Freitag, 29. Januar 2010

Mützje.

Mützjer sind dieses Jahr angesagt. Jeder hat eins. Bunt oder grau. Gestrickt oder gehäkelt. Lässig über die Ohren gezogen und in den Nacken geschoben. Das ist hilfreich bei kalten Temperaturen, aber vor allem ist es cool. Dem einen steht sein Mützchen mehr, dem anderen steht es weniger. Aber wer es trägt, trägt es aus Überzeugung und mit Grandezza.

Seit Sonntag hab ich ein neues Mützchen. Mitgebracht bekommen. Aus Nürnberg (hurra, hurra). Weder bunt noch grau, dafür schwarz und weiß. Nicht gehäkelt, sondern gestrickt. Und cool ist es natürlich sowieso. Megacool. Aber das ist noch längst nicht das Ende allen Mützchens. Denn schon morgen geht es weiter. Da kommen die Kölner ins Waldstadion und ich und mein Schnupfen, wir sind dabei - mein Mützje natürlich auch. Und die Kölner, die kriegen dann auch eins - und zwar auf's. Sieg!

Donnerstag, 28. Januar 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel: 16. bis 28. Januar 2010

Samstag, 16. Januar
Rückrundenauftakt. Eintracht gegen Werder. Die Welt ums Waldstadion versinkt im Schneematsch. Wir stapfen und schlittern. Am Bratwurststand stehen vor uns zwei kleine Jungs, deren Eintracht-bemützte Köpfe grade mal bis zum Tresen der Wurstbude reichen. „Zwei Bratwürste“ bestellen sie und schauen erwartungsvoll nach oben. Die nette Frau hinterm Tresen hangelt von oben nach dem 5 Euro-Schein, der ihr entgegengestreckt wird, die Jungs greifen von unten mit beiden Händen nach den ihnen entgegengestreckten Brötchen mit der dampfenden Bratwurst. „Ketchup?“ Begehrliche Blicke. Nicken. „Jaaaaaa!“ Halb über dem Tresen hängend bekommt jeder von beiden eine extragroße Portion Ketchup auf seine Wurst gedrückt. Glückstrahlend zockeln die beiden ab.


Im Stadion. „Die Frankfurter“ doziert der fränkische Fußballexperte links von mir, der zwar einen Eintracht-Schal um den Hals und eine Eintracht-Kapp auf dem Kopf hat, aber verbal immer einen gewissen Abstand zu uns hält, „Die Frankfurter halten bis zur Halbzeit das 0:0, dann kommen der Pizarro und der Almeida und Bremen gewinnt mit 2:0.“ Denkste.

Die Eintracht hat jetzt 27 Punkte und steht auf Platz 7. Yep. Yep. Yep. Ist der Zement jetzt Schnee von gestern?

Sonntag, 17. Januar
Tatsächlich: Über Nacht ist es deutlich wärmer geworden und der Schnee von gestern plitscht und platscht in Stürzbächen vom Dach. Im zweiten Sonntagsspiel der Bundesliga siegt Borussia Dortmund in letzter Minute beim 1. FC Köln. Den auf die Tribüne verbannten Jürgen Klopp freut das so, dass er zu einem Heiner-Brand-Gedächtnislauf startet.


Habe heute sehr viel vor – stattdessen bastele ich den lieben, langen Nachmittag an einem Alex-Meier-wird -27-Geburtstagsporträt. Sechs Seiten sind gefüllt und kein Ende in Sicht. „Aha… das nennt man dann wohl: mit Kanonen auf Meier schießen“, meint mein Mit-Adler und hat gerade noch Zeit den Raum zu verlassen, bevor ich handgreiflich werde.

Na gut, dann eben hier nur…ähem… ein kurzer Auszug:


Erinnerungsflash. 4. August 2004. Die Eintracht tritt in der Saisonvorbereitung zu einem Benefizspiel gegen den TV Haßloch an. Das Spiel findet in Rüsselsheim, im Stadion am Sommerdamm statt, dort, wo der SC Opel Rüsselsheim – die Opler - früher, in besseren Zeiten, ihre Heimspiele austrugen. Ich liebe es, in der Saisonvorbereitung mit der Eintracht über die Dörfer zu tingeln – aber dieses Spiel war für mich darüber hinaus ein irgendwie besonderes. Ich bin in Rüsselsheim geboren und aufgewachsen, mein Vater – von dem ich, wie von meinem Opa, die Liebe zum Fußball und zur Eintracht geerbt habe - hat für den TV Haßloch Fußball gespielt. Insbesondere auch für meinen Vater hätte dieser Tag also ein ganz besonderer sein können, ja müssen. Aber aus irgendeinem dieser nichtigen Gründe, an die man sich später nicht mehr erinnern kann, war er an diesem Tag nicht mit ins Stadion gekommen. Später wussten wir, dass es eine der letzten Gelegenheiten für ihn gewesen wäre, seine Eintracht und seine Haßlocher noch einmal live zu sehen.

Genau in diesem Spiel war es, dass mir ein Spieler ganz besonders aufgefallen ist, ein Neuzugang. Groß, schlaksig. „Das kann einer werden“, dachte ich. Wie der sich bewegte, geschmeidig, trotz seiner Größe, Zug nach vorne, Blick für seine Mitspieler - und, als auffallendstes Merkmal, unheimlich viel Gefühl im Fuß. Die Rede ist natürlich von Alex Meier. Und seit dem Tag, an dem ich ihn in Rüsselsheim gesehen habe, hab ich – zumindest ein bisschen – das Gefühl, dass ich ihn mit entdeckt habe. Und obwohl ich weiß, dass es nicht so war, könnte ich heute fast schwören, dass mein Vater bei diesem Spiel neben mir gestanden und mir zugestimmt hat: "Das wird einer!"

Zum Abendessen holen wir uns heute Döner.

Montag, 18. Januar
Überraschung am späten Abend im HR-Heimspiel: Ein gut gelaunter Michael Skibbe ist zu Gast. Ob das am Sieg gegen Werder liegt? Oder daran, dass sein Freund Rudi Völler neben ihm sitzt? Oder freut er sich, dass er heute überraschend doch noch einen Neuzugang verkünden kann? Ein vielfacher Nationalspieler. Na, das klingt ja spannend. Sicher ein Stürmer? Nein, ein Defensiv-Mann. Nun ja. Naheliegend, wenn man offensiver spielen und mehr Tore erzielen will.

Die Interviewgruppe ist auf einem Sofa platziert, direkt dahinter, immer gut im Bild, eine junge Frau mit rosa Schal. Da handelt es sich wohl um eine optische Täuschung, kann ja gar nicht sein. Die Eintracht ist rotundschwarzundweiß. Das muss dann wohl an meiner rosaroten Brille liegen.

