Sonntag, 30. September 2012

Sie Armin, Sie!


Sechster Spieltag in der Bundesligasaison 2012/13. Die Eintracht liegt auf Platz 2 der Tabelle. Alle schütteln den Kopf, alle Welt staunt und so stellen sich „Armin“ und „Heribert“  den Fragen, die die Welt (hihi) stellt.  „Wie konnte es dazu kommen?“   

Eine durchaus berechtigte Frage – denn war es nicht  Heribert Bruchhagen, der immer davon gesprochen hatte, dass es „so etwas“ nicht geben würde, so lange er bei der Eintracht etwas zu sagen hat? Jetzt haben wir also den Salat. Stehen nach fünf Spielen ganz oben und statt an Spieltagen darauf zu kucken wie Augsburg oder Mainz spielen, interessieren uns vor allem die Ergebnisse von Schalke, Dortmund und Bayern (aaargs, wie blöd, dass die gestern  in Bremen dann doch noch gewonnen haben).

Alle Welt hat heute ein schlechtes Gefühl, warnt vor Freiburg, erinnert an die Eintracht als Diva – ich dagegen bin  vollkommen ruhig, habe keinerlei Befürchtungen,  bin mir vollkommen sicher, dass wir dieses Spiel heute gewinnen werden. Schon deshalb,  weil ich keinen vernünftigen Grund sehe, warum die Mannschaft heute anders spielen sollte als in den vergangenen Wochen. Und wenn sie so spielt, dann wird sie gewinnen – so einfach ist das. Die Jungs wissen, was sie können, sie  haben  Reschbeggt vor dem Gegner und haben sich konzentriert vorbereitet. So what?

Denke doch gar nicht dran, jetzt schon wieder von meiner Wolke herunterzukommen. Wir bleiben weiter euphorisch und Armin Veh bleibt weiter gelassen  - er wird  uns rechtzeitig Bescheid sagen, wenn seine Frau (und sein Hund?) ihn wieder  duzen  - oder wenn es beim "Sie" bleibt und dann wohl doch Anlass besteht, ein neues Saisonziel auszugeben. Alles gut. Und bis dahin probieren wir einfach aus, ob wir Christian Streich, dem Trainer der Freiburger, eine Antwort auf die Frage geben können, die ihn in der vergangenen Saison beim Blick auf den Dortmunder Punkterekord ins Grübeln gebracht hat..„Wie muss es sein, wenn du nie mehr verlierst?“ 

Ich habe große Lust darauf, das herauszufinden.

Sieg und sonst gar nichts! 

Freitag, 28. September 2012

Spieler der Stunde: Der Mannschaft, nein: die… Kennt ihr die Borg? Assimilieren. Egal, Eintracht!!!

War ja klar. Kaum gewinnen wir mal nicht, ist gereizt dran. Ausgerechnet. Um Rührworte über den sogenannten Spieler der Stunde zu schreibulieren. Bei einem Unentschieden, ich betone Remis!, einer Punkteteilung! Wobei mir unsere höchstverehrte Bloglukaschenka äh -chefin immer noch nicht erklärt hat, wieso “der Stunde“. Soll das reichen? 60 Minuten ansehnlich kicken und alle schon so, yabba dabba doo, der ist es! Auch wenn er den Rest der 90, jawohlja, Neunzig! plus x so behäbig rumschlurft wie gereizt vor der ersten Kippekoffeinkazzekraulunit kurz nach Weckerterror.

