Freitag, 30. November 2012

Spieler der Stunde: Unser Youngster - Marc-Oliver Kempf

Oops. Freitag morgen. Kaum sind die Wunden nach dem Spiel gegen Mainz 05 geleckt, steht heute bereits das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf ins Haus (vom Veh bzw. dem der Eintracht). Ganz kurz die morgendliche Lücke genutzt, um den Spieler der Stunde zu ehren, der alles andere als ein Lückenbüßer ist, vielmehr die durch Verletzungen und sonstige Unbill entstandene Lücke im Kader im Kader gefüllt und auf dem Platz die Lücke in der Innenverteidigung gestopft hat.

Aber zunächst noch einmal ein kurzer! Blick aufs Spielgeschehen, für den ich eine Anleihe beim wunderbar abgedrehten Fußball-Analyseblog „Spielverlagerung“ nehme. Der hat nämlich in dieser Woche  das Spiel der Eintracht gegen die 05er in den Blickpunkt gerückt und mir dadurch sehr geholfen, das Spiel zu verarbeiten. Doch, doch. Keine Ahnung, ob das tatsächlich – also TATSÄCHLICH – alles ernst gemeint ist, was da so steht,  aber ich liebe, liebe, liebe den sprachlichen Aufwand (und die kryptischen Bildchen) mit denen bei "Spielverlagerung" ein Spiel bis ins Detail zerlegt, ach was: mit denen der Matchplan hinter dem – wie wir alle wissen – nur scheinbar spielerischen Treiben auf dem Platz aufgedeckt und bis ins letzte Detail entlarvt wird. So kann ich heute mit Fug und Recht behaupten: Ich habe genau verstanden, was da am Dienstag abgegangen ist, im Waldstadion und fasse kurz zusammen:  

***Die Mainzer spielten mit einer beweglichen Raute, die den Raum zwischen den Linien versperrte und sich mit der Defensive kompakt und nur im Verbund nach vorne verschob - zunächst als 4-4-1-1-, später ein 4-5-1 mit Ansätzen eines 4-3-2-1 mit breiter Dreierkette im zweiten Band,  am Ende aber dann doch eher ein 4-3-3 mit drei Sechsern.  Überhaupt die Sechser: Die haben sich nämlich kettenähnlich verschoben, während die  ballnächsten Halbspieler pressten. Auch die Stürmer der Mainzer halfen sehr gut mit – sie ließen sich fallen und wurden bei Kontern als Prellböcke genutzt. Die Eintracht versuchte durch Flanken aus dem Halbfeld eventuelle Löcher am zweiten Pfosten zu bespielen, was aber nicht gelang. Vor allem deshalb weil Alex Meier, der wie üblich in der Horizontale pendelte, nicht verhindern konnte, dass die Mainzer bei Kopfballduellen bereits während der Ballverarbeitung Bälle von ihm erpressten.  Die Mainzer (z.B. Baumgartlinger) füllten Löcher,  bildeten pressingrestistente Anspielstationen, ließen sich bei Bedarf abkippen und kümmerten sich um das Bespielen der Halbräume. Die Eintracht presste ebenfalls aggressiv, aber nicht so ausgefeilt und musste immer einmal mehr pressen als ihr lieb war. So konnten wir nicht verhindern, dass der junge Shawn Parker mit schneller Beschleunigung in Löcher startete, einen Spieler befreite oder sich selbst in der Gasse frei lief.*** 

Da war nichts zu machen und wir wissen alle wie es ausgegangen ist.

(Das, was sich hier – zumal im Zeitraffer – so putzig liest, lässt sich übrigens statistisch exakt nachvollziehen: Von wegen kompakt zugestelltes Zentrum, hoch stehen,  zugestellte Passwege der Innen- auf die Außenverteidiger, Zweikampfwerte von Alex Meier. Na, also!)

Die Wahl zum Spieler der Stunde

Trotz englischer Woche, trotz Niederlage und verkürztem Abstimmungszeitraum haben sich nach dem Spiel gegen Mainz immerhin 46 Eintrachtler an der Wahl zum Spieler der Stunde beteiligt.  Herzlichen Dank dafür.

