Freitag, 5. März 2010

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel - 25. Februar bis 5. März 2010 (Außer-der-Reihe-Edition)

Besucherrekord im Städel in Frankfurt. Alle wollen sie sehen, Botticellis Meisterwerke - Experten, aber auch „Erstbesucher“, die „durch Marketing an die Thematik herangeführt“ wurden. Ach so – Event-Fans. Auch heute, bei Wind, Regen, Kälte – vor der Kasse eine Schlange bis nach Oxxenbach. Stehen die da immer noch oder schon wieder? Wir drehen wieder ab und suchen uns anderswo ein kunstvolles, warmes Plätzchen. Vielleicht haben wir ja Glück und treffen sie ebenfalls: Botticellis Nichte :-)




Freitag, 26. Februar
Jetzt ist es raus: Oka wird weder nach New York, noch nach Dallas wechseln – er bleibt im Odenwald und bei der Eintracht. Schaler Nachgeschmack oder ungeteilte Freude? Das kann man aus Überzeugung so oder so sehen. Mmh. Ich glaub, ich seh‘ s so.

Mit PET-Flaschen kann man Haiti wieder aufbauen. Meint Die Zeit.
Na prima, wir saufen, damit die wieder ein Dach über dem Kopf haben. Oder – wie einst ein schwäbischer Vater gesagt haben soll: „Es is ebbes args, was i an Wurscht fresse muss, damit moine Kindr von dr Haut satt wärre.“

Samstag, 27. Februar
Apropos Schwaben: Über die sind viele Klischees im Umlauf. Jedes mal, wenn ich die Familie meines schwäbischen Mit-Adlers auf der schwäbischen Alb besuche, weiß ich: Sie stimmen (fast) alle.


Der Schwabe ißt gerne Spätzle. Ja, so ist das. Der Schwabe schwätzt schwäbisch. Mmh. Und zwar so, dass man ihn nicht oder nur schwer versteht. Der Schwabe sagt Dinge wie „ha noi“.Oder: „Jetzetle.“ Und wenn er „gschwind“ sagt, heißt das, dass es noch ungefähr zwei Stunden dauert. Er schlotzt gern ein Viertele. Manchmal auch zwei, drei oder vier – und zwar von einem Getränk, das nur er mag. Und schon der kleine Schwabe kann übrigens unmissverständlich zum Ausdruck bringen, wenn er etwas nicht will oder nicht für richtig hält.

Beispiel:
„Die Eintracht holt heute einen Punkt beim VFB.“
Noi edda.“


Stimmt... Und wie fühlt sich das an? Da fragen wir am besten Adil Chihi. „Das fühlt sich an wie eine Niederlage.“ Und mit dem Reporter antworten wir: „Ist ja auch eine.“

Sonntag, 28. Februar
Am Freitag wütete die Schlechtwetterfront Jürgen. Dann kam das Zwischenhoch Felix, allerdings mit Donnergrollen Und heute also das Sturmtief Xynthia. Streife durch das rheinhessische Hinterland und lasse mich von den Windböen durch die Äcker treiben. Der starke Wind wird zum Sturm, der Sturm wird zum heftigen Sturm. Fliiiiiiiiiiege. I am the batman. (Och nö. Bleib doch lieber Adler!)

Bis um 19 Uhr steht mein Tipp noch: Bayern – HSV 0:0. Tja. Den Ribery hab ich noch nie gemocht. Jedenfalls steht Bayern am Ende des Spieltags an der Spitze der Tabelle. Und das mag ich noch weniger.

Neil Young singt bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Väncouvä. Ein Drei-Minuten-Schnipsel in einer 3 Stunden Veranstaltung. Immerhin.

Montag, 1. März
Der Sturm hat sich verzogen, meine Arbeit leider (und irgendwie auch zum Glück ,-) nicht. Hektischer Vormittag zwischen Telefon, Mails und Papierbergen. Vor dem Fenster blitzt der blaue Himmel durch die Zweige eines Baumes. Ein Uhr, zwei Uhr, drei Uhr, vier Uhr. Mag nicht mehr vor dem PC sitzen. Hinaus. Hinaus. Zum ersten Mal in diesem Jahr wusele ich im Garten. Klaube Äste und Zweige zusammen, die der Sturm heruntergerissen hat. Schneide hier, zupfe da. Schneeglöckchen und Christrose blühen. Erste Knospen an der wilden Himbeere. Krokusse, Traubenhyazinthen, Narzissen, Winterling haben sich ebenfalls bereits nach oben durch gebohrt. Geruch nach Gras und Erde. Vögel flattern.

