Mittwoch, 29. August 2012

Spieler der Stunde: Kevin Trapp - Er steht im Tor und nicht dahinter!


Es muss  ungefähr in der Mitte der zweiten Halbzeit des Spiels gegen Leverkusen gewesen sein. Die leere Westkurve gähnte wie eine offene Wunde zwischen all den Fahnen und Bannern im Oberrang, links und rechts. Es steht 1:1 Das Stadion brodelt, pulsiert und vibriert. Liebe. Staunen. Glück. Hingabe. Wir sind ein bisschen fassungslos. Da ist etwas, da passiert etwas, ein ganz besonderer Moment. Wie häufig habe ich in den letzten Wochen mit den (aus meiner Sicht) all zu vielen Neuverpflichtungen gehadert. Gezielte Verstärkungen? Hä? Was bedeutet der Begriff „Verstärkung“, wenn die Gruppe, die zur Verstärkung herbei geholt wird, (fast) größer ist als die, die verstärkt werden soll?  Hier sind wir, zurück in der Bundesliga. Es steht 1:1 und hier und jetzt merke ich, dass ich mich nicht mehr wehren will und kann: Das, was ich da sehe, sieht nicht nur gut aus, es fühlt sich auch richtig an. Kann es sein, dass ich das vor nicht allzu langer Zeit schon einmal gedacht habe? Egal. Dieses Mal ist es anders. Richtig richtig. Aufbruch. Neuanfang. Es war. Es ist. Es wird. Es ist, wie es ist: Eintracht.

Das 2:1. Wir schreien unsere Erleichterung in den Himmel. Umarmungen – nach vorne, nach hinten. Alte, liebgewonnene und neue DK-Nachbarn. Hüpfen. Sinnfreies einander auf den Rücken Klopfen. Und bei all dem fühle ich mich von Innen heraus fast still – große Momente, stilles Glück. Der Ruderer Lauritz Schoof  huscht durch meinen Kopf. Vor einem Jahr hatte er durch eine kleine Unachtsamkeit seine Mannschaft um dem sicher geglaubten WM-Titel gebracht, jetzt in London hat er mit seinem  Vierer Olympia-Gold geholt und inmitten all des Jubels um ihn herum  konnte er im Interview zuerst nur einen Satz sagen: „Ich bin so froh.“ Yep.

Die Wahl zum Spieler der Stunde

Freitag, 24. August 2012

Sami Hyypiä und der Spieler der Stunde


Friedhelm Funkel hat in der zurückliegenden Woche mit der Frankfurter Rundschau über die Chancen der Eintracht in der Bundesligasaison 2012/13 gesprochen. Er findet, die Eintracht hat sich sinnvoll verstärkt, er hält viel von Stefan Aigner und Olivier Occean, hat aber seine Bedenken bei Takashi Inui, den er aus Bochumer Zeiten kennt, denn: „Inui ist ein toller Mensch, aber er verliert zu leicht die Bälle.“

Das ist ungefähr so, wie wenn man sagen würde: Heinz sieht wirklich gut aus, aber er isst gerne Sauerkraut. Oder: Susi kann gut malen, aber sie war noch nie in China.

Heute beginnt die 50. Bundesligasaison. Die Eintracht und also auch Olivier Occean, Stefan Aigner und Takashi Inui sind dabei.  Außerdem Carlos "Carlito" Zambrano, der gestern noch gar nicht da war, und heute schon "Vehs Konstante" ist. Alles unglaublich feine Kerle und potenzielle Spieler der Stunde, wobei wir dann auch schon beim eigentlichen Thema dieses Eintrags sind und ich also hier und jetzt die Frage beantworten kann, die sich manche Leserin und mancher Leser dieses Blogs vielleicht heimlich händeringend bereits gestellt hat: Wird es bei rotundschwarz auch in dieser Saison die Wahl zum Spieler der Stunde geben?

Ja, es wird! Und nicht nur das:

Mittwoch, 22. August 2012

Die Chinesen sind da!

Eigentlich merkwürdig, dass wir uns häufig und gerne darüber aufregen, dass Fußballer nicht mehr bleiben, wo sie sind, sondern mal hier, mal da hin wechseln. Dabei sind doch nicht nur die Fußballer, sondern die ganze Welt ist ständig unterwegs. Everybody is moving if they ain’t already there. Everybody has to move somewhere

Besonders ausgeprägt ist  das Bewegungsverhalten beim jungen Menschen (im besten Fußballeralter) so kurz nach dem Abitur in der Anfangszeit des Studiums. Da geben sie sich sozusagen weltweit die Klinke in die Hand. D. hat noch während der Schulzeit ein Jahr in Italien verbracht. M1. geht im September für ein dreiviertel Jahr nach London. H. und M2. waren direkt  nach dem Abitur für zwei Monate zu einem Praktikum in Peru, während F. sich ein Vierteljahr - ebenfalls zu einem Praktikum - an der Elfenbeinküste aufhielt. L. war vier Monate in Kanada, R. war ein halbes Jahr in Brasilien, M3. für ein Jahr auf Sizilien, während ihre Schwester J. gleichzeitig ein Jahr in den USA verbrachte. I. war ein dreiviertel Jahr in England, P. für 3 Monate in Polen, ist aber jetzt auf dem Weg, um ein Jahr in der Türkei zu verbringen, während Freunde gleichzeitig für ein Jahr nach Spanien aufbrechen, H. und L. noch kurz in Italien bei M3. vorbeischauen, bevor L. sich wieder aufmacht nach Kanada.

