Sonntag, 28. November 2010

Offiziell.

Nach der 1:4-Niederlage bei den Bayern ist es jetzt also offiziell: die Serie der Eintracht von sieben Spielen ungeschlagen in Folge war doch nur Zufall bzw. ist nur deshalb zustande gekommen, weil alle ihre Leistung abgerufen haben bzw. weil wir das Quäntchen Glück hatten, das uns sonst so oft fehlt.

Ich fasse mal zusammen: …Von wegen Fußball 2000. Wenn’s läuft läuft’s und wenn nicht, sind wir nicht flexibel genug, unser Spiel umzustellen. Uns fehlt die Qualität. Keine Eier. Mittelmaß. Bestenfalls. Sebi Jung ist hinten links überfordert. Vasi hat noch Nachholbedarf. Ochs Ansprüche sind höher als seine Leistung. Russ macht, was er kann. Benni Köhler fehlt überall. Und grad jetzt, wo auch noch Franz und Schorschi nicht dabei sind. Halil Altintop – hat der überhaupt mitgespielt? Sonny Kittel wird einer, braucht aber noch. Schwegler ohne Chris ist nur halb so viel wert. Überhaupt Chris. Der fehlt. Meier hat nahtlos an seine Leistung vor der Verletzung angeschlossen. Maddin glücklos. Gekas trifft und das war’s aber auch schon. Heller ist schnell. Warum wir Clark haben, wissen wir nicht. Caio kommt, um zu geben dem Spiel eine Wende und ist dann doch wieder nur Caio. Oka ist **habenwirdochschonimmergewusst** halt doch e Kapp. Zwischen Ama und Michael Skibbe ist alles in Ordnung (Händedruck vor der Einwechslung). Und Michael Skibbe ist doch der, für den wir ihn schon immer gehalten haben, und nicht der, der er vorgibt zu sein. Trainerdarsteller. 50 Punkte. Wo wollen wir die denn holen? 21 Punkte zur Winterpause. Wie jedes Jahr...

„Die Bayern hadern und suchen den Anschluss nach oben. Die Frankfurter sind einfach rundum zufrieden, da wo sie sind.“ (Sky-Reporter bei der Anmoderation zur Zusammenfassung des Spiels).

Gut, dass das endlich mal jemand offiziell gesagt hat.

Apropos offiziell: Am 6. Dezember wird der neue Riederwald offiziell eröffnet. In der offiziellen Einladung zur Mitgliederversammlung werden wir, die Gäste, gebeten „in feierlicher Kleidung oder in Eintracht-Kleidung (offizielle Sportbekleidung, Trikots oder Fan-Shirt etc.) zu erscheinen.“ Mein Mit-Adler hat daraufhin umgehend auf den geplanten Besuch verzichtet („Ich brauch niemand, der mir sagt, was ich wann anzuziehen habe.“) und wird sich den Riederwald ein ander Mal anschauen. Inoffiziell. Ich finde: so ein Hinweis hat schon seinen Sinn – schließlich gibt es einige von uns, die zu offiziellen Terminen gerne mal im lila Anzug erscheinen – und das wäre ja wirklich peinlich.

Gestern Vormittag waren wir übrigens in Mainz auf dem Weihnachtsmarkt – dem Anlass angemessen mit warmen Jacken und Eintracht-Schals (ganz ohne offizielle Aufforderung). Ein älterer Herr sprach uns an: „Ach, wie schön. Eintrachtler! Ich bin auch Eintrachtler. Mein Sohn is Eintrachtler. Und mei Enkelscher auch.“

So war es. So ist es. Und so wird es sein. Und jetzt zünde ich eine Kerze an. Darf ich ja heute auch. Erster Advent. Und das ist offiziell.

Freitag, 26. November 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel (Von Bremen bis Bayern-Edition)

Samstag, 13. November
Die Eintracht spielt heute in Bremen. Hier bei uns stürmt es, aus dem Norden wird mir per SMS nur ein laues Lüftchen vermeldet. So kommt es dann auch. Erfreulichste Nachricht: Vasi ist back und spielt eine Halbzeit durch. In der Spieler-der-Stunde-Wahl in der Klappergass streiten sich heute Vasi, Russ und Oka um den Titel. Oka gewinnt. Das Spiel endet 0:0. Punkt.

Sonntag, 14. November
Es regnet. Die Welt ist grau, die Bäume kahl. Wind weht. Schön.

In diesem Jahr hat es so gut wie keine Walnüsse gegeben. Ein paar wenige habe ich doch unter dem großen Nussbaum aufgesammelt und zum Trocknen auf einer Steige im überdachten Eckelchen hinterm Haus zum Trocknen ausgebreitet. Es waren nicht viele – aber – hey – ein paar mehr waren es doch…? Stimmt. Heute beobachte ich ein Eichhörnchen , das wieselflink vorbeigehuscht kommt und – wuppdich – mit einer Nuss im Mäulchen verschwindet. Gut, dann also dieses Jahr gar keine Nüsse für uns. Wir sammeln dann stattdessen Punkte (haha).

Es ist ein merkwürdiges Zeichen unserer Zeit, dass überall gekocht oder gemordet wird. Man schaltet den Fernseher ein: Entweder Tatort oder Koch-Show. Jetzt wird die Küche zum Tatort: Johann Lafer steht unter „Schleichwerbungsverdacht." Verdacht? Hä? Der Mann ist doch sowieso das Koch-gewordene Produkt-Placement.

Montag, 15. November
Ich liebe die poetischen, witzigen, melancholischen Heimatgeschichten von Andreas Maier, die eine Schneise in die Zeit schlagen. Erst 30, 40 Jahre her - und doch schon eine versunkene Welt. Andreas Maier schreibt über Frankfurt und über die Wetterau, die eigentlich die ganze Welt und heute nur noch eine Ortsumgehung ist, eine Heimat, „die ins Einstmals planiert wird“. Gestern hat Andreas Maier den Raabe-Preis erhalten.  Was für ein Glück, dass die Eintracht ihm dabei geholfen hat, ein richtiger Schriftsteller zu werden.

Dienstag, 16.November
Der Umbau des Riederwalds ist abgeschlossen, der neue Riederwald bezugsfertig, auch das Leistungszentrum wird eröffnet. Armin Kraaz, Leiter des Leistungszentrums im Interview: „Wir suchen spielstarke, technisch gute Spieler. Wir fühlen uns der Eintracht-Vergangenheit verpflichtet.“ Und hoffentlich auch der Zukunft :-)

Nachmittags machen wir uns auf den Weg Richtung Wiesbaden, wo heute die deutsche U21-Nationalmannschaft gegen England spielt. Mit Sebi Jung, erstmals auch mit Cenk Tosun. Jung spielt zurückhaltend, aber ordentlich; der im Eintracht-Profi-Kader bisher noch nicht zum Zug gekommene Cenk Tosun sehr aktiv, agil, einsatzfreudig. Einen sehr starken Eindruck hinterlassen Boris Vukcevic und Peniel Mlapa von der TSG Hoppenheim, gegen die die Eintracht am nächsten Wochenende spielen wird. Mmh. Das Maskottchen der „Nati“ – der kreuzdämliche Adler Paule – hüpft über das Spielfeld und ich schicke ein Stoßgebet zum Himmel, dass uns der Fußballgott auch künftig im Waldstadion vor dererlei Unfug verschonen möge. Kann gut sein, dass der Fußballgott damit am allerwenigsten zu tun hat.

Wir haben unser Auto irgendwo abgestellt und finden es dann auch. Irgendwann. Dann reißt der Auspuff. Auf dem Heimweg essen wir noch einen Hamburger.

Aus den Nachrichten: In England wird vermeldet, dass Kate und Willi Windsor im nächsten Jahr heiraten. Willicat. Irland meldet derweil Bankrott an. "If you had the luck of the Irish..." (wie auch immer man das in diesem Zusammenhang auch verstehen mag).



Mittwoch, 17. November
In der Offenbach Post schreibt Peppi Schmitt, dass die Eintracht einen Klub für Tosun und Alvarez sucht, während er am nächsten Tag in der Frankfurter Neuen Presse berichtet: „Der Eintracht-Trainer hofft, dass der 19 Jahre alte Tosun und der gleichalte Marcos Alvarez über die Saison hinaus in Frankfurt bleiben.“ Fast dasselbe. What a difference a day makes.

Donnerstag, 18.November
Sebastian Vettel ist seit letzter Woche Formel 1-Weltmeister und schon immer Eintrachtler, will aber kein VIP-Fan sein. Wenn er ins Stadion kommt, dann zusammen mit seinen Kumpels. Ich mag den.

In Rüsselsheim findet heute um 11 Uhr „das Spiel des Jahres“ statt – die U 18-Nationalmannschaften aus Deutschland (mit Sonny Kittel) und der Türkei (mit Okan Derici und Aykut Özer) spielen gegeneinander. Deutsch-türkische Schulklassen aus den Nachbarorten werden integrativ mit Bussen ins Stadion am Sommerdamm verbracht.

Wir setzen uns morgens ins Auto und fahren in die Welt. Nach Norden, ans Meer. Hinter dem Bottroper Kreuz eine langgezogene Kurve und dahinter ist alles anders: Wir sind in Norddeutschland. Die Welt wird flacher und leerer. Noch leerer. Leer. Und dann sind wir da, Ostfriesland. Es ist bereits dunkel. Wir beziehen ein Zimmer unter dem Dach in einem Backsteinhaus, tappern zum Hafen, wo gerade die letzten Krabbenkutter entladen werden. Die angestrahlten Zwillingsmühlen sehen aus wie eine Filmkulisse. Wir essen Fisch und trinken Bier. Der Mann am Nachbartisch heißt Fiete. Mein Herz ziept und ich weiß nicht, ob ich froh bin oder traurig oder beides zusammen und ob das vielleicht nicht genau so sein muss.

