Freitag, 30. November 2012

Spieler der Stunde: Unser Youngster - Marc-Oliver Kempf

Oops. Freitag morgen. Kaum sind die Wunden nach dem Spiel gegen Mainz 05 geleckt, steht heute bereits das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf ins Haus (vom Veh bzw. dem der Eintracht). Ganz kurz die morgendliche Lücke genutzt, um den Spieler der Stunde zu ehren, der alles andere als ein Lückenbüßer ist, vielmehr die durch Verletzungen und sonstige Unbill entstandene Lücke im Kader im Kader gefüllt und auf dem Platz die Lücke in der Innenverteidigung gestopft hat.

Aber zunächst noch einmal ein kurzer! Blick aufs Spielgeschehen, für den ich eine Anleihe beim wunderbar abgedrehten Fußball-Analyseblog „Spielverlagerung“ nehme. Der hat nämlich in dieser Woche  das Spiel der Eintracht gegen die 05er in den Blickpunkt gerückt und mir dadurch sehr geholfen, das Spiel zu verarbeiten. Doch, doch. Keine Ahnung, ob das tatsächlich – also TATSÄCHLICH – alles ernst gemeint ist, was da so steht,  aber ich liebe, liebe, liebe den sprachlichen Aufwand (und die kryptischen Bildchen) mit denen bei "Spielverlagerung" ein Spiel bis ins Detail zerlegt, ach was: mit denen der Matchplan hinter dem – wie wir alle wissen – nur scheinbar spielerischen Treiben auf dem Platz aufgedeckt und bis ins letzte Detail entlarvt wird. So kann ich heute mit Fug und Recht behaupten: Ich habe genau verstanden, was da am Dienstag abgegangen ist, im Waldstadion und fasse kurz zusammen:  

***Die Mainzer spielten mit einer beweglichen Raute, die den Raum zwischen den Linien versperrte und sich mit der Defensive kompakt und nur im Verbund nach vorne verschob - zunächst als 4-4-1-1-, später ein 4-5-1 mit Ansätzen eines 4-3-2-1 mit breiter Dreierkette im zweiten Band,  am Ende aber dann doch eher ein 4-3-3 mit drei Sechsern.  Überhaupt die Sechser: Die haben sich nämlich kettenähnlich verschoben, während die  ballnächsten Halbspieler pressten. Auch die Stürmer der Mainzer halfen sehr gut mit – sie ließen sich fallen und wurden bei Kontern als Prellböcke genutzt. Die Eintracht versuchte durch Flanken aus dem Halbfeld eventuelle Löcher am zweiten Pfosten zu bespielen, was aber nicht gelang. Vor allem deshalb weil Alex Meier, der wie üblich in der Horizontale pendelte, nicht verhindern konnte, dass die Mainzer bei Kopfballduellen bereits während der Ballverarbeitung Bälle von ihm erpressten.  Die Mainzer (z.B. Baumgartlinger) füllten Löcher,  bildeten pressingrestistente Anspielstationen, ließen sich bei Bedarf abkippen und kümmerten sich um das Bespielen der Halbräume. Die Eintracht presste ebenfalls aggressiv, aber nicht so ausgefeilt und musste immer einmal mehr pressen als ihr lieb war. So konnten wir nicht verhindern, dass der junge Shawn Parker mit schneller Beschleunigung in Löcher startete, einen Spieler befreite oder sich selbst in der Gasse frei lief.*** 

Da war nichts zu machen und wir wissen alle wie es ausgegangen ist.

(Das, was sich hier – zumal im Zeitraffer – so putzig liest, lässt sich übrigens statistisch exakt nachvollziehen: Von wegen kompakt zugestelltes Zentrum, hoch stehen,  zugestellte Passwege der Innen- auf die Außenverteidiger, Zweikampfwerte von Alex Meier. Na, also!)

Die Wahl zum Spieler der Stunde

Mittwoch, 28. November 2012

Tage wie diese


Dienstagabend, kurz vor zehn Uhr, Waldstadion. Zusammengedonnert fast ein bisschen paralysiert (Kann das sein? Wir haben tatsächlich verloren? Gegen die 05er? GEGEN DIE 05er?) stehe ich nach Abpfiff des Spiels an der Bande. Die Mannschaft dreht trotz Niederlage eine kleine Runde. Trotzig stimme ich in den Gesang ein, den die Westkurve anstimmt   – Alles, alles Frankfurter Jungs – aber als die Mainzer Mannschaft dann vorm Gästeblock Aufstellung nimmt, ein Transparent mit „Auswärtssieg“  geschwenkt  und die lustige Humba angestimmt wird, verlassen wir dann doch zügig den Ort des Geschehens. Man muss den Leidenskelch nicht unbedingt bis zur Neige leeren.