Dienstag, 19.Januar:
Tatatata: Eintracht Frankfurt proudly presents: „US-Boy“ Ricardo Clark erhält die Nummer 13. Er ist in der Vergangenheit nicht unbedingt wegen seiner herausragenden Fairness aufgefallen. Allerlei Wortspiele liegen nah. Der Kicker titelt „Eintracht und die wilde 13“, demnächst vielleicht „jetzt schlägt‘s 13“. Na ja, solange kein Grund besteht, dass ein „hier tritt die 13“ daraus wird, soll’s mir recht sein.

Das neue Jahr ist noch nicht mal drei Wochen alt, aber die Hektikkurve zeigt schon wieder steil nach oben. Trotzdem: Ein kurzes Zappen morgens durch die Eintracht-News im Netz muss sein. Im Eintracht-Forum
stoße ich auf einen TV-Tipp für einen Dokumentarfilm über Frankfurt. Mist. Verpasst. Aber – was für ein Glück – das Video ist vorübergehend auf der HR-Page hinterlegt. Klick. Das war ein Fehler – hab ja eigentlich keine Zeit und bleibe jetzt trotzdem hängen an und in den "Bildern einer verschwundenen Stadt“ , die ich in kleinen Schnipseln zwischen Telefonate und Papierberge schiebe. Eine Kette von bisher unveröffentlichtem Bildmaterial und damit verwobenen Geschichten. Das Strandbad am Main. Gediegenes Bürgertum. Die Arbeiterolympiade. Hochwasser. Die engen Gässchen zwischen Dom und Römer, die von den Bürgern der Stadt eher gemieden wurden. Bilder aus der Nazi-Zeit. „Negerfamilien“, die im „Tierpark“ neben Elefanten und Löwen zu besichtigen waren. Die ersten Waldrodungen zum Ausbau des Flughafens. Dazwischen immer wieder der Schwenk zu Zeitzeugen, die aus ihrer Kindheit und Jugend berichten. Eine reizende ältere Dame erzählt vom Zeppelin, der „alle vierzehn Daach“ in Frankfurt einschwebte. Das war ein Ereignis, das alle bewegte. „De Zeppelin is da.“ Ihr Bruder, der in den USA lebte wurde per Luftschiff regelmäßig mit allem versorgt, was man in der Fremde so braucht - z.B. mit „Krimmelkuche“. Auch der Vater eines Forums-Adlers ist im Film als Zeitzeuge vertreten. Welcher es wohl ist? Ich tippe auf den pensionierten Schuldirektor, der vor prall gefüllten Bücherregalen, sitzt. Frage nach. Ja, genau das ist er. („Hast du gesehen? Die Flasche Rotwein im Hintergrund? Darüber lacht immer noch die ganze Familie, dass er die Flasche vorher nicht weggestellt hat.“) Der Forums-Adler berichtet, dass sein Vater auch sonst häufig in Sachen Frankfurt unterweg ist, an Schulen über die Zeit während und nach dem Krieg berichtet, über die guten und über die weniger guten Tage. Freue mich über den netten PN-Kontakt und den Umweg über das alte Frankfurt, den ich heute sozusagen auf dem Weg zur Arbeit genommen haben.

Vom Trainingsgelände draußen im Wald gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: Ümit Korkmaz trainiert wieder voll mit, dafür hat Pirmin Schwegler eine leichte Blessur am Knie davon getragen. Sein Einsatz gegen Nürnberg ist fraglich.

Mittwoch, 20. Januar
Die Mainzer Allgemeine Zeitung berichtet, dass in einem Mainzer Vorort ein Wildschwein
in einem Baumarkt aufgetaucht und spurlos wieder verschwunden sei. Pah. Wildschwein im Baumarkt. Es soll sogar Schweine geben, die in Begleitung von Adlern ganze Fußballstadien stürmen. Hier zum Beispiel die Alm in Bielefeld:

(Trotz Schwein ging dieses Spiel, am 8.4.2006, übrigens leider mit 1:0 verloren, aber dafür drei Tage später in Frankfurt ... genau :-).

Donnerstag, 21. Januar
Inzwischen ist klar, dass das Erdbeben in Haiti weit über 100.000 Menschen das Leben gekostet hat. 100.000? Angesichts dieser Verheerungen konzentrieren sich die deutschen Leitmedien auf das Wesentliche: Gestern hat die Tagesschau als Topmeldung verkündet, dass sich unter den Toten auch eine Deutsche befindet. Heute berichtet die Blöd-Zeitung auf Seite 1, dass es wahr und wahrhaftig ein deutscher Hund war, der noch acht Tage nach dem Beben eine Verschüttete gerettet habe. Man muss halt Prioritäten setzen. (Der Hund hieß übrigens „Pablo“).

Bei den Senatswahlen in Massachusetts verlieren die Demokraten ihren angestammten Sitz. Eine Absage an die Gesundheitsreform Obamas? Mag sein. Letztlich waren es wohl aber die Red Sox, das Bostoner Baseball Team, das die Wahl entschieden hat. Die demokratische Kandidatin hatte nämlich im Wahlkampf Curt Schilling, einen legendären früheren Pitcher der Red Sox , als „Yankee“ beschimpft. Karl, mei Drobbe – wie blöd kann der Mensch sein? Man stelle sich vor: Petra Roth würde im Wahlkampf Jürgen Grabowski als Offenbacher bezeichnen. Wer würde sie dann noch wählen? Gute Idee eigentlich….

Freitag, 22. Januar

Klong. Ein dumpfer Schlag gegen die Fensterscheibe. Ich schrecke vom Schreibtisch hoch. Was war das denn? Stürze zum Fenster. Shit. Unten im Hof liegt eine Amsel, merkwürdig verkrümmt. Renne nach unten, nähere mich vorsichtig. Mit weit aufgerissenen, entsetzen Augen starrt sie mich an. Hier Ist nichts mehr zu helfen. Oder doch? Armes kleines Tier. Kälte, Sturm und Schnee hat es überstanden. Und jetzt liegt es doch hier am Boden. So hilflos. Polstere einen Korb mit Tannenzweigen. Vorsichtig, vorsichtig lege ich das Amselmännchen hinein. Vielleicht… aber, nein. Einige Minuten später ist der kleine Körper erschlafft. Die Amsel ist tot.

Ein ganz normaler Tag mit einem traurigen, kleinen Tupfer.

Samstag, 23. Januar

Bin zwar heute nicht beim Spiel in Nürnberg, aber per SMS-Live-Ticker immerhin fast. Von der Anfahrt im Fanzug der Ultras (11.15 Uhr: Böller in der Kniekehle“) mit einem Umweg über Fürth (11.55 Uhr: „Ortsausgang Fürth von der Poli abgesperrt“) und damit verknüpfter Nahrungsaufnahme (12.15 Uhr: „Essen jetzt erstma Pizza“) bis zum Stadion (15.05 Uhr: „Alle mit schwarzweißen Mützen“), schließlich ins Stadion hinein (15. 31 Uhr: „Feuerwerk“ *15.34 Uhr: „Tribüne über uns wackelt“ * 15.58 Uhr: „Oka - wow“ * 16.07 Uhr: „Shit.“ * 16.14 Uhr: „Yessssss. Wer war’s?“) und wieder hinaus (17.25 Uhr: „Zum Glück gleich raus aus dem Block. Jetzt abgesperrt, kommt erstma keiner mehr raus.“) bis zur Ankunft wieder daheim . Letzte SMS um 00.03 Uhr: „Jetzt wieder back in M1.“

Danke, liebe Mit-Adler, für den Live-Vor-Ort-Dabei-Ticker. Und fürs Mützje :-)

Wer, wie ich, nicht in Nürnberg dabei war oder wem der SMS-Ticker nicht ausreicht, kann - wie immer - hier einen sehr feinen ausführlichen Bericht über das "Heimspiel" nachlesen.

