teilnahmslos im Stadionstuhl hängst. Kann ich verstehen. Muss wohl daran liegen, dass Schalke einem nicht gerade vom Hocker reißt.

Unser Spiel nimmt Fahrt auf. Toooooor. Nein, Altintop verzieht knapp. Das, was sich gegen Lautern schon gezeigt hat, wird heute mehr als bestätigt: Wir sind immer mehr in der Lage unser Spiel durchzuziehen. Was vor ein paar Wochen noch aussah wie sinnfreies immer noch und noch mal Kurzpass kombinieren und sich selbst dabei einschläfern, hat jetzt deutlich mehr Speed. Die Fehlerquote ist geringer. Und: Wir können das Tempo wechseln. Langsamer, flüssiger Spielaufbau von hinten heraus - und dann - ab geht’s mit langen Bällen die Linie entlang, mit Doppelpass-Stafetten, mit durchgestellten Pässen in den freien Raum. Ich bin ja nicht so der Verfechter des Systemfußballs – aber vielleicht, vielleicht sollte ich das noch mal überdenken. In der Halbzeitpause bin ich mir jedenfalls sicher: Wir packen das.

Die zweite Halbzeit. Wow. Während Schalke immer mehr abbaut, wird die Eintracht immer stärker. Eine Mannschaft, die will, die fightet. Und die Fußball spielt. Benny Köhler ist überall. Ok ok. Am Strafraum unterlaufen ihm zwei, drei krasse Fehler, die beinahe (z.B. kurz vor der Halbzeit ...) fatale Folgen gehabt hätten. Aber zum Ausgleich klärt er kurz vor Schluss gleich zwei Mal in höchster Not am Strafraum, lässt Farfan kommen, spitzelt ihm den Ball vom Fuß. Unermüdlich im Spielaufbau nach vorn, allerdings nicht gerade berauschend die Ecken und Freistöße – gut wenn Tzavellas das wieder übernimmt.

Auch die Innenverteidigung steht heute gut.  Marco Russ macht sein bestes Spiel seit langem. Ordnend. Sehr präsent. Chris: Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld, Kämpfer. Impulsgeber. Treiber. Und bei all dem immer vor allem auch eins – ein feiner Fußballer. Ochs der kämpft, rackert, Druck aufbaut, immer noch eine Fußspitze dazwischen bekommt, um den Ball in den Strafraum zu spitzeln, einen flachen Pass scharf in den Lauf eines Mitspielers zu legen. Sebastian Jung auf rechts – was soll man sagen? Überragend. Diese außerordentliche Lernfähigkeit. Wirklich wahr: Er macht einen Fehler immer nur einmal. Lernt im Spiel und von Spiel zu Spiel. Leichtfüßig. Spielintelligent. Antrittsschnell. Alex Meier – leider nicht so überzeugend wie man es nach den überall geschilderten Trainingseindrücken erwarten durfte. Wär fast egal, wenn er nur eine von seinen gefühlten 100 Torchancen genutzt  hätte – z.B. den Kopfball ca. 20 Minuten vor Schluss („Der steht in der Luft. Der hat doch Zeit...“). Hätte hätte Fahradkette. Pirmin Schwegler leider immer noch ein ganzes Stück entfernt, von dem, was er kann und letztes Jahr gezeigt hat. Die Pässe kommen ungenau. Häufig eine Drehung zu viel. Der oft geschmähte Altintop macht dagegen ein richtig gutes Spiel. Ein sehr gutes Spiel wäre es gewesen, wenn, ja wenn. Nur den einen. Zwei Meter freistehend am linken Pfosten. Nur diesen einen. Leider. Er macht ihn nicht.

Der fränkische eigentlich Bayern-aber-jetzt-auch-Eintracht-Fan in der Reihe vor uns hat heute Frau und Kind dabei – sie ist Tschechin und hat jetzt, zehn Minuten vor Schluss, doch noch die Gelegenheit, die mitgebrachte Fahne in den Landesfarben zu schwenken. Wann habe ich zum letzten Mal gesehen, dass Fenin, Martin  sich im 1:1 gegen seinen Gegner durchsetzt, ihn ausspielt? Gestern hat er es getan. Gleich zweimal während seines kurzen Auftritts. Vielleicht, vielleicht wird das ja doch noch eine Happy-End-Geschichte. Das wär schön.