Während ich die Treppe nach oben steige, versuche ich mich zu sammeln: "Hey - kein Grund,  in Weltuntergangsstimmung zu verfallen. So viele wunderbare Spiele und Moment haben wir in dieser Saison schon erlebt",– sagt mein besseres Ich.  "Aber warum so, warum ausgerechnet heute gegen Mainz?"jammert und klagt das Weichei in mir.   "Jetzt mach mal halblang, wen kümmern die 05er, stell dich nicht so an..." wehrt sich die Vernunft. "Ich könnte kotzen. Ich will nicht gegen die verlieren. Nicht gegen die. Und jetzt fehlen auch noch Schwegler und Zambrano. Was, wenn wir jetzt einbrechen?"  Har, har - so leicht lässt sich das Weichei nicht abschütteln.

Wie fast immer nach Niederlagen fühle ich mich ein wenig mitschuldig. War ich zu sicher? Zu hochmütig? Habe keine Sekunde damit gerechnet, dass wir gegen „die“ verlieren könnten. Merke jetzt erst, wie sehr ich (wider besseres Wissen) geglaubt habe, dass gehe jetzt immer, immer so weiter.  Später, irgendwann im Laufe der Nacht werde ich mich dazu durchringen, all dem auch etwas Gutes abzugewinnen. Boden der Tatsachen.  Wir berappeln uns schon wieder. Junge Truppe, muss noch viel lernen.  In Düsseldorf können wir zeigen, dass uns so was nicht umwirft und wie lernfähig wir sind. Direkt nach dem Spiel klingt das alles noch wie blablablubb.

Dienstag, 27. November 2012

"Schnappt's euch die!"


Ich bin waschechte Hessin, lebe und arbeite seit vielen Jahren in der Nähe von Mainz und (ich glaub, ich hab's hier mitunter schon mal erwähnt ,-): Ich mag Mainz mit all seinen Kuriositäten, Wurschdelischkeiten,  alteingesessenen Geschäften, dem Fastnachtsgedöns, den Festen, der Altstadt, dem Dom, Rhein, Theater   – und bin der festen Überzeugung, dass Mainz 05 und Mainz nicht so fürchterlich viel miteinander zu tun haben, wie sie gerne denken und wie es in der Öffentlichkeit vermittelt wird.  (Darüber hab ich hier im Blog das ein oder andere Mal schon geschrieben – wer mag z.B. hier)

Die Frankfurter Eintracht ist in Mainz – da beißt die Maus keinen Faden ab - so etwas wie der Erbfeind, der Inbegriff des Bösen und Garstigen. Wenn man mit einem Eintracht-Schal durch die Stadt geht, weichen die Menschen zurück, bekreuzigen sich, halten einem eine Knolle Knoblauch entgegen und bilden eine Gasse. (Na ja, das ist vielleicht ein klitzekleines bisschen übertrieben, aber nur ein bisschen).  Unvergessen jedenfalls der ca. 1,50 große Youngster, der sich am Mainzer Hauptbahnhof vor mir in meiner Eintrachtregenjacke, aufbaute, wild gestikulierte und rief: „Heeey, du…rausausmeinästadt.“ Mainzer, die mich neu kennen lernen und nett finden,  können es nicht glauben: „Eeeeeeeeecht? Du bist Eintrachtler?“ Wie kann das sein?  Da geht’s mir wie Sebastian Vettel: Witzig, klug, unglaublich kultiviert, einigermaßen ordentlich gekleidet, bildhübsch *g – und  trotzdem Eintrachtler. Sache gibt’s.

Sonntag, 25. November 2012

Fliiiiieg...