Dienstag, 2.März
In der Turnhalle unseres Nachbarorts hat am Wochenende die Wahl zur Miss „Crocodile“ stattgefunden. Sorry – meine natürlich„Miss Galaxy“. Die Veranstaltung war so professionell und so perfekt organisiert, dass Eltern und Angehörige der Teilnehmerinnen ihrer Begeisterung lautstark und handgreiflich Ausdruck verliehen. Der Veranstalter flüchtete durchs Fenster der Toilette. Ächt!


Ganz andere heitere Nachrichten gibt es dagegen vom Trainingsgelände draußen im Wald: Martin Fenin ist heute wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen.

Mittwoch, 3. März
Habe heute einen Geschäftstermin in Frankfurt. Kein Parkplatz weit und breit. Kreise weiträumig um das Gelände. Einmal. Zweimal. Dreimal. Der Termin rückt immer näher. Fange an nervös zu werden. Da sehe ich ihn, den Lichtblick: Einen Eintracht-Smart im Halteverbot. Ruhig und selbstverständlich steht er da als ob er dort hingehört. So ist es recht. Was Adler tun, ist wohl getan. Geselle mich mit meinem Adler-Fahrzeug dazu. (Bin pünktlich bei meinem Termin. 3 Stunden später allerdings kann ich einen aufgebrachten Lieferwagenfahrer gerade noch daran hindern, die Polizei zu verständigen. Aber das ist eine andere Geschichte.)


Zum Abendessen gibt es Käsebrote und Bier. Länderspiel war heute auch noch. „Und – wie?“ Die Käsebrote waren sehr lecker.

Donnerstag, 4. März
„Manche Leute tragen Superman-Schlafanzüge. Und was trägt Superman? Einen Maik Franz-Schlafanzug.“ Aber auch der eisernste Maik ist nicht immer und pausenlos eisern. Das von einem Dummy lädierte Knie ist warm und tut weh. Sieht nicht richtig gut aus für Samstag.


Louis van Chaaaaal verkündet via Kicker, dass aus seiner Sicht das Verhältnis zwischen Bundes-Jogi und Bundes-Theo zerrüttet sei. Er selbst hätte Interesse daran, Bundestrainer zu werden. „Das wäre das erste Mal, dass ein ausländischer Trainer die deutsche Fußballnationalmannschaft trainiert.“ Diese Aussage ist nicht ganz korrekt: „Das wäre (seit langem) das erste Mal, dass ein Trainer die deutsche Fußballnationalmannschaft trainiert.“ So ist es richtig ,-)

Freitag, 5. März
Schon die ganze Woche habe ich probiert übers Eintracht-Forum noch eine zusätzliche Karte fürs Schalke-Spiel aufzutreiben. Das wird wohl nichts mehr. Bin angenervt und schlecht gelaunt. Versuche mich aber trotzdem auf meine Arbeit zu konzentrieren, wühle mich zäh und mühsam voran. Und da - plötzlich – hurra, hurra – doch noch ein Kartenangebot. Sogar ganz in der Nähe unserer DK-Plätze. Und der Adler, der die Karte kurzfristig abzugeben hat, wohnt gar nicht so weit entfernt. Wir verabreden uns zur Übergabe auf halber Strecke am MediaMarkt in Mainz-Bretzenheim . Setze mich am Spätnachmittag ins Auto und fahre in die untergehende Sonne. Der Himmel ist blau, mein Herz wird weit. „You can’t always get what you want.“ Singen die Stones. Und ich singe mit: “But if you try somehow – you get what you neeeeeed.“ Jawohl – eine Karte und dann drei Punkte gegen Schalke.

Hallo Schalk(e) - wir sind schon da!
***to be continued!***

Kommentare:

  1. Sitze hier-vor einem dampfend heissen Kaffee und ner Zigarette-nachdem ich erst mal Schnee weggeräumt habe(mindestens 10cm hoch-wenns reicht)-Heiligs Blechle und die Papierschnitzel aufgelesen habe.
    Ja-der Oka Nikolov bleibt-aber mit Ruhm hat er sich nicht gerade bekleckert und es bleibt auch ein fader Beigeschmack zurück-obwohl ich es gut finde,dass er seine Karriere-aller Voraussicht hier beendet-aber klappern gehört zum Handwerk.
    Unsere kleine Lea scheint auch alles gut zu überstehen-Gott sei Dank!
    Ja,Kerstin da siehste mal selbst-dass die Eintracht vor nichts halt macht-selbst vorm Halteverbot nicht-*lächelt.*
    Schön,dass du dass Wetter genutzt hast um im Garten ein wenig Hand anzulegen-aber ich glaub,es war für die Katz.
    Es schneit unaufhörlich weiter und der Himmel hängt voll mit Schneewolken.
    Schön,dass Du noch eine Karte ergattern konntest-für das Spiel gegen Schalke-ich drück euch im Stadion die Daumen-dass ihr die 3.Punkte behaltet-wenn du dei Glücksmützje nicht vergisst-könnte es klappen.
    Unvernünftig wie ich bin,habe ich einen 2:1 Sieg für die Eintracht getippt-unentschieden wäre realistisch-macht nichts-man kann und soll auch mal unvernünftig denken und handeln-solange man niemanden damit verletzt oder über die Stränge schlägt.
    Habt einen schönen Tag und vielen Dank-für die immer wieder schön geschriebene und gerngelesene Schnipsel.
    LG
    (B)

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  2. So, nachdem ich eben noch in tiefe Depris fallen wollte, weil man durch die fallenden Schneeflocken kaum bis zum Nachbarhaus gucken konnte - da hört es urplötzlich auf zu schneien. Ich sitze frisch geduscht mit einem Milchkaffee und Marmaladebrot vor dem Notebook und lese Schnipsel. Besser geht es nicht an einem Samstag Morgen.

    Klasse, dass es mit der Karte noch geklappt hat!!

    Auf geht's Eintracht, ein Sieg gegen Schalke soll es werden!

    LG Nicole

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  3. Zumindest was den Einlass angeht, werden Kunst und Fußball immer ähnlichere "Events". Die einzige Security, auf die ich mich freue, sind die Jungs von der European Summer Tour.

    Hoffentlich hat der Skibbe dem Altintop gesagt, dass man auf Linksaussen keine Tore schießt! Und hoffentlich kommt Franz bald zurück - wenigstens ein furchteinflößender Adler! Schnee weg und Sieg!

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  4. Eine verheerende Niederlage und sich so den Schneid abkaufen lassen-von einer so jungen Mannschaft wie Schalke und es fehlten noch 2.Leistungsträger von denen-traurig aber wahr.
    Einfach nur enttäuscht bin.
    LG
    (B)

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  5. Danke für die Schnipsel. Verheerend war diese Niederlage nicht - finde ich. Blöd´ halt, wie jede Niederlage, aber wenn man nicht die beste Mannschaft der welt ist, passiert so etwas eben, irgendwann trifft man auf stärkere. Das markiert dann das Ziel für den nächsten Fortschritt. Und danke für Clearwater ´76, den kannte ich noch nicht. Neuwirth malt übrigens auch, siehe http://www.bobneuwirth.com/.
    By the way: Wie kommt man eigentlich nach Skopje?

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  6. Das Glücksmützje war natürlich mit im Stadion, hat aber dieses Mal nix genützt. Und nachdem die Winterspiele in Väncouvä vorbei sind, wollen wir doch mal hoffen, dass die im Waldstadion jetzt auch rum sind. Graupel, Schnee, Sturm zum Kaffee - das gab's bei uns auch. Und im Stadion war es ja so was von a.rschkalt gestern - genug. genug. genug.

    Ich hatte auch auf Sieg getippt und das nicht nur aus Pikanterie, sondern weil ich ernsthaft geglaubt habe, wir könnten was ausrichten. Das konnten wir nicht. Und zwar in keiner Weise. Deswegen war das Spiel aus meiner Sicht zwar nicht verheerend, aber doch sehr, sehr ernüchternd. Kein schöner Tag im Stadion - froh und erwartungsvoll hingefahren und ziemlich depri und kleinlaut und durchgefroren wieder zurück. Beim Europalied und der Zeile "...du wirst wieder Deutscher Meeeister seeeein..." habe ich mich zu den feixenden Schalkern umgedreht und gesagt: "Wir schon - ihr nicht!" - Aber, ganz unter uns und im Ernst: Schalke wird in dieser Saison Meister... (Das sage ich übrischens nicht erst seit diesem Spieltag)

    Das Owladler-Fazit gefällt mir gut: Die richtigen Schlüsse daraus ziehen und Ziele markieren für den nächsten Fortschritt...mmh... und als nächsten Schritt erst Mal in Hannover gewinnen. Basta! (Hoffentlich sagt Rosa das auch?)

