Samstag, 28. November 2009

Voodoo Child

Ich sammele schwarzundweiße Kühe und von Freunden, die das wissen, bekomme ich deswegen mitunter eine Kuh geschenkt. So auch vor dem Spiel der Eintracht gegen Hannover 96. Da hat mir ein Adler-Freund eine Kuh mitgebracht, die einen selbstgestrickten Eintracht-Schal um den Hals trägt. Allein diese Tatsache macht die Kuh natürlich zu etwas Besonderem. Aber diese spezielle Kuh trägt noch ein besonderes Geheimnis mit sich, das mir bei der Übergabe anvertraut wurde: Sie ist ein Orakel und kann sprechen. Wenn man ihr vor einem Eintracht-Spiel eine Frage stellt und dann auf ihren Bauch drückt, dann gibt sie die richtige Antwort - es ertönen nämlich drei Muhs.

„Drei Mal Muh? Hahaha – das kann ja gar nicht funktionieren!“ Ich höre förmlich, wie der ein oder andere Leser dieser Zeilen diesen Satz eben ausgerufen hat. Jede Woche drei Mal Muh – das würde ja bedeuten: Die Eintracht gewinnt jede Woche – und dass das nicht stimmt, wissen wir ja leider alle.

Allein – wer das Orakel und seine Fähigkeiten so schnell abtut, der zeigt möglicherweise, dass er etwas von der Eintracht versteht, aber er macht gleichzeitig deutlich, dass er vom Wesen eines Orakels nicht die allerleiseste Ahnung hat. Denn: Ein Orakel irrt niemals. Allerdings gibt es nur dann die richtige Antwort, wenn man ihm die richtige Frage stellt. Immer die gleiche Frage – z.B. „Wie viele Punkte holt die Eintracht heute?“ – das wäre ja albern. Kein Orakel der Welt würde das auf Dauer mitmachen, im Gegenteil: Es würde - wie jeder einigermaßen Orakelgeübte zu sagen weiß - höchst ungemütlich reagieren. Wenn es nämlich merkt, dass es ausgetrickst werden soll, dann reißt so einem Orakel ratzfatz und ohne großes Vertun blitzgeschwind der Orakel-Geduldsfaden. Und dann? Ausge-orakel-t. Und wer will so etwas schon riskieren? Ich jedenfalls nicht.

Seit dem Spiel gegen Hannover hat das Kuh-Orakel also jede Woche eine andere Frage von mir beantworten müssen. Aber lest selbst:

Erstes Spiel im Zeitalter des Kuhorakels: Eintracht Frankfurt – Hannover 96
Frage vor dem Spiel: Wie viele Punkte holt die Eintracht heute?
Ergebnis: 2:1


Zweites Spiel im Zeitalter des Kuh-Orakels: Bayern München – Eintracht Frankfurt
Frage vor dem Spiel: Wie viele Tore fallen heute?
Ergebnis: 2:1


Drittes Spiel im Zeitalter des Kuh-Orakels: Eintracht Frankfurt – VFL Bochum
Frage vor dem Spiel: Wie viele Punkte holt die Eintracht heute?
Ergebnis: 2:1


Viertes Spiel im Zeitalter des Kuh-Orakels: Bayer 04 Leverkusen – Eintracht Frankfurt
Frage vor dem Spiel: Wie viele Tore fallen in den ersten 11 Minuten?
Mmh. Genau.


Fünftes Spiel im Zeitalter des Kuh-Orakels: Eintracht Frankfurt – Borussia Mönchengladbach
Frage vor dem Spiel: Wie viele Tore fallen heute?
Ergebnis: 1: 2


Sechstes Spiel im Zeitalter des Kuh-Orakels: Hertha BSC – Eintracht Frankfurt
Frage vor dem Spiel: Wie viele Tore schießt die Eintracht heute?
Ergebnis: 1: 3 **hüpfhüpfhüpf**

Seid ehrlich: Wer, wenn nicht ein waschechtes Orakel, hätte vor dem Spiel in Berlin diese Antwort geben können? Na? Na also!

Und deswegen bin ich mir sicher, dass ihr jetzt von mir wissen wollt, welche Frage ich dem Kuh-Orakel am nächsten Samstag vor dem Spiel gegen die 05er stellen werde? Aber das verrate ich natürlich nicht! Denn - pssst! - mit den Orakel-Fragen ist es wie mit den Sternschnuppen-Wünschen: Wenn man sie laut ausspricht – dann gehen sie nicht in Erfüllung. Aber ich verspreche hiermit feierlich: Damit bei der Fragerei garantiert nichts schiefgeht, werde ich vor dem Spiel zur Sicherheit zusätzlich auch noch eine Frikadelle essen.

Mittwoch, 25. November 2009

Berlin zum Leuchten bringen

Wenn ich es mir so recht überlege: Mit Berlin verbinden mich ausschließlich angenehme und frohe Erinnerungen. Immer, wenn ich in Berlin war, war es schön. Manchmal sogar sehr schön. In diesen Tagen könnte man auf den Gedanken kommen, dass das damit zusammenhängt, dass meine Berlinbesuche – bis auf ein einziges Mal – nichts mit der Eintracht zu tun hatten. Das ist natürlich Quatsch, denn mit ein paar Mal mehr Berlin, wären ja - im Gegenteil - auch einige besonders schöne Eintracht-Erinnerungen dazu gekommen. Trotzdem...

Erinnerungsflash…

Klassenfahrt. Mein erster Besuch in Berlin. Wir wohnten in einem Jugendhotel im Wedding. Meine Freundin Steffi und ich schlichen uns früh morgens aus dem Gebäude, frühstückten in dem kleinen Café auf der anderen Straßenseite Milchkaffee und Croissants und kamen uns dabei sehr weltmännisch vor. Immer, wenn es in diesen, mit offiziellem Programm vollgepackten Tagen eine Lücke mit frei verfügbarer Zeit gab, machte ich mich alleine auf den Weg und erfuhr und erlief mir die Stadt. Mit der U-Bahn nach Wilmersdorf, Charlottenburg, Moabit, zum Wannsee und lief und schaute und lief und schaute. Was kostet die Welt?

