Samstag, 23. Mai 2015

Indizienketten und Torschützenkönige

Heute also Leverkusen und - kaum zu glauben - schon wieder der letzte Spieltag einer Saison. Eine Saison, die in vielerlei Hinsicht merkwürdig war - manchmal nahm sie Fahrt auf, manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie noch gar nicht richtig angefangen hat - und die mir trotzdem (oder gerade deshalb) als irgendwie besonders im Gedächtnis bleiben wird. Letztes Jahr war alles ein bisschen unwirklich, egal wie gut oder schlecht wir gespielt haben - jedes Spiel im Waldstadion war fast so etwas wie ein der Wirklichkeit entrücktes Erlebnis, überstrahlt von Europa. Dieses Jahr war real, manchmal vielleicht sogar zu real.  Mit allem, was bei der Eintracht zum Fußball gehört - inklusive Geknodder, Gegrummel, Zoff und Untergangsprophezeihungen. System oder kein System. Tore. Tore. Tore. Fehlpass-Chaos. Alleingänge. Fehlendes Mittelfeld. Machtspiele. PR-Maschine. Unzufriedenheit.  Alex. Stefan. "Joe". Verletzungen. Sonny Kittel. (Sonny!!!) Marc Stendera. Mein Lucas (ach jemine). Der unglaubliche Haris. Kapitäne.  Rückkehrer. Trainerlieblinge. Rauschende Siege. Fragezeichen. Herzkasper. Immer noch und noch eine Auswärtspleite. Interviews. Vorhersehbare Enttäuschungen. Unverhofftes Glück. 40 (41, 43?) Punkte. Tabellenplatz 12 (11, 10, 9, 8?).  Die einen reden von Spektakel, den anderen ist es langweilig. Was auch immer zutrifft - alle  "Indizien" (Heribert Bruchhagen) sprechen dafür, dass es eine gute Saison war.

Samstag, 16. Mai 2015

Wär' doch gelacht, ...

... wenn wir in der Rückrunde nicht noch einen Auswärtssieg  holen. Oder?

(Da das letzte  Woche mit dem einzeiligen Vorbericht so gut geklappt hat, musste ich es gleich nochmal probieren!)

Sonntag, 3. Mai 2015

Ach und Weh

Bilder, die bleiben. Der Moment in dem Sonny Kittel am Boden liegt, die Hände vor dem Gesicht, die Tränen laufen ihm über die Wangen. Haris Seferovic, der sich über ihn beugt, ihm Mut zuspricht. Hey, wird schon nicht so schlimm sein. Die Hoffnung war leider trügerisch. Doch, es ist schlimm, richtig schlimm. Wieder ein Kreuzbandriss und Sonny schien es vom ersten Moment an gewusst zu haben. So glücklich war er, noch vor zwei Wochen im HR Heimspiel, endlich wieder so weit, auf dem Platz zu zeigen  was für ein feiner Fußballer er ist. Deutlich machen,  dass er an den Rückschlägen gewachsen ist, dass er es schaffen kann, ein ganz Großer zu werden. Einfach froh. Jeden Tag wieder zum Training gehen. Fußball spielen. Und jetzt  das. Wieder das Knie. Wieder neu anfangen und die Hoffnung, dass er die Kraft findet, um sich noch einmal heranzukämpfen und dass sein Körper ihm das auch gestattet. Gedanken an Christoph Preuss schwirren durch meinen Kopf und ich schiebe sie ganz, ganz schnell nach hinten. Nein, nein, nein, das darf nicht sein. Sonny, du schaffst das.

Auch sonst liegt die Niederlage in Bremen heute wie ein schwerer Schatten über dem Tag und meinem Gemüt. Dort, wo mein Herz ist, brennt ein feiner kleiner Schmerz. Mein Magen tut mir weh. Nein, nicht wegen oder zumindest nicht vorrangig wegen des Spieles gestern in Bremen. Ich habe ein fehlerhaftes, deutlich verbesserungswürdiges Spiel, aber kein Desaster auf dem Platz gesehen. Und: Ich habe keine Angst, dass wir noch in Relegationsnot geraten (das ist schon spielpaarungstechnisch -  selbst wenn wir gar keinen Punkt mehr holen - so gut wie unmöglich). Wie im Schuh des Manitou ist es die Gesamtsituation,  die mir auf der Seele lastet und die durch das Spiel gestern nicht wirklich besser geworden ist.

Samstag, 2. Mai 2015

Sachsenhausen den Sachsenhäusern!