Aber wer ist denn dann um Himmelswillen während  all dieser Zeit hier in Rheinhessen? Seit gestern weiß ich: Die Chinesen. Das habe ich an der Kasse des Rewe in unserem Nachbarort erfahren. Dort hat eine mittelalte Frau im lila Top und in kurzen Hosen einer vor ihr anstehenden Bekannten (Jeans, Flatterhemd) erzählt, dass „die“ jetzt da sind. Austauschschüler. Und ich lernte auch gleichzeitig etwas über chinesische Sitten und Gebräuche: Der Chinese, sofern er sich im Ausland aufhält, trinkt pausenlos Cola (weil das in China so teuer ist) und er ißt viel, vorwiegend Gegrilltes: „Gestern abend: Drei Steaks.“

Ebenfalls beim Einkaufen – allerdings beim Metzger – habe ich gelernt, was ich unbedingt tun muss, falls ich mal in Ägypten, genauer gesagt: in Kairo, vorbeikomme: Ich muss eine Nilfahrt machen. Allerdings: Bloß auf dem Schiff nichts essen, sondern bis zur Endstation fahren, dort aussteigen, zwei Straßen rechts, eine links – da gibt es prima deutsche Schnitzelbrötchen.

Sag doch mal einer, dass Reisen nicht bildet. Bin mir sicher, dass z.B. Caio seinen brasilianischen Freunden und Bekannten jederzeit gute Tipps geben kann, an welcher Tankstelle in Frankfurt man auch nachts noch lecker Pizza bekommt.

Montag, 20. August 2012

Silvester im August

Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Fragen sich heute Abend wahrscheinlich die Auer. Während wir in Frankfurt mit Fug und Recht behaupten  können: Huch – es war Silvester. Mitten im August. Feuerwerk gab es keines, stattdessen nur einen dumpfen Knall – und die Erkenntnis, dass der Eintracht ihr Nimbus als Pokalmannschaft nun endgültig abhanden gekommen ist. Atom-Ausstieg. .

 „Selbstbewusst und siegesgewiss“ ist die Eintracht gestern nach Aue gefahren. Selbstbewusst und siegesgewiss bin auch ich heute morgen aufgestanden. Wird schwer, dachte ich. Bei der Auslosung hatte ich ein mulmiges Gefühl.  Aber wir packen das. Am Ende dann sogar locker...

Ein paar Stunden später sieht die Welt anders aus. Der Schiedsrichter zeigt auf den Elfmeterpunkt. Kevin Trapp verlässt den Platz. Oka zieht seine Schuhe an, steht auf  - und da merke ich, dass ich bis in diesem Moment wohl doch noch nicht auf Ballhöhe war. Scheiße – das ist echt, was ich da sehe. Erste Runde Pokal in Aue. Und wir liegen hinten, ach was: Wir fliegen raus.  Ist das mein Herz, dass da auf einmal so in der Brust brennt und flattert?  „Hurra, hurra – die Frankfurter sind da“, skandiert der Eintracht-Block in Aue, sie singen und hüpfen, nachdem ihnen – nach der kalten Dusche auf dem Platz – in der Kurve eine weitere von der Feuerwehr verpasst worden ist. Ich aber weiß: Das wird nichts mehr.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Ok – nicht ganz verständlich, warum Heiko Butscher da spielte, wo er spielte, warum er überhaupt spielte (dachte immer er sei sowohl links wie auch Innen als Ersatz des Ersatzes gedacht?) – trotzdem sah das Spiel der Eintracht in den ersten Minuten sehr ansehnlich aus. Druckvoll.  Der Ball lief schön über  die Außen,  vor dem Tor wurde – durchaus variantenreich – munter kombiniert. Inui setzte sich auf links schön durch, zwei, drei Distanzschüsse von Rode, Schwegler. Wow. Wir hatten offensichtlich vor, das Spiel möglichst früh zu entscheiden, um Kraft zu sparen.  Fast konnte man von einer drückenden Überlegenheit  sprechen. Eigentlich fehlte nur ein Tor. Und das Tor fiel.

Sonntag, 19. August 2012

Heiß

Was man an einem Tag, der so heiß ist wie dieser, tun sollte (Beispiele):

1) Eis essen
2) Sich in die Sonne legen (nicht zu lange)
3) Sich einfach treiben lassen
4) Schwimmen
5) Sich ein schattiges Plätzchen suchen
6) Viel trinken
7) Die Füße in einen Bottich mit kaltem Wasser stellen
8) Sich unter die kalte Dusche stellen
9) Im Dunkeln munkeln
10) Chillen
11) Grillen
12) Lesen (irgendwas)
13) Eine Feder in die Luft blasen
14) Einfach nichts tun.

Was man an einem Tag, der so heiß ist wie dieser, nicht tun sollte (Beispiel):

1) Fußball spielen

Trotzdem: Sieg in Aue!

Dienstag, 14. August 2012

"Kuckuck - der Nächste, bitte!" Oder "Einen hab ich noch..."


Bei der Eintracht wurde in den letzten Wochen heftig darüber diskutiert, wen wir noch holen müssen, auf welchen Positionen wir uns unbedingt noch verstärken müssen, um in der Bundesliga zu bestehen  – und siehe da: Wir haben uns verstärkt – und jetzt staunen wir darüber, dass wir auf der Suche nach mehr Identität auf gutem Weg sind, uns die Eintracht unter dem Hintern weg zu verstärken.  Mit noch zwei weiteren  unbedingt notwendigen Neuverpflichtungen werden wir jetzt in den nächsten Tagen sicherstellen, dass nicht nur in der Stammformation der neuen Saison maximal vier Spieler der Aufstiegsmannschaft stehen werden, sondern dass auch die zweite Garnitur praktisch komplett ausgetauscht  worden ist.  Man kann  vermuten, dass z.B. Sonny Kittel in seinem zweiten Profijahr deutlich weniger Einsätze haben wird als in seinem ersten. Ja, ja. Wir wollen  mithalten und müssen den Bub behutsam aufbauen. Ja, ja.

Auch über die Auswahlkriterien  für die Neuzugänge könnte man sich so seine Gedanken machen –zumindest haben Bruno Hübner und Armin Veh das, was man einst bei Boris Becker ein ziemlich eindeutiges „Beuteschema“ nannte.  Und so fällt es dem unbefangenen Beschauer beim Training  nicht nur deshalb schwer, die Spieler zu unterscheiden, weil so viele Neue dabei sind, sondern weil die vielen Neuen auch noch ziemlich ähnlich aussehen.

Dabei gibt es verschiedene Modelle:  Die  Innenverteidiger sind mindestens 1, 95 Meter groß (Haut- und Haarfarbe egal). Die Außenbahnen und das defensive Mittelfeld sind: Athletisch, blond, haben einen Scheitel (rechts oder links), der gerne auch mal leicht zur Tolle nach oben gebürstet wird und sind mittelgroß (ca. 1,75 - 1,82 m). Ausnahme: Djakpa, aber von dem wissen wir ja gar nicht, ob wir den überhaupt noch wollen. Die hinter den Spitzen rotierenden Offensiven sind: Klein.  Ausnahme: Alex Meier – aber der war ja auch schon da, und den müssen wir halt nehmen wie er ist. 

Samstag, 11. August 2012

Adlerendorphin

Immer noch dauert er an, der Sommer, von dem viele behaupten, dass er gar kein richtiger Sommer war und an dem ich doch viele, viele Abende draußen gesessen und in den Himmel geschaut habe. Wie lange ist das schon her, dass wir im Waldstadion den Aufstieg gefeiert haben? Wie lange liegt die Europameisterschaft in Polen schon zurück? Olympiade in London – tatsächlich erst seit zwei Wochen und am Wochenende schon wieder vorbei.

Der Sommer war erfüllt von Arbeit, von Büchern, Gedanken, Musik, von Erlebnissen und Ereignissen, schöne, weniger schöne und, ich kann es selbst kaum glauben, aber es ist tatsächlich so, dass ich es während der ganzen langen Vorbereitungszeit nicht ein einziges Mal geschafft habe, einen Blick auf das zu tun, was sich im Wald bei der Eintracht tut. Trainingslager.  Abgänge. Zugänge. Noch einen. Noch einen. Testspielergebnisse. Alles gelesen, hin und her gewendet, mir meine Gedanken dazu gemacht – aber alles eben nur Second Hand, keine Live-Eindrücke. Mensch. Na, so was.

Beim Spiel gegen Valencia werde ich nicht im Stadion sein, nein. International, so habe ich mir vorgenommen, werde ich die Eintracht erst dann wieder sehen, wenn es um etwas geht, wenn wir wieder in echt mitspielen. Eurobbabogaal. Nächste Saison oder so. Und jetzt ist also Freitagnachmittag, ich sitze im Büro, stiere abwechselnd aus dem Fenster und auf den Bildschirm vor mir, und auf einmal weiß ich: Heute. Heute ist es soweit. Ich fahr ins Stadion. Jetzt. Um kurz nach Zwei lasse ich alles stehen und liegen, egal jetzt. Einmal, wenigstens einmal noch, bevor es losgeht, will ich Eintracht-Luft schnuppern, will die Mannschaft sehen, mit der wir ab übernächste Woche die Bundesliga aufmischen. (Oder die Bundesliga uns? Aaaaaach was...).