Kopfschüttel. Dazu noch die Kreuzanmöglichkeit für “Die Mannschaft“. Ist das Spieler oder wie? Würde Max in seinem Deutschaufsatz schreiben, „der Spieler Mannschaft war heute sehr gut. Viele Leser haben die Mannschaft zum Spieler der Stunde gewählt.“ Hey, das gäbe ein Minus, ein dickes, fettes, rotes Minus bei seinem Lehrkörper, der, das muss ich ihm ja, obwohl er Lehrer ist, positiv ankreiden, Dauerkartenbesitzer ist. Und der bei meinem Neunkommaschachtelsatzinferno wohl fließend von der Vollschwarzhaar- nicht in die Grauhaar-, sondern unmittelbar in die Nurnochpopohaarphase gleiten würde, so er ihn hätte lesen müssen…

Tschulligung, ich gleite auch. Daher zurück zur Punkteteilung. Auch so ein blödes Wort, ich mein, gibt ja nicht 1,5 Punkte sondern nur einen Mickrigen für beide. Und der Dritte? Kassiert da der DFB die Prämie? Egal, denn ich gebe es ja zu. War schon “geil“, wie unser Übungsleiter ziemlich unphilosophisch meinte. – Unterbrechung, kurze Rübenzellsammelphase -

Donnerstag, 27. September 2012

Japanisch für Anfänger


Alle Welt macht sich Gedanken: Warum sind die bloß so gut, die Japaner? Meinen Mit-Adler und mich wundert das alles nicht so besonders. Und das liegt daran, dass es uns schon vor Jahren vergönnt war, Einblick in die Abgründe und Geheimnisse der japanischen Seele zu nehmen.  Unsere Eindrücke verdanken wir Dr. phil. Bernd K. Und das kam so.

Bernd K. ist ein guter Freund von uns. Wir studierten zusammen: Komparatistik, also: Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Ein höchst unberechenbarer und wilder Studiengang, in dem man sich grenz- und länderüberschreitend mit Literatur, mit Film, mit Kulturgeschichte und  Philosophie beschäftigt - und den es (deswegen?) an Deutschlands modularisiert-verwalteten Universitäten immer seltener gibt. Aber ich schweife ab. Voraussetzung für die Zulassung zum Hauptstudium war die Lektürefähigkeit in mindestens zwei Fremdsprachen – ok, das kriegt man irgendwie hin – und als weitaus höhere Hürde: Das große Latinum. Ich hatte das Glück, dass ich bis zum Abitur Latein hatte, Fall erledigt. Andere waren weniger glücklich, darunter Bernd K.  Immer wieder neue Anläufe  - Selbstlernverfahren, „Lerngruppen“,  Intensivkurse – , keine Lust, trotzdem irgendwie durchziehen, irgendwann dann zumindest ein paar Grundkenntnisse, das schaff ich locker, zweimalige Anmeldung zur Prüfung: Katastrophe.

Irgendwann war die Zeit abgelaufen. Es gab kein Vertun mehr  – Bernd K. musste den Latein-Schein vorlegen. Er griff zum allerletzten Strohhalm:  Einem Latein-Crashkurs, für wenig Geld angeboten von einem lateinbeseelten Altphilologen, um den sich  alljährlich in den Semesterferien  Verzweifelte, Gebeutelte, Traumatisierte, Gestrandete, Hoffnungslose scharten, damit er sie zum großen Latinum führe.  Wilde Gerüchte machten die Runde:  über schlimmste Folterqualen, schreckliche Entbehrungen und ein gnadenloses Regiment. Eine Art Survival-Training -  vier Wochen, nur Latein, zurückgezogen in einer Jugendherberge im Hunsrück. Nur Füchse, Wölfe,  Pfälzer. Und Latein. Bernd K. war verzweifelt, aber ihm blieb keine Wahl: Er tat es.

