Dienstag, 15. September 2020

Pokalabend (fast) ohne Eintracht, aber mit Otto und Felix

Montag, ein langer, langer, geschäftiger Arbeitstag. Gleich halb 11 abends. "Komm, wir setzen uns einfach noch ein bisschen raus und trinken ein Bier..." "Erst noch Pokal-Summary im Ersten...?" Und so machen wir's. 

Das Spiel der Dortmunder in Duisburg ist gerade abgepfiffen. 0:5 klingt happig und Moderatorin Jessy ("Heißt sie wirklich so?") spekuliert, ob das vielleicht ein Rückschlag für die Aufstiegs-Ambitionen der Duisburger sein könnte schon bevor die Saison richtig beginnt. Nein, nein, das muss nicht sein, besänftigt  der äußerst smarte Experte Thomas Broich. Zufrieden nehme ich die Torschützen zur Kenntnis: Reyna, Bellingham... Die habe ich grade vor drei Tagen bei unserer diesjährigen Rheinhessenliga Sommereinkaufsversammlung gekauft und hoffe jetzt also sehr, dass dann dieses Jahr doch etwas mehr als Platz fünf von fünf für mich drin ist, wobei mein Saisonergebnis immer ganz entscheidend von der Performance der Eintracht abhängt: Die Eintracht spielt vorne mit - ich in der RHL auch, die Eintracht dümpelt, ich dümpele ebenfalls. Eine eigenwillige Interpretation des "Zusammen gewinnen, zusammen verlieren"-Gedankens ... Huch, tatsächlich, da sind Zuschauer und es rührt mich, wie da auf der Gegengeraden lauter einzelne Männ- und Weiblein mit Maske Position beziehen,  ihre blau-weißen Schals in den Nachthimmel strecken und ihrer Mannschaft trotz Niederlage zujubeln.

Und ab geht es an die Hafenstraße nach Essen, dort spielt mein Lieblingsaufsteiger Arminia Bielefeld, der nächste Woche - jawohl - das "schwere Auftaktspiel in Frankfurt vor der Brust hat." RWE hat eigentlich keine Chance, aber die nutzen sie. Der Ball läuft in der ersten Hälfte gut und Neuzugang Simon Engelmann, Torschützenkönig der dritten Liga, der viele Angebote anderer Drittligisten vorliegen hatte, aber sich für für RWE und für die vierte Liga entschieden hat, macht sein erstes Tor für den neuen Verein. Aufstieg ist das Ziel. RWE hat bessere Zeiten gesehen und besseres verdient. Und da tatsächlich, auf der Tribüne, da sitzt, als ob er da hingehört, Otto Rehhagel und "dischbediert" (Zitat Opa). Otto sieht aus wie immer, wie schon seit dreißig Jahren, vielleicht sind die Haare (dank Tönung) etwas dunkler als früher, aber sonst: Otto wie er leibt und lebt, optisch ein ähnliches Phänomen wie der seit hundert Jahren unveränderbare Peter Kraus. Und fast könnte ich drauf wetten, dass Otto grad irgendetwas von TUS Helene Essen oder schachbrettartigen Kombinationskontern erzählt.

Nächster Halt: Würzburg. Leeres Stadion. Kein Fan nirgends.  Ich denke an meine Adlerfreundinnen in Würzburg, die sich mehr als einen Ast gefreut haben, als Würzburg es dieses Jahr tatsächlich geschafft hat und in die zweite Liga aufgestiegen ist. Wir kennen uns durch das Eintracht-Forum, Kartenbörse, Treffpunkt Waldparkplatz, bestimmt auch schon 15 Jahre her und treffen uns jetzt immer mal wieder am Rande eines Spiels im Waldstadion. Vielleicht ja im Frühjahr auch mal in Würzburg, so der Plan - aber zu einem Pokalspiel also schon mal nicht. Auch hier ein alter Bekannter auf der Tribüne: Felix Magath, der in der Sonne steht und einen kräftigen Schluck aus einer Bierflasche nimmt. Welche Funktion hat er da? Aaaah... Er ist Chef des "Würzburg-Partners Flyer Alarm Global Soccer" und in dieser Funktion kümmert er sich um den Verein bzw. will mit ihm in die Bundesliga. Mmh. Thomas Broich findet, dass Felix Magath altersmilde geworden und demnach auch Schluss ist mit Medizinbällen und Hügeln des Grauens. Also, drauf verlassen würde ich mich als Würzburger nicht. Schnell nochmal gegoogelt, kommt Felix nicht ursprünglich irgendwo aus der Würzburger Ecke? Nicht ganz, aber fast: Aschaffenburg, das ist zumindest schon mal in bayerischer Nähe. Und wie ich da so vor mich hin google stoße ich in meinem englischen Kurz-Wiki direkt unter Felix auch gleich noch auf weiterführende Links, zum Beispiel Bruno Labbadia, ja Bruno, der neue Hertha-Trainer, der angetreten ist, um beim Hauptstadtclub endgültig den Klinsi-Schock zu verjagen. Das ist gegen Braunschweig ja schon mal prächtig gelungen. Was schreibt Wiki: "Labbadia is of Italian ancestry (...) Labbadia's Italien parents moved to Germany as Gastarbeiter and settled in Schneppenhausen not far from Darmstadt in Hessen. Together with eight siblings, he lived on a farm in Schneppenhausen, where the family had lived for rent, before moving with hist family to a house in Weiterstadt at the age of ten." Wunderbar!

Moderatorin Jessy ist  nach wie vor unglaublich, unglaublich gut gelaunt und gibt jetzt nach kurzem Talk weiter nach Dresden. Dort sieht das Stadion richtiggehend voll aus.  Menschengruppen, auch einigermaßen dicht nebeneinander. Der Reporter berichtet von "Infektionsgemeinschaften", die gebildet wurden. Häää? (...kurz schießt es mir durch den Kopf, ob man hier eventuell Querdenker-Demonstranten, die ja ohnehin zusammen...praktischkeitshalber... - Quatsch... Unfug...).  Also, es ist ziemlich voll und die Kulisse klingt fast nach normalem Stadion. Je deutlicher Dünamo, Dünamo führt, desto lauter wird es logischerweise. Dünamo. Dünamo.  Kleiner Eklat am Ende - hastdunichtgesehen stürmt der HSV-Spieler Toni Leistner auf die Tribüne und knöpft sich einen Zuschauer vor, der ihn - wie  wir jetzt wissen - wohl das ganze Spiel über beschimpft und beleidigt hat. Muss nicht sein, darf er nicht,  muss er wegstecken, wo kämen wir hin, schon klar,  aber seine Reaktion ist - irgendwie - verständlich....? Und da ist schon die nächste Eintracht-Erinnerung. Freundschaftsspiel in weiß nicht mehr. Das Spielfeld ist eng umlagert. Kurz vorher ist bekannt geworden, dass Jermaine Jones, dem wir eben bei seinem Comeback (6:3 Sieg gegen Köln) noch unsere Herzen zu Füßen gelegt haben, die Eintracht verlassen wird.   Nahe bei uns steht ein  äußerst kräftiger  Eintracht-Fan, der das ganze Spiel über pöbelt, sobald Jones irgendwo in der Nähe vorbei kommt. "Verpiss dich du Wixxer" und so weiter.  Abpfiff, die Mannschaft ist noch auf dem Platz und unser Freund setzt wieder an. Jermaine blickt sich suchend um, setzt sich in Bewegung geht direkt auf die Fangruppe zu, in der der Rufer sich befindet,  baut sich auf... Und, ist was, dann komm her... Der Rufer kommt natürlich nicht, im Gegenteil, er macht sich ganz klein und verschwindet irgendwo im Nirwana.  Klar, auch bei  mir hat Jermaine Jones keinen Kredit, die Wunde, die er damals mit seinem Abgang gerissen hat, bleibt, aber im Ernst: Ein tougher und irgendwie auch cooler Typ war das schon. 

Zurück nach Dresden. Der sympathische HSV-Trainer Thioune (ist er eigentlich echt der erste schwarze Trainer im deutschen Profi-Fußball?) zieht ein kurzes Fazit des Spiels  - und (bei aller Häme, die man beim Sturz eines Großen so ein bisschen ja immer empfindet) wünsche ich dem HSV wirklich, dass er in dieser Saison die Kurve bekommt und nicht komplett in der Versenkung verschwindet, wie so mancher große Vereine vorher. Seine Lektion gelernt hat er ja. Na ja...Vielleicht.

Aus. Aus. Die Pokalzusammenfassung ist aus. Jessy strahlt uns noch einmal an, aber auf den Sporttalk mit Alexander Bommes verzichten wir jetzt trotzdem und wechseln lieber den Standort. 

Immer noch Sommer. Schwarze Nacht. Ein kaltes Bier.  Bänkchen hinter dem Haus. Sternenhimmel. Der Kater springt neben mir auf den Sitz und schnurrt.







Samstag, 12. September 2020

Dann wollen wir mal...

Wow... echt wahr? Das dachte ich gestern Vormittag als die Nachricht durchsickerte:  Zum Auftakt gegen Bielefeld dürfen tatsächlich Zuschauer ins Waldstadion. Und war ich mir vorher absolut sicher, dass ich unter Corona-Schutz-Bedingungen ganz bestimmt nicht  ins Stadion gehen werde, war ich gestern selbst überrascht, wie sehr ich mich über diese Nachricht gefreut habe. Corona schien plötzlich ganz weit weg, konkret war  die Vision...von überall her strömt es rotundschwarz,  Bratwurst, singen, lachen, Fahnen, Anspannung, Vorfreude... Mensch, wär das schön... Dann die zu erwartenden Infos über Ablauf und Organisation wie das alles organisiert werden wird - ausgelost unter DK-Besitzern, Platzzuteilung im Stadion... Mmmh... Und dann der Gesundheitsfragebogen, den ich heute morgen in meiner Mail hatte und das neue Infektionssprech, vor dem es mir graust. (Ich bestätige, dass ich keinen Kontakt zu einem Infizierten hatte...) Kann es das sein? Will ich das...? Ende der Überlegungen offen.

Samstag, 5. September 2020

Corona-Sommer-Schnipsel (2): Ein ganz besonderes Flair

"Brauchst du etwas für dein Fußballerherz?"
Diese Frage hat mir gestern meine Adlerfreundin Nicole per Whatsapp geschickt und damit verbunden war  der Tipp, sich die neueste Folge des offiziellen Eintracht Podcasts anzuhören. Gast: Alex Meier.

"Ohhh Alex," antworte ich.  Logisch,  das höre ich mir an. Und tatsächlich: Eine geballte Ladung Eintracht flutet da mein Ohr, mein Herz und meine Erinnerung. Da sind sie alle; Friedhelm, Benni, Oka, Ama, Arie van Lent, Armin Veh, Heribert Bruchhagen und Alex Meiers-Antworten vermischen sich mit meinen persönlichen Alex-Momenten. Das erste Spiel, in dem ich ihn im Eintracht-Trikot gesehen habe - 2004, ein Testspiel gegen den TV Haßloch in Rüsselsheim.  Seine Flucht vor einem Pulk wartender Fans bei einem Testspiel in Wetzlar. Die vielen, vielen Alex-Texte, die ich hier im Blog geschrieben habe... 50 Meier-Tore, Abstieg, Aufstieg, Torschützenkönig, Pokalsieg. Alex ist nett freundlich, ein bisschen unverbindlich, ab und zu scherzt er sogar. Ein Mensch, der keine Abgründe zu haben scheint, und während der Corona-Zeit mit seinen alten Freunden aus Buchholz  (einer davon seit Kindheitstagen Eintracht-Fan) eine Tennisgruppe gegründet hat. ("Jeder hat 10 Euro eingezahlt."). Wie war das für ihn, als er am Ende seiner aktiven Eintracht Zeit beim Pokalfinale nicht im Kader war? "Natürlich war ich enttäuscht, aber ich hatte es mir schon gedacht." Und es  ist typisch für ihn, dass er den Pokalsieg trotzdem zu seinen drei liebsten Eintracht-Erinnerungen zählt... Logisch, war ja so so wichtig für die Eintracht.  Und einen besseren Abschied als den Pokal hochhalten und am Römer bejubelt werden, hättest du dir sicher nicht vorstellen können? Bin ich zu spitzfindig, wenn ich bei der Antwort ein leichtes Zögern vor dem "Ja" höre? 

Freitag, 17. Juli 2020

Corona-Sommer-Schnipsel: Exit-Strategien

Ach du liebes bisschen.. Jetzt ist es fast schon wieder zwei Monate her seit meinem letzten Eintrag hier. Stellt sich die Frage: Vergeht mit corona die Zeit schneller oder langsamer? Ist Zeit echt oder vielleicht doch nur eine Imagination? Obwohl ich während der kompletten Corona-Zeit weiter gearbeitet habe und unendlich viele Termine hatte, merke ich, wie die Zeitebenen verschwimmen. Wie lange ist das alles jetzt her?  Es ist Sommer - Garten, Schwimmbad, Weinberge - und trotzdem hab ich mich neulich bei dem Gedanken ertappt, huch, bald ist schon wieder Weihnachten.

