Sonntag, 28. Februar 2010

Try and catch the Wind *

Nein. Verlieren ist nicht schön. Egal auf welchem Tabellenplatz. Auch oder vor allem am Tag danach nicht, wenn man morgens aufwacht - so wie heute zum Beispiel. Der Wind stürmt und pfeift ums Haus, durch den Rolladen blitzt das Sonnenlicht. Sonntag. Ich strecke mich noch einmal wohlig. Und da fällt es mir wieder ein. Verloren. Scheiße.

Dabei hätte das Spiel gestern das Zeug dazu gehabt, ein ganz besonderes Spiel zu werden. Leichtsinnsfehler, fehlende Cleverness, Fehlpässe, zu spätes Aufmachen – all das wäre im Nachhinein schnurzpiep egal gewesen, wenn zwei magische Momente sich am Ende ausgezahlt hätten. Wenn, ja wenn...


Der erste in der 39. Spielminute. Im Strafraum der Stuttgarter. Eigentlich ist die Situation bereits bereinigt. Khedira hat den Ball. Und da... („Ey...der Caio...“ „Was macht der denn da?“ „Der geht ja ab wie Lucie...“ ... kreischt es hinter, vor, neben, aus mir) sprintet Caio von rechts heran, spitzelt Khedira den Ball vom Fuß, eine Körpertäuschung, vorbei an dem Stuttgarter, der sich versucht ihm entgegen zu stellen, mit dem Ball eng am Fuß bis zur Außenlinie, kurzes Aufschauen – ein flacher, präziser Pass vors Tor. Vorbei an Jens-Man, vorbei an einem Stuttgarter Abwehrspieler, auch Meier (war es Meier?) lässt durch – und da, jajajaja, da steht Benny und muss nur noch abtropfen lassen. Toooor. Springe auf. Schreie. Schreie. Fast bleibt mir die Luft weg. Was war das denn? Wackele, wanke. Vermute, dass die Luftblase in meinem Kopf und die wackligen Knie nicht nur dem wunderbaren Tor, sondern vor allem der Tatsache geschuldet sind, dass ich heute noch nichts gegessen habe. Egal. Tor. Tor. Tor. Wir führen in Stuttgart. Na ja. Leider nur kurz…

Der zweite dann 5 Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit. Die Eintracht hat aufgemacht, zu spät, wie ich finde. Aber jetzt. Jetzt wollen wir es doch noch mal wissen. Ümit ist gekommen. Heller. Und Liberopoulos. Liberopoulos? Warum jetzt er? Ok. Egal. Dann eben Libero. Und wir drücken, wir drücken jetzt wirklich, wollen den Ausgleich. Alles nach vorne. Einen Punkt wollen, einen Punkt werden wir mitnehmen. Auf geht’s. Druck aufrecht erhalten, aufrücken. Mist. Wieder so ein unnötiger Ballverlust. Spycher, Russ, Chris – alle noch in der Vorwärtsbewegung. Progrebnjak spritzt dazwischen. Will gar nicht mehr hinkucken. Das war es dann wohl. Er läuft allein aufs Tor, halblinks taucht er vor Oka auf. Zieht ab. Das muss es, das wird es sein. Keine Chance. Aber hey... Oooooka. Jaaaa. Doch. Doch. Er hat ihn. Oka wehrt den Ball ab. Arrrgh. Direkt auf Progrebnjak, der erneut Maß nimmt, fast wie beim Scheibenschießen, halb hoch dieses Mal, ins rechte Eck. Ok. Jetzt wird es fallen. Aber wieder... Oooooooka hechtet, streckt sich (da passt es gut, dass er frisch verlängert ist *g), kommt mit der Hand, der Faust...Kann das sein? Er hat ihn. Er hat ihn wieder. Can’t believe. Das gibt es doch gar nicht. Raus, raus mit dem Ding. Aber auch jetzt kein Glück, keine Gnade. Aller guten, na ja, Dinge sind drei. Wieder direkt auf den Fuß eines Stuttgarters. Alles umsonst. Der dritte wird drin sein, das ist zu viel. Und doch...Oka....irgendwie...Fußspitze. Wow. Wow. Wow.

Spätestens jetzt bin ich mir sicher: Das war der entscheidende Moment dieses Spiels. Diese Großtat kann, wird nicht umsonst gewesen sein. Wir werden den Ausgleich noch machen. Die Nachspielzeit läuft. Schon wieder ein Stuttgarter auf dem Boden. Meeensch. Steh auf. Ballgetändel. Noch höchstens eine halbe Minute. Letzter Angriff. Die Stuttgarter hektisch. Heeeey...Foul, das war ein Foul. Sieht der Schiri auch so – er pfeift. Freistoß, kurz hinter der Strafraumgrenze. Jawohl. Wieder ein Last-Minute-Tor! Erst sieht es aus, als ob Meier sich den Ball zurecht legt. Aber dann kommt Libero dazu. Libero? Klar! Libero! Wer sonst? Jetzt wissen wir, warum Skibbe ihn eingewechselt hat. Er ist dazu bestimmt, den Ausgleich zu erzielen. Was für eine Geschichte. Der fünf Minuten zuvor eingewechselte Liberopoulos triffft in der letzten Spielsekunde. Libero läuft an, der Ball fliegt Richtung Tor. Drüber. Deutlich drüber. Schlusspfiff. Aus.


Wie gesagt: Es hätte ein ganz besonderes Spiel werden können. Hätte hätte Fahradkette. Jetzt halt nächste Woche gegen Schalke. Den Anschluss nach vorne halten. Das Unmögliche möglich machen. Ich trete dann schon mal in Vorleistung und begebe mich jetzt umgehend in die rein hessische Pampa. Was ich da tue? Klar: Try and catch the wind.


* "Hätte. Hätte. Fahrradkette". Nicht nur auf dem Platz, auch beim Bloggen war ein VFBler offensichtlich schneller ,-) - Ehre, wem Ehre gebührt - deswegen habe ich den Titel meines Eintrags nachträglich geändert :-)

Freitag, 26. Februar 2010

Oben auf statt hinten dran

Seit November ist im Städel zu Frankfurt eine umfassende Botticelli-Ausstellung zu bewundern. Wir haben es bisher leider nicht geschafft, sie uns anzusehen, jetzt laufen bereits die letzten beiden Tage. Der Andrang ist groß, heißt es auf der Städel-Homepage. „Nutzen Sie die verlängerten Abendstunden.“

So machen wir uns am frühen Donnerstagabend auf in Richtung Frankfurt. Es regnet kräftig und gleichmäßig. Wind weht. Die Lichter der Autos spiegeln sich in den nass glänzenden Straßen. Wir rollen über die Autobahn durch den Feierabendverkehr, in Frankfurt vor der Festhalle staut es sich. Ach so, ach ja, o je – André Rieu. Vorbei am Hauptbahnhof über die Mainbrücke und da sehen wir es schon von weitem: Der Schaumainkai. Vollkommen verstopft. Stoßstange an Stoßstange stehen die Autos. Wollen die etwa alle…? Sie wollen.

Wir wollen jetzt eigentlich nicht mehr, reihen uns aber aus Neugier in den Stau ein. Wenn wir schon mal da sind. Regen spritzt gegen die Scheiben. Der Main, die Hochhäuser auf der anderen Seite des Flusses glitzern durch die Nacht. Vor uns ein grellrot blinkendes städtisches Gefährt, das offensichtlich dazu da ist, (hä?) den Verkehr zu regulieren. Schritt-Tempo. Stau bis Höhe Städel. Vor dem Gebäude ein Container, der als Kassenhäuschen dient. Und davor ist sie tatsächlich: Die Botti-Schlange,
die wir bisher nur aus Zeitungsberichten kannten. Eine ewig lange Kette von Menschen, aus dem Städelgelände heraus, um die Ecke herum in die Seitenstraße , wo sie im Dunkel schemenhaft verschwindet. Dicht gedrängt, Menschen, die sich in der Nässe unter Regenschirme ducken. Die Krägen der Mäntel hochgeschlagen, Windjacken festgezurrt, harren Hunderte von (?) Botticelli-Liebhabern des zu erwartenden Kunstgenusses.

Ok. Ohne uns. Wir rollen am Städel vorbei. Ich schlage vor, ob es der Einfachheit halber vielleicht doch - hihi (wie von einem Forums-Adler angeregt) - eine gute Idee wäre, direkt nach Florenz weiter zu fahren? Aber mein Mit-Adler, „knitz“ wie er als Schwabe nun mal ist, winkt ab. Wir hätten heute auch dort wenig Aussicht, Botticellis zu sehen, meint er. Die sind nämlich derzeit alle in Frankfurt.

So lassen wir Botticelli für heute im Regen stehen, kehren stattdessen auf dem Rückweg in eine freundliche Gastwirtschaft ein und genießen erstklassigen Ebbelwoi und einen Burger. Es war ein schöner Abend.

