Sonntag, 30. Oktober 2011

13 (von 34)

Seit heute gehen die Uhren wieder anders. Das ist gut, weil: Eine Stunde länger schlafen. Das ist nicht gut, weil: Die Verweildauer der Eintracht in der zweiten Liga wird (zumindest vorläufig) um eine Stunde verlängert. Wie gut, dass wir sie zum Ausgleich gleich heute Nachmittag um weitere drei Punkte verkürzen können. Benno Möhlmann hat Vertrauen in seine Mannschaft, zumindest ein bisschen. Sie muss ja nur Fußball spielen, zusammenhalten und den Arsch hoch kriegen. Ich glaube, der Mann hat genau die richtigen Worte gefunden, um sein Team so richtig zu motivieren.

Und wir? Ganz einfach: Wir werden zeigen, dass das niederschmetternde Pokalaus gegen den FCK genau eines eben nicht tut: Uns niederschmettern.

Auswärtssieg! Und sonst gar nix!

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Wutsch und weg

Mittwochabend. Pokalspiel gegen den FCK. Es ist kurz vor 11. Seit Beginn der zweiten Halbzeit der Verlängerung sitze ich, nach vorn gebeugt, zusammengekrümmt, fast erstarrt. Eintracht, Eintracht. In den ersten 15 Minuten waren wir - wie in den ersten 45 regulären Minuten -   klar überlegen. Haben unser Heil nach Vorne gesucht. Haben Druck gemacht. Wollten vorlegen. Wie während der regulären Spielzeit hat es auch jetzt nicht geklappt. Ob jetzt nach hinten raus der Mut fehlen wird?

Irgendwie weiß ich, dass es kein Elfmeterschießen geben wird. Das eine Tor wird fallen, so oder so, und ich habe ein dumpfes Gefühl in welche Richtung das sein wird. Noch zwei Minuten. Getümmel im Strafraum, direkt vor uns. Die Situation ist geklärt. Doch nicht. Djakpa muss hingehen. Kann nicht mehr. Sie bekommen den Ball nicht weg. Ein Lauterer kommt zum Schuss, ein Eintracht-Bein oder Körper ist dazwischen, der Ball kommt aufs Tor. Oka bleibt stehen, geht raus. Weiß nicht. Der Ball kullert merkwürdig verdreht. Er ist drin. Er ist drin. "Neiiiiiiiiiiiiiiiiiin." Das war ich, die da aufgejault hat. Und obwohl ich den Stich am Ende fast schon erwartet hatte, bin ich jetzt erstaunt wie hart er trifft und wie weh er tut.

Ziehe mir meine Kapuze übers Gesicht, will nichts mehr sehen und hören – sehe und höre aber doch. Eintrachtler, die abwandern. Aus dem Augenwinkel zwischen den vorm Gesicht hängenden Haaren hindurch: Oka, der versucht die Jungs noch mal nach vorne zu treiben. Zwei Minuten Nachspielzeit. Die Jubelgesänge aus der Lauterer Kurve schwappen über mich hinweg. „…Frankfurt, Frankfurt, zweeeeite Liga, oh ist das schön, euch nicht mehr…“ Das ist der Moment, in dem ich merke, dass es nass von meinen Wangen tropft. Dumme Gans, denke ich. Aufstieg ist wichtig. Abhaken. Nicht unterkriegen lassen. Trotzdem. Übernächtigt. Durchgefroren. Ausgeträumt. Wieder einmal. Die Tränen tropfen weiter. So ein Spiel verlieren, ist immer auch: Ein Stück Welt verlieren. Eben noch da, jetzt wutsch und weg.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Oooops...

Aus einem Kommentar der Mainzer Rhein-Zeitung von heute. Es geht um die aktuelle Schiedsrichter-Affäre und insbesondere um das Verhalten von Theo Zwanziger:


Skandal!

Sonntag, 23. Oktober 2011

12 (von 34)

Andernorts und irgendwie auch hier ist bereits alles gesagt. Trotzdem: Aufstiegscountdown hier im Blog muss sein, ist ja – hehe – gute Tradition. Heute geht es also gegen den MSV Duisburg, der gestreift ist und in dieser Saison auch ungefähr so aus der Wäsche kuckt. Kein Wunder, wenn man als Irgendwie-Auch-Aufstiegsaspirant gestartet und – ähnlich wie der VFL Bochum – jetzt erst einmal am anderen Ende der Tabelle gelandet ist. Auswärts haben die Duisburger erst einen Punkt geholt (beim FSV), zu Hause gab es zwei Unentschieden (gegen Hansa Rostock und Union Berlin) und zwei Siege (gegen Dresden und letzte Woche gegen Ingolstadt), was  einen leichten Aufwärtstrend, aber eben doch nur magere 9 Punkte und Tabellenplatz 14 (noch hinter dem VFL) ausmacht. Auffallend:: Die  Niederlagen des MSV sind alle ziemlich knapp ausgefallen – 0:1, 1:2 – die Abwehr scheint also gut zu stehen. Das trifft sich gut. Wir haben nämlich – auch ohne Gekas -  den weltbesten Sturm seit Erfindung des Fußballs, die hochmotivierteste Mannschaft, die cleverste Führungstroika, die euphorischsten Fans, die qualitätsvollste Bank ever und die top-und-rundum- video-analysierteste Mannschaft, die den virtuosesten Angriffsfußball seit Menschengedenken spielt.

Oooopsala... Immer schön langsam und eins nach dem anderen. Solche Spiele, wie das nachher, die hat die Eintracht immer gerne... mmh.... also, sagen wir mal: Das sind die Spiele, bei denen wir - so viel Eintracht muss sein -  uns besonders am Riemchen reißen müssen.. Und das sind die Spiele, auf die es am Ende ankommt und die Meisterschaften entscheiden können. Deswegen:  Klaren Kopf bewahren – auf und neben dem Platz. Selbstbewusst sein, aber konzentriert bleiben. Ziel im Auge behalten. Weiter so Fußallspielen wie in den vergangenen Wochen.. Ungeschlagen bleiben. Düsseldorf und Fürth haben bereits beide gewonnen. Wir. Nachher. Auch.

Sieg!

Samstag, 22. Oktober 2011

"Windsocke classic"

Sicher erinnert sich der ein oder die andere noch an die Zeit als es einfach nur Cola gab? Kein „Cola light“, „Cola zero“, „Cola Kirsch“ – und also auch kein „Cola classic“. Weil: „Classic“ muss das Cola ja nur deshalb heißen, damit man merkt , dass es sich um das traditionelle Cola handelt. Und die Tradition ist es ja schließlich, die die Marke zusammenhält.

Tradition ist wichtig. Tradition ist das, was überdauert und bleibt. Obwohl auch Traditionen nicht mehr das sind, was sie mal waren und sich in immer kürzeren Rhythmen erneuern. Tradition ist oder hat das, was man dazu erklärt – z.B. die „arabische Revolution“. Von der war zum ersten Mal – sagen wir mal ganz grob – vor einem halben Jahr die Rede. Die „Occupy Wallstreet“-Bewegung gibt es seit ca. 4 Wochen. Sie steht folgerichtig „in der Tradition der arabischen Revolution.“ Seit knapp einer Woche ist die Occupy-Welle auch nach Frankfurt geschwappt - und siehe da, haben wir es nicht gewusst: Die „Occupy Frankfurt“-Bewegung steht „in der Tradition von Occupy Wall Street.“ Sozusagen „Revolution classic“, „Revolution light“ und „Revolution zero“ – ach nee, vielleicht doch besser: „Revolution Kirsch“.

Tradition haben auch das Bier und die Bratwurst beim Fußball. Es soll sogar schon mal vorgekommen sein, dass Blinde Bratwürste als Schiedsrichter eingesetzt wurden. Das wird sich sicher auch dann nicht ändern, wenn der DFB plötzlich voll im Trend seine moralischen Werte entdeckt und künftig auf Bierwerbung verzichtet. Na ja, da kräht kein Adler nach, aber der DFB muss sich dann eben andere Merchandisingwege suchen, um bei künftigen Events Nationalmannschaftstrikots unter die Leute zu bringen. Die „stilechte Bekleidung für jeden Spieltag“ wird es ja dann beim „Kauf von sechs 20er oder 24er-Kästen (außer Stubbi) oder zwölf 112-Kästen der Produkte Bitburger Premium Pils, Bitburger Alkoholfrei 0,0%, Bitburger Light und Bitburger Radler“ wohl sicher nicht mehr umsonst obendrauf geben.

Falls jemand allerdings auf den Gedanken kommen sollte – z.B. als Teil des Verhaltenskodex - ein Ebbler-Verkaufs- und Trinkverbot im Frankfurter Stadtwald zu verhängen, Frau Rauscher aus dem Stadion zu verbannen und künftig nur noch „Apfelwein light“ (= Abbelsaft) auszuschenken – dann, also dann, garantiere ich für nichts. Dann ist die Revolution der „Generation Boskop“ - in der Tradition des Odenwälder Frühlings – nicht aufzuhalten.