Freitag, 19. November
Grauer Nebel hängt über dem flachen Land. Möwenschwärme ziehen krächzend am Himmel und wir laufen und suchen das Meer. Am Siel hinter Greetsiel entlang, immer noch eine Kurve, immer noch eine. Norddeich. Die Einfahrt in den Hafen. Ich renne die letzten Stufen den Deich hinauf, da ist es, das Meer – zumindest fast. Ebbe. Nur vereinzelte Menschen, Hunde tollen im Sand. Wir waten und patschen und laufen. Meer. Meer. Mir ist, als sei ich der erste Mensch, der dieses Wunder entdeckt. Durchgefroren und müd gelaufen landen wir in einem kleinen Imbiss, essen Speckpfannkuchen und trinken heißen Kaffee.

Derweil stimmt man sich im fernen Frankfurt auf das morgige Heimspiel ein. Patrick Ochs findet, „dass 3 Punkte gegen Hoffenheim Pflicht sind, wenn wir uns da oben festbeißen wollen.“ Wo er recht hat, hat er recht.

Samstag, 20. November
Wir stehen früh auf. Der Tee simmert auf dem blauweißen Stövchen. Noch einmal ans Meer. Höchststand. Meer und Himmel verschwimmen zu einer Einheit. Vollkommen glatt liegt das Wasser da.  Eine schmale Linie markiert den Horizont. Die Sonne blitzt kurz durch die Wolken, versinkt dann im Grau. Ich freunde mich mit einer kleinen Möwe an. Stehe. Schaue. Rieche. Will nicht weg. Muss.

Bevor wir uns auf den Rückweg machen, kaufen wir in dem kleinen Lädchen am Ortsausgang noch etwas Wochenendverpflegung: ein Schwarzbrot, ein Stück Deichkäse, sechs Eier und zwei Marzipankartoffeln. Graues, weiches Licht. Nieselregen. Wollige Schafe grasen am Deich. Nebelschwaden, aus denen ab und zu ein Baum, ein Haus hervorleuchtet. Die Scheibenwischer quietschen, Van Morrison singt.



In den vergangenen Wochen wurde der Fortschritt im Spiel der Eintracht vor allem auch daran festgemacht, dass wir bisher gegen jede Mannschaft mithalten konnten. Alle Spiele waren knapp. Manchmal hat ein Quäntchen Glück gefehlt, oft hatten wir es. Heute nicht. Keins von beidem. Die Eintracht verliert mit 0:4 gegen Hoppenheim. Franz und Tzavellas holen sich die gelbe Karte. Beide.

„Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche ist auf ihre Art unglücklich.“ Heute vor 100 Jahren starb Leo Tolstoi.

Sonntag, 21. November
Studiere die während unserer Abwesenheit liegengebliebenen Zeitungen.

Ach, am Freitag war Welt-Toilettentag. In Berlin haben Schüler für die Klobalisierung demonstriert. Ich weiß schon, is nicht ganz so lächerlich wie es klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Trotzdem. Kommt mir in etwa so vor, wie wenn ich den Welt-Elektroherd-Tag ausrufe und glaube, dass ich mich damit gegen Ausbeutung, Hunger und Armut einsetze.

Die Mainzer Allgemeine Zeitung berichtet über den Stand der Dinge beim Bau des neuen Mainzer Stadions, der Coface-Arena. Die Fanblocks heißen Stimmungsblocks (bei uns auch?) und werden T-förmig angeordnet, damit mehrere Blocks gleichzeitig bespaßt werden können. Für den Vorsänger wird ein Vorsängerpodest gebaut. Vorschlag: Gleich noch stimmungsvertragstariflich absichern.

In Stuttgart gibt es weiter Kopf oben-  bzw. Kopf-nach-unten-und-durch-Demonstrationen. Gegner und Befürworter stehen sich gegenüber.

Erinnerungsflash. Years ago. Innenstadt Rüsselsheim. Friedensplatz. Der befindet sich im Knotenpunkt dessen, was in Rüsselsheim früher (so hat es mir mein Papa erzählt) die „Idiotenrennbahn“ genannt wurde – links die Darmstädter-, rechts die Bahnhofstraße und in der Mitte das Zentrum mit Geschäften, um das man  im Kreis flanieren konnte.

Ich stehe in einem Pulk von Menschen, wir demonstrieren gegen den Aufmarsch von Neo-Nazis. Die Neo-Nazis stehen uns gegenüber, eine fast gleich große Gruppe im ca. Zehn-Meter-Abstand, dazwischen ein Polizei-Kordon.  Die Stimmung ist hitzig, Parolen werden skandiert, wir beschimpfen uns gegenseitig. Zeitgleich zieht auf der Rüsselsheimer Idiotenrennbahn eine Gruppe von Harekrishnahs singend ihre Kreise. Ungefähr zwanzig Minuten braucht man, um einmal um die Innenstadt herumzukommen – dann teilt sich zunächst unsere Gruppe – die Harekrishnas ziehen an uns vorbei, die Lücke schließt sich – dann teilt sich die Polizeikette, es teilen sich die Neo-Nazis - die Harekrishnas ziehen singend auch an ihnen vorbei und begeben sich auf die nächste Runde. Wir nehmen unsere Beschimpfungen wieder auf. Ommm. Flashbackende.

Apropos „Ommm“. Nachts stolpern wir im WDR auf die „Lange Bläck Fööss-Nacht“. Ein Konzert in der Kölner Südstadt zum 40-jährigen Bestehen der Band. Mitten unter den Feiernden entdecken wir Friedhelm Funkel. Sogar beim Schunkeln steht er sehr aufrecht und gerade – immerhin: Er hat die Arme nicht vor der Brust verschränkt. Hat nicht gestern der VFL Bochum zu Hause mit 1:4 gegen den Tabellenletzten aus Ingolstadt verloren? „He deit et wih und do deit et wih, alles wat wat jut is dat kann mer net mi“ singen die Bläck Fööss und mit ihnen singt Friedhelm. Wohl wahr.  (Wie ich später nachlese, handelte es sich bei dieser Sendung um eine Aufzeichnung vom 13.11., da stand also  nicht nur die Heimniederlage gegen Ingolstadt, sondern auch die Niederlage bei Hertha noch bevor. Ja dann.)

Dietrich Weise wird heute 76 Jahre alt.

Montag, 22. November
Als hätten alle nur darauf gewartet. Jetzt hat er es also doch getan, der Ama, der die Niederlage gegen Hoppenheim bis zum Schluss von der Bank aus beobachtet hat. Hat sich aus der Reserve locken lassen. Zieht vom Leder: „Hier ist das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt.“ Stolzer Grieche. Beleidigter Egomane. Zu impulsiv. Absicht. Alte Rechnungen. Ja, hätt nicht sein brauchen. Trotzdem. Mir egal: Lasst die Finger weg von Amanatidis.

Keith Richards hat in seinem Buch „Life“ darüber berichtet, dass er die größte Langeweile ever dereinst in einem dunklen Kaff in Neuseeland erlitten habe. Jetzt streiten sich zwei neuseeländische Käffer darum, wer von beiden den Ehrentitel für sich beanspruchen darf: „Arschloch der Welt.“

Keine Ahnung, wie ich ausgerechnet in diesem Zusammenhang aufs  HR-Heimspiel komme. Dort sind heute wieder einmal die unvermeidlichen Thomas Berthold und Lutz Wagner zu Gast. Außerdem Sebi Jung und ein junger hessischer Boxer, Jack Culcay, der vor hat, Weltmeister zu werden und auf gutem Weg dorthin ist. Volker Hirth vergleicht ihn mit Sebastian Vettel, der ja imagemäßig so etwas sei wie der „Junge von nebenan“. Wie würde denn Jack Culcay gerne in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden? „Weiß ich nicht, das macht mein Manager.“  Mmh. "Thank god that I ain't me." (Bob Dylan)

Dienstag, 23.November
Es wird kalt. Für Ende der Woche ist sogar Schnee angesagt. Ich zurre und zerre Säcke mit Rindenmulch durch den Garten. Letzte Einwinterungs- und Aufräumarbeiten. Krame im Keller nach Engeln und Lichtern. Ach, da sind ja auch die Eintracht-Christbaumkugeln. Dschingelbellsdschingelbells.

Vor ein paar Tagen habe ich einen guten Freund, der leider 05er ist, gefragt, ob wir uns am Rande des Spiels nächste Woche im Waldstadion kurz sehen. „Nein“, hat er mir geantwortet. „Da fahr ich garantiert nicht hin. Das Spiel ist für mich das unwichtigste in der ganzen Saison.“ Heute lese ich, dass die Mainzer über 1000 Karten im Gästebereich wieder an die Eintracht zurückgeschickt haben, die jetzt in den freien Verkauf gehen. Unwichtig? Haha. In Frankfurt, der Hauptstadt des Verbrechens, herrscht Maik, der Schreckliche. Deshalb!

Mittwoch, 24. November
Die Eintracht vor dem Spiel bei den Bayern. Die Spritzenkur bei Chris hat nicht angeschlagen, vielleicht muss er operiert werden. Franz und Tzavellas fallen wegen der vierten gelben Karte in München aus, dafür kommt Alex Meier zurückund Pirmin Schwegler wird auch dabei sein, hat sich im Spiel gegen Hoppenheim keine Gehirnerschütterung, sondern „nur“ eine Schädelprellung zugezogen. Heribert Bruchhagen gibt der FR ein Interview, dass er nicht gegeben hätte, wenn die Eintracht letzten Samstag gewonnen hätte. Er sagt vieles und jeder piekt sich das heraus, was ihn in seinem HB-Bild bestätigt. Ich notiere: „Man muss nicht jedem Trend nachlaufen.“ Und: „Bin nicht mehr bereit, die kultivierten Anti-Funkel-Parolen zu akzeptieren.“ Ama wird ermahnt und Alvarez entschuldigt sich.  Weiter geht’s.

Freitag, 26. November
Es schneit. Es schneit.

