Freitag, 21. Februar 2014

Eintracht in Europa: Still going strong!

Der Donnerstag, der so ein glückliches  Ende finden sollte, fing so an wie im Moment meine Tage immer anfangen: Hellwach  und sehr, sehr müde. Mein Schreibtisch, mein Kopf  – zum Glück – voller Arbeit, Ideen und Projekte. Die Tage sind lang, die Nächte kurz. Schreiben, recherchieren, basteln, abstimmen, konzipieren, korrigieren, redigieren. Mails, Texte, Telefonate, Scribbles. Ja, ja. Nein, nein. Ganz anders. Ja, genau so. Dazwischen: Rotundschwarze Tupfen aus Porto. Eintracht-Forum. Facebook. Mails. SMSe. Mittwoch:  Chillen am Strand und in Straßencafés.  Hotels. Panoramabilder.  Trainingsfotos aus dem Stadion, Fotos von Gässchen und Winkeln.Donnerstag: Frühstück, Gang durch die Stadt. In Porto regnet es Bindfäden . Von knapp 7.000 Entrachtlern in Porto ist die Rede. Annähernd Bordeaux-Dimensionen. Wahnsinn. Wie durchgeknallt ist das denn?

FC Porto - Traumlos. Portugal  - ein Traumziel. Trotzdem war bei mir von Anfang an klar, dass ich nicht mit fliegen würde. Zeitlich keine Chance, so mal eben fünf/sechshundert Euro? Mmh... und – ja - auch ein paar grundsätzliche Überlegungen, von wegen Eurohype und Werder ist wichtig.  Also stattdessen  im Netz und vor dem Fernseher. Das Spiel gegen Dortmund in den Knochen.Vorfreudig und doch vom Zweifel angekränkelt.  Bilder von Porto im Regen. Eintracht-Entchen zwischen Portweingläsern. Baah, kann mich nicht wehren, da ist  es doch das Kribbeln, die leise Sehnsucht –  dabei sein. Menschenskinders. Wir. Ein beeindruckendes Bild  wie die Adler aus allen Ecken zusammentrömen, von hier, von da, viele, ganz viele, sehr, sehr viele.

Kurz  nach Sechs –  uff, Abgabetermin geschafft! Gleichzeitig die  ersten Bilder  vom Eintracht-Sammelplatz vor dem gemeinsamen Weg zum Stadion. . Fotos vom Anmarsch.  Eine scheinbar endlose Menschenschlange, die auf einem Weg am Fuße von Klippen am Meer entlang marschiert. Mehr. Meer. Dann der Wechsel auf eine Straße. Post: „Die Autobahn ist für die Eintracht abgesperrt.“   

Klinke mich aus.  Konzentrier dich Kerstin,  du must  noch ein bisschen was arbeiten. Um zehn nach halb 9 setze ich ein Ausrufezeichen  unter meinen Text. PC aus. Meine Augen brennen.  Wasser ins Gesicht, Europa-Shirt über den Kopf ziehen, Eintracht-Schal um den Hals und nichts wie ab vor den Fernseher. 

Das Stadion ist nur halb gefüllt, die Eintracht-Kurve randvoll. Interviewgeplänkel. Anpfiff. Wir. Porto. Starre konzentriert auf den Bildschirm, versuche alles aufzunehmen -  ***Pirmin, unglaublich,dass der echt dabei ist, an dem Alex sein Bändsche im Haar muss ich mich erst noch gewöhnen, was machen Rode? Sebi – heeeey***  - und merke dann doch wie ich abschlaffe. Wir mühen uns, konzentrieren uns auf die Defensivarbeit. Die spärlichen Konter sind harmlos, die Pässe unpräzise.. Die Portugiesen haben viel Platz, spielen straight und schnörkellos, sehr ballsicher, wirken durchweg sehr athletisch, Jackson könnte auch in einer Footballmanschaft stehen. Trapp hat mehrmals Gelegenheit zu zeigen, dass er heute einen guten Tag hat.  Das Übergewicht von Porto wird stärker, stärker und lässt dann nach. Sieht so aus, als könnten wir das 0:0 in die Pause bringen. Dann, kurz vor der Halbzeit doch noch das 1:0. Rode verliert dabbisch den Ball, Jung kommt nicht mehr dazwischen, Quaresma  zieht mit viel Gefühl ab, Bogenlampe, der Ball wird  lang und länger,  rechts in lange Eck, unhaltbar. Ein grandioses Tor, nix zu machen. Ob wir da noch mal zurückkommen können. Ein 1:1 das wär’s.

Gehe in der Halbzeit ein paar Schritte hinters Haus. Durchhalten, wach bleiben.  Strecke mich, reibe die Augen. Baah, wie bin ich  müde. Es ist mild. Leichter Wind. Ein paar Regentropfen. Unsere Katzen haben schon voll auf Frühjahrsmodus umgeschaltet. Mäh. Miau. Ich gehe wieder hinein.