Aber gemach. Vorerst ist davon noch nichts in Sicht, obwohl im Wald bereits – wie die Frankfurter Rundschau gestern textete – ein anderer Wind weht. „Der Wind hat gedreht, und bläst der Eintracht nicht mehr frontal ins Gesicht, sondern druckvoll in den Rücken.“ Ob der Wind „light“ oder „strong“ ist, müssen wir zwar noch herausfinden, aber möglicherweise kann uns hier ein Produkt weiterhelfen, das es derzeit für 5 Euro 95 im Sonderangebot im Eintracht-Shop zu erwerben gibt: Die "Windsocke classic".

Ich habe keine Ahnung, was eine Windsocke ist, und kann deswegen leider auch nicht sagen, ob es neben der „Windsocke classic“ auch noch eine „Windsocke light“ gibt und was die beiden möglicherweise voneinander unterscheidet. Ich vermute mal: Beide zeigen an, woher der Wind weht. Und wenn „rotundschwarz premium“ die Zeichen der „Windsocke classic“ richtig deutet, dann kann das nur eines bedeuten: Sturm. Sturm, der über den Platz des Waldstadions in Richtung Duisburger Tor fegt.

Sieg! Und sonst gar nix!

Sonntag, 16. Oktober 2011

Occupy Tabellenspitze

Manchmal ist es so, dass einem ein Tag, ein Abend, nicht wie der Ablauf eines chronolgischen Geschehens im Gedächtnis bleibt, sondern wie eine folge hingetupfter Bilder. Der Freitag abend zum Beispiel:

Die Woche war zäh und anstrengend. Viel zu tun, keine rechte Inspiration. Alles gut. Alles nicht gut. Irgendwie hing eine Schlechte-Laune-Wolke über meinem Kopf und wollte sich nicht vertreiben lassen. Dann der Freitagnachmittag. Büro zu, PC aus. Hallo Welt!

Kurz vor 6, gleich Anpfiff in Bochum. Die Sonne steht tief hinter den Bäumen. Schattenspiele. Es wird kalt. Der Eintracht-Schal wärmt. Außerdem haben wir draußen, an der Feuerstelle im Garten, ein Feuer gemacht. Entzündet. Der Fernseher läuft, das Spiel beginnt später. Der Sky-Reporter überbrückt die Zeit durch ein Gespräch mit Uwe Leifeld. Leifeld? Stimmt, der stand damals, 1988, im Pokalendspiel, in der Mannschaft der Bochumer. Er spricht über Bochum, und man meint, dass er gleich zu weinen anfangen müsste, so echt, so authentisch ist das. Der schwätzt nicht irgendein Marketinggebrabbel von wegen Malocherverein, ehrliche Haut und Ruhrpott – der denkt, lebt und fühlt das so. If the Legend becomes truth.

Freitag, 14. Oktober 2011

11 (von 34)

Heute also. 18 Uhr. Anpfiff im - so called - "Rewirpower"-Stadion. VFL Bochum gegen Eintracht Frankfurt. Bei uns fehlt Gekas, macht aber nix, denn der hat zwar eine „bestimmte Qualität“, aber wir haben ja kurz vor Transferschluss „unheimlich gute Qualität“ eingekauft, deswegen  also auch jede Menge „Qualität auf der Bank“. Zudem haben wir jetzt auch noch hinten (Bamba, Schildenfeld. Oder Bell?) „Qualität und Stabilität“ entwickelt, und nach vorne ist unsere "Qualität sowieso überragend". Hey, im Ernst: Wir stehen auf Platz 2, wir sind ungeschlagen, wir können Fußball spielen. Wir haben Meier, Schwegler, Rode. Jung. Köhler. Hoffer. Djakpa. Mo. Oka. Und falls nicht noch einer krank wird, verschlafen hat oder aus sonstigem Grund kurzfristig ausfällt, fahren exakt 2.347 Fans nach Bochum, sind schon unterwegs, weitere 20.531.707 verfolgen das Spiel vor dem Fernseher, die Sonne scheint – hey, hey, hey - das wird.

Und da sitze ich jetzt also recht albern mit meinem Eintracht-Schal vor dem PC, das Eintracht-Shirt um den Hals - also: umgekehrt -  die Vorfreude aufs Spiel steigt, der Adrenalinpegel ebenfalls.  Die Arbeit sieht mich an, ich schaue weg. Müsste eigentlich... kann und will aber rnicht. Wollen wir doch mal sehen, wie wir die Zeit bis zum  Anpfiff wirklich sinnvoll verwenden können...