Mehrere Spieler, die sich am Dienstag mehr oder weniger glücklos mühten, konnten eine oder zwei Stimmen  ergattern:  Der (wie immer)  an den Toren schuldlose  Kevin Trapp.  Der immer wieder flankende Sebi Jung. Der unermüdliche Sebastian Rode. Alex Meier, der versuchte das Spiel zu verlagern und die Bälle, die er vor dem Tor auf den Kopf bekam, leider nicht richtig drücken konnte.  Pirmin Schwegler, der einmal mehr unglaublich viel auf die Socken bekam und Stefano Celozzi, der dazu beitrug, das über rechts ein bisschen mehr lief als über links, dessen Einwechslung nach der Pause ich trotzdem nicht verstanden habe.

Andere blieben stimmlos:  Der quasi Torschütze Takashi Inui. Sein Pendant auf rechts Stefan Aigner. Bastian Oczipka. Carlos Zambrano. Der traurige Olivier Occéan, dem die vielen aufmunternden Rufe von den Rängen sicher unglaublich gut getan haben.  Die Mannschaft. Zwei Stimmen übrigens auch für Sonny Kittel, der endlich wieder einmal auf der Bank saß und ein paar Einsatzminuten bekam. Gut so – und vielleicht auch mal in einem Spiel, in dem es besser läuft.

Nur zwei Spieler bekamen mehr als eine oder zwei Stimmen –  einer davon war Dorge Kouemaha, den viele bereits nach der Halbzeitpause auf dem Platz erwartet hatten,  der aber dann doch erst gut zwanzig Minuten vor Schluss seine Premiere im Eintracht-Trikot feiern konnte.  Er war einigermaßen präsent,  schaffte es, den Ball auch mal im Zentrum zu halten, wirkte wach und beweglich und so konnte man während der verbleibenden Zeit den Eindruck gewinnen,  als  könne er – im Moment – der Mannschaft mehr nützen als  Olivier Occéan.  Das will jetzt nicht  sooooooooo viel heißen, ist aber doch immerhin ein Ansatz.

Nun aber hurtig zum – tatatata – Spieler der Stunde, der 30 der 46 abgegebenen Stimmen erhalten hat und damit sehr deutlich mit 60% (Kouemaha: 8%) vorne liegt. Eine gute, wunderbare Wahl, die – es kann nicht anders sein – direkt aus dem Eintracht-Herzen kommt und bei der ich im Hintergrund  ein  lautes Jaaaaaa zum Mut und zur Zukunft höre.

Spieler der Stunde ist Marc-Oliver Kempf, der gegen Mainz – wie einst Charly Körbel gegen die Bayern -  mit gerade einmal 17 Jahren sein Debüt in der Bundesligamannschaft der Eintracht gegeben hat.  In einer sehr jungen Hintermannschaft ( sozusagen 23  - 17 – 23 – 21) war er der Jüngste und lieferte – in einem Spiel, in dem die Innenverteidigung besonders unter Druck stand – ein mehr als ordentliches Spiel ab. „Der Junge hat einen super Job gemacht“, findet Alex Meier und auch Armin Veh war sehr zufrieden und sieht in ihm „eine Perspektive für den Verein“. Mitunter wirkte er ein  bisschen vorsichtig, gleichzeitig erstaunlich ruhig  („Ich weiß gar nicht, ob er überhaupt nervös war“,  sagte  Kevin Trapp und der ist sein direkter Hintermann und muss es also wissen).  An den ersten beiden  Gegentoren war Kempf nicht ganz unbeteiligt, einen Vorwurf kann man ihm schwerlich daraus machen – die Fehler entstanden sozusagen systematisch  durch  die  - *g – sich pressend verschiebende bewegliche Mainzer Raute. Ausgangspunkt für das zweite Tor war z.B. ein Einwurf der Eintracht auf der linken Seite, ungefähr in Höhe des eigenen Strafraums. Der wurde direkt von den Mainzern (hihi) erpresst, ebenso direkt in die Mitte gepasst, wo gerade Shawn Parker  mit schneller Beschleunigung in ein Loch lief und Marc Kempf nicht konsequent genug dagegen hielt. 

