Donnerstag, 29. April 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel vom 16. April bis 29. April 2010

Donnerstag, 15. April
Bei Germany’s next Top-Modell müssen die Modell-Anwärterin meistens dasselbe, nämlich: „Sexy laufen“ und „sexy kucken“. Heute haben sie die Aufgabe in einem langen Abendkleid über den Laufsteg zu wandeln und sollen dabei Eleganz ausstrahlen. Eine Kandidatin stapft wie durch einen Kartoffelacker. Frage: „Das sollte also elegant sein?“ Antwort der Kandidatin: „Ich hab versucht, elegant zu kucken.“

Darüber kann man lange nachdenken. Man kann es aber auch sein lassen.

Freitag, 16. April
Hertha-Fan Christian Ulmen findet, dass die Eintracht einem Chiwawa ähnelt, dass Caio zwar nicht mehr dick ist, aber trotzdem der dicke Caio bleibt und die Hertha nach einem Sieg bei der Eintracht wieder dick im Geschäft wäre.
Also, lieber Herr Ulmen: Möglicherweise kann man über Caio geteilter Meinung sein – über Hertha nicht einmal mehr das.

In Island ist der Vulkan mit dem wunderbaren Namen Eyjafjallajökull ausgebrochen und bläst seine Asche in die europäische Luft. Nichts geht…ähem… nichts fliegt mehr. Wie kommt die Hertha jetzt eigentlich zum Spiel nach Frankfurt? Frau Merkel, die derzeit auf dem Rückweg aus Washington ist, kann jedenfalls derzeit weder in Berlin noch in Frankfurt landen und nimmt einen Umweg über Lissabon. Ob sie wohl einen Bundeskanzler-Notkoffer mit ein, zwei, drei Mal Wäsche zum Wechseln dabei hat? Falls nicht könnte sie ja sicher jemandem zum Einkaufen schicken. Der Einkaufszettel sähe vielleicht so aus:


Samstag, 17. April
Misshandlungsfälle jetzt auch in bayerischen Kinderheimen. Wie das so ist, liegen Tragik und unfreiwillige Komik häufig dicht beieinander. In den Tagesthemen ein Bericht über eine Pressekonferenz, in denen ein Anwalt die Aussage verliest, die eine ehemalige Heimbewohnerin zu Protokoll gegeben hat. „Dann bekam ich einen Watschen mit der Bemerkung: So, jetzt kannst wieder gehen. Was ich auch tat.“ Hansi Kraus steht für die Verfilmung ja zum Glück nicht mehr zur Verfügung.


Auch die Blöd-Zeitung beschäftigt sich heute intensiv mit dem Thema Vulkanasche und gibt Antwort auf die drängendsten Fragen:

1. Frage: Schadet die Asche dem Klima?
Antwort: Nein.
2. Frage: Schadet die Asche meiner Gesundheit?
Antwort: Nein.
3. Frage: Schadet die Asche dem Lack an meinem Auto?

Aaah ja. Am Ende kommen dann endlich doch noch die wirklich wichtigen Themen zur Sprache!

Sonntag, 18. April
Vor dem Spiel gegen Hertha hoffen wir auf Europa. Nach dem Spiel sind wir froh, dass wir einen Punkt in Frankfurt behalten haben. Schwegler verschießt einen Elfer. Wir spielen kraftlos, saftlos, uninspiriert. Und auch Hertha will nicht so richtig gewinnen. „De Caio hat sei Pulver schon wieder verschosse. Der kriegt sein Hinnern nemmer hoch…“ keift es in der Reihe vor uns. „Bald geh ich nemmer ins Stadion,“ motzt der Rentner hinter uns. Auf den vorsichtigen Hinweis, dass wir …hey…grad vor zwei Wochen hier ein Riesenspiel gesehen haben, eine gute Saison spielen - nur eine wegwerfende Handbewegung. „Ach was… alles Millionär...“ Der Stadionsprecher verkündet, dass die Hertha-Fans nach Abpfiff noch im Block bleiben sollen, weil sie dann von der Polizei zur Autobahn „transportiert“ werden. Und mir fällt unser früherer Stadionsprecher Hanno Haldi und ein Spiel gegen Gladbach ein, irgendwann in den 80ern. Ein Kantersieg der Eintracht. Noch zehn Minuten zu spielen, die Gladbacher liegen klar hinten. Die Sonne scheint und im Gästeblock gehen ein paar Böller hoch. “Achtung, Achtung!“ kommt es da durch den Lautsprecher, „Bitte liebe Gladbach-Fans, lassen Sie das. Verderben Sie sich und uns nicht den schönen Nachmittag!“

Ganz so schön war der Nachmittag heute weder für uns noch für die ,-) Herthaner. Na gut. 2:2. Vorbei, vorbei. Wir wandern zurück zum Parkplatz. Die Skyline von Frankfurt leuchtet rot in der untergehenden Sonne.

Montag, 19. April
Frank Rost hat am Abend vor der 0:1-Niederlage des HSV gegen die 05er mit einigen Mannschaftskollegen im Kino einen Film angeschaut. Bruno Labbadia findet das disziplinlos. Frank Rost entschuldigt sich und tritt aus dem Mannschaftsrat zurück.
Unser Tipp: Das nächste Mal zu Hause bleiben und ein bisschen am Computer spielen. Das gefällt Bruno bestimmt.

Die Eintracht ist zurück im Fußball-Alltag. Aus der Traum von Europa. Am Ende der Saison werden wir Siebter. Oder Achter. Oder Neunter, Zehnter, Elfter. Sind wir damit zufrieden oder sind wir es nicht? Sind wir Elfter weil wir Elfter sein wollen oder weil wir es müssen? Sollen wir mehr wollen oder sollen wir lieber nicht wollen? Wie viel mehr sollten wir wollen? Und wenn wir mehr wollten, würden wir dann auch mehr können? Das sind so Fragen, die vorerst offen bleiben. Aber es gibt auch Dinge, die klar sind: Caio wird am Samstag in Mainz nicht spielen können. Franz wird.

Auch an den Flughäfen: Immer noch keine Veränderung. Dabei muss doch jeder irgendwo hin. Muss er? Everybody is moving if they ain’t already there. Everybody’s got to move somewhere.



Montag, 19. April

HR 3 – wie immer am Zahn…ähem….am Puls der Zeit – hat auf die Schnelle eine Dokumentation über die lauernden Gefahren bei Vulkanausbrüchen zusammengestellt. Unsäglich – findet die TAZ und kommentiert: „Schade, dass es in Hessen keinen Vulkan gibt.“ Na ja. Außer dem Vogelsberg. Und natürlich außer der Eintracht.

Dienstag, 20. April
Wie verbringen eigentlich Fußballer die Zeit nach getaner Tat, also: nach einem Spiel, wenn sie mit der Mannschaft unterwegs sind? Sie spielen Karten. Sie schlafen. Sie rauchen und trinken. Sie spielen Play Station oder tun gar nichts. Und manche machen es anscheinend so wie Eckhard Henscheid den Betriebsausflug des Haffmanns Verlags geschildert hat. Sie fahren „Ins Puff von Paris“. Na dann.

Mittwoch, 21. April
Zufall oder höhere Fügung? Seit jeher grämen wir uns, dass wir es nie geschafft haben, die Pogues und den großen Shane MacGowan live zu sehen. Heute morgen steht bei meinem Mit-Adler der Turnusmäßige Passwort-Wechsel bei einer Zugangs-Software an und er ändert sein Log In aus einer Laune heraus auf „Mac123gowan“. Heute nachmittag stolpere ich über die Info, dass
die Pogues in diesem Sommer in Deutschland sind. Mit Shane. Und mit uns!

Donnerstag, 22. April
Im Kicker stoße ich auf ein Interview mit dem, dessen Namen man nicht aussprechen darf (nein, ich meine nicht Lord Voldemort). Er erzählt, wie gut er in Frankfurt medizinisch betreut worden ist (huch!), aber dass er jetzt guter Dinge ist, auch auf Schalke in absehbarer Zeit wieder Fußball spielen zu können. In den USA sei ihm ein „Bone-Stimulator“ ins Schienbein eingesetzt worden. Dadurch werde der Heilungsprozess angeregt. Nachfrage meines Mit-Adler: „Was haben Sie ihm eingesetzt? Einen Jones-Stimulator.“ Muhahaha. Naaaain. Einen Bone-Stimulator. „Aber vielleicht wäre es ja besser, wenn er es mal mit einem Brain-Stimulator versuchen würde?“ schlage ich vor. Dazu wieder mein Mit-Adler: „Was soll denn da bitte stimuliert werden?“

Auch in der FR gibt es heute ein Interview zu lesen – ein sehr schönes sogar, mit Halil Altintop, der meint: „Ich bin Halil – das muss reichen.“ Und in der Zeit lese lese ich einen Bericht über einen Fußball-Film - „Es gibt nur einen Jimmy Grimble.“ - in dem es darum geht, dass ein kleiner Junge sich danach sehnt ein großer Fußballer zu werden, den Durchbruch aber erst dann schafft, nachdem er die richtigen Schuhe gefunden hat. Keine Ahnung, warum mir dabei gleich wieder Halil Altintop einfällt. Ach so. Deshalb.

Am Samstag spielt die Eintracht in Mainz. Außer mir und ein paar anderen, die hier in der Ecke wohnen, interessiert das keinen Eintrachtler. Es handelt sich weder um ein Derby, noch ist es etwas besonderes und damit das auch jeder versteht, muss man es sich die ganze Woche über täglich mehrmals versichern. „Ich halte wie auch die Trainingswissenschaft viel vom Prinzip der Veränderung.“ Sagt Thomas T. Tuchel, der Trainer unseres nächsten Gegners. Ok. Da schließe ich mich an. Das vorvorletzte, das vorletzte und auch das letzte Spiel in Mainz haben wir nicht gewonnen. Dann fangen wir mit der Veränderung gleich am Samstag an – und gewinnen!

Freitag, 23. April
Können Namen sprechen? Aber sicher – z.B. bei Thomas Mann. Der in der Zeit und der Welt sinnsuchende Erzähler im Doktor Faustus heißt Serenus Zeitblom. Der windige Bankrotteur in den Buddenbrooks heißt Grünlich. Und die fiese Nachhilfelehrerin Sesemi Weichbrodt.

Das wollen wir doch gleich mal in der Realität testen. Nehmen wir z.B. den Kandidaten, der heut bei „Wer wird Millionär?“ antritt. Er heißt Fleischfresser. Naheliegend wäre, wenn der Mann besonders gerne Fleisch isst oder wenn er – im Gegenteil – Vegetarier wäre. Obwohl: Dann sollte er seinen Namen vielleicht doch besser ändern. Ich rätsele: Was wären denn z.B. „No-Go“-Namen für Fußballspieler. Knickfuß, fällt mir ein. Oder Flasche (besonders ungeeignet als Doppelname: Flasche-Leer). Dann muss es aber auch Namen geben, die für Fußballer besonders gut geeignet sind. Mmh... Wie wäre es z.B. mit Schnell? Oder mit Treffer- gern auch kombiniert mit „Voll“. Oder mit Spanschuss. Oder mit Grabowski. Hölzenbein. Oder Meier. Das gefällt mir eigentlich am besten.

Samstag, 24. April
Kleiner Vor-dem-Spiel-Streifzug durch Mainz:

Im Coffee-Shop. Studi hinterm Tresen, schiebt mir meinen Kaffee rüber, mustert mein Trikot, augenzwinkernd: „Eigentlich dürfe se hier net rein…“ „Ach“, antworte ich, „was mer so alles net derf.“

Auf dem Wochenmarkt. Der junge Mann am Olivenstand – Eintrachtler wie wir – erzählt: Heute morgen sei er im Eintracht-Trikot zur Arbeit gekommen- aber jetzt hat er es doch lieber wieder ausgezogen. Huch! Warum denn? Ärger mit dem Chef? Nö, dem wär’s egal, aber die Mainzer Marktgänger hätten sich aufgeregt, was das denn solle, da sähe es man mal wieder, Frankfurter Asso. Und nach dem zehnten, elften Mal habe er dann kapituliert. Potenzielle Kundschaft. Na ja. Ok.