Das Spiel ist aus. Nullnull. Nicht zu glauben. Torlos. An der Bande, seitlich des Schalker Fanblocks drängen sich die Blaugewandeten. Fotografieren. Die Schalker drehen derweil  im Stadion ihre Runden. Auslaufmodell? Ein kleiner Trupp im Eintracht Fanblock begleitet das Treiben mit freundlichen Anfeuerungsrufen: „Absteiger, Absteiger.“

Wir trollen uns allmählich, stoßen hinter der Haupttribüne wieder auf unseren dritten Mann. „Es war ungefähr in der 60. Spielminute“, erzählt er, „da isses dem Raul langweilig geworden.“ Wie bitte? In der 60.? Da ging doch grad der Bär ab. „Ja, echt. Er wackelte, hibbelte, quengelte, wollte nicht mehr.“ Hä? Ach so – Raul. Die Rede ist nicht vom Superstar der Schalker, sondern von dem kleinen Sohn der netten Eintrachtlerin, die heute neben meinem Mit-Adler saß. Ätsch. Reingefallen.

Rückfahrt durch den Nebel. Regen fällt, die Scheibenwischer knarzen. Im Radio spielen die Greatful Dead. (Echt!) Ok. Kein Grund enttäuscht zu sein. Aber hadern dürfen wir schon noch ein bisschen. Maaan. Das wär’s gewesen. Aber ein gutes Spiel gemacht. Richtig gut. Und am Mittwoch, im Pokal, da werden wir dann auch treffen.

Jerry Garcia singt „I don’t care cause it’s allright“ und wir reimen: „Frankfurts Stolz – der Sebi und der ...ähem.... Ochs.“

Sag ich doch: Knapp daneben ist auch vorbei.

(Mehr zum Spiel, inklusive spannender Analyse, wie immer, bei Kid Klappergass)

Sonntag, 17. Oktober 2010

Hier ist was los!

Blätterlos sind allmählich die Bäume. Fassungslos war gestern Martin Fenin als er erfuhr, dass er nicht im 18er-Kader für das Spiel gegen den FCK sein würde. Sprachlos war er allerdings nicht, denn - verzögerungslos – teilte er es der Welt via Facebook mit. Witzlos ist manches, was für witzig gehalten wird. Maßlos sind manche Reaktionen und hoffentlich grundlos sind übertriebene Befürchtungen. Planlos sollte die Eintracht heute Nachmittag nicht auf dem Platz stehen. Schon gar nicht kraft – und mut-, am liebsten auch nicht Meier-los. Am liebsten wär mir grandilos. Os. Natürlich.

In den letzten Minuten die Punkte los waren an diesem Spieltag bereits Köln, Wolfsburg und Mainz. Und wenn dann um Viertel nach Fünf auch die Lauterer mit leeren Punkten da stehen – dann jubeln und hüpfen wir Eintrachtler. Ausnahmslos.

Aufwärtssieg!

Montag, 11. Oktober 2010

Hans-Dieter "Fips" Wacker - ein Fußballerleben

Es ist ein paar Monate her, dass ich für diesen Blog im „Kleinen Fußball-ABC“ einen eher satirisch gefärbten Beitrag zum Thema  Nachwuchstalente verfasst habe. Es war Kid Klappergass, der das Thema in einem Kommentar in ernsthaftere Bahnen führte: Es gebe nicht viele große Eintracht-Talente, denen er nachtrauere, aber eines davon sei ganz gewiss Fips Wacker. Fips Wacker? Diesen Namen hatte ich noch nie gehört und machte mich auf die Suche nach ein paar Informationen. Es war nicht viel, was ich im Netz aufstöbern konnte – aber was ich fand, machte mich neugierig. Die „Spur“ führte zum Heimatverein von Fips Wacker, der SKV Büttelborn und wie es der Zufall so will: Einige Wochen später sollte in Büttelborn ein Spiel der Alten Herren – der  Old Boys  gegen die Eintracht-Traditionsmannschaft ausgetragen werden. Wenn für Hans-Dieter Wacker alles so gelaufen wäre, wie es hätte laufen können, hätte er in diesem Spiel vielleicht eine Halbzeit lang für die Eintracht und eine für den SKV auf dem Platz gestanden...

Nicht nur bei der Eintracht gibt es Archivare und Sammler. Einen Besuch in Büttelborn, einige Mails und einige Tage später fand ich einen großen Umschlag in meinem Briefkasten. Ulrich Rein, langjähriger Torwart der SKV Büttelborn, Auswahltorwart, ehemaliger Mannschaftskollege von Fips Wacker und mit mehr als 1000 Spielen Rekordspieler der Büttelborner, war in sein Archiv gestiegen und hatte herausgesucht, was dort zu Hans-Dieter Wacker und zur Eintracht zu finden war. Fein säuberlich dokumentiert, thematisch sortiert – Papiere und Dokumente eines viel zu kurzen Fußballerlebens.