Apropos: Knitz. Und apropos: Schwabe. Knitz mögen sie schon sein die Schwaben. Aber nicht knitz genug, um morgen gegen eine blitzwache Frankfurter Eintracht die Oberhand zu behalten. 3 Punkte mehr auf dem Konto und sie wären da, wo wir schon sind: Oben dabei. Aber nix da. Wir haben einen Ümit, der brennt.
Einen ungeheuerlichen Benny. Einen verlängerten Oka. Und vorsicht, VFB: Der zweite Vorname von Halil – der ist Ruud.

Immer 120% geben: Sieg!

Donnerstag, 25. Februar 2010

New York oder Dallas?

Im Rheinhessischen erzählt man sich die Geschichte von einem Mann, der sich seinem Heimatort sehr verbunden fühlt. Um etwas zu erleben, unternimmt er einen Ausflug nach Paris. Nach seiner Rückkehr wird er gefragt, wie die Reise denn war. "Ach, na ja..." antwortet der Mann, "bis nach Oppenheim ging's. Aber dann zieht's sich."

In diesem Sinne: New York oder Dallas? Hauptsache Frankfurt. Oka bleibt. Schön.


Mittwoch, 24. Februar 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel 11. Februar bis 24. Februar 2010

Donnerstag, 11. Februar
Ralf Falkenmayer, einer meiner All-time-Eintracht-Lieblingsspieler, wird heute 47 Jahre alt.

Erinnerungsflash. 27. Juli 2007. Zico24. Bad Homburg. Abschiedsspiel von Alexander Schur und Uwe Bindewald. So viele großartige ehemalige Eintracht-Profis stehen da auf dem Platz, ich aber spähe vor allem nach Ralf Falkenmayer und seinem Lockenkopf aus. Schließlich erkenne ich ihn – allerdings nicht an den Locken, die gibt es nicht mehr – sondern an seiner immer noch schmalen Gestalt und, nun ja, an seinen Ohren. ET – so hatten wir Falke damals, während seiner aktiven Zeit bei der Eintracht immer genannt. Weil er so dünn und schmächtig war, die wilden Locken auf dem Kopf – aber auch, weil er immer ein bisschen traurig und verloren wirkte, der gelernte Schwimm-Meistergehilfe, der kein kaltes Wasser mag.

Und so haftet auch seiner Karriere, so erfolgreich sie war, und der Zeit danach ein Hauch von Traurigkeit an. Ich stöbere im Netz. Klick. „So wollte ich nicht gehen.“ Kommentiert Falke in einem Bericht der FAZ aus dem Jahr 1998 sein Karriere-Ende. Damals schon nicht mehr im rotundschwarzen Trikot der Eintracht aus Frankfurt, sondern im blauundschwarzen der Eintracht aus Trier. Ein Tritt gegen den Knöchel. Invalidität. Jetzt der Versuch eines Neustarts als Trainer beim SV Niederursel, dem Verein, bei dem Falke das Fußballspielen lernte. Seine Zukunft sieht er allerdings bei der Eintracht, vielleicht als Jugendtrainer... Klick. Tradition zum Anfassen. Im Februar 2008 ist Falke – zusammen mit seinem ehemaligen Trainer Dietrich Weise und mit seinem Mannschaftkollegen Armin Kraaz – zu Gast im Eintracht-Museum. Klick. „Für mich gab es nichts anderes als Fußball.“ Diese Sätze stammen ebenfalls aus dem Jahr 2008. Falke sagt sie im Rahmen einer zweiteiligen Gesprächsrunde in Rhein-Main-TV , in der es darum geht, den Werdegang von Sportlern nach Beendigung ihrer Karriere nachzuzeichnen. Er ergänzt: „Da ist damals schon ein bisschen eine Welt für mich zusammen gebrochen.“ Und der Zuschauer ahnt, dass das „bisschen“ mehr als ein bisschen bedeutet. Aber Falke sagt auch: „Es geht immer weiter.“ Und auch für ihn ist es immer weiter gegangen. Bis zum Jahr 2007 war Ralf Falkenmayer als Trainer bei der SV Niederursel aktiv. Mit 44 Jahren ist er sogar noch einmal als Spielertrainer aufgelaufen - und kassiert prompt eine gelbrote Karte. Eine Umschulung als Automobilkaufmann hat er gemacht, arbeitet heute in einem Großhandel für Laminat und Parkett. …stopp… All das werde ich hoffentlich irgendwann einmal im Zusammenhang zu Papier bringen - für das Spielerporträt, das ich dem Eintracht-Archiv versprochen habe.

Hatte ich schon erwähnt, dass Ralf Falkenmayer für mich ganz oben in die Liste der großen Eintracht-Spieler gehört?

Freitag, 12. Februar
Boris Becker teilt der Blöd-Zeitung noch aus dem Krankenhaus mit, dass ein weiterer Becker-Sohn das Licht der Welt erblickt hat: Amadeus Benedict Edley Luis.
Dem Vater ist er wie aus dem Gesicht geschnitten. Ja, warum heißt er dann net einfach Bobbele?

Gang durch das früh-abendliche, vor-närrische Mainz. Am Eingang der Partymeile, vor den beiden am "Höfchen" aufgestellten Festzelten – alles voller schwarzgekleideter, wichtig herumstehender Security. Da wird ich voll-aggro. Ey. Einzelne Gruppen von Jugendlichen ziehen durch die Innenstadt – die Jungs mit Bierflaschen in der Hand vorneweg, die Mädchen untergehakt und gickelnd hinterher. Da waren wir auch schon mal weiter. Es ist übrigens gar nicht so einfach zu erkennen, ob jemand verkleidet ist oder nicht. Der junge Mann mit dreiviertel langer Hose und karrierter Mütze. Der Typ im langen Mantel mit Schlapphut. Die ältere Dame mit halbhohen Stiefeln und rosa Pelzjacke. Kostüm oder Trendoutfit? Das Gutenberg-Denkmal trägt eine Narrenkappe. Die Glasscheiben von McDo sind mit Holzbrettern verrammelt. Aus dem davorstehenden Partyzelt dröhnt Musik. Ich spähe hinein. Das Zelt ist vollkommen leer bis auf drei Mädchen, die mit Wackelohren auf dem Kopf zum knallroten Gummiboot hüpfen. Helau.

Samstag, 13.2.
Interview mit Patrick Ochs im Kicker: Er findet die Eintracht trainiert wie Barcelona. Interview mit Benjamin Köhler in der FR: Er freut sich auf jedes Training und vertraut darauf, dass man, wenn man etwas gibt, immer auch etwas zurückbekommt. Interview mit Alex Meier auf
bundesliga.de: Er wusste erst als die Nachspielzeit in Dortmund zu Ende war, dass der Sieg der Eintracht nicht mehr zu nehmen war.

„Demokratie strebt einen Zustand an, in dem jeder jedem eine Frage stellen darf.“ Hat ein großer Schriftsteller mal gesagt. Da können wir wohl Vollzug melden.

Die Eintracht und die hessische Fastnacht sind traditionell Mittelmaß – meint der Mainzer Karnevalsexperte Günter Schenk.
Dass der Mann keine Ahnung hat, merkt man doch auf den ersten Blick. In Mainz heißt der Karneval Fastnacht. Und von Fußball hat man hier traditionell keine Ahnung. Bumbaaf.

Der HSV spielt heute beim VFB Stuttgart. Der unerreichte, großartige, unfasslich sympathische und außerdem außerirdisch gute Fußballer Ruud Van Nistelrooy wird 15 Minuten vor Schluss eingewechselt und erzielt zwei Tore. „Van, the Man“ jubelt es mir aus dem Radio entgegen. Na, na. Das bleibt vorerst immer noch dieser hier:


(Das sehen andere übrigens auch so ,-)

Sonntag, 14.2
Gab es einmal eine Zeit, in der wir ins Stadion gegangen sind, und es war NICHT kalt? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Auch sonst ist heute beim Spiel gegen Freiburg alles wie immer:


Die Hardcore-(?)-Eintrachtlerin vor uns, die das ganze Spiel nichts anderes zu tun hat als zu motzen und zu schimpfen . Lediglich für den Tor-Schrei unterbricht sie ihre Keif-Arie. Kurz.

Der Mini-Adler rechts von uns, der kaum groß genug ist, um über die Bande zu schauen. Vor dem Spiel leiht er sich den Schal seines Papas. Zum Europalied hält er ihn mit beiden Händen nach oben in den Abendhimmel. Ernsthaft. Rührend. Glücklich.

Der alte Herr ein paar Reihen hinter uns, der nicht mehr so richtig gut zu Fuß, aber trotzdem bei jedem Wetter dabei ist. Er ist immer „im Prinzipp“ zufrieden - oder manchmal halt auch nicht und hat sich immer so gefürchtet, wenn der Benny Köhler hinten links gespielt hat. („Des macht mer Angst. Im Prinzipp is des kein Verteidiger“). Heute strahlt er über alle Backen. „Endlich emal.“ Im Prinzipp hat er recht.

Auch der nette Familien-Eintracht-Clan – Adler-Mama mit zwei Adler-Töchtern – ist heute wieder einmal im Stadion. Sie kommen aus Würzburg. Immer wenn sie da sind, gewinnen wir. Siebter!

Montag, 15. Februar
„De Zuuch kommt.“ Deswegen will ich heut eigentlich nach Mainz, aber leider, leider daraus wird nix. Närrisch wie immer verbringe ich den Tag mit Arbeit vor dem PC. Habe im Nebenraum den Fernseher eingeschaltet und beobachte aus dem Augenwinkel das Geschehen, um zumindest ein bisschen was mitzubekommen. Ein Forums-Adler hat mir vorher erzählt, dass er beim Zug auf einem Wagen mitfährt. Leider – lange bevor der Wagen mit der Nummer 76 durchs Bild fährt, hat die ARD bereits nach Köln umgeschaltet.


Mehr Glück hat einer meiner Mit-Adler , der zum Zug in der Innenstadt ist. Weil es draußen schweinekalt ist, hat sich der närrische Trupp in ein Lokal zurückgezogen und beobachtet am Fernseher den Zug, der draußen am Fenster vorbeiläuft. Live dabei ist halt doch was anderes.

Dienstag, 16. Februar
Thomas Bernhard war ein großer Schriftsteller und ein passionierter Grantler. Mein Mit-Adler liest derzeit seinen Briefwechsel mit seinem Verleger Siegfried Unseld und unterhält mich täglich mit neuen Schnurren. Bei einer Aufführung ist in der Schlusssequenz völlige Dunkelheit vorgesehen – aus Sicherheitsgründen bleibt bei der Premiere in Salzburg die Notbeleuchtung brennen. Aaargh. In München sind bei einer Inszenierung ausschließlich Idioten beteiligt. Provinzidioten. Mit welchen Kretins muss er sich herumschlagen, was alles sich noch bieten lassen. Tobt Bernhard. Und Unseld muss schlichten, glätten ausgleichen – und gleichzeitig etwas für die Bernhardschen Finanzen tun, etwas in ihn investieren. Natürlich im Voraus. Will Michael Skibbe beileibe nicht mit Thomas Bernhard vergleichen – aber im Ernst: von dem Thomas Bernhard – von dem könnt er noch was lernen.

Glücks-Mützje bleibt Glücks-Mützje. Die Punkte-Bilanz 1 – 0 – 3 – 3 (= 7 Punkte aus vier Spielen) kann sich sehen lassen – deswegen packe ich es in einem Umschlag und schicke es wieder zurück Richtung Norden, damit es auch beim HSV-Spiel mit dabei sein kann.

Mittwoch, 17. Februar
Ein Abend im Museum mit den "Stars von morgen", die von Alexander Schur präsentiert werden. Habe Schui (außer auf dem Platz) noch nie live erlebt, erwarte eine Eintracht-Legende mit dem Adler im Herzen und lerne ihn als eloquenten, intelligenten, aber vielleicht auch ein wenig zuuu professionellen Nachwuchstrainer kennen. Auch nach dem Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung ist Schui ein gefragter Gesprächspartner, aber zuguterletzt gelingt es uns dann doch noch, seinen Redefluss kurz zu unterbrechen und ich kann mir mein Zico24-Shirt und ein Foto für einen Adler-Freund signieren lassen. Wir nutzen zum Abschluss die Gelegenheit, uns zumindest einige Bilder der derzeit im Museum zu sehenden Ausstellung anzuschauen. Eine der ausstellenden Künstlerinnen ist nämlich anwesend - danke, an Christine Moje :-) für die persönliche Mini-Führung und das Maik-Franz-i-Tüpfelchen auf den Abend.


Donnerstag, 18.Februar
Gestern hat mir eine – wie ich – eher Skibbe-kritische Adler-Freundin „gestanden“, dass sie am Sonntag beim Spiel gegen Freiburg zum ersten Mal bei der Aufstellung vorsichtig in den „Skibbe“-Ruf eingestimmt hat. Ganz soweit bin ich noch nicht. Aber wir sind uns einig: Wenn Skibbe jetzt nur erstmal das Jammern und Motzen sein lässt, dann werden wir in Erwägung ziehen darüber nachzudenken, ob vielleicht doch was dran ist, an dem Mann. Denkste. Heute steht im Kicker ein Interview mit Michael Skibbe, in dem er der Welt wieder einmal kund tut, dass die Eintracht nicht wirklich erfolgreich und der Umgang mit der Heribertschen Dreifaltigkeit nicht immer einfach ist. Die schlägt – in Gestalt des Vorstandsvorsitzenden – auch sofort zurück und mutmaßt, dass „der Michael“ solche Äußerungen allenthalben wohl vor allem deshalb tut, um von seinem "Assistenztrainer-Image" wegzukommen. Was soll man da noch sagen? „Licht aus!“


Freitag, 19. Februar
Väncouvä. Im olympischen Damen-Eishockey-Turnier sind die Mannschaften aus den USA und aus Kanada so deutlich überlegen, dass mit dem Gedanken gespielt wird, eine „Gnadenregelung“ für unterlegene Mannschaften einzuführen. Das erinnert mich an mein kurzes Intermezzo als Hockeyspielerin. Nach nur einem Vierteljahr Training nahm meine Mädchen-Mannschaft an den Hessenmeisterschaften im Hallenhockey teil. Spielzeit: zweimal 7,5 Minuten. Wir verloren mit 25:0 gegen den späteren Hessenmeister. Gnadenregelung? Das ich nicht lache. Da hätte man ruhig früher drauf kommen können.

Samstag, 20. Februar
Einkaufen in der Mainzer Innenstadt. Zwischendurch schnell ein Kaffee und ein Muffin in einem Steh-Café. Rühre versunken in meiner Tasse und starre durch die Scheibe nach draußen. Zwei junge Frauen steuern auf das Café zu. Die eine schiebt einen Buggy, in dem ein kleiner Junge mit Pausbacken sitzt. Er ist dick eingepackt, und schaut missmutig und traurig in die Welt. Die Mädels machen halt, setzen sich auf die vor dem Café stehenden Stühle (ist es nicht absurd, dass sich in Zeiten des Rauchverbots das Leben hauptsächlich „outdoor“ abspielt?), der Bub wird aus dem Wägelchen gehievt. Die Mutter hangelt nach den Vorräten, die im Fond des Wagens untergebacht sind, fischt eine Tupper-Dose heraus, öffnet sie – kucke von oben drauf – mehrere kleine Scheibchen Fleischwurst. Der Junge bekommt einen Wurstkringel, hält ihn in seinen dicken Händchen, beißt darauf herum. Seine Miene hellt sich auf. „Glück kann manchmal so einfach soi, solang es gibt Weck, Worscht un Woi.“

(Das war jetzt für dieses Jahr aber wirklich das letzte zur Fastnacht *g)

Bei strahlendem Sonnenschein sind wir morgens aufgebrochen. Bei Schnee-Graupel-Sturm fahren wir nachmittags eilig wieder zurück, um rechtzeitig vor dem Spiel wieder zu Hause zu sein. In Sekunden ist die Landschaft, sind die Straßen weiß bedeckt. Vor uns fährt ein Lieferwagen mit der Aufschrift „Köhler“. Wie so vieles im Leben hat das nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, was der Rest des Tages bringt. Knapp drei Stunden später geht die Eintracht in Hamburg
mit einem 0:0 vom Platz.

„Wäre nicht vielleicht auch ein Sieg drin gewesen?“ „Jetzt mach mal einen Punkt!“ Schon passiert ,-)


Sonntag, 21. Februar
Vom Abend im Museum weiß ich, dass heute die Rückrunde für die U 17 beginnt . Gemäß Spielankündigungsplakat tritt die Mannschaft um den Ex-Profi „Alexander Schur“ heute in Langenselbold gegen den 1. FC Nürnberg an. Gar nicht so einfach, die Sache mit den „Gänsefüßchen“.

Tiger Woods legt im Fernsehen eine öffentliche Beichte ab und berichtet über seine außerehelichen Beziehungen. Mea Culpa. Mea maxima culpa. Es gab Zeiten, in denen Menschen öffentlich geteert und gefedert wurden. Fast kommt es mir vor, als sei das die menschlichere Variante gewesen. Zumindest die ehrlichere.

Bin genervt und überdreht, gleichzeitig müd und muss irgendwie vor mir selbst davonlaufen, damit ich wieder zu mir finde. Streife durch die Äcker hinter unserem Ort. Wind weht. Pfützen platschen. Schneematsch spritzt. Merke, wie ich allmählich ruhiger und wieder identischer werde. Das Thermometer vor unserem Haus zeigt 6 Grad. Das kann nur bedeuten, dass die Eintracht am Ende des Tages tatsächlich auf dem sechsten Tabellenplatz stehen wird. Und wirklich: Leverkusen führt in Bremen bis zur 92. Minute, dann erzielt Özil noch den Ausgleich. Na ja. Soll ja auch wieder wärmer werden.

Dienstag, 23. Februar
Stefan Raab sucht ein Lied für Oslo und Dieter Bohlen sucht einmal mehr den Superstar. Kein Zweifel: Das Niveau bei Raab ist höher. Ebenso unzweifelhaft: Bei Raab singt und tanzt das künftige Prekariat – Gymnasiasten, Studis, adrett rebellierende Mittelstandstöchter, inklusive obligatem „Vorzeige-Neger“ - hier kann auch der kulturinteressierte Oberstudienrat ohne Trash-Verdacht zuschauen. Bei Bohlen stehen überwiegend Gestrandete und Drop-Outs auf der Bühne. Junge Männer mit Migrationshintergrund, Schulabbrecher, Schwule, Ex-Knackis. Gerhard Polt würde sagen: „Da bleiben die Herrn unter sich.“ Auch darüber sollte man mal nachdenken.

In Spox ist ein Interview mit Heribert Bruchhagen nachzulesen. Es geht um den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem und sportlichem Erfolg, der – wie der interessierte Forumsleser längst weiß – parallel verläuft. Nur Schalke macht hier eine Ausnahme, die haben sich nämlich – so HB - „nach oben gekauft“ . Ob es Zufall ist, dass diese Formulierung an das in anderen Branchen übliche „nach oben schlafen“ erinnert?

Während im fernen Väncouvä die Adler gerupft werden, sprechen die hiesigen Adler ein Wörtchen im Kampf um Platz 3 mit. Sagt Felix Magath – und der muss es wissen.

Mittwoch, 24. Februar
„Denk ich an Deutschland in der Nacht…“ dichtete einst Heinrich Heine.
„Deutschland im Herbst“ ist längst vorbei. Wir schreiben das Jahr 2010. In Deutschland herrscht Winter. Gespräch beim Frühstück. „Ein heiteres Bild, das Deutschland im Moment grade abgibt…“, meint mein Mit-Adler. Mmh. Stimmt. Wie man hört, schleichen Bundesliga-Schiedsrichter nachts über Hotelflure, um wie auch immer geartete Beziehungen zu pflegen. Katholische Priester demütigen und misshandeln ihre Schützlinge. Eine Bischöfin fährt betrunken Auto. Die Kölner U-Bahn bricht zusammen. Eine durchgeknallte, altkluge 18-Jährige beschäftigt Tag für Tag die Medien und Feuilleton-Redaktionen. "Provinzidioten." "Kleinbürgerschmarren." Kotzolotl.

Da wenden wir uns doch lieber den wirklich wichtigen Dingen, sprich: der Eintracht, zu. Ricardo Clark wird am Samstag vermutlich im Aufgebot gegen den VFB Stuttgart stehen. Caio hat heute gut trainiert. Und – hurra, hurra – das Glücks-Mützje ist mit einem Punkt mehr heute auch wieder im Briefkasten gelandet. Das ist es, was ich Neuigkeiten nenne.

Do it again!
*** To be continued! ***

Samstag, 20. Februar 2010

What a day for a daydream

Also, als ich das letzte Mal in Hamburg war – eieieiei - das war gar nicht schön. Das lag nicht an der Eintracht, was wiederum vor allem damit zusammenhing, dass gerade Sommerpause war. In diesen Tagen vor jetzt gut eineinhalb Jahren war es fitzefatze elend heiß. Wir übernachteten in einem superfeinen last Minute zum Sondertarif gebuchten Hotel - in einem winzigen Zimmer mit Aussicht auf den Hintereingang der Küche. Wir besuchten ein elend schlechtes Konzert. Und wir schleppten uns bei gefühlten 40 Grad durch eine langweilige und aufgeblasene Ausstellung.

Zwei Lichtblicke gab es: Eine voll-tourimäßige, ziemlich schräge Hafenrundfahrt mit einem Moderator, der ein direkter Nachfahre von Fips Asmussen (hilfe!) gewesen sein muss. Und, gleich um die Ecke am Bahnhof, das „Max und Konsorten“. Kalte Biere, Wurstbrote, Schwätzen, an eng gedrängten Tischen draußen sitzen und in die nur ganz allmählich sich abkühlende Dunkelheit blinzeln. Das war schön.

Aus sicherer Quelle weiß ich, dass sich jetzt, gerade in diesen Minuten Eintrachtler aus verschiedenen Richtungen dem „Max“ nähern, um sich dort auf das Spiel gegen den HSV einzutri...ähem...einzustimmen. Der Adler ist bereits gelandet. Die Sonne scheint. Schwegler, Chris – alle an Bord. Alex Meier trifft gegen die Hamburger besonders gern. Und Benny Köhler hat heute Gelegenheit, denen mal zu zeigen, was man sich unter einem richtigen Kopfballungeheuer vorzustellen hat. Who the Hell is Hrubesch? Und: Who the Hell is van Nistelrooy?

Wen kümmert da schon, ob, wie und wann Michael Skibbe und Heribert Bruchhagen wieder einmal einerleizweierlei Meinung sind? Die Wahrheit is auffem Platz.

Hey: Heute ist unser Tag! Sieg!

Montag, 15. Februar 2010

Eine Chance hat man immer noch.

Waldstadion Samstag, 14. 2. 2010. 19 Uhr 15 Minuten. Gleich wird Schiedsrichter Rafati das Spiel abpfeifen. Schad. So schad. Es wär so schön gewesen, wenn wir heute nachgelegt hätten und w i r k l i c h , t a t s ä c h l i c h , w a h r h a f t i g hätten dran bleiben können, da oben. Ein Traum. Aber ok. Is ok. Es soll halt nicht sein. Punkt ist Punkt. Immer noch siebter. Siebter. Kein Grund zu jammern. Mann, wir stehen gut da wie lange nicht. Trotzdem. Schad. So schad. Und von wegen Punkt ist Punkt. Den müssen wir ja auch erst mal haben. Noch wird gespielt. Was, wenn das Ding am Ende noch nach hinten losgeht...? Ja, was. Ja, wenn. Aber nix da. Das hier ist unser Spiel „Die könne nix.“ Wirklich nicht?

Ballgetändel im Mittelfeld. Noch in unserer Hälfte. Angriffsversuch der Freiburger. Aber Chris hat den Ball. Chris. Gut. Bärenstark heut wieder. Chris. Aber – hey, was ... macht er da? Net so lässig. Mann. Zu spät. Er tritt über den Ball. Hilfe. Jetzt wird’s noch mal kritisch. O Mist, o Jammer. Ein Freiburger ist da. Hilfe. Tausend Stimmen, ein einziger Schrei:„Hiiiin!“ Karl, mei Drobbe. Aber da... was e Glück. Da ist Maik Franz – „Maaaaaaaaaik!“ – er kriegt irgendwie ein Bein dazwischen. „Raus. Hau ihn raus.“ Und Maik haut ihn raus. Schnörkellos. „Eintracht! Eintracht!“ höre ich mich schreien. Der Ball segelt in hohem Bogen ins Halbfeld in die Freiburger Hälfte. Da steht Meier. Meier – „Aleeeeeeeeex“. Der reckt sich hoch, erwischt den Ball mit dem Kopf, der witscht ihm über den Scheitel, nimmt Fahrt auf...

Gedanken rasen durch meinen Kopf: "Das gibt’s doch gar nicht... wir werden doch nicht wirklich? In letzter Minute.... ich fass es nicht... o bitte...o Mann.... der Ball fällt flach direkt in den Lauf von... Altintop – es ist Altintop ...der macht das Tor...der macht es... die Chance wird er sich nicht entgehen lassen, grad er net, nach diesem Spiel...der will das Tor machen, der wird es machen...ganz bestimmt...“

... und landet auf dem Fuß von Halil Altintop. Der nimmt den Ball an, ganz ruhig, sehr konzentriert, läuft auf den Torwart zu, verzögert kurz, lässt ihn aussteigen, nimmt Maß und hebt den Ball mit dem Innenrist über den Torhüter... der Ball fliegt in hohem, weichem Bogen .... senkt sich... schlägt ein.....ja, ja, ja... Er ist drin. Der Ball ist drin: „Tooooooooooooooor.“


Eine Woge von Glück schwappt über dem Spielfeld, schwappt über dem Stadion, schwappt über uns zusammen. Hüpfen. Schreien. Der sonst eher bedächtige Eintrachtler vor mir springt auf, schreit, schreit. Mein Mit-Adler von links klopft mir wie verrückt auf die Schulter. Mein Mit-Adler rechts hüpft und springt wie ein Gummiball und ich schreie, hüpfe, klopfe, alles gleichzeitig. Noch ein Mit-Adler von hinten. Wir packen uns. An Händen. Armen. Hüpfendes, lachendes, jubelndes, kreischendes Knäuel. Jacken. Schals. Fliegende Mützjer. Hüpfhüpfhüpf., Wortfetzen. Stammel. Hast du das gesehen? Wahnsinn. Der Chris. Und von wem kam der Ball? Alex. Ja. Von Alex. Und der Altintop. Mann. Der Altintop. Ganz cool. Unfasslich. Halil.

Viertel vor neun. Im Auto. „Mal ehrlich – hattest du wirklich noch an die drei Punkte geglaubt...?“ „Ehrlich gesagt: Nein." Pause. "Obwohl: Eine Chance hat man immer noch...“

Ja. Eine Chance hat man immer noch. Und heute, heute haben wir sie genutzt.


Ringelreihen :-)

Samstag, 13. Februar 2010

Adler. Närrisch.

Fastnacht muss man nicht mögen – für mich gehört sie seit Kindheit irgendwie dazu. Bin beileibe kein Aktivist, aber tauche ab und zu ein ins Geschehen und beobachte mit einer gewissen Rührung die Ernsthaftigkeit, mit der die Fassenachter - zumal in M1 – ihrem närrischen Tagwerk nachgehen.

Zum Pflichtprogramm gehörte bei uns zuhause seit jeher die Fernsehsitzung. Zu lachen gibt es dabei traditionell wenig – als kleines Mädchen vertrieb ich mir Zeit und Langeweile damit, die Anzahl der „bumbaafs“ pro Redner zu zählen – aber mit dieser Tatsache hadert nur, wer den Sinn dieser Veranstaltung noch nicht verstanden hat. Die Fernsehsitzung ist nicht dazu da, um uns zum Lachen zu bringen. Nicht Lustigkeit, nicht Unterhaltung ist ihr vorrangiger Daseinszweck – nein: sie muss absolviert, sie muss durchlitten werden. Der Schrecken steigert sich von Redner zu Redner, wird in den letzten Jahren – mal mehr, mal weniger - erhöht durch wohlfeile Reminiszenzen an die ortsansässige Fußballmannschaft und kulminiert im Auftritt der Mainzer Hofsänger, deren erschütternder Anblick zumindest die eine Gewissheit bietet: Gleich ist es geschafft. Für dieses Jahr ist es wieder vorbei.

So auch gestern. Und doch hatte die gestrige Sitzung – anders als viele vor ihr – dem wahren Kenner eine kleine, feine Überraschung zu bieten. Beim Schwenk über das Publikum war mir schon gleich zu Anfang eine Frau aufgefallen, die einen schwarz-weißen Fußball auf dem Kopf trug. Ob dieser auffallenden Kopfbedeckung wurde sie im Laufe des Abends vom Kamerateam immer wieder närrisch ins Bild gesetzt. Und was erspähte da mein Adler-Auge? Einfach so hingetupft, mitten unter all den hauptamtlichen Karnevalsvereinsnarren. Am Träger ihres Kleides.... Schnell die Aufzeichnung anhalten. Digicam. Klick. Kein Zweifel möglich, tatsächlich es ist


Und an ihrem Arm:


Danke schön, liebe unbekannte Eintrachtlerin, für dieses kurze, unerwartete Zuzwinkern von Adler zu Adler.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel (30. Januar bis 11.Februar 2010)

Samstag, 30. Januar
Pirmin Schwegler. Christoph Preuß. Oka Nikolov. Halil Altintop. Das Ende einer wild bewegten, herzflimmernden Woche. Jetzt wieder so etwas wie Fußballalltag. Köln zu Gast im Waldstadion. Kurz nach unserem Ausgleichstreffer setzt das Schneetreiben ein. Dicke, weiße, dichte Flocken, die innerhalb von wenigen Minuten den Rasen bedecken und auch uns – unsere Plätze sind direkt am Spielfeldrand – in nasse, weiße Häufchen verwandeln. Ich blicke nach oben in den Himmel – wilder, sich im unendlichen verlierender Flockenwirbel. Dazwischen schemenhaft der Videowürfel. Für einen Moment verliere ich mich im Schnee vergrieselten Abendhimmel. Das Geschehen auf dem Platz – merkwürdig entrückt. Wie durch einen mit einem zu nassen Pinsel hingetupften Schleier sind die Spieler zu erkennen, die jetzt auf den Siegtreffer drängen. Da – jetzt. Aber nein, Altintop verfehlt knapp. Das Schneetreiben wird noch dichter. Das Tor wird fallen, ganz bestimmt. Und es fällt. Ganz deutlich zu erkennen ist der dickste aller Tupfen – der leuchtend orange-rote Ball, den einige Minuten später Marco Russ voll mit dem Kopf erwischt und der jetzt hinter Oka im Tor liegt.


Schlusspfiff. Aus. Vor der Fankurve hüpfende Kölner. Und ein Gefühl von Folgerichtigkeit. Hatten wir nach dieser Woche wirklich geglaubt, wir würden dieses Spiel gewinnen? Die schlechte Nachricht: Das Leben ist nicht gerecht. Die gute: Darauf kann man sich verlassen.

Schnell, sehr schnell verlassen wir heute das Stadion. Durchnässt. Fröstelnd. Ich niese. Es hat aufgehört zu schneien – auf den Wegen und Treppen grauer, glitschiger Matsch. Die Trainingsplätze hinter der Haupttribüne überzogen von einer glitzernden, unberührten Schneedecke.

Wieder zu Hause. Bevor mich meine Erkältung ins Bett treibt und ich mir für heute die Decke über den Kopf ziehe, trinken wir ein, zwei, drei Bier. Auf Christoph Preuß. Auf die Eintracht. Und auf uns.

Sonntag, 31.Januar
Blöder Tag. Wollte, ich wäre heute unter meiner Decke geblieben, bin ich aber nicht. Mache erst einen Bogen um den PC, kucke dann doch mal ins Netz, ins Forum. Warum hat Jung gestern nicht gespielt? Warum nicht Chris im DM statt in der Innenverteidigung? Warum kam Korkmaz net früher? Warum wurde Liberopoulous nicht früher ausgewechselt? Lauter gute Fragen. Und Neuigkeiten gibt es auch: Ümit Korkmaz hat sich in Folge der Tosic-Attacke den Jochbeinbogen gleich doppelt gebrochen. Na prima. Je mehr ich zappe und lese merke ich, wie sich - jetzt erst recht! - die Depri-Stimmung der vergangenen Woche verflüchtigt und mein Kampfgeist erwacht. Hey. Wir haben gegen Köln verloren. Hätte nicht sein müssen. Wir haben viele Verletzte. Das ist nicht schön. Aber - hey, Leute! Weiter geht's!



(lg nach Bad Schwalbach :-)

Montag, 1. Februar
„Sie waren also am Samstag wirklich im Stadion?“ fragt mich eine Kundin am Telefon. „Bei dem Wetter?“ Ja, klar. „Na, dann isses ja gut, dass es sich wenigstens gelohnt hat!“ Wie bitte? „Sie wissen schon, dass die Eintracht verloren hat?“ Erstaunen am anderen Ende der Leitung: „Ach, da hab ich das wohl falsch mitbekommen…“ In der Tat.


Abends sind Halil Altintop und Christoph Preuß zu Gast im HR Heimspiel. Halil, der ein wenig unbeholfen zum Ausdruck bringt, dass auch ihn die Nachricht von Christoph Preuß Karrierende schockt. „Normalerweise, da ist man doch schon nach vier, fünf Wochen Pause im Sommer wieder geil auf Fußball…“ Christoph Preuß, der sehr gefasst, aber irgendwie auch ein wenig verloren wirkt. Halil Altintop ergänzt: „Von außen denkt man vielleicht: Der eine geht, der andere kommt. Aber so ist das nicht.“ Nein, so ist das nicht.

Große Ereignisse zeichnen sich am Horizont ab: Die olympischen Winterspiele. Und wo finden die statt? Thomas Roth von den Tagesthemen weiß Bescheid: In „Väncouvä“ . Und wie isses da so? Ganz nett, aber wenig Schnee gibt es. Wo? Na klar – in „Väncouvä“. Weil: die haben dort Pazifisches Klima, dort in – ja, genau – „Vancouvä“. Das werden wir uns sicher merken. Ä.

Dienstag , 2. Februar
Heute überwiegen endlich einmal wieder die guten Eintracht-Nachrichten. Zwar hat Clark sich übereifrig im Training verletzt, aber:
„Schwegler entkommt dem OP-Tisch“ – textet der Kicker und man sieht ihn förmlich vor sich, wie er – im kurzen OP-Hemd – durch die Flure des Krankenhauses rennt und dabei von einem wild fuchtelnden Chirurgen mit Skalpell und Mundschutz verfolgt wird.

Ümit Korkmaz gibt sich ebenfalls kämpferisch. Während die Blöd-Zeitung noch vermeldet, dass Korkmaz sechs Wochen ausfallen wird, strampelt er nach seiner OP bereits auf dem Rad und will in zwei Wochen wieder fit sein.

Packe das Nürnberg Mützje in einen Umschlag und schicke es einem Adler-Freund, der zum Auswärtsspiel nach Dortmund fahren wird. Glücksbringer. Hoffentlich.

Der Tag war lang und hektisch. Spät abends mache ich noch einen Spaziergang durchs Ort. Kein Mensch mehr auf der Straße. Nur in einigen wenigen Häusern blinken noch Lichter hinter den Fensterscheiben. Eine Katze huscht vorbei. Von den Dächern tropft schmelzender Schnee. Gehe erst gemächlich., beschleunige dann meinen Schritt. Laufe. Hüpfe. Regen nieselt. Wind weht. Müde falle ich ins Bett.

Mittwoch, 3.Februar
Beim Aufwachen liegt ein winzig kleiner Hauch von Frühling in der Luft. Vögel zwitschern. Tirili.


Der Ex-Eintracht-Profi Jogi Löw feiert heute seinen 50. Geburtstag. Im Blog G wird darüber gerätselt, ob der „Tag der männlichen Körperpflege“ wohl ihm zu Ehren ausgerufen wurde? „Tag der männlichen Körperpflege?“ fragt mein Mit-Adler. „Wer denkt sich denn so was aus?“ „Die amerikanische Kosmetikindustrie.“ „Ach so – ich dachte schon die UNO.“

Über Irland ist heute ein Meteorit zur Erde gefallen. Woher ich das weiß? Von einem freundlichen Forums-Adler. Stelle wieder einmal fest, wie viel ich durch das Eintracht-Forum schon erfahren und gelernt habe - wenn auch nicht unbedingt über Fußball. Danke, lieber Meteoriten-Zauberer für die kenntnisreichen Erläuterungen, Lesetipps und Links.

Donnerstag, 4. Februar
„Heute ist der 50. Todestag von Albert Camus!“ Das habe ich neulich irgendwo gelesen und flechte es jetzt kenntnisreich in ein Gespräch ein. „Haha“ werde ich belächelt, „Das denkst aber auch nur du. Das ist jetzt ziemlich genau einen Monat her." Klong. Knapp daneben ist auch vorbei.


Das erinnert mich an eine Geschichte, die ich vor Jahren an der Uni erlebt habe. Erinnerungsflash. Wir sitzen in der (zumindest damals noch) gleich unter der Mensa befindlichen Bierschwemme. Es ist kurz nach drei, in zehn Minuten fängt das Seminar an, in dem wir letzte Woche auch schon nicht waren. Wir raffen uns auf und entschließen uns – okok – heut gehen wir mal wieder hin, zahlen und stiefeln los. Fünf Minuten zu spät stehen wir vor dem Seminarraum, die Tür ist bereits geschlossen. Der …ähem…Motivierteste von uns hat die Türklinke schon in der Hand, wirft noch einen Blick auf den Belegungsplan, der außen an der Tür hängt. Stutzt. Lässt die Klinke los und dreht wieder ab.. „Könnt ihr vergessen. Das Seminar hat schon um 2 Uhr angefangen.“ Pause. „ Und das auch schon gestern.“ Muhahaha. Soll keiner sagen, wir hätten es nicht versucht. Wir kehren zurück zur Schwemme.

„So viel wie möglich leben“, befand Camus. Quanität sei der alleinige Maßstab, um es im Horizont des Absurden auszuhalten. So gesehen – alles richtig gemacht!


Freitag. 5. Februar
Der Soziologe Ulrich Beck zieht in der Frankfurter Rundschau eine Bilanz des Bologna Prozesses. Was zwei Weltkriege nicht geschafft habe, könne jetzt vollbracht werden: die Zerstörung der deutschen Universität und die endgültige Lösung der Bildungskatastrophe:
Keine Bildung für alle. Zumindest in Mainz hält man tapfer dagegen. Das Rudi-Gutendorf-Denkmal – Quatsch: das Johannes Gutenberg-Denkmal, das fast zwei Jahre in Regensburg saniert wurde, steht seit heute wieder auf seinem Sockel. Alle mal hersehen, liebe Bäscheler: Das ist der mit der Erfindung des Buchdrucks (Und nicht etwa der aus der Kappe-Sitzung).

Vertragsverhandlungen beim DFB. Oliver Bierhoff und Jogi Löw wollen nicht nur weiterhin die Nationalmannschaft lenken, sondern gleich den ganzen DFB übernehmen. Klappt nicht. Tipp: Am besten mal bei Stefan Raab nachfragen. Der ist in Sachen öffentlich rechtliches Fernsehen schon einen Schritt weiter.

Heute abend findet die Wintereinkaufsversammlung unserer Rheinhessenliga statt. Schweren Herzens trenne ich mich von Caio. Auch Marco Russ ist wieder auf dem Markt. Er war bisher im Kader eines RHL-Mitstreiters, der im wirklichen Leben 05er ist. „Der Russ bringt mir nix. Immer wenn ich den – zum Beispiel am letzten Spieltag – aufstelle, spielt er schlecht.“ Ach so - *stirnpatsch* - na klar. Hätt man sich ja denken können. Der war also schuld. Dann sind die negativen Schwingungen jetzt ja abgestellt und Marco Russ kann wieder kosmisch unbehelligt Fußball spielen.

Samstag, 6.2.
Heute ist es fast acht Grad warm. Die Läden und Kaufhäuser sind vollkommen überheizt. Nur bei Karstadt in der Lebensmittelabteilung ist es auffallend kühl. Warum? Die Heizung ist ausgefallen. Leider kann es noch eine Weile dauern bis sie wieder läuft. Die Anfrage zur Genehmigung der notwendigen Reparatur läuft über den Insolvenzverwalter.


Sportstudio. Die Schalker Jung-Stars Schmitz, Moritz und Matip sind zu Gast. Alle sehr nett, sehr ordentlich, sehr adrett. Täusche ich mich oder sind „unsere“ Jungen anders? Bisje wilder, bisje schräger, bisje „frankfurterischer“. Und: Ist das nun gut oder schlecht? Lauschen wir auf einen, der es wissen muss. „Herr Magath – gibt es irgendetwas was sie an ihren Nachwuchsspieler bemängeln.“ „Sie sind alle noch zu lieb.“ Der Reporter fragt nach. „Haben Sie ein bestimmtes Rezept zum Umgang mit den jungen Spielern?“ Magath weicht zunächst aus – hat dann aber doch eine Antwort: Ich bin nicht zu lieb.“

Im Tippspiel im Eintracht-Forum habe ich allein heute neun Punkte geholt. Zwei Spielergebnisse komplett richtig (VFB, Bayern), drei im Trend. Hurra, hurra. Gucke im Forum wie viele Plätze unsere Tippgruppe gut gemacht hat - aber nix da. Meine Tipps sind weg. Habe getippt, alles richtig gemacht und dann doch keine Punkte. Schon zum zweiten Mal in der Rückrunde. Grmpff. Unberechtigter Elfmeter in der letzten Minute. Punkte wäch. Schusseligkeit? Fluch der Technik? “Lederhut“-Verschwörung? Egal. Grummele.

Sonntag, 7. Februar
Unter den vermischten Fußballmeldungen lese ich, dass
Lincoln zurück nach Brasilien wechselt. So erledigen sich manche Dinge ganz von alleine.

Im ersten Sonntagsspiel ist Gladbach beim Spiel in M1 klar überlegen, verliert aber trotzdem, was vor allem an Heinz Müller im Tor der 05er liegt. Da gab es offensichtlich wieder viele „Heinz-zu-Eins-Situationen“.

Unser Spiel in Dortmund. Ich hab von Anfang an ein gutes Gefühl. Der Ball läuft. Er läuft gut. Chris heute im DM. Jung hinten rechts. Libero erst mal auf der Bank. Warum hat Skibbe eigentlich nicht gleich auf uns gehört? Benny trifft. Toooooooooooooooooor. Die 05er- und Betze-Fahnen in der Nachbarschaft rutschen von der Stange. Altintop hat das zweite Tor auf dem Fuß. Hummels kratzt den Ball von der Linie. Hummels? Mist. Kurz vor der Pause gleicht eben der auf der anderen Seite aus. War es abseits? : „Fuck ist, dass der Ausgleich zählt.“ Sagt der Sky-Reporter. Na ja, so ähnlich. Aber er hat recht. Auch nach der Pause sind wir gleich wieder im Spiel. Machen weiter Druck. Trotzdem fällt das Tor auf der anderen Seite. Barrios trifft nach Stellungsfehler unserer Abwehr aus dem Rückraum. Mist. Mist. Mist. Ob wir da jetzt noch weiter dagegen halten können? Aber nicht nur das: Wir machen weiter das Spiel. Spielen Fußball, richtig guten Fußball. Der Druck wird größer. Jung. Tatsächlich. Jung. Er trifft zum 2:2. Und Alex macht alles klar. Wunderbar wie er den Ball nach lang gezogener, präziser Flanke von Altintop ins Tor hinein schlenzt, hebt – Tor, Tor. Tor.

Was für ein Tag. Jetzt wissen wir endlich wieder, dass wir es können: Fußball spielen. Wir sind siebter. Mit eminent hoher Spielkultur ,-) Und: Wir haben wieder einen Horst für unseren Adler. **singan** Jetzt wollen wir hüpfen sieben Tage lang, jetzt wollen wir hüpfen. So ein Sieg. **singausundsiegweiter**

Montag, 8. Februar
Konnte man in den vergangenen Tagen wirklich den Frühling erahnen? Heute keine Spur davon. Es ist schweinekalt. Ein eisiger Wind weht. Habe einen Ganztagestermin in Frankfurt und da ich derzeit autolos bin, bin ich auf der Rückfahrt den Wirren des öffentlichen Nahverkehrs ausgeliefert. Versuche Fahrscheinautomaten zu entschlüsseln, mein eingeklemmtes Kleingeld aus dem Münzauswurf zu befreien, irre treppauf, treppab. Werde nach oben geschickt und lande in einem Treppenhaus ohne Ausgänge. Nutze die Gelegenheit, um einer älteren Dame beim Transport ihres Koffers über die Rolltreppe zu helfen, niese, friere und sitze schließlich in der richtigen S-Bahn, die mich zurück nach Hause bringt. Eines langen Tages Reise in die Nacht. Am Bahnsteig erwartet mich mein Mit-Adler. Ein Pfefferminztee. Ein heißes Süppchen. Ein kaltes Bier. Alles wieder gut.


Dienstag 9. Februar
Morgens der Blick aus dem Fenster. Es schneit. Ganz was Neues. Auch in Washington fällt Schnee. Und zwar heftig. Da bekommt das „white house“ eine ganz neue Bedeutung. Heute findet dort ein musikalisches Get Together in Erinnerung an das Civil Rights Movement statt. Bob ist natürlich auch da.




Die Zeiten ändern sich. Politiker eher nicht.

Mittwoch, 10.Februar
Fast ein kleines Wunder. Vom
Trainingsgelände im Wald wird berichtet, dass Ümit Korkmaz heute bereits wieder voll mittrainiert hat. Auch Pirmin Schwegler ist schon wieder dabei.

Donnerstag, 11. Februar
Die Post ist da. Pünktlich vor dem Spiel gegen Freiburg ist das Nürnberger Glücks-Mützje wieder vom Ausflug nach Dortmund zurück. Da kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.

Aber stopp. Da war doch noch was: Heute ist Weiberfastnacht. Kennt ihr den schon?

Zwei Rosinen treffen sich. Die eine trägt einen Helm mit einer Grubenlampe. Die andere staunt: „Ach du je... was issen mit dir los? Wie siehsten du aus?“ Die Rosine antwortet: „Ei wieso? Ich muss doch gleich in de Stolle.“

„Ach du scheiße!“ sagt mein Mit-Adler. Und was sage ich? Na logisch: Helau! Und darüber, ob wir am Sonntag gewinnen, darüber mach ich mir keinen Kopf :-)


** To be continued **

Dienstag, 9. Februar 2010

Adler trifft Adler

Früher machte man sein Abitur ziemlich am Ende des letzten Schuljahres, irgendwann im Frühjahr. In Zeiten der Bildungskrise geht alles etwas schneller. Ende Januar und – wuppdich - ist das Abitur schon so gut wie in Sack und Tüten. So auch bei einem meiner jungen Mit-Adler, der vor ein paar Tagen seine letzte schriftliche Klausur hinter sich gebracht hat und nach vollbrachter Tat nur noch eines im Sinn hatte. Was? ja klar: Feiern. Und so zog ein Trupp gleichgesinnter und ausgesprochen gut gelaunter junger Menschen ins Eisgrub zu Mainz, um dort die unfasslichen Mühen der vorangegangenen Wochen hinter sich zu lassen und die außerordentliche Leistung ausgiebig zum ersten (und bei weitem nicht zum letzten) Mal zu begießen.

Die Runde trank, lachte und blödelte ausgelassen vor sich hin – und so wurde eine Gruppe älterer Herren auf sie aufmerksam, die ein paar Tische weiter ihren Stammtisch abhielten. „Ei was habt ihr denn zu feiern?“ „Na da kann mer ja gratuliere…“ „Trinkt doch noch was… ihr seid eingeladen…“ So gab ein Wort das andere und aus zwei Gruppen wurde eine, die gemeinsam ein ums andere Schöppsche und Türmsche leerte. Sehr schnell stellte sich heraus, dass es sich bei den älteren Herren um eine weitgehend hessische Delegation handelte, die es aus paritätischen Gründen und nicht zuletzt wegen des hervorragenden Bieres im Eisgrub immer wieder einmal nach Mainz verschlug. Hessen rules. Ein Wort gab das andere – und schnell landete man auch beim Thema Fußball. Mein Mit-Adler outete sich als Eintrachtler, was mit lautem Hallo begrüßt wurde. „Ei , da biste bei uns richtig.“ Und „Da wend dich am beste gleich e mal an de Manni – der hat nämlich früher bei der Eintracht gespielt.“ Wie bitte? Bei der Eintracht gespielt? Manni, auf den sich meines Mit-Adlers Aufmerksamkeit jetzt natürlich richtete, nickte. „Ja, das stimmt.“ Ein bisschen genauer wollte man es jetzt doch wissen. Und obwohl Manni - ein gut gelaunter, freundlicher End-Fünfziger - sichtlich kein großes Ding aus der Sache machen wollte, war es ziemlich spannend, was da zutage kam.


Manni, genauer gesagt: Manfred Diehl, hat nämlich nicht nur einfach mal „bei der Eintracht“ gespielt, sondern er gehörte in der Saison 1970/71 – zusammen mit Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein, Thomas Rohrbach, Gert Trinklein und wie sie alle hießen - zum Bundesligakader von Eintracht Frankfurt. Von den Darmstädter Lilien war er mit 21Jahren in dieser Saison zur Eintracht gewechselt. In einigen Freundschaftsspielen stand er mit dem Adler auf der Brust auf dem Platz - z.B. gegen den SV Hermannstein und beim 6:3 gegen die SG Betzdorf, wo er sogar ein Tor erzielte. Auch zwei Pokalspiele absolvierte er in dieser Saison für die Eintracht – in der ersten Runde gegen den FC Schweinfurt wurde er im Hinspiel für Jürgen Kalb, im Rückspiel für Karl-Heinz Wirth eingewechselt. Das war es dann aber auch schon. Nach (vielleicht auch noch während) der Saison verließ Manfred Diehl die Eintracht wieder und wechselte zur Spielvereinigung Bad Homburg, mit der er in der Saison 1972/73 den Titel „Deutscher Amateurmeister“ holte. Danach verliert sich die fußballerische Spur. Zumindest soweit wir sie - einige Tage nach dem Zusammentreffen im Eisgrub – mit Hilfe des Eintracht-Archivs (danke, Frank!) und auf Spurensuche im Internet rekonstruieren konnten.

Damit ist sie eigentlich schon erzählt, die kleine Geschichte einer unverhofften Begegnung, die mich – als mein Mit-Adler sie mir erzählte - sehr angerührt und gefreut hat. Aber noch nicht ganz, denn es gibt noch ein kleines Nachspiel. Vor ein paar Tagen flatterte nämlich ein Brief ins Haus. Absender: Manfred Diehl, der sich in einem launigen Anschreiben für das nette Beisammensein an jenem feuchtfröhlichen Nachmittag im Eisgrub bedankt und meinem Mit-Adler alle guten Wünsche mit auf seinen weiteren Lebensweg gibt. Beigefügt waren einige Autogrammkärtchen und ein Mannschaftsfoto aus ruhmreicher Zeit. Manfred Diehl sitzt in vorderer Reihe zwischen Thomas Parits, Ersatzkeeper Siegbert Feghelm und Jürgen Kalb und gickelt in sich hinein, gleich daneben lächelt Bernd Hölzenbein.

“Mainz ist ja nicht so groß - vielleicht sieht man sich mal wieder.“ Heißt es in dem Brief. Das hoffen wir sehr. Denn dann wird uns „de Manni“ vielleicht doch noch ein bisschen mehr davon erzählen, wie es damals war als junger Spieler zusammen mit Grabi und Holz auf dem Trainingsplatz zu stehen und den Kommandos von Erich Ribbeck zu folgen. Und vielleicht ja auch davon, dass man in einem Fußballerleben den Zipfel vom Glück schon in der Hand halten kann – und dann doch nicht alle Träume in Erfüllung gehen.

Sonntag, 7. Februar 2010

7

7. Februar 2010. Der 21. - also: der 3 x 7. – Spieltag der Bundesligasaison 2009/2010. Die Eintracht spielt in Dortmund. Benny Köhler mit der Rückennummer 7 erzielt in der 7. Minute das 1:0. Nachdem die Dortmunder zum 1:1 ausgeglichen haben und sogar mit 2:1 in Führung gegangen sind, trifft Sebastian Jung in seinem 7. Bundesligaspiel zum 2:2. Und das ist noch nicht genug: Alex Meier (Rückennummer 2 x 7) trifft zum 3:2. Es ist sein siebtes Tor in dieser Saison. Und auf welchem Tabellenplatz steht die Eintracht nach diesem Spieltag? Genau auf diesem, dem:

Danke, Jungs!

(PS: Hoffe, dass ich mich bei den Bundesligaeinsätzen von Sebastian Jung nicht verzählt habe ...?)

Samstag, 6. Februar 2010

"Wolle mer'n enoi schieße..."

Die diesjährige Fastnachtskampagne ist kurz. Sehr kurz. Der Lusdischkeitsdruck ist also enorm, weil die ganze Lusdischkeit innerhalb kürzester Zeit abgewickelt werden muss. Und das heißt: Es ballt sich. Dementsprechend erinnert die Mainzer Innenstadt in diesen Tagen irgendwie an „Asterix bei den Spaniern“: An jeder Ecke trifft man unvermittelt auf eine Prozession...ähem... auf eine Garde. Mit Dschingderassa laufen sie durch die Straßen und Gassen, kommen von links, von rechts, tuten und trommeln, biegen ab und tauchen wieder auf. Vorm Theater steht das Narrenmobil, an dem Fastnachtskreppel verkauft werden. Zwei Ecken weiter werden zu den Klängen von „Humbatäterä“ Zugplakettchen verkauft, im Gässchen daneben tanzt ein Garde-Korps, vorm Kaufhof dröhnt Margit Sponheimer aus den Lautsprechern.

Und dann ist alles vorbei. Das närrische Tagwerk ist vollbracht. Die Garde-Offiziere und Funkenmariechen tauchen ein ins Mainzer Geschäftsleben. Genug gelacht für heut. Ein missgelaunter, grüngelb-behoster Fassenachter sitzt bei MacDo. Im Stehcafé rühren zwei blau uniformierte Damen in ihren Kaffeetassen. Ein schnauzbärtiger Ranzengardist lehnt vor der "Nordsee" an seiner abgeschnallten Trommel und bläst Rauchwolken in den Himmel.

Auch vor mir in der Schlange an der Kasse in der Drogerie steht ein Fassenachter. Ein älterer, massiger Herr in Uniform, sein Bauch wölbt sich über die stramm sitzende, mit Litzen besetzte Hose, die Trommelstöcke baumeln seitlich an seiner Hüfte. Auf dem Kopf eine weißgelockte Perücke, in der Hand eine Dose Nivea-Creme und eine Tube Zahnpasta. Er wirkt genervt. Wiegt sich von einem Fuß auf den anderen. Sein Blick wandert durch den Laden, bleibt an mir, an dem Eintracht-Schal, den ich um den Hals habe, hängen. Er stutzt. „Und – Sie, Frolleinsche?“ fragt er launig. „Als was gehe Sie dann?"

Ja, als was geh ich? Das is ja wohl klar: „Als eine von dene, die wo morsche in Dortmund gewinne due.“

In diesem Sinne: Sieg!


Dienstag, 2. Februar 2010

Durchblick.

Seit dem letzten Wochenende steht fest: Die Eintracht kann ihr Saisonziel von mehr als 45 Punkten nicht mehr erreichen. Wahrscheinlich müssen wir schon froh sein, wenn wir über die 40 kommen. Wobei das auch schon arg optimistisch gedacht ist. Und das ist keine Schwarzmalerei, sondern lässt sich klar und eindeutig belegen. Und zwar so:

Aus den ersten drei Rückrundenspielen haben wir 4 Punkte geholt – in der Hinrunde aus den gleichen drei Spielen waren es fünf. Drei dieser fünf Punkte waren (weil auswärts in Bremen) überraschend, während jetzt in der Rückrunde drei fest eingeplante Punkte (die gegen Köln) fehlen. Dafür haben wir zwar zum Rückrundenauftakt gegen Bremen wieder drei Punkte geholt, aber die waren – im Gegensatz zur Hinrunde - nichts weniger als Pflicht. Weil: Heimspiel. Und ohnehin hat sich ja inzwischen herausgestellt, dass mit den Bremern in dieser Saison nicht so richtig was los ist. Alles klar?

Jetzt braucht man also nur noch 1 und 1 zusammenzuzählen – und schon weiß man, wie die Saison weitergeht:

In Dortmund ist – machen wir uns doch nix vor – sowieso nichts zu holen (= minus 1 Punkt im Vergleich mit der Hinrunde). Gegen Freiburg m ü s s e n wir dann praktisch schon wieder gewinnen, werden aber - wie das ja bei der Eintracht immer so ist in solchen Spielen – nur einen Punkt holen, zumal wir aus dem Mittelfeld nach wie vor nicht schnell und geradlinig nach vorne spielen können (Schwegler und Ümit noch nicht wieder fit) und ebenfalls nach wie vor bzw. wieder keinen Stürmer haben (Altintop hat Grippe) (= minus 2 Punkte). Dann geht’s nach Hamburg. Hah. Hamburg. Bei denen nimmt ungefähr zu diesem Zeitpunkt gerade der van Nistelrooy Fahrt auf (S o einen müsst mer mal holen! ) (= minus 1 Punkt).

Danach gleich das nächste Auswärtsspiel: Stuttgart. Da haben wir null und überhaupt gar keine Chance – grad jetzt, wo die so gut drauf sind (D a s nenn ich einen Trainer!) – aber das hat gegen die ja schon gute Tradition (= plusminus Null). Nächstes Spiel: Zuhause gegen Schalke. Mit dem wiedergenesenen Altintop (Schlagzeile im Kicker: „Für Halil Altintop ein ganz besonderes Spiel. Er will Trainer Magath und seinen ehemaligen Mannschaftskameraden zeigen, dass er zu Unrecht aussortiert wurde.“) Vollkommen übermotiviert. Eine Zeitlang sieht es trotzdem so aus als ob wir das Ding (Führung durch Maik Franz in der 51. Minute) gewinnen könnten, aber dann geht uns die Konzentration aus. Leichtsinnsfehler. Zehn Minuten vor Schluss Doppelschlag der Schalker: Kuranyi. Farfan (na gut = Vergleich mit Vorrunde = plusminus Null).

Eine unglückliche Niederlage in letzter Minute ist, wie jeder weiß, psychologisch niederschmetternd. Glaubt jemand ernsthaft, dass wir in dieser Verfassung in Hannover punkten? Zumal nämlich sogar d i e irgendwann wieder raus kommen aus ihrem Tief. Aufbaugegner wir sind (= minus 3 Punkte). Dann kommen die Bayern. Dazu brauche ich ja wohl gar nicht mehr groß was zu sagen. Die Bayern. Hey Alter – wir werden uns tapfer wehren, aber der Robben, der schießt uns ganz alleine ab (= plusminus Null).

Jetzt geht die Saison schon auf die Zielgerade und die Lage wird allmählich prekär. Wir müssen nach Bochum ausgerechnet. Die stecken – wie wir – mitten im Abstiegskampf. Ja, wenn wir den Friedhelm noch hätten – der k a n n nämlich Abstiegskampf. Aber Skibbe? Die Punkte in Bochum können wir jedenfalls schon mal abhaken (= minus 3 Punkte). Nächstes Heimspiel, neues Glück? Von wegen. Zu Gast ist Leverkusen. L e v e r k u s e n. Die Mannschaft, die Michael Skibbe maßgeblich mitgeprägt hat. Leverkusen. Der neue deutsche Meister. Noch Fragen? (= plusminus Null)

Zum Glück danach, endlich ein Lichtblick, denn es geht auswärts nach Gladbach. Die haben sich inzwischen Richtung oberes unteres Mittelfeld orientiert, denen kann nix mehr passieren weder nach oben noch nach unten, deren Motivation sackt ab – da ist etwas für uns drin (= plus 1 Punkt).

Eine kleine Serie könnte uns jetzt nicht schaden, aber schon für das Heimspiel gegen Hertha sehe ich wieder schwarz. Die Herthaner haben sich bis dahin nämlich ganz dicht an den Relegationsplatz rangepirscht und lauern jetzt auf ihre letzte Chance. Da wird uns der Friedhelm zeigen wie weit wir gekommen sind, mit unserem gnadenlosen Offensivfußball. Maximal ein Unentschieden wird in diesem Spiel für uns herausspringen: 0:0 (= minus 2 Punkte).

Ok. Jetzt wird es echt bitter. Wir müssen nach M1. Die bilden sich ein, sie hätten mit uns - von wegen Hinspiel - noch ein Hühnchen zu rupfen. Außerdem haben d i e sich in der Winterpause genial verstärkt (So ein Scoutingsystem müsst man haben!). Um es kurz zu sagen: Da ist für uns nichts zu holen (= minus drei Punkte).

Spätestens an diesem Punkt bzw. Nicht-Punkt dürfte jedem klar geworden sein, dass es zwar draußen allmählich Frühling geworden ist, aber wir uns richtig warm anziehen müssen. Die Hoppenheimer kommen. Inzwischen mit neuem Trainer (Veh?) und Ambitionen doch noch einen internationalen Platz zu ergattern (= minus 1 Punkt). Aber es zeigt sich auch ein Lichtlein am Ende des Tunnels: Wir können es am letzten Spieltag immer noch aus eigener Kraft schaffen! Wenn wir in Wolfsburg gewinnen, stehen wir – knapp hinter Hertha – auf dem Relegationsplatz. Und wir gewinnen! (= plus 2 Punkte).

Genau so wird also die Rückrunde verlaufen. Vielleicht auch ganz anders. „Warum gehen die Leute zum Fußball?“ „Weil sie net wissen wie’s ausgeht!“ Manche allerdings schon ,-)