Heute also: Vorletztes Auswärtsspiel der Saison in Bremen. Und ich kenne ein paar bremer  Exil-Adler, die ihrem „Heimspiel“ seit Wochen entgegenfiebern und nicht nur räumlich weit entfernt sind von Langeweile und lustiger Scheißegaligkeit. Sie wissen es halt nicht besser ,-)

Vorgestern hatten unser Trainer Thomas Schaaf und unser Adler Attila gemeinsam Geburtstag und ehrlich gesagt war ich froh, dass in den jeweiligen Geburtstagsthreads im Eintracht Forum Thomas Schaaf zumindest ein paar Klicks und ein paar Glückwünsche mehr zu verzeichnen hatte. Während sich der Beliebtheitsgrad unseres Trainers bei uns auf niedrigem Niveau stabilisiert, sind andernorts ganz andere Töne zu hören: Vom Schaafismo ist die Rede, und von der Trainerlegende Schaaf.

Damit die Bremer nicht ernsthaft auf den Gedanken kommen, uns um unseren Trainer zu beneiden, berichtet Frank Hellmann im Weser-Kurier vom „gestörten Binnenklima“, das bei der Eintracht unter Trainer Schaaf Einzug gehalten habe. Es weht ein scharfer Wind aus Richtung Frankfurt. In dem Artikel wird im Übrigen zunächst ausführlich davon berichtet, wie Thomas Schaaf sich und seiner Bremer Trainertruppe mitten in Sachsenhausen  - man stelle sich vor - Kohl mit Pinkel servieren lässt statt Apfelwein zu trinken, dass er „und seine Frau Astrid“ sich auch  privat „gern“ mit den – bremer – Familien der anderen – bremer - Trainer „umgeben" und dass er  - es ist nicht zu fassen - „immer noch“ seinen Bungalow in der Nähe von Bremen stehen hat und dort auch gerne hinfährt. Also nach Bremen, der Bremer, der bremische. So wundert es nicht, dass Thomas Schaaf auch einen Bremer Sennenhund hat. Berner? Ach so. Auch schon egal.

Samstag, 25. April 2015

Ein Spiel muss man lesen können

Heute also: Auswärts in Dortmund. Haben die Dortmunder heute schon das Pokalspiel gegen die Bayern im Hinterkopf? Wollen sie weiter für Kloppo siegen? Ist Europa für uns überhaupt  noch eine realistische Option? Behalten am Ende doch diejenigen recht, die mit Blick auf die letzten Spieltage  das Abrutschen in der Tabelle prognostiziert haben?  Wiegen die Ausfälle von Meier, Aigner, Anderson und Oczipka so schwer, dass sich der Gedanke an Europa von selbst verbietet oder hat das Spiel gegen Gladbach angedeutet, dass darin möglicherweise auch eine Chance liegt? Sollen wir Europa überhaupt wollen wollen? Das sind so Fragen.

Nach dem Sieg der 05er gestern gegen Schalke ist – wenn man so will – theoretisch ein weiterer Aspirant für Europa hinzugekommen.  Wer, wo, wie und in welcher Reihenfolge am Ende in der Saisonabschlusstabelle auf den Plätzen 7 bis..mmh... 13 liegen wird – vollkommen offen.

Donnerstag, 16. April 2015

Matchplan: Zugriff mit 5 bzw. 60 Prozent Risiko, um einen besseren Zustand zu erreichen

Der „Zugriff aufs Spiel“ ist aktuell einer meiner liebsten fußballtaktischen Plattitüden. Ohne Zugriff geht nämlich gar nix, das weiß schließlich jeder von der E-Jugend über die Landesliga bis zur Championsleague: Wir müssen in die Zweikämpfe gehen, damit wir Zugriff aufs Spiel bekommen. Oder anders herum: Wenn wir keinen Zugriff haben, kommen wir auch nicht in die Zweikämpfe. Vielleicht sogar: „Wir haben keinen Zugriff in den Zweikämpfen.“   Ich sag mal: Je nachdem!

Bei der Eintracht ist das vermaledeite Heimunentschieden gegen Hannover inzwischen ausführlich analysiert worden. Wie konnte es sein, dass wir – obwohl wir dieses Mal nach dem Führungstreffer noch ein zweites Tor nachgelegt haben – den Sieg trotzdem nicht über die Ziellinie bringen konnten? Das lag zunächst natürlich mal daran, dass wir „zu keinem Zeitpunkt einen Zugriff auf die Partie“  hatten. Mitentscheidend war aber auch, dass Spieler im Defensivbereich falsche Entscheidungen getroffen haben. Statt einen Ball mit „5 Prozent Risiko“ zu spielen, entschied sich der eine oder andere zu häufig dafür, den Ball mit „60 Prozent Risiko“ zu spielen. Das ist natürlich ärgerlich. Möglicherweise hätte man darüber nachdenken können, den Ball mit 15% - je nach Situation auch mit 17,8 % Risiko - zu spielen, aber 60%? Das grenzt schon  an Dummheit. Immerhin: Wenn unsere Spieler auf dem Platz mitunter einen geistesabwesenden Eindruck machen – dann wissen wir jetzt, woran das liegt: Sie denken nach!