Und so saß ich da, staunend, fast ein wenig aufgewühlt. Es ist etwas Merkwürdiges mit Geschichten, auf die man zurückschaut, wenn man das Ende bereits kennt. War alles Zufall? Gibt es einen inneren Plan, eine schicksalhafte Logik, der die Geschichte folgt und die es zu entdecken gilt? Und auch jetzt zaudere ich noch, fast anmaßend kommt es mir vor, aus wenigen Streiflichten ein Bild des Fußballers Hans-Dieter Wacker zu zeichnen. Ich versuche es...

Der im Oktober 2010 hier eingestellte Text über Hans-Dieter Wacker wurde im Februar 2011 überarbeitet und noch einmal neu im Blog eingestellt - klick! Den ursprünglichen Eintrag hier, an dieser Stelle habe ich erhalten, um die Entstehung des Textes und vor allem auch die zahlreichen Kommentare zu dokumentieren und zu erhalten. Sie bereichern und vervollständigen die Erinnerung an Hans-Dieter Wacker.

Freitag, 8. Oktober 2010

Hattersheimer Geschnipseltes

Am Rande des Testspiels der Eintracht in Hattersheim . Benjamin Köhler erzielt sein zweites Tor.

Vater zu seiner kleinen Tochter, die in eine Eintracht-Fahne gehüllt ist: „Kuck ma! Der, der das Tor geschossen hat – der heißt genau wie der Elefant.“

Tochter (überlegt einen Moment): „Heißt der auch Blümchen?“

Mmh. Nicht ganz ,-). Aber "Tooor-öh" passt ja.


Und ein weiteres Beispiel  aus der Reihe „Ideen, auf die nie jemand käme, wenn sich keiner die Verbote dafür ausdenken würde“:

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Neue deutsche Härte - "Nur die Paranoiden überleben."

„Neue deutsche Härte“ – zu diesem  Label fällt mir eine Menge ein. Z.B. Thilo Sarrazin, dessen Veranstaltungen – in den Fußstapfen von Mario Barth – demnächst das Olympia-Stadion füllen werden. Oder die Tatsache, dass der monatliche Bildungsbedarf von 1 Euro 39 mit dem täglichen Flüssigkeitsbedarf verrechnet werden kann. Oder dass wir jetzt endlich wieder wissen, dass selbst schuld ist, wer eins aufs Maul bekommt.

Nichts von alledem ist gemeint, wenn gemeinhin von „neuer deutscher Härte“ die Rede ist – es handelt sich um eine Musikrichtung, und diejenigen, die sie vertreten, sind Rammstein und „der Graf“. Na dann!

Ebenfalls hart, wenn auch in anderer Hinsicht, ist der allgegenwärtige Hype um Mainz 05. Mainz, wie es siegt und lacht. Die fabelhaften Bruchweg-Boys. Der Matchplan. Bla bla bla. Das gefällt mir nicht, trotzdem bleibt mir, die ich in der Gegend von Mainz wohne, keine andere Chance als den Dingen ins Auge zu schauen, ob ich will oder nicht. Kann nicht darüber hinweg gehen, kann nicht so tun, als ob mir das nichts ausmacht. Doch, macht es. Diese großartige Lockerheit. Diese überwältigende Bescheidenheit. Diese Rücksichtnahme ("Was ist denn bloß mit der Eintracht los?") Dieses schlichte und aufrechte Arbeitsethos. Diese Zielstrebigkeit. Alles nach Plan. Die Konzentration, der „Übermut“  dieser "jungen Burschen". Würg.

Die tägliche Devise heißt: Nichts anmerken lassen. Morgens innerlich einen Helm aufsetzen, Brust mit dem Adler darauf heraus, Kopf hoch – und dann ab ins feindliche Leben. Das funktioniert ganz gut, aber tief in meinem Innern weiß ich, dass ich es dabei nicht bewenden lassen kann und darf. Nur die Paranoiden überleben – das hat Andy Grove einmal gesagt. Andy Grove ist Erfinder von Intel und führte seinen Erfolg darauf zurück, dass er – selbst als er schon „oben“ war – nie beruhigt war. Steigende Marktanteile, steigende Umsätze - alles kein Grund, sich zufrieden zurück zu lehnen. Irgendwo lauert immer eine Gefahr und diese Gefahr heißt: Veränderung. Neben dem Neuen lauert schon das Noch-Neuere, neben dem Guten das Bessere und Noch-Bessere.

