Sonntag, 28. Februar 2010

Try and catch the Wind *

Nein. Verlieren ist nicht schön. Egal auf welchem Tabellenplatz. Auch oder vor allem am Tag danach nicht, wenn man morgens aufwacht - so wie heute zum Beispiel. Der Wind stürmt und pfeift ums Haus, durch den Rolladen blitzt das Sonnenlicht. Sonntag. Ich strecke mich noch einmal wohlig. Und da fällt es mir wieder ein. Verloren. Scheiße.

Dabei hätte das Spiel gestern das Zeug dazu gehabt, ein ganz besonderes Spiel zu werden. Leichtsinnsfehler, fehlende Cleverness, Fehlpässe, zu spätes Aufmachen – all das wäre im Nachhinein schnurzpiep egal gewesen, wenn zwei magische Momente sich am Ende ausgezahlt hätten. Wenn, ja wenn...


Der erste in der 39. Spielminute. Im Strafraum der Stuttgarter. Eigentlich ist die Situation bereits bereinigt. Khedira hat den Ball. Und da... („Ey...der Caio...“ „Was macht der denn da?“ „Der geht ja ab wie Lucie...“ ... kreischt es hinter, vor, neben, aus mir) sprintet Caio von rechts heran, spitzelt Khedira den Ball vom Fuß, eine Körpertäuschung, vorbei an dem Stuttgarter, der sich versucht ihm entgegen zu stellen, mit dem Ball eng am Fuß bis zur Außenlinie, kurzes Aufschauen – ein flacher, präziser Pass vors Tor. Vorbei an Jens-Man, vorbei an einem Stuttgarter Abwehrspieler, auch Meier (war es Meier?) lässt durch – und da, jajajaja, da steht Benny und muss nur noch abtropfen lassen. Toooor. Springe auf. Schreie. Schreie. Fast bleibt mir die Luft weg. Was war das denn? Wackele, wanke. Vermute, dass die Luftblase in meinem Kopf und die wackligen Knie nicht nur dem wunderbaren Tor, sondern vor allem der Tatsache geschuldet sind, dass ich heute noch nichts gegessen habe. Egal. Tor. Tor. Tor. Wir führen in Stuttgart. Na ja. Leider nur kurz…

Der zweite dann 5 Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit. Die Eintracht hat aufgemacht, zu spät, wie ich finde. Aber jetzt. Jetzt wollen wir es doch noch mal wissen. Ümit ist gekommen. Heller. Und Liberopoulos. Liberopoulos? Warum jetzt er? Ok. Egal. Dann eben Libero. Und wir drücken, wir drücken jetzt wirklich, wollen den Ausgleich. Alles nach vorne. Einen Punkt wollen, einen Punkt werden wir mitnehmen. Auf geht’s. Druck aufrecht erhalten, aufrücken. Mist. Wieder so ein unnötiger Ballverlust. Spycher, Russ, Chris – alle noch in der Vorwärtsbewegung. Progrebnjak spritzt dazwischen. Will gar nicht mehr hinkucken. Das war es dann wohl. Er läuft allein aufs Tor, halblinks taucht er vor Oka auf. Zieht ab. Das muss es, das wird es sein. Keine Chance. Aber hey... Oooooka. Jaaaa. Doch. Doch. Er hat ihn. Oka wehrt den Ball ab. Arrrgh. Direkt auf Progrebnjak, der erneut Maß nimmt, fast wie beim Scheibenschießen, halb hoch dieses Mal, ins rechte Eck. Ok. Jetzt wird es fallen. Aber wieder... Oooooooka hechtet, streckt sich (da passt es gut, dass er frisch verlängert ist *g), kommt mit der Hand, der Faust...Kann das sein? Er hat ihn. Er hat ihn wieder. Can’t believe. Das gibt es doch gar nicht. Raus, raus mit dem Ding. Aber auch jetzt kein Glück, keine Gnade. Aller guten, na ja, Dinge sind drei. Wieder direkt auf den Fuß eines Stuttgarters. Alles umsonst. Der dritte wird drin sein, das ist zu viel. Und doch...Oka....irgendwie...Fußspitze. Wow. Wow. Wow.

Spätestens jetzt bin ich mir sicher: Das war der entscheidende Moment dieses Spiels. Diese Großtat kann, wird nicht umsonst gewesen sein. Wir werden den Ausgleich noch machen. Die Nachspielzeit läuft. Schon wieder ein Stuttgarter auf dem Boden. Meeensch. Steh auf. Ballgetändel. Noch höchstens eine halbe Minute. Letzter Angriff. Die Stuttgarter hektisch. Heeeey...Foul, das war ein Foul. Sieht der Schiri auch so – er pfeift. Freistoß, kurz hinter der Strafraumgrenze. Jawohl. Wieder ein Last-Minute-Tor! Erst sieht es aus, als ob Meier sich den Ball zurecht legt. Aber dann kommt Libero dazu. Libero? Klar! Libero! Wer sonst? Jetzt wissen wir, warum Skibbe ihn eingewechselt hat. Er ist dazu bestimmt, den Ausgleich zu erzielen. Was für eine Geschichte. Der fünf Minuten zuvor eingewechselte Liberopoulos triffft in der letzten Spielsekunde. Libero läuft an, der Ball fliegt Richtung Tor. Drüber. Deutlich drüber. Schlusspfiff. Aus.


Wie gesagt: Es hätte ein ganz besonderes Spiel werden können. Hätte hätte Fahradkette. Jetzt halt nächste Woche gegen Schalke. Den Anschluss nach vorne halten. Das Unmögliche möglich machen. Ich trete dann schon mal in Vorleistung und begebe mich jetzt umgehend in die rein hessische Pampa. Was ich da tue? Klar: Try and catch the wind.


* "Hätte. Hätte. Fahrradkette". Nicht nur auf dem Platz, auch beim Bloggen war ein VFBler offensichtlich schneller ,-) - Ehre, wem Ehre gebührt - deswegen habe ich den Titel meines Eintrags nachträglich geändert :-)

Kommentare:

  1. Meine Version der letzten Aktion geht ungefähr so: :-)

    Eine Freistoßsituation, wie geschaffen für Köhler. Aber der ist nicht mehr auf dem Platz. Dann eben für Meier, aber der ist nicht egoistisch genug. Meier überlässt Liberopoulos den Ball und ich winke ab. Wenn, dann für Russ, der im Training die Dinger mit Macht aufs Tor zimmert und versenkt, aber doch nicht Liberopoulos. ... Drüber. Natürlich. Abpfiff. Verschenkt.

    Schöner Eintrag, Kerstin. Danke.

    Gruß vom Kid

    AntwortenLöschen
  2. Kann gut sein, lieber Kid, dass deine Version die realistischere ist...

    Vielen Dank zurück :-)

    AntwortenLöschen
  3. Aber wenn er dann doch reingegangen wäre ... Hätte. Hätte. Fahrradkette. :-)

    AntwortenLöschen
  4. Jetzt halt diese Woche gegen Schalke. Versuchen den Wind zu fangen & nicht vor dem eigenen Wachsen zu kapitulieren. Danke für diesen tollen Bericht, Kerstin! Das macht überflüssige Niederlagen ertragbar.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen,
    Fritsch.

    AntwortenLöschen
  5. Unfassbar, mir so einfach mir nichts, dir nichts, die Überschrift vom Mittwoch zu klauen...

    Ansonsten ein schöner Beitrag, bei dem man schon im Lesen ein irgendwie hektisches Gefühl bekommt. Irgendwie hättet ihrs ja doch verdient gehabt, zumindest einen Punkt aus dem Spiel mitzunehmen - nur wir brauchten die Punkte halt selbst leider auch.

    AntwortenLöschen
  6. @ hirngabel: Ach du Schreck... Hatte ich nicht gesehen... vielleicht beim Net-Zapping unterbewusst hängengeblieben?... das kann man ja nie 100& ausschließen - war aber gewiss kein bewusster Ideenklau. Tut mir leid, wenn bei dir dieser Eindruck entstanden ist. Danke für den Hinweis und für dein Feedback.

    @Fritsch: Gegen Schalke. Jawohl. Den Wind fangen! Danke!

    AntwortenLöschen
  7. Oh, vielleicht hätte ich dann doch noch einen Smiley hinter meinen ersten Satz packen sollen. =)

    So wirklich ernst war der Vorwurf jetzt nicht gemeint. War eher amüsiert, dass die gleiche Überschrift erst bei mir und dann direkt beim nächsten Gegner verwendet wurde. Hab ja kein Anrecht auf den Ausdruck. ;-)

    AntwortenLöschen
  8. Um es mit Badesalz zu sagen: „Ei, da habbe mers ja widder, mir zwei …“ :-) Und mal sehen, auf wen am Ende der Saison das „hätte, hätte..“ mehr zutrifft – auf uns oder auf euch *g.

    Rotundschwarze Grüße ins Schwäbische!

    AntwortenLöschen
  9. Wir werden nicht nur den Wind einfangen-sondern stürmisch-aggressives Pressing spielen und die 3.Punkte hier-im Hessenländle-behalten.
    Wird Zeit-dass wir den nächsten vermeintlich(Grossen)zu Hause-die Punkte abnehmen und der Herr Quälix-wird dann stürmische Zeiten anbrechen lassen in NRW.
    Passt scho.
    LG
    (B)
    Tippe auf Sieg für die Adler-egal was kommt-wir schaffe des.

    AntwortenLöschen
  10. Der Fortschritt besteht schon darin, dass wir jetzt überflüssige Niederlagen haben und keine hochverdienten.

    AntwortenLöschen
  11. Ich habe nicht mal hingucken können, wer den Freistoß ausführt, habe gen Himmel geblickt... Tatsächlich, wäre ja schön gewesen, wenn das der Ball für Libero gewesen wäre. Ihm und uns hätte ich es gegönnt.

    Hätte, hätte, Fahrradkette. Das war schon passend. Netter Zufall.

    Gegen Schalke wird es was! Unbedingt!

    LG Nicole

    AntwortenLöschen
  12. Puh, lieber C-Ieschel, das klingt ja fast philosophisch. Und es stimmt! Das versuche ich auch mal:

    Was ist Fortschritt? Ein weit ausgreifender Schritt nach vorne und bei einer Windböe - statt elastisch wieder zurückzufedern in die Grundposition - zwar leicht schwanken, aber in der Vorwärtsbewegung verharren, um den einmal aufgenommenen Schwung mitzunehmen für den nächsten Ausfallschritt.

    Und – ja: Das „Hätte. Hätte…“ hat gut gepasst. Aber „den Wind fangen“ passt auch :-)Bei mir hat das am Sonntag schon ganz gut geklappt. Der Sturm (und das war ein großer!!**g) hat mich im freien Feld zwar fast von den Füßen geholt, aber ich habe Widerstand geleistet, gekämpft – und gewonnen
    :-)

    Beim Freistoß hab ich dieses Mal - mutig *g- hingeschaut – war mir ja (fast) sicher, dass Libero die ihm zugedachte Mission erfüllt ,-) Und mein Tipp für Samstag, liebe B, steht jedenfalls auch schon.

    In diesem Sinne: Schalke schlagen. Jetzt!

    Danke für eure Beiträge :-)

    AntwortenLöschen