Mitte der 80er Jahre. Über Silvester ein spontaner Kurztrip zu einem Freund, der seit kurzem in Berlin studierte und jetzt dort mit seiner Freundin in einer wunderschönen, aber baufälligen Altbauwohnung lebte. Abblätternde Farbe. Nasse Flecken an den Wänden. Nur ein Ofen. Der stand im Wohnzimmer und funktionierte nicht. Es war schweinekalt, so lebten wir Tag und Nacht in dicken Wollpullovern. Martina, die Freundin des Freunds, studierte an der Musikhochschule und spielte spielte spielte den ganzen Tag über Geige. Die Töne schwangen durch die Wohnung, verfingen sich im Hinterhof und hallten durch das abgeschubste Treppenhaus hinaus auf die Straße. Immer irgendwo zwischendrin – die vollkommen neurotische, eisgraue Siamkatze, die Martina von ihrer Vormieterin übernommen hatte. In der Silvesternacht standen wir dichtgedrängt auf dem winzigen Balkon. Funkenregen über den Dächern. Böllernde Kinder im Innenhof. Tiefsinnige Gespräche über den Sinn des Lebens und die Hoffnung auf erfüllte Träume. Wir schliefen, eingemummelt in Schlafsäcken, auf dem Küchenfußboden. In der Silvesternacht lag ich noch lange wach und schaute durch den hohen Fensterbogen in die Schwärze der Nacht. Letzte Lichter glimmten. Gespräche und Lachen von draußen.

Ende der 80er. Pokalendspiel in Berlin. Wir hatten uns an diesem Samstag Ende Mai schon sehr früh auf den Weg gemacht in Richtung Berlin. Dieser Weg führte damals noch durch die DDR – die Straßen, die durch die karge Landschaft führten, sind in meiner Erinnerung eine Kette himmelblauer Trabis. In einer Autobahnraststätte aßen wir Hühnerfrikassee mit Kartoffeln (etwas anderes gab es nicht, aber es war köstlich), regten uns über die Besser-Wessis auf, die damals noch nicht so hießen, aber schon welche waren und sich über die „Primitivität“ mokierten, und wir kauften uns ein Neues Deutschland. Dieses mal übernachteten wir bei meiner leicht durchgeknallten Freundin Uli, auch hier in einer Altbauwohnung, auch hier auf dem Fußboden und auch hier gab es eine Katze, die ein Kater war. Er hieß Nebukadnezar und aß am liebsten grüne Oliven.

Auch mein Vater, von dem ich meine Liebe zur Eintracht geerbt und mit dem zusammen ich mein erstes Spiel im Waldstadion erlebt habe, war an diesem Wochenende in Berlin. Das war erstaunlich, denn er ist in seinem Leben sehr selten „weit weg“ gewesen. Die Umstände waren nicht so. In Berlin war er jedenfalls, zusammen mit einem alten Freund und dessen Sohn, ebenfalls im Auto angereist. Sie übernachteten in einer kleinen Pension. Im Olympiastadion saß mein Vater neben einem älteren Herrn – der Herr mit Bochum-Schal, mein Vater mit Eintracht-Kapp. Nach Abpfiff – so erzählte mein Vater mir später – stand der Bochumer auf, schüttelte ihm die Hand und gratulierte ihm zum Sieg. Seit dieser Zeit hege ich Sympathien für den VFL Bochum.

April 2009. Mein vorerst letzter Besuch in Berlin. Wir waren lange nicht mehr dort gewesen und hatten den ersten Tag unseres Aufenthalts ebenso verbracht wie ich damals als Schülerin: Wir liefen und schauten, liefen und schauten. Abends machten wir uns dann mit der S-Bahn auf den Weg zum Dylan-Konzert, dem eigentlichen Grund unseres Besuches. Auf dem Anmarsch zur Max-Schmeling-Halle mischten sich die Besucher des Dylan-Konzerts mit Fußballfans, die auf dem Weg ins Stadion am Prenzlauer Berg waren, wo Eisern Union damals zwischenzeitlich seine Heimspiele austrug. Und dann - nach dem Konzert, als Bob und seine Band die Bühne endgültig verlassen hatten, die Halle sich nach und nach leerte, da - plötzlich, vollkommen überraschend für meinen Mit-Adler und mich, geschah es. Dabei deutete nichts darauf hin. Sicher, wir hatten einmal mehr ein grandioses Konzert gesehen, wollten uns noch nicht vom Ort des Geschehens trennen, trödelten in der Halle, auf dem Vorplatz der Halle herum. Tagsüber war es sonnig gewesen, jetzt am Abend war der Wind empfindlich kühl. Wir fröstelten, wanderten durch die nur schwach beleuchteten Straßen zurück zur S-Bahn Station. Das Spiel von Union war längst beendet (mit einem 0:0 wir mir ein Mit-Adler gesimst hatte), in den Wohnblocks brannten noch vereinzelt Lichter. Wir hielten kurz inne, schauten uns um. Und da, jetzt plötzlich bemerkten wir es: Berlin leuchtete. Warm und hell. Einfach so, ganz ohne Anlass. Tatsächlich. Nur für uns.

Soll ich erzählen wie der Abend weiter verlief? Nun, nichts besonderes. Wir fuhren mit der S-Bahn zurück zu unserem Hotel in Berlin-Mitte. Hungrig und durstig landeten wir, wie sich das für Berlin gehört, ein paar Straßen weiter in einem fast menschenleeren 24-Stunden-Döner. Wir setzten uns direkt an das große Fenster zur Straße und beobachteten die Trüppchen von Berlin-Besuchern, die vorbei liefen, manchmal auch schwankten, mal ernst, mal albern, laut oder leise. Wir saßen hinter unserer Scheibe, aßen und tranken, lachten und erzählten. Wir lernten die kreativste Raucherzone der Welt kennen (= eine Gruppe von 5 Tischen, die – mitten im Raum – von einem gelben Klebeband auf dem Fußboden eingekringelt wurde), träumten, diskutierten und planten und irgendwann, als wir genug erzählt hatten, liefen wir zurück zu unserem Hotel und fielen todmüde in unsere Betten.

...Erinnerungsflash-Ende

Tja. So ist das mit Berlin. Und es bleibt der Wunsch, dass Berlin auch an diesem Wochenende wieder leuchten möge – und zwar für die Mannschaft der Eintracht, die am Samstag im Olympiastadion auflaufen wird, für einen meiner Mit-Adler, der voller Hoffnung im Stadion sein wird und für all die anderen Adler, die auch an diesem Tag wieder, ob in Berlin oder zu Hause, mit ganzem Herzen für die Eintracht da sein werden. Voll und ganz da sein – das gilt hoffentlich auch für unsere Mannschaft.
Sieg. Und nichts anderes!

Nachtrag:
Der Satz „Berlin leuchtete“ ist eine Reminiszenz an Thomas Manns Erzählung „Gladius dei“. Alle Fotos stammen vom April 2009. Das Foto in den Himmel des Olympia-Stadions wurde im Februar 2008, beim 3:0-Sieg der Eintracht aufgenommen.

Montag, 23. November 2009

Chefsache

...heißt es im Comic "Asterix bei den Goten" . Stellt sich die Frage, wer bei der Eintracht heute möglicherweise ebenfalls Grund hat, diesen Seufzer auszustoßen:
- Heribert Bruchhagen
- Michael Skibbe
-
Pirmin Schwegler
Möge bitte jeder den aus seiner Sicht zutreffenden Namen ankreuzen!
,-)

Freitag, 20. November 2009

Vor dem Spiel der Eintracht gegen Borussia Mönchengladbach

Zum Sturme drängt, am Sturme hängt doch alles ,-)

Sieg! (Und falls - ich sage: falls - das morgen trotzdem schief geht, dann ist noch längst nicht aller Tage Abend. Dann verpflichten wir einfach Theodor Sturm...)

Donnerstag, 19. November 2009

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel (6. November bis 18. November)

6. November
Der Herbst nimmt Fahrt auf. Kehre, kehre, Kehre. Fünf Säcke voller Blätter.
Ob die Eintracht heute auch in Leverkusen den Sack zu machen wird? War die ganze Woche skeptisch, aber je näher das Spiel kommt, desto sicherer bin ich mir: Doch, irgendetwas Zählbares werden wir schon mitnehmen. Adler fällt aus gegen die Adler. Auch das muss für uns kein Nachteil sein. Huch, wir spielen mit Caio. Und während ich noch überlege, ob ich das mutig oder dumm finde, steht es bereits 1:0. Ein Mit-Adler steckt im Bus fest und konnte nicht rechtzeitig zum Anpfiff zu Hause sein. Ich halte ihn per SMS auf dem Laufenden. 2:0. 3:0. Jetzt fährt der Bus wieder. Prima.


Tom Bayer, der die Fernsehübertragung kommentiert, erläutert, dass die Eintracht in der ersten Halbzeit ein 4-4-2 und jetzt in der zweiten ein 4-3-3 spielt. Vielleicht sollten wir es einfach mal mit Fußball spielen probieren? Michael Skibbe weiß nach dem Spiel, woran es gelegen hat –an unserem unterdurchschnittlichenKader und der mangelnden Qualität. Ich finde: Hier mangelt es an etwas ganz anderem.

7.November
Samstagseinkäufe. Mit Eintracht-Schal und Jacke in der M1er Innenstadt. Jetzt erst recht. Uffrescht wie die Sparschel und wie der Sprüche mehr sind. Wie gewohnt, erweist sich der Eintracht-Schal taktisch als günstig, wenn es darum geht, im Kampf 1 gegen 1 einen Parkplatz zu erobern. Ein Eintrachtler? Da fürchten sich die Leut hier in Meenz und zucken zurück. Es regnet. Melancho-Stimmung. Zwischenstopp. Trinke eine Tasse Kaffee, aus dem Lautsprecher klingt „I did it my way“. Muss grinsen. Is ja gut, Kerstin. Jetzt mach mal halblang.


Ein kleines Trüppchen von vielleicht 100 „Gegnern der Jagd“ zieht mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt, wird von Polizisten auf Motorrädern eskortiert. Seitlich stehen einige Zuschauer, ein junger Mann telefoniert. „Stell dir vor“, berichtet er aufgeregt, „Bin hier in Mainz. Hier ist grad voll die Demo...“ Welche Demo?

Guillermo de Hollanda hält in Mexico in, nun ja, fast perfektem Spanisch eine Rede und wird dabei aus Versehen ganz unköniglich ordinär. Da merkt man es mal wieder: Qualität ist manchmal auch eine Frage der Wortwahl.

8. November
Anruf eines befreundeten, verheirateten Adlers, der mir die Geschichte eines Bekannten erzählt. Folgender Dialog:
A:
“Stell dir vor, den hat seine Frau verlassen. Er kam abends heim – sie war weg und hatte den PC, den Fernseher und den Kühlschrank mitgenommen.“
I: „Gibt‘ so was wirklich? Du liebes bisschen....“
A: „Yep. Da wo vorher der PC war, stand eine Flasche Bier. Da wo der Fernseher war, stand eine Blumenvase. Wo der Kühlschrank war, war ein weißer Fleck.“
I: „Ach du scheiße....“
A:
„Mir passiert so was nie…“

9. November
Wir warten aufs Christkind oder doch zumindest auf so etwas ähnliches: Michael Skibbe ist heute abend zu Gast im Heimspiel des Hessischen Rundfunks und es wird erwartet, dass er dort weitere Qualitätsvisionen ...ähem... hat. Der Auftakt der Sendung ist verheißungsvoll. Der Trailer zu Beginn ist hinterlegt mit „Pussy“ von Rammstein. Dabei ist die Sendung doch gar nicht jugend- sondern nur nervengefährdend.


Aber nicht nur Michael Skibbe, auch andere haben etwas zu verkünden. Z.B. die Universität Halle, die in ihrem Infoletter berichtet, dass sie im „Shanghai-Ranking“ als zweitbeste ostdeutsche Universität auf Platz 302 geführt wird. Die Freuden der Globalisierung. Je nach Standpunkt und Standort kann es sich hierbei um eine gute oder um eine nicht ganz so gute Nachricht handeln. Alles eine Frage des Blickwinkels. Was schrieb mir meine Klassenlehrerin in der Grundschule dereinst in mein Poesiealbum: „Denn wer sich kann im Kleinen freuen, der kann sich freuen oft und viel.“ Sie hatte recht.

10.November
Jetzt ist es raus. Unser (doch, doch!) Kapitän Ioannis Amanatidis muss noch einmal am Knie operiert werden und fällt wohl für den Rest der Saison aus. Michael Skibbe sagt, dass die Eintracht durch den Ausfall von Ama 20% schwächer wird. Wie war das noch gleich? Durch den Kauf von Lincoln wären wir auf einen Schlag um 20-30% besser geworden. Die müssen wir dann also auch noch abziehen und sind dann nur noch bei gut 50%. Der Kader des aktuellen Bundesligatabellenführers Bayer Leverkusen entspricht, wie wir seit letzten Freitag wissen, noch zu etwa 80% dem Kader, den seinerzeit Michael Skibbe zusammengestellt hat. Vor diesem Hintergrund sind wir natürlich ohnehin nur Durchschnitt – damit halbiert sich die Qualität noch einmal, wären wir also bei 25%. Wenn wir jetzt noch bedenken, dass wir hauptsächlich Luschen scouten (-10%), unsere Nachwuchsspieler uns derzeit noch nicht weiterhelfen können (-5%) und auch unser junger Brasilianer dazu wenig Anstalten macht (noch einmal -10%) - dann stehen wir also praktisch bei Null. Darauf kann man aufbauen.


All diese Überlegungen sind schlagartig nicht mehr so wichtig. Verbringe einen langen und anstrengenden Workshoptag in Frankfurt. Komme nach Hause. Bin müde, hungrig. Ein Anruf. Robert Enke ist tot. Stille.

11.November
Auch wenn die (Fußball)-Welt derzeit in einer Art Schockstarre liegt, geht und schnipselt das Leben weiter.


Helau. Pünktlich um 11 Uhr 11 wird in Meenz mit viel Dschingderassa die neue Fastnachtskampagne eröffnet. Bereits im Vorfeld wurde – wie in jedem Jahr – das Kampagnenmotto ermittelt. Dabei wird ein aktueller Bezug vorgegeben , jeder kann sich mit einem Vorschlag beteiligen – eine Jury entscheidet. Das diesjährige Motto heißt: „Bei uns in Meenz gilt die Devise. Die Fassenacht kennt keine Krise.“ Aber ich krieg gleich eine.

Apropos Krise: Das goldische Meenzer Mädsche Margit Sponheimer, das eigentlich aus Frankfurt stammt, wird ausgeliehen ins Hessische und fungiert in diesem Jahr als Sitzungspräsidentin bei der HR Prunksitzung. Sag noch mal einer, dass die Frankfurter kein gutes Scoutingsystem haben. Ob allerdings die Qualität der Sitzung durch diesen Transfer um 5% gesteigert wird, bleibt vorerst noch offen.

„Es war kalt in Bogotá.
Alle Restaurants hatten Ruhetag
in Mindelheim an der Mindel.
Auf Fidji strömender Regen.
Helsinki war ausgebucht.
In Turin streikte die Müllabfuhr.
Überall Straßensperre
in Bujambara. Die Stille
über den Dächern von Pécs
war der Panik nahe.
Noch am ehesten auszuhalten
war es unter dem Birnbaum
zu Hause."


(„Kleiner Abgesang auf die Mobilität“ von Hans Magnus Enzensberger. Er wir heute
80 Jahre alt.)

12. November
Der
wahren Tabelle der Fußballbundesliga kann, wer will, entnehmen, dass die Eintracht sich in dieser Saison in (fast) allen Belangen verschlechtert hat. Weniger Ecken. Weniger Flanken. Weniger Torschüsse. Weniger gewonnene Zweikämpfe. Mehr Ballbesitz. Aha – das liegt am Kurzpasskombinationsspiel. Da wäre es ganz schön uncool, wenn Friedhelm Funkel tatsächlich auch noch Ümit Korkmaz nach Berlin holen würde. Obwohl : Statistisch wird das ja nicht weiter auffallen.

Der Löwe ist los. In Wuppertal wird aus Versehen ein Löwe
gestohlen und wiedergefunden . Ähnlichkeiten mit Leoparden bzw. tatsächlich existierenden Filmen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Bring it up, Baby!

13. November
Lost in translation? Das ist noch gar nichts gegen „Lost in security“. Wir fahren zu dritt zu einem geschäftlichen Termin nach Frankfurt. Bevor wir das Firmengelände betreten dürfen, müssen wir uns einen Security Film ansehen und anschließend einen Test absolvieren = 4 Fragen zum Film richtig beantworten. Wir stehen nebeneinander und stieren jeder auf einen Touchscreen, auf dem nacheinander verschiedene Szenen ablaufen.. Ein Arbeiter auf dem Werksgelände will sich eine Flasche Bier öffnen – hurtig eilt eine adrett gekleidete Dame herbei und erklärt ihm – „Nein, nein!“ – das geht nicht. Ein Herr im Anzug schlendert über das Firmengelände, will gerade auf seine Kamera klicken – da ist schon wieder die freundliche Dame: „Nein, nein.“ Auch das ist nicht erlaubt. Jetzt erscheinen auf dem Bildschirm zwei Menschen in einem Büro. Durch das Fenster hinter ihnen sieht man, wie eine dicke schwarze Wolke aus einem Schornstein quillt. Und jetzt? Duck and cover?

Ich ertappe mich dabei, dass ich vor mich hin gickele wie ein Teenie. Mal ehrlich: Wär so ein Film mit anschließendem Test nicht was für die Eingangskontrollen am Stadion? 50.000 Menschen, die nacheinander... Hilfe. Jetzt hab ich auch schon Visionen.

14. November
Michael Skibbe verstärkt an diesem Wochenende das Scouting-Team der Eintracht und reist irgendwo ins Europäische. Für
Christoph Preuß liegt dagegen das Gute heute nicht in der Ferne, sondern ganz nah: Bei strömendem Regen steht er beim Freundschaftspiel in Eschersheim heute zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren wieder mit dem Eintracht-Trikot auf dem Platz. Freu mich für ihn. Und für uns.

Spät abends sehen wir uns einen alten Western mit Paulette Godard und Gary Cooper an. Die ersten Bilder flimmern, das Logo der Produktionsfirma – ein Adler. Dann der Titel: "Die Unbesiegten." Seufz.

15. November
In Hannover findet heute die Trauerfeier für Robert Enke statt. Wirrwarr an Gedanken und Gefühlen. Nein, die Trauerfeier schaue ich mir nicht an, ich will raus. Laufe durch den Regen. Die Wege sind matschig, der Himmel grau, Wolken ziehen.
Abends schweigt Dittsche.

16. November
Ich leiste. Du leistest. Er leistet. Wir leisten. Ihr leistet. Sie leisten. Apropos Leisten. Martin Fenin wird heute wieder an selbigen operiert. Was e Elend.

17. November
Nein, (noch) ist uns der Himmel nicht auf den Kopf gefallen. Trotzdem wird es heute den ganzen Tag über nicht hell. Die Welt dampft und wabert. Es schüttet ohne Unterbrechung. Der Bildungsstreik geht in die nächste Runde. So gesehen - nichts Neues: Die künftigen Bachelor stehen jetzt schon im Regen.


18. November
Beim Aufwachen blinzelt die Sonne durch die Jalousie.


WM-Qualifikation auf der Zielgeraden. Vor dem fast aussichtslosen Spiel der Griechen in der Ukraine meint Angelos Charisteas, dass „unser Trainer uns schon zeigen wird, wie wir das meistern.“ Und tatsächlich. Otto zeigt es. Die Griechen gewinnen in der Ukraine und fahren im nächsten Jahr nun doch zur WM. Bis dahin wird es sich dann auch bis zum dümmsten Reporter herumgesprochen haben, dass die Griechen während der Quali grundsätzlich mit 3 Stürmern gespielt haben. Die Iren scheitern gegen die Franzosen in letzter Minute doch noch. Und die deutsche Nationalmannschaft spielt in aller Freundschaft auf Schalke 2:2 gegen die Elfenbeinküste. Poldi rennt, dribbelt, schießt und spielt sich frei. Ein nachdenklich-stiller, anrührend, ja, erwachsener Per Mertesacker im Interview nach dem Spiel. Wege finden.

In gut vier Wochen ist Weihnachten. Das ultimative Weihnachtsvideo gibt es aber jetzt schon. **singanundhüpf** Ho ho ho –
Must be Santa, must be Santa, must be SantaSanta Boooooooob **singausundhüpfweiter**
(Und auch beim Anschauen dieses Videos nicht vergessen: Wer ist Bob Dylan? Immer der mit dem Hut!)


*To be continued*

Sonntag, 15. November 2009

Schutz suchen

Die Woche, in der Robert Enke sich das Leben genommen hat, wird mir in Erinnerung bleiben als eine Woche, die in unterschiedlichen Grautönen verschwimmt. Das Grau bildet einen verlässlichen, ruhigen Hintergrund für eine wirre Abfolge von Bildern und Geschichten. Ich bin per Auto unterwegs zu einem Geschäftstermin in Frankfurt - der Himmel ist blassgrau, eine bleiche Sonne steht hinter dünnen Wolken. Ich fahre zurück – der Himmel ist schwarz verhangen, die bunten Blätter der vorbeirasenden Bäume leuchten im Dunkel. Mit dem Auto unterwegs zu einem Termin in Frankfurt Höchst – der Himmel ist fahl, die Schweinwerfer spiegeln sich in der nass glänzenden Straße. Wo immer ich an- und hinkomme in dieser Woche, treffe ich merkwürdigerweise auf Menschen, Maschinen und Maßgaben, deren Aufgabe darin besteht, unsere Welt sicherer zu machen. Sicherheitsschleusen. Zugangsberechtigungen. Sicherheitsbeamte. Ein vor dem Betreten des Unternehmensgeländes zu absolvierender Sicherheitstest. Ein Fahrstuhl mit Sicherheitscode. Hier wird der Pass kontrolliert, dort für die Dauer des Besuchs einbehalten. Hier werden meine Kontaktdaten überprüft, dort mein Kofferraum. Rauchen ist verboten. Fotografieren auch. Handys bitte ausschalten. „Zu Ihrem Schutz, zu Ihrer Sicherheit“.

Zu Hause. An- und Innehalten. Ich bin hungrig. Vor mir auf dem Tisch dampft das Abendessen. Mein Blick fällt durch die Fensterscheibe in den nachtdunklen Garten. Schemenhaft erkenne ich im Grau die schwarzen Silhouetten der Bäume. Blätter wirbeln. Die Müdigkeit des Tages mischt sich mit den Bildern im Fernsehen. Der erste unmittelbare Schock. Hilflosigkeit. Die Menschen, die sich vor dem Stadion von Hannover 96 versammeln, Lichter und Kerzen anzünden und einen Ort, einen gemeinsamen Raum für ihre Gefühle suchen. Sicherheit im Zusammenhalt. „Halt das Himmelstor sauber.“ Durcheinander wirbelnde Gefühle und Gedanken. Bilder, die sich übereinander schieben und nicht zueinander passen. Das Gefühl hinschauen, aber auch kein Voyeur sein zu wollen.

Der Morgen. Grau, fast durchsichtig der Himmel. Das Eichhörnchen, das auf den dünnen, kahlen Zweigen des Nussbaumes balanciert. Telefon. Ein Konzeptpapier. Rechnungen. Ein Blick ins Eintracht-Forum. Vereinzelte Diskussionen. Gebabbel-Threads. Auch ich bemühe mich, dem Alltag Raum und der Normalität ihr Recht zu geben. Alles „as usual“. Kein falsches Pathos. Teresa Enke. Eine zierliche, schwarz gekleidete Person, die Schutz in der Öffentlichkeit sucht und uns mit zittriger Stimme eine ganz persönliche Geschichte erzählt, die wir für einen Moment mit ihr teilen. Nasse Fahnen, die traurig auf Halbmast hängen. Der weinende alte Mann mit 96-Schal im Trauerzug, dessen Worte in Tränen ersticken: „Alles vorbei.“ Endgültigkeit. Die aufblitzende, öffentlich greifbare Erkenntnis: Irgendetwas ist falsch in unserem Leben. Grundsätzlich falsch. Die Kraft des Augenblicks. Und genau in dem Moment in dem wir das begreifen, ist der Moment des Ergreifens schon wieder vorbei. Das ehrliche Mitgefühl kippt in den Überschwang. Emphase des Mitleidens. Es ist etwas geschehen – ab jetzt wird es vor allem auch "statt finden". Die Öffentlichkeit schlägt zurück.

Hätte alles anders kommen können, wenn Robert Enke früher den Weg in die Öffentlichkeit gesucht hätte? Spätestens als wir gestern davon gelesen haben, dass heute, am Sonntag, fünf TV-Anstalten die Trauerfeier übertragen, der Sarg am Mittelkreis aufgebahrt wird, ahnen wir: Nein. Das wäre es wahrscheinlich nicht. Was bleibt, ist eine tragische, eine ganz persönliche Lebensgeschichte, die dann, als es zu spät war, den Nerv eines kollektiven Unbehagens getroffen hat und in der größten öffentlichen Trauerfeier mündet, die seit dem Tod Konrad Adenauers in Deutschland stattgefunden hat. Wir trauern um Robert Enke, wir trauern mit seiner Frau und seiner Familie und seinen Freunden. Und in den tiefsten Momenten eines ehrlichen Mitgefühls haben wir in dieser Woche vielleicht irgendwie auch um diese Welt getrauert. Und um uns selbst. Es könnte sein, dass wir Grund dazu haben.

PS: Ich habe keinen Moment auch nur in Erwägung gezogen, die Trauerfeier im Fernsehen zu verfolgen. Wie ich lese, war sie würdevoll und bewegend und hat vielen Menschen etwas gegeben. Ich hoffe, dass sie vor allem den direkt Beteiligten geholfen hat, mit dem Geschehen umzugehen. Vielleicht erwächst daraus Kraft für das Leben danach. Vielleicht.

PPS: War es im Vorfeld der Trauerfeierlichkeiten wirklich notwendig zu betonen, dass die Stadt Hannover und der Verein sich einvernehmlich darüber verständigt hätten, dass im und ums Stadion herum kein Alkohol ausgeschenkt wird? Was ist schlimmer: Die Vorstellung, jemand käme auf den Gedanken bei einer Trauerfeier Bier- und Bratwurststände zu erwarten – oder die Unterstellung, es könnte so sein?

Freitag, 6. November 2009

Auf dem Mars, auf dem Mond

Adler ist Adler. Das dachte sich wohl der (?) Praktikant als er oben stehende Nachricht für den Videotext des MDR verfasste. Deswegen hier die Berichtigung: Doch, doch. Der bzw. die Adler werden gegen Bayer Leverkusen antreten. Und, wie ich aus sicherer Quelle weiß, nicht erst morgen, sondern schon heute. Oder, um es ganz genau zu sagen: Der Adler ist jetzt, exakt in diesem Moment bereits vor Ort. Er kreist über der BayArena. Und heute abend wird er zuschlagen. Sieg.
(Danke nach Bremen für den Hinweis :-)

Donnerstag, 5. November 2009

Eintracht-Schnipsel (24.Oktober bis 4.November 2009)

Samstag, 24. 10.
Goldiger Herbst im ...ähem... goldigen Meenz. In der Innenstadt tummeln sich Trüppchen von Freiburgern, die sich die Zeit bis zum Spiel am Bruchweg vertreiben. Freudig aufblitzendes Erkennen, wenn sie den rotundschwarzen Schal um meinen Hals erspähen; Erstaunen, wenn sie merken, dass sie es statt mit einem Gleichgesinnten mit einem Adler zu tun haben. Freiburg. Pah. Auch wenn ich ihnen heute natürlich nur das Beste wünsche.

Nachmittags verliert die Eintracht mit 2:1 bei den Bayern. Van Buyten trifft in der 88. Minute. Eigentlich hätten wir einen Punkt mitnehmen können. Müssen. Sollen. Haben wir aber nicht.

Der FC Sheffield ist der älteste Fußballverein der Welt und wird heute 150 Jahre alt. Die goldenen Zeiten der „Ancients“ sind allerdings schon eine Weile vorbei – derzeit belegen sie den zweiten Platz in der Northern Premiere League Division 1 South, das ist die 8. Englische Liga. Die
Sheffield Rules waren die ersten offiziellen Fußball-Regularien. Heute rulen andere.

Sonntag, 25. 10.

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Mein Mit-Adler und ich machen einen langen, langen Spaziergang durch die rheinhessischen Weinberge und Äcker. Kein Mensch weit und breit. Fasanen kreischen. Vögel sammeln sich für den Weg nach Süden. Nur Himmel, Welt und wir.

„Niemand darf wegen seiner Herkunft benachteiligt werden.“ Mit dieser Begründung hatte Jean Sarcozy, 23-jähriger Sohn des französischen Ministerpräsidenten, versucht, seiner Qualifikation für die Tätigkeit in einer einflussreichen Wirtschaftsbehörde Nachdruck zu verleihen. Da hat er recht. Das darf nicht sein. Aber vor allem gilt auch umgekehrt: „Niemand darf wegen seiner Herkunft bevorzugt werden.“ Compris?

Montag, 26.10.
Ein guter, ein sehr guter Tag für die Eintracht und für den Glauben an das Gute und Richtige im Leben: Christoph Preuß, der den Adler im Herzen trägt, hat sich nach zweijähriger Leidenszeit zurückgekämpft ins aktive Fußballerleben und nimmt heute zum ersten Mal wieder am Mannschaftstraining teil. Gibt es einen Eintrachtler, der sich nicht mit ihm und auf ihn freut?
Einer freut sich jedoch ganz besonders.

Über Namen soll man keine Scherze machen. Aber, mmh, da gibt es schon ein paar, die Assoziationen wecken. Besonders gut in Erinnerung ist mir da ein Herr, der mir auf einer Messe seine Visitenkarte aushändigte: Karl Knödel. Nein, es handelte sich um keinen Pfanni-Vertreter. Oder meine ehemalige Kollegin aus (!) Nürnberg mit Namen Spießl. Sie heiratete – ungelogen – einen Herrn Würstel, entschied sich dann aber gegen einen Doppelnamen, um nicht fortan als Frau Würstel-Spießl durchs Leben zu laufen. Apropos Doppelnamen. Frau Leutheusser-Schnarrenberger ist seit heute wieder Justizministerin. Doch. Der Name passt irgendwie zur Tätigkeit. Nur schade, dass Herr Kauder nicht Außenminister geworden ist. Vielleicht hätte es geklappt, wenn er vorher eine Frau mit Namen Welsch geehelicht hätte ?

Dienstag, 27.10,
Die Kontroverse , die vielleicht dereinst als die „Skibbe-Bruchhagen-Debatte“ in die Annalen der Eintracht eingehen wird, nimmt ihren Lauf. „Wir haben kein Geld.“ „Wir brauchen Lincoln.“ „Vielleicht sollten wir manchmal früher auswechseln.“ „Geht nicht, auf der Bank sitzt ja nicht Lincoln.“ „ Im Mittelfeld fehlt es uns an Lauffreude.“ „Sag ich doch: Uns fehlt Lincoln.“ **seufz**

Heute werden die ersten Spiele im Pokalachtelfinale ausgetragen. Osnabrück gegen Dortmund. 1:0 für Osnabrück – Kameraschwenk über die Osnabrücker Fankurve. Großaufnahme auf einen Herrn im blaulila Trikot, mit Schal und Kapp, dem im wahren Wortsinn die Kinnlade heruntergeklappt ist. Sekundenlang steht er einfach so da. Dann schlägt er die Hand vor den Mund. Bass erstaunt. So was, ich fass es nicht. Einfach nur glückliches, fassungsloses Staunen. Wie bei einem kleinen Kind. Das Spiel endet 3:2 für die Osnabrücker – das 3:1 erzielt Benjamin Siegert, er trägt die Nummer 14. Bemühe mich, dies für ein gutes Omen zu halten.

Mittwoch, 28.10.
Spiel des Jahres? Geiles Los? Für mich nicht. Bei einem Spiel gegen die Bayern muss ich nicht dabei sein und wenn ich bisher wider besseres Wissen trotzdem bei einem Bayern-Spiel im Stadion war, haben wir immer verloren. So habe ich z.B. das – tschuldigung - dämliche Tor von Klaus Augenthaler gegen Uli Stein live im Stadion mit erlitten, während ich den Fallrückzieher von Christoph Preuß nur zu Hause erlebt habe , und zwar indem ich - wie einst Fritz Walter bei Spielen des FCK – die letzte Viertelstunde des Spiels die Tanne im heimischen Garten umkreiste . Heißt also: Die Siegchancen steigen deutlich, wenn wir zu Hause bleiben.

Die Auswahloption für das Live-Spiel bei Sky verheißt nichts Gutes: „FSV-FCB“ ist da zu lesen. Sehr viel schlimmer hätte das Spiel auch nicht laufen können, wenn die Spielpaarung tatsächlich so gewesen wäre. Schon vor dem Abpfiff hat die Eintracht mehr als ein Spiel verloren. Über die Welt spannt sich trotzdem auch nach dem Abpfiff unverdrossen ein glitzernder Sternenhimmel.

Donnerstag, 29.10.
Arnold Schwarzenegger soll in einem Brief an einen politischen Gegner eine in den Anfangsbuchstaben der Zeilen von oben nach unten lesbare Geheimbotschaft versteckt haben. Fuck you!

Coole Idee, die sich sicher auch zu anderen Zwecken gut verwenden lässt. Wie wäre es z.B. mit folgendem Schreiben von Eintracht-Trainer Skibbe an den Vorstandschef Heribert Bruchhagen?

L ieber Herr Bruchhagen,
i ch möchte Ihnen mitteilen, dass es mir
n achgerade ein Anliegen ist, mich bei Ihnen noch einmal für das
c harmante Gespräch zu bedanken, in dem wir in
o ffener Atmosphäre unsere unterschiedlichen Sichtweisen diskutiert haben. Bei
L icht besehen, hat sich herausgestellt, dass wir mit unseren Zukunftsplänen für die Eintracht gar
N icht so weit auseinander liegen.

Hochachtungsvoll, Ihr Skibbus Offensivus

(Herzlichen Glückwunsch, Asterix! Und: Helmpflicht für alle!)

Freitag, 30.10.
Everything is broken.
Wir sind nicht gesund, sondern haben nur noch nicht gemerkt, welche Krankheit wir haben. Und wenn wir ins Stadion gehen, werden wir geschützt, obwohl wir uns gar nicht fürchten. Warum? Ach so. Wir sind in Gefahr, sogar in Lebensgefahr – das muss uns dann wohl bisher irgendwie entgangen sein. Jedenfalls bestätigt der BGH heute das Grundsatzurteil, nach dem es Fußballvereinen erlaubt ist, bei bloßem Verdacht einer möglicherweise bevorstehenden Gewalttat ein Stadionverbot zu erteilen. Und der DFB sieht sich durch dieses Urteil in seiner Linie bestätigt, friedliche Fans vor gewaltbereiten Zuschauern zu schützen. Und wer schützt uns vor den Beschützern?

Friedhelm Funkel spielt heute mit der Hertha beim BVB und ich tippe im Tippspiel im Eintracht-Forum auf ein beinhartes Funkel –Nullnull. Zehn Minuten vor Anpfiff ändere ich meinen Tipp noch einmal. 2:0 für den BVB. Yep. Für das Spiel der Eintracht in vier Wochen in Berlin werde ich den NullNull-Tipp dann aber doch noch einmal reaktivieren.

Flashback, irgendwann in den 80ern. Spiel, sagen wir mal gegen Waldhof Mannheim. Ein trüber Kick. Eine der wenigen Angriffsaktionen der Eintracht. Ralf Sievers ist auf der rechten Außenbahn mitgelaufen, steht frei, wird von seinem Mitspieler übersehen, der Angriff verpufft. Unvergessen der Ausruf eines Mit-Adlers im F-Block: „Mannmannmannn – geb doch dem Sievers de Ball.“ Hält einen Moment inne. „Dem Sievers? Was sag ich bloß…?“ Das zeigt, dass wir Ralf Sievers zwar immer sehr mochten, aber damals kein besonderes Zutrauen in seine fußballerischen Fähigkeiten hatten.


Ralf „Colt“ Sievers,
der von 1982 bis 1990 für die Eintracht spielte, wird heute 48 Jahre alt.

Samstag, 31.10.
Es wird Herbst. Die Blätter rieseln. Rauhreif und Nebel hängt über den Bäumen. Nieselregen. Halloween. Schnell herausgekramt die CD mit dem Live-Konzert des Meisters aus dem Jahr 1964. „It’s Halloween. And I got my Bob Dylan mask on.“

Sonntag, 1.11.
Auf dem Weg zum Stadion schlurft vor uns ein kleiner Junge durch die raschelnden Blätter auf dem Boden. Er trägt eine dicke Jacke, über die er ein Eintracht-Trikot gezurrt hat. Wirbel. Walle. Wind, der weht. Die freundliche Dame am Bratwurststand hat uns beim Spiel gegen die Bayern vermisst und in der Schlange bei der Einlasskontrolle wird über das BGH-Urteil diskutiert: „Hammer. Du stehst an de Worschtbud, nebe dir geht’s ab – und schon biste mit dabei.“ Im Stadion erleben wir einen schwachen VFL Bochum, eine Eintracht, die sich bemüht, Wunden zu heilen, und einen Franz im Glück. Wir klatschen und singen in den Abendhimmel. Die Erleichterung auf dem Rasen und auf den Rängen ist greif- und spürbar.

Mission (für heute) completed, vision (vorerst) impossible.

Montag, 2.11.
Heute sind Maik Franz und Stepi zu Gast im Heimspiel. Stepi gibt den Stepi und schwadroniert über die Welt an sich und den Fußball im Besonderen. Täusche ich mich oder sinkt Maik Franz mit jedem launigen Ausspruch noch ein bisschen tiefer in seinen Sessel? „Wenn du willst, das dei Mannschaft vorne Tore reinmacht, musst du Einen aufstellen, der sie schießt.“ So ist das wohl.

Klappe, die Vierte. Erst Maddin, dann Maik Franz, dann Vasi und jetzt Patrick Ochs. Rippenbruch. Nein. Das ist NICHT lustig.

Dienstag, 3.11.
Die „Welt“ verkündet aus Hamburg, dass das Hauptproblem des Mannes sein Kopf ist.
Das nenne ich weitreichende Erkenntnisse. Da sag noch mal einer, dass der Weltmännertag zu nichts gut ist.

Die Weltmänner um Louis van Chchchaal unterliegen am Abend in München in der Champions League zu Hause gegen Girondins Bordeaux mit 0:3. So hat halt jeder sein Päckchen zu tragen.

Mittwoch, 4.11.
Der neue Präsident von Alemannia Aachen heißt Nachtsheim. Na ja, solange ein neuer Eintracht-Präsident nicht den Namen Höness trägt, is ja alles in Ordnung.

Auch Arthur Wichniarek
macht sich so seine Gedanken, und zwar über die Saisonvorbereitung bei Hertha: “Ich kann jetzt stundenlang laufen. Aber ich kann nicht beschleunigen.“ Das klingt, sagen wir mal, suboptimal. Aber, ach Mensch – unser Ama wäre froh, wenn er wenigstens das von sich sagen könnte. Hey , Ama – durchhalten! Du wirst wieder aufstehen. Und wir für dich! Alles, alles Gute für die anstehende OP und gute und baldige Genesung!

**to be continued**

Sonntag, 1. November 2009

Kann man mit einem Fahrrad eine Tanne hinauffahren?

Wahrscheinlich nicht. Aber wenn man sich vorstellen kann, dass man es können könnte, ist das viel wert. Dann begreift man nämlich, gleichgültig ob man noch "klein" oder schon "groß" ist , dass viele Dinge möglich sind, bei denen man nicht mal auf den Gedanken gekommen wäre, sie sich vorzustellen. Man kann sich z.B. zusammen mit einem Wolfsjungen in einem Schlafsack einkuscheln, so dass die Nase des Wolfsjungen in der eigenen Armbeuge steckt. Man kann ein Gespräch mit einem Bären in seiner Höhle führen, auch wenn einem dabei die Beine ein wenig zittern. Oder eine dunkle, dunkle Nacht in Regen und Kälte überstehen, weil man weiß, dass es einen nächsten Morgen und einen Plan gibt. Man kann sogar einen unvernünftigen Großvater aus höchster Not retten und nebenbei zwei grässliche Wolfsmörder verjagen. Und wenn man eine Fußballmannschaft ist – ja, dann kann man vielleicht sogar auch nach einer überaus deprimierenden Woche an einem verregneten, arschkalten Novembersonntag auf den Platz gehen und ein Bundesligaspiel gegen den VFL Bochum gewinnen.

Aber was tun, wenn man nach einer Viertelstunde mit 0:1 zurückliegt und einem einfällt, dass die Sache mit dem Fahrrad und der Tanne ja vielleicht doch nicht funktioniert? Dann sollte man sich ganz schnell an Gunilla erinnern. Gunilla war früher mal Feministin und ist heute die Frau von Großvater, den sie sehr liebt, obwohl sie es mit ihm wahrlich nicht immer leicht hat. Von ihr kann man lernen, was man tun muss, wenn man vor einer ganz, ganz schwierigen Aufgabe steht. Man stellt sich einander gegenüber, packt sich fest an der Schulter, schaut sich in die Augen und sagt: „Frau kann.“

In diesem Sinne: Frau kann. Und die Eintracht kann auch. Sieg!

Die Geschichte vom Großvater und den Wölfen und von der Frau, die kann, erzählt der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist in der anrührend-witzigen Geschichte „Großvater und die Wölfe“, die im Hanser-Verlag erschienen ist.