Dienstag, 25. September 2012

Spieler der Stunde - unser junger Japaner: Takashi - IIII-NUUU-III!

Kennt ihr das? Als die Abstimmungsphase zur Wahl zum Spieler der Stunde des 4. Spieltags allmählich zu Ende ging, wurde ich immer kribbeliger, weil ich mich darauf freute, den Spieler der Stunde zu küren. Die Worte würden nur so aus mir heraussprudeln. Lobpreisen, huldigen wollte ich sie. Ein Lob- und Glücksfüllhorn wollte ich ausschütten, dabei aber auch die ein oder andere ungemein witzige und pointierte Anmerkung einstreuen. Ein buntes, glückssprudelndes Bild wollte ich zeichnen. Und dann: Nichts. Die Worte, sie wollen nicht kommen. Die Bilder: Unzulängliche Krakel.  So viel Lob in den letzten Tagen. Schlagzeilen. Interviews. Jubelarien. Erklärungen. Überall, überall, wohin man schaut: Adler.  Facebook quillt über vor  Fotos, Zitaten, und Glück.  Der Doppelpass erklärt die Eintracht zum Vorzeigeverein. Bruno Hübner erhält die goldene „Best Buyer-Sportdirektor“-Medaille am Bande. Sebastian Rode, der (Zitat Armin Veh) in Nürnberg „ganz gut“ gespielt hat, ist im Kicker zum „Spieler des Spieltages“ gekürt worden. Rode, aber auch Jimmy Hoffer und Takashi Inui sind in allen erdenklichen Mannschaften des Tages. Die Süddeutsche Zeitung  beschreibt das Spiel der Eintracht als „zeitlos schön“ und „ohne akademisches Getue.“ (Da ist sie also wieder, die „emininent hohe Spielkultur der Frankfurter Eintracht"),

Und ich: Stumm.

Heute sind alle Blicke bereits nach vorne gerichtet, heute Abend, gleich, also jetzt soll das Glück in eine neue Kurve einbiegen. Ich halte noch einmal ganz kurz an,  blicke zurück auf das noch gar nicht so lang Vergangene, und suche nach Worten.

Zunächst Dank an die 134 Leser und Sympathisanten dieses Blogs, die sich auch dieses Mal wieder an der Abstimmung zum Spieler der Stunde beteiligt haben – obwohl das ja - strange enough - von Woche zu Woche nicht einfacher, sondern schwieriger wird.

Der vierte Sieg der Eintracht, die vierte Wahl zum SdS und zum vierten Mal die Frage: Wen soll man wählen?  Wen will man aus dieser Truppe hervorheben? Eine Mannschaft, die kämpft, und die wunderbaren Fußball spielt. Die  sich auch nicht unterkriegen lässt,  wenn kurz nach Anpfiff zwei wichtige Spieler ausfallen. Die Gegentore wegsteckt und einfach weiterspielt. Die unter Druck nicht erstarrt, sondern ruhig und trotzdem aggressiv weiter spielt. Die weiß, was sie kann und Spaß daran hat, Erfolg zu haben. Die bis zur letzten Minute hellwach ist, auch wenn sie auf dem Zahnfleisch geht.  Fast symbolisch die Szenen nach Abpfiff. Pirmin Schwegler mit Kopfverband, Olivier Occéan humpelnd mit der Mannschaft in die Kurve.  Uns haut nichts um. Wir stehen noch. Und wir stehen oben. Egal, wen man wählt, es trifft immer den richtigen. „Ich wähle eigentlich nie die Mannschaft“, hat z.B. mein Mit-Adler gesagt, „aber wenn es einen richtigen Zeitpunkt gibt, die Mannschaft zu wählen, dann  jetzt und dann bei diesem Spiel.“   21 Leser dieses Blogs dachten genauso - 20 % aller Stimmen und damit Platz 3 für diese wunderbare Mannschaft, die Adlerherzen zum Fliegen bringt.

Wir! Alle! Trotzdem gab es an diesem Spieltag natürlich jede Menge gute Gründe einen einzelnen Spieler zu wählen und seine Rolle und  Leistung für  die Mannschaft zu würdigen.   „Herrje welche Leistung“  hat z.B. Sebastian "Herrje, wie gut ist der denn?" Rode gewählt und   in einem Kommentar hier im Blog erklärt, warum seine Wahl auf ihn gefallen ist: “Habe zwar keine Szene in bewegten Bildern gesehen, hätte ihn aber auch schon in Spiel 1, 2 oder 3 wählen können, was ich nicht tat, jetzt aber tue.“  23 weitere Leser taten es auch, vielleicht ja auch deshalb weil sie außerdem gesehen haben, wie Rode – unermüdlich, kampfstark, konzentriert, passgenau – in der 58. Minute genau richtig stand und auf der Linie den  Ausgleich der Nürnberger verhinderte.  24 und damit 17% der Stimmen  - und damit Platz 2 für ihn. 