Vier Wochen später kam er zurück und hatte Erstaunliches zu berichten: Ungefähr zehn Mann waren mit im Hunsrück gewesen, darunter auch ein Japaner. Klein und schmächtig. Er sprach kein Deutsch, was ausgesprochen ungünstig war, denn wer das große Latinum will, muss eine Übersetzung anfertigen – und der Leiter des Latein-Camps verfügte über allerlei Tugenden, japanisch gehörte nicht dazu. Nach einigem Hin- und Her bekam „unser Japaner“ die Erlaubnis, die Abschlussprüfung – und also auch die Übersetzung – auf Englisch zu verfertigen und die Dinge nahmen ihren Lauf. Während der Rest der Truppe heimlich auf entlegenen Hunsrückpfaden nach Kneipen suchte, ausgeklügelte Versorgungswege zur Beschaffung von Alkohol und Zigaretten organisierte und es auch sonst zu mancherlei verzweiflungsbedingter Unregelmäßigkeit kam  – unser Japaner blieb am Ball. Verbissen, unerbittlich, unermüdlich und immer nur sein Ziel vor Augen. Er stand morgens um 7 Uhr auf, duschte kalt, war freundlich und hilfsbereit  – und lernte. Er sprach kein Wort. Abends ging er pünktlich um zehn Uhr zu Bett. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob und wie er sich während dieser Zeit ernährte. Am Ende des Camps gelang ihm, was zuvor noch keinem vor ihm gelungen war: Er bestand die Prüfung mit einer glatten Eins.

So ist er halt, der Japaner. Er ist mit seinem Latein nie am Ende.

(Für alle, die sich jetzt um den weiteren Lebensweg und das Schicksal von Bernd K. sorgen: Auch er  hat sein Latinum gemacht, irgendwie,  und  am Ende ist dann doch noch etwas Ordentliches aus ihm geworden.)

Mittwoch, 26. September 2012

Wahnsinn!


Dienstagabend, zehn vor 9, Waldstadion. Halbzeitpause. Ich gehe kurz nach draußen. Durchschnaufen. Schwarze, schwarze Nacht, leuchtendes Stadionrund. Es nieselt. Ich gehe ein paar Schritte, stelle mich ein wenig abseits, blicke auf den Wald und auf die Rücken eiiniger pinkelnder Männer. Fühle mich sehr sanft und ein klitzekleines bisschen weh. Nein, nicht traurig. Warum auch? Die Eintracht spielt gut, gegen einen sehr starken deutschen Meister.  In der Reihe vor uns hat mit  unerwarteter Schnelligkeit schon wieder das  gewohnte Geknodder eingesetzt („Der Japaner macht nix nach hinne und verliert die Bäll vorne. Wie der Funkel gesagt hat.“ „Den muss der Trapp doch habbe.“). Unsere Halbzeitanalyse aber ist sehr positiv ausgefallen: Wenn der Schuss von Inui, gleich nach ein paar Minuten nicht knapp links am Tor vorbeigezischt wäre, hätte das Spiel noch ganz anders laufen können. Die Dortmunder stehen sehr hoch, sehr eng, lassen uns kaum Raum. Sind aggressiv, druckvoll, spielstark. Wir können keinen eigenen Druck aufbauen, unser Spiel nicht aufziehen, aber wenn wir durchkommen, ist das immer gefährlich. Zwischenfazit: „Die spielen wie wir, nur  besser.“ Und: „Vielleicht geht ja doch noch was. Habe 3:2 getippt – das kann ja noch klappen.“ Lächeln.

Da stehe ich also und fühle mich sehr sanft. Die Stadiongeräusche zeigen an, dass es gleich wieder losgeht, da drinnen. Die Menschen strömen nach Innen, ich stehe noch ein wenig herum, blicke zum Wald –  die Geräusche, die Atmosphäre, die frische Luft, der Regen  - und denke, dass es doch eigentlich fast verlockend wäre, jetzt zu gehen. Wie gesagt: Nicht weil mich die Mannschaft enttäuscht hat oder ich das Spiel abgeschrieben habe. Habe ich nicht.  Mich lockt einfach die Vorstellung, das Spiel im Regen und ein bisschen aus der Ferne zu verfolgen. Sanft.