Mach den Bochum-Test! 

Wer diesen Test erfolgreich absolviert, kann damit Qualiltät unter Beweis stellen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Sieg der Eintracht in Bochum.

Montag, 10. Oktober 2011

Zwischen den Spielen

So dauert sie also immer noch an die



Gerne wird diese Zeit auch als



bezeichnet, womit zum Ausdruck gebracht werden soll, dass in dieser Zeit nichts, aber auch gar nichts passiert, was auch nur das leiseste Wimpernzucken lohnt. So langweilig, furchtbar, furchtbar langweilig ist die Welt. Schauen wir mal kurz wie sie so war, die Welt in der vergangenen Woche…

Dienstag, 4. Oktober 2011

Lost and found

Was ist nicht alles heute hier und morgen da und dann schon wieder weg. Aufgetaucht und wieder verschwunden. Lost and found. Trainer, zum Beispiel. Oder Spieler. Heute in Bochum, morgen in Aachen. Vorgestern in Freiburg. Gestern in Gladbach. Heute in Frankfurt. Morgen? Wer weiß das schon. Das ist wie mit dem Wetter. Heute noch in mildes Licht getauchtes Spätsommerwetter, morgen (so heißt es) schon wilder, kalter Herbstwind. Man weiß nie, was wird, und was auf dem Weg durch die Welt so alles verschwindet und/oder (wieder?) auftaucht.

Manchmal verliert man etwas, bei dem man nie und niemals befürchtet hatte, dass es überhaupt wegkommen könnte. So ist es z.B. vor zwei Wochen einem Winzer im pfälzischen Deidesheim ergangen, als er mit der Traubenlese beginnen wollte. Der Weinberg war zwar noch da, aber die Trauben: Weg.

Manchmal findet man etwas, von dem man dachte, dass es für lange Zeit verschwunden sein würde. Dann taucht es wieder auf, und man ist sich nicht sicher, ob man dem trauen soll, was man da sieht – wie am Freitagabend im Waldstadion. Ein ums andere Mal kreuzte sich mein Blick mit dem des schräg vor mir sitzenden DK-Adlerfreundes. In unseren Augen: Staunen. Die Münder: Offen. Kann das sein? Was machen die denn da? Was ist denn da passiert? „Aus einem Guss, wie aus einem Guss,“ lese ich von seinen Lippen ab. Und: „Der Meier. Unglaublich gut. Was macht der denn?“ Dieses Lob aus seinem Mund – auch so ein fast nicht mehr erwartetes Fundstück.

Mitunter, ganz selten, kann es vorkommen, dass man etwas findet, von dem man gar nicht wusste, dass es verloren gegangen war. Die „Lost Notebooks“ von Hank Williams, zum Beispiel. Zufällig in einer Ledermappe im Nachlass entdeckt, jetzt vertont. Von Bob Dylan. Lucinda Williams. Jack White. Levon Helm. Merle Haggard und anderen. Am Samstag war die CD da – seitdem sind mein Mit-Adler und ich weg. Hin und weg.

Besonders merkwürdig ist es, wenn etwas nicht nur nicht weg, sondern einfach auf einmal da ist.

Noch einmal ein Flashback zum Freitagabend. Nach dem Spiel. Wir schlendern durch den Wald zurück, es ist noch warm, der Himmel glitzert, unsere Herzen sind froh und weit. Kurz vorm Ausgang, überholt uns ein junges Pärchen. Sie hat eine Rappermütze mit Adler auf dem Kopf, kurze Hosen, sieht lustig und cool aus. Im Vorüberlaufen spricht sie uns an. „Sagt mal…“ „Ja??“ „Sagt mal – haben die Berliner ein Tor geschossen?“ Ähem. Fragt sie das im Ernst? Sieht so aus, also: „Ja, haben sie.“ „War das ein Elfmeter?“ Stutz. „Nein, kein Elfmeter, aus dem Spiel heraus.“ „Ah so“, sagt sie, „dann also doch.“ Im Vorbeigehen dreht sie sich noch einmal um: „Wisst ihr - ich hab das nämlich net mitgekriegt. Auf einmal war’s da.“

Ja. So war das am Freitagabend. Auf einmal war das Tor, aber viel wichtiger: Auf einmal war "es" da. Deswegen mein dringender Appell: Wo auch immer es herkommt und was auch immer es ist. Hiergeblieben. Festhalten!