Die Mannschaften kommen aufs Feld. Von der ersten Minute an ist irgendetwas anders. Die Körpersprache, Körperspannung.  Ruck, sprichwörtlicher.  Das sieht aus wie Fußball, wie ein Spiel, in dem es um etwas geht. Tatsächlich, wir können das noch. Wir können wollen,  rücken jetzt gestaffelter auf.  Wach. Aufmerksam. Das Spiel nimmt Fahrt auf.  Joselu. Russ. Hey, wir haben Torchancen.  Aber auch die Portugiesen wollen erkennbar den Sack zumachen  – ***großartig wie Meier und Joselu nach hinten mitarbeiten – vielleicht geht da doch noch was für uns - wie wäre es, wenn wir einfach mal eine unserer Chancen nutzen***. – und dann  ist von einer Sekunde auf die andere doch alles vorbei.  Das zweite Tor für die Portugiesen.  Dieser blöde Freistoß. Varela.  2.0. Das war’s dann wohl. Aus die Maus, die europäische.

Ich hänge jetzt mehr in meinem Sessel als ich sitze. Der Eintracht-Block singt und ich denke, dass alles seine Zeit hat und heute wohl nicht unser Tag ist. Gleich wird Porto noch das dritte oder vierte Tor machen.  Tschüss Europa, der nächste Donnerstag ist Makulatur. Ok, war ja zu erwarten und am Sonntag ist Werder, das ist wichtig. Und dann. Und dann...

Jaaaaaaaaaaah. Joselu. War ich das, die da eben schlaff und resigniert im Sessel gehangen hat? Jetzt fliege ich hier oben, direkt unter der Decke. Was machen die denn da? Die wollen doch nicht etwa? Barnetta kommt für Rode. Ich stehe jetzt.  Senkrecht. Hellwach. Adrenalin bis in die Haarspitzen. Ecke. Der Ball kommt von rechts. Getümmel vor dem Tor. Der Portugiese köpft oder ist das Madlung? Da ist Russ, ein Blauer, Russ, der Torwart hangelt. Drin, drin, der Ball ist drin. Ich schreie, hüpfe, stehe dann einfach nur still, recke die Arme in Luft, Schauder über dem Rücken. Ist das wahr? Echt? Hüpf und kreisch mit Zeitverzögerung. Schlage meinem Mit-Adler sinnlos auf die Schulter. Spielertraube, ungläubige, glückliche Gesichter. Jubelnder Veh.  Es ist der Wahnsinn.  Wir haben das Ding tatsächlich umgebogen. Wir sind zurück. Voll da. Waren nie weg. Seppl Rode und Sebi Jung nach dem Spiel:  Glück aus allen Poren, Fasern, Mundwinkeln.

Heute morgen in meinem Mail-Eingang eine Mail mit Amazon-Empfehlungen:  „Cinderella 2. Träume werden wahr.“ Perfektes Timing. Und um möglichen Zweifeln gleich entgegenzuwirken:   So packen wir auch Werder. Ganz, ganz sicher - Bunkt. Ausrufezeichen!

Kommentare:

  1. Ja, Cinderella, alles klar für morgen!

    Die Jungs haben gezeigt, dass sie unbedingt wollen. Und wenn sie das tun, können sie meistens was erreichen.

    LG Nicole

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    1. Ruckedigu, ruckedigu... irgendwie war da wohl Blut im Schuh...Was e Elend!

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  2. Sicher bin ich mir nicht. Aber - wieder - zuversichtlich. Bremen können wir schlagen.

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    1. Ich lag nicht ganz falsch: Wir können Bremen schlagen. Aber wir haben es - trotz einstündiger Überzahl und einiger guter bis sehr guter Chancen - nicht getan. Kaum Ideen, kein Tor und am Ende nur ein Punkt kosten mich wieder etwas von der frisch zurück gewonnenen Zuversicht.

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  3. Ja, du liegst nicht nur nicht falsch, sondern richtig. Wir hätten Bremen nicht nur schlagen können, sondern schlagen müssen. Ich war ja noch deutlich optimistischer als du, dachte, dass das Spiel in Porto uns jetzt auch ligamäßig wieder in die Spur gebracht hätte. Aber die Spur ist anscheinend nicht vorhanden. Irgendwie wird aus dieser Saison keine Saison, es bleiben einzelne Spiele und erst ganz am Ende werden wir einen Strich drunter ziehen können und kucken, wie sich das eine mit dem anderen aufrechnet. Selbst die absurdeste Kombination - Absteigen und gleichzeitig Europacup-Sieger werden - scheint nicht ganz ausgeschlossen.

    lgk (sehr, sehr nachdenklich)

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  4. Hallo Kerstin ,hab dich gegen bremen vermisst! Aber scheinbar hattest du den siebten Sinn!Grotenschlecht!
    Jetzt hat es mich erwischt und daß ausgerechnet gegen Porto!
    Hab aber alle Hebel in Bewegung gesetzt, daß Paul sein Europafeeling aufsaugen kann, kämpfen und siegen oder vielleicht ein 1:1.
    Freue mich auf eine existente Kerstin am Sonntag!!

    Nur die SGE

    liebe Grüße
    Thomas

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  5. Lieber Thomas, hab mich so über deine Nachricht vor dem Spiel gefreut - natürlich nicht darüber, dass du nicht dabei sein konntest. Ich hätte diesen Abend - gerade weil er so ausgegangen ist- sehr gerne mit dir und euch erlebt. Bin sicher, dass Paul trotz aller Traurigkeit hauptsächlich stolz auf seine Eintracht war und ist.

    Bis gleich im Stadion, lg Kerstin (zwar immer noch grässlich erkältet, aber zweifelsfrei existent)

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  6. Nachtrag nach dem Sieg gegen den VFB: Heeey Paul - siehst du - heute waren sie am Ende da, die 10 Prozent mehr :)

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