Nein, ich habe dem Impuls nicht nachgegeben. Was für ein Glück, was für ein großes Glück! Die nächsten Minuten, diese zweite Halbzeit, gehören sicher zu dem Abgefahrensten, zu dem Großartigsten, zu dem Wunderbarsten, das ich je im Stadion erlebt habe.

Dienstag, 25. September 2012

Zu allem fähig!


Dienstag, 24. September 2012. 15 Uhr und 15 Minuten. Gleich geht es los in Richtung Frankfurt, ins Waldstadion, wo die Eintracht eine Verabredung mit dem (noch!) amtierenden Deutschen Meister Borussia Dortmund hat. Wir wollen heute (endlich einmal) frühzeitig losfahren – rund ums Waldstadion ist nachher nämlich mit erhöhtem Glücksaufkommen zu rechnen. Es regnet, ein trüber Tag, der trotzdem überaus hell leuchtet und – wenn ich Armin Veh in der PK gestern richtig verstanden habe – könnte es sogar sein, dass auf dem Platz der Sonny (er) scheint (hoho).

Fast fängt das alles an, mir ein bisschen unheimlich zu werden.  Können wir wirklich ernsthaft darauf hoffen, dass wir auch dieses Spiel noch gewinnen?  frage ich mich und gebe mir gleich selbst die Antwort:  So richtig fällt mir auch kein Grund ein, der dagegen spricht. Ok. Die Dortmunder haben schon ewig keine zwei Spiele hintereinander mehr verloren. Aber wir haben auch schon ziemlich, also ziemlich lange keine 5 Spiele mehr hintereinander gewonnen. Wie sagt Jürgen Klopp  doch gleich in einem TV-Werbespot: „Ich glaube nicht daran, dass die Angst zu verlieren, dich eher zum Sieger macht als die Lust auf Gewinnen.“

Die Jungs auf dem Platz und wir auf den Rängen – wir haben Lust auf Fußball. Lust auf Siege. Lust, weiter da oben zu  bleiben.  Pirmin Schwegler, unser Kapitän, ist angeschlagen und will doch unbedingt heute dabei sein. Das alles ist viel zu schön, um  jetzt schon wieder aufzuhören.  Oder um es mit Seppl Rode zu sagen: „Wir sind zu allem fähig!“ 

Fünf Siege in Folge. Warum eigentlich nicht? WARUM EIGENTLICH NICHT?

Macht es noch einmal – Sieg!

Spieler der Stunde - unser junger Japaner: Takashi - IIII-NUUU-III!

Kennt ihr das? Als die Abstimmungsphase zur Wahl zum Spieler der Stunde des 4. Spieltags allmählich zu Ende ging, wurde ich immer kribbeliger, weil ich mich darauf freute, den Spieler der Stunde zu küren. Die Worte würden nur so aus mir heraussprudeln. Lobpreisen, huldigen wollte ich sie. Ein Lob- und Glücksfüllhorn wollte ich ausschütten, dabei aber auch die ein oder andere ungemein witzige und pointierte Anmerkung einstreuen. Ein buntes, glückssprudelndes Bild wollte ich zeichnen. Und dann: Nichts. Die Worte, sie wollen nicht kommen. Die Bilder: Unzulängliche Krakel.  So viel Lob in den letzten Tagen. Schlagzeilen. Interviews. Jubelarien. Erklärungen. Überall, überall, wohin man schaut: Adler.  Facebook quillt über vor  Fotos, Zitaten, und Glück.  Der Doppelpass erklärt die Eintracht zum Vorzeigeverein. Bruno Hübner erhält die goldene „Best Buyer-Sportdirektor“-Medaille am Bande. Sebastian Rode, der (Zitat Armin Veh) in Nürnberg „ganz gut“ gespielt hat, ist im Kicker zum „Spieler des Spieltages“ gekürt worden. Rode, aber auch Jimmy Hoffer und Takashi Inui sind in allen erdenklichen Mannschaften des Tages. Die Süddeutsche Zeitung  beschreibt das Spiel der Eintracht als „zeitlos schön“ und „ohne akademisches Getue.“ (Da ist sie also wieder, die „emininent hohe Spielkultur der Frankfurter Eintracht"),

Und ich: Stumm.

Heute sind alle Blicke bereits nach vorne gerichtet, heute Abend, gleich, also jetzt soll das Glück in eine neue Kurve einbiegen. Ich halte noch einmal ganz kurz an,  blicke zurück auf das noch gar nicht so lang Vergangene, und suche nach Worten.

Sonntag, 23. September 2012

Letzte Minuten und Wahnsinnsaussichten


Am Donnerstagabend, vor dem Spiel der Eintracht in Nürnberg, waren wir in Darmstadt und haben in der Centralstation ein großartiges Konzert gehört. Calexico. Wilder, weher,  melancholischer Texmex.  Aye aye aye.  Ein Hauch von Alamo. Gitarren und Mariachi-Trompeten schwappen über uns hinweg, all the pretty horses und bei der ersten Zugabe wird es ganz still: „Waiting for a miracle.“

Freitagabend. Es gibt verschiedene Orte, an denen ich die letzten Minuten von Eintracht-Spielen verbringe, wenn ich nicht im Stadion bin und es vor dem Fernseher nicht mehr aushalte. In den vergangenen Jahren waren das vorrangig die Minuten, in denen es darum ging, überlebensnot-wendige Punkte zu holen (doch: Auch die Punkte, die wir in der letzten Aufstiegssaison geholt haben, waren  in diesem Sinne überlebens-notwendig).  Ich kreise um die Tanne oder den kleinen Teich im Garten, immer rundherum, rundherum. Oder ich knie auf dem Sofa, mit einer Decke über dem Kopf – immer so, dass ich zwar nicht alles sehen muss, aber kann, wenn ich will. Immer in Hörnähe zum Spiel und Mit-Adler(n).

Noch fünfzehn Minuten zu spielen. Wir führen 2:1. Noch. Und direkt in die Drangphase der Nürnberger hinein, durchfährt es mich wie ein Stich. Es ist, als ob ich jetzt gerade erst merke, wie sehr ich diesen Sieg will. Will. Will. Unbedingt will.  Die drei Punkte. Die Tabellenführung. Den Auftakt-rekord. Diesen Sieg noch. Erst mal. Bitte. Nein, heute geht es nicht ums Überleben. Heute geht es einfach nur um eins: Wir, die Eintracht muss weiterfliegen. Sie müssen, siewir wollen und  werden das Ding jetzt durchbringen. 

Freitag, 21. September 2012

Geschichte(n) schreiben!

Gleich geht' los. Die Eintracht trifft in Nürnberg auf den Club. Dabei geht es um drei Punkte, aber es geht auch um den Platz an der Tabellenspitze, zumindest für eine Nacht. Die Eintracht - so ist überall zu lesen und zu hören - kann heute Geschichte schreiben: Bester Bundesliga-Start ever. Bester Aufsteiger. Ever.

Eben gerade war im Sky-Vorbericht Sebastian Jung zu sehen, auf Besuch in der Bäckerei, bei der er seine Ausbildung absolviert hat. Danach Heribert Bruchhagen im Live-Interview im Stadion und man sieht ihm förmlich den Schauer an, der ihm über den Rücken läuft, als er sich an den 1:0 Sieg gegen den BVB und an 26 Punkte auf dem Winterpausenkonto erinnert, - und an das, was danach kam. Beim Schwenk ins Stadion schwappen die Gesänge der Eintrachtler vor Ort  durchs Wohnzimmer. Ich kann nicht anders, ich singe mit:  "Deutscher Meister wird nur die SGE..."

Ganz egal, ob wir heute Geschichte schreiben - die besten Geschichten, die schreiben wir sowieso: "And we are definitely going to hell, but we have all the best stories to tell."

Lasst uns noch ein bisschen weiterfliegen - oder um es in Gedanken an Sebastian Jung auf gut fränggisch zu sagen: Die Nürnberger - die backen wir!

Sonntag, 16. September 2012

Mit allem Pipapo

An diesem Wochenende steht die Fußball-Bundesliga im Zeichen der Integration und der Chancengleichheit.  Aufs Allgemeine gesehen, kann man an diesen Dingen durchaus seine Zweifel haben, kein Zweifel besteht jedenfalls daran, dass Rafael  van der Vaart – „Rückkehrer“, „verlorener Sohn“, "Raffi"  –  bereits bestens in die Mannschaft des HSV integriert ist. (Da funktioniert – hoho – dann tatsächlich „Integration spielend".).   So gut, dass der HSV von heut auf nachher vom Abstiegskandidaten  zur Spitzenmannschaft und Thorsten Fink zum Spitzentrainer geworden ist.  Man kennt das ja: So ein Star in der Mannschaft hebt die Qualität  des Teams gleich um 53,78 %. Wo  vorher nichts war, ist dann also jetzt 53,78% mehr.

Von all diesen Dingen und gar nicht so geheimnisvollen Vorgängen hat man natürlich auch im Stadtwald gehört  (wir haben ja sogar Videoanalyse und Pipapo) und ziehen uns entsprechend warm an. Seit Tagen werden alle Register gezogen, um zumindest noch eine kleine Chance zu haben, gegen Rafael van der Vaart auch nur irgendwie mithalten zu können. Alle Gedanken drehen sich nur um dieses eine Problem. Händeringend fragt sich ganz Frankfurt Tag und Nacht: Wie? Um  des Himmels willen: WIE können wir diesen Rafael van der Vaart stoppen? Es wurde sogar  schon überlegt, ein überlebensgroßes Foto von Sylvie van der Vaart direkt hinter dem Tor von Kevin Trapp zu installieren, es konnte aber auf die Schnelle nicht hinlänglich analysiert werden, welche Auswirkungen das haben würde. Und auf wen.  

Trotzdem haben wir uns natürlich etwas einfallen lassen  - selbstver-ständlich werden wir der riesigen, der geradezu vandervaartischen Übermacht trotzen - und die Blöd-Zeitung wusste es natürlich als erstes, wie wir das bewerkstelligen wollen:  Nach langen und intensiven Analysen  wird die Eintracht heute Nachmittag „gleich zwei Sonderbewacher“ abstellen, die sich um van der Vaart kümmern: Sebastian Rode und Pirmin Schwegler.

Muhaha. Sagen wir mal so: Wir gehen da nachher raus. Das Stadion ist voll. Die Sonne scheint. Wir spielen mit der gleichen Aufstellung und auch sonst in etwa so wie gegen Leverkusen und Hoppenheim. Wir sind selbstbewusst. Wir sind hellwach. Alles Gute dem HSV - aber erst nach diesem Wochenende. Die Eintracht ist  - nach den Bayern – die einzige Mannschaft, die mit drei Siegen in diese Bundesligasaison starten kann. So wird es sein. Noch ein bisschen weiter auf dem Boden der Tatsachen schweben!

Sieg und sonst gar nix!

Freitag, 14. September 2012

So ein Glück

Zwei Wochen ist es jetzt her, seit dem die Eintracht diesen wunderbaren 4:0-Sieg in Hoppenheim eingefahren hat – und ein bisschen ist es so, als ob man sich nach einem – mehr oder weniger erholsamen – Schlaf räkelt und streckt, die Nase zum Fenster hinaus streckt, und merkt, dass es immer noch da ist, dieses Glück,  das da im Herz vor sich hin schnurrt.