Letzte Woche ist das 3-gängige französische Menü – wie zuvor z.B. schon die Marimbaklänge in Kolumbien, der Scherentanz in Peru, die Falknerei, die katalanischen Menschenpyramiden  - zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt worden, was bedeutet, dass die entsprchenden Staaten sich zum dauerhaften Erhalt des jeweiligen Kulturgutes verpflichten und es im „Doing“ verankert bleibt. Mein Mit-Adler plädiert dafür, umgehend auch das Rauchen zum immatieriellen Weltkulturerbe zu erklären. Genehmigt. Ich konter emit Apfelwein. Bembel für den Apfelwein. Deckelsche auf dem Bembel mit dem Apfelwein. Das Gerippte. Das Deckelsche auf dem Gerippte. Schließlich: Der Apfelwein-Trinker.

Und noch ein Fall zum Vormerken fürs immaterielle Weltkulturerbe. Fest verankert im täglichen Tun: Eintracht-Siege – z.B. gegen den FC Bayern München. Einverstanden? Dann Deckelsche druff:


*** to be continued ***

Dienstag, 23. November 2010

Azvenzkalender-Countdown

Ein Museum ist ein Ort, um Erinnerungen zu pflegen und zu erhalten. ein gutes Museum ist ein Ort, an dem Erinnerung nicht nur bewahrt, sondern ge- und belebt werden. Und ein richtig gutes Museum, das ist alles zusammen: Erinnerungsstätte. Denkraum. Treffpunkt. Anlaufstelle. Plattform. Eben genau so wie das Eintracht Frankfurt-Museum. Das Museum ist für die Eintracht, aber auch für uns Eintrachtler da. Eigentlich  selbstverständlich, dass auch wir für das Museum da sind. Und genau aus diesem Grund hat Forums-Moderator gereizt sich eine Aktion ausgedacht, um in der Vorweihnachtszeit ein wenig die Trommel für unser Museum zu rühren.

Die Idee ist so einfach wie naheliegend:  Im Eintracht-Museum werden Erinnerungsstücke und Geschichten  rund um die Frankfurter Eintracht für uns gesammelt und aufbewahrt - und jetzt sind umgekeht wir gefordert, unsere eigenen Erinnerungsstücke und Geschichten für das Eintracht Frankfurt-Museum zusammen zu tragen. Aus all den großen, kleinen, witzigen, kuriosen, besonderen, interessanten, originellen, spannenden, seltenen oder einfach nur schönen Eintracht-Stücken und -Ideen, die eingehen, wird dann ein Adventskalender gebastelt.  Jeden Tag öffnet sich ein Türchen, hinter jedem Tag ist eine Überraschung versteckt, die meistbietend versteigert wird.

Nur noch 7 Tage - dann wird das erste Adventskalendertürchen geöffnet. Das ist nicht mehr lange hin - aber immer noch Zeit genug, um selbst etwas zum Kalender beizusteuern. Deswegen habe auch ich gerade in meinen Eintracht-Devotionalien gestöbert und ein kleines Päckchen zusammen gepackt, das jetzt gleich zur Post geht.

Und was habe ich eingepackt? Aaaaaalso - das sag ich natürlich nicht ,-) - aber es hat mit Folgendem zu tun:





Und ?

Sonntag, 21. November 2010

Spooky!

Den Freitag und den Samstagvormittag habe ich weit weg, am Ende der Welt verbracht. Traumverloren an der Nordseeküste, eingehüllt in leuchtendes graues Licht, Nebel, Wolken, Himmel und Meer.

Als sich im Waldstadion die Anstoßzeit nähert, sitzen wir nicht im Waldstadion, sondern im Auto und sind auf noch nicht ganz halber Strecke auf dem Rückweg ins rein Hessische. Am Fenster flattert der rotundschwarze Eintrachtschal und um zehn vor halb vier zögere ich nur kurz und stimme dann – wie sonst im Stadion – aus voller Brust „Im Herzen von Europa“ an. Meinen Mit-Adler kann ich nicht zum Mitsingen überreden („Alles genau wie im Stadion – da singe ich auch nicht...“). So schallt meine Stimme einsam, aber laut und inbrünstig durchs Auto und mir fällt auf, wie froh ich sein kann, dass ich meinen Gesang normalerweise im allgemeinen Stadionlärm selbst nicht so genau höre.

Wir sind bei Anpfiff noch ziemlich weit nördlich. Einen hessischen Sender können wir hier nicht empfangen und hören deshalb wechselnd NDR und WDR 2. Das eröffnet interessante Perspektiven., entsprechend spärlich sind aber auch die Wortmeldungen aus dem Waldstadion. Top-Thema im Norden ist natürlich das Spiel des großen beim kleinen HSV, außerdem Werder auf Schalke. „Wir haben eine Verletzungsmiserie“, meint (sic!) HSV-Sportchef Bastian Reinhardt. „Wenn der Schnee schmilzt, siehst du, wo die Kacke liegt“, wird Rudi Assauer zitiert und da fällt auch schon das erste Tor. Lautern führt in Nürnberg und jetzt endlich führt dann auch die erste Schaltung ins Waldstadion zu Dirk Schmitt. „Zur Eintracht fallen mir in dieser Saison gar nicht genügend Superlative ein...“, schwadroniert der überleitende Moderator, „die Eintracht. Kaum zu glauben. Fast ein wenig spooky.“

Spooky? Das verschlägt Dirk Schmitt erstmal die Sprache. Ach so: Unwirklich. Geisterhaft. Ja, doch stimmt. Und unweigerlich folgt jetzt die Assoziation zu Theofanis Gekas, dem Strafraum-Gespenst. Eben jener Gekas wirbele auch heute die Abwehr der Hoppenheimer tüchtig durcheinander, erzählt Schmitt, und sei gleich nach dem Anpfiff auch bereits zum ersten Mal gefährlich vor dem Tor von Starke aufgetaucht. Allerdings: „Gekas traf den Ball und also auch das Tor nicht.“ Ich spüre ein kleines unbehagliches Gefühl in der Magengegend. Wenn er seine erste Chance vergibt, dann...

Dieser Gedanke ist noch gar nicht richtig in mein Hirn vorngedrungen, da fällt auch schon das nächste Tor. Ibisevic. Ach du elend. Naaain. Aber: Uff. Ilicevic war es. 2:0 für die Lauterer in Nürnberg – wie bitter für den Club, schon nach 12 Minuten - und da sind wir auch schon auf Schalke. Felix Magath hat von einer Reporterin vor dem Spiel den Glücksbringer eines Fans überreicht bekommen – ein mexikanisches Geldstück - mit der Auflage, die Münze während des Spiels in der Hand zu behalten. Die beiden Radiomoderatoren berichten in regelmäßigen Abständen. „Er hat die rechte Hand in der Hosentasche. Ich bin sicher, er rubbelt seinen Peso.“ Oops. Ob die Schalker wohl deshalb inzwischen mit 1:0 führen? Metzelder. „Ausgerechnet.“

Jetzt aber erst einmal Nachrichten und dann, vor der Halbzeitkonferenz, noch kurz die Meldung, dass zwischenzeitlich weitere Tore gefallen sind: Die Freiburger führen gegen Dortmund, Hannover gegen den HSV und – ach ja - Hoffenheim hat auch getroffen. In Frankfurt. Dieses Mal haben wir uns leider nicht ver-, sondern den richtigen Witsch gehört. Maaaaaaaan. Abwehrfehler. Vukcevic. Grrrr. Wusst ich’s doch, der ist stark. Aber hey. So ein frühes Tor. Das biegen wir noch um. Das packen wir. Anders als die Nürnberger, die b-acken heute gar nichts mehr. Die Lauterer spielen nämlich dort in einem Auswärtstrikot, das aussieht als habe es eine Schärpe - „Wie Mister Germany“ - und treffen jetzt bereits zum dritten Mal: Nach Rivic und Ilicevic trifft jetzt Lakic und auch wir machen – witsch –  einen kurzen Halbzeit-Toiletten-Stopp an der nächsten Raststätte.

Die Zwischenmeldungs-SMS aus dem Waldstadion ist sehr kurz: „Scheiße.“  „Wir machen das noch. Eintracht! Eintracht!,“ simse ich tapfer zurück und da rollen Auto und Ball auch schon wieder. Felix Magath hält seinen Peso weiter ganz fest und Schalke führt inzwischen mit 3:0. In Gladbach erzielt Reus das 1:0 gegen die „krisengeschüttelten“ Mainzer. Immerhin. Aber allmählich müsste sich jetzt auch bei uns etwas tun. Nur noch eine knappe halbe Stunde. Immer noch keine Nachrichten aus dem Waldstadion.

„Warum wechselt der nicht?“ grantele ich prophylaktisch. „Der Altintop muss raus.“ „Der Gekas macht heut nix.“ „Warum kommt Ama nicht mal früher?“ „Oder zumindest de Maddin...“ Und während wir noch hoffen, dass vielleicht genau dies vielleicht gerade tatsächlich im fernen Waldstadion geschieht, wird ein Tor aus Frankfurt vermeldet: „Das 0:2 durch Ibisevic.“ Zeitgleich in Gladbach der Führungstreffer gegen Mainz. Ja. Ja. Ok. Gut so. Aber hey... wir. WIR. Wenigstens ein Unentschieden. Und tatsächlich: Schon wieder. „Tor in Frankfurt.“ Jajaja – ganz sicher. Der Anschlusstreffer. „Krasser Fehler von Russ... Ibisevic erzielt das 3:0 für die TSG 1899 Hoppenheim...“

Falle in mich zusammen. Ok. Tatsächlich. Fakt. Dieses Spiel werden wir verlieren. Und genau in dem Moment, in dem ich diesen Gedanken denke, fällt mir auf, dass ich damit nicht im Entferntesten, also nicht nur gar nicht, sondern überhaupt nicht gerechnet hatte. Verdammt. Man hätte sich anders auf das Spiel einstellen müssen. Auf dem linken Fuß erwischt. Verdammtverdammt.