You can observe a lot by watching. Trotzdem kann als Beleg für Marc Kempfs  „ordentliches“ (Veh) bzw. „überragendes“ (Meier) Spiel auch die statistischen Werte herhalten, die um einiges besser als die seines Nebenmannes Zambrano ausfallen:  81 % seiner 37 Pässe kamen zum Mann, 63,6 % seiner 22 Zweikämpfe hat er gewonnen, Zambranos Quote lag am Dienstagabend bei 58,6 %. 

Marc-Oliver Kempf stammt aus Dorn-Assenheim, das  -wie in Wikipedia zu lesen ist – von den Einheimischen (wohl nach dem Bach, der durchs Ort fließt oder zumindest mal geflossen ist) „Schloggebach“  genannt wird.   Die Einwohner von Schloggebach sind die Kreuzköpp. Warum? Mer waas es net.

Dorn Assenheim ist der südlichste Stadtteil von Reichelsheim und liegt in der Wetterau, die (wie der wunderbare Schriftsteller und Eintracht-Fan Andreas Maier befürchtet) demnächst wegplaniert und eine einzige Umgehungsstraße sein wird, aber so lange noch als Kornkammer Hessens gilt und über ein besonders  sanftes Klima verfügt  Der Wetterauer an sich gilt als offen,herzlich, robust und selbstbewusst und das wären ja nicht die schlechtesten Eigenschaften, die man als Innenverteidiger bei Eintracht Frankfurt in die Waagschale werfen könnte.  Und die gewisse körperliche Robustheit bringt er tatsächlich jetzt bereits mit:  Kempf ist 1,85 groß, wiegt 82 Kilo,  ist also nicht gerade das, was man als „Hemd“  bezeichnen würde, geht in die Zweikämpfe, ist kopfballstark – dass er erst 17 Jahre alt ist sieht man ihm – zumindest aus der Entfernung – nicht unbedingt gleich an.

Im Mai dieses Jahres gehörte Marc – zusammen mit den Eintracht-Kollegen Marc Stendera und Torhüter Marvin Schwalbe – zum Kader der U17, die für Deutschland in Slowenien um den Europameistertitel spielte. Vor zwei Wochen habe ich ihn zum ersten Mal live spielen sehen, beim 3:0-Sieg der U18 gegen Griechenland in Kelsterbach. Da spielte er fast durch und hinterließ einen ausgesprochen souveränen, fast abgeklärten Eindruck.

Schon vor der Saison galt Marc-Oliver Kempf als derjenige unter den Youngstern, die die besten Chancen auf einen Einsatz  vielleicht sogar in der Startformation haben würde. Im Sommertrainingslager in Windischgarsten konnte er überzeugen, kam auch in Testspielen der Eintracht immer mal wieder zum Einsatz – und zudem ist es ja nun einmal so, dass die Eintracht derzeit nicht gerade über ein Überangebot von (guten, einsatzfähigen) Innenverteidigern verfügt. Eigentlich soll der Bub ja erstmal weiter in der U19 spielen, sein Abitur machen, wenn’s die Zeit zulässt bei den Großen mittrainieren. Jetzt ging halt alles ein bisschen schneller.  

Keiner im Stadion, der sich nicht darüber gefreut hätte, dass "MOK" am Dienstagabend für die Eintracht auf dem Platz  gestanden hat. Hey, einer von uns.  Lass die Jungen ran.  Mehr davon. So soll es sein. Die Namen Kirchhoff und Stendera kursierten, dazwischen immer wieder auch Cenk Tosun.  Wer weiß – vielleicht sehen wir in ein, zwei Jahren tatsächlich eine Eintracht, die mit einer starken Achse aus der eigenen Jugend aufläuft: Sebi Jung, Jan Kirchhoff, Marc-Oliver Kempf, Seppl Rode (den ich hiermit einfach mal eingemeinde), Marc Stendera, Sonny Kittel, Cenk Tosun. Meeeensch, das wär was. 

„Aus solchen Spielen kann man lernen“, meint Armin Veh in der Pressekonferenz vor dem heutigen Spiel gegen Düsseldorf. Was für die Mannschaft insgesamt gilt, gilt für einen so jungen Spieler wie Kempf gleich doppelt. 