Wenn es der Eintracht schlecht geht,  fällt ein Schatten auf alles andere, das trotzdem schön ist. Wenn es der Eintracht gut geht, ist alles, was schwierig ist, heller und leichter.  Das war bei mir schon immer so. wird wohl auch immer so sein und obwohl die letzten beiden Wochen für mich eher anstrengend und nicht ganz einfach waren, ging es mir trotzdem  (na ja, meistens) gut dabei – hey: Wir. Tabellenzweiter. Eurobbabogaalanwärter. Kommende-Nationalspieler-Hervorbringer. Konzept- und Vision-Haber.  Euphorie- und Trotzdem-Gelassenheit-Verbreiter. Feine Ironiker. Wir können gleichzeitig auf dem Boden stehen und auf einer Wolke schweben. Wir. Das muss uns erstmal einer nachmachen.  

Flashback

Samstag, 1. September 2012

Die Welt ist voller Wunder


(Nicht nur) in der Sportberichterstattung gibt es Begriffe, die besonders gerne und zu bestimmten Zeiten fast sogar inflationär verwendet werden. Nehmen wir zum Beispiel die Wundertüte. Die ganze Bundesliga – eine einzige Wundertüte. Das gilt insbesondere für Borussia Mönchengladbach. Und für Augsburg, aber auch für Werder Bremen - noch nie passte der Begriff besser. Auch Wolfsburg ist - einmal mehr - eine Wundertüte, ebenso wie der VFB Stuttgart. Oder Fortuna DüsseldorfDer HSV war im letzten Jahr eine. Und ist auf gutem Weg im nächsten Jahr in der zweiten Liga vielleicht in die Wundertüten-Fußstapfen des 1. FC Köln zu treten, wobei sich die zweite Liga generell wundertütenmäßig nicht lumpen lässt: Die reinste Wundertüte. 

Auch Spieler können Wundertüten sein.  Balotelli war während der EM eine, sogar eine „muskulöse“. Theo Gekas war eine, als er damals zur Eintracht kam.Und auch unter den Neuzugängen in der diesjährigen Bundesliga gibt es wieder eine ganze Menge „Rookies, Wundertüten und Hoffnungsträger“Ramos, der gestern kurzfristig nochmal auf der Transfergerüchteliste stand, wäre so eine  gewesen, bleibt jetzt aber stattdessen bei der Wundertüte Hertha, kommt also bei uns nicht in die Tüte, was gut so ist, denn im Sturm hat die Eintracht bereits zwei: Wundertüte Occean und Wundertüte Koemaha, der schon beim MSV Duisburg eine war. Außerdem ist da ja auch noch die Innenverteidigung, mit Wundertüte Zambrano.  Und nach vorne sollten wir Takashi Inui nicht vergessen. Auch er - eine Wundertüte, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Manchmal stehen Wundertüten (wie in Fürth) vor Zerreißproben, trotzdem gibt es sie – o Wunder -  auf allen Ebenen und in allen Sportarten. Die ganze Olympiade war eine einzige Wundertüte.  Die argentinische Fußballnationallmanschaft ist  eine „Wundertüte mit Weltstars“ und auch der TUS Stockum tritt in in der Fußball-Landesliga an der Pferdebachstraße gegen  Wundertüte WSV Bochum an.  Der TV Hüttenberg ist die Wundertüte der Handballbundesliga  und im Tischtennis kann die „Wundertüte SV Plüdershausen“ sogar  eine Überraschung gegen den TTC Rhön-Sprudel Fulda schaffen, während die Handballfrauen des TSV Greven 09 ein Testspiel gegen (hab ich’s doch gewusst!) die „chinesische Wundertüte“, den Shanghai Handballclub,  bestreiten.

Aaaaaaaaargs. Jetzt wollen wir hier doch mal klipp und klar festhalten. Wundertüte gibt es in dieser Saison nur eine einzige – und die ist rotundschwarz, heißt Eintracht Frankfurt und wird in ziemlich genau drei Stunden in Sinsheim ihre Funken versprühen.

Auswärtssieg!