Der Rest der Schlusskonferenz rauscht an uns vorbei. Die Dortmunder – unglaublich. Hannover –  das gibt’s doch gar nicht. Und die 05er. Jaja. Auch noch die 05er. War klar. Von wegen: Am 4. Dezember an denen vorbeiziehen. Satz mit x. Wie zum Hohn als Zugabe jetzt noch einmal „Tor in Frankfurt“ . 0:4. Gegen Hoppenheim. Zu Hause.Wie bitter. Eine Exil-Adler-SMS vermeldet, dass der Schiedsrichter eine großartige Leistung geboten habe. Von wegen Hand und Fuß. Aus dem Waldstadion: Funkstille.

Um kurz nach sieben halten wir vor unserer Haustür. Fast genau zur gleichen Zeit wie sonst, wenn wir aus dem Stadion kommen. Spooky. Woher kommen wir? Wo führt die Reise hin? Schwer zu sagen. Keiner weiß. Meer.

Donnerstag, 18. November 2010

Volltreffer!

In dieser Saison gab es schon viele kuriose Ergebnisse. Auch am letzten Wochenende. "Coooool", dachte ich, als Cissé in der 90. Minute den Siegtreffer der Freiburger im Hoppenheimer Netz versenkt hat. "Is ja der Hammer..."  Und dann: "Also, das is wieder so ein Ding, dass mit Sicherheit keine Socke richtig getippt hat..."  Und so war ich wirklich bass erstaunt als ich ein paar Tage später zufällig auf das HR-Online-Tippspiel gestoßen bin. Es gab also doch einen, der in diesem Spiel einen Sieg der Freiburger im Auge hatte, sogar das Ergebnis auf den Punkt genau getippt hat. Einer, den wir alle kennen: Christoph Preuß.

Ich denke mal: Beim Tipp für das Spiel am kommenden Wochenende sind wir uns alle einig –

Sieg!

Mittwoch, 17. November 2010

Das hat gesessen!

Gestern Abend waren wir in Wiesbaden. Von Mainz aus ist das im wahren Wortsinn naheliegend. Die U21-Nationalmannschaft – mit Sebastian Jung, erstmals auch mit Cenk Tosun, dann auch noch gegen Englands Youngster – das klang spannend, das wollten wir uns gerne ansehen. Vor zwei Jahren war ich schon einmal im Stadion der Wehener (bei einem Testspiel der Eintracht, inklusive Erstbesichtigung der Spieler Ca, Io und Fenin, Martin) – damals standen wir in dem von einem lächerlich großen Polizeiaufgebot umzingelten Fanblock, gestern entschieden wir uns für einen Sitzplatz auf der Gegengeraden. Das war ein Fehler. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je in einem Fußballstadion so schlecht gesessen habe. Sitzen is für'n Arsch - wenn es den Satz noch nicht gäbe, hier müsste er erfunden werden. Bei den Stühlen handelt es sich um Klappstühle, deren glatte Plastik-Sitzfläche nach hinten seltsam abschüssig verläuft, so dass der darauf sitzende Mensch mehr hängt als sitzt, was zusätzlich problematisch ist, wenn er z.B. nicht nur sitzt, sondern gleichzeitig auf einer dickhäutigen (!) und lauwarmen Rindswurst herum herumkaut. Nun gibt es normalerweise bei ähnlichen Sitz-Schieflagen, die Möglichkeit - mit aller gebührenden Vorsicht gegenüber der Vorderfrau/dem Vordermann - die Beine anzuwinkeln und die Füße gegen die Lehne des vorderen Sitzes zu stemmen, damit der abschüssige Hinterhalt ein Gegengewicht habe. Allein: In Wiesbaden sind die Stuhlreihen sehr eng und die Lehnen der Sitze sehr schmal, so dass ein Abstützen sich von selbst verbietet, um den oder die in der nächsten Reihe Vorrutschenden nicht die Stiefel in den (je nach Größe) Nacken oder Rücken zu rammen.

Ansonsten gab es tatsächlich all das, was man bei Länderspielen auch im Fernsehen zu sehen bekommt: Scharen von Kindern entfalteten die Länder- und DFB-Fahnen. Die Hymnen wurden gespielt. Ein paar Fähnchen geschwenkt. Und im Fanblock gab es tatsächlich einige Unentwegte die Schland, Schland, Schland anfeuerten, was einen hallenden Effekt im halb gefüllten Stadion hatte. Es gab kleine Trupps kreischender Teenies, die sich die Deutschlandflagge auf die Wange, gemalt hatten. Und da war auch Paule, der große Chancen hätte beim „Wer hat das blödeste Maskottchen, das auf dem Platz herumläuft?“-Wettbewerb einen vorderen Platz zu belegen. Er klettert auf den Zaun, winkt, animiert und ist unglaublich lustig, ein wahrer Ausbund an schlandscher Lebensfreude.

Die Engländer hinterließen einen eher schwachen Eindruck, das deutsche Team sehr solide, ansatzweise mit schönen Angriffskombinationen, wobei das Spiel insgesamt – im Vergleich mit Bundesligafußball – deutlich langsamer angelegt war. Sebastian Jung hatte in der ersten Hälfte merkwürdig wenig Bindung ans Spiel. Er schien taktisch sehr defensiv eingestellt, verharrte mit der ungewohnten Rückennummer 2 konsequent und mit niedrigem Aktionsradius rechts hinten, schaltete sich nur selten nach vorne ein, wurde auch selten von seinen Mitspielern gesucht. Das Spiel lief vorrangig über links und über die Mittelachse – stark von hinten heraus Jan Kirchhoff (der Innenverteidiger aus Mainz) und auf der 6 der Schalker Christoph Moritz. Auffallendster Akteur (Achtung, Eintracht!):  der Hoffenheimer Vukcevic, aber auch Peniel Mlapa (Ex 1860 München, jetzt ebenfalls Hoffenheim), der in seiner Physis stark an Juhvel Tsoumou erinnert. Immer mittendrin im Geschehen: Cenk Tosun, der ein starkes Debüt gab. Beweglich, laufstark, mit gutem Spielverständnis, immer auf dem Qui vive, einschussbereit. Das sah gut aus.

In der zweiten Hälfte kam dann auch Sebi Jung besser ins Spiel, ging auch mal über außen, zog von der rechten Außenbahn nach Innen, bot sich auf der rechten Flanke an – das hatte schon mehr mit dem Sebastian Jung zu tun, den wir aus den Spielen für die Eintracht kennen. Cenk Tosun spielte ebenfalls durch und auch er kam in der zweiten Hälfte noch besser ins Spiel - sicher auch deshalb, weil der sehr auffallende Mlapa nicht mehr dabei war und Tosun dadurch mehr Raum hatte, am und im Strafraum zu rotieren, häufig von Vukcevic gesucht wurde. Eigentlich folgerichtig, dass es dann auch Cenk Tosun war, der den von Vukcevic herausgeflogenen Elfmeter sicher zum 2:0 verwandelte. Der englische Feldspieler, der jetzt für den mit rot des Platzes verwiesenen Torwart das englische Tor hütete, wurde in der Folge zum auffallendsten Engländer. Vielleicht sollte der Junge überlegen umzusatteln?

Nach Abpfiff leerte sich das Stadion schnell (es war kalt geworden), nur Paule war noch eine Weile lustig und als wir uns lange genug an seinem Anblick erfreut hatten, machten wir uns auf die Suche nach unserem Auto, dass wir irgendwo in einer der vielen Seitenstraßen rund ums Stadion abgestellt hatten. Was mich zwanglos zu meinem zweiten guten Ratschlag des heutigen Tages  führt: Man sollte sich immer gut merken, wo man geparkt hat. Das Leben wird einfacher.

Dienstag, 16. November 2010

Kleines Hexen-Einmaldrei

Zwölf Spieltage sind um – es ist Zeit einmal wieder die magischen Kräfte der Orakel-Kuh auf den Prüfstand zu stellen. Zur Erinnerung: Die Orakel-Kuh besitzt - schon lange bevor jemand an Krake Paul überhaupt dachte -  die Fähigkeit, eine Prognose zu jedem Spiel der Eintracht abzugeben. Wenn man ihr eine Frage stellt, antwortet sie mit einem dreifachen Muh. Wie bei jedem anständigen Orakel kommt es also darauf an, ihr die richtige Frage zu stellen, um ihr die Chance auf eine angemessene Antwort zu geben. Um das Orakel (und mich) nicht dem Vorwurf manipulativer Machenschaften auszusetzen und die Sache nicht zu einfach zu machen (die Antwort auf die Frage: "Wie viele Punkte holt die Eintracht?" ist zwar in der Regel ,-) erfolgversprechend, aber so einfach wollen wir – die Orakel-Kuh und ich - es uns natürlich nicht machen), haben wir uns eine weitere Regel auferlegt: Niemals die gleiche Frage zweimal direkt hintereinander stellen.

Und hier ist sie also - die Orakel-Bilanz der ersten zwölf Spieltage:


Die Eintracht liegt mit ihrer Passquote bei 80 %; die Oka-Haltequote liegt bei  80 - nach dem Spiel gegen Werder sogar bei 84 % - aber auch die Orakel-Kuh-Prognose-Quote kann sich  mit 75% durchaus sehen lassen.

Natürlich bin ich gespannt, ob wir diese Bilanz halten oder sogar noch verbessern können. Die Orakel-Kuh-Frage für das Spiel gegen Hoppenheim liegt  ja sozusagen bereits  auf der Hand. Fast könnte ich mich dazu verleiten lassen, die Orakel-Kuh auch gleich zu fragen, auf welchem Platz die Eintracht wohl zum Abschluss der Hinrunde stehen wird. Aber ich will nicht das Schicksal und schon gar nicht die Orakel-Kuh herausfordern. We will wait and see :-) Das meine ich - und das meint auch:

Ihne Ihr rotundschwarze Orakel-Kuh


Sonntag, 14. November 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel (Von Hamburg bis Bremen-Edition)

Mittwoch, 27. Oktober
Pokalspiel gegen den HSV. Maaaaaaaaan. Vollkommen übermüdet,den ganzen Tag gewuselt und gehektikt. Um 5 Uhr mache ich den PC im Büro aus. Zehn nach fünf: Ich stehe unter der Dusche. Halb sechs: Im Auto Richtung Frankfurt. Viertel nach Sechs: Parken. Halb Sieben: Im Laufschritt eine Bratwurst. Viertel vor Sieben: Immer noch in der Schlange am Eingang. Acht vor Sieben: Laut das Europalied singend und rennend hinter dem Block. Zwei vor Sieben: Zur Mannschaftsaufstellung am Platz im Stadion. 20.45 Uhr: Jubelnd. Singend. Fassungslos.  Erschöpft. Halb Zehn: Wir tappern durch die Unterführung, überall singen, lachen. Rauch wogt und wabbert, Bratwürste duften. „Schwarz und weiß wie Schnee“ schallt es durch die Nacht und wir singen lauthals mit. Gedränge am Ebblerstand. Ein großer kräftiger Eintracht-Fan steigt mir voll auf den Fuß. „Tschuldigung.“ „Macht nix – heut tut mir gar nix mehr weh.“

Exil-Adler-SMSe aus allen Richtungen: „Was geht denn da ab bei euch?“ „ Hammer.“ Und von einer Pokalparty im Norddeutschen: „Wir sind ein Team. Ihr habt die Staffel aus Wilhelmshaven weitergetragen." Nicht nur die:


23 Uhr: Wieder zu Hause vor dem PC. Ich muss, muss, muss noch diese eine geschäftliche Mail beantworten. Dann: kaltes Bier, dunkle Nacht und nur noch Glück.

Donnerstag, 28. Oktober
Morgens, beim noch verschlafenen Blick in den Garten, fährt es mir durch alle Glieder . Direkt vor mir, neben der Terasse, liegen zwei Vögel auf dem Rücken. Ein sehr großer, ein kleiner gesprenkelter. Beide äußerlich vollkommen unversehrt. Beide tot. Scheiße. Wir tun das, was wir noch für sie tun können: Wir beerdigen sie. Fühle mich hilflos und elend.

So richtig viel besser wird er nicht, dieser Tag - bis tief in die Nacht sitze ich am PC. Schreibe, redigiere, telefoniere. Bin genervt und übernächtigt. Der Gedanke an den Pokalsieg trägt mich durch den Tag. Land unter.


Freitag, 29. Oktober
Maradona feiert heute seinen 50. Geburtsag. Aus diesem Anlass erfahre ich, was Heribert Bruchhagen mit ihm zu tun hat: Er hat damals, in seiner Zeit als Manager beim HSV, das kuriose Sponsoringangebot eines Hamburger Bauunternehmers vom Tisch gefegt, nach dem Maradona verpflichtet, aber nur bei Heimspielen des HSV, bei Auswärtsspielen nur auf ausdrücklichen Wunsch des Gegners und mit Aufpreis eingesetzt werden sollte. Da hat der harte Arm Heriberts also schon ganz andere als Lincoln getroffen.

Samstag, 30. Oktober
Wenn es nach schöne-neue-Welt-Integrationsphantasien geht, darf künftig nur noch der hier leben und arbeiten, der die deutsche Sprache beherrscht. Verdammt. Hoffentlich kommt uns keiner auf Gekas. Vorerst darf er zum Glück weiter Tore für uns schießen. Und er tut dies auch beim FC St. Pauli. Die Eintracht gewinnt nach schwacher erster Hälfte am Ende überzeugend mit 3:1.

Heute morgen in der Stadt ist mir bei Buch Habel auf der Treppe ein Herr mit einem großen Hund entgegengekommen. Der Hund stemmte sich gegen die Leine, musste förmlich nach oben gezogen werden. „Keine Lust?“ „Angst vor Treppen.“

Wir nicht. Dritter. Wir sind Dritter.

Sonntag, 31. Oktober
Im Pfälzischen feiern sie heute den 90. Geburtstag von Fritz Walter, die Mainzer Innenstadt ist voller Dortmunder und wir nutzen die letzte Gelegenheit zum Besuch der Buffalo Bill Ausstellung im Mainzer stadthistorischen Museum. Blauer Himmel, bunte Blätter und mitten drin Buffalo Bill, der Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Show auch in Mainz zu Gast war. Mein Mit-Adler wünscht sich, er hätte die Winchester von Annie Oakley, wir staunen über Poster, Zinnfigürchen, Veranstaltungspläne und freuen uns über die zum Teil handschriftlichen Zeitzeugenberichte. Ein Münchener Besucher der damaligen Show berichtet über  von Bufallo Bill inspirierte eigene Indianerspiele, bei denen die kleine Schwester Hilde am Marterpfahl vergessen wurde und deshalb beim Mittagessen fehlte: „Da setzte es von der guten Mutter ein paar kräftige Ohrfeigen.“ Oder die Geschichte des Mainzers, der ein paar englische Sprachfetzen zusammenklaubt, um einen der Buffalo Bill-Indianer stilecht ansprechen zu können: „Hallo, big red Brother, welcome here in Mainz.“ Und als Antwort erhält: „Ei, bresch der bloß kaan ab – ich bin doch aus Kostem.“

Nachmittags verlieren die Mainzer gegen die Dortmunder und bei der Pokalauslosung wird der Eintracht Alemannia Aachen zugelost. Ein schöner Tag.

Montag, 1. November
Ein Mit-Adler schickt mir einen Link zu einem Bericht eines Fußballfans, der derzeit  in Russland lebt und über seine Erlebnisse in dortigen Stadien berichtet. Um es kurz zusammenzufassen: Sie sind fürchterlich. Damit keine Zweifel am Realismus seiner Darstellung aufkommen, betont der Autor, dass er niemand sei, der große Ansprüche stellt. „Ich bin Eintracht-Fan. Ich erwarte nicht viel.“ Das ist es, was ich eine überzeugende Beweisführung nenne.

Im Rheinhessischen ist heute Feiertag. Die Welt ist still und friedlich. Nicht für mich. Ich sitze von morgens um halb neun bis abends um halb zehn vor dem PC und bin mit allerlei Unfug beschäftigt. Da trifft es sich gut, dass die PFYC-Adler heute ihren Weltrekordversuch starten und ich zwischendurch auch immer mal wieder versuchen kann, ein paar Punkte beizusteuern. Eine große Hilfe bin ich nicht, aber dabei sein ist alles. Nach etwas über 12 Stunden haben rund 1000 Adler (wow) mehr oder (wie in meinem Fall) weniger dazu beigetragen, dass der bisherige Weltrekord  der Gladbacher pulverisiert wurde. Da sieht man’s mal: Mag sein, dass die Eintracht nicht immer da ist, wenn’s drauf ankommt. Die Eintrachtler schon!

Dienstag, 2. November
In einer Zeitung lese ich folgende Headline: „Weltreform trifft auch Ministerium.“ Kopfkratz. Warum sollte ausgerechnet das Ministerium nicht betroffen sein von der Weltreform? …stutz… Hilfe - was ist das überhaupt für ein Quatsch - Weltreform? Ach so: Wehrreform. Da is mir wohl was durcheinandergerutscht.

"Tomorrow we will rule the world." "If we find a hotelroom tonight."

Mittwoch, 3. November
In der Tat: American Spirit war der Gesundheit der Indianer nicht unbedingt zuträglich. Oder wie Georg Christoph Lichtenberg es in den Sudelbüchern ausgedrückt hat: „Der erste Amerikaner, der den Columbus sah, machte eine üble Entdeckung.“

Gestern haben in den USA die Zwischenwahlen zum Kongress stattgefunden.

Donnerstag, 4. November
Ein Bekannter erzählt mir, dass er seit 15 Jahren seinen Urlaub auf einer Insel in Thailand verbringt. „Da hab ich alles, was ich mir von einem Paradies erwarte und das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt.“ Was für ein armseliges Paradies, für das am Ende eine Bilanz aufgestellt wird.

Ich schaue aus meinem Fenster. Kostenfrei. Sitting on a fence.


 
Freitag, 5. November
Die Bilanz der Vorberichte, die ich in dieser Saison fürs Eintracht-Forum geschrieben habe, ist makellos. Drei Berichte (Nürnberg, Lautern, HSV), drei Siege. Viel zu spät, aber trotzdem unverdrossen versuche ich einen Vorbericht für das anstehende Spiel gegen Wolfsburg zusammenzubasteln. Wenn es schlecht läuft, ist das Vorberichtschreiben fast schon eine Qual – alles schon geschrieben, überall Tipps, Berichte, Diskussionen, liest ja sowieso keiner - ein Gefühl von Sinnlosigkeit stellt sich ein. Wenn es gut läuft, ist es wie ein Abenteuer. Einen meiner (wie ich finde) schönsten Vorberichte habe ich vor knapp zwei Jahren vor einem (tatsächlich!) Spiel gegen Wolfsburg geschrieben.  Habe in Wolfsburg Palermo, in der Stadtbibliothek den Mississippi und eine Begegnung mit dem Blues gefunden. Heute entdecke ich zumindest Pierre Littbarski auf der Bank der Wolfsburger (huch) und die Tatsache, dass es so etwas gibt wie eine Match-Worn-Away-Hose und offensichtlich auch Menschen, die selbige ersteigern.

Samstag, 6. November
Vor der Abfahrt ins Stadion zum Spiel gegen Wolfsburg habe ich wie von Geisterhand gelenkt meinen Tipp für das Spiel der Kölner in Nürnberg nochmal geändert. Statt Sieg Nürnberg tippe ich jetzt Sieg Köln. Das war ein Fehler.

Flashback. November 2007. Ein kalter Abend im Waldstadion geht zu Ende. Die Eintracht hat zur Halbzeit mit 1:0 gegen den VFB Stuttgart geführt und am Ende mit 4:1 verloren. Fühle mich müde und elend. Am Auto angekommen stelle ich fest, dass ich meine Digicam verloren habe. Sie ist weg, einfach weg. Was für ein scheißelender Tag. Würde am liebsten heulen, aber reiße mich zusammen. Es weht ein frischer Wind, ich fröstele. Auf der Rückfahrt im Auto zicken und schweigen wir uns an. Der letzte Mit-Adler ist abgesetzt, wir sind zu Hause. Lasse mich in einen Sessel fallen und spüre fast zeitgleich ein Kribbeln an meinem Arm: Das rotundschwarze Silikonbändchen, das ich jetzt seit fast zwei Jahren am Armgelenk trage, ist gerissen. Auch das noch. Zu viel für heute. Tränen kullern lautlos., Mein Mit-Adler nimmt mich in den Arm. „Hey...wird alles wieder gut...“ Flashback-Ende.

Wieder zurück in den November 2010. Nach dem 3:1 gegen Wolfsburg. Strahlend, froh, leicht. Stehe am mobilen Fanshop, will noch ein Stadionmagazin und ein Feuerzeug kaufen. Da sehe ich: Es gibt sie wieder, die Silikonarmbändchen mit Eintracht-Schriftzug. Ich kaufe eines in schwarzundweiß, streife es über meinen linken Arm. Da bleibt es jetzt bis... Abwarten.

Sonntag, 7. November
Henryk M.Broder muss man nicht mögen. Den innerdeutschen Integrationsreisebericht "Entweder Broder" dagegen schon. Locker aufgereihte Begegnungen mit Menschen in Deutschland. Von gruselig bis einfach nur lustig - alles dabei. Ehemalige Stasi-Funktionäre, die den Schießbefehl an der Mauer mit den Gefahren des S-Bahn-Surfens vergleichen („Die suchen einen Kick.“). Ein NPD-Funktionär, der aussieht wie ein Araber und ein türkischer Bäckereiverkäufer, der trinkt, Schweinefleisch isst, nie betet, aber dafür eintritt, dass Frauen nicht arbeiten und keinen Sex vor der Ehe haben dürfen. Warum? "Aus religösen Gründen." Duffdä. Deutsch as Deutsch can.

Montag, 8. November
Die Auswertung des 11. Spieltags in unserer RHL-Manager-Liga liegt vor. Aus Versehen habe ich 12 Spieler aufgestellt . Unser Spielleiter, der als Reminiszenz an den früheen Spielausschussvorsitzenden des DFB unter dem Namen "Baresel" firmiert,  macht es wie einst Hans Rosenthal bei „Dalli, Dalli“: „Der Schosue ist doppelt. Den müssen wir abziehen.“

Abends schweigt sich Theofanis Gekas durchs HR-Heimspiel, was den Übersetzer nicht daran hindert, seine Antworten wortreich wiederzugeben.

Das erinnert mich an eine Ernst-Happel-Anekdote, die ich mal gelesen habe: Happel trainiert einen spanischen Verein. Es ist heiß, fast 40 Grad und Happel lässt die Spieler bei sengender Mittagshitze um den Platz traben. Einer der Spieler murmelt auf Spanisch etwas vor sich hin. „Dieses Granaten-Arschloch. Wenn ich den irgendwann zwischen die Finger bekomme...“ Happel merkt auf und fragt den Übersetzer, was der Spieler gesagt habe. Der Übersetzer zögert einen Moment und antwortet: „Er hat gesagt, dass es sehr heiß ist.“

Dienstag, 9. November
Das Eintracht-Museum im Bauch des Waldstadions ist ein freundlicher und guter Ort. Es bewahrt Erinnerungen, Geschichten und Traditionen. Und es ist ein lebendiger Raum im Hier und Jetzt. Ein Treffpunkt. Ein Ort, um sich auszutauschen, zuzuhören, miteinander zu reden. Eine Anlaufstelle für Eintrachtler aus nah und fern. Im Eintracht-Forum ist jetzt eine Aktion ins Leben gerufen worden, um das Museum zu unterstützen. Azvenzkalender basteln! Mitmachen!

Mittwoch, 10. November
Ein geschäftiger Tag. Informiere abends kurz meinen Mit-Adler über den Stand der Eintracht-Dinge – er steht in der Küche, ich brabbele im Wohnzimmer: „Chris hat eine Nervenentzündung. Russ hat vorsichtshalber nicht mittrainiert. Sebi Jung hat eine Syndesmosebandreizung....“

Mein Mit-Adler kommt ins Zimmer, trägt eine dampfende Schüssel mit Nudeln in Händen. „...Was ist mit der Heizung?“Ach, lassen wir das...

Donnerstag, 11. November
Manchmal kommt es anders als man denkt. Angekündigt war wildes Regen-und Windwetter, stattdessen blauer Himmel und Sonnenschein. Fastnachtstechnisch ist der liebe Gott halt doch das, was er fußballtechnish ab sofort wieder verweigert: Ein Meenzer. Helau, helau, helau. Die Fastnachtskampagne 2010/11 ist eröffnet.

Beim spätabendlichen Zappen stoßen wir im hessischen Rundfunk auf die Lieblingsfastnachtshits der Hessen. Auf Platz 11, ähem, Platz 19 steht ein Herr namens Durstewitz, der singt „Des Frankfurt bleibt, wo’s immer war“. Auf Platz 17 eine Fastnachtskombo, die verkündet „Frankfurt is die Nummer aans.“ Na, was denn nun?

Freitag, 12.November
Wind weht. Regen sprüht. Gebe mir einen Tag frei. Die Welt ist wild und weit.

Vor ein paar Tagen habe ich ein Sammelsurium mit lauter unentbehrlichen Utensilien im Eintracht Fanshop bestellt. Heute kommt ein großer Karton und ich komme mir vor wie Weihnachten. Meine Schuhe haben künftig Eintracht-Schürsenkel. Geweckt werde ich vom Eintracht-Wecker. Mein Geripptes steht auf einem Adler-Bierdeckel. Das von einer wohlmeinenden Nachwuchs-Eintrachtlerin selbst gemalte Caio-Bild auf dem Schreibtisch meines Mit-Adlers steckt jetzt in einem dem Kunstwerk angemessenen (Eintracht)-Bilderrahmen. Aber der absolute Hit ist das Bembeldeckelchen. Wann wird es endlich wieder Sommer.

Samstag 13.November
Draußen tobt wilder Wind, die Eintracht hat heute Sturmpause und spielt 0:0 in Bremen. Farblich in Erinnerung bleibt mir vor allem die Farbkombination pink und grün. Aber das muss ich wohl geträumt haben.

Mit rabimmelrabammelrabum zieht abends der Martinsumzug am Haus vorbei. Fackeln und Laternen hüpfen in der dunklen Nacht.

Das Spiel der Nullpfümpfa (hallo liebe  L. :-) habe ich 1:1 getippt. Fromlowitz verhindert kurz vor Schluss, dass der Tipp aufgeht. Wie schaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaade ,-)))

Sonntag, 14. November
Ein Tag wie aus der Zeit gefallen. Das Thermometer vor der Haustür zeigt 20 Grad. Blauer Himmel, Sonnenschein. Die Vögel zwitschern, aber die Bäume sind kahl. Mir egal. Mein Taschenadler...ähem... Taschendrache und ich marschieren durch die Äcker. Ich fliiiiiiiiiiiiiiiiiiiege.... und der tut das heute sicher auch!

Erbarme - zu spät! Die Hesse komme!
*** to be continued ***

Samstag, 13. November 2010

Wer da?

Flashback.
Vier, fünf Jahre mag das her sein. Vor einem Spiel der Eintracht gegen ich-weiß-nicht-mehr-wen. Waldparkplatz. Getränkestand. Ein Abendspiel, es ist kühl.  Ich stehe hinter einem ordentlich gekleideten mittelalten Mann im Freitzeitoutfit. Helle Hose, Windjacke, Eintracht-Kapp. Er wirkt irgendwie nicht sehr, sagen wir mal, fußball-nah. Erinnert ein wenig an einen Ethnologen, der sich auf fremdes Terrain begeben hat, um einen Selbstversuch durchzuführen und jetzt die ihm fremde Spezies "Fußball-Fan"  mit einer gewissen zur Schau getragenen Distanz beobachtet. Blickt sich immer wieder neugierig, fast ein wenig beifallheischend um, von wegen: Was er für ein mutiger Mensch ist, dass er sich ins Stadion traut.

Von hinten nähert sich ein kräftiger Eintrachtler. Ich sehe aus den Augenwinkeln, dass er eine Kutte trägt, die über und über mit Stickern und Aufnähern verziert ist. Aus dem Rückraum verschafft er sich Gehör bei der Bedienung. – „Mach mir mal drei Ebbler…“ Ich sehe von hinten, wie der mutige Stadiongast vor mir  zusammen zuckt. Er hört die Ansage, sieht aber nicht, wer zu der Stimme gehört. Man kann spüren wie es in ihm arbeitet, durch seinen Kopf rattert. ...Mmh. Sitten sind das. Ich warte ja schließlich auch bis ich dran bin. ... Mmh. Will denen mal zeigen, wie man so was regelt. Immer locker bleiben...

„Aaaah so…“ sagt er launig, „verstehe! Hier geht es also nach Charisma.“ Jetzt ist der Kuttenträger neben ihm angelangt: „Charisma? Willste damit sagen, dass ich mich vorgedrängelt hab…?“ Der Mann blickt auf, sieht, wer da neben ihm steht, duckt sich ein wenig. Panik steigt in sein Gesicht. „Nö, nö“, sagt er hektisch, „Alles in Ordnung.“ „Na, dann is ja gut,“ meint der Eintrachtler gutgelaunt und freundlich, zahlt und nimmt seinen Ebbler in Empfang. Er dreht sich zu mir herum. Vorne auf seiner Jacke ist ein Sticker platziert, der mir sofort ins Auge sticht: „Zieht den Bremern die Gräten aus dem A.rsch.“

Aaaaaalso: Über die endgültige Formulierung können wir uns dann ja noch einigen. Jedenfalls: Heute - Auswärtssieg!



Herzlichen Dank an Weserbembel für das Foto des Spielplakats. Da für heute nicht nur Schietwedder angekündigt ist, sondern auch der gleichnamige EFC vor Ort sein wird, kann ja eigentlich nix schiefgehen :-)

Mittwoch, 10. November 2010

Dienstag, 9. November 2010

Aufgelesen: "Somehow the Eintracht eagle found its wings again."

Oops. So schnell kann es gehen – und schon kreist der Eintracht-Adler tatsächlich wieder über Europa.

„Eintracht Frankfurt’s cold blooded killer makes light work of latest prey“, titelt Raphael Honigstein  nach dem Sieg der Eintracht im Sportblog des Guardian und lässt die Entwicklung der letzten Woche im Schnelldurchlauf Revue passieren:

50 Punkte hatte Eintracht-Coach-Skibbe vor der Saison ausgegeben. Aber da hatte er die Rechnung ohne Eintracht „CEO“ Heribert Bruchhagen gemacht. „The local sceptic-in-chief pour cold water on the idea, with a sense of realism bordering on the misanthropic.“ Ebenso wie er schon im Jahr davor den Spielverderber gegeben, sich den Wünschen von Michael Skibbe widersetzt und - von wegen „zu teuer“ – auf eine Verpflichtung von Theofanis Gekas verzichtet hatte.

Vor dieser Saison  wurde Gekas dann doch noch geholt - „He only cost €1 – that was cheap enough, even for Bruchhagen.“ - Und jetzt ist er also da: Theo (sic) Gekas – “with a Chinese tattoo that spelled ‘cold-blooded killer’ and almost lived up to it.” Ein Mann – “really a class of his own.” “He hardly runs, rarely bothers to stay onside and doesn’t mind switching off for long spells.” Gegen Nürnberg, so weiß der Guardian, habe er den Ball in 84 Minuten nur 17 Mal berührt. Es hat gereicht.

Auch außerhalb des Platzes sei Gekas „mainly by himself.“ Er bestehe im Hotel auf einem Einzelzimmer und in den fünf Jahren, in denen er jetzt in der Bundesliga spielt, habe  ihn noch nie jemand auch nur einen einzigen kompletten Satz auf Deutsch sagen hören. Aber er schießt Tore "on an industrial scale." Bisher sind es 11. In 11 Spielen -  in ganz Europa hat nur Christiano Ronaldo (derzeit 12 Tore) öfter getroffen.

Wer das alles genauer nachlesen und wissen will, was Raphael Honigstein zu Oka Nikolov, unserem Spieler der Stunde, zu Pirmin Schwegler, zu den Perspektiven der Eintracht und zu Thomas Tuchel ("He lost his cool.") zu sagen hat - einfach hier genauer nachlesen.

Sonntag, 7. November 2010

Und ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.

Nur mal angenommen: Über viele Jahre hast du dir etwas gewünscht. Brennend gewünscht, du hast auch immer etwas bekommen. Nicht immer nur Schönes, aber langweilig war es nie. Es gab Aufregendes, Nerven zerfetzendes, Erhebendes, Großartiges, Aufwühlendes, Abgründiges. Es gab mehr oder weniger bewegtes Auf und Ab. Es gab überschwängliche Glücksmomente und stilles Leiden - aber dieses eine, ganz große Geschenk, das ist immer ausgeblieben. Manchmal hast du das Wünschen fast schon vergessen. Ganz klein, im Hinterkopf rührt es sich noch ab und zu. Du machst manchmal Witze darüber. Doch, doch. Irgendwie hoffst und glaubst du schon noch daran. Irgendwann. Aber es ist sehr weit weg. Muss man ja vielleicht gar nicht haben. Und dann, dann stehst du auf einmal da, die Tür geht auf - und da ist es. Du willst es nicht glauben. Sollte das tatsächlich...? Du gehst auf es zu, hebst es hoch, es fühlt sich echt an. Du nimmst es in die Hand. Und erst jetzt, wo du es fühlen, riechen, anfassen, wo du es sehen, tatsächlich sehen, kannst, erst jetzt merkst du wie sehr und wie lange du es vermisst hast.

Es muss gestern ungefähr in der 40. Minute gewesen sein, als ich ungefähr das und ungefähr so gefühlt habe. Fast hätte er mir die Beine weggezogen, dieser Moment der Erkenntnis: Das, was da im Moment abgeht, das ist real. Das ist wirklich. Und wenn ich dem traue, was ich da sehe, dann ist das erst der Anfang.

Zwei, drei, viele Momente des gestrigen Tages kommen mir auch heute noch so vor als seien sie in der Zeit stehen geblieben. Der kleine Paul z.B. der den Arm in die Luft reckt und – noch ein klein wenig schüchtern - die Namen bei der Mannschaftsaufstellung mit ruft. Sebi Jung, der Dzeko zum wiederholten Mal abläuft. Also: Abläuft! Patrick Ochs, der sich, direkt vor uns, mit einem Übersteiger von seinem Gegenspieler löst, flankt. Benny Köhler, der sich zerreißt, die Bälle vor der Abwehr abgrätscht, sich in jeden Ball wirft. Caio, der verträumt in den Himmel über Frankfurt blickt. Marco Russ – unermüdlich, aufopferungsvoll - , der im Strafraum knapp an einem Freistoß von Tzavellas vorbeifliegt, mit sich hadert. Grüne, rotundschwarze Beine und Arme in unserem Strafraum, der Ball, der immer wieder zurückkommt. Oka, der ein, zwei, drei Mal hintereinander herausstürzt, eine Hand, einen Fuß dazwischen bekommt, klärt. Maik Franz, der danach zurückgeeilt kommt, Oka umarmt, sich bedankt. Die ungläubigen, staunenden Gesichter um mich her. Der DK-Nachbar rechts, fassungslos, heiser. Der kräftige Herr vorne links, der sich immer und immer wieder umdreht, nach Worten ringt, als müsse er sich versichern, dass alle anderen das gleich sehen wie er. Der blasse Junge in der ersten Reihe, der schreitschreitschreit, die Faust ballt, genau in dem Moment, in dem sich unsere Blicke treffen. Wir lachen uns an. Die gelben Schuhe von Martin Fenin. Fräulein Adler, der ich in der Halbzeit kurz begegne: Staunend. Lachend. Fast wie unter Schock.  Hüpfen. Kopfschütteln. Grinsen. Blicke. Zurufe durch die Reihen. Abklatschen. Zwei schmale grüne Farbkleckse, die ich beim Aufspringen, Schreien, Singen hinter mir aus dem Augenwinkel wahrnehme. Die beiden Tore, die auf unserer Seite fielen:

25. Minute. Die Flanke segelt in den Strafraum. Dort, an der Strafraumgrenze steht Gekas. „Scheiße,“ rast es mir durch den Kopf. „Er wird nicht schießen. Das ist nicht seine Entfernung.“ Aber doch, der Hund, der macht das einfach. Der zieht tatsächlich ab, flach, ins linke untere Eck, nicht mal besonders scharf, aber unglaublich platziert. Tor. Tor. Tor. Schon wieder. Gekas. Der trifft wie er will, was er will. Es ist der Wahnsinn.

Zehn Minuten später. Das Tor von Schwegler. Gekas dieses Mal nicht als Torschütze, sondern als Balleroberer. Halblinks. Er passt den Ball zum neben ihm stehenden Ochs. Der sieht Schwegler, hoher Ball nach rechts. Ein Wolfsburger dazwischen. Der Ball landet doch bei Schwegler.  Und dann – tatsächlich wie in Zeitlupe – „Wenn er den richtig trifft, dann ist er drin.“ Hat das jemand hinter mir gesagt oder habe ich es gedacht? Jedenfalls: Schwegler setzt an, trifft den Ball voll mit dem Innenrist. Die Flugkurve. Der Ball ist in der Luft in der Luft in der Luft. Benaglio fliegt. Vergeblich. Nichts zu machen. Drin. Wow. Was für ein Tor.

Die zweite Halbzeit. Die Druckphase der Wolfsburger nach dem Anschlusstreffer. Tzavellas, der am Strafraum gegen drei oder vier Wolfsburger um den Ball kämpft. Er stochert, hakelt, hat den Ball, verliert ihn wieder, strauchelt, fällt, ist sofort wieder auf den Beinen, hakt nach, drückt, schiebt, holt sich den Ball zurück, ein Wolfsburger Bein dazwischen – war das Kjaer ? - er spitzelt Tzavellas den Ball vom Fuß, bekommt den Ball unter Kontrolle, zieht nach außen, Tzavellas strauchelnd, fast schon wieder in der Fallbewegung, setzt nach, schließt kurz vor der Außenlinie wieder zu ihm auf, grätscht in den Ball, schießt Kjaer an, der Ball springt ins Aus. Einwurf für die Eintracht. Alle stehen. Kreischen. Klatschen. Schorschi. Schorschi. Er hebt kurz die Hand. Grinst.

Nach dem Abpfiff. So ein Tag, so wunderschön wie heute. Keiner will das Stadion verlassen. Auch die Mannschaft nicht, die sich, bevor sie in die Kurve geht, lange am Mittelkreis aufhält. Umarmungen. Kurze Wortwechsel. Schulterklopfen. Männer nach getaner Arbeit. Ungläubig. Benny Köhler in Großaufnahme auf dem Videowürfel, sein Kind auf dem Arm. Der junge Mann an der Bande neben uns, der eine griechische Flagge schwenkt. „Nikolov, Nikolov“, schallt es von der West. Und: „Deutscher Meister wird nur die SGE“. Schauer über dem Rücken. Grinsen. Hihi. Wasnquatsch. Halblang. Und doch. Zum zweiten Mal an diesem Tag wackeln mir die Beine. Ich mache es wie Gekas – ich überlege nicht lange. Ich singe mit, stehe tatsächlich hier im Waldstadion und singe dieses Lied. Unfasslich. Surreal. Isschonklar. Logisch. Wir alle wissen, dass wir auch dieses Jahr nicht Meister werden, wir singen mit einem Augenzwinkern. Aber wir singen. Und es tut gut, so gut die Möglichkeit zumindest zu denken.

Am Bratwurststand. Es ist erst ein paar Tage her, da haben wir nach dem Pokalspiel gegen den HSV zusammen „Schwarz und weiß wie Schnee“ in den Nachthimmel gesungen. Heute singen alle und überall und jeder. Keiner wird es wagen, keiner wird es wagen. Und schon wieder ungeschlagen. „Euuuuuuuuuuuuuuuu....“ klingt es aus einem Kreis, den ein Adlertrupp gebildet hat. Es schwillt an „Euuuuuuuuuuuuuuuu...“ und dann Arme in den Himmel, lautes singen, hüpfen. „Eurobbabobogaaal. Eurobabogaaal.“ Heute dürfen. Heute dürfen wir alles.

Auf der Heimfahrt kurz vor Mainz passiert es dann. Links am Himmel. Einfach so. Ein Feuerwerk erleuchtet den Nachthimmel. Sternenriesel in Rot und Gold. Funken stieben. Glitzern. Rauch. Dann noch ein einzelner hochsteigender roter Stern. Zum wiederholten Mal an diesem Tag staunen wir. Nur für uns. Und für die Eintracht. „An dem Tag, an dem die Eintracht Meister wird, werde ich verrückt vor Glück,“ denke ich.

Es wäre einen Versuch wert.

Freitag, 5. November 2010

The Shootist

Was wäre, wenn wir den Gekas nicht hätten? Müßig zu spekulieren, denn wir haben ihn ja. Trotzdem muss und will auch ich mich zu denen bekennen, die vor der Saison, als er verpflichtet wurde,  nicht besonders angetan waren.  Jaja, der wird seine Tore machen. Jaja, der steht, wo er stehen muss. Ein alter Haudegen - ok. Aber doch halt auch irgendwie das, was man gerne als „Söldner“ bezeichnet. Noch dazu ein Auslaufmodell. Einer, der mal hier spielt, mal da. Den Erfolg sucht und wenn er ausbleibt halt wieder weiterzieht. Warum gerade Gekas? Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten einen jungen Wilden verpflichtet. Von wegen Perspektive. Stänker und motz.

Und jetzt trifft der Mann also. Er trifft nicht ein oder zwei Mal oder ab und zu. Er trifft immer und in jeder Situation und pausenlos, Er ist zweifelsfrei der Spieler der Stunde. Und während ich mich zunächst nur über seine Tore für die Eintracht, aber nicht unbedingt für den Mann an sich freute, merke ich, wie sich meine Gefühlslage in den vergangenen Wochen geändert hat. Ich ertappe mich dabei, wie ich „Mensch, der Gekas!“ denke und dabei vor mich hin grinse. Doch, doch – das hat schon was, wie er auf den Platz geht, humorlos und lakonisch ein oder zwei Tore schießt – und sich nach dem Spiel verdrückt. Es gefällt mir, dass er nicht viel schwätzt, keine Interviews gibt und keinen Hehl daraus macht, dass er offensichtlich wenig Interesse daran hat, sich integrieren zu lassen. Er will kein Gedöns, er erledigt seine Arbeit. Fertig. Cool, irgendwie.

Trotzdem. Irgendetwas hat mich bisher daran gehindert, dem Mann einen Platz in meinem Eintrachtler-Herz einzuräumen. Bis gestern, als ich die Frankfurter Rundschau gelesen habe. „Auch der derzeit wichtigste Mann der Eintracht, der Knipser am laufenden Band, Theofanis Gekas, wird, wie gewohnt, spielen können,“ war da zu lesen. „Seine Nackenverspannung ist soweit abgeklungen. Am Mittwoch spulte der Grieche ein paar Runden ab; im Notfall würde er sich auch eine Schmerz stillenden Spritze geben lassen. Natürlich weiß der 30-Jährige, dass er derzeit einen Lauf hat und beinahe nach Belieben trifft. Und da bleibt kein Spieler freiwillig draußen − und ein Torjäger schon mal gar nicht.“

Und da. Schlagartig fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Da war es, das missing link in meinem Gekas-Bild. Das entscheidende Puzzleteilchen, das bisher fehlte, und das ich jetzt gefunden habe. Und jetzt weiß ich also, an was der Mann mich erinnert: An das, was man im Wilden Westen einen Gun Man nannte. So einer wie John Wayne als Cole Thornton in „El Dorado“  oder in seiner letzten großen Rolle als „The Shootist“. Oder – romantischer - wie Ricky „Colorado“ Nelson in „Rio Bravo“.

Ich weiß nicht, ob er der derzeit wichtigste Mann bei der Eintracht ist (da würden mir noch ein paar andere einfallen). Auch sicher keiner, der sein Herz allzu sehr an die Eintracht hängt und an den man umgekehrt das seine allzu sehr hängen sollte. Aber ein Mann, der seinen Job macht. Wortkarg. Professionell. Sich einen Scheiß darum kümmert, was die anderen von ihm denken. Ein Mann mit klaren Prinzipien. Einer, der die Zähne zusammen beißt und tut, was zu tun ist. Nicht mehr, nicht weniger. Er muss niemandem etwas beweisen außer sich selbst. Einer, der weiß, was er wert ist und sich dafür bezahlen, aber nicht kaufen lässt. Er ist der Beste. Und er kämpft auf der Seite der Guten.

It’s my work he’d say and I do it for pay
An when it’s over I’d just as soon go on my way

Nein, nein. Ich bin nicht verrückt geworden. Gekas ist nicht Rubin Carter. Er ist auch nicht John Wayne und auch nicht Ricky Nelson. Aber ich hab jetzt meinen Frieden mit ihm gemacht – und ich freu mich, dass er derzeit auf Seiten der Eintracht schießt. Und trifft. Vielleicht ja auch morgen, gegen Wolfsburg!

Sieg!

 

Montag, 1. November 2010

Ein Traum von Wochenende

"May be the wheather or something like this…"  Manchmal kommt es vor, dass man vollkommen krudes, dorschenanneriges Zeugs träumt und dann aufwacht, selig grinst und sich fragt: Was war das denn?

Mein Traum fängt am Samstagmorgenabend an. Erst mal orientieren. Wo bin ich? Aha – der Dom. Hertie. Höfchen. Buntes Markttreiben. Offensichtlich in Mainz beim Einkaufen. Da stürmt der Buchhändler meines Vertrauens auf mich zu und wedelt mit einem Buch von Richard David Precht. „Halten Sie den etwa für einen Philosophen?“ Nein, halte ich nicht, habe aber leider im Moment keine Zeit mir weiter darüber Gedanken zu machen und haste weiter.

„Sie können einfach weglaufen“, ruft er mir hinterher, „aber ich -  ich muss so was als Philosophie verkaufen.“ Da hat er recht. Was für ein Schicksal. Trotzdem. Ich muss weiter. Wohin eigentlich? Siedendheiß fällt mir ein, dass heute die Eintracht spielt. Ich habe leider keine Ahnung, wo ich mein Auto abgestellt habe, weiß im Moment auch gar nicht mehr wie es aussieht , erkenne es dann aber doch schon weitem an dem riesigen Adler, der auf das Dach geklebt ist. Ich rase zurück. Die Sonne scheint. Im Radio verkündet der Sprecher, dass gerade das 1:0 für St. Pauli gefallen ist. Ich bremse ruckartig und Luminor, die Plüschratte mit dem rotundschwarzen Eintrachtschal, kommt von ihrem Platz auf dem Rücksitz nach vorne geflogen.

Schnitt. Ich sitze vor dem Fernseher und sehe in einer Endlosschleife Gekas aufs Tor zulaufen. Tor. Tor. Tor. Dann erscheint plötzlich ein übergroßer Caio-Kopf im Bild. Er ruft: „Mit dem Kopf. Mit dem Kopf.“ Kameraschwenk nach oben. Dort fliegt Attila. Er hat ein Schild im Schnabel, auf dem in großen Buchstaben „DREI“ steht. Ich gehe hinaus in den Garten und merke, dass es inzwischen Nacht geworden ist. Immer noch läuft der Fernseher. Und ich sehe: Oka. Oka? Tatsächlich. Er sitzt in der Kulisse des aktuellen Sportstudios, mitten im Raum auf einem Stuhl und lächelt freundlich. Um ihn herum springt und hüpft Wolf-Dieter Poschmann. Sein Kopf ist knallrot, er rudert mit den Armen, keift. „Wie kommt man eigentlich auf die Idee, AUSGERECHNET bei Eintracht Frankfurt zu spielen?“ Oka lächelt freundlich.

Schnitt. Kein Fernseher mehr. Stattdessen bin ich jetzt offensichtlich wieder in der Mainzer Innenstadt. Menschenmassen wälzen sich durch die Straßen. Rosenmontagszug? Johannisfest? Quatsch. Es ist ja schon Herbst. Ich entdecke ein Plakat: Verkaufsoffener Mantelsonntag. Ach du Scheiße. Ich versuche mich zu orientieren, will weg hier. Von überall her schwappt Musik. Und da sehe ich sie: Indianer. Überall. In voller Montur. Sie stehen an Bratwurstständen. Sitzen in der Sonne auf den Stufen zum Theater. Kommen gerade aus dem McDo. Indianer? Hilfe. Stimmt . Verdannt. Heute ist der letzte Tag der Buffallo Bill-Ausstellung im stadthistorischen Museum. Da wollten wir doch hin. Das Auto. Wo? Aaah, genau da, wo ich es gestern abgestellt hatte. Ich rase zur Zitadelle. In einer viertel Stunde wird die Ausstellung schließen. Ich renne, hechele, grade noch rechtzeitig. Ich stürme vorbei an der Kasse zu den Ausstellungsräumen. Die Tür geht auf. Eine gelbundschwarze Welle rollt mir entgegen. Tröten. Schals. Trikots. Lauter BVB-Fans. Sie skandieren: "Zwei zu null. Zwei zu null."  Ich antworte: "Weltrekord! Weltrekord!"

Wieder aufgewacht. Alles nur geträumt. Na ja, fast alles ,-)



PS: