Samstag, 18. November 2017

Zwölfter Spieltag: I bims zuversichtlich vong Gefühl her

In dieser Woche sind  fußball- und außerfußballmäßig so viele große und kleine kuriose Meldungen - vom singenden Trump-Nachwuchs bis zum Öko-Atomstrom - durch die Welt und das Netz gegeistert, dass es mir schwer fällt, mich für einen Aufhänger für meinen Spieltagseintrag zu entscheiden.  Ok, meine Wahl fällt auf das das "Ausreise-Center" bzw. Abschiebegefängnis in Ingelheim. Dort werden überwiegend so genannte Gefährder untergebracht.  Weil sich die "Qualität der Häftlinge" verändert hat, sollen jetzt die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden. "Qualität der Häftlinge vong Gefährlichkeit her" möchte man ergänzen und es keimt der Verdacht auf, dass das, was gerne als "Jugendsprache" bezeichnet wird, möglicherweise keine Sprachverstümmelung, sondern vielmehr eine Bereicherung der "Normalsprache" sein könnte, deren Qualität ja auch zunehmend zu wünschen übrig lässt. Qualität gibt es ja überall und in jeder Ausprägung. Während sich zum Beispiel die Qualität der italienischen Nationalmannschaft offensichtlich verschlechtert hat, hat sich die Qualität der Frankfurter Eintracht in dieser Saison eindeutig verbessert. Und ich überlege noch, welche Art von Qualität gemeint sein könnte. Mehr so vong Professionalität her? Vong Fußball? Vong Tore schießen?  Ich entscheide mich für: Qualität vong Marketing.

Montag, 13. November 2017

Zehnter und elfter Spieltag: Schnipsel vor, während und nach den Spielen in Mainz und gegen Bremen

Mittwoch, 25.10.2017
Nach dem Pokal ist vor dem Spiel in Mainz und wie jedes Jahr frage ich mich, ob dieses Spiel besonders interessant oder gerade das Gegenteil davon ist. Ein lieber 05er-Freund betreibt, wie in jedem Jahr, eine ausgeklügelte Vor-dem-Spiel –Taktik: Er schmiert mir Honig um den Bart, um mich in Sicherheit zu wiegen: Auf jeden Fall wird die Eintracht dieses Jahr gewinnen. Mentalitätsmonster seien wir. Spielerisch den 05ern sowieso meilenweit überlegen. Es stünde vollkommen außer Frage, dass wir die "Mainzer Buben" überrennen. Einen Kantersieg landen. Drei, vielleicht sogar vier zu null. Timeo Danaios et dona ferentes. Nicht mit mir. Schweig. Apage satanas.  Trotzdem überlege ich kurz, ob ich nach mehrjähriger Abstinenz in Main mal wieder live im Stadion dabei sein will - Karten gäbe es noch, aber:  ach nö.

Donnerstag, 26.10. 2017
"Dieses Jahr geht was in Mainz."  Das ist die Auffassung, die sich auch im allgemeinen Meinungsbild allmählich durchsetzt. Wir haben in Köln gewonnen. Wir haben in Hannovergewonnen. Damit hat auch keiner gerechnet. Richtig. Aber wenn wir jetzt damit rechnen, rechnen wir ja offensichtlich damit. Oder? War ich gestern noch der Auffassung, dass es mir vollkommen ausreicht, das Spiel maximal im Live-Ticker zu verfolgen, möchte ich jetzt doch lieber zumindest per Live-Stream dabei sein.  Na gut – dann ordern wir eben einen Amazon Fire Stick, um den wir bisher aus gutem Grund einen Bogen gemacht haben. Man weiß nie, zu was es gut ist. Oder was man sonst so in Situationen sagt, in denen man sich selbst zum Affen macht.

Samstag, 21. Oktober 2017

Neunter Spieltag: ein Gedicht

Es ist Herbst, die Blätter fallen und
während in der Welt da draußen längst nichts mehr so ist, wie es noch nie war,
tun wir, was wir tun müssen.  Streifen uns
rotundschwarze Trikots über den Kopf, greifen nach Schals, vergessen
auch die Mütze nicht (es könnte regnen)
Und
ziehen hinaus in den Wald, wo die Eintracht
spielt. Schon immer, auch damals schon.
Früher.

„Heut gewinnt die Eintracht,“ ruft mein
Nachbar, der mich ins Auto steigen sieht. Thumbs up.
Die Dortmunder sind zu packen, heute, denke ich,
während ich fahre und Arcade Fire dazu singt.
Everything now.
Die Wolken ziehen, erste Regentropfen fallen und
ich hoffe zumindest auf: Fußball.
Rare Momente, in denen
die Zeit sich überlappt und alles jetzt ist und wir fühlen,
dass es genau so bleibt, dass es echt und wahr und groß ist,
bevor wir uns wieder daran erinnern,
dass wir es doch längst besser wissen,
uns keiner mehr etwas vormachen kann,
und ohnehin
das nächste Spiel immer das schwerste ist.

Es ist Herbst, die Tore fallen.

Heute hoffentlich vor allem für die Eintracht.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Achter Spieltag: o la la

Eigentlich ist geplant, dass hier in dieser Saison zumindest! vor jedem Spieltag ein Eintrag erscheinen sollte. Das hat dann also gestern leider zum ersten Mal schon mal nicht geklappt. Da aber der Rhythmus nicht abreißen soll - sonst wär's ja keiner mehr - kommt jetzt also ein nachträglicher vor-dem-Spiel-Eintrag, obwohl es natürlich so eine Sache ist nach einem Spiel, von dem man weiß, wie es ausgegangen ist, so zu schreiben als wisse man es nicht.  Aber ich kann ja zumindest mal die "Zutaten" aufzählen, die wahrscheinlich vorgekommen wären:

Sonntag, 8. Oktober 2017

Unter Glas - Ein Besuch im Hesse-Museum in Calw

Ich mag und schätze Hermann Hesse. Er zählt zwar nicht zu meinen Lieblingsschriftstellern, aber ich  komme immer wieder sehr gerne auf ihn zurück. Mag weniger seine fernöstlich-esoterischen Texte, mehr die Erzählungen, die bedrückenden Kindheitsgeschichten, das Ringen um Liebe und Freiheit, die Naturemphase, das Karge und das Unmäßige, seine bunt-heiteren Aquarelle -  irgendwie den ganzen Mann, der es nicht leicht mit sich hatte, im Exil in Montagnala zwar zur Ruhe gekommen ist, aber immer weiter gesucht hat. Schon oft sind wir auf dem Weg ins Schwäbische an der Ausfahrt Calw - dem Geburtsort Hesses - vorbeigekommen und nie abgebogen. Heute tun wir es. Mal sehen, was es im Hesse-Museum zu entdecken gibt.

Samstag, 30. September 2017

Siebter Spieltag: Erschütterungen

Es gibt viele Dinge, über die man im Leben und in unserer Welt erschüttert sein kann. Ich bin erschüttert über Schicksale mir nahestehender Menschen, über Flüchtlinge, die im Meer ertrinken, über Katastrophenopfer. Tod. Krankheit. Elend. Hass. Vielleicht auch über Wahlergebnisse. Besorgt, aber keineswegs erschüttert bin ich über die erneute Operation von Alex Meier. Das unterscheidet mich (neben allerlei anderem) von Fredi Bobic, der von der Entwicklung nicht nur erschüttert, sondern sogar „zutiefst erschüttert“ ist. Nun bin ich mir recht sicher, dass Alex Meier meinem Eintracht-Herzen näher steht als dem von Fredi Bobic und gerade deswegen wundert mich seine theatralische Formulierung nicht. Wäre nicht das erste Mal, dass lautstarke Beteuerungen ein deutliches Signal dafür sind, dass das Gegenteil gemeint ist. (Nicht nur) ich vermute: Für die Eintracht-Verantwortlichen ist Alex Meier längst ein erledigter Fall.

Samstag, 23. September 2017

Sechster Spieltag: Wer die Wahl hat

Mit welcher Mannschaft die Eintracht heute in Leipzig aufläuft? Niko Kovac kann bei seiner Aufstellung aus einer großen Bandbreite von Spielern wählen. Sie kommen aus 16 unterschiedlichen Nationen, sind ein buntes Team und tragen den Adler auf der Brust.  Auch wenn mir strategisch und fußballerisch im Moment vieles nicht gefällt, was die Eintracht so macht:  Am Multikulti liegt das ganz gewiss nicht.

Ob es uns dieses Mal gelingt, die überraschend in Köln geholten Punkte zu vergolden? Ob wir den „auswärts-zu-null“-Vereinsrekord in dieser Woche nicht nur einstellen, sondern sogar brechen? Unser Trainer hat ein gutes Gefühl. Die Sonne scheint.  Und den Rest werden wir sehen – auch wir haben ja die Wahl.


United colours of Bembeltown – go for it!