Man hätte auch Kevin Trapp wählen können, so wie 14 Leser dies getan haben. Auch in dieser Partie, in der man schon mal nervös werden konnte, tat er vor allem eins: Sicherheit ausstrahlen– und zwar auf eine ganz andere Art als einst Oka, der Stoiker. Trapp ist ruhig, null hibbelig – und wirkt dabei doch immer hellwach und präsent.  Ein sympathischer,  auf selbstbewusste Art bescheidener junger Mann, der auch außerhalb des Platzes bei seinem Auftritt am Samstagabend im Sportstudio einen guten Eindruck machte. Kann leider trotzdem nicht ganz verhehlen, dass es mich ein bisschen ärgert, dass Armin Veh  ihn in der vergangenen Woche als „Gesicht derEintracht“ bezeichnet hat  und als jemanden, „der den Verein sympathischer macht.“   Nun ja. „Gesicht der Eintracht“? Dafür sollte er dann schon noch ein paar Tage länger im Tor der Eintracht stehen und  derzeit gibt es schon noch ein paar andere, denen dieser „Titel“ eher zusteht. Und von wegen „sympathischer“ – ich nehme an, da hat der Herr Veh wohl einfach das „noch“ vergessen.

Auch der gegenüber der letzten Saison fast nicht mehr wieder zu erkennende, bärenstarke Sebi Jung, der in diesen Tagen locker wie nie wirkt,  wäre eine gute Wahl gewesen (zwei Stimmen hat er bekommen). Oder Alex Meier, der (fällt euch das auch auf?) immer noch und noch besser wird. Es ist, als ob er das was er kann, immer souveräner nutzt, immer mutiger und freier damit umgeht. Er spielt gerne gut Fußball – und je mehr gute Fußballer er um sich herum hat, desto mehr probiert er aus, desto mehr traut er sich, lässt sich inspirieren – und inspiriert seine Mitspieler. Vor meinem inneren Auge erscheint eine Szene vom Anfang der zweiten Halbzeit. Alex Meier steht halblinks, ein hoher Ball kommt auf ihn zu, er pflückt ihn mit dem rechten Fuß herunter, hat ihn am Boden sofort unter Kontrolle, ganz eng am Fuß und passt  ihn mit dem Außenrist – hart, präzis – zum Nebenmann. Ohne Haken – eine fließende Bewegung aus einem Guss.  Zungeschnalz. Was für ein Fußballer.  

Mit ebenso gutem Gewissen und aus voller Adlerbrust hätte man auch Jimmy Hoffer seine Stimme geben können – immerhin drei Leser haben dies auch getan – und damit wird nur unzulänglich wiedergegeben  wie hoch seine Leistung vom Freitag einzuschätzen  ist. Wie lange stand es auf der Kippe, ob er - der vom SSC Neapel nur Ausgeliehene - wieder zur Eintracht zurückkehren dürfte. Wie sehr wollte er es - und wie bescheiden und still nimmt er seine Rolle als Ersatzspieler an, arbeitet, ist immer bereit. Und jetzt - von Null auf 100 schon nach wenigen Minuten in die Mannschaft gekommen, nahtlos eingefügt, gearbeitet, ein blitzsauberes Tor gemacht. "Ein Tor zu erzielen, ist für jeden Stürmer eine Erleichterung. Auch für mich." Ach, Jimmy! 

Und dann ist da noch der zweite „Matchwinner aus der zweiten Reihe“Martin Lanig, dem  die nicht ganz einfache Aufgabe zugefallen ist,  Pirmin Schwegler zu ersetzen – und dem diese Aufgabe mit Bravour gelang.  15 und damit 11 Prozent aller Stimmen gingen an ihn. Mit ganz anderer Spielanlage als Schwegler und genau den Qualitäten, die  in diesem Spiel, insbesondere in der letzten viertel Stunde, benötigt wurden. Lanig spielte seine 6 am Freitag Abend ein Stück weiter hinten,  agierte fast als eine Art Vorstopper -   und hat damit (und mit seiner Kopfballstärke) bereits vor dem Strafraum manches Bällchen vom Strafraum und der Innenverteidigung fern gehalten.