Umsetzen, was wir gegen Mainz gelernt haben? Gleich heute in Düsseldorf hat die Mannschaft Gelegenheit zu zeigen, dass sie auch gegen pressende, rotierende, sich nach links und rechts verschiebende,  hoch und kompakt stehende, fallende und kippende und in Löcher laufende Düsseldorfer spielerische und kämpferische Mittel findet. Auch der Spieler der Stunde wird heute wieder mit auflaufen: „Aufgrund eines Familienausflugs nach Düsseldorf kann Marc-Oliver  in den nächsten Tagen leider nicht am Unterricht teilnehmen.“ 

Willkommen im Team, lieber Marc-Oliver  - und auf deine ersten drei Punkte im Eintracht-Trikot, heute in Düsseldorf!

Kommentare:

  1. Jesses, geht ja wirklich Schlag auf Schlag dieser Tage. Dafür einen riesengroßen Extra-Dank.

    Neues fühlt sich ja immer auch ein bisschen toll und besser an, weils halt eben neu ist. Dass unser "Kempfer" sich mit seinem ersten BuLi Auftritt gleich zum SDS gewählt wird, hat damit wohl auch zu tun. Vor allem aber damit, dass er sein Potential richtig gut gezeigt hat. Wahl geht also völlig in Ordnung. Und Dein sehr feiner Willkommensgruß an ihn erst recht.

    LG, die Sarroise

    AntwortenLöschen
  2. Schlag auf Schlag stimmt, leider!Ist schon sehr bitter,gegen Dü so zu verlieren,aber viele der Stammspieler scheinen platt zu sein, die anderen sind nicht eingespielt oder zu unerfahren. Ich hoffe, der Kempf verkraftet das Spiel gut und ich würde ihn wieder werfen(muß Veh ja wahrscheinlich sowieso), diesmal aber an der Seite eines stabilen Innenverteidiger(und wenns Butscher wäre,die Verheizungsgefahr droht sonst),und nicht neben Demidov, der genug mit sich selbst zu tun hatte.Lanig tut mir ein bisschen leid, er muß personell immer die Löcher stopfen, aber kreativ sein ist nun mal nicht seine größte Stärke, aber Kampfkraft und Einsatzwillen, deswegen gebe ich ihm meine Stimme.

    AntwortenLöschen
  3. Mein Spieler der Stunde ist Kermit der Frosch, der den Bärendienst lieferte... Spieler der Stunde - muss man ja nicht unbedingt als Positives sehen - mit seinen Aktionen, die sicherlich dem Ehrgeiz und Willen zu entschuldigen ist und nicht der groben Unsportlichkeit, hat er die Mannschaft entscheidend geschwächt. Die 2 ersten Tore wären aber sicherlich auch mit ihm im Team gefallen - ersteres durch den Zufall begünstigt irgendwie frei vor Trap aufzutauchen - zweiteres mit genialer Körpertäuschung und feinem Abschluss. Trotzdem nur 6 Tage zuvor auch mit dummen ungestümen Aktionen vom Platz geflogen und nix draus gelernt. Fingerspitzengefühl muss man vom Schiri nicht erwarten - auch wenn das bei Spielern der Bayern oder Schalke (Holtby) gern mal angewandt wird....

    AntwortenLöschen
  4. Von Taktik verstehe ich nichts. Die Mainzer hatten ein paar Spieler mehr auf dem Platz. Das ist eine Erklärung, die ich verstehe. ;-)

    Kempf zahlt ganz schön Lehrgeld, aber ich glaube nicht, dass ihn das umwirft. Im Gegenteil. Der Junge macht nicht nur körperlich einen robusten Eindruck.

    Also: Dranbleiben und nicht unterkriegen lassen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, hat meine Mutter immer gesagt. Auch Körbel war keiner. Er hatte nur einen etwas besseren Start, weil die Mannschaft damals in einer besseren Form als heute war und Gerd Müller sein Tor (zu) spät gemacht hat. :-)

    Gruße vom Kid

    AntwortenLöschen