Sonntag, 17. März 2019

Ganz normal

Keine Ahnung warum, aber in den letzten Wochen habe ich häufiger als sonst in alten Einträgen hier im Blog gestöbert, bin hier hängen geblieben, dort über etwas gestolpert, an das ich mich noch wie heute erinnere und dann auch wieder auf Momente gefunden, die ich fast schon wieder vergessen hatte.

Berichte aus einer versunkenen Zeit, die zehn oder auch nur fünf, vier, drei, zwei Jahre her ist, häufig etwas melancholisch, aus oft gegebenem Anlass auch kämpferisch oder galgenhumorig,  mitunter hoffnungslos am Boden zerschmettert  oder - nach erfüllter Mission - überschwänglich glücklich.

Montag, 11. März 2019

Kerle, Kerle

Spätestens jetzt, heute abend um 22. 17 ist es passiert. Ab jetzt ist mir das alles unheimlich. Sind das wir? Ist das wahr? Es ist, es ist. Und auch wenn es Wahnsinn ist, so hat es offensichtlich doch Methode. Und wenn Rebic grade mal unpässlich ist,  Jovic eine kleine Ladehemmung hat, dann trifft eben dieser neue Wahnsinnige, dieser Paciencia, und macht aus dem Büffel-Trio ein Quartett.  Montagsspiel. Stimmungsboykott. Unfaire Spielterminierung. Englische Woche. Na und? Habe ich am Samstag ein wenig über Kostic gemäkelt? Wie konnte ich. Hasebe hat sich die Nase gebrochen? So what. Er steht auf dem Platz. Maske?  Chuck Norris braucht so was nicht. Und dann ist da ja auch noch er, the coolest of them all. Der, der nicht mal eine Miene verzieht, wenn er  nur fünfzehn Minuten auf dem Platz steht und nur fünf Minuten braucht, um zwei Tore zu erzielen. Batsch. Bumm. Und gut is. Hallär der Knallär, wie der Reporter wortspielte

Drei zu Null gegen Fortuna Düsseldorf. Auswärtssieg. Friedhelms Fortuna kann es verkraften und wir fliegen weiter. Mal ehrlich,  wer will uns stoppen? Europacup, Europacup im nächsten Jahr. Und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.

Nächster Halt Milano. Die Milanesen sind abgezockt? Abgezockter als Sebastien Haller kann auch kein italienischer Kroate sein und sollte es nach der ersten Hälfte Spitz auf Knopf stehen, dann wird unserem Adi etwas einfallen. Ganz sicher. Ich lege mich fest: Stand jetzt - machen wir am Donnerstag das Viertelfinale klar.

!E Basta!

Donnerstag, 7. März 2019

Incredibile

"Wie fühlt sich das an?" so lautete während der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Inter eine Frage an Martin Hinteregger;  "Eben noch in Augsburg - jetzt in der Europaleague gegen Inter Mailand...." Schon ein bisschen unwirklich, befand Hinteregger und wir alle könnten auf diese Frage vermutlich die gleiche Antwort geben. "Ein bisschen unwirklich - aber genial." Certo.

Ich liebe die zwei-sprachigen Eurocup-PKs. International und gleichzeitig eine putzige Mischung aus "Offizialität" und "Wird schon irgendwie seine Richtigkeit haben-Laissez faire".  Wichtig: Die fremdsprachigen Statements müssen grundsätzlich mindestens doppelt so lang ausfallen wie das deutsche Original, alle lauschen interessiert und machen möglichst kluge Gesichter (Adi Hütter nach einer besonders ausschweifend anmutenden Übersetzung seiner Antwort. "Vielleicht sind ja damit auch bereits alle weiteren Fragen beantwortet?"). Und auf dem Podium sitzt dann  neben dem mild-nachsichtig und geduldig lächelnden Trainer immer auch ein leicht verlegen grinsender Spielervertreter (gestern Martin Hinteregger, im Stil eines braven Schuljungen). Das ist wunderbar.

Samstag, 2. März 2019

Wer prüft hier wen?

Gestern war sie im Briefkasten, die Karte für das Heimspiel gegen Internazionale Milano und jetzt weiß ich, wie schwierig es ist, von Spiel zu Spiel zu denken und den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen. Das nächste Spiel ist immer das Schwerste. Ja klar.  Aber Hoffenheim? Die hauen wir doch einfach wäch. Und dann. Und dann.

Mein Vertrauen in unsere Mannschaft ist im Moment fast schon grenzenlos und ehrlich gesagt erschreckt mich das ein bisschen. Die kostbaren Erinnerungen an große Eintracht-Momente, die ich über viele Jahre  gepflegt habe, scheinen irgendwie immer mehr zu verblassen und in den Hintergrund zu rücken. Neue schillernde Figuren, neue Helden schieben sich vor die Helden der Vergangenheit. Und auch die langen, irgendwie geliebten Jahre, in denen die Eintracht eine vermeintliche graue Maus war und ich trotzig, stolz, angefeindet und unbeirrbar durch Mainz lief, alles irgendwie in weite Ferne gerückt. Widerstand zwecklos. Keine Zeit für Nostalgie. Der Fußball, den die Jungs spielen, diese Coolness, dieser Wille,  dieser spielerische Glanz - das ist einfach zu erstaunlich und entwaffnend. Nur  eine Liebe auf Zeit, weil im nächsten Jahr alles wieder auseinander fällt? Wieder ein Neufang? Mir im Moment egal. Es ist wie es ist.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Wie im Film

Champions League Liverpool gegen Bayern oder Kino? Wir entscheiden uns am Dienstagabend dafür, uns den Eintracht-Pokalfilm anzuschauen, der - Wunder über Wunder - auch in Mainz läuft. Nur drei Vorstellungen  an drei verschiedenen Tagen, eine davon mitten in der Nacht. Wenn nicht Dienstag, 20 Uhr, wann dann? Wir fahren los.

Ich freu mich sehr und habe trotzdem die leise Befürchtung, dass der Film möglicherweise zu dick aufträgt. Geht das überhaupt? Ich fürchte schon,  aber  jetzt bin ich erst einmal total gespannt und lasse mich überraschen. Der  Film läuft leider nicht in einem der schönen Programmkinos, die Mainz zu bieten hat, sondern im  Cinestar, Kino 8 - ein großer Zuschauerraum nur eine Handvoll Eintrachtler, aber immerhin zum Teil - wie ich - mit Schal oder Käppi. Haben alle anderen den Film schon gesehen oder sind wir hier in Mainz doch nur eine kleine versprengte Truppe - mer waas es net. Zusammen singen werden wir hier am Ende des Films wohl eher nicht.  Unsere Tickets habe ich online geordert und hätte dabei gleichzeitig auch Verpflegung mit bestellen können - z.B. Tacos und/oder Cola im 1 oder 2-Liter-Plastik-Trog. Och nö. Wir sitzen bequem, sehr weit vorne fast bis zur Nackenstarre,  und harren der Dinge, die da kommen.

Donnerstag, 14. Februar 2019

Go East!

Heute also. Die nächste Etappe in Europa. Donezk bzw. Charkiw. Schon beim Aufwachen macht mich der Gedanke an das Spiel heute Abend hibbelisch. Achtelfinale - es wär so schön, so schön. 3000 Adler sind vor Ort, großartig, wunderbar, gigantisch und doch habe ich, wie in letzter Zeit fast immer inmitten des Eintracht-Jubels, auch heute wieder so ein merkwürdiges "aber" im Hinterkopf, das ich aber schnell wieder verdränge. Mein Mit-Adler und ich machen uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg in Richtung Speyer, wo wir am Rande eines Termins auch der Marylin Monroe-Ausstellung, die derzeit im historischen Museum zu sehen ist, einen Besuch abstatten wollen. Mit der Diva im Herzen zur Diva. Und die Autofahrt nutzen wir, um uns gegenseitig zu erzählen, was wir über die Ukraine und den heutigen Gegner der Eintracht so  alles wissen. Es kommt wenig systematisches, aber querbeet doch einiges zusammen.

Nachtrag am 15.2:
Wie konnte ich nur diese wunderbare  Landkarte "Ukraine auf einen Blick" vergessen, die ich dann jetzt also nachträglich ergänze. (Sorry, dass nicht alles gut lesbar ist. Das Original-Buchformat ist A3.)

Aus: ALLE WELT. Das Landkartenbuch. Von Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski, Moritz Verlag, Frankfurt
(enthält noch viele weitere wunderbar inspirierende Landkarten aus aller Welt)