Auch die Bundesligasaison 2019/20 ist längst vorbei. Eben haben wir noch spekuliert, ob das überhaupt funktionieren kann, geistertrainings- und geisterspielmäßig, jetzt ist alles relativ unaufgeregt und ohne Kollateralschäden über die Bühne gegangen. Platz neun für die Eintracht, na gut, 9 ist nicht 11. Der HSV sichert sich den Klassenerhalt in der zweiten Liga und Werder hat, ebenso wie der Club eine Ebene tiefer, wieder einmal gezeigt wie zwiespältig die Relegationsspiele sind. Einen Meister gibt es natürlich auch - 30 mal, gähn.  Championsleagueplätze - na gut. Wolfsburg - ätschbätsch -  siebter. Und dann ist da auch noch Liverpool, das andere 30.  Endlich. Der weinende Kloppo. Schöööön.

Samstag, 23. Mai 2020

Corona-Schnipsel: Ist das Fußball oder kann das weg?

Tritratrullala -  da sind wir wieder. Seid ihr alle da? Ich hoffe sehr, dass alle bis hierhin gut und gesund durch die Corona-Wochen gekommen sind.  Zweifel, Melancholie, Zuversicht, Unsicherheit, Angst, Niedergeschlagenheit, Galgenhumor, Apathie, Reden und Schweigen, Videokonferenzen, Calls, das wieder neu entdeckte Klassikprogramm im Radio, Livestreams, ein irgendwie neuer Alltag, immer noch ungewohnt, aber mit allem Auf und Ab eben doch ein Alltag. Und jetzt also wieder: Fußball.

Es ist als sei es Jahre her, dass ich zum letzten Mal im Waldstadion war, dass wir über die Wackelabwehr, die steigende Leistungskurve von Silva oder die Unzulänglichkeiten von Bas Dost diskutiert haben. Dass ich dicht gedrängt in der S-Bahn stand und wir uns  am Stadion durch die Unterführung vom Bahnsteig nach draußen gedrängelt haben. Wann war das noch mal? Was für ein Spiel? Richtig, vierter März, Pokalviertelfinale gegen Werder.  Anfang der Woche waren die ersten Corona-Fälle in Deutschland bekannt geworden, die ersten Geister(spiele) hingen schon in der Luft, aber da war keiner, der das irgendwie ernsthaft für möglich gehalten hätte. "Hey, lasst mich durch, ich komm grad aus Italien", wollte sich ein junger Mann spaßhaft Platz auf dem Weg zur Treppe verschaffen. Ha, ha. Wir haben alle gelacht.

Freitag, 14. Februar 2020

So oder so ist die Eintracht

Zunächst mal um allen Irrtümern vorzubeugen: Nein, ich bin nicht zurückgetreten. Und nein, mir hat es auch nicht die Sprache verschlagen, obwohl mein Eintrag, wenn ich ihn vor dem Spiel gegen Dortmund geschrieben hätte, sicher anders, euphorischer und vor allem wortreicher ausgefallen wäre als jetzt danach. Nur so viel, dass ich entgegen den Erfahrungen in dieser Saison heute im Tippspiel nicht auf Unentschieden oder gar Niederlage getippt, sondern nassforsch ein 2:3 prognostiziert hatte. Okeeeh, hat dann nicht ganz geklappt. Aber als ich angesichts der zerrupften Defensivabteilung vorhin beinahe angefangen hätte, in Weh und Ach (wenn auch nicht direkt gleich wieder in - lächerlich! - "Panik" zu verfallen) zu fallen, habe ich mich zum Glück an die Abbitte erinnert, die ich nach dem Pokalspiel gegen Leipzig und mehr noch nach dem 5:0 Kantersieg gegen Augsburg geleistet hatte.  Statt zu jammern und zu zweifeln, schrieb ich folgende WhatsApp an einen ebenfalls leicht nervösen Adlerfreund:

"Man muss aufpassen, dass man nicht jedes Mal alles in Frage stellt und es einfach so hinnehmen wie es ist."

So simmer halt. Hopp oder topp. Schwarz und Weiss. Und wenn uns die Sache mit dem Hinnehmen nicht immer gelingt, wir können ja daran arbeiten. Mein Adlerfreund und ich haben fürs erste beschlossen, uns meine WhatsApp zu rahmen und in den kommenden Wochen stets als Merksatz vor Augen zu haben. Wollen wir hoffen, dass wir ihn nicht zu oft bemühen müssen.

Mittwoch, 5. Februar 2020