Freitag, 28. Februar 2014

Blues mit Goldrand.

Donnerstagabend, kurz vor 9 Uhr. Unerbittlich leuchtet das 3:3 vom Videowürfel, erbarumungslos und endgültig. Im Block der Portugiesen werden noch ein paar Fahnen geschwenkt, die Mannschaft des FC Porto hat den Rasen längst verlassen. Unsere Jungs sind noch da, mit gesenkten Köpfen und hängenden Schultern Das Stadion beginnt sich allmählich zu leeren. Die West, Teile der Gegentribüne und die zur Haupttribüne hin verlängerte Kurve bleiben, sind noch nicht bereit, sich von Europa zu verabschieden.  Der Geist des Spiels hängt noch in und über dem Stadion. Das aberwitzige Auf und Ab. Der Führungstreffer. Die Hoffnung. Die Portugiesen, die wild entschlossen nach der Pause als erstes wieder den Platz betreten. Tooooor. Das 2:0. Tatsächlich. Zweizunull. Das fast schon sicher geglaubte Weiterkommen und doch dieses bange Gefühl. Das wird nicht reichen. Die Stärke der Portugiesen, straight, körperbetont. Sie werden noch einmal zurückkommen. Der Anschlusstreffer  Der Ausgleich. Sie sind zu stark, das werden wir nicht halten. Porto rollt jetzt wie ein Uhrwerk. Und dann sind doch wir es, die das Tor machen. Alex Meier Fußballgott. Ich schreie in den Himmel. Kann es nicht fassen. Werde verrückt hier und jetzt und auf der Stelle. Die 86. Minute. Humorlos. Trocken.  3:3. Aus. Ich lehne an der Bande,  nach vorn gebeugt, leer. Da geschieht es.

Freitag, 21. Februar 2014

Eintracht in Europa: Still going strong!

Der Donnerstag, der so ein glückliches  Ende finden sollte, fing so an wie im Moment meine Tage immer anfangen: Hellwach  und sehr, sehr müde. Mein Schreibtisch, mein Kopf  – zum Glück – voller Arbeit, Ideen und Projekte. Die Tage sind lang, die Nächte kurz. Schreiben, recherchieren, basteln, abstimmen, konzipieren, korrigieren, redigieren. Mails, Texte, Telefonate, Scribbles. Ja, ja. Nein, nein. Ganz anders. Ja, genau so. Dazwischen: Rotundschwarze Tupfen aus Porto. Eintracht-Forum. Facebook. Mails. SMSe. Mittwoch:  Chillen am Strand und in Straßencafés.  Hotels. Panoramabilder.  Trainingsfotos aus dem Stadion, Fotos von Gässchen und Winkeln.Donnerstag: Frühstück, Gang durch die Stadt. In Porto regnet es Bindfäden . Von knapp 7.000 Entrachtlern in Porto ist die Rede. Annähernd Bordeaux-Dimensionen. Wahnsinn. Wie durchgeknallt ist das denn?

Mittwoch, 19. Februar 2014

Dank Rotation stark für Europa

Am Dienstag - so war es in den Tagesthemen zu sehen und zu hören – empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel die Narren. Zeitgleich zum Ton aus dem Off  fuhren die Parteivorsitzenden Siegmar Gabriel und  Hans Seehofer am Kanzleramt vor. So muss man halt immer gut aufpassen, dass es zu keinen Verwechslungen kommt. Auch bei der Eintracht geht es närrisch zu – wir sind sogar so verwegen, dass wir künftig unser Scouting verbessern wollen. Aber ich schweife ab: Europa heißt das Thema. Der rotundschwarze Tross hat sich - zum Teil bereits  Anfang dieser Woche - in Richtung Portugal in Bewegung gesetzt und erobert die Atlantikküste.  Vor meinem inneren Auge sehe ich Porto: Avenida dos Aliados. Der Duero.  Meeresrauschen.  Fisch. Reis. Spezialitäten vom Grill. Duft von Gewürzen.  Ribeira, die Altstadt.  Foz velha, das historische Viertel direkt am Hafen. Enge Gässchen. Kathedralen. Vinho verde.  Portwein.  Fado. Leichter Wind. Träume, europäische.  

Sonntag, 16. Februar 2014

Nur mal so

Müssen wir so spielen, wie wir im Moment spielen oder könnten wir auch anders, wenn wir wollten bzw.  könnten wir gar nicht anders, auch wenn wir wollten und denken deshalb lieber, wir spielen so, weil wir müssen und nicht weil wir nicht können, sondern weil wir nicht wollen, wie wir könnten. Jetzt müssen wir also wieder so spielen, wie wir könnten, wenn wir nicht müssten, sondern wie wir könnten, wenn wir nur wollten. Bleibt die Frage: Können wir wollen, wenn wir müssen?

Donnerstag, 13. Februar 2014

About : Schmidt

Mit der deutschen Nachkriegsliteratur ist es so eine Sache. Eine Art Triumvirat – Böll, Grass, Walser – ist im Literaturkanon übrig geblieben, die Gruppe 47 beschäftigt hauptsächlich die Akademiker und der Rest führt mehr oder weniger eine Rand- oder Schattenexistenz.  Von einer relativ lebhaften literarischen Szene, die auch nachfolgende Schriftstellergenerationen mitgeprägt hat, ist im öffentlichen Gedächtnis nicht sehr viel übrig geblieben. Zu  den Autoren, die sich zumindest eine Nische erhalten haben,  zählt  sicher Arno Schmidt, der bis heute auf eine kleine Schar „Eingeweihter“  zählen kann und in den 70er und 80er Jahren bei jungen Intellektuellen – oder solchen, die es gerne sein wollten -   eine Kultfigur war, obwohl – oder weil – er alles dafür tat, keine zu werden.  „Mein Elvis hieß Arno“ beschrieb der Literaturwissenschaftler Kurt Scheel anlässlich des  Schmidt-Jubiläums in der TAZ seine Zeit als Mitglied des „Arno-Schmidt-Dechiffrier-Syndikats“.  Junge Männer – die Arno Schmidt-Leserinnen sind deutlich in der Unterzahl -, die den 2 Kilogramm schweren Raubdruck von „Zettels Traum“ durch die Heide trugen und daraus deklamierten.  Schmidt selbst wollte von dererlei Unfug nichts hören und sehen und verweigerte jeden Kontakt. Unfreiwillig waren es die „Anhänger“ Schmidts, die später – nach Schmidts Tod – zusätzlich als Munition dienten, um Schmidt endgültig zu „enttarnen“. Vom „Hätschelkind des Literaturbetriebs“  war in den 80er und 90er Jahren zu lesen, vom „Bornierten Bluffer aus Bargfeld.“  

Mittwoch, 12. Februar 2014

Ach, Mensch!

Da war sie also tatsächlich die Chance aufs Halbfinale. Alles genau so gekommen wie gehofft und noch ein bisschen mehr. Couragiert. Mutig. Konzentriert. Selbstbewusst. Sebi Jung war bärenstark. Carlos Zambrano hat bis in die Haarspitzen geglüht, aber nichts anbrennen lassen.  Seppl Rode war tatsächlich furios – wenn auch  leider  vor allem beim Auslassen der Torchancen. Johannes Flum war weiter in Braunschweig-Form und doch dabei.. Meier war Meier. Constant Djakpa hat sich aus seinen Armen und Beinen entwirrt, manchmal. Vaclav Kadlec. Na ja. Ok. Stattdessen Rosenthal: Hey - laufstark, kreativ, mannschaftsdienlich. Marco Russ einmal mehr erstaunlich. Und Kevin Trapp hatte gar nicht so viele Möglichkeiten, die Dortmunder zur Verzweiflung zu bringen. Alles richtig gemacht. Nichts abgeschenkt. Ein Spiel auf Augenhöhe geliefert. Gekämpft.  

Kurz vor Schluss ist dann bei den Dortmundern tatsächlich Jonas Hofmann eingewechselt worden. Alles genau so gekommen wie gedacht, wie gehofft. Fast. Am Ende ein Hocherhobenen-Hauptes-Spiel. Aus. Ach, Mensch!

Dienstag, 11. Februar 2014

Der runde Ball, der Pokal und die eigenen Gesetze

Immer wieder erstaunlich, was ein einziger Sieg so alles ausmacht. Nicht nur der Pokal auch das Fußballerherz hat seine eigenen Gesetze. Am Samstag vor dem Spiel gegen Braunschweig war ich der festen Überzeugung, dass wir das tiefste Tal dieser Saison noch lange nicht erreicht haben. Hauptsache irgendwie gewinnen, und dann sehen wir weiter. Schon auf dem Weg zum Stadion änderte sich meine Stimmung. Es war Regen, es war windig und grau, es war Fußball, endlich wieder. Konzentriert und kämpferisch, mutig, mit spielerischen Akzenten, herausgespielten Toren. Nach dem Spiel:  Pitschpatschnass, durchgefroren und glücklich – nicht nur diese melancholische Erleichterung wie nach dem Spiel gegen Hertha, sondern froh, richtig froh. Wir. Wieder da. War was?

Heute ist Pokal. Und es ist, als ob wir uns mit dem Spiel gegen Braunschweig bereits selbst die entscheidende Vorlage gegeben haben.  Der Glaube an die irgendwo in uns lauernde Stärke ist wieder zurück. Mein Herz hüpft,  mein Magen wackelt. Kann mich nicht konzentrieren. Wusele herum. Brabbele sinnfrei. Kritzele.  Jappele auf meinem Schreibtischstuhl herum.   Stopp, Stopp. Ganz langsam. Aufstehen, aus dem Fenster kucken. Die Wolken ziehen.  Mach mal langsam. Das ist doch alles Quatsch. Dortmund! Mensch, bärenstark.  Omm, omm. Tief durchatmen. Aber es nützt nix. Ich kann mich selbst nicht überzeugen. Warum – also warum? - sollten wir nicht gegen Dortmund gewinnen? Alles hineinlegen in dieses Spiel für das große Ziel. Im Halbfinale gibt es mindestens zwei  Mannschaften, die wir schlagen können. Pokalfinale. Berlin. Endlich mal wieder. Mensch, das wär’s.

Samstag, 8. Februar 2014

Mehr!

Der Winter will und will dieses Jahr – zumindest in unseren Breitengraden - nicht so richtig zum Vorschein kommen. Ab und zu von fern ein paar nasse Schneeflocken, die durchs Bild stieben. Das muss und wird sich noch ändern. Ich fordere: Mehr Winter.

„Mehr Eintracht“ hat vor dem Spiel gegen Braunschweig Armin Veh verordnet. Das war nach dem letzten Sonntag nicht unbedingt zu erwarten. Da haben wir bei „diesen Bayern“ verloren, was aber vollkommen ok ist. 0:5 – so what? Die spielen halt mit allem pepapo und gewinnen sogar, wenn Ribery sich erst nach dem Spiel (tschuldigung) den Hintern aufreißt.