Am Rhein-Ufer: Mit-Adler sind mit Freunden an den Rhein gezogen, um die Schiffe mit den Eintrachtlern in Empfang zu nehmen. Einige der Ankömmlinge dürfen nicht von Bord und werden zurück zum gegenüber in der Sonne liegenden, hessischen Ufer geschippert . Vorher hat ein Delegierter ihnen noch ein Bierfässchen besorgt, das über den Steg ins Schiff gerollt wird.

Im Buchladen: Beim Reinkommen, links ein Tisch mit Horror, Krimi, Psycho. Obenauf: Adler-Olsen. Was is das denn? Klappentext: Ein Thriller, der kein Erbarmen kennt. Sofort verpflichten den Mann.

An der Bushaltestelle am Schillerplatz: Eintrachtler und 05er auf dem Weg zum Stadion. Friedliche Koexistenz bei Wahrung eines gewissen Abstandes. Der erste Bus Richtung Bruchweg, proppenvoll, überwiegend Eintrachtler. „Alles, alles Frankfurter Jungs“ klingt es aus dem Inneren der Waggons. Wir wollen einsteigen. Der missmutige Busfahrer winkt ab: Nix da – ihr passt da net mehr rein. „Ei, dann schmeiß doch noch e paar Meenzer raus“ kommt der gutgemeinte Rat eines Eintrachtlers von Hinten.

Und jetzt steigen wir in den Bus ein und geben dann direkt ab an den Bruchweg ,-)

Sonntag, 25. April
Too damned hot – war es gestern im Stadion. Heute ist Sonne und Licht und Frühling. Die Frösche sind zurück und quaken. Franz, der Hahn, kräht. Unter dem Dach haben Rotschwänzchen sich ein Nest gebaut, in den Weinranken vor dem Haus nistet eine Amsel. Sitze und staune und lese und träume. Die Welt ist gut und mild und freundlich. Zumindest sieht sie heute so aus.


Stephen Hawking warnt: Durchs Weltall ziehen marodierende Nomaden. Deswegen müssen wir Erdlinge vorsichtig sein, uns zurückhaltend verhalten, keine Aufmerksamkeit erwecken. Weil wenn die dann über uns herfallen – dann zickezacke hühnerkacke. Aber wie gut – mir kann nix passieren. Ich hab ja zum Glück einen Onkel vom Mars.

Montag, 26. April
Eyjafjallajökull hat die europäische Welt still gelegt. Ob leichte Bekleidung sie in Bewegung bringt? Na ja… bisschen mehr müsste man wahrscheinlich schon noch tun.

Dienstag, 28. April
Wenn bei uns zu Hause früher von Fußball und von der Eintracht die Rede war, dann fielen Namen wie Pfaff, Loy, Feigenspan, Grabowski und Hölzenbein. Und ein weiterer Name war immer dabei: Toni Hübler, unzertrennbar und für immer mit der Eintracht verknüpft. Auch in einer meiner liebsten Eintrachterinnerungen kommt Toni Hübler vor: Juli 1990 Ein Freundschaftssspiel der Eintracht beim SV Guntersblum, ein Spiel, um dass es nichts ging und ein Tag, der mir heute noch wie verzaubert vorkommt. Kurz entschlossen waren wir von Mainz aus ins Hinterland gefahren. Wir lehnten an der Bande, schauten, schwätzten, lachten. Die Luft war mild, die Sonne schien. Alle waren da: Uwe Bein, Uli Stein, Ralf Falkenmayer, Ralf Weber, Zico, Manni Binz. Nach dem Spiel wurde die Mannschaft vor dem Vereinsheim an langen Bänken verköstigt. Andi Möller, den ich – jaja, is ja schon gut - damals sehr mochte, trug ein T-Shirt mit rosa-grauen Blockstreifen. Falke aß Kartoffelsalat mit Würstchen und trank ein Cola-Bier. Und Toni Hübler saß mit Charly Körbel auf den Stufen des Eintracht-Busses und blinzelte in die Sonne. Mein Herz hüpft vor Glück, wenn ich an diesen Tag denke. Heute noch.


Toni Hübler wird heute 81 Jahre alt. Kid Klappergass hat ihm im letzten Jahr zu seinem 80. Geburtstag einen wunderbaren Blog-Eintrag gewidmet.

Mittwoch, 29.April

Was sich in den letzten Wochen schon andeutete, ist jetzt spruchreif: Christoph Spycher verlässt die Eintracht. Wenn man mit 32 Jahren noch einmal ein Young Boy sein kann – wahrscheinlich eine richtige Entscheidung, für Wuschu, für die Eintracht. Und doch bin ich jetzt, wo der Abschied fest steht, ein wenig wehmütig. Danke, Wuschu – und: Alles Gute!

Auf europäischer Ebene wird darüber nachgedacht, einen Vulkanascheausschuss zu implementieren. Stimmt, das Beobachten der Vulkanwelt ist eine dringliche Aufgabe in Zeiten, in denen alle Naslang ein Vulkan ausbricht. Da gefällt es mir schon besser, dass es in Island, dem Land des Eyjafjallajökull, eine Elfenbeauftragte gibt. Sie wird z.B. bei Bauvorhaben von privater, aber auch von offizieller Seite zu Rate gezogen. Auf der Landkarte der verborgenen Welt kann man sehen, ob man mit einem Bauvorhaben einem Elfenwohnsitz in die Quere kommt. Wer will das schon? So eine Elfe soll ihre wohlverdiente Ruhe vor der Menschheit haben.


Alles schön und gut – aber ich finde: Was wir wirklich brauchen, das ist ein Ebbelwoi-Schutz-Beauftragter, der die Geister des Ebbelwois milde stimmt. Denn – mal ehrlich - Apfelwein in Dosen ist ja schon schlimm genug, aber dann auch noch mit Cola – das geht überhaupt nicht!

*** to be continued ***

Montag, 26. April 2010

When the ship comes in

Als ich am Sonntag morgen aufwache und an das Spiel der Eintracht gestern in M1 denke, fällt mir zuerst die Geschichte ein, die wir gestern im Bus bei der Anfahrt zum Stadion erlebt haben.

Neben mir steht ein kleines Mädchen, vielleicht zehn, elf Jahre alt, das gerade seiner Freundin erklärt, warum die Busse so voll sind. „Die Frankfurter spielen heut gegen die Mainzer. Das wird was...“ Und dann weiter: „Die kommen mit dem Schiff. Und am Hauptbahnhof geben sie vor dem Spiel noch Autogramme.“ Stutz. Da muss ich doch mal nachhaken. „Wer kommt mit dem Schiff?“ „Na, die Frankfurter Mannschaft.“ „Nee, nee. Das hast du falsch verstanden – das sind die Fans, die kommen mit dem Schiff. Die Mannschaft is jetzt schon längst im Stadion.“ Nein, sie beharrt darauf: „Die Mannschaft kommt mit dem Schiff. So hat’s in der Zeitung gestanden.“ Na dann. Und die Vorstellung hat doch was – man stelle sich vor: Der Eintracht-Dampfer mit gehisster Ader-Flagge legt am Rheinufer an, an der Reling lehnen Franz, Ochs, Schwegler, Meier. Die Mannschaft wird zum Hauptbahnhof gebracht, wo sie von Tausenden von Eintrachtlern enthusiastisch begrüßt und im Triumphzug nach oben zum Bruchweg geleitet wird. Da staunt er, der Mainzer.

Vorläufig sind wir noch nicht so weit. Stattdessen treffen wir uns vor dem Stadion mit Freunden. Ja, 05er. Ja, so ist das halt, wenn man als Eintrachtler in Mainz lebt. Zwei dieser Freunde überlassen uns für heute je eine ihrer Dauerkarten. Das ist sehr nett. Kein Wort über das bevorstehende Spiel – wir haben gelernt, bestimmten Themen aus dem Weg zu gehen. Einer erklärt mir, dass es zu den Bruchweg-Ritualen gehört, scheinbar überlegene Mannschaften mit „Und ihr wollt Hansa Rostock sein?“ zu besingen. Das sei also kein speziell auf die Eintracht gemünztes Lied. Das beruhigt mich.

Vor drei Jahren habe ich mich bei der Einlasskontrolle mit völlig überforderten Ordnern herumgestritten und mich geweigert mein Eintracht-Tour-Shirt auszuziehen. Dank der Unterstützung eines 05er-Freundes konnte ich das Spiel zwar stinkwütend und elend, aber immerhin vollständig bekleidet anschauen. Heute bin ich ohne Adler, aber mit rotundschwarzem Shirt, rotundschwarzen Ringelsocken und rotundschwarzem Eintracht-Bändchen trotzdem eindeutig identifizierbar, werde aber einfach und fast freundlich durch gewunken. Mein Mit-Adler hat sein Taschenmesser im Auto gelassen – haha - daran hätten sie ja ganz bestimmt gemerkt, dass sie es mit einem Asso-Frankfurter zu tun haben.

Der Bruchweg gehört zu den Stadien, in denen es – neben den beiden Fanblocks in den Kurven – zusätzliche Stehblocks auf der Gegengerade, direkt neben dem Gästeblock gibt. Dort stehen eng an eng ausschließlich Mainzer Dauerkarten-Inhaber. Und heute auch wir. Beste Sicht aufs Spielfeld, nahe Mittelkreis, nur ein paar Meter entfernt vom Geschehen. Eigentlich optimal. Irgendwie.

Mitgehangen, migefangen. Hier sind wir nun mal und da gibt es während des Vor-Dem-Spiel-Gedöns nur eins: Zähne zusammen beißen. „Yoooooouuul never walk alone“ singt das Stadion, singen die 05er um uns her und halten ihre Schals in die Höhe. Peinlich. Schließe die Augen, blende das Bild aus. „Im Herzen von Europa“ singt es in mir. „Eintracht vom Main.“ Und: „Du sollst heute siegen!“ Kommen jetzt endlich die Mannschaften? Nein, immer noch nicht. Ein monoton anschwellender Klatschrhythmus klingt aus den Lautsprechern und wird von Stadionsprecher Klaus Hafner dazu genutzt, die Zuschauer zu animieren. Noch mal. Noch mal. Nervtötend. Das finden auch die umstehenden 05er und intonieren „Wir ham die Schnauze voll, wir ham die Schnauze voll...“ Gelächter. Sie sind halt lustig. Immer und unter allen Umständen.

Endlich. Anpfiff. Die Sonne hat jetzt das Stadiondach erreicht und scheint schräg auf die Gegengerade. Das wird heiß.


Bitte, liebe Eintracht, richte ich ein kurzes Stoßgebet Richtung Himmel. Hier stehe ich, mitten unter lauter 05ern. Bitte, bitte tut mir den Gefallen. Bitte nehmt dieses Spiel ernst. Bitte lasst uns hier nicht wie Idioten im Regen bzw. in der Sonne stehen. Die Mannschaft scheint verstanden zu haben und nimmt von Beginn an das Heft in die Hand. Obwohl längst nicht alles klappt, sind wir spielerisch deutlich überlegen. Die Mainzer wirken überhastet und unkonzentriert. Fast folgerichtig fällt bereits nach einer Viertelstunde das 1:0. Meier. Ja. Ja. Ja. Der Eintracht-Block neben uns jubelt, wir jubeln mit. „Toooor. Tooooooor!“ In „unserem“ Block ernten wir erstaunte Blicke. Ja, klar – wir sind Eintrachter. „Macht ja nichts“, werden wir beschieden. Wir sind wohl vertrauenerweckend. Und deswegen nutzen die älteren Herrschaften vor und neben uns in den kommenden 70 Minuten die Gelegenheit, um uns zu erklären, warum man die Eintracht und ihre Fans in Mainz nicht mag: Sie sind brutal, verschütten Bier und ihr Chef heißt Franz. Alles Assos. Ach so. Das freut mich. Ehre, wem Ehre gebührt.