Gute Gründe hätte es auch gegeben, um  Einzelstimmen für  Stefan Aigner (überall!), Bastian Oczipka (Dampfmacher), Bamba Anderson (unglaublich passsicher), Pirmin Schwegler (Kapitän, Vorbild, Antreiber) abzugeben, vielleicht sogar für den früh verletzt ausgeschiedenen Olivier Occéan und den spät eingewechselten Karim Matmour. Oder für Carlos Zambrano. Stopp. Carlos Zambrano hat ja eine Stimme erhalten - vermutlich vorrangig dafür, dass er es  trotz frühem Gelb und eigentlichem Gelb-Rot geschafft hat, nicht vom Platz zu fliegen, um sich am Ende dann noch einmal den Zorn von Dieter Hecking  zuzuziehen. (Nein, ich denke nicht, dass das spielentscheidend war – die eine Minute hätten wir schon überstanden. Viel länger allerdings wohl nicht…)

Und jetzt also – tatata – zum Spieler der Stunde, der 51 Stimmen erhalten  und sich mit 38% Prozent am Ende doch klar und deutlich durchgesetzt hat: Takashi Inui, "unser Japaner".  Selbstverständlich hat er sich diesen Titel verdient und selbstverständlich wird dieses erste  (man muss kein Prophet sein) nicht das letzte Mal sein. Ein zartes Pflänzchen. "Ein toller Mensch" (Friedhelm Funkel), ein „netter Kerle“ (Armin Veh) und wenn es stimmt, dass er in Bochum  vor dem Tor öfter mal den Ball verloren und dadurch gefährliche Situationen heraufbeschworen hat, dann muss es wohl  auch stimmen, was Armin Veh ausßerdem über ihn sagt: Er lernt schnell. 

Vor dem Spiel gegen Nürnberg wurden in Sky "die Japaner" der beiden Clubs kurz im  Portrait vorgestellt und  dabei auch die Gegensätze deutlich: Hiroshi Kiyotake, ein eher extrovertierter, lebhafter Junge, unser Taka still und freundlich. Auf dem Platz haben beide gezeigt, warum  jeder auf seine Art vielleicht das Zeug dafür hat der „neue Kagawa“ (oder vielleicht auch einfach: DER Inui!) zu werden. Kiyotake überzeugt derzeit vor allem mit seinen Standards  - Inui ist auf dem Weg ein Gesamtkunstwerk zu werden. Er bewegt sich leicht, filigran, fast körperlos. Er ackert und wuselt und hat dabei immer den Kopf oben. Er sieht die Lücken,  er steht (fast) immer richtig, was seine Mitspieler auch (fast) immer merken – er ist ein kongenialer Partner für den großen Alex . Er ist ein feiner Techniker und kann am Ball fast alles. Und er kann  – was zum Beispiel Sebastian Rode noch üben muss: Genau schießen. Sein Tor zum 2:0 – wie er den Ball annimmt, statt steil parallel zum Tor geht, ein, zwei Nürnberger stehen lässt, einen Haken um den dritten und vierten schlägt - und abzieht. Was für ein Tor.

Brasilianer. Schweizer. Österreicher. Hessen. Kroaten. Norweger.  Münchener. Peruaner.  Kanadier. Hamburger.  Algerier. Pfälzer. Berliner. Und Japaner. Alles Frankfurter Jungs.

Herzlichen Glückwunsch, Takashi Inui!

Kommentare:

  1. Stumm? Würd ich nach der Lektüre jetzt mal nicht so stehen lassen ... Kannste doch gar net :=))) Wem das Herz voll ist, dem fließen die Worte halt in die Feder.

    Schöne Nachlese so kurz vorm "Alsweida".

    Danke und Gruß,
    BB

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  2. "An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit / An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit / In dieser Nacht der Nächte, die uns so viel verspricht / Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht" (Toten Hosen)

    Genug gesagt. Nein. Doch. Nicht. Danke Kerstin!

    Viele GRüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

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  3. Alles gesagt und trotzdem sucht man immer noch - oder schon wieder - nach Worten. Danke, dass ihr welche a gelassen habt.

    lgk

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  4. Tja, Kerstin, Recht hast du. Das ehemalige Gesicht der Eintracht wurde vor etwas mehr als einem Jahr zum Training der U23 geschickt, weil weder Gesicht noch Stimme länger erwünscht waren und auch die Leistung längst nicht mehr reichte. Und Trapp macht die Eintracht stärker, fürs andere bekommt er noch genug Zeit.

    Und auch sonst könnte ich dich nur wiederholen. Das lasse ich jetzt aber und lobe dich einfach für das Geschriebene. :-)

    Herzliche Grüße vom Kid

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