Donnerstag, 16. April 2015

Matchplan: Zugriff mit 5 bzw. 60 Prozent Risiko, um einen besseren Zustand zu erreichen

Der „Zugriff aufs Spiel“ ist aktuell einer meiner liebsten fußballtaktischen Plattitüden. Ohne Zugriff geht nämlich gar nix, das weiß schließlich jeder von der E-Jugend über die Landesliga bis zur Championsleague: Wir müssen in die Zweikämpfe gehen, damit wir Zugriff aufs Spiel bekommen. Oder anders herum: Wenn wir keinen Zugriff haben, kommen wir auch nicht in die Zweikämpfe. Vielleicht sogar: „Wir haben keinen Zugriff in den Zweikämpfen.“   Ich sag mal: Je nachdem!

Bei der Eintracht ist das vermaledeite Heimunentschieden gegen Hannover inzwischen ausführlich analysiert worden. Wie konnte es sein, dass wir – obwohl wir dieses Mal nach dem Führungstreffer noch ein zweites Tor nachgelegt haben – den Sieg trotzdem nicht über die Ziellinie bringen konnten? Das lag zunächst natürlich mal daran, dass wir „zu keinem Zeitpunkt einen Zugriff auf die Partie“  hatten. Mitentscheidend war aber auch, dass Spieler im Defensivbereich falsche Entscheidungen getroffen haben. Statt einen Ball mit „5 Prozent Risiko“ zu spielen, entschied sich der eine oder andere zu häufig dafür, den Ball mit „60 Prozent Risiko“ zu spielen. Das ist natürlich ärgerlich. Möglicherweise hätte man darüber nachdenken können, den Ball mit 15% - je nach Situation auch mit 17,8 % Risiko - zu spielen, aber 60%? Das grenzt schon  an Dummheit. Immerhin: Wenn unsere Spieler auf dem Platz mitunter einen geistesabwesenden Eindruck machen – dann wissen wir jetzt, woran das liegt: Sie denken nach!

Montag, 13. April 2015

Montagsgedanken. Europäisch.

So ist das jetzt also. Nachdem der VFB Stuttgart (für mich überraschend) es gestern dann tatsächlich geschafft hat, gegen Werder  zu gewinnen, stehen wir vor dem 29. Spieltag genau da, wo wir auch vor dem 27. Spieltag gestanden haben: Kurz vor Europa. Wie wir alle wissen, müssten wir tabellenmäßig da schon längst sein.  Wie wir ebenfalls wissen, wäre es deutlich einfacher gewesen gegen Paderborn, Stuttgart oder Hannover zu gewinnen als jetzt gegen Gladbach oder Dortmund.  Hätte, hätte Fahrradkette.  Immerhin: Wir sind nicht die einzigen, denen es so geht. Wenn es für uns so einfach wie nie war nach Europa zu kommen, dann gilt das für mindestens vier andere Mannschaften ebenso.  Das ist kein Trost, aber eine Feststellung, die unser „Versagen“ doch immerhin relativiert und zeigt (wie im übrigen der ganze Saisonverlauf), dass viele Mannschaften sich auf dem Weg zur „Modernisierung“ ihrer Spielweise schwer damit tun, gleichbleibende Leistung zu erbringen.

Sonntag, 5. April 2015

Wir machen Musik

Nach einem Spiel wie gestern ist es für mich fast eine Befreiung, dass ich noch ein gutes Stück mit dem Auto nach Hause zu fahren habe. Schon auf dem Rückmarsch zum Auto nehmen der erste jähe Zorn und die Enttäuschung meist eine andere Färbung an. Die erste Luft ist in der nach-dem-Spiel-Diskussion abgelassen, fürs erste ist alles geschwätzt. Es ist wie es ist. Je nach Situation wird aus brennender Enttäuschung vielleicht Melancholie, aus Ärger Galgenhumor, aus Frust müde Mattigkeit. Gestern, als ich  nach dem Spiel  zum Auto zurückgetappert bin, ist  nichts abgeklungen, sondern es hat sich von Schritt zu Schritt verstärkt.  Eben im Stadion war es stockfinster,  Regen, kalt. Jetzt strahlt die Sonne vom blitzeblauen Himmel. Schääfchenwolken.  Bin ich müde? Melancholisch? Nix da – ich bin nur eins: Stinkwütend.

Mal sehen, nach welcher Musik mir jetzt der Sinn steht. Ich wühle in der CD-Kiste auf dem Rücksitz, erwische Rio Reiser - yep – und  fahre los  „Alles Lüge!“ singt Rio auf Höhe Sachsenhausen in voller Lautstärke  und „Alles Lüge!“ singe, schreie  ich in voller Stärke mit und erinnere mich dankenswerterweise daran, dass die Erde um die Sonne und nicht um einen Fußball kreist. „Das alles und noch viel meeeeeeeeeeeeehr, würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär“,  schreien Rio und ich – inzwischen am Frankfurter Kreuz -  gemeinsam in die Welt und ich fuchtele dabei mit der Faust.  Bei “Doch es tut nicht mehr weh, alles bleibt stumm und kein Sturm kommt auf, wenn ich dich seh…“ stehen Rio und ich  an der Ampel in Mainz-Hechtsheim.  Das ist  - wie alles – eine Lüge, denn in mir ist nichts stumm und es stürmt weiter. Wahr jedoch  ist: Als ich vor unserer Haustür stehe, fühle ich mich besser.

Stunden später

Abends, spät abends, und nach einigen kühlen und belebenden Getränken bin ich so weit, dass ich das, was ich beim Spiel gegen Hannover im Stadion gesehen habe, in Worte fassen kann:

Samstag, 4. April 2015

Hasen oder Eier?

Heute also: Hannover 96. Alex mahnt. Stefan warnt. Und bei Licht besehen, haben sie damit gar nicht so unrecht. Neun mal sieglos, die Hannoveraner? Auf nach Frankfurt. Die Tipps vor dem Spiel, zumindest die, von denen ich gehört habe, haben eine ungeahnte Bandbreite: Von 4:0 bis 1:4 - alles dabei. Nur von einem 0:0 ich nirgends was gehört.

Wie wird eigentlich das Wetter an Ostern? Vor zwei Tagen, kurz nach Niklas, war von Graupe(l)n, Schnee und Kälte die Rede. Gestern war stattdessen ein strahlend schöner Frühlingstag:  Ein Zwischenhoch, das heute kurz Pause macht - es regnet - , morgen soll dann aber wieder - entgegen früherer Prognosen - die Sonne scheinen. April, April, der macht was er will und wäre die Eintracht ein Monat geworden, dann wahrscheinlich dieser. You want to know what the wheather is like? Take a look out of the window! Und wer wissen will, wie ein Fußballspiel ausgeht, der muss es sich ansehen.

Dann wollen wir mal:


Heimsieg und sonst gar nix!

Kleines Fußball-ABC - Heute "A" wie "Augenhöhe"

Augenhöhe, die (f), sing. Sprachliche  Verwendung fast ausschließlich im Zusammenhang mit „auf“ → auf Augenhöhe, wörtl.:  Physische Größenangabe für zwei Menschen, die gleich groß sind und sich, wenn sie einander gegenüber stehen, direkt in die Augen schauen können.  In der Alltagssprache jedoch ausschließliche Verwendung im übertragenen, psycho-sozialen Sinn für:  gleichwertig, gleichberechtigt, auf gleicher Ebene.  (vgl. hierzu auch: →  Metonymie → Metapher)

„Auf Augenhöhe“ inbes. Im fußballerischen zunehmend häufig, mitunter gar → inflationär verwendeter Begriff, um vor einem Spiel die Chancen für die eigene Mannschaft einzuschätzen bzw. nach einem Spiel die Leistung der eigenen Mannschaft zu bewerten.   Der Bedeutungszusammenhang ist dabei ebenso eindeutig wie diffus und eröffnet Interpretationsspielräume. Vor dem Spiel:  „Wir sind auf Augenhöhe“ =  Dieses Spiel müssen wir gewinnen, können es aber auch verlieren. . Bsp. Stefan Aigner  am 1. April 2015 vor dem Spiel von EintrachtFrankfurt gegen Hannover 96.   Nach dem Spiel: „Wir waren auf Augenhöhe“ = Wir haben gegen eine übermächtige Mannschaft einigermaßen mitgespielt und am Ende verloren. Bsp. 1: Unterklassige Mannschaften, die im DFB-Pokal gegen einen Bundesligisten verlieren. Bsp. 2: Grundsätzlich alle Mannschaften, die gegen den FC Bayern München verlieren. Ausnahme: → Hamburger SV.

Mittwoch, 1. April 2015

Ferdisch gemacht

Mangelnde Disziplin? Schockstarre? Mentale Schwäche? Latentes, präventives Sich-Fügen in das vermeintlich Unvermeidliche? Dummheit? Unfähigkeit, gar? Woran liegt es, dass die Eintracht nach einem Gegentor auf des Gegners Platz sofort einknickt und ein bis dahin überlegen geführtes Spiel aus der Hand gibt? Darüber rätseln Experten, Laien wundern sich, nur mein Opa hätte die Erklärung sofort bei der Hand:„Die sind dann momentan deprimiert.“

Was auch immer der Grund für die geheimnisvolle Auswärts- und Einknickschwäche der Eintracht sein mag -  sicher ist, dass Eintracht-Fan Sebastian Vettel solche Probleme nicht kennt. Wenn etwas schwierig ist, macht es ihn noch stärker. Vielleicht können wir uns davon eine Scheibe abschneiden? 

Sonntag, 22. März 2015

Einfach gestrickt

Manche reden vom Murmeltier. Andere von der Kopfsache und es gibt sogar einige, die in all dem überwiegend Positives sehen. Heribert Bruchhagens findet: „Das läuft immer nach dem gleichen Strickmuster.“ Dann ist damit also endlich auch die Systemfrage geklärt. **stirnpatsch**  Geht ganz easy: Zwei links, zwei rechts, drei fallen lassen. Wir sind halt einfach gestrickt.



Samstag, 21. März 2015

Yeah: We did it again!

Wir haben es geschafft. Das ist einzigartig. Spektakulär. Unvergleichlich. Wir können jederzeit, überall und immer absolut zuverlässig unsere Leistung abrufen. Fast auf die Minute genau. Präzise. Verlässlich.  Jede Mannschaft, die gegen uns spielt, kann es erst mal locker angehen lassen, denn sie weiß ja: Irgendwann wird die Eintracht schon den Führungstreffer machen. Und dann...

Jetzt kann ich es ja sagen. Das MUSS so sein. So, genau so steht es in dem geheimen Drehbuch, das direkt aus der Feder des großen absurden Dichters Samuel Beckett stammen könnte, ja: Vielleicht sogar stammt. Es wird jede Woche intensiv geübt und dann an jedem zweiten Wochenende in immer größerer Perfektion und  immer vollendeterer Wiederholung zur Aufführung gebracht. Nicht nur die Abläufe auf dem Platz und auf der Trainerbank, auch die Dialoge vor dem heimischen TV-Gerät sind von kaum zu übertreffender Präzision und nachgerade subversiver Intensität.