Sonntag, 24. Januar
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Marmelade Fett enthält. Außerdem, dass die Erde sich "anthropogen" erwärmt und die Gletscher im Himalaja bis zum Jahr 2035 alle schmelzen. Oder auch nicht. Dass die bei H&M für 9 Euro 90 verscherbelten Klamotten aus astreiner 1a-Bio-Baumwolle bestehen. Oder auch nicht. Dass die WHO zu Recht vor einer Schweinegrippe-Pandemie gewarnt hat. Oder auch nicht. „In allem is Beschiss, nur in de Milch is Wasser.“ Ach, wenn’s bloß so einfach wäre.

Am Abend fängt es an zu schneien. Unaufhörlich und stetig. Dichte, weiche, weiße Flocken. Sitzen, trinken, schwätzen. Vorm Schlafen gehen geh ich noch einmal ums Haus, versinke bis zu den Knöcheln im Schnee, die nassen Flocken verfangen sich in meinem Haar. Die Welt glitzert. Wunderlich vermischt sich das, was ich sehe, mit den Zeilen aus einem Buch der wunderbaren Willa Cather, das ich gerade lese. „Die Nacht war vom stillen Mondlicht erfüllt, und schon eine Stunde nach Sonnenuntergang klebte der Schnee festgefroren auf Dächern und Turmspitzen und Bäumen. Auf dem Felsen war alles mit glitzerndem weißem Eis überzogen. Es war ein Anblick, der die stumpfesten Gemüter bewegen konnte.“ Es schneit. Es schneit.

Montag, 25. Januar
"Beeepbeepbeeep" trötet der Wecker. Keine Zeit mehr für Winterträume. Schnell. Schnell. Schon zu spät. Hinaus, hinaus. Es ist glatt draußen. Die Straßen verschneit. Staus. Lärm. Seufz.

Bin heute bei einem Tagesworkshop in Mainz. Mittagspause. Ein junger Mann fragt mich, ob ich weiß, wo’s hier zu Fielmann geht. „Hier lang?“ fragt er und zeigt nach rechts. Ich stutze einen Moment. Nönö. Nicht nach rechts, grad andersrum – links abbiegen – da ist Fielmann. Der junge Mann bedankt sich. „Da lang? Echt? Wissen Sie: Ohne Brille seh ich halt nix.“ Hier scheint es sich also um einen echten Notfall zu handeln.

Um halb neun müd, hungrig und schnupfennasig wieder zu Hause. Kurzer Blick ins Netz. Mist. Was sich nach dem rüden Foul von Andreas Wolf am Samstag schon andeutete, ist jetzt Gewissheit: Pirmin Schwegler wird längere Zeit ausfallen. Und noch eine Neuigkeit gibt es: Oka Nikolov liegt ein Angebot von Red Bull New York vor. Unser Oka? Nach New York? Nehme einen großen Schluck aus der neben mir stehenden Bierflasche. Darüber will ich jetzt erst einmal nicht so genau nachdenken.


Dienstag, 26. Januar
Es gibt Dinge, die ändern sich nicht. Zum Beispiel die Witze auf Abreisskalendern.

Apropos „aus“ und „wechseln“: Kurz vor Ende der Transferperiode deutet sich jetzt doch noch ein Neuzugang bei der Eintracht an. Halil Altintop ist es. Nicht Gekas, nicht Voronin - Altintop, war es, den wir schon imme gewollt haben. Er ist der, der uns sofort weiterhilft, und trotzdem mittelmäßig genug ist, damit er zu uns passt. Oder so ähnlich.

Mittwoch, 27. Januar
Ein verwirrender, wehmütiger Tag. Und den Schnipsel dazu gibt es schon: Hier!

Donnerstag, 28. Januar
Unruhige, wirr verträumte Nacht. Übermüdet. Schnupfen - immer noch oder schon wieder. Meine Arbeit geht mir schwerer als sonst von der Hand. Um 14 Uhr Pressekonferenz bei der Eintracht. Die Vorstellung von Halil Altintop - herzlich willkommen! - rückt in den Hintergrund. Wir alle wollen wissen: Was ist mit Christoph Preuß? Der Live-von-der-PK-Ticker im Blog G lässt keine Zweifel mehr offen:
Die Verletzung am Knie ist schwerwiegend. Christoph Preuß hat bereits vorher entschieden, dass er bei einer weiteren Verletzung keine weitere OP, keinen weiteren Kampf zur Rückkehr in den Profi-Fußball auf sich nehmen würde. Er beendet seine Profi-Karriere, ist traurig und doch gefasst.Tapfer. Heribert Bruchhagen war sichtlich mitgenommen, berichtet später die Frankfurter Rundschau. Die Mannschaft, der Trainer, die anwesenden Journalisten – bewegt und erschüttert. Zu krass die Kontraste: Gestern noch die Bilder des strahlenden Christoph Preuss vor der Fan-Kurve in Nürnberg und jetzt, fünf Tage später das endgültige Aus. Die Eintracht-Welt steht einen Moment still. War, ist der Kampf ums Glück vergebens? Kid Klappergass findet die Antwort: Nein. Never. Er hat recht!

Als sei dies nicht genug, steht ein weiterer Abschied bevor. Die Eintracht wird, wie es aussieht, künftig wohl auch ohne Oka Nikolov auskommen müssen. Bei dieser Vorstellung ziept mein Herz und mein Magen dreht sich um. Aber wenn Oka nach New York will, dann, lieber Herr Bruchhagen, dann müssen Sie ihn gehen lassen. Fast 20 Jahre. Immer da. Immer ein Rückhalt der Mannschaft. Jetzt kann die Eintracht ihm etwas zurückgeben. New York. New York. Oka ist Adler – und Adler können, Adler müssen fliegen. Mit frohem Herzen und begleitet von allen guten Wünschen.

Zwei Abschiede, aber auch zwei Anfänge, die unterschiedlicher nicht sein können. Danke, Christoph! Danke, Oka!

„We’ve been through some things together
With trunks of memories still to come
We found things to do in stormy weather
Long may you run
Long may you run, long may you run
Although these changes have come
With your chrome heart shining in the sun
Long may you run”


Mittwoch, 27. Januar 2010

"It's alright, Ma..."

Es ist fitzefatze klirrend kalt. Minus 12 Grad zeigt das Thermometer heute am frühen Morgen. Meine Nase tropft, der Schreibtisch quillt über vor Arbeit. Die Eiseskälte legt sich auf den Tag und scheint wie gemacht für die wehmütigen, verwirrenden Nachrichten, die er aus allen Richtungen bringt. Rückschlag. Abschied. Überraschende Wendungen. Neuanfang. Lebenswege. Treue. Vernunft. Hoffnung. Resignation. Mut. Wehmut. Verständnis. Traurigkeit. Aufbruch. Meldungen im Stundentakt. Gefühls-, Gedanken- und Erinnerungswirrwarr. 24 Stunden. Keine Worte.

Vielleicht passen die, die Johnny Cash gefunden hat?



Mehr Worte - und zwar in Form von Schnipseln - gibt es morgen.

Sonntag, 24. Januar 2010

"Ich hab sie noch kommen sehen."

Unvergessen der Aufschrei eines Freundes meines Mit-Adlers, der – noch zu WG-Zeiten – nach einer Fete aus Platzgründen in irgendeinem Kellerraum unter der Tischtennisplatte genächtigt hatte, morgens aus dem Schlaf schreckte und sich – in vorübergehender Unkenntnis seiner Lage – ruckartig aufrichtete. „Ich hab sie noch kommen sehen.“ Waren seine ersten Worte nach dem gewaltigen Knall, mit dem sein Kopf von unten an die Tischtennisplatte gedonnert war. Vielleicht war es auch umgekehrt und...mmh.... die Tischtennisplatte sah ihn?

Wie auch immer: Je früher man etwas sieht, desto mehr hat man davon. In diesem Sinn war das Tor gegen den Club am Samstag eines der „längsten“ Tore, die ich je gesehen habe. Nicht das erste, nein, das nicht, denn ich habe im Stadion häufig das Gefühl, dass die Welt, in dem Moment, in dem ein Tor für die Eintracht fällt, einen Moment stehen bleibt und ich jede Bewegung ganz genau, fast surreal, wie aus der Zeit gebeamt wahrnehme. In der Nachbetrachtung kommt es mir dann so vor, als hätte ich das Tor in Zeitlupe gesehen und kann jedes Detail beschreiben – wenn ich die Szene dann später im Fernsehen noch einmal in der Wiederholung sehe, stellt sich nicht selten heraus, dass meine Beschreibung vielleicht doch nicht ganz genau mit der Realität übereinstimmt. Aber das....ähem... ist ein anderes Thema.

Das Tor in Nürnberg habe ich jedenfalls ganz sicher ganz genau gesehen. Oder besser: Ich habe es ganz genau kommen sehen - ich sah also, dass es fällt, bevor es fiel. Und zwar so: Schwegler schiebt den Ball lang durch auf den rechts startenden Ochs. Verdammt, denke ich. Der Ball hat zu viel Speed, den kriegt er nicht mehr. Aber doch. Ochs kriegt ihn, kurz vor der Torauslinie. Er rutscht in den Ball, bekommt den Fuß wunderbar darunter, zieht ihn kraftvoll nach Innen, der Ball hebt ab – und genau in diesem Moment sehe ich, dass... 7, 8 Meter vor dem Tor... Benny Köhler... ich springe vor dem Fernseher auf ....“Tooooooooooooooooooooooooooor“, schreie ich, während der Ball gerade erst dabei ist mit viel Effet in hohem Bogen Richtung Strafraum zu segeln. Höher, höher steigt er, der Ball und erreicht den höchsten Punkt genau in dem Moment als er über Raffael Schäfer angekommen ist. Der reckt sich nach ihm, ebenso verzweifelt wie vergeblich – nein, nein – er wird nicht dran kommen - während der Ball sich jetzt besinnt und kaum dass er an Schäfer vorbei ist – fast als würde er ihm „kuckuck“ oder „ätschbätsch“ zurufen – die Kurve nach unten nimmt. Er senkt sich ab, senkt sich - genau da hin, wo Benny Köhler schon wartet. Mutterseelenallein. Vor dem Tor. Fast unbedrängt. Noch ein kleiner Wackler des Balls, Beny Köhler steigt, legt sich in den Ball, ein dem-Ball-entgegenkommendes wuchtiges Nicken des Kopfballungeheuers.... „Tooooooooooooooooooor!“ Jetzt haben es also auch die anderen, hier vor dem Fernseher und in Nürnberg im Stadion, gemerkt und fallen in meinem Jubel ein.

So war das. Und haben wir uns also gestern alle über den Ausgleichstreffer gefreut - so hatte ich ein bisschen mehr und ein bisschen länger etwas davon. Falls ich jetzt gleich in der Aufzeichnung des Spiels sehen sollte, dass es alles doch ganz anders war. Sei’s drum. Trotzdem :-)

Freitag, 22. Januar 2010

"Back mer's!" Oder: Die Geschichte von den Adlern, die auszogen, das Glück beim Schopf zu packen

Draußen herrschte Winter und die Tage waren kurz und die Nächte kalt und dunkel. Trotzdem war es noch nicht einmal sieben Tage her, dass vor den Toren der großen Stadt Frankfurt im hellerleuchteten Stadion im Walde ein großes Fest gefeiert worden war. Die heimischen Fußballhelden mit dem Adler auf der Brust hatten gegen die eigentlich favorisierte Mannschaft aus dem hohen Norden den Sieg davon getragen. Abertausende waren gekommen, um ihr Team, um ihre Adler anzufeuern und zu bestaunen und sie wurden nicht enttäuscht. Gar munter und geschwind lief der Ball durch die eigenen Reihen, gar heftig wogten die Angriffswellen in die eine und in die andere Richtung. So mitreißend und leidenschaftlich waren die Kampfeslust und der Siegeswille der Spieler, dass die Menschen auf den Rängen vergaßen wie kalt und nass und grau die Welt war und sich singend und lachend in den Armen lagen. Scheinbar geschwächt und dezimiert waren sie in die Rückrunde gegangen, vor allzu viel Euphorie war gewarnt worden. O weh, o weh - man dürfe sich nicht von den Erfolgen der Vorrunde blenden lassen, gar schnell könne das Blatt sich wieder wenden, wenn nicht rasch für eine Verstärkung der Mannschaft gesorgt werden würde. Umso größer war jetzt das Jubeln und Frohlocken.

Ganz anders im fernen Frankenland, wo die Adler am jetzt bevorstehenden Wochenende antreten würden. Dort herrschte Angst und Schrecken, denn gar wenig aussichtsreich standen die Mannen aus Nürnberg fast am Ende der Tabelle und fürchteten, auch in diesem Jahr wieder einmal den Gang in die Zweitklassigkeit antreten zu müssen. Zwar hatten die Männer aus der Dürer-Stadt in der größten Hallenfußball-Arena des Ruhrgebiets in der Vorwoche durchaus ansehnlich gespielt. Gegen die Mannschaft, die von Goldvorräten aus dem großen Reich im Osten genährt wurde und an deren Spitze der allgewaltige und furchteinflößende Felix stand, hatten sie am Ende nur knapp mit 0:1 verloren und gar deutlich gezeigt, dass sie nicht gewillt waren, sich kampflos in ihr trauriges Schicksal zu fügen. Mit aller Macht wollten sie sich dagegen stemmen, den Gang in die Niederungen der zweiten Liga anzutreten. Deswegen hatten sie kürzlich sogar den Junker Michael geopfert, der vor noch nicht allzu langer Zeit als große Hoffnung unter den Fußballehrern gepriesen wurde und angetreten war den Mannen, die rauh und volkstümlich Glubberer genannt wurden, neues und junges Leben einzuhauchen. Stattdessen leitete jetzt der erfahrene Kämpe Dieter die Geschicke der Mannschaft und beschwor mit rauhen und markigen Worten die große Tradition des Vereins.


Im heiteren und sprachgewandten Hessenland („Ei, un – wie geht‘s?“ „Ei, wie werds gehe, wenn die Eintracht gewinnt? Gut!“) herrschte derweil immer noch eitel Sonnenschein. So sehr waren die Mannschaft und ihre Anhänger in den vergangenen Monaten gebeutelt worden, dass sie nur allzu gerne bereit waren, den Moment zu genießen und sich des neu gewonnenen Glücks zu erfreuen. Unfrieden hatte geherrscht in den Wäldern, Netzen und an den Ufern des Maines. Uneins war man sich über den Kurs, den der Adler nehmen sollte und welche Mittel es seien, die den glückverheißenden Weg ebnen könnten. Jetzt stand man, vermeintlich gefestigt in der Mitte der Liga und erfreute sich seines Daseins. Wie vom Übungsleiter der Adler, dem visionären Michael, gewünscht, war im Laufe der Woche nach dem großen Sieg gegen die Hanseaten tatsächlich ein weiterer Kämpfer aus einem Land jenseits des Ozeans zu den Adlern gestoßen. Nein, kein Stürmer, ein Defensivmann war es. Wild und unbeherrscht sei er, was von bewegten Bildern bestätigt wurde, aber auch von großer Kampfeskraft. Das Staunen war groß. Mit Ah und Oh wurde die Mitteilung aufgenommen. War nicht von der händeringenden Suche nach einem Stürmer die Rede gewesen? Aber wohlan – so war es denn und so sollte es sein. Galt doch die eiserne Regel: Was im Adler-Olymp beschlossen wird, ist wohlgetan. Und wer im Wald die Fußballschuhe für die Adler schnürte, war herzlich willkommen und würde sicher schon bald sein Scherflein zum Erfolg der Adler beitragen.


Unterdessen waren die Vorbereitung für das große Match im Frankenland bereits weit gediehen. Trainer und Mannschaft hatten in den vergangenen Wochen lernen müssen, auch ohne wichtige Stützen auszukommen, die in den vergangenen Jahren nicht wenig zu Ruhm und Ehre der Adler beigetragen hatten: Der starke und heldenhafte Grieche Ioannis, der immer noch an den im Kampf erlittenen Blessuren laborierte, der Haken schlagende, jungenhafte Martin, dem immer wieder neu zu überstehende Operationen schwer auf dem Gemüt lasteten – aber auch der hoch veranlagte Zlatan, der immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. Immerhin war der wieselflinke Ümit im Laufe der Woche wieder zur Mannschaft zurückgekehrt. Sorgen bereitete, dass die Mannschaft im fernen Frankenland auf eine weitere Stütze würde verzichten müssen, die noch in der letzten Woche einen überaus wichtigen Beitrag zum Sieg gegen die Bremer geleistet hatte:Der überragende, spielintelligente und geschmeidige Chris, das Herzstück der Adler-Defensive, hatte einmal zu häufig den Wortwechsel mit dem großen Meister der Pfeife gesucht und musste deshalb pausieren. Auch der federleicht-tänzerische, dabei schussgewaltige Pirmin, der erst in dieser Saison zur Mannschaft gestoßen war, hatte sich im Training eine heftige Schramme zugezogen und würde den Weg nach Nürnberg nicht mit antreten können.


Wie glücklich war die Mannschaft zu preisen, dass andere, ähnlich gut gerüstete Mannen bereits in den Startlöchern standen, um das Adlertrikot überzustreifen und ihre Mannschaft zu verstärken. Der tapfere Christoph, der nie aufsteckte, hatte nach langer und schwerer Verletzung durch unermüdlichen Fleiß und Disziplin wieder den Weg zurück zur Mannschaft gefunden und konnte bereits fast wieder an alte Stärke anknüpfen. Auch die Nachwuchs-Adler, die bisher ihre Kräfte in den Spielen der unteren Klassen, hatten ausprobieren dürfen, brannten darauf ihr Können und ihre Kampfeskraft auch auf der großen Bühne unter Beweis zu stellen: Der schnelle, unerschrockene Sebastian, der technisch beschlagene und bewegliche Marcel, der ungestüme und torgefährliche Marcos, der körperlich robuste Juhvel – sie alle standen bereit.

Und dann waren da natürlich auch noch all die, die in den vergangen Wochen bereits gezeigt hatten, dass künftig mit Ihnen überall in den Arenen des Landes zu rechnen sein würde, und die das hessische Herz stolz und weit machten: Allen voran der zuverlässige und reaktionsschnelle Oka, der nicht von ungefähr der "ewige" geheißen wurde, und ein nicht wegzudenkender Rückhalt der Mannschaft war. Dann der kraftvolle, einsatzfreudige Patrick, der seit kurzem von seiner angestammten Position auf der rechten Außenbahn ins Mittelfeld gewechselt war und von dort noch mehr Dynamik und Spielfreude ausstrahlte. Der hochgewachsene, unermüdliche Alex, der sich – allen Widrigkeiten zum Trotz - auch unter dem neuen Übungsleiter durchgesetzt hatte und jetzt mit dem Instinkt und dem Ballgefühl des großen Fußballers auch seine Kritiker zu überzeugen wusste. Wuschu, der Kapitän der Mannschaft, der, obwohl mitunter ob seines Schweizerseins belächelt, unermüdlich und fleißig auf der linken Seite für Ordnung sorgte. Der wilde Maik, der sich draußen im Land den Ruf eines Rauhbeins erworben hatte und doch mit seinem fußballerischen Können, aber auch mit seinem heiteren Wesen die Herzen der Adler-Fans im Handumdrehen erobert hatte. In Nürnberg neben ihm in der Innenverteidigung: Der schlaksige, ballsichere, aber mitunter etwas leichtsinnig Marco, ein Frankfurter Eigengewächs, das seinen Weg gehen würde. In der Spitze: Nikos, ein erfahrener Kämpe, der wohl im Laufe der Jahre an Schnelligkeit und Treffsicherheit eingebüßt, aber an Klugheit und Cleverness hinzugewonnen hatte und gar trefflich die Kunst beherrschte, den Ball vor dem gegnerischen Tor zu halten und Zeit zu gewinnen – dabei unterstütz von Selim, dem mitunter etwas schwerfällig wirkenden Mittelfeldmann, der in den letzten Spielen immer besser zu gefallen wusste und in der Offensive Akzente zu setzen vermochte. Fraglich war, wen der Übungsleiter zur weiteren Verstärkung der Offensivbemühungen aufbieten würde: Den wuseligen, taktisch klugen Benni oder den etwas trägen, dafür ballgewandten und schusssicheren Caio, dem es in den vergangenen Jahren unter vielen Wirren zwar nicht gelungen war, den erträumten Zauberfußball zu zelebrieren, aber dennoch seinen Platz in der Mannschaft gefunden hatte.


Wer auch immer für die Adler im Stadion zu Nürnberg auflaufen würde – er würde alles für die Mannschaft geben. Von nah und fern wurden Adler-Anhänger erwartet. Mit Bussen, in Zügen und Autos strömten sie heran, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Fast schwindelig werden konnte einem beim Gedanken an das Herannahende. Bei einem Sieg würden die Adlerträger 30 Punkte auf ihrem Konto versammeln. 30 Punkte, mit denen – allen Unkenrufen zum Trotz – zumindest für den Moment das Tor nach oben einen Spalt breit aufgestoßen würde. War es vermessen an so viel Fortune, an eine so glückliche Wendung des Fußballschicksals zu glauben? Was würde obsiegen: Der Überlebenswille der Nürnberger, die sich am Rande des Abgrundes wähnten? Oder die Adler, die mit endlich wieder weitgespannten Flügeln bereit waren, dem Regenbogen entgegen zu fliegen?

Ähem. **räusper** Was ich eigentlich sagen wollte: Sieg!

Montag, 18. Januar 2010

Am Tag danach :-)

Schnappschuss. Sonntag, 17. Januar 2010. Bremen.

Vielen Dank an Weserbembel für die Zusendung des Fotos!

Freitag, 15. Januar 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel 30. Dezember 2009 bis 15. Januar 2010

30. Dezember
Nach ruhig verträumten, durchlesenen, luftigen, freien Tagen nähert sich der Jahreswechsel. Es ist kalt, nieselregnerisch. Wie wird das Wetter an Silvester? Jörg Kachelmann meint: „Sicher ist, dass es ab morgen unsicher wird.“ Wenigstens etwas, auf das man sich verlassen kann.

31. Dezember
Bin ein bisschen erkältet und matt. Leise Melancholie. Wieder ein Jahr vorbei. Im Briefkasten finde ich einen Umschlag mit einem Brief von meinem Doktorvater. Er hat ein kleines Büchlein veröffentlicht, schickt es mir und meinem Mit-Adler. Aphorismen und Gedanken zu Faust II. Eine persönliche Widmung. Bin gerührt. Tränen kullern. In der Stadt der nächste Gefühlsflash. Trinke einen Kaffee, will noch kurz eine Zeitschrift besorgen – plötzlich steht mir eine liebe Bekannte gegenüber, die ich schon seit zwei Jahren nicht mehr gesehen habe. Wir umarmen uns, schwätzen und brabbeln, stehen wie aus der Zeit gebeamt in der Fußgängerzone und können gar nicht mehr aufhören zu erzählen. Warum nur, warum haben wir solange nichts mehr voneinander gehört? Bald, ganz bald müssen wir uns mal an einem Abend zusammensetzen. Beschwingt mache ich mich auf den Nachhauseweg – der Tag hat auf einmal einen warmen Glanz.


Bumm. Krawumm. Radaddazong. Gesang. Gegröle. Gedöns. Gruppen und Grüppchen von Teenies ziehen ab dem frühen Nachmittag durch den kleinen rheinhessischen Ort, in dem wir leben. Nicht nur Kaffee, auch Silvester to go ist im Trend. Die Katze hat sich längst im hintersten Winkel des Hauses unter eine Decke verkrochen. Mitternacht. Die Welt taucht in ein glitzerndes Meer aus Licht und Flimmern, Rauch und Farben. Wir stehen unter dem Nachthimmel, lassen die Funken auf uns regnen und verbrennen Wunderkerzen. Prost Neujahr. Prost Neujahr.

Anders als in den vergangenen Jahren wollen wir heute früh ins Bett und dann kommt alles doch ganz anders. Wir sitzen und trinken, wir versinken in Musik und Wärme, in Gesprächen, Gedanken, Plänen, Erinnerungen. Fare thee well, 2009. Fare thee well, Liam Clancy.




1.Januar
Will von Anfang an meinen Beitrag dazu leisten, dass das neue Jahr ein gutes Jahr für die Eintracht wird und beginne den Tag magenschonend mit einem Adler-Toast. Im Fernsehen läuft die Vier-Schanzen-Tournee. Jane Ahoonen hat ein Buch geschrieben: „Königsadler“. Pah.

Deja vu. Der Südwestfunk strahlt aus Versehen die Neujahrsansprache aus, die Kurt Beck im vorigen Jahr gehalten hat. Kurt Beck? Stimmt, das war doch einer der Vorgänger von Siggi Pop.

Nach dem verhinderten Sprengstoff-in-der-Unterhose-Attentat mehren sich die Diskussionen um die Einführung von Nacktscannern auch an deutschen Flughäfen. Was ist mit der Würde des Menschen? Ach was, meint ein Diskussionsteilnehmer, wieso sollte die Würde des Menschen beeinträchtigt werden, wenn sein Körper per Nacktscanner auf einem Bildschirm abgebildet wird? „Der Überwachungsbeamte und der Fluggast sehen sich ja weder vorher noch nachher persönlich.“ Interessanter Gedanke: Je anonymer man geschurigelt wird, desto würdiger. Na, herzlichen Glückwunsch!

2.Januar
Bei Schnee und Eis findet heute der erste Trainingstag der Eintracht statt. Eigentlich wollte ich dabei sein, aber unser Auto streikt. Es schneit. Fahre mit dem Bus über Land und lausche dem Gebabbel des Busfahrers, der einem Fahrgast – einer älteren, betont lustigen Dame in Pelzstiefeln – seine Überlebensstrategie erläutert: „Ich les kei Zeitung und ich hör kei Nachrichte.“

Die Eintracht tritt heut abend beim Hallenturnier in Mannheim an. Das Turnier wird ab den Halbfinals im TV übertragen. Freu mich auf die Eintracht und sitze pünktlich vor dem Fernseher. Tja. Satz mit x. Lese stattdessen in einem guten Buch. „Nichts ist je so schön, wie man es erwartet. Und doch ist alles schöner, als man es hätte erwarten können.“ (Pier Paolo Pasolini).

Alex Meier hat seinen Vertrag bei der Eintracht bis zum Jahr 2014 verlängert. Hurra, hurra. Alles wird gut.

3. Januar
Heute findet unser eigenes Hallenturnier in Höchst
statt. Na, da werden wir die Hallenfußballwelt wieder grade rücken. Werden wir? Die Erfahrung gestern hat mich skeptisch gemacht. Um sicher zu gehen, die Eintracht mal wieder spielend zu Gesicht zu bekommen, schalte ich den Fernseher schon zu den Vorrundenspielen ein. War eine gute Idee. Na ja – wie man’s nimmt.

4. Januar
Abflug ins Trainingslager, das in diesem Jahr in der Türkei stattfindet. Zunächst ohne Faton Toski, der seinen Ausweis nicht mit zum Flughafen gebracht hat. Kann ja mal passieren. „Alles hammer eingepackt – außerm Küchebüffet. Und darauf lag der Pass.“

5.Januar
Eigentlich wollten wir erst am Mittwoch wieder ins Arbeitsleben einsteigen – aber es hilft alles nix: Es geht schon heute wieder los. Eins-zwei-drei-hast-du-nicht-gesehen ist er wieder da, der Alltag. Und vielleicht ist das auch ganz gut so. „Auf dem Mars auf dem Mond überall ein Adler wohnt“ oder wie beim Hasen der Igel. „Wir sind schon da.“ Vermelden Enkhaamer und Exil-Bischemer
und berichten im Eintracht-Forum täglich aus dem Trainingslager. Witzig. Pointiert. Informativ. Grandios.

6.Januar
Helmut „Sonny“ Sonneberg ist heute zu Gast im Eintracht-Museum und ich mache mich auf den Weg Richtung Waldstadion. Draußen ist es fatzekalt, windig und stockdunkel - durch die Fenster des Eintracht-Museums dringt schon von fern ein freundliches, helles Licht, drinnen ist es warm und gut. Stimmengewirr. Es riecht nach Kaffee und Würstchen. Gläser und Flaschen klirren. Überall stehen bereits Grüppchen von Adlern. Ganz Junge, Junge, Mittlere, Ältere und ganz Alte sind da. Eintrachtler aller Generationen – vereinigt euch. Treffe mich mit einem Adler-Forumsfreund, der mir nach-weihnachtlich einen Eintracht-Kalender mitgebracht hat (**hüpffreu** und nochmal: danke ), lerne weitere nette Forumsadler und endlich auch den Kid aus der Klappergass kennen. Sonny bekundet, dass er vor Aufregung „schon drei Nächt“ net mehr geschlafen hat. Der Andrang ist größer als erwartet, von der freundlichen Museums-Crew werden weitere Stühle herbeigeschafft. Alle finden einen Platz. Herzlich Willkommen - es kann losgehen.

Und das tut es dann auch tatsächlich. Die, die da sind, lernen mit Sonny einen Vollblut-Eintrachtler kennen, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. Nach einem bunten, lustigen Abend voller Eintracht-Geschichten und Anekdoten mache ich mich auf den Heimweg. Adlerflügel. Froh und durchdrungen vom Eintracht-Spirit fahre ich singend durch die Nacht.

8. Januar

Die Eintracht gewinnt ihr erstes Testspiel in Belek gegen Rot Weiß Oberhausen mit 5:1. Exil-Bischemer und Enkhaamer berichten im Eintracht-Forum per Live-Ticker. Die Page bricht zusammen. Hallo. Wie abgedreht ist das denn? Testspiel gegen Oberhausen. Die Page bricht zusammen. Crazy.

Apropos Crazy: Ein Schnee- und Sturmtief namens Daisy braut sich über Deutschland zusammen. Der Weltuntergang oder zumindest so etwas ähnliches (der Winter?) steht bevor. Wetterdienste fordern die Bevölkerung auf, „ausreichend Nahrungsmittel und Medikamente zu bunkern.“ Eine Portion Impfdosis gegen Schweinegrippe für jeden Haushalt gibt es sicher kostenlos dazu?

9. Januar

In den gläsernen Scheiben des Kleinen Hauses des Staatstheaters zu Mainz ist eine lange Reihe von gleichgroßen Zetteln aufgehängt, die meine Aufmerksamkeit wecken. Aha. Theaterbesucher wurden im Rahmen einer Veranstaltung dazu aufgefordert auf diesen Zetteln zwei Fragen zu beantworten: „Was macht Ihnen Sorgen, wenn Sie an die Zukunft denken?“ Und: „Was können wir für eine bessere Welt tun?“ Ich gehe die Reihe entlang und lese. Sorgen bereiten der Werteverlust, die Bildung, die Zerstörung unserer Umwelt, Atomkraftwerke, Kriege. Dagegen können wir etwas tun, indem "jeder bei sich selbst anfängt. " Wir können "hoffen und beten". Oder einfach „mehr Bildung“ machen. Mmh. Soso. Lauter Gut-Menschen. Das ist ja schön. Gehe weiter. Und da, kaum noch erhofft, ein echtes Lebenszeichen. „Was macht Ihnen Sorgen, wenn Sie an die Zukunft denken?“ „Mein Zeugnis.“ Ist da zu lesen. „Und was können wir für eine bessere Welt tun?“ Klare Sache: „Mehr Kampf um Mittelerde spielen und mehr Fußball gucken.“ Na also. So geht’s doch auch. Und nicht vergessen: Keine Macht für Niemand!



10.Januar
Vor der Rückreise aus Belek hat die Eintracht gestern im letzten Testspiel gegen den KSC mit 0:3 verloren. Na und? Sollte man meinen.


Mache einen langen Spaziergang durch die Äcker und Weinberge. Der Himmel ist glasig-grau, die Luft kalt, stapfe, klettere und tapse durch wadenhohen Schnee. Ganz schön anstrengend. Nass, hungrig und durchgepustet komme ich wieder zu Hause an. Die Sternsinger ziehen heute durch den Ort. Zwei sehr kleine und ein ganz großer. Sie sind mit großem Eifer bei der Sache und damit ja kein Fehler passiert, lesen sie ihren Text ab. Geschafft. Grins. „Und – für was sammelt ihr?“ Noch mal Luftholen und auf den Zettel kucken:„Für das…. das Seneland.“ Gott befohlen :-)

11. Januar

Irland diskutiert die Äffare Robinson, in und um Frankfurt beschäftigen wir uns mit der Affäre Skibbe-Bruchhagen. Meint er das ernst oder will er provozieren? Hat er Aussetzer? Wer macht hier was mit wem? Visionen. Wer darf welche haben, wer nicht und zu welchem Zeitpunkt? Mahnen oder abmahnen. Warnen oder Unken. Ziele verfolgen. Bremsen. Plappern. Schweigen. Auf den Inseln wird Simon & Garfunkels „Here’s to you Mrs. Robinson“ per Internet in die Charts gevotet. Und was singen wir? Wie wär’s mit „It’s only words…“

Unterdessen feiern die Grünen 30-jährigen Geburtstag. Nachdem sie die Atomenergie nicht verhindert, den Afghanistaneinsatz durchgewunken und auch Westerwelle und Merkel – wums – nicht gestoppt haben, rüsten sie sich jetzt für neue Aufgaben.


12. Januar
Der Sturm ebbt ab. Daisy und Rafik waren gestern, jetzt kommt das Hoch Bob. Huch, bei dem dachte ich jetzt wirklich, er käme erst im Sommer.


13. Januar
Heute große Aussprache im Vorstandsbüro der Eintracht. Wieder mal. Aha. „Keine Dissonanzen.“ Dann isses ja gut. Sagt das doch gleich. Dann könnt ihr euch und wir können uns das ganze Geschwätz sparen.


14.Januar
Christoph Preuß ist heute – als erster Spieler aus dem aktuellen Kader – in einer Abendveranstaltung zu Gast im Eintracht-Museum. Kann leider nicht dabei sein – dann eben später, zum Glück kann man sich auf den 1a-aus-erster-Hand-Berichtsservice
verlassen. (Nachtrag am Samstag: Auch Kid K., der Christoph Preuß in besonderer Weise verbunden ist, hat über den Abend berichtet. Sehr persönlich, sehr inhaltsreich, sehr anrührend. Hier! )

15.Januar
Morgen geht’s also los mit der Rückrunde. Gegen Werder. Für was hat man Adler-Freunde vor Ort. Wie ist denn so die Stimmung in Bremen vor dem Spiel gegen die Eintracht? Die Antwort ist knapp: „Hier reden alle vom Wetter. Das Spiel gegen die Eintracht interessiert keine Sau – wenn von Fußball die Rede ist, dann vom Spiel gegen die Bayern nächste Woche. Der Dreier gegen die Eintracht ist schon in die mentale Tabelle integriert.“ So, so. Dann wollen wir doch mal sehen, was sich bei uns so tut: Maik Franz will auch in der Rückrunde Tore schießen. Skibbe lässt im Abschlusstraining Freistöße üben. Caio wird wohl von Anfang an mit auflaufen. Christoph Preuß vielleicht nach seiner Rückkehr zu einem ersten Einsatz im Waldstadion kommen. Und vielleicht auch Marcos Alvarez. Der Wetterdienst vermeldet, dass die Wintersportbedingungen am Samstag ausgezeichnet sind. Die für Fußball auch. Wetten? Das gilt zumindest für die Mannschaft, die den Adler auf der Brust trägt!


Sieg!

*** to be continued ***

Mittwoch, 13. Januar 2010

Memory

Was e Woch, was e Hektik. Die ersten rotundschwarzen Eintracht-Schnipsel im neuen Jahrzehnt sind deslhalb leider noch nicht ganz fertig geworden - sie kommen am Freitag. Als Ersatz gibt es einen Eintrag ohne viele Worte - auch eine Art Schnipsel, und zwar handelt es sich um Memory-Schnipsel, bei denen - wie bei den richtigen Schnipseln ,-) und vor allem wie beim richtigen Memory - sich eines zum anderen fügt.

Könnt Ihr erkennen, welche zusammengehörenden Eintracht-"Pärchen" sich hinter den folgenden Bildern verstecken? Manchmal muss man um die Ecke denken - und manchmal die Bildchen einfach wörtlich nehmen.

Ein Beispiel aus den 1970er Jahren:
Und jetzt geht's los!

1980er/90er Jahre:
1990er Jahre:
2000 ff:
1950er/60er Jahre:
1980er Jahre:
1980er Jahre:
Ganz aktuell ,-):
Noch aktueller :-)):

Nachtrag am Donnerstag: Viel Spaß heute abend!

Sonntag, 10. Januar 2010

"Kann net, heißt will net."

So lautete einer der Standardsätze meiner Tante Dina. Die Gute war – zugegebenermaßen – etwas rigoros und benutzte diesen Satz immer dann, wenn eine ihrer Anordnungen, tschuldigung: eine ihrer höflichen Aufforderungen, nicht befolgt wurden. Das konnte einem schon manchmal die Weißglut auf die Stirn treiben.

„Kannst du bitte mal herkommen und mir helfen.“ „Ich kann grad net.“ „Du kannst net? Kann net, heißt will net.“

„Kannst du mal bitte die Gläser ordentlich abtrocknen, auch Innen?“ „Ich kann das net.“ „Kann net, heißt will net.“

„Kannst du bitte ordentlicher schreiben.“ „Ich...“

Ok ok. Grummel, grummel. Aber, leider: Sie hatte recht. Meistens. Und wo sie nicht recht hatte, hat es mich zumindest gelehrt, dass man vielleicht alles kann, wenn man will – aber man vielleicht nicht alles können wollen muss. Nur sollte man das dann, bitte schön, auch so sagen.

Michael Skibbe, der Trainer unserer Eintracht, hat jetzt bereits zum wiederholten Mal der interessierten Öffentlichkeit mitgeteilt, dass aus der mittelmäßigen Mannschaft, die zu trainieren er sich bereit erklärt hat, partout nicht mehr zu machen ist. Auch durch mehr oder anderes Training ist nicht mehr herauszuholen.“ Das sei „für einen Trainer nicht lange hinnehmbar.“ „Eine sportliche Weiterentwicklung der Mannschaft ist derzeit nicht möglich.“ "Das wird sich auch nicht ändern." "Perspektivisch wird man nicht vorankommen."

Also, wenn ich meine Tante Dina wäre, wüsste ich, was ich jetzt sagen würde. Da ich aber nicht meine Tante Dina bin, könnte ich sehr wohl etwas dazu sagen, will aber nicht. Stattdessen mache ich mich dann erstmal vom Acker,-)


Dieses Herr-und-Hund-Foto auf den rheinhessischen Spuren von Daisy entstand im Acker. Natürlich :-)

Samstag, 9. Januar 2010

Immer alles geben

Jeder tut, was er kann. Der eine mehr, der andere weniger. Die Eintracht z.B. stürmt in der fernen Türkei. Draußen stürmt...ähem...schmilzt Daisy.

Zeit zu träumen. Zu Hoffen. Zu zweifeln. Wiederaufzustehen. Mutig weiterzuträumen. Zu kämpfen. Und zum Erinnern: an Rio Reiser, der heute 60 Jahre alt geworden wäre.

Keep on keeping on.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Immerhin


F.V.F? Diese Abkürzung steht - natürlich! - für "fußballverstehende Frau". Ob das allerdings ein Kompliment ist, darf doch sehr bezweifelt werden. Denn Helmut "Sonny" Sonneberg, der gestern im Eintracht-Museum von seinem Leben als Eintrachtler erzählte und dort diesen Begriff prägte, setzt, wenn er ihn benutzt, immer auch noch ein "so genannte" davor. Da ham mer also unser Fett weg, wir Frauen. Aber ich sag mal: Der Sonny - der darf das! Und ich hab zumindest auf diese Weise jetzt noch schriftlich, was bisher eigentlich noch nie jemand in Frage gestellt hat: Dass ich was von Fußball verstehe :-) -Na: Immerhin!

Danke an Sonny und alle im und ums Museum Beteiligten für einen unterhaltsamen Abend!

Sonntag, 3. Januar 2010

Feuerwerk


Keine Ahnung, warum mir ausgerechnet dieses Bild ausgerechnet heute einfällt. Ach so, jetzt weiß ich's wieder: War ja Lichter-Cup ,-)