Samstag, 18. Januar 2020

Wie ein Stern am Horizont

Weihnachtsglocken? Gute Wünsche? Bämm. Längst Schnee von gestern und höchste Zeit, dass sich hier im Blog mal wieder etwas tut. Das Trainingslager in den USA ist Vergangenheit, das Eintracht-Büro in New York möglicherweise die Zukunft, das prosaische Hier und Jetzt sind 18 Punkte und der Rückrundenauftakt in Hoffenheim, damit eine weitere Gelegenheit, den Bock umzustoßen. Das hat Adi Hütter in der Pressekonferenz  tatsächlich wieder gesagt. Könnte gut sein, dass er damit Zuversicht ausstrahlen möchte. Tut er nicht.

Apropos strahlen. Gestern Abend kam ich spät nach Hause und bin eine ganze Weile vorm Haus stehen geblieben und habe nach oben geschaut.  Die Luft war kristallklar und der Himmel voller Sterne. Den Betelgeuse , den größten Stern im Sternbild Orion,  habe ich leider nicht entdeckt. Vielleicht deshalb, weil er im Moment nicht mehr ganz so hell wie  noch vor kurzem strahlt. Etwas, das er mit dem Eintracht-Stern gemeinsam hat. Beim Betelgeuse könnte das Nachlassen der Helligkeit auf eine bevorstehende Explosion, eine so genannte Supernova hinweisen. Klingt spektakulär und wäre es wohl auch, aber eben auch ein Ende, ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Verlöschen. Diese Parallele zur Eintracht können wir aber zum Glück definitiv ausschließen, denn eins aber eins das bleibt bestehen, Eintracht Frankfurt wird nie untergehen. Auch deshalb, weil - das sei allen Diskutanten, Zweiflern und nach Neuverpflichtungen Schreienden nachdrücklich ins Stammbch geschrieben - es nicht darauf ankommt, wer auf dem Platz steht oder spielt, "am Ende geht es nur um Eintracht Frankfurt." Auch das hat Adi Hütter in der Pressekonferenz noch einmal bestätigt. Ein weiterer Satz, der gewisse böse Vorahnungen weckt, die ja aber vielleicht schon morgen ausgeräumt werden.

Fredi Bobic und Axel Hellmann sind ruhig. Adi Hütter ebenfalls. David Abraham ist optimistisch.  Das Trainingslager war super. Alle sind frisch gestärkt und motiviert. Selbst Jogi Löw meint, dass die Eintracht nicht absteigen wird, und ich weiß nicht genau, warum auch diese Aussage mich eher beunruhigt.

Jetzt also Hoffenheim. Keine Neuverpflichtungen, aber ein super Trainingslager mit willigen und engagierten Spielern, ein neues (?) Spielsystem und eine kompaktere Spielweise. Ohne Kamada, aber vermutlich mit Viererkette, und mit einem voll motivierten, schmerzfreien Bast Dost, der jetzt "liefern" will. (Also: Tore, das wäre gut).  Mit N'dcka als Back-up für Kostic. Mit Kostic, der weiterhin offensiv, aber trotzdem nach hinten arbeitet. Mit Hinti, dem egal ist, wo er spielt und mit Hasebe, der sowohl Viererkette wie auch die 6 kann.

Vielleicht steht ja ohehin Ante bereits ante Portas. Oder Jakob Bruun-Larsen mischt  demnächst den Laden mächtig auf. Aus Joveljic wird ein großer Jovic, Silva wirbelt, Mijat trifft, da Costa rollt. Und das aller aller wichtigste hätte ich ja fast vergessen, etwas, das ganz hell strahlt und das auch gerne zeigt: Kevin Trapp ist zurück. Von wegen Leitstern und Lichtgestalt.

Und wenn alle Stricke reißen gibt es ja seit dieser Woche  neue Hoffnung. Die Bundesregierung hat das Facharbeitereinwanderungsgesetz  verabschiedet und es sollte mich nicht wundern, wenn Fredi Bobic und Axel Hellmann nicht längst die Anwendbarkeit des Gesetzes auch auf den Profifußball überprüfen lassen. Ab März wird es viel einfacher,  dringend benötigte Fachkräfte nach Deutschland zu holen und mit einem Arbeitsvertrag auszustatten. Da geht was. Sicher auch kostengünstig.

Auswärtsbock in Hoffenheim umstoßen und sonst gar nix.

Dienstag, 24. Dezember 2019

And the bells are ringing out

Der vorläufig letzte Kommentar zum Spiel der Eintracht in Paderborn ist gepostet.  Ob Rebic vielleicht doch... was wäre, wenn Kostic... ist Hütter überhaupt in der Lage...   und dann auch noch dieses blöde Florida... Welche Pläne werden unter den Weihnachtsbäumen oder an den Verhandlungstischen der Eintracht-Verantwortlichen wohl in den nächsten Tagen geschmiedet?  Welcher Bock fällt oder wird geschossen? Heribert. Michael. Armin. Niko. Fredi. Adi. Und Friedhelm. Wer kommt, wer geht, was bleibt, was ändert sich und warum? Wer weiß mehr, wer hat recht und wem fällt längst nichts mehr ein? Wo kommen wir her, wo gehen wir hin und was dürfen wir auf keinen Fall aus den Augen verlieren? War früher alles besser, ist die Eintracht noch die Eintracht oder ist sie es jetzt mehr denn  je?  Verändert sich alles, weil es bleibt wie es war? Auf und ab. Diva. Graue Maus. Pokalsieger. Europacuphalbfinalistundsiegeraspirant. Neu, alt, alles schon mal dagewesen? Und wie geht es eigentlich Alex Meier?

Der Regen rauscht und der Wind stürmt. Es ist Weihnachten und die Welt wird still. I can see a better time, when all our dreams come true.

 

Allen, die hier regelmäßig oder ab und zu mitlesen, kommentieren oder einfach zufällig vorbeischauen: Ein frohes und friedliches Weihnachtsfest.

Sonntag, 22. Dezember 2019

Deja vu?

Eigentlich hätte ich das Spiel gegen Paderborn heute gar nicht sehen können - ich war nämlich ab 18 Uhr im Theater. Eigentlich. Denn im Foyer wurde uns nach Ankunft mitgeteilt, dass die Aufführung krankheitsbedingt leider entfallen müsse. Sehr sehr schade, aber nicht zu ändern und so fuhren wir durch das regennasse rheinhessische Hinterland zurück nach Hause - nicht ohne vorher eine Bogen über den nahegelegenen Weihnachtsmarkt zu machen, wo wir eine Currywurst verzehrten und mit Blick auf den Dom die Meldung vom 1:0 der Paderborner zur Kenntnis nahmen .

Im Auto  dann die Liveübertragung des zwischenzeitlichen zweiten Tores - eieieiei, Maaaaan, das gibt's doch gar nicht -  und dann konnten wir vor dem heimatlichen Fernseher also auch bildlich einen Eindruck vom Spielgeschehen gewinnen. Von tapferen, gradlinigen, aber spielerisch sehr limitierten Paderbornern. Von einer bemühten, aber hilflosen Eintracht. Filip Kostic unermüdlich und wild. Silva und Sow nach Einwechslungen mit einzelnen hellen Momenten. Aber auch ein merkwürdig aufgelöster Danny Da Costa, Hasebe unsicher und mit vielen Fehlern, ungenauen Zuspielen. Gacinovic gewohnt wuselig und glücklos. Die fast schon gewohnten Ballverluste bei der Ballannahme,  ohne echte Gegenwehr. Bas Dost kraftlos, Felix Wiedwald erkennbar verunsichert, aber mit dem Mut der Verzweiflung. Ewan N'dcka, kraftvoll und mit immer wieder neuen Anläufen, Druck nach vorn aufzubauen. Immer wieder eingeblendet: Adi Hütter, der auf Armin Reutershahn einredet. Armin Reutershahn, der nickt, und irgendwie ins Leere blickt. Der TV-Reporter, der vom der geplanten Florida-Trip berichtet. "Die kurze Pause ist jetzt sicher nicht optimal, aber die Verträge sind unterschrieben." Stimmt, das ist sicher schon vor der Saison geplant worden, als noch kein Mensch wissen konnte, dass wir durch die Qualifikationsrunde bis zum Winter ziemlich viele Spiele auf dem Buckel haben würden...

Samstag, 14. Dezember 2019

Blink. Glitzer.

Wenn ich abends lange arbeite, gehe ich, speziell in Herbst und Winter, hinterher gerne noch eine Runde durch unseren kleinen Ort. Die nächtlichen Straßen, die kühle Luft, Regen, Wind, auch mal ein paar Schneeflocken, der verschleierte Mond, schön. Ich laufe, denke erst noch an die Arbeit, an der ich gerade gesessen habe, dann an dies und das, an die Welt, die mal so und mal so ist, oder an die Eintracht, für die das gleiche gilt.

Freitag, 13. Dezember 2019

Portugal oder Ägypten. Hauptsache Europa.

Der merkwürdigste Moment beim Spiel gegen Guimares gestern Abend war vielleicht der nach dem Abpfiff. Direkt vor uns standen Gonzalo Paciencia und David Abraham auf dem Rasen, der eine kopfschüttelnd mit gesenktem Kopf, der andere mit eingezogenen Schultern und grimmiger Miene. Gleichzeitig brausten immer lauter die "Europacup"-Gesänge durchs Stadion. Das "Hä" bzw. "no comprende" war beiden ins Gesicht geschrieben. Wieso das? Sind alle verrückt geworden? Ist das Trotz? Wollen die sich und uns trösten? Und dann das allmähliche Verstehen: Hey,warum auch immer, wir sind  weiter, warum auch immer. Wir haben verloren, aber wir sind tatsächlich trotzdem weiter.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Der Zauberlehrling: Walle, walle


Jetzt ist es also passiert. Lange genug haben wir die Choreos gepriesen und den Ultras für die prachtvolle Stimmung im Stadion gehuldigt -  jetzt also keine legitimiert beklatschte, sondern eine außer Kontrolle geratene Pyroshow in Mainz. Und fast vermute ich, dass es  der jetzt allerorten zu lesende und zu hörende Schwall an Ablehnung genau das ist, was erreicht werden sollte. Wir sind nicht wie ihr, wir sind die einzig wahren Fans und wir machen was und wie wir wollen. Das ist die Botschaft.

Vor zwei Wochen hat bereits ein Aushang der Ultras im Stadion für Aufregung gesorgt. Und noch vor zwei Wochen habe ich mich nicht – wie viele andere – darüber aufgeregt, sondern meine Magenschmerzen an der  Eintracht-Entwicklung der vergangenen  Monate in diesem Aushang zum Teil abgebildet gesehen. Bei allem Glück über Pokal, Siege und Europa-Reisen - die Eintracht war und ist kein Friede, Freude, Event-Verein, sondern ein bunter und wilder Haufen,  mit verdammt vielen Ecken, Kanten und, ja, auch mit  unschönen Auswüchsen. Und diese Auswüchse finden sich bei weitem nicht nur bei den Ultras. (Nein, ich habe nicht vergessen, dass auch einige der heutigen Europa-Reisenden vor fünfzehn Jahren Friedhelm Funkel, Alex Meier und Benni Köhler bespuckt haben.)

Freitag, 29. November 2019

Wow!

Hättet ihr das für möglich gehalten? Nach diesem Spiel gegen Wolfsburg? Nach dieser Katastrophenhalbzeit? Ich ehrlich gesagt  nicht.  Wenn wir zur Pause drei oder vier zu null hinten gelegen hätten, hätten wir uns keineswegs beschweren können. Bei Arsenal flutschte es, zumindest bis zum Strafraum und schon vor der Pause piepste pausenlos mein Whats App - bing, bing, bing -, alles durchweg eine Art "Kondolenz-Whats apps". "Was ist da bloß los?" "Erkennst du die Herren in Schwarz überhaupt noch wieder." "Das war's dann." "Na gut, jetzt können wir uns auf die Bundesliga konzentrieren."  "640 Millionen Etat gegen 200 - das konnte ja nix werden."  Maaan. Das war der Punkt, an dem der Zorn bzw. Kampfgeist in mir erwachte.  Nein. So gehen wir nicht in die zweite Hälfte. Und so ein blödes Geschwätz haben wir schon zwei Mal nicht nötig.  "Abwarten. Hinten werden die Gänse..." antwortete ich. "Schau mer mal." "Warum gehen die Leut ins Stadion? Weil sie nicht wissen wie das Spiel ausgeht."