Samstag, 21. August 2010

Es ist, wie es ist.

Man hätte es wissen können, eigentlich sogar müssen. Das konnte nicht gut gehen. Vor dem Spiel habe ich mit keinem – KEINEM – Eintrachtler gesprochen, der nicht davon überzeugt war, dass wir in diesem Jahr in Hannover gewinnen. Vielleicht musste der eine oder andere sich dazu überreden. Vielleicht hat der eine oder andere sich wider besseres Wissen zum Optimismus durchgerungen. Aber je näher das Spiel rückte, desto größer wurde die Gewissheit. Sieg. Was sonst? Auch bei mir.

Vor ein paar Wochen, als das Auftaktprogramm bekannt wurde, hatte ich noch so meine Bedenken. Von wegen „Mmh, mal sehen, was hier abgeht, wenn wir nach drei Spielen nur einen Punkt haben...“ Aber seit dem Pokalsieg in Wilhelmshaven war es bei mir wie (fast) jedes Jahr vor dem Beginn einer Saison: Ich habe mich dafür entschieden alle Zweifel (z.B. die am „System Skibbe“) beiseite zu schieben und einfach nur optimistisch zu sein und zu glauben. Jawohl, zu glauben. Dieses Jahr wird es wahr. Ein furioser Auftakt in eine große Saison. Einfach mal unbefangen durchstarten. Die Liga aufmischen. Von Anfang an klar stellen, dass mit uns in dieser Saison zu rechnen ist.

Noch einmal, heute Vormittag, gab der Fußballgott mir ein Zeichen. Ein Adler-Freund - gerade auf dem Weg nach Hannover - rief an und erzählte, nicht nur ich, auch er habe heute Nacht geträumt – und zwar vom Spiel in Hannover. Nach 20 Minuten führte die Eintracht bereits mit 3:0. Spätestens, also spätestens jetzt, hätte ich hellhörig werden müssen – nein, das konnte nicht gut gehen. Aber ich schlug auch dieses Zeichen in den Wind. Ich will, ich will, ich will, dass dieses Jahr alles anders wird. Sogar in der Halbzeitpause, als schon offensichtlich war, dass dieses Spiel gewiss kein Selbstläufer werden würde, habe ich mich nicht entlödet, lauthals zu verkünden: „Denkt an mich – dieses Spiel gewinnen wir noch. Garantiert.“

Und dann nahm es also seinen Lauf, das Auftakt-Desaster, mit dem keiner gerechnet hatte und das doch gerade deshalb absehbar war. Tatsächlich. Verloren. Wir haben mit 2:1 in Hannover verloren. Huch. Und leicht erschüttert stellen wir fest: Das war nichts. Gar nichts. Maik Franz und Marco Russ in der Innenverteidigung heute komplett überfordert. Oka bestätigt alle, die seit Wochen mahnen und ein Torwartproblem erkennen. Meier auf der 6 verschenkt. Gekas steht wo er muss, trifft aber trotzdem nicht. Das fällt auch Michael Skibbe auf, der stattdessen den spielstärkeren Altintop bringt. Vergebens. Tzavellas muss gelbrotgefährdet raus, der bis dahin ganz ordentlich spielende Benni Köhler findet sich wieder einmal links hinten ein und zeigt dort ungewohnte Schwächen. Ümit kommt ins Spiel und macht eine höchst unglückliche und konfuse Figur. Caio soll es richten? Soll er? Oder soll nur – präventiv – vorgeführt werden, dass auch er uns nichts gebracht hätte? Beweis gelungen. Dann kurz vor Schluss doch fast noch der Ausgleich, der doch nur Kosmetik gewesen wäre. Aus.

Aber zum Glück ist der Tag ja noch nicht gelaufen. Die Pokalauslosung wird ein Trostpflaster bereithalten. Und tatsächlich: Steffi Jones zieht zuerst die Kugel mit dem Eintracht-Logo. Heimspiel. Na also. Und gegen wen? Gegen den HSV. Na, das nenne ich eine lösbare Aufgabe!

Wie gesagt: Man hätte es wissen müssen. Es ist, wie es ist. Und es wird schon werden. Wird's ja immer. Oder?

Kommentare:

  1. "O Brother, Where Art Thou?" Meine "Schwester" ist auf jeden Fall hier. ;-) Mit dem Coen-Film hätte ich heute mehr Freude gehabt. Aber das Fansein ist bekanntlich kein Wunschkonzert. :-) Gruß vom Kid, der den beiden Spielen gegen den HSV gar nicht optimistisch entgegen sieht. Aber die Odyssee dieser Saison hat ja gerade erst begonnen. Und wer weiß schon, wo sie uns hinführt? Es muss ja nicht immer Ithaka sein - Berlin tut es auch. :-)

    AntwortenLöschen
  2. Ochs abgepfiffen + Elfmeter verweigert, EGAL!

    Das KONNTEN wir einfach net verlieren.

    Allgemeiner Tenor auch noch WÄHREND des Spiels bis zum 2-1 :
    'irgend-einer-wird-schon-noch-reingehen.'

    Ging ja dann auch.

    ...Totenstille auf der Rückfahrt im Zug...

    Schönen Sonntag.

    i.

    AntwortenLöschen
  3. Immer noch sprachlos & ein wenig wütend. Deshalb ist es gut, Deine Worte zu lesen. Und Du hast Recht: Die Dinge sind immer so wie sie sind. Also Kopf in den Sand stecken zählt nicht. Irgendwas wird immer. Auch in zukunft. Danke, danke, danke!

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen,
    Fritsch.

    AntwortenLöschen
  4. @Kid: Kein Wunschkonzert. Nein. Braucht es auch nicht. Aber das sollte nicht ausschließen, dass man in Hannover schon auch mal gewinnen kann. Anscheinend ist der Boden der Tatsachen doch deutlich nachhaltiger als ein Traum. Zumindest fürs erste...,-)

    @Weserbembel: Ach Menno... so erwartungsfroh seid ihr aufgebrochen... Danke für die sehr impressionistischen Eindrücke. In der Tat. Einer ging noch...

    Grüße in alle Richtungen!

    PS: Zwei mal gegen den HSV gewinnen...? Warum eigentlich nicht...? ,-)

    AntwortenLöschen
  5. @Fritsch: Seufz. Mir geht's wie dir: Immer noch sprachlos, immer noch wütend - und trotzdem merke ich schon wieder wie ich innerlich die Ärmel hochkrempele. Nützt ja nix!

    Danke fürs Feedback - tut auch gut :-)

    AntwortenLöschen
  6. Das gestern war genau so, wie wenn einer beim Schach aus schierer Blödheit die Eröffnung in den Sand setzt, da kann man dann nur offen, daß der andere ebenso blöd ist. Will heißen, andere müssen ihre Spiele halt auch herschenken. Da werden wir noch unseren Spaß haben!
    „Es ist wie es ist.“ Stimmt. Mit Hanns Henny Jahnn kann hinzufügen: „Und es ist fürchterlich.“ Gegen den HSV sind wir alle dabei.

    AntwortenLöschen
  7. Oje, lieber Celtix - Eröffnung beim Schach in den Sand setzen? Obwohl ich Schach-spielenderweise bestenfalls dilettiere, weiß ich: Das kann man kaum wieder gut machen. Hiiiilfe - das wollen wir in diesem Fall doch nun wirklich nicht hoffen...

    Ohne zu wissen, dass der Zusatz von H.H. Jahnn stammt, ist mir der "und es ist fürchterlich"-Gedanke als Fortsetzung der Überschrift auch schon durch den Kopf geschwurbelt. Aber man kööööönnte ja auch frei nach Erich Fromm ganz anders ergänzen "... sagt die Liebe." **gg - Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen ,-))

    AntwortenLöschen
  8. Hi Kerstin,

    da bin ich wohl auch reingetappert in die Optimismusfalle. Dabei hätte man es eigentlich wissen müssen. Aber diesmal war ich mir so sicher, diesmal konnten wir doch nur gewinnen.