So what? Könnte man sagen. Nichts Neues. Lauf der Dinge. Dass nichts bleibt, dass nichts bleibt wie es war. Man bekommt ja mit, wo sich etwas tut und dann kann, wer erfolgreich sein will oder es sonstwie für notwendig befindet, sich darauf ein- und gegebenenfalls auch umstellen. Aber so einfach ist das bei Andy Grove nicht: Die Veränderung kommt nicht auf dem Präsentierteller, sondern sie entsteht irgendwo im Verborgenen. Sie kommt nicht allmählich, sondern sie kommt von jetzt auf nachher. Bei einem kleinen PC-User, einem Hacker, einem irgendwo in Hintertupfingen sitzenden Software-Entwickler. Da hat jemand eine Idee, da macht jemand etwas anders, ganz anders, vielleicht sogar so, dass man ihn zunächst für verrückt erklärt. Ein peripheres Phänomen und – zooooooooong – mit einem Schlag verändern sich die Parameter. Was vorher „anders“ war, gibt jetzt die Marschroute vor und der Zug hat die Richtung gewechselt, bevor man ihn überhaupt in den Bahnhof hat einfahren sehen. (War vielleicht unterirdisch).

Die Veränderung, die aus dem Verborgenen kommt – das bedeutet umgekehrt auch: Es kann gut sein, dass man die Gefahr in der verkehrten Ecke vermutet und das eigentlich dräuende Unheil übersieht. Z.B. im Fußball: Vielleicht, vielleicht ist es zu einfach (zu bequem?), die Mitbewerber um den sportlichen Erfolg immer nur nach ökonomischen Kriterien zu definieren. Die „Bösen“, das sind die, die das Geld mit vollen Händen aus geben, der Zusammenhang zwischen Erfolg und Geld ist statistisch eindeutig (wie sonst?) belegt und umgekehrt - wie praktisch! - die Erklärung für möglichen Nicht-Erfolg immer bei der Hand: „Die haben es so dicke – da kommen wir eh nicht ran.“ Oder: „Wir müssen uns da Schritt für Schritt heranarbeiten.“  Kann z.B. auf der einen Seite argumentiert werden.  Und auf der anderen: „Wenn wir mehr Qualität wollen, müssen wir mehr Geld für Spielerkäufe in die Hand nehmen.“ „Zement“ und „Innovation“ – in diesem Fall: Zwei Seiten der gleichen Medaille. Und wenn tatsächlich mal einer der Kleinen mit wenig Geld den Durchbruch nach oben schafft, dann ist das Zufall. Die Ausnahme von der Regel. Ein Ausreißer nach oben. Die kommen schon von alleine wieder nach unten. Gilt das auch für die 05er?

Mainz-geschädigt oder paranoid wie ich in diesem Fall bin, sage ich: Nein, werden sie nicht. Und wenn doch, werden bereits andere „Mainzer“ irgendwo stehen, die das Prinzip adaptieren und einen ähnlichen Weg einschlagen. Unter streng paranoiden Gesichtspunkten ist nämlich das, was wir derzeit mit Mainz 05 erleben, eine Perfektionierung dessen, was es in vielen anderen Lebensbereichen bereits gibt, und was im Kern der Bundes-Klinsi und der Bundes-Jogi mit der WM 2006 vorexerziert haben. Nein, nicht die „Eventisierung“ – auch das wäre zu einfach. Die ist sozusagen ein nettes Nebenprodukt. Der Kern, der Movens des Erfolgs hieß damals und heißt heute bei Mainz 05: Die immer wieder fortgesetzte Prolongierung des Ausnahmezustands.

Keine Routine. Nicht stehen bleiben. Keine Zeit verstreichen, keine Ruhe einkehren lassen. Jede Woche neu ansetzen. Jedes Training, jedes Spiel anders und überraschend angehen. Nichts dem Zufall überlassen. Systematisch. Den Plan immer wieder überprüfen und neu ausrichten. Immer und alle dazu bringen immer alles zu geben. Immer wach sein. Nachhalten. Nachhaken. Alles immer wichtig nehmen. Den Erfolg kalkulieren. Immer wieder neue Impulse setzen. „Ich habe“, sagte Thomas Tuchel im Interview nach dem Spiel gegen Hoppenheim „Ich habe Spieler, die bereit sind, diesen Weg mitzugehen.“

Neue deutsche Härte! Die Macht des Geldes ist ausgehebelt – hurra!  Und es kann gut sein, dass der neue Weg zum Erfolg den Fußball, wie wir ihn kennen, mittelfristig ebenso verändern wird, wie es die investierten Millionen bereits getan haben. Ob das ein Grund zu frohlocken ist? Ich weiß es nicht. Aber zur Kenntnis sollte man es nehmen. Und sei es nur, um -  im Verborgenen - alles ganz, ganz anders zu machen.

Sonntag, 3. Oktober 2010

Der frühe Vogel kriegt die Wurst

In der Nacht von Samstag auf Sonntag bin ich spät ins Bett gekommen. Genauer gesagt: Sehr früh. Es ist also sozusagen mitten in der Nacht als mich um halb acht der Anruf eines Mit-Adlers erreicht. Muss dringend zum Bahnhof. Als Fahrer vorgesehener Kumpel kurzfristig ausgefallen. Kannst du...? Ok, ok. Wische mir den Schlaf aus den Augen, Wasser ins Gesicht und statt  mich wohlig im Bett zu räkeln, brause ich auf einer vollkommen unbelebten Straße durchs herbstliche rheinhessische Hinterland. Wow. Was für ein Morgen. Noch hängen feine Nebelschwaden über den Äckern, aber schon verfangen sich darin die ersten Sonnenstrahlen, die buntbelaubten Bäume sind von milchig-sanftem Licht umspielt. Ein guter, ein überwältigend schöner Tag um aufzubrechen in die Welt.
Wieder zu Hause trinke ich eine Tasse Tee auf dem Bänkchen hinterm Haus, das Gras unter meinen Fußen ist nass vom Tau, die Sonne ist jetzt durchgebrochen. Plopp, plopp.  Das vertraute Geräusch der Schreckschussanlagen aus den Weinbergen,  Vögel flattern und zwitschern, ein Eichhörnchen wuselt und hangelt sich durch den Nussbaum  und wie ich da so sitze, übernächtigt und ein bissschen wehmütig und doch froh und mir vorkomme wie aus der Welt gebeamt, da weiß ich es auf einmal, bin mir 100 prozentig sicher: Heute gewinnt die Eintracht. Und weil ich mir so sicher bin, gehe ich stante pede an meinen Schreibtisch zum Laptop und korrigiere meinen Tipp. Gestern wäre ich mit einem Unentschieden zufrieden gewesen – heute will ich einen Sieg. 1:2. Deine Tipps wurden gespeichert. Gut.
Ein paar Stunden später ist es tatsächlich vollbracht. Gewonnen.  Wir haben gewonnen. Glücklich, ja schon. Aber verdient. 
Haben uns von stark beginnenden VFBlern nicht den Schneid abkaufen lassen. Den ersten Ansturm mit Glück und Oka überstanden. Der war drin, der Lattenkracher von Träsch, oder? Und:  Boaaaah – der Cacao. Oka - was für ein Reflex. Und: So gewinnt man Spiele.
Aus dem Nichts die Führung gemacht. Was machen die Stuttgarter denn da? Weiter Eintwurf Chris. Der Ball segelt auf den Kopf von Gekas. Der verlängert. Toooor. Das fünfte. Der macht die Dinger, der macht sie tatsächlich.  
Spiel gegen jetzt nervöse VFBler kontrolliert. Mit der Führung in die Kabine gegangen und entschlossen wieder zurück gekommen. Gedrängt. Zweikämpfe gewonnen. Auch mal lange Bälle gespielt. Tza-tza-vellas. Siiiiiehstu, wie er tätschelt?  
1 Tor wird nicht reichen.   Au ja. Ein zweites Tor. Guter Matchplan. 
Chancen sind da.  Gekas. Ochs.  Altintop. ...maaaaaaaaan... Altintop.  Und dann fällt es doch, das zweite.  Chris. Stark, so stark.
Tor. Tor. Tor. Schon wieder: Gekas und Chris. 
Jetzt muss es, jetzt wird es reichen.  Argggghmpff. Was ist denn jetzt los?  Der Anschlusstreffer.  Das kippt.
Das kippt. Der Russ. Hilfe. Ich krieg die Krise. 
Nicht schon wieder ein Spiel am Ende hergeben. Und tatsächlich – sag mir, dass das nicht wahr ist -  da fällt er der Ausgleich.  O Jammer.  Wie? Was? Er gibt es nicht? Er gibt es nicht!  Kein Tor, warum auch immer. Mir soll es recht sein.
Und dann ist es aus, das Spiel. Die VFBler sind zu recht aufgebracht, nützt ihnen aber nichts -  die Eintracht hat dieses Spiel gewonnen. Tatsächlich gewonnen.
Wie gesagt:  Ein wunderbarer Tag, um aufzubrechen. In die Welt. Oder in Richtung vordere Tabellenhälfte. Plopp, plopp, plopp! Drei Punkte für die Eintracht. Und jetzt: Abendbrot: