Mittwoch, 17. November 2010

Das hat gesessen!

Gestern Abend waren wir in Wiesbaden. Von Mainz aus ist das im wahren Wortsinn naheliegend. Die U21-Nationalmannschaft – mit Sebastian Jung, erstmals auch mit Cenk Tosun, dann auch noch gegen Englands Youngster – das klang spannend, das wollten wir uns gerne ansehen. Vor zwei Jahren war ich schon einmal im Stadion der Wehener (bei einem Testspiel der Eintracht, inklusive Erstbesichtigung der Spieler Ca, Io und Fenin, Martin) – damals standen wir in dem von einem lächerlich großen Polizeiaufgebot umzingelten Fanblock, gestern entschieden wir uns für einen Sitzplatz auf der Gegengeraden. Das war ein Fehler. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je in einem Fußballstadion so schlecht gesessen habe. Sitzen is für'n Arsch - wenn es den Satz noch nicht gäbe, hier müsste er erfunden werden. Bei den Stühlen handelt es sich um Klappstühle, deren glatte Plastik-Sitzfläche nach hinten seltsam abschüssig verläuft, so dass der darauf sitzende Mensch mehr hängt als sitzt, was zusätzlich problematisch ist, wenn er z.B. nicht nur sitzt, sondern gleichzeitig auf einer dickhäutigen (!) und lauwarmen Rindswurst herum herumkaut. Nun gibt es normalerweise bei ähnlichen Sitz-Schieflagen, die Möglichkeit - mit aller gebührenden Vorsicht gegenüber der Vorderfrau/dem Vordermann - die Beine anzuwinkeln und die Füße gegen die Lehne des vorderen Sitzes zu stemmen, damit der abschüssige Hinterhalt ein Gegengewicht habe. Allein: In Wiesbaden sind die Stuhlreihen sehr eng und die Lehnen der Sitze sehr schmal, so dass ein Abstützen sich von selbst verbietet, um den oder die in der nächsten Reihe Vorrutschenden nicht die Stiefel in den (je nach Größe) Nacken oder Rücken zu rammen.

Ansonsten gab es tatsächlich all das, was man bei Länderspielen auch im Fernsehen zu sehen bekommt: Scharen von Kindern entfalteten die Länder- und DFB-Fahnen. Die Hymnen wurden gespielt. Ein paar Fähnchen geschwenkt. Und im Fanblock gab es tatsächlich einige Unentwegte die Schland, Schland, Schland anfeuerten, was einen hallenden Effekt im halb gefüllten Stadion hatte. Es gab kleine Trupps kreischender Teenies, die sich die Deutschlandflagge auf die Wange, gemalt hatten. Und da war auch Paule, der große Chancen hätte beim „Wer hat das blödeste Maskottchen, das auf dem Platz herumläuft?“-Wettbewerb einen vorderen Platz zu belegen. Er klettert auf den Zaun, winkt, animiert und ist unglaublich lustig, ein wahrer Ausbund an schlandscher Lebensfreude.

Die Engländer hinterließen einen eher schwachen Eindruck, das deutsche Team sehr solide, ansatzweise mit schönen Angriffskombinationen, wobei das Spiel insgesamt – im Vergleich mit Bundesligafußball – deutlich langsamer angelegt war. Sebastian Jung hatte in der ersten Hälfte merkwürdig wenig Bindung ans Spiel. Er schien taktisch sehr defensiv eingestellt, verharrte mit der ungewohnten Rückennummer 2 konsequent und mit niedrigem Aktionsradius rechts hinten, schaltete sich nur selten nach vorne ein, wurde auch selten von seinen Mitspielern gesucht. Das Spiel lief vorrangig über links und über die Mittelachse – stark von hinten heraus Jan Kirchhoff (der Innenverteidiger aus Mainz) und auf der 6 der Schalker Christoph Moritz. Auffallendster Akteur (Achtung, Eintracht!):  der Hoffenheimer Vukcevic, aber auch Peniel Mlapa (Ex 1860 München, jetzt ebenfalls Hoffenheim), der in seiner Physis stark an Juhvel Tsoumou erinnert. Immer mittendrin im Geschehen: Cenk Tosun, der ein starkes Debüt gab. Beweglich, laufstark, mit gutem Spielverständnis, immer auf dem Qui vive, einschussbereit. Das sah gut aus.

In der zweiten Hälfte kam dann auch Sebi Jung besser ins Spiel, ging auch mal über außen, zog von der rechten Außenbahn nach Innen, bot sich auf der rechten Flanke an – das hatte schon mehr mit dem Sebastian Jung zu tun, den wir aus den Spielen für die Eintracht kennen. Cenk Tosun spielte ebenfalls durch und auch er kam in der zweiten Hälfte noch besser ins Spiel - sicher auch deshalb, weil der sehr auffallende Mlapa nicht mehr dabei war und Tosun dadurch mehr Raum hatte, am und im Strafraum zu rotieren, häufig von Vukcevic gesucht wurde. Eigentlich folgerichtig, dass es dann auch Cenk Tosun war, der den von Vukcevic herausgeflogenen Elfmeter sicher zum 2:0 verwandelte. Der englische Feldspieler, der jetzt für den mit rot des Platzes verwiesenen Torwart das englische Tor hütete, wurde in der Folge zum auffallendsten Engländer. Vielleicht sollte der Junge überlegen umzusatteln?

Nach Abpfiff leerte sich das Stadion schnell (es war kalt geworden), nur Paule war noch eine Weile lustig und als wir uns lange genug an seinem Anblick erfreut hatten, machten wir uns auf die Suche nach unserem Auto, dass wir irgendwo in einer der vielen Seitenstraßen rund ums Stadion abgestellt hatten. Was mich zwanglos zu meinem zweiten guten Ratschlag des heutigen Tages  führt: Man sollte sich immer gut merken, wo man geparkt hat. Das Leben wird einfacher.

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