In den letzten Wochen war der Himmel einheitlich grau, eine feuchte Nebeldecke hing  wie eine Käseglocke über der Welt - heute weht endlich ein frischer Wind.  Die letzten trockenen Blätter wirbeln durch die Luft,  dicke, dunkle Wolken ziehen, blaue Wolkenfetzen, Regen sprüht   - wild-wehendes hinaus, hinaus Wetter.  Jetzt fliegen nicht nur die Adler, sondern auch die Drachen. Immer schön hart am Wind bleiben, sich die Höhenluft um die Nase wehen lassen, Kurs halten.

Schon am Dienstag  werden weitere Wirbelstürme im Hessischen erwartet, für Freitag ist weiterer Rückenwind aus dem Rheinland angesagt. Falls ihr einen kurzen Zwischenstopp auf dem Boden einlegt: Auch in der englischen Woche findet hier im Blog die Wahl zum Spieler der Stunde statt, aber - Achtung! - sie läuft einen Tag kürzer als gewohnt. Umfrageende für das Schalkespiel ist bereits am frühen Montagmorgen. Deswegen nicht vergessen: Erst abstimmen - dann weiterfliegen!

Mein Taschendrache und ich....
...immer startklar zum Abheben.

Samstag, 24. November 2012

Ohrstöpsel für Jerry


Für meinen heutigen Vor-dem-Spiel-Eintrag habe ich über vier verschiedene Aufhänger nachgedacht: 1) den zweihundertsten Geburtstag von „Grimms Märchen“, 2) die jährliche Aufführung des Weihnachtsmärchens im Theater, 3) Inspektor Columbo und 4) Trainingsanzüge.

Die Brüder Grimm und das Märchen müssen noch ein bisschen warten – fangen wir mal mit Columbo an. Wie jeder Film- und Fernsehkommissar hat auch Inspektor Columbo (wunderbar als ewige Figur verkörpert vom leider im letzten Jahr verstorbenen Peter Falk) seine ganz eigene Ermittlungsmethode. Columbos Stärke liegt darin, dass er freundlich-harmlos, und scheinbar naiv auftritt und deswegen von seinen Gegnern häufig nicht ganz ernst genommen wird. Er wiegt sie in Sicherheit und sie unterschätzen ihn. Wenn er in einen Tatverdächtigen befragt, redet er von allem und über alles – nur nicht über das, um was es eigentlich geht. Er wirkt immer ein wenig abwesend und vergesslich, erzählt von seinem Hund und von Mrs. Colombo. Er regt sich auf über das Wetter, bewundert ein Bild, das im Zimmer hängt. Läuft hierhin und dorthin, blickt aus dem Fenster, schweift ab, scheint den Faden zu verlieren und sich viel mehr z.B. für die Zubereitung von Marmelade zu interessieren als für die zu lösende Aufgabe. Greift nach – sagen wir – einem Buch, das auf einem Tisch liegt. Erinnert sich nicht mehr genau an den Tathergang oder an Details, die bereits erzählt worden sind. Und sorgt zwischendurch immer wieder für Irritationen, wenn deutlich wird, dass er jedes, aber auch jedes Detail  genau registriert und all das, was er da vor sich hin nuschelt, vielleicht gar nicht so zufällig und harmlos ist.

Dienstag, 20. November 2012

Spieler der Stunde: Immer dieser Meier

(Die Fotos im Stadion hat wib gemacht und zur Verfügung gestellt. Ganz herzlichen Dank dafür!!)

Viele Menschen sind ja der Auffassung, dass die besten Interviews am Rande von Fußballplätzen, nach Abpfiff eines Spiels geführt werden. Kann sein. Vor vielen Jahren haben Freunde von mir mal eine Alternativtheorie entwickelt, nach der die besten Interviews auf Schiffen gegeben werden. Anlass war ein Gespräch im Rahmen irgendeiner Fernsehshow, die auf einem Schiff statt fand. Das Schiff dümpelte durch die Landschaft, es gabTalk-Gäste und eine Live-Band und der Moderator befragte zwischendurch auch die Musiker, z.B. den Schlagzeuger. „Was ist das für ein Gefühl, hier auf diesem Schiff zu sein und Musik zu machen? Macht das Spaß?“ Der Schlagzeuger schweigt für einen Moment. Überlegt. Und sagt dann: „Ja.“ Der Moderator hakt nach. „Das ist doch sicher etwas ganz besonderes, auch für Sie.  Erzählen Sie unseren Zuschauern doch mal genauer, wie sich das so anfühlt. Wie geht es Ihnen dabei? Was ist das besondere an diesem Spaß?“ Wieder Stille. Und schließlich die Antwort: „Es macht mir einen schönen Spaß.“

Auch ich suche nach Worten, wenn ich jemandem erklären will, wie das im Moment ist, draußen im Stadtwald. Ein schöner Spaß.  Es ist schön, so schön und es macht Spaß. Ein Stück vom Glück. Schon vor dem Spiel. Da ist so ein Zauber, so eine (doch tatsächlich und obwohl es laut ist) stille Freude, die in den Gesichtern der Leute steht. So eine frohe Erwartung, ein Kribbeln: Was wird wohl heute passieren? Mit was werden sie uns heute überraschen? Wie in Märchenfilmen, wenn an Weihnachten die Weihnachtstür aufgeht – man weiß, dass es da hinter glitzert und dass es Geschenke gibt, aber man weiß noch nicht, was es dieses Mal sein wird. Und man bekommt zwar nie ganz genau das, was man sich gewünscht hat, aber etwas anderes. Schöneres. (Also: Im Märchen, in Wirklichkeit könnte ich ganz andere Weihnachtskindheits-geschichten erzählen – von einem grünkarierten Puppenkleid, das blaugetupfelt war, und mich in tiefsten Kummer gestürzt hat.  Von einem Tonbandgerät, das mit Volksmusik bespielt war und zum Eklat führte. Von… aber das ist ein anderes Thema).

Der schöne Spaß, der Zauber eines Eintrachtspiels, fängt derzeit bereits mit der Pressekonferenz vor dem Spiel an. Dank Frankfurter Rundschau (die es hoffentlich noch lange gibt!)  gibt es die PK seit einiger Zeit als Live-Mitschnitt im Netz, den ich mir immer erst am Spieltag selbst anhöre. Um das anstehende Spiel geht es nur am Rande, es ist mehr so eine Art „eingrooven“.  Armin Veh zelebriert sich und die Situation und er nimmt die anwesenden Journalisten mit. Rede, Gegenrede. Es wird viel gelacht. Ein Plauderstündchen. Und trotzdem merkt man da – wenn man genau hinhört – eine innere Ernsthaftigkeit. Klar, macht der das so, weil er so ist, wie er ist – witzig, ein bisschen eitel, sehr charmant -  weil: Wenn er nicht so wäre, könnte er das ja gar nicht. Aber er macht es, denk ich mal, auch ganz bewusst, um die Luft herauszunehmen.

Jedes Heimspiel bisher war wie ein buntes Überraschungspaket – ok, vielleicht Fürth als Ausnahme, das war einfach nur ein ganz normales Fußballspiel, aber so ein bisschen Erdung zwischendurch kann nicht schaden.  Wilde Spielverläufe, überflüssige Rückstände, Aufholjagden, Gegentore, die weggesteckt werden. Mut. Kampfkraft. Lustvoller Kombinationsfußball. Wundervolle Einzelleistungen. Tore, die man – wenn überhaupt -  alle paar Jahre mal zu sehen bekommt. Eine Mannschaft, die sich die Lunge aus der Brust läuft, an sich glaubt, der man anmerkt, wie viel Spaß sie daran hat, gut Fußball zu spielen.

Samstag, 17. November 2012

Wer A sagt, muss auch Ugsburg schlagen

Die Niederlage gegen Bayern liegt  - so kommt es mir vor – schon seit ewigen Zeiten zurück. Das hängt wohl damit zusammen, dass die vergangene Woche aus verschiedenen Gründen mehr oder weniger an mir vorbeigerauscht ist. Habe mich intensiv auf einen lange feststehenden Termin vorbereitet, den ich dann doch nicht wahrnehmen konnte, sozusagen Spielabsage in letzter Minute. Statt am Meer war ich dann im Schwäbischen. Nebel wallen, aber was immer auch geschieht in den Wirren der Welt und des Lebens, eine Gewissheit gibt es: Am Wochenende spielt die Eintracht. Heute also gegen Augsburg.

Montag, 12. November 2012

Frankfurter Jung

Au net schlecht! Jetzt standen wir schon kurz vor dem Herzkaschper, weil Jogi Löw weder Sebastian Rode noch Kevin Trapp in den Kader für das am Mittwoch anstehende Länderspiel gegen Holland berufen hat. Dann fallen erst Jerome Boateng, dann Marcel Schmelzer, dann auch noch Toni Kroos und Elfmeter-Opfer Schweinsteiger aus und dann tut Jogi Löw tatsächlich, was er längst schon hätte tun können oder müssen:

Endlich! Nach fast fünfzehn (und eigentlich noch viel, viel mehr) Jahren hat die Eintracht wieder einen Nationalspieler. Keine Frage, Kevin Trapp und Sebastian Rode werden folgen. Aber dass die erwartete Reihenfolge sich jetzt geändert hat, kommt mir - Zufall hin, Löwsche Gedankenspiele her - vor wie eine höhere Fügung. Ein gutes Zeichen, fast ein Symbol für die Zukunft - so, als ob der Erste nach so langer Zeit nur einer sein konnte und musste. Ein echter Frankfurter. Jung!

Sonntag, 11. November 2012

Kein Spiel des Jahres


Seit einigen Jahren sitzt im Waldstadion direkt vor mir ein fränkischer Herr, der Eintracht-, aber eigentlich doch noch mehr Bayern-Fan ist. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas möglich ist, aber doch: Es ist. Nun könnte von mir aus jeder nach seiner Facon glücklich werden – „Besser der wie isch!“ würde ein pfälzischer Bekannter sagen -,  wenn, ja wenn, der fränkische Herr, einfach im Stillen seiner Zuneigung zum 1.FC Bayern München frönen würde. Aber nein, bei jeder sich bietenden und nicht bietenden Gelegenheit trompetet er es in die Welt und sobald via Videowürfel ein Tor der Bayern verkündet wird, bricht er – unabhängig vom Geschehen oder vom Spielstand im Waldstadion – in lautstarken Jubel aus. Das hat bereits zu allerlei Disputen geführt und es ist lediglich einer schier übermenschlichen Disziplin meinerseits zu verdanken, dass Handgreiflichkeiten (Würgegriffe, Rütteln, leichte – mit dem FGV-Heftchen – ausgeführte Schläge auf den Hinterkopf, Verrutschen der Eintracht-Kapp o.ä.) bisher nur gestisch simuliert worden sind und Interventionen unsererseits ausschließlich auf größtmöglich-freundlicher sprachlicher Ebene stattgefunden haben, z.B. „Jetzt isses abber gut…“ „Hast duse noch all?“ Oder ganz einfach: „…!“

Spiele gegen die Bayern mag ich nicht, hab ich noch nie gemocht.  Immer dieser blöde Hype, dieses Gerede vom „Spiel des Jahres.“ Deswegen hat mir ein Satz von Armin Veh in der Pressekonferenz besonders gut gefallen: „Wieso Spiel des Jahres? Wir müssen uns doch nicht kleiner machen als wir sind!“  Müssen wir nicht. Zumal in diesem Jahr dieses Spiel erstmals seit vielen Jahren wieder unter anderen Vorzeichen stattgefunden hat: Es war ein Spitzenspiel und – obwohl wir das Spiel am Ende verloren haben – kann man das nach diesem Spiel mit größerer Berechtigung und mit größerer Selbstgewissheit behaupten als davor.

Donnerstag, 8. November 2012

Der Phallussieg


Dieses Wort habe ich gestern zum ersten Mal gehört und das hat auch einen guten Grund: Das Wort gibt es nämlich gar nicht. Trotzdem hat es gestern im Fernsehen jemand gesagt. Naaaaain, nicht – wie man vielleicht vermuten könnte - im Zusammenhang mit dem Sieg der Bayern gegen Lille (von wegen mächtig starke Jungs), sondern mit Blick auf den Ausgang der US-Wahlen. „Barack Obama hat einen Phallussieg errungen,“ sprach ein Immobilienmakler, den Anne Will als Experte in ihre US-Wahl-Nachbetrachtungsrunde geladen hatte.  Stutzen und Erstaunen bei den übrigen Gästen. Nachfrage, was er denn damit meine. Und die einfache Erklärung: „Ach, da hab ich mich wohl versprochen. Irgend sowas Griechisches halt…“  In diesem Fall dann also nicht der Phallus, sondern Pyrrhus, der einst eine Schlacht gewann, die er am Ende doch teuer bezahlen  musste. 

Hey…. daraus lässt sich doch was machen.  Gebildete Metaphern für alle Fälle. Bei einem Sieg der Eintracht brechen wir aus in Tantalusfreuden. Wenn uns eine Arbeit besonders schnell von der Hand geht, denken wir gleich an Sisyphos. Wer zu hoch hinaus will und dann abstürzt, dem geht es wie Ikea. So etwas kann man leicht vermeiden, wenn man – anders als die Trojaner – auf die Warnungen der Sabrina hört. Beim Barte des Reus -  dann soll mal einer versuchen, uns einen trojanischen Höllenhund unter zuschieben. Wenn es uns dann trotzdem mal umhaut – macht nichts, dann stehen wir wieder auf wie Venus aus der Muschel. Und wenn wir wissen wollen, was die Zukunft bringt, befragen wir das Debakel von Delphi. Das hilft uns dann ganz sicher, selbiges zu vermeiden. Oma! 

Samstag, 3. November 2012

Technische Probleme


Nein: In diesem Eintrag geht es nicht um die Eintracht - er ist in eigener Sache. Wie hier bereits angesprochen, gibt es seit der vergangenen Woche technische Probleme bei der Durchführung der Umfrage zum Spieler der Stunde: Es verschwinden Stimmen. Das ärgert mich teuflisch - euch wahrscheinlich auch. Nun schon fast vier Jahre Spieler der Stunde und jetzt so was - menno! Um trotzdem ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen, protokolliere ich (jetzt wie auch in der vergangene Woche) die Stimmen ind regelmäßigen Abständen handschriftlich - so dass zumindest ein (möglicherweise unvollständiges) aber doch in etwa reales Ergebnis zusammenkommt. 

13 Fragezeichen, ein Punkt und ein Ausrufezeichen

Um halb sieben sitze ich im Auto. Heute allein, treffe mich mit meinen Mit-Adlern am Stadion.  Die Nacht ist dunkel. Straßenlaternen. Nasse Straßen. Regen fällt. Ich wühle in den CDs auf dem Rücksitz, werfe eine CD ein (Hank Williams Tribute) und fahre los. Kaum zehn Minuten später frage ich mich, ob das so eine gute Idee war - und dann weiß ich nichts mehr. Tauche ein in einen Tunnel aus Schwärze, blinkenden Lichtern und nass glänzenden Straßen.  Im rheinhessischen Hinterland  ist kaum noch eine Socke unterwegs. Ab und zu leuchtet eine Straßenlaterne. Regen- und Windböen. Der Scheibenwischer kratzt. Wo und wer bin ich? Wohin fahre ich und warum? Grade halten, immer gerade aus. Dort ein paar eingemummelte Gestalten an der Bushaltestelle. Schwärze. Die Autobahnauffahrt, hurra.  Der Scheibenwischer knarzt, Jack White singt. Das Autoradio meldet sich. Staus. Überall. Kilometerweise. Der Regen wird dichter. Ich fahre. Ins schwarze, blinkende, nass glänzende Nichts. Mein Herz klopft. Sind das Autos? Aliens? Weiter, nicht denken. Fahren. Grade aus, immer gerade aus. Runter von der Autobahn. Irgendwie auf Seitenpfaden durchschlagen. Wird schon gut gehen. Path Finder ist mein zweiter Name.  Schilder am Straßenrand. Was stand da? Vorbei. Schwärze. Eine Baustellenmarkierung. Holprige Wege. Der Regen fällt. Wohin führt mein Weg? Schemenhafte Gebäude am Straßenrand. Blätter wirbeln. Die Lichter, die in der Ferne blinken – ist das vielleicht Wanne-Eickel? Bietigheim-Bissingen?? Tombestone? Dodge City?  Laredo? Würde mich nicht wundern, wenn gleich noch Tumble Weeds durchs Bild wirbeln. Da. Ein neues Schild: Frankfurt Stadtmitte. Yeah. "I'm crying, cause I'm so lucky that I found you." Singt Lucinda Williams.

Geschafft. Bin da. Einigermaßen rechtzeitig und genau dort wo ich hinwollte. Es ist viertel vor Acht. Mein Auto und ich stehen mitten im Wald. Es ist stockfinster. Ich stehe in einer Pfütze. Meine Schuhe triefen. Stapfe, schlurfe, rutsche durch glitschige Blätter. Regen nieselt. Dort, dort hinten leuchtet es hell und freundlich. Rotundschwarze Regenjacken und Zipfelmützen. Menschliche Stimmen: "Ei, Gude!" Geschafft. Waldstadion, Eintracht  – ich komme!

Freitag, 2. November 2012

Ein Trainer, der nicht blöd ist, richtig geile Schweißfüße in der Mannschaft hat, die - wenn’s dumm läuft - halt 5, 6 Tore machen müssen und heute einen Riesenschritt machen können, was schon lustig wäre. Ausrufezeichen!



Diesen einigermaßen erstaunlichen Satz sprach Mike Büskens, Trainer von Greuther Fürth, in der Pressekonferenz vor dem heutigen Spiel und er sagt damit eigentlich mehr über seine eigene Mannschaft als über die Eintracht. Greuther Fürth ist nämlich  (und das meine ich gar nicht mal despektierlich)  nach wie vor gefühlt eher zweite Liga. Oder sagen wir so: Es fühlt sich immer noch merkwürdig an, dass die Unaufsteigbaren es tatsächlich in die Bundesliga geschafft haben .

Zweite Liga, das scheint für uns lange, lange zurückzuliegen -  die beiden Spiele gegen Fürth aus der letzten Saison sind aber noch knallhart und bestens in Erinnerung.  Das Hinspiel,  das erste Spiel der „Mission direkter Wiederaufstieg“, in dem es fast schon nach einem Fehlstart aussah und wir das Ding – Batmour sei Dank  **boaheeeeyuuufyep** – am Ende dann doch noch gedreht und die Aufstiegsdinge von Beginn an in die richtige Richtung gebracht haben. Das Rückspiel – der Beginn der Rückrunde noch im Dezember, vor Weihnachten – ein ziemliches Gegurke, ein „konfuses, zerfahrenes, destruktives Spiel“.  Wir wollten die Tabellenspitze stürmen – und mussten am Ende mit einem 0:0 zufrieden sein, hatten (Zitat Bruno Hübner) „einen direkten Mitkonkurrenten auf Distanz gehalten.“

Genau aus diesem Spiel wollen die Fürther  für heute Abend „einiges mitnehmen“. Das ist gut zu wissen – dann müssen wir also einfach nur das Gegenteil von dem machen, was wir letztes Jahr gemacht haben: Unser eigenes Spiel aufziehen, flach und schnell spielen, Bälle halten, wach und schnell in Zweikämpfe gehen.   Und Edgar Prib nicht allein laufen lassen -  ich würde nämlich nicht darauf wetten, dass er  – so sich ihm die Chance bietet – den Ball noch einmal an den Pfosten schiebt.

Auch Armin Veh hat natürlich – wie immer vor einem Spieltag – in einer Pressekonferenz Rede und Antwort gestanden. Die PK  brachte dieses Mal besonders viel Schnurriges an den Tag.  Wir wissen jetzt z.B., dass es in der Mannschaft zwar keinen Stinkstiefel, aber vielleicht den ein oder anderen Schweißfuß gibt, der aber trotzdem ein netter Kerle sein kann. Nach dem Training bleibt die Mannschaft – auch nach dem Duschen – noch ein Weilchen zusammen. Marc-Oliver Kempf wäre in der Innenverteidigung leistungsmäßig sehr wohl eine Alternative, soll jetzt aber erstmal noch ein bisschen in die Schule gehen. Wir können auch mit einer 6 und mit zwei Achtern spielen. Warum nicht.  Keine Ahnung was dann hinten passiert, dann müssen wir halt 5, 6 Tore mehr machen. Und es ist gut, dass immer noch Herr Veh (und nicht etwa Herr Palmert) die Mannschaft aufstellt. Also meistens.

Armin Veh erwartet nicht, dass die Fürther sich hinten rein stellen, das sei nicht deren Konzept. Unseres ist es auch nicht: „Nach vorne machen wir wie immer – und nach hinten müssen wir sehen.“ Heute Abend soll es regnen und es wird stürmisch. Letzteres ganz sicher vor allem auf dem Platz!

Ein Hauch von Alltag nach der Niederlage beim VFB. Verletzungssorgen. Leise Zweifel, ob wir die Ausfälle kompensieren können? Alles Quatsch. Alles gut. Zur Not machen wir halt 5, 6 Tore mehr.

Macht es noch einmal: Sieg - und sonst gar nix!

Wo das wohl hin fühlt?