Donnerstag, 5. November 2009

Eintracht-Schnipsel (24.Oktober bis 4.November 2009)

Samstag, 24. 10.
Goldiger Herbst im ...ähem... goldigen Meenz. In der Innenstadt tummeln sich Trüppchen von Freiburgern, die sich die Zeit bis zum Spiel am Bruchweg vertreiben. Freudig aufblitzendes Erkennen, wenn sie den rotundschwarzen Schal um meinen Hals erspähen; Erstaunen, wenn sie merken, dass sie es statt mit einem Gleichgesinnten mit einem Adler zu tun haben. Freiburg. Pah. Auch wenn ich ihnen heute natürlich nur das Beste wünsche.

Nachmittags verliert die Eintracht mit 2:1 bei den Bayern. Van Buyten trifft in der 88. Minute. Eigentlich hätten wir einen Punkt mitnehmen können. Müssen. Sollen. Haben wir aber nicht.

Der FC Sheffield ist der älteste Fußballverein der Welt und wird heute 150 Jahre alt. Die goldenen Zeiten der „Ancients“ sind allerdings schon eine Weile vorbei – derzeit belegen sie den zweiten Platz in der Northern Premiere League Division 1 South, das ist die 8. Englische Liga. Die
Sheffield Rules waren die ersten offiziellen Fußball-Regularien. Heute rulen andere.

Sonntag, 25. 10.

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Mein Mit-Adler und ich machen einen langen, langen Spaziergang durch die rheinhessischen Weinberge und Äcker. Kein Mensch weit und breit. Fasanen kreischen. Vögel sammeln sich für den Weg nach Süden. Nur Himmel, Welt und wir.

„Niemand darf wegen seiner Herkunft benachteiligt werden.“ Mit dieser Begründung hatte Jean Sarcozy, 23-jähriger Sohn des französischen Ministerpräsidenten, versucht, seiner Qualifikation für die Tätigkeit in einer einflussreichen Wirtschaftsbehörde Nachdruck zu verleihen. Da hat er recht. Das darf nicht sein. Aber vor allem gilt auch umgekehrt: „Niemand darf wegen seiner Herkunft bevorzugt werden.“ Compris?

Montag, 26.10.
Ein guter, ein sehr guter Tag für die Eintracht und für den Glauben an das Gute und Richtige im Leben: Christoph Preuß, der den Adler im Herzen trägt, hat sich nach zweijähriger Leidenszeit zurückgekämpft ins aktive Fußballerleben und nimmt heute zum ersten Mal wieder am Mannschaftstraining teil. Gibt es einen Eintrachtler, der sich nicht mit ihm und auf ihn freut?
Einer freut sich jedoch ganz besonders.

Über Namen soll man keine Scherze machen. Aber, mmh, da gibt es schon ein paar, die Assoziationen wecken. Besonders gut in Erinnerung ist mir da ein Herr, der mir auf einer Messe seine Visitenkarte aushändigte: Karl Knödel. Nein, es handelte sich um keinen Pfanni-Vertreter. Oder meine ehemalige Kollegin aus (!) Nürnberg mit Namen Spießl. Sie heiratete – ungelogen – einen Herrn Würstel, entschied sich dann aber gegen einen Doppelnamen, um nicht fortan als Frau Würstel-Spießl durchs Leben zu laufen. Apropos Doppelnamen. Frau Leutheusser-Schnarrenberger ist seit heute wieder Justizministerin. Doch. Der Name passt irgendwie zur Tätigkeit. Nur schade, dass Herr Kauder nicht Außenminister geworden ist. Vielleicht hätte es geklappt, wenn er vorher eine Frau mit Namen Welsch geehelicht hätte ?

Dienstag, 27.10,
Die Kontroverse , die vielleicht dereinst als die „Skibbe-Bruchhagen-Debatte“ in die Annalen der Eintracht eingehen wird, nimmt ihren Lauf. „Wir haben kein Geld.“ „Wir brauchen Lincoln.“ „Vielleicht sollten wir manchmal früher auswechseln.“ „Geht nicht, auf der Bank sitzt ja nicht Lincoln.“ „ Im Mittelfeld fehlt es uns an Lauffreude.“ „Sag ich doch: Uns fehlt Lincoln.“ **seufz**

Heute werden die ersten Spiele im Pokalachtelfinale ausgetragen. Osnabrück gegen Dortmund. 1:0 für Osnabrück – Kameraschwenk über die Osnabrücker Fankurve. Großaufnahme auf einen Herrn im blaulila Trikot, mit Schal und Kapp, dem im wahren Wortsinn die Kinnlade heruntergeklappt ist. Sekundenlang steht er einfach so da. Dann schlägt er die Hand vor den Mund. Bass erstaunt. So was, ich fass es nicht. Einfach nur glückliches, fassungsloses Staunen. Wie bei einem kleinen Kind. Das Spiel endet 3:2 für die Osnabrücker – das 3:1 erzielt Benjamin Siegert, er trägt die Nummer 14. Bemühe mich, dies für ein gutes Omen zu halten.