    Ich war richtig enttäuscht, frustiert. Erst die große Vorfreude, endlich geht es los, Choreo, super Stimmung im Block und dann FRUST.

    Selten gehe ich aus dem Stadion raus und bin so enttäuscht wie am Samstag. Selten, dass ich auch sauer auf die Spieler bin, also auf alle irgendwie.

    Das Steinhuder Meer, das mit Feuerwerk am Abend und Schwimmwetter auftrumpfte, konnte kaum meine Enttäuschung lindern.


    Und noch schlimmer: Ich sehe schwarz für das erste Heimspiel. Ganz schwarz.

    Aber du hast sicher recht: es wird schon werden.

    We will see...

    Grüße
    Nicole

    AntwortenLöschen
  9. Dass war garnichts und ich habe den Pessimismus auch noch während der Vorbereitung -nicht ganz wegpacken können.
    Ich schrieb ja schön öfters,dass das gegen Hannover ein ganz schweres Spiel werden wird.
    Jetzt ham mer den Salat und ja,ich gehe auch von einer Niederlage-daheim-gegen den HSV aus,dass wird ein klassischer Fehlstart.
    Pokal traue ich der Mannschaft im Heimspiel ein weiterkommen zu-auch wenn das ein verdammt schweres Los ist-werde mir für dieses Spiel,ne Karte besorgen.
    Die Mannschaft ist in sich nicht stimmig und ganz ehrlich-lieber einen Stürmer weniger verpflichtet,Gekas? Altintop? und mit dem gesparten Pröllgehalt zusammen einen spielstarken Torhüter geholt.
    Nix gegen Oka und Fährmann,dazu kennst du mich,dass ich- nicht- unnötig einen Spieler kritisiere,aber -Tor-ist und wird wieder unsere grösste Baustelle sein.*Schade*-denn auch da sollte man mal langsam Qualität einbringen.
    Die Spiele werden in der Abwehr gewonnen.
    Blöder Spruch-ich weiss.
    (B).

    AntwortenLöschen
  10. Ach ja, Nicole. Ich kann mir ungefähr vorstellen, wie depri das gewesen sein muss. Es war vor dem Fernseher schon schlimm genug - wie viel elender vor Ort im Stadion. Wie aus allen Wolken. Feuerwerk am Steinhuder Meer? Feuerwerk auf (also: auf *g) dem Platz wär besser gewesen... Wir (alle) müssen uns halt wieder berappeln bis nächstes Wochenende. Und das werden wir. Ich hätte mir halt gewünscht, dass das mal für eine Weile nicht nötig sein würde...

    Und ja, Barbara - die Chancen stehen leider nicht schlecht, dass es tatsächlich so kommt. Aber vielleicht kommt es ja dann doch ganz anders. Jedenfalls gut, dass das Pokalspiel erst im Oktober ist. Wg. Torwart - ich hätts nicht gedacht, dass der Oka-Faktor gleich wieder so entscheidend zuschlägt. Du, ihr, alle die das seit Wochen sagen, haben wohl recht: Da haben wir ein Problem. Umso wichtiger wäre es gewesen, dass Skibbe sich pro Fährmann entschieden hätte. Nicht, weil Fährmann am Samstag unbedingt besser gehalten hätte (vielleicht, vielleicht auch nicht) - aber weil wir dann eine bessere Entscheidungsgrundlage für eine möglicherweise notwendige Neuverpflichtung haben...

    Immerhin: Attilas Töchter stehen nach dem ersten Spieltag auf Platz 2 - also da, wo die Eintracht...ähem... noch hinwill...,-)

    Wird schon. Doch. Wird! lgk

    AntwortenLöschen