Die kräftige Frau im weißroten 05er-Shirt, die vor mir steht, sieht genau so aus wie man sich e echt Meenzer Mädsche vorstellt. "Wisse se" sagt sie, wie um ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen. "Wisse se, isch geh jetzt schon seit über 30 Jahr hier ruff." Glaub ich nicht, glaub ich nicht. Aber genug geschwätzt jetzt. Katastrophaler Abwehrfehler der Mainzer. Meier spitzelt den Ball zum 2:0 ins Tor. Geballte Faust. Ja. Yep. Hey, was geht ab. In uns keimt die Hoffnung auf, dass wir hier einen Kantersieg einfahren. Das wär’s. Minuten später hat Alex sogar das 3:0 auf dem Fuß. Macht nix. Weiter, weiter. Aber irgendwie lassen wir jetzt die Zügel schleifen. Viele unnötige Ballverluste. Und dann ist da auch noch der Oka-Faktor, der sich bis nach Mainz herumgesprochen hat. „Gegen Oka kann man’s mal probieren“ intonieren sie um uns her, als unser Torwart, der heute nicht seinen besten Tag erwischt hat, auf der Suche nach dem Ball durch den Strafraum irrt.

Na gut – dann überollen wir sie also nicht. Aber die drei Punkte nehmen wir mit. Basta. Mit einem 2:0 Vorsprung kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen heute. Denkste. Nur noch Sekunden bis zur Halbzeit. Noch ein Freistoß für die 05er, ca. 30 Meter vor dem Tor. Bancé legt sich den Ball zurecht. „Der schießt den direkt – des bringt doch nix.“ Höre ich hinter mir. Bancé läuft an, zieht kraftvoll ab – ein Eintracht-Kopf ist noch dazwischen, der Ball fliegt über Oka, kracht an die Latte, ist drin. Tor. Und in den Jubel um uns her mischt sich die Stimme von eben: „Hab ich’s doch gleich gesacht – der haut den rein.“ Wie gesagt: Immer lustig.

Mit dem Narhallamarsch verschwinden die Mannschaften in die Kabine und Ich lasse mich auf die Treppenstufen sinken. Die Sonne steht jetzt direkt über uns. Mann ist das heiß. Über dem Stadion kreist ein Luftschiff. Das kleine Mädchen aus dem Bus würde wahrscheinlich denken, dass „die Frankfurter“ jetzt Verstärkung einfliegen.

Die zweite Halbzeit beginnt wie erwartet. Der Anschlusstreffer hat die Mainzer in die Spur gebracht, sie wirken jetzt entschlossener, sind aggressiver. Wir halten nicht richtig dagegen, Konfusion in der Abwehr. Fast mit Ansage erzielt der bis dahin schwache Simak den Ausgleich (zwei Minuten vor dem Treffer bei einem Simak-Ballverlust– Stimme von links: „Warum der DEN immer noch uffstellt…“. Nach dem Tor, Stimme von rechts: „Seeeeehnse – deshalb!“)


Mmh. Und jetzt? Viel läuft nicht mehr bei uns. Irgendwann wird sicher noch ein Ball auf den Kopf von Bancé fallen („Hinein, hinein!“ intonieren die Mainzer um uns herum. Und: "Allez Bancé!" Und: "Helau, Helau!" bei jedem Fehlpass der Eintracht) – was e Elend. Erneuere mein Stoßgebet. Bitte nicht! Bitte, liebe Eintracht. Und dieses Mal ist es Ümit Korkmaz, der mich erhört. Statt zwanzig Meter vor dem Tor noch einmal einen der ohnehin nur mühselig nachgerückten Mitspieler zu suchen, zieht er ab. Tatsächlich – Tor. Tatsächlich. Tor. Wir führen wieder. Jetzt ist uns zumindest ein Punkt sicher. Denn es kommt wie es kommen muss. Hoher Ball. Strafraum. Kopf. Drin. Ich mag den nicht, nein, ich mag den nicht.

Narrhallamarsch. Schlusspfiff. Die Sonne steht jetzt schräg und knallt direkt von vorne auf uns. Die Mannschaft kommt in die Kurve. Die Jungs hängen an den Wasserflaschen und haben nur eine Hand frei, entsprechend matt fällt der Jubel aus. Will jetzt nur noch raus und muss, muss, muss etwas trinken, sonst kippe ich aus den Latschen. Die Stimmung im und ums Stadion ist entspannt. Alles gut. Leistungsgerechtes Unentschieden nennt man das wohl. Oder um noch einmal einen der lustigen Mainzer zu Wort kommen zu lassen: „Praktisch wie e 0:0. Nur mit sechs Toren.“ Stimmt. Warum hab ich mich vorher eigentlich so aufgeregt?

Freitag, 23. April 2010

Die Eintracht in Mainz - Eine Art Vorbericht

Meine Familie ist eine durch und durch hessische Familie. Im Kopf, im Herzen, in der Sprache und im Fußball sowieso. Durch die Nähe der Stadt, in der ich aufgewachsen bin – in Rüsselsheim - haben wir seit je her aber auch eine Beziehung zur Nachbarstadt Mainz. Das fängt damit an, dass mein Vater, der (um keine falschenVerdächtigungen aufkommen zu lassen) Zeit seines Lebens ein Eintrachtler war, merkwürdigerweise in Mainz zur Welt gekommen ist.

Als kleines Mädchen hörte ich zu, wie mein Opa und mein Vater von früher, von Pfaff und Loy und Feigenspan erzählten und sonntags ging ich mit meinem Opa ins Stadion, zu den Oplern. Manchmal machten meine Großeltern und ich einen Ausflug nach Mainz – zum Einkaufen, ein oder zwei Mal im Jahr, aus besonderen Anlässen. Wir fuhren mit dem Zug bis zum Südbahnhof und liefen durch die Altstadt in die Innenstadt. Dort gab es den Dom und es gab Quelle und Neckermann und Hertie. Es gab so wunderbare Geschäfte wie „Jacques Herrmann - größtes Spezialgeschäft von Deutschland“ und den „Samen Kämpf“ – das hatten wir in Rüsselsheim nicht. In den Einkaufspausen saßen wir auf Bänken und aßen unsere mitgebrachten Brote, manchmal, ganz selten, gingen wir in Brauns Fischrestaurant. Zum Fisch (den ich nicht mochte) bekam ich eine Apfelsaftschorle, mein Opa und sogar meine Oma tranken ein kleines Glas Bier. Das war schön.

Später studierte ich in Mainz. Ich wohnte in Rüsselsheim. Oder in Mainz – in wechselnden Formationen und WGs. Samstags fuhr ich ins Waldstadion oder suchte mir zwischen Menschen, Krempel und Umzugskisten (irgendwie zog ständig einer aus oder ein) eine Ecke, in der ich die Radiokonferenz hören oder die Sportschau kucken konnte. In Mainz gab es die Fassnacht, die konnte man ignorieren oder – je nach Laune - mitfeiern. Und es gab keinen Fußball. Oder doch, es gab ihn, aber er spielte in der Stadt keine Rolle. Das war die Zeit, in der sich abends am Zeitungskiosk vor dem Staatstheater ein Grüppchen Rentner traf, um über die 05er zu schimpfen. Standardsatz: „Ich geh nemmer nuff.“ (Der Bruchweg liegt auf einem Hügel hinter der Stadt). Unsere Stammkneipe – oder besser: unser eigentliches Zuhause – war damals die Kinopinte, deren Inhaber zwar kein Rentner, aber erstaunlicherweise ein 05er war, ein echter 05er. Ob er es nicht mal lieber mit richtigem Fußball versuchen wollte, im Waldstadion? Er winkte ab. „Hör mer uff mit der Eintracht, das brauch ich net…“ Also tatsächlich: Ein Mainzer Fußballfan. Das fanden wir ein wenig kurios, aber es nötigte uns auch Respekt ab. Ok, der Mann hat Überzeugungen. Als seine erste Tochter zur Welt kam, meldete er sie gleich am nächsten Morgen beim Verein an.

Zurück in die Zukunft. Seit einigen Jahren lebe ich in der Nähe von Mainz und habe also hautnah und staunend den Wandel eines putzigen, ein wenig anarchischen, vor sich hin grummelnden Ortes zur Fußballhauptstadt verfolgt. Das Zeitungskiosk vorm Staatstheater gibt es nicht mehr, da stehen auch keine Rentner, stattdessen flanieren Zahnarztgattinen und Erststemester (die affigerweise „Erstis“ genannt werden) mit rotweißen oder „vierfarbbunten“ Karnevalsschals über den Mainzer Wochenmarkt. Statt „Ich geh nemmer nuff“ heißt es jetzt: „Haben Sie schon gehört - heut spielt wieder die 05.“ In unserem Nachbarort wird bei jedem Heimspiel entlang der Hauptstraße geflaggt – selbst mir bekannte 05er finden: Das sieht aus wie bei Führers Geburtstag. Der Karneval (der in Mainz eigentlich mal Fassenacht hieß) und „die 05“ sind eine unheilvolle Union eingegangen. Es ist, als ob die Stadt sich entschieden hätte, eine Parodie ihrer selbst zu sein. Und als Eintrachtler in Mainz hat man heutzutage wenig zu lachen. Oder doch, wie man’s nimmt. Allein durch das Tragen eines Eintracht-Schals kann man Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Da werden sogar Zahnarztgattinen zu Hyänen: „Hau ab nach Hessen, du blöde Sau.“

Ich mag Mainz – und ich mag den 1. FSV Mainz 05 nicht. Einige gute Freunde von mir sind 05er. Einige sind es schon immer gewesen, andere sind im Laufe der Jahre dazu geworden. Damit muss ich leben. Aber ansonsten: Nein, ich mag sie wirklich nicht, „die 05“. Auch deshalb, weil sie mir ein Stück Mainz weggenommen hat. Und wenn noch einmal hundert mehr Eintrachtler in Foren und Threads sich gegenseitig dabei überbieten, um zu erklären wie kackedoof, knarzblöd und provinziell Mainz ist und wie unwichtig das Spiel der Eintracht an diesem Wochenende. Ich weiß: Beides stimmt nicht. Mainz ist nicht doof. Und dieses Spiel ist wichtig. Sehr wichtig. I take it personal. Sieg!

Dienstag, 20. April 2010

Nachbarschaftsduelle: Geschichten vom Franz *

In dem kleinen rheinhessischen Ort, in dem wir leben, gibt es ein paar Straßenzüge, die unter der Hand schon mal gerne als „Regierungsviertel“ bezeichnet werden. Wir regieren zwar nicht, wohnen aber zufällig mittendrin. Links von uns wohnt die langjährige Bürgermeisterin, oberhalb von uns der ebenso langjährige Bürgermeisterkandidat, beide sind direkte Nachbarn. Die Bürgermeister-Familie ist eher städtisch orientiert – planiert, saniert und hat alles im Griff - , die Bürgermeisterkandidaten-Familie betont ihre ländliche Verbundenheit, was sich z.B. darin äußert, dass sie freilaufende Tomaten, nein: es handelt sich natürlich um freilaufende Hühner, in ihrem Garten hält.

Zu den Hühnern gehört auch ein Hahn, der – wie Hähne das so tun – oft und lautstark kräht. Der Hahn hat auch einen Namen: Er heißt Franz. Und eben jener Franz ist ein ständiger Zankapfel zwischen den beiden Nachbarn. Ganz wie unter zivilisierten Menschen gibt es keine offene Fehde, sondern ein freundlich distanziertes Gartenzaun-Verhältnis. So wie bei der folgenden Szene, die ich gestern Abend aufgeschnappt habe.

Setting:
Ein lauer Frühlingsabend. Die Sonne steht tief. Leichter Wind. Der Kirschbaum blüht. Vögel zwitschern.


Handelnde Personen:
Auf der linken Terasse: Bürgermeisterkandidat
Auf der rechten Terasse: Bürgermeisterin-Gatte

Außerdem:
Bürgermeisterkandidaten-Gattin, im Garten werkelnd
Franz (Hahn)

***Vorhang auf***

Franz (laut): Kikeriki.

Bürgermeisterkandidaten-Gattin (beschwichtigend): Is ja gut, Franz.

Franz (lauter): Kikeriki. Kikeriki.

Bürgermeisterin-Gatte (kommt von rechts ins Bild. Locker, laut, fröhlich):
Ach, hallo Hildegard. Na. Das ist ein Wetter…

Bürgermeisterkandidaten-Gattin (rupfend über ein Beet gebeugt, kurz aufschauend):
Ach, hallo. Ja. Endlich.

Bürgermeisterin-Gatte (locker, laut, noch munterer): Sag mal, euer Franz, der wird ja auch immer lauter.

Franz (wie zur Bestätigung): Kikeriki. Kikeriki.

Bürgermeisterkandidaten-Gattin (weiter rupfend, vor sich hin murmelnd): Grummelgrmpfffargghrgrummel

Bürgermeisterkandidat (kommt von links ins Bild. Locker, laut, munter):
Ach, hallo Peter. Ja, gell - unser Franz. Des is ein richtiger Prachtkerl.

Bürgermeisterin-Gatte (locker, laut, munter): Na ja. Wie gesagt: Man hört’s.

Bürgermeisterkandidat ( locker, laut und munter): Dadefür isses ja ein Hahn. Der muss halt krähen.

Bürgermeisterin-Gatte (locker, laut, betont fröhlich): Ja, ja. Aber muss er das hier.. ?

Franz: Kikeriki

Bürgermeisterkandidat (locker, laut, betont fröhlich): Wart nur ab, Peter. In ein paar Tagen habbe mir eine Lösung…

Bürgermeisterin-Gatte (fröhlich): Ach, da bin ich ja mal gespannt…

Bürgermeisterkandidat (fröhlich): Ja, ja. Wart’s nur ab...

Beide: Hahahahaha.

Franz: Kikeriki.

***Ende***

Tja. Mmh. Jetzt bin ich natürlich gespannt, wie die Geschichte vom Franz ausgeht. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir um Franz keine Sorgen machen muss. Denn in einem hat der Bürgermeisterkandidat ganz sicher recht: Der Franz - das ist ein richtiger Prachtkerl.


* Der Titel "Geschichten vom Franz" ist entlehnt und zwar von einem Kinderbuch von Christine Nöstlinger.

Montag, 19. April 2010

Tschüss!

Sonntag, 18. April, 16 Uhr. Auf dem Weg zum Stadion fahren wir hinter einem LKW her, auf dem ein überdimensionales gezeichnetes Häschen zu sehen ist. Daneben steht auch was. Aha: „Möhren-Erzeuger und Verpackungsbetrieb“. Wie werden Möhren denn erzeugt? Ich dachte, die wachsen. Aber vielleicht werden sie in diesem besonderen Fall ja geschnitzt. Schon sind wir vorbei. Am Flughafen steigt gerade ein Flieger in den blauen Himmel – huch!

Die Schlange vor den Eingangstoren ist wieder einmal lang. Die Sonne steht direkt über uns. Ja, doch, sie brennt schon ganz schön. Hätt man halt doch die Kapp aufsetzen sollen. Gedrängel. Leiser Unmut. „Frauen und Kinder zuerst.“ Gejohle. Nix da. „Da müsse die doch später anpfeifen…“ Müssen sie nicht. „Ohne uns fange die net an…“ Doch, doch, das werden sie.

Fange gerade an darüber nachzudenken, was zuerst war: Der Rucksack oder der Mensch. Und: Was um des Himmels willen, ist da alles drin, in diesen Rucksäcken, die die Menschen mit ins Stadion tragen. Nimmt man einen Rucksack deshalb mit, weil man so viel zu transportieren hat? Oder ist es umgekehrt: Füllt man den Rucksack, weil man ihn hat? Diese Frage bleibt fürs erste ungeklärt, denn jetzt sind wir drin im Stadion. Eintracht, wir kommen.

Wir sind da – ob unsere Mannschaft es auch ist, bleibt fürs erste unklar. Das Stadion liegt im Sonnenlicht. Zum ersten Mal in dieser Saison spielen wir zunächst in Richtung Westkurve. Ein Gefühl, als sähe man das Spiel seitenverkehrt. Ob es daran liegt, dass alles so merkwürdig uneigentlich ist? Hey – es geht um was. Für uns. Für die Hertha.

Denen merkt man das zumindest ein bisschen an. Sie sind aggressiver, wacher als wir – wobei in diesem Fall wieder einmal klar wird: Der Komparativ setzt die Grundform nicht unbedingt voraus. Raffael rennt. Geckas ackert. Aber das wirkt alles ein bisschen pro forma. „Baggeuffblase“ pflegt ein Freund dieses mehr oder weniger sinnfreie schaut-her-ich-kämpfe Gewusel zu nennen.

Trotzdem fällt das 1: 0 für die Hertha. Geplänkel im Mittelfeld, noch in der Hälfte der Herthaner. Mehrfach haben wir den Ball scheinbar unter Kontrolle – Gewühle, Gestochere – wieder weg. Alex Meier hakt nach. Schwegler versucht sich. Wieder weg. Ein langer Ball nach links, hohe Flanke in den Strafraum, Kopfball–Ping-Pong über Oka hinweg und – jubel jubel jubel im Hertha-Block und für uns die erfreuliche Erkenntnis, dass wir heute immerhin die ersten fünfzehn Minuten ohne Gegentor überstanden haben. „Ihr seid alles Offenbacher Jungs!“ intonieren die Herthaner in ihrem Blog. Aber das kratzt keinen. Irgendwie ist es, als ob sie eine Pflichtaufgabe erledigen. Schulterzucken. Ach, lasst sie doch. Es wird ein Weilchen dauern, bis sie diesen Ruf das nächste Mal anstimmen können.

Auf dem Platz wird unterdessen weiter Fußball gespielt. Bei uns läuft heute nicht viel zusammen. Schlaff. Müd. Ohne Spannung. Kein Nachrücken. Keine Bewegung im Spiel. Die rechte Seite lahmt, die linke auch. Und in der Mitte fällt das Fehlen von T-Bär kaum ins Gewicht – Fehlpass kann bei uns heute jeder. Die Statistik, die auf dem Videowürfel eingeblendet wird, versetzt mich einmal mehr in Erstaunen: Die Eintracht hat 54% der Zweikämpfe gewonnen. Ach so.

Ümit Korkmaz scheint einer der wenigen, der nicht verstanden hat, dass das Spiel heute nicht so wichtig ist. Er nimmt den Kopf zwischen die Schultern und wuselt und wirbelt, manchmal steht Halil Altintop ihm auf der Außenbahn im Weg, deswegen sucht er selbst den Weg durch die Mitte und – richtig – erzielt den Ausgleich. Für ein paar Minuten ist Leben auf dem Platz und im Stadion. Hallo wach. Die Wende. Caio im Strafraum. Elfer. Das war ein Elfer. Er gibt ihn. Schwegler läuft an. Yeah. Der Platz ist nicht breit aber hoch. Schneller Konter der Herthaner. Das 2:1. Doof.

Halbzeitpause. Treffe hinter dem Block auf eine nette Forums-Adlerin, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Kurzer Austausch. Ja. Mmh. Na gut. „Mal sehen, was noch geht“, verabschiedet sie sich – und es ist als ob dieser Satz das Motto für die zweite Halbzeit wäre. Die Antwort ist jedenfalls schnell gefunden: Nicht viel.

Um kurz nach halb sieben ist die Sonne ums Stadion herum gewandert und steht jetzt genau über dem Gäste-Block. Ob das Symbol-Charakter hat? Auf die Hertha scheint doch noch die Sonne? Nix da. Marco Russ erzielt per Kopf den Ausgleich. Vielleicht ja doch noch….? Nein, das wird heute nichts mehr, für beide nicht.

Eine Viertelstunde vor Schluss rege ich mich dann doch noch einmal auf. Was für ein uninspirierter, lustloser Grottenkick. Wieder einer dieser sinnlosen langen Bälle ins Nichts. Wieder ein Pass über drei Meter, der nicht ankommt. Ein bei der Ballannahme vertändelter Ball. Ein Ball, der sich fünf Meter vorgelegt wird. Ein Ball, der bei der Ballannahme fünf Meter vom Fuß abspringt. Kein Aufrücken. Kein Nachsetzen. Schlaff. Ausgepowert. Menno. Ja, ja, ja. Wir haben in den letzten Wochen verdammt feine Spiele gesehen, aber kann das sein, dass jetzt die Luft so vollkommen raus ist?

Der Stadionsprecher verkündet, dass die Herthaner nach dem Spiel noch im Block bleiben müssen, auch die, die mit Bussen gekommen sind. Sie werden dann von der Polizei zur Autobahn „transportiert“, tschuldigung, sie werden natürlich „geleitet“. Abpfiff. Also, wenn ich Herthaner wäre, würde ich mich in den Hintern beißen - das Spiel hätten sie heute nicht verlieren müssen.


Unsere Jungs laufen in die Kurve. Ohne Caio. Der erscheint stattdessen in Großaufnahme auf dem Videowürfel – dick am Oberschenkel bandagiert lehnt er vollkommen zusammengesunken auf der Ersatzbank. Ach je.

Die Sonne ist jetzt aus dem Stadion verschwunden und nach draußen gewandert. Genau wie wir. Vorbei am Gästeblock, hinter dem – auf dem Rasenhügel, hinter Gittern – merkwürdig entspannt und gut gelaunt die Herthaner sitzen, umzingelt von Uniformierten. Winken da nicht sogar einige den vorbei schlendernden Eintrachtlern zu? Tschüss, Hertha! Und: Gute Nacht Europa, wo immer du auch bist.

Samstag, 17. April 2010

Es geht um die Wurst

Viele Fußballvereine haben einen tierischen Beinamen. Die Fohlen. Die Geißböcke. Die Wölfe. Die Zebras. Die Adler. Dann gibt es natürlich Mäuse. Jede Menge. Grau. Aber es geht auch bunt zu - Schwarzgelbe, Rote, Reds, Rotweiße, Blaue, Königsblaue, Blues - und manchmal sogar ein bisschen pathetisch, wie z.B. bei den Königlichen oder bei den Brave Hearts.

In diese Reihe passen auch die beiden Mannschaften, die am Sonntag im Waldstadion aufeinander treffen: Die Eintracht aus Frankfurt, die gerade dabei ist, sich den Zusatz „Diva“ wieder zu erarbeiten, während der Hauptstadtclub aus Berlin häufig als „alte Dame“ bezeichnet wird.

Es soll aber auch Leute geben, für die Hertha einfach nur eine Wurst ist. Und unzweifelhaft wird es am Sonntag im Waldstadion genau um selbige gehen: Die Hertha spielt um die allerletzte Chance auf den Klassenerhalt, die Eintracht hat immer noch die Chance auf Europa. Hamburg und Wolfsburg wissen anscheinend nicht so richtig, ob sie die Wurst vor ihrer Nase schnappen wollen. Wir schon, haben ja schließlich lange genug danach gehungert.

Alles hat ein Ende – nur die Wurst hat zwei. So leid mir das für Friedhelm tut - das bessere Ende davon werden am Sonntag wir in der Hand haben. Aber bei Licht betrachtet ist das für die Hertha eigentlich eh schon wurscht. Sieg!



Donnerstag, 15. April 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel - 3. April bis 15. April 2010

Samstag, 3. April
Ostersamstag. Schnell noch einkaufen, bevor es Richtung Waldstadion zum Spiel der Eintracht gegen Leverkusen geht. Schon in Stadion-Montur – Eintracht-Trikot, Eintracht-Schal s- hechele ich durch die Mainzer Innenstadt. Stehe gerade vor einer Bäckerei, da rollt ein junger Mann mit Kinderwagen an mir vorbei. Nach ein paar Metern bleibt er stehen, wendet sich um, belfert: „Mach dich wieder rüber.“ Häää? Meint der mich? Rollt weiter, aus sicherer Entfernung noch einmal: „Drecks Frankfurter. Hau ab zurück nach Hessen.“ Huch – der meint tatsächlich mich. Ich neige leider zu Jähzorn und jetzt, genau jetzt merke ich wie Wut in mir hochschießt, kurz und heftig. „Hast du sie noch alle?“ Laufe ihm ein paar Schritt nach. Laut: „Jetzt mach aber mal halblang…“ Wutsch. Weg isser. Geflüchtet in einen Ladeneingang. Hatte Angst. Vor mir. Merke wie mein Zorn sich in einem Grinsen auflöst. Nicht schlecht. Hat doch was für sich, wenn man keinen Ruf zu verlieren hat.

Auch drei Stunden später haben wir nichts zu verlieren. Wir doch nicht. Im Gegenteil. Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Ein Spiel zum Hinknien. Eine Mannschaft die spielt und fightet. Ein Tor, also ein Tor, wie man es in einem Fußballerleben nicht allzu oft zu sehen bekommt. Und das ist noch nicht alles. Da kommt ja noch was. Ein Fall. Rück. Zieher. Selig. Abgedreht. Taumelnd. Die Kids von Caio, Clark und Oka, die nach dem Spiel an den Händen ihrer Väter über den Platz sturzeln. Jubel. Überschwang. Staunen. Stilles Glück. Bratwurst. Sternenhimmel. Jetzt schon zum dritten Mal: Danke, Eintracht.