Mittwoch, 28.10.
Spiel des Jahres? Geiles Los? Für mich nicht. Bei einem Spiel gegen die Bayern muss ich nicht dabei sein und wenn ich bisher wider besseres Wissen trotzdem bei einem Bayern-Spiel im Stadion war, haben wir immer verloren. So habe ich z.B. das – tschuldigung - dämliche Tor von Klaus Augenthaler gegen Uli Stein live im Stadion mit erlitten, während ich den Fallrückzieher von Christoph Preuß nur zu Hause erlebt habe , und zwar indem ich - wie einst Fritz Walter bei Spielen des FCK – die letzte Viertelstunde des Spiels die Tanne im heimischen Garten umkreiste . Heißt also: Die Siegchancen steigen deutlich, wenn wir zu Hause bleiben.

Die Auswahloption für das Live-Spiel bei Sky verheißt nichts Gutes: „FSV-FCB“ ist da zu lesen. Sehr viel schlimmer hätte das Spiel auch nicht laufen können, wenn die Spielpaarung tatsächlich so gewesen wäre. Schon vor dem Abpfiff hat die Eintracht mehr als ein Spiel verloren. Über die Welt spannt sich trotzdem auch nach dem Abpfiff unverdrossen ein glitzernder Sternenhimmel.

Donnerstag, 29.10.
Arnold Schwarzenegger soll in einem Brief an einen politischen Gegner eine in den Anfangsbuchstaben der Zeilen von oben nach unten lesbare Geheimbotschaft versteckt haben. Fuck you!

Coole Idee, die sich sicher auch zu anderen Zwecken gut verwenden lässt. Wie wäre es z.B. mit folgendem Schreiben von Eintracht-Trainer Skibbe an den Vorstandschef Heribert Bruchhagen?

L ieber Herr Bruchhagen,
i ch möchte Ihnen mitteilen, dass es mir
n achgerade ein Anliegen ist, mich bei Ihnen noch einmal für das
c harmante Gespräch zu bedanken, in dem wir in
o ffener Atmosphäre unsere unterschiedlichen Sichtweisen diskutiert haben. Bei
L icht besehen, hat sich herausgestellt, dass wir mit unseren Zukunftsplänen für die Eintracht gar
N icht so weit auseinander liegen.

Hochachtungsvoll, Ihr Skibbus Offensivus

(Herzlichen Glückwunsch, Asterix! Und: Helmpflicht für alle!)

Freitag, 30.10.
Everything is broken.
Wir sind nicht gesund, sondern haben nur noch nicht gemerkt, welche Krankheit wir haben. Und wenn wir ins Stadion gehen, werden wir geschützt, obwohl wir uns gar nicht fürchten. Warum? Ach so. Wir sind in Gefahr, sogar in Lebensgefahr – das muss uns dann wohl bisher irgendwie entgangen sein. Jedenfalls bestätigt der BGH heute das Grundsatzurteil, nach dem es Fußballvereinen erlaubt ist, bei bloßem Verdacht einer möglicherweise bevorstehenden Gewalttat ein Stadionverbot zu erteilen. Und der DFB sieht sich durch dieses Urteil in seiner Linie bestätigt, friedliche Fans vor gewaltbereiten Zuschauern zu schützen. Und wer schützt uns vor den Beschützern?

Friedhelm Funkel spielt heute mit der Hertha beim BVB und ich tippe im Tippspiel im Eintracht-Forum auf ein beinhartes Funkel –Nullnull. Zehn Minuten vor Anpfiff ändere ich meinen Tipp noch einmal. 2:0 für den BVB. Yep. Für das Spiel der Eintracht in vier Wochen in Berlin werde ich den NullNull-Tipp dann aber doch noch einmal reaktivieren.

Flashback, irgendwann in den 80ern. Spiel, sagen wir mal gegen Waldhof Mannheim. Ein trüber Kick. Eine der wenigen Angriffsaktionen der Eintracht. Ralf Sievers ist auf der rechten Außenbahn mitgelaufen, steht frei, wird von seinem Mitspieler übersehen, der Angriff verpufft. Unvergessen der Ausruf eines Mit-Adlers im F-Block: „Mannmannmannn – geb doch dem Sievers de Ball.“ Hält einen Moment inne. „Dem Sievers? Was sag ich bloß…?“ Das zeigt, dass wir Ralf Sievers zwar immer sehr mochten, aber damals kein besonderes Zutrauen in seine fußballerischen Fähigkeiten hatten.


Ralf „Colt“ Sievers,
der von 1982 bis 1990 für die Eintracht spielte, wird heute 48 Jahre alt.