    Ganz herzlichen Dank fürs Lesen, fürs Feedback und für den Austausch :-)

    PS @owlader: Dank zurück für den Bobby Neuwirth-Hinweis und -Link. Den Clearwater-Clip kannte ich übrischens bis vor drei Tagen auch noch nicht - hat mein Mit-Adler aufgespürt :-) Skopje, Linz, Belgrad, Venedig, UK und/oder doch Mainz? Das sieht im Moment wirklich ziemlich verwirrend aus, aber ich denk mal, in den nächsten Tagen wird die Route sich lichten. Und ich bin mir sicher - egal wo - wir werden den Weg hin finden :-))

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  7. Das Glücksmützje hat nichts gemützt, würde ich sogar sagen. ;-)

    Danke für die Schnipsel. Nach den Nachrichten über Lea das Erfreulichste an diesem Wochenende.

    Gruß vom Kid

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  8. Mein Schnipsel der Woche, ja des Monats oder gar des Jahrzehnts sind die Veröffentlichungen über die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule.

    Ihr habt bestimmt davon gelesen und auch gehört. Ich selbst war in dieser Zeit (75 - 82) an der OSO (so wurde die Odenwaldschule bei uns genannt), also genau zu der Zeit, die im Moment breit in den Medien, vor allem in der FR, besprochen wird.

    Mir selbst ist ein Glück nichts passiert, mir geht diese Berichterstattung sehr nahe, da ich sehr lange und auch gerne auf diesem Internat war.

    Es muss aufgeklärt werden, was da geschah, so was darf nie passieren. Wenn Pädagogen sich an Kindern und Jugendlichen vergreifen, so ist das was schlimmes. Da wurden Abhängigkeiten ausgenutzt, schrecklich.

    Trotz alledem, ich bin auch traurig darüber, dass "meine" OSO nun so in einem negativen Presserummel steht.

    Vergangenheit gehört aufgeklärt, auch wenns weh tut.

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  9. @ Kid: Hat nix gemützt ***ggg – das gefällt mir. Sehr fein sprachgeschöpft !! Und ja: Die Nachrichten von Lea haben mich auch sehr gefreut! Hoffentlich geht es so weiter!!!

    @ r.adler: Im Moment steht, glaub ich, jeder ziemlich fassungslos vor dem, was da täglich an neuen Nachrichten hoch kommt. Das fängt bei Amerell an und hört bei der Odenwaldschule wahrscheinlich noch lange nicht auf und wirft ein ziemlich erschütterndes Bild auf die Verfasstheit unserer Gesellschaft. Kann mir nur ungefähr vorstellen, wie du dich als ehemaliger OSO-Schüler fühlen musst, wie weh das tun muss – wenn da auf einmal alles in Frage steht, die eigenen Erinnerungen sich mit dem mischen, was da jetzt öffentlich zu Tage tritt. Das muss aufgeklärt werden, ja. Abhängigkeitsverhältnisse, Macht, Verantwortung auszunutzen, wo eigentlich Fürsorge sein müsste – das ist ekelhaft.

    Die Aufklärung und ja, „Würdigung“, der individuellen Fälle ist aber "nur" das eine - irgendwie scheint es sich hier ja auch um ein strukturelles, sozusagen „systemimmanentes“ Problem zu handeln, das besprechbar gemacht werden muss, damit sich etwas ändert. Die Art und Weise, in der dieses Thema vielerorts jetzt breitgetreten, herausgezerrt, von jedweder Warte aus instrumentalisiert wird – das ist zum Teil dermaßen bigott und philisterhaft, das es mich daran zweifeln lässt, ob hier tätsächlich ein Denk-/Veränderungsprozess in Gang kommen kann.

    In den Schnipseln hab ich mich bisher noch nicht an das Thema herangetraut (ich hatte es verschnipselt, hab’s aber wieder verworfen). Grade deshalb hat es mich (klingt vielleicht merkwürdig) gefreut, dass du bei diesem Thema eine Linie zu den Schnipseln gezogen hast. Die Schnipsel sind ja irgendwie so etwas wie ein „Die Eintracht/der Fußball im Wechselspiel mit der Welt im Großen und im Kleinen“-Puzzle. Life and Life only. Es freut mich sehr, wenn das beim Lesen auch so ankommt.

    Ganz herzlichen Dank für eure Kommentare!

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