Sonntag, 4. April

Der Hase ist los. Oster-Frühstück mit selbst gefärbten Eiern, Quark, Radieschen, Kresse. Vom Eise befreit. Am späten Nachmittag noch einmal um den Block und dann ins freie Feld. Wind und Wolken. Aprilwetter. Auf dem Heimweg. Zwei Straßen weiter spielen Kids im Hof Fußball. Einer ruft: „3.2 für uns.“ So isses. Mein Gang wird noch etwas beschwingter.

Der HSV spielt zu Hause nur 0:0 gegen Hannover und Guerrero wirft eine Wasserflasche nach einem pöbelnden Zuschauer. Darf er das? Darf er natürlich nicht. Aber schnell mal die moralische Wenn-schon- "'Millionär"-und-Sportler-Keule rausholen - ganz so einfach ist das nicht. Wenn ich dran denke, was sich unsere Spieler letztes Jahr alles anhören mussten, also ...mmh... gut, dass ich in der Regel keine Wasserflasche dabei habe.

Wenn die Eintracht verloren hat, meide ich am Wochenende grundsätzlich jede Sportsendung. Aber jetzt: Sportschau. Sportstudio. Alle Spiele, alle Tore. Heimspiel. Alles aufgezeichnet. Alles mehrfach. Das geht natürlich nicht ganz ohne Aufreger (im Sportstudio z.B. entsteht der Eindruck als sei die einzig wirklich wichtige Szene des Spiels , der – selbstredend – unberechtigte Platzverweis für Schwaab) – aber das macht nix. Mir wisse ja wie’s wirklich wahr. Und: Schwätzt ihr nur. Wir haben gewonnen, gewonnen, gewonnen. Im DSF wird der Sieg der Eintracht gegen Leverkusen als „das beste Bundesliga-Spiel der laufenden Saison bezeichnet.“ Na also - geht doch.

Apropos Aufzeichnung. Unentbehrlich dabei: die Forward-Taste zum Durchzappen durch die Werbepausen. Sssssssssssst... Oops. War das…. Wieder zurück. Tatsächlich. John Lennon, aus dem es spricht: „Was vergangen ist, ist vergangen.“ Sagt er. Und: „Früher war auch nicht alles besser.“ „Start something new.“ Und schließlich: „Live your life now.“ Dann ein Schnitt. Ein Auto fährt ins Bild. Citroen. Der neue Anti-Retro. Fühle mich stattdessen eher Anti-Ono. Obwohl: Wie es heißt, hat Yoko Ono der Werbeverramschung nicht wegen des Geldes zugestimmt, sondern um „John Lennon auch in der neuen medialen Welt zu präsentieren.“

Also – da wüsst ich was Besseres:

Montag, 5. April
Sind nachmittags in Rüsselsheim und düsen spontan weiter nach Frankfurt zum Eintracht-Training. Ziemlich viele Kiebitze sind da und ziemlich wenige Spieler – genau genommen nur vier: Andreas Menger, Oka Nikolov, Markus Pröll und Ralf Fährmann. Dann sind die Jung heute wohl beim Waldlauf. Wir schauen dem Torwarttraining eine Weile zu. Ein frischer Wind weht übers Gelände. Oder war es der Geist von Caio? Nach einer halben Stunde machen wir uns auf den Heimweg. Später lese ich im Eintracht-Forum, dass das Training dann doch noch stattgefunden hat. Dumm gelaufen. Also wir, nicht die.

Dienstag, 6. April
Caio hat beim Sieg gegen Leverkusen nicht nur ein Wahnsinns-Fackel-nicht-zu-glauben-alle-vom-hocker-reiß-eigentlich-geht-das-nicht-Tor geschossen, sondern auch Kampfkraft gezeigt. „Das liegt allein an ihm und nicht am Trainer.“ Sagt Patrick Ochs. Und der muss es wissen. Beim Barte des Ama. Der ist übrigens heute wieder zurück im Training - Grund genug für eine Ama-Edition mit Trainingsfotos im Eintracht-Forum.


Ebenfalls im Eintracht-Forum öffnet Petermann einmal mehr sein Kicker-Archiv und hält Rückschau auf die Saison 93/94 und ein fulminantes Spiel der Eintracht in Gladbach, wo die Eintracht durch Tore von Furtok, Bein, Weber und Yeboah mit 4:0 in die Saison startet. Auf der Rückfahrt war – so berichtet der Kicker – wie vorher für den Fall eines Sieges abgemacht alles erlaubt, auch das Rauchverbot war aufgehoben. Darüber freut e sich besonders der „leidenschaftliche Raucher Uli Stein.“ Man stelle sich ähnliches heute vor. Dutzende von Jugend-, Sucht-, Gesundheits- und sonstigen Beauftragten würden auf der Matte stehen. Seufz. Things have changed. Habe vor ein paar Jahren aufgehört zu rauchen. Ehrlich, manchmal würde ich es mir aus Prinzip gerne wieder angewöhnen.

Dass Menschen sich überall und zu allem beauftragt fühlen, zeigt auch eine Politikerin der Grünen in Berlin, die vorschlägt, Hartz 4-Empfänger als Hunde-Kot-Patrouille einzusetzen. Ach du Scheiße. Aber die Idee findet sowieso nicht überall Anklang. Der zuständige Ordnungsstadtrat hält nämlich nicht so viel davon, „Hartz-IV-Empfänger diesbezüglich zu schulen.“ Schade eigentlich. Wie wär‘ s statt dessen mit einem Training „Wie beseitige ich Hirnschwurbel?“ Zielgruppe: Funktionsträger im Öffentlichen Dienst. Oder – um es mit John Cowper-Powys etwas präziser zu formulieren: „Man sollte den Leuten weniger gute Ratschläge und dafür mehr Geld geben. "

Mittwoch 7. April
Ein rauchender Diplomat auf der Bord-Toilette löst auf dem Flug von Denver nach Washington Terroralarm aus. Kampfjets steigen auf. Na na - wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Michael Skibbe bekundet im Interview, dass er die Eintracht verändern will. Vielleicht sollte er mal Benny Köhler zu Rate ziehen?

Donnerstag, 8. April
Nach dem Trainingsbesuchsflop am Ostermontag versuche ich heute noch einmal mein Glück, stehle mich nachmittags aus dem Büro und düse zum Stadion.
Hurra, da laufen sie. Viel Getriebe um die Trainingsplätze herum. Fußballschule, aber auch viele Trainingskiebitze, sind ja immer noch Ferien. War lange nicht mehr im Training und freue mich an den Fortschritten, die ich zu beobachten glaube. Beim Spiel im Kleinfeld wird schnell und sicher kombiniert. One touch. Die Trefferquote beim Flanken-/Schusstraining scheint verbessert. Ja, das stimmt - meint zumindestt auch ihne ihrn freundlicher Forums-Adler, der regelmäßig beim Training ist und mit dem zusammen ich heute das Trainingsgeschehen verfolge. Ganz nebenbei lerne ich Mama und Papa Tosun kennen und nach dem Training schüttelt mir Sohn Cenk – ganz wohlerzogen – die Hand.

Meine Digi-Cam hat einen Wackelkontakt. Manchmal verschwinden Fotos – und manchmal tauchen verschollen geglaubte Fotos wieder auf. Als ich wieder zu Hause die Fotos anschauen will, die ich beim Training gemacht habe, sehe ich: Schnee, nichts als Schnee. Die Schneegestöber-Fotos vom Spiel gegen Köln sind –o Wunder – plötzlich wieder da. Zurück in die Zukunft.

Freitag, 9. April
Die Eintracht spielt heute in Gladbach. Alles ist möglich. Will nicht zu viel erwarten und tue es doch. Rechtzeitig zum Anpfiff (fast) alle Mit-Adler versammelt, Orakel-Kuh, Trikots, Pizza - wir machen alles genau so wie beim Spiel gegen den VFL Bochum. Die Mannschaft leider nicht. Schad.


Samstag, 10. April
Buntes Frühlingsgetriebe in der Mainzer Innenstadt, heute überwiegend in Gelb. Überall BVBler, die biertrinkenderweise in Straßencafés sitzen, und sich die Sonne auf den Kopf scheinen lassen. Ein Trupp gut gelaunter Dortmunder fragt mich nach dem Weg zum Dom. Mmh. Ob sie sich vor den 05ern so fürchten, dass sie vorher noch eine Kerze anzünden wollen? Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Glück für heute mittag. Sie sind erstaunt. Huch? „Ich hab mit den 05ern nix am Hut. Ich bin Eintrachtler!“ Kurzes Zögern. „Mmh... naja... dann trotzdem noch eine schöne Rest-Saison!“ **g

Mein schwäbischer Mit-Adler stammt vom Rande der Schwäbischen Alb, genauer gesagt: Aus Aalen. Daher kenne ich die Geschichte vom Schrott-Scholz, dessen Vorfahren Mitte des letzten Jahrhunderts mit einem Leiterwagen durchs Ort zogen und so die Grundlage für das heutige Schrott-Imperium legten. Heute Ist der Schrott-Scholz ein Mini-Hopp, dem der VFR Aalen gehört. (Kommentar Mit-Adler: „VFR? Hä? Wir sind früher sowieso immer zum SSV.“ ) Die Mit-Adler-Mama versorgt uns immer wieder einmal mit Zeitungsberichten aus der Schwäpo. Edgar Schmidt, Jürgen Kohler. Der Unmut der Aalener gegen die Kosten der Rasenheizung. Derzeit ist der VFR mal wieder obenauf – Tabellenführer der Regionaliga und tritt heute gegen unsere U 23 an, das Spiel endet 0:0. Der VFR-Homepage entnehme ich, dass vor einigen Wochen Emilia aus Aalen zur „Miss Hinrunde“ gewählt wurde. Oooooch, „Miss Schrott“ hätt mir doch noch ein bisschen besser gefallen.

Sonntag, 11. April
Ein windiger, kühler Frühlingstag. Wolkenfetzen, Sonnendusche, Nieselregen. Bin früh wach und will einfach nur hinaus hinaus. Verbringe den Vormittag im Garten. Hacke. Rupfe. Schneide. Säe. Weit und breit kein Mensch. Windverweht. Leicht. Froh.


Spätes Früh Stück. Was gibt es neues im „Ortstanzeiger“? Aha. Der BDJK (was ist das? Ach so
) veranstaltet ein Zeltlager für „Buben und Mädchen zwischen 8 und 15 Jahren“. Mmh. Bei dem Thema wird einem im Moment ein wenig ungemütlich. Weiterlesen. Beide Zeltlager haben einen Themensschwerpunkt. Ich lese laut vor. „Das Mädchenlager steht unter dem Motto ‚Antikes Griechenland‘...“ „Muhahaha....grmpfff...“ werde ich unterbrochen. Mein Mit-Adler kann vor Lachen nur noch röcheln: „Grad noch mal Glück gehabt, Herr Pfarrer, dass das nicht das Motto für das 'Bubenlager' war....“

Montag, 12. April
Wunden lecken nach dem Gladbach-Spiel. Marco Russ befindet, dass „wir das Ding an die Wand gefahren haben“ und dann „an die Wand gespielt worden sind“.
Halil Altintop findet, dass das Spiel unter aller Sau war. Christoph Spycher hat sich im Spiel gegen Gladbach das Innenband im linken Knie angerissen und fällt für den Rest der Runde, vielleicht auch für die WM aus. Ob er noch einmal für die Eintracht auflaufen wird?

Dienstag, 13. April
Flashback. Anfang der 90er Jahre. Erinnerungen an Herrn K. Herr K. war Inhaber eines kleinen Druckereibetriebs und arbeitete regelmäßig für das Unternehmen, bei dem ich damals beschäftigt war. Herr K. war aber nicht nur Drucker, sondern wusste alles und kannte jeden, z.B. saß er – nach eigenen Angaben – Eintracht-Info-mäßig absolut an der Quelle und versorgte mich regelmäßig mit dem, was er für Insider-Wissen hielt. Unvergessen der Nachmittag an dem er mich mit zu einer Veranstaltung seines Kumpels – einem Reisebüroinhaber in Niederrad – schleifte, weil dort - „exklusiv“ – Ulli Stein und Dragoslav Stepanovic beim Tag der offenen Tür als Gäste erwartet würden. Das Reisebüro entpuppte sich als etwas fragwürdige Klitsche und der Tag der offenen Tür bestand aus einer Gruppe von Anwohnern, die um einen Grill herumstanden. Stepi ward nicht gesehen (Herr K.: „Der kommt gleich.“ „Ich glaub da kommt er. „Des isser er - ich seh schon sein Zigarillo…“ ) , aber lustig war’s trotzdem. Es gab auch eine Verlosung und zur Preisverleihung erschien – tatsächlich - Uli Stein. Ich gewann sogar einen Preis – einen scheußlichen „Designer-Sessel“, den ich von Uli Stein überreicht bekam und dann - sperrig wie er war – mit offenem Kofferraumdeckel nach Hause transportierte.


Warum ich diese Geschichte hier erzähle? Ganz einfach: Der Drucker K. war es auch, der mir im Sommer 1994 – exklusiv, versteht sich – berichtete, dass Rudi Völler aus Marseille noch einmal zurück in die Bundesliga käme. Und wohin? Natürlich zur Eintracht. Der Sohn „vom Rudi“ sei sogar schon in einer Schule in Hanau angemeldet. Na ja. Rudi Völler wechselte tatsächlich in die Bundesliga – allerdings nach Leverkusen. Heute wird er 50 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

Mittwoch, 14. April
Bei der U23 hat die Planung für die neue Saison begonnen. Für Neueinkäufe wird es kein Geld geben. Aber das ficht Trainer Oscar Corrochano nicht an. "Wir haben Bälle, einen Fußballplatz und Trikots, das langt mir",
sagt er. Das klingt ja wirklich putzig. Vielleicht ein bisschen zu?

Das Spiel gegen Hertha wirft seine Schatten voraus. Im Vorbericht im Forum ist die Hertha eine zuckende Schabracke, im Rückblick bei Kid Klappergass (Klick, Klick ) eher eine furchteinflößende Fregatte. Wie auch immer die Hertha am Sonntag auflaufen wird - der Sturm, den wir entfachen, wird sie versenken. Und vielleicht können wir ja dann doch nochmal Kurs nach Europa aufnehmen....

Heute ist eigentlich mein Schnipseltag. Aber irgendwie läuft von morgens an alles schief und dorschenanner. Bäh bäh bäh. Alles hängt. Drunter und Drüber. Und statt die Eintracht und die Welt zu verschnipseln, verzettele ich. Mich.

Donnerstag, 15. April
Während Steffi Jones darüber nachdenkt, wie sie dem Frauen-Fußball zu mehr Star-Kult
verhelfen kann, werden in Limburg bereits Tatsachen geschaffen. Eine Zuschauerin (von Beruf Polizistin *g) aus Wiesbaden prügelt zwei Limburger Spielerinnen krankenhausreif. Das Spiel wird abgebrochen. Mmh. Guter Ansatz, aber sicher noch ausbaufähig.

Sehr gemischte Nachrichten vom Trainingsgelände draußen im Wald: Marcel Titsch-Riveiro muss das Training abrechen. Ama mischt schon wieder munter mit. Und ein neuer Name für den Profi-Kader am Horizont: Stefano Cincotta, der Linksverteidiger unserer U19 und U19-Nationalspieler, nimmt erstmals am Training der Bundesliga-Mannschaft teil.

Der 50. Jahrestag des besten Vereinsmannschaftenspiels aller Zeiten wird heute abend im Eintracht-Museum gefeiert. Kann leider nicht dabei sein – aber die Videos, die schaue ich mir an. Und dazu gibt’s Ebbler. Prost!


*** to be continued ***

(Die Schnipsel, aber hoffentlich auch die Europa-Pokal-Geschichte der Eintracht)

Mittwoch, 14. April 2010

Alles Fisch!

Also...mmh...leider. Grmmpff. Grummel. Mist. Leider wieder nicht pünktlich mit den Schnipseln.



(Aber die Schnipsel kommen ,-) Bestimmt.)

Dienstag, 13. April 2010

Gedeckelt

Vorher in den Zeitungen große Reden geschwungen. An die Wand gefahren. Immer nur hinter her gelaufen. Unter Niveau geblieben. Sich zu viel Druck gemacht. Versagt. An die Wand gespielt worden. Die Reifeprüfung vergeigt. Bitteres Spiel. Sich weit unter Wert verkauft. Jeden Zweikampf verloren. Gerumpelt. Nackenschlag. Unterdurchschnittlich. Fast schon desolat. Unter aller Sau.

Gut, dass das mal gesagt wurde.




Ok, ok. Wollen wir mal nicht so sein: „Man muss einfach erkennen, dass wir uns verbessert und entwickelt haben. Das ist eine sehr erfolgreiche Saison.“

Uff – da habbe mer ja noch ma Glück gehabt, mir zwei!

PS: Der Eintrag ist eine Zitat-Collage aus Presseberichten nach dem Spiel der Eintracht in Gladbach. Zum Nochmal-Nachlesen:
Klick Klick Klick Klick und: Klick!

Montag, 12. April 2010

Alles nach Plan?

Freitag nachmittag. Vor dem Spiel der Eintracht in Gladbach. Hoffnungs- und erwartungsfroh. Europawitzelnd. Von fern einige Stimmen, die mahnen und unken.

Freitag abend. Nach dem Spiel der Eintracht in Gladbach. Die, die geunkt haben, haben recht behalten. Das war gar nix. Sang- und klanglos. Saft- und kraftlos.

Samstag morgen. Wirr durchträumte Nacht. Duschen, anziehen, immer noch nicht richtig wach. Draußen ist die Welt. Suche mir hinterm Haus einen Klappstuhl und einen Sonnenfleck und sitze eine ganze Weile einfach nur so da. Wind weht. Wolken ziehen. Nein. Kein Grund hier einen auf fix und fertig zu machen. Ok – die Eintracht hat verloren gestern in Gladbach. Aber so what? Konnte ja nicht immer so weitergehen. Und was haben wir in den letzten Wochen für Spiele gesehen. Spannend, aberwitzig, durchgeknallt, alles war Glück und Hüpf und Träum. Und heute ist eben Nicht-mehr-Hüpf und nur noch ein bisschen Träum. Beobachte ein Rotschwänzchen, das ein paar Meter entfernt von mir mit dem Schnabel in der frisch geharkten Erde pickt. Es hüpft weiter. Na also, zumindest einer.

Sonntag nachmittag. Ich blättere in der Zeit und stoße auf ein Interview mit Hans Ulrich Gumbrecht – einem renommierten Literaturwissenschaftler und bekennenden Fußball-Fan. Er spricht über Kreativität im Fußball, also über etwas, dass es – so findet er – eigentlich nicht mehr gibt. Warum ist das so? Folgt man Gumbrecht, liegt das an der immer weiter fortschreitenden Systematisierung des Fußballs, die sozusagen das Pendant zur Standardisierung im Wirtschaftsleben ist. Alles nach Plan, alles nach festgelegten Abläufen. Fußball, eigentlich eine spontane, „auf individuellem Niveau improvisierende“ Sportart wird heute „einstudiert“. One-Touch-Fußball ist das Ziel, je höher das technische Niveau, je ausgeglichener der Standard der Spieler einer Mannschaft, desto perfekter läuft der Ball durch die eigenen Reihen. Idealtypisch so lange bis ein Abwehrspieler falsch steht, sich eine Lücke auftut – und ein einzelner Spieler (sozusagen der systemimmanente Überraschungseffekt) diese Lücke nutzt und ein Tor erzielt. Die Kreativität, das Ausnahmekönnen des Einzelnen ist eingebunden in das System, sie wird benötigt, ja - aber nur, um die systematisch erarbeitete Lücke durch einen kreativen Moment auszunutzen. Die Folge: Fußball wird immer perfekter, aber auch immer schematischer, immer langweiliger und unkreativer. Aber es gibt Hoffnung. Wer sich einmal mit Systemtheorie beschäftigt hat, weiß: Geschlossene Systeme neigen dazu, ihre systemischen Fähigkeiten immer weiter zu treiben, so lange bis sie an einen dialektischen Wendepunkt geraten: Um sich weiter zu erhalten, müssen sie sich auflösen. „Energie für die nächste Revolution“ nennt das Gumbrecht. Der Fußball, so wie er jetzt ist, muss also vielleicht einfach immer nur perfekter werden, damit er sich traut, die Grenzen seines Systems aufzulösen.

Mmh. Klingt irgendwie zutreffend. Und bis dahin? Genießen wir die Momente des Glücks ungeplanter Siege und ...mmh... freuen uns (na ja: in einem höheren Sinn) daran, dass wir…mmh… ab und zu verlieren. Ungeplant.

Freitag, 9. April 2010

"Dreimal Alex Meier!"

Manchmal, na ja: ganz selten, hat man im Leben drei Wünsche frei – in der Regel dann, wenn die gute Fee vorbeikommt. Z.B. könnte man sich dann einen Topf voll Gold, Gesundheit und die Meisterschaft für die Eintracht wünschen. Oder man wird gefragt, welche drei Dinge man mit auf die Insel nehmen würde – z.B. ein dickes Buch, einen Teddybär und eine Eintracht-Fahne zum Hissen.

Benny Köhler ist weder die gute Fee erschienen, noch muss er auf die Insel. Er war diese Woche einfach nur im Fan-Chat auf der Eintracht-Homepage und wurde gefragt, wen er kaufen würde, wenn er drei Spieler verpflichen dürfte. Seine Antwort:
„Dreimal Alex Meier!".

„Dreimal Alex Meier!“ – das wäre eine feine Schlagzeile nach dem Spiel der Eintracht heute in Gladbach. „Zum vierten Mal hintereinander drei Punkte für die Eintracht“ reicht aber auch. Sieg!

PS:
Life is too short to live without poetry!

Sonntag, 4. April 2010

"Schwebst du noch oder läufst du schon wieder?"

Eine halbe Stunde nach Abpfiff lehnen wir immer noch an der Bande. Nein. Heute werden wir das Stadion nicht verlassen. Nein. Überhaupt nie mehr. Wir bleiben jetzt einfach hier stehen, immer, lächelnd, leicht, froh. Werfen uns ab und zu ein Wort zu. Und kucken. Kucken, wie die Ränge sich jetzt doch allmählich leeren. Beobachten Maik Franz, der vor der Haupttribüne entlangläuft, jetzt in Trainingsjacke, sein Trikot ist irgendwo im Block gelandet. Er hat wohl Bekannte unter den Zuschauern entdeckt. Geht an der Bande entlang. Hands up. Umarmungen. Er schreibt Autogramme. Schwätzt hier und da noch ein bisschen. Ihm geht es wohl wie uns. Noch hängt der Zauber des Spiels über dem Stadion. Verweile doch. Er, wir können uns noch nicht trennen.

Momentaufnahmen der zurückliegenden drei Stunden.

Ein Riesenpulk vor den Eingangstoren, schleppende Einlasskontrollen. Nur noch eine halbe Stunde bis Anpfiff. Wir sind hibbelig, ungeduldig, über uns hängt eine dicke schwarze Wolke. Tut der guten Stimmung aber keinen Abbruch. „Mach voran.“ „Alles harmlose Eintrachtler hier.“ „Dafür leg ich die Hand ins Feuer – hundert Pyrozent.“ Der Regen setzt ein, kurz, heftig. „No rain, no rain.“ Und da ist sie auch schon wieder, die Sonne.

Noch zehn Minuten bis zum Anpfiff. Wir hecheln zusammen mit einem Trupp Eintrachtler Richtung Stadion. Im Laufschritt hinter der Haupttribüne, Höhe der Trainingsplätze. Aus dem Stadion klingt das Europa-Lied. Wir singen lauthals mit. „Du sollst heute siegen.“ Die Aufstellung. „Mit der Nummer 1 Oka...“Nikolov“ schallt es aus dem Stadion und wir unterstützen den Chor von außen.

Endlich. Im Stadion. Das Spiel läuft bereits. Kurzes Nicken, abklatschen mit denen, die immer da sind. „Eine dicke Chance hatten die Leverkusener schon.“ „Und?“ „Oka!“ Kurzes Orientieren. Ah ja. Alles wie erwartet. Franz in der Innenverteidigung neben Russ. T-Bär für Schwegler. Benny hinten links, davor Ümit Korkmaz. Patrick Ochs trägt heute die Kapitänsbinde – das freut uns. Das freut uns sehr.

Von Beginn an ein Spiel ohne großes Abtasten. Beide Mannschaften wollen es wissen. Das Spiel wogt hin und her. Leverkusen hat spielerische und körperliche Vorteile. Die Eintracht heut ein bisschen holpriger, weniger kombinationssicher als gegen Bayern und Bochum. Da fehlen halt doch Chris und Schwegler. Die Wege im Mittelfeld sind weiter als sonst. Missing link. Trotzdem. Trotzdem. Das sieht nicht schlecht aus. Wir halten mit. Schon eine Viertelstunde gespielt und noch kein Gegentor. Köhler macht hinten links ein bärenstarkes Spiel. Vor ihm wuselt und wirbelt Ümit Korkmaz, reißt Löcher, holt verlorene Bälle wieder zurück, geht weite Wege. Dafür muss er auch ganz schön was einstecken. Zimperlich sind sie nicht, die Leverkusener.

Der Elfmeter. Russ im Strafraum. Umgerissen. Das Stadion steht. Klare Sache. Wer wird schießen? Altintop? T-Bär? Ich drehe mich mit dem Rücken zum Spielfeld. Will, kann nicht hinsehen. „Es wird doch nicht wirklich Teber...?“ Doch. Er wird. Leicht verzweifelte Gesichter wohin ich schaue. Warum? Heute hat er eigentlich bisher ganz ordentlich gespielt. Hab trotzdem auch kein gutes Gefühl. Aufgerissene Münder und Augen. Jetzt, jetzt läuft er an. Schießt. Mein Mit-Adler reißt mich herum. Umarmt mich, dass mir fast die Luft wegbleibt. 1:0. Wir führen. Kann das gut gehen? Prompt fällt der Ausgleich...Halbzeit. Trotzdem. Trotzdem. Wiederanpfiff. Der dabbische Fehlpass von Sebi Jung. Ausgerechnet. Schon alles vorbei? Ümit der sich nicht unterkriegen lässt, einen Ball zurückerwuselt, Schwaab setzt nach, kommt zu spät, erwischt Ümit hinten an der Ferse. Schrecksekunde. Bitte nicht wieder Korkmaz. Nein, durchatmen. er kann weiterspielen. Dafür geht Schwaab. Zu recht.

Jetzt drängt die Eintracht. Patrick Ochs. Caio, ja wirklich, Caio, der mit zurück geht, der hinten aushilft, nicht alles klappt. Macht nichts. Halil Altintop, der heute versucht, die Mitte zu halten. Stärker als zuletzt. Fenin kommt für T-Bär. Auch Marco Russ taucht jetzt immer häufiger vorne auf. Sebi Jung, der sich zerreißt, seinen Fehler wieder gut machen will. Alex Meier, der vor allem in der Defensive eine starke Leistung bietet.

Aber auch Leverkusen bleibt stark, bleibt torgefährlich. Immer wieder Kießling. Immer wieder die lang gezogenen Freistöße oder Flanken über die Abwehr hinweg, wo Manu Friedrich oder Sammy Hyypiä – oft unbehelligt – warten. Trotzdem. Trotzdem. Jetzt packen wir sie, einen Punkt behalten wir hier. Einen mindestens. Das Tor von Halil Altintop. JubelTaumelErnüchterung. Er gibt es nicht. Aber jetzt vielleicht. Jetzt hat Caio den Ball, kurz hinter der Mittellinie. Er hat Platz. Was macht er? Ein, zwei Schritte mit dem Ball und dann – fast ansatzlos – tatsächlich. Er schießt. Scharf und doch gefühlvoll. Der Ball hebt ab, flirrt ein wenig, fliegt in hohem Bogen, nimmt eine Kurve, dreht sich dabei um die eigene Achse, scheint immer schneller zu werden, schlägt noch einen Haken und dann mit voller Wucht direkt unter der Latte ein, springt hinter der Linie auf. Einen Moment lang ist es still im Stadion - glaube, das habe ich so zum letzten beim Tor von Jay-Jay Okocha gegen den KSC erlebt – und dann bricht er los, der Wahnsinn. Was e Ding. Was hat der Bub denn da gemacht? Nicht zu fassen. Ich glaub’s net. Unglaublich. Der Hammer. Der Caio. Unser Caio. Strahlt. Strahlt. Strahlt. Genau so wie der kleine Paul in der Reihe neben uns. Mindestens.

Die letzte Viertelstunde des Spiels. Wie eine Woge. Ein Rausch. Bebe nicht nur außen, sondern auch innen. Kann das sein? Kann das wirklich wahr sein, dass wir auch dieses Ding, dieses Spiel noch einmal drehen? Lass es weitergehen. Einmal noch. Dream on dreaming on. Noch zwei, drei Minuten. Getümmel im Strafraum. Rote, weiße Trikots, Arme, Beine. Wo ist der Ball? Adler wirft sich dazwischen, Spielertraube fünf, sechs Meter vorm Tor... ...und genau in diesem Moment schaltet mein Augenmodus auf Zeitlupe. Ganz genau sehe ich den Ball. Und ich sehe Maik Franz. Der Ball, der sich Maik nähert. Fast höre ich es in seinem Kopf ticken... „Jetzt...gleich…den mach ich...wie nehm ich den Ball?... Soll ich...” Er steht mit dem Rücken zum Tor, lässt sich in die Bewegung fallen, erwischt den Ball voll mit dem Span. Fallrückzieher. Dieser Wahnsinnige nimmt den Ball tatäschlich als Fallrückzieher...

Beame mich zurück in die Jetztzeit. Tor. Toooor. Tooooooooor. Schreie, reiße die Arme hoch, der Himmel über mir blinkt. Wirversinken in staunendem Glück. Gegen Bayern war lautes, lachendes Durchgeknallstein. Ausgelassenheit. Jubel. Heute ist... Glückseligkeit. Staunen. Ungläubigkeit. Umarmungen. Halt suchen. Was machen die denn da mit uns? Sich gegenseitig versichern: Ja, wirklich. Wahr, alles wahr. Schalalalala. Jaaaa. Yep. Hüpf. Irgendjemand schleudert den kleinen Paul - hallo Rosa :-) - durch die Luft. Die Leverkusener noch einmal gefährlich vor unserem Tor. Russ, Jung, Köhler dreschen die Bälle jetzt einfach nach vorn. Raus. Raus. Das Stadion steht. Abpfiff.

Samstag, 3. April, 18.00 Uhr. Ok. Irgendwann müssen wir dann doch gehen, drehen ab zur Treppe. Die Ränge sind fast leer; im Block neben uns, Reihe 8 sitzt noch der Uralt-Eintrachtler, der dort immer sitzt und leidet. Heute strahlt er. Er strahlt selig. „Jetzt könne die Ostern komme,“ ruft er uns zu. Ja jetzt kann Ostern kommen. Und um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Ich habe vor, die kommenden Tage genau so zu verbringen, wie ich den gestrigen Abend beendet habe: Schwebend!


Freitag, 2. April 2010

Die Eintracht vor dem Spiel gegen Leverkusen: Do it Again!


Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel - 18.März bis 1. April 2010

Donnerstag, 18. März
J.D. Salinger hat 1951 den „Fänger im Roggen“ veröffentlicht und sich einige Jahre danach vollkommen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Vor ein paar Wochen ist er gestorben. Jetzt meldet sich ein Freund (ein „Kriegs-Kollesch“ wie die Inhaberin des Gemischtwarenladens bei uns im Ort das nennen würde) zu Wort. Salinger hat über all die Jahre den Kontakt zu ihm gehalten, die beiden haben Briefe ausgetauscht, sich besucht. Nein. Salinger war nicht verschroben oder so was. Er hatte einfach keine Lust auf Öffentlichkeit. So einfach sind Dinge manchmal. Wenn man sie einfach sein lässt.

Der Frühling und das Spiel der Eintracht gegen die Bayern hängen in der Luft. Abends kicken wir uns im Garten ein paar Bälle zu. Wie viele Punkte die Eintracht in den ausstehenden Spielen wohl noch holt? Ob ich dieses Jahr meinen (leider sehr mickrigen) Rekord im Ball-Hochhalten endlich verbessern kann?

Freitag, 19. März
Der Himmel ist (aha) himmelblau, die Luft ist klar, die Sonne leuchtet. Keine Lust mehr auf Arbeit. Hinaus. Hinaus. Tappere beschwingt durch die Mainzer Innenstadt. Laufe, bleibe stehen, kaufe mir ein Erdbeer-Schoko-Vanille-Eis. Werde magisch angezogen vom Wasser, vom Rhein, schlendere hinunter, setze mich auf ein Geländer, schaue, atme. Das Wasser glitzert. Weiße Wölkchen wehen. Menschen paddeln in Bötchen. Auf der Rhein-Terrasse wird ein Trupp breakdancender Jugendlicher von den Umstehenden bestaunt.


Zurück im Einkaufswusel. Beim Bäcker gibt es ganz viele Sorten Brot und Brötchen. Beim Metzger gibt es viele, viele Sorten Wurst. Im Kleidergeschäft gibt es gaaaaaaaaaanz viele verschiedene Kleider und T-Shirts und Hosen. Und was hat der Friseurladen in der Auswahl? Frisuren. Und zwar über 1.000. So, oder?
Ohne drei Spieler (also auch mit drei Frisuren weniger als sonst ) wird die Eintracht morgen gegen Bayern antreten (müssen).

Samstag, 20. März
Ein Tag zum Bäume ausreißen, ein Tag zum Abheben, ein Tag, um… Ja, genau! Caio spielt, aber es spielt erstaunlicherweise auch Heller (obwohl: Der Concordia-Eagle im Eintracht-Forum hat es vorausgesagt und deswegen hätte man es eigentlich wissen können). Meier spielt natürlich auch, allerdings nicht da, wo er sonst spielt. Dass Robben auch mitspielt fällt weiter nicht ins Gewicht. Schon wichtiger ist, dass unser Trainer genau im richtigen Moment das richtige tut. Der Rest ist Juhvel.


Seufz. Juhvel…. Juhvel Tsoumou ist in unserem Adler-Haushalt seit mehr als 2 Jahren eine feste Größe. Einer meiner Mit-Adler war einer der ersten, wenn nicht überhaupt der bzw. die erste, die ein Tsoumou-Trikot trug. Heute, ausgerechnet heute (hier passt das „ausgerechnet“), beim Spiel gegen die Bayern, ist sie nicht mit im Stadion. Eine kleine wehmütige Delle an diesem glückstrahlenden, abgedrehten, wundervollen Tag.

Von Töppi, dem Mann, der (Zitat Harald Schmidt) „sich vollgekokst selbst angezündet hat“, erfahren wir, dass heute Marcel Heller für Maik Franz und Sebastian Jung für Patrick Ochs gespielt hat. Der junge Tsouma war es, der den Treffer zum 1:1 erzielt hat. Soso. Aber heut is eh alles egal. Ich mache mir noch ein Bier auf und klicke zum einhundertundsiebten Mal heute Abend auf die Aufzeichnung des Spiels gegen die Bayern. Grade wird Juhvel eingewechselt. Prost!

Sonntag, 21. März
Trotz Hang-Over mache ich mich am Sonntagvormittag auf den Weg zu einem Mädchen-Fußballspiel im rheinhessischen Hinterland. Die Situation vor Ort ist zunächst verwirrend: Der Freund einer Spielerin hat sich vor zwei Tagen von ihr getrennt, eine Mitspielerin ist daran wohl nicht ganz unschuldig. Parteienbildung innerhalb der Mannschaft. Tränen. Wut. Geschrei. Verzweiflung. Wasserflaschen fliegen. Also alles genau so, wie man sich so ein Mädchen-Fußballspiel vorstellt. Fast genau so. Trotz aller Gefühlswirren gehen die Mädels auf den Platz und spielen. Sie spielen gut. Und sie gewinnen ihr Spiel mit 2:1. Yep!

Beim Tippspiel im Eintracht-Forum stelle ich heute mit 13 Punkten meinen All-Time-Punkte-Rekord – davon 12 Punkte für komplett richtig getippte Spiele (Köln-Gladbach, Eintracht-Bayern - !!!:-))) -, VFB – Hannover und Freiburg – Mainz.) Das freut mich.

Montag, 22. März
Ein Adler-Freund aus dem Forum schickt mir ein Foto seines neu erworbenen Eintracht-Gartenzwergs, den er justament am Samstag Vormittag, vor dem Bayern-Spiel, in seinem Vorgarten aufgestellt hat. Ewiger Jubelzeuge eines großen Tages. (Frage: Warum ist der denn so nass? Bierdusche?)

Plötzlich haben ihn alle lieb, den Juhvel Tsoumou. In der Blöd-Zeitung gibt es ein
Porträt . Eine neu eröffnete „Juhvel-Tsoumou“-Gruppe in Facebook hat innerhalb kurzer Zeit bereits 12 Mitglieder. Abends sind Marco Russ, der altkluge Olaf Thon und – natürlich! – Juhvel Tsoumou gemeinsam Gast im Heimspiel. Wie schon in den Nach-dem-Spiel-Interviews am Samstag kommen Russ und Tsoumou sehr sympathisch rüber - unprätentiös, natürlich, wenig sprechblasig. Olaf Thon sitzt merkwürdig eingesunken und ältlich neben Juhvel und gibt den eloquenten Alt-Vorderen. Ja, ja die junge Leut. Was für Schenkelscher.

Einer der heutigen Kandidaten bei „Wer wird Millionär?“ heißt mit Nachnamen Pickenpacke. Falls der Herr auf der Suche nach einer Frau sein sollte, hätte ich bereits eine geeignete Heiratskandidatin für ihn: Frau Voll.


Dienstag, 23. März
Die Odenwald-Schule sorgt seit einiger Zeit täglich für neue, verwirrende Schlagzeilen. So ganz nebenbei hat die Öffentlichkeit auf diese Weise mitbekommen, welche durch Film, Funk und Fernsehen respektive Politik, Wissenschaft und Medien bekannte Menschen ebenfalls dort zur Schule gegangen sind. Dany Cohn-Bendit, Tillman Jens, Amelie Fried, Joachim Unseld – das hätte an Negativ-Schlagzeilen doch eigentlich gereicht, oder?

Mittwoch, 24. März
Es wird wieder wärmer. Da freut sich der Mensch über den Biergarten gleich um die Ecke – besonders dann wenn neben dran gleich eine weitere (haha) Tankstelle ist. Wie meinte einst ein bierernster CSU-Politiker? Bier ist das ideale Autofahrererfrischungsgetränk. Vielleicht ist da doch was dran?
(Drive safety!)

Donnerstag 25. März
Vor dem Haus meiner Kindheit befindet sich eine Grünanlage mit Wiese und Bäumen, die uns Kindern in der Nachbarschaft – wir waren zehn oder zwölf Kinder von 5 bis 15, hauptsächlich Jungs und zwei, drei Mädchen - als Spiel- und Kampfbahn diente. In der Mitte der Anlage ein Opel-Denkmal auf einem Hartplatz, der uns bei jedem Wetter als Fußballfeld diente , die Sitzbänke wurden als Tore umfunktioniert. Meine Oma war eine stille, kluge und arbeitsame Frau. Aber es gab ein paar Dinge, die sie nicht mochte. Zum Beispiel, wenn Kinder von anderswo herkamen, um auf unserem Platz zu spielen. Die scheuchte sie gnadenlos weg: „Macht euch fort – spielt bei euch daheim.“

Warum ich das erzähle? Auch Heribert Bruchhagen hat heute eine Gruppe „Spaß-Kicker“ vom Rasenplatz im Waldstadion vertrieben.
„Runter da.“ Rief er aus seinem Fenster. Was - wie bei meiner Oma - so viel bedeutet wie: "Wenn hier einer spielt, dann wir." Wie es heißt, erfuhr Heribert erst hinterher, dass es sich bei einem der Spieler um Jürgen Klinsmann handelte. Ehrlich.

Freitag, 26.März
Was für ein Tag: Am frühen Tag bildet sich über Mainz eine Windhose und wirbelt die Welt durcheinander. Der Geschäftstermin, den ich nachmittags in Frankfurt habe, dauert zum Glück weniger lange als befürchtet. In die untergehende Abendsonne rolle, fahre, fliege ich über die Autobahn nach Hause. Bob singt „Visions of Johanna“. Zu Hause keine Visionen, sondern ganz reale Pizza und die Eintracht in Bochum. Wieder mit Caio. Wieder mit Jung. Wieder mit Meier als 6 neben Schwegler. Wir liegen früh hinten, aber spielen, spielen, spielen weiter. Und gewinnen. Der Eintracht-Fan-Block feiert noch eine Stunde nach dem Spiel. Das bemerkt sogar der Sky-Reporter und blendet noch einmal ins Stadion.
Heribert Bruchhagen verliert zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage die Nerven und träumt von Europa. Oder war am Ende jetzt er es, der Visionen hatte?

Samstag, 27. März
Doch, doch. Auch in Mainz gibt es ein paar versprengte Eintrachtler, sogar einige der Bauern und Händler auf dem Mainzer Wochenmarkt. Man kennt sich - schließlich halten sie, halten wir durch alle Höhen und Tiefen die Adler-Fahne hör- und sichtbar nach oben. Heute sind wir Eintrachtler in Town jedoch auch ohne Schal oder Kapp schon vom Weitem unverkennbar: Wir leuchten. Abklatschen. Grinsen. La ola. Da staunt der Mainzer.

Eigentlich alles gut – und trotzdem (oder gerade deshalb) nimmt dieser Tag eine doofe Wendung. Bin im Buchladen auf der Suche nach einem Taschenbuch und lande in einem interaktiven Kinderparadies mit begehbarem Wicki-Schiff, mi t Lilifee- und Drei-Fragezeichen- Merchandising-Aufbauten und einem Riesenplüschosterhasen. Flüchte und lande in der Vorhölle in Gestalt eines Mediamarktes, in dem mir sehr schnell klar wird, dass ich heute nicht den Nerv habe, mich durch eine Million Reihen mit Endlos-DVD-Audio-Maxi-CD-Sampler-Top-Ten-Special-Rabatt- Angeboten zu kämpfen und mich dabei von Waschmaschinen-Angeboten und einem Stern, der meinen Namen trägt, beschallen zu lassen. Ich kapituliere. Raus. Ich will hier raus. Zu viel. Alles. Von allem. Und dadurch irgendwie auch alles egal.

Setze mich ins Auto und fahre hinaus ins Freie. Himmel. Stille. Freies Land. Es gibt Tage, da wünsche ich mir einen leeren Raum. Und sonst (fast) nichts.

PS: Habe lange geschwankt, ob ich den Preis für das A... des Tages an Louis van Chaaal geht oder an Josef Heynckes vergebe. Entscheide mich aus alter Verbundenheit für Osram, der im Interview nach der Heimniederlage von Leverkusen gegen Schalke verkündet, dass es für Leverkusen nie um etwas anderes gegangen sei als einen internationalen Platz zu erreichen. Wirklich nicht? War da nicht eigentlich was von wegen Meisterschaft? Kurze Pause. „Nein.“ Sagt Ostam. „ Ich weiß ja, was für eine Mannschaft ich trainiere...“

Da erkenn ich ihn doch wieder, meinen Jupp. Wie gesagt: A...!

Sonntag, 28.März
Sonntags lese ich gerne den Lokalteil der Tageszeitung und stoße dabei auf manches Perlchen. Ein besonderes Glück sind zum Beispiel die Geburtsanzeigen – Namen im Wandel der Zeit... voller tiefer Erkenntnisse über die Welt und den Menschen an sich – im Besonderen wie im Allgemeinen. Wie soll man sich z.B. "Frau Dr. X-Y und Herrn Dipl.Ing. X" vorstellen, die ihre Tochter „Salomé Aurélie“ nennen? Oder wie die beiden „Teammanager“, die die Geburt ihrer Tochter „Nora Emily“ bekannt geben, worüber sich außerdem die bereits vorhandenen Geschwister „Philipp Noah“, „Tom Luca“ und „Alicia Sophie“ freuen? Also: Ich fürchte, ich weiß, wie ich mir diese Familie vorzustellen habe. O ja. Ich weiß es.

Auch nicht schlecht, ist der kurze Artikel den ich heute auf der letzten Seite unseres „Ortsanzeigers“ lese. Ein Beerdigungsinstitut lädt ein zum Tag der offenen Tür. Aber damit nicht genug – der Tag wird auch noch mit einem besonderen Schmankerl garniert. Zu Gast ist nämlich (ich zitiere) „eine rheinhessische Künstlerin, die erstmals einen von ihr selbst bemalten Sarg vorstellt“. Hilfe. Hilfe. Hilfe.

Albert Streit hat heute Geburtstag. Warum ich das hier vermerke? Nur so!

Montag, 29. März
Ein kleiner Dorffußballplatz, ganz weit draußen, fast schon in der Vorderpfalz. Ein kühler Abend. Ein Fu0ballspiel, das zur Halbzeit 2:1 steht und am Ende mit 2:6 gewonnen wird. Schön.


Dienstag, 30. März
Klick

Mittwoch, 31. März
Gestern war hüpf und hops. Den heutigen Tage beginne ich im Laufschritt und beende ihn auch so. Alle scheinen heute etwas von mir zu wollen, müssen vor Ostern noch dringend etwas besprechen, etwas abstimmen, warten noch auf einen Rückruf, wollen Korrekturen durchgehen, Pläne für nächste Woche ankündigen, einen Funkkurier schicken, brauchen noch schnell einen Text, haben noch Änderungen an der Datei, die bereits beim Drucker ist. Hechel. Es ist ein langer Weg bis ziemlich spät abends mein Mit-Adler vor mir eine freundlich dampfende Schüssel mit Nudelauflauf auf den Tisch stellt.

Nur mal angenommen: Man mischt ein Skatblatt gut durch und legt nacheinander die oberen vier Karten offen hin und die ersten drei Karten sind drei Siebener – wie wahrscheinlich ist es dann, dass die vierte Karte der letzte Siebener ist? Sehr, also wirklich sehr, sehr unwahrscheinlich. Manchmal passiert es trotzdem :-)

Donnerstag, 1. April
So lange geplant, immer wieder verschoben und heute endlich in die Tat umgesetzt. Wir treffen uns mit Freunden aus Uni-Tagen, auch mein Doktorvater und seine Frau sind gekommen. Kaffee. Kuchen. Schwätzen. Lachen. Fünf Jahre ist es jetzt her, dass wir uns alle zum letzten Mal gesehen haben. Kurzes Wrap-Up der Ereignisse. So viel passiert. So schnell vergangen und doch auch als hätte kaum Zeit dazwischen gelegen. In Erinnerung an durchdiskutierte, verrauchte Wochenendseminare und ellenlange Wandermärsche machen wir einen kurzen Wind- und Wetterspaziergang. Abendessen in einem rheinhessischen Gasthof. Bernd, der mit Fußball nichts, aber auch gar nichts am Hut hat, hat für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass das Gespräch auf Fußball kommen sollte, drei Sätze auswendig gelernt. Er hat an diesem Abend häufig Gelegenheit, seine Weisheiten mehr oder weniger passend ins Gespräch einfließen zu lassen. „Die Deutschen sind eine Turniermannschaft.“ (Gähn) „Kuranyi muss mit.“ (Gäääääähn). „Die Eintracht wird wieder Meister.“ Sach noch mal einer, dass der Mann von Fußball nichts versteht.



„Heute morgen stand ein Reh in unserem Garten.“Beim Spiel in Mainz sind keine Eintracht-Fans zugelassen.“ „Friedhelm Funkel kommt zurück zur Eintracht.“ „Dein Schuh ist auf.“ „Patrick Ochs ist für die WM nachnominiert worden.“ Hahaha.

Abends simst ein Adler-Freund mir, wie immer, die Zweitliga-Ergebnisse der Abendspiele. Der FSV hat verloren. Schad. Als ich spät nachts im Bett liege, schrecke ich noch einmal hoch. Menno. Die zweite Liga hat doch heute gar nicht gespielt. Doch noch reingefallen. April, April.

*** to be continued***