Samstag, 31.10.
Es wird Herbst. Die Blätter rieseln. Rauhreif und Nebel hängt über den Bäumen. Nieselregen. Halloween. Schnell herausgekramt die CD mit dem Live-Konzert des Meisters aus dem Jahr 1964. „It’s Halloween. And I got my Bob Dylan mask on.“

Sonntag, 1.11.
Auf dem Weg zum Stadion schlurft vor uns ein kleiner Junge durch die raschelnden Blätter auf dem Boden. Er trägt eine dicke Jacke, über die er ein Eintracht-Trikot gezurrt hat. Wirbel. Walle. Wind, der weht. Die freundliche Dame am Bratwurststand hat uns beim Spiel gegen die Bayern vermisst und in der Schlange bei der Einlasskontrolle wird über das BGH-Urteil diskutiert: „Hammer. Du stehst an de Worschtbud, nebe dir geht’s ab – und schon biste mit dabei.“ Im Stadion erleben wir einen schwachen VFL Bochum, eine Eintracht, die sich bemüht, Wunden zu heilen, und einen Franz im Glück. Wir klatschen und singen in den Abendhimmel. Die Erleichterung auf dem Rasen und auf den Rängen ist greif- und spürbar.

Mission (für heute) completed, vision (vorerst) impossible.

Montag, 2.11.
Heute sind Maik Franz und Stepi zu Gast im Heimspiel. Stepi gibt den Stepi und schwadroniert über die Welt an sich und den Fußball im Besonderen. Täusche ich mich oder sinkt Maik Franz mit jedem launigen Ausspruch noch ein bisschen tiefer in seinen Sessel? „Wenn du willst, das dei Mannschaft vorne Tore reinmacht, musst du Einen aufstellen, der sie schießt.“ So ist das wohl.

Klappe, die Vierte. Erst Maddin, dann Maik Franz, dann Vasi und jetzt Patrick Ochs. Rippenbruch. Nein. Das ist NICHT lustig.

Dienstag, 3.11.
Die „Welt“ verkündet aus Hamburg, dass das Hauptproblem des Mannes sein Kopf ist.
Das nenne ich weitreichende Erkenntnisse. Da sag noch mal einer, dass der Weltmännertag zu nichts gut ist.

Die Weltmänner um Louis van Chchchaal unterliegen am Abend in München in der Champions League zu Hause gegen Girondins Bordeaux mit 0:3. So hat halt jeder sein Päckchen zu tragen.

Mittwoch, 4.11.
Der neue Präsident von Alemannia Aachen heißt Nachtsheim. Na ja, solange ein neuer Eintracht-Präsident nicht den Namen Höness trägt, is ja alles in Ordnung.

Auch Arthur Wichniarek
macht sich so seine Gedanken, und zwar über die Saisonvorbereitung bei Hertha: “Ich kann jetzt stundenlang laufen. Aber ich kann nicht beschleunigen.“ Das klingt, sagen wir mal, suboptimal. Aber, ach Mensch – unser Ama wäre froh, wenn er wenigstens das von sich sagen könnte. Hey , Ama – durchhalten! Du wirst wieder aufstehen. Und wir für dich! Alles, alles Gute für die anstehende OP und gute und baldige Genesung!

**to be continued**

Kommentare:

  1. Was für ein herrlicher Schnipsel und dass am frühen Morgen,*lächelt.*
    Hast Dich wieder mal selbst übertroffen.
    So ein Freitagmorgen,macht Dich den ganzen Tag schon relaxt und man freut sich auf das Spiel am Abend.
    Ja,dass mit dem Kapitän der Herzen(für mich),ist trgisch und ich hoffe,dass er bald wieder für uns die Schuhe schnürt.
    Hab ein schönes Wochenende und nochmals:
    Vielen Dank-für den Schnipsel.
    Immer wieder lesenswert,*lächelt*

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  2. Sorry,habe ein a-vergessen-tragisch.
    LG
    B.

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  3. Nun habe ich den Weg zu deinem Blog gefunden, liebe Kerstin.

    Schöne Schnipsel. Bin gespannt, was der heutige Abend bringt.

    LG Nicole

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  4. So schöne Schnipsel, Kerstin ... Und dann so ein Auftritt in Leverkusen.

    Danke an dich und danke für nichts an Mannschaft und Trainer.

    Gruß vom Kid

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  5. Der Auftritt unserer Mannschaft gestern in Leverkusen war jämmerlich und desaströs. Aber: Wir sind Eintracht Frankfurt. Und das sollte sich vor allem auch unser Trainer noch einmal vergegenwärtigen, bevor er nach dem Spiel einen Cotau Richtung Leverkusen macht und sich im Interview so präsentiert, als hätte er mit der Mannschaft, die da gerade 4:0 verloren hat, eigentlich nichts zu tun. Spieler lächerlich machen, Forderungen stellen - das alles, ohne auch nur einen Hauch von Selbstkritik. Ich, der Trainer, weiß ja, wie moderner Fußball "geht" - aber aus dieser Gurkentruppe kann nicht mal ich mehr herausholen. Wem stellt er damit eigentlich ein Armutszeugnis aus: Der Mannschaft? Oder sich als Trainer?

    Keine gute Zeit für Schnipsel. Oder gerade! Uffrescht wie die Sparschel.

    Danke Barbara, Nicole, Kid fürs Lesen und Kommentieren. Und, liebe Nicole: Das freut mich wirklich sehr, dass du jetzt auch mit hier bist!!

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