Donnerstag, 4. Oktober 2012

Spieler der Stunde: Unsere Nummer 14 - Alex - MEIII-EEER


Über keinen anderen Eintracht-Spieler habe ich in der vergangenen Saison so viel geschrieben wie über Alex Meier – was allein schon daran lag, dass er insgesamt 10 Mal zum Spieler der Stunde gewählt wurde. 10 – in Worten ZEHN  - Mal -  das ist fast ein Drittel aller Spieltage: Es war Alex Meier, der von Beginn an zeigt, worauf es ankommt.  Der die wichtigen Tore macht. Das Herz des Angriffsspiels.  Der für die Mannschaft kämpft und rackert. Der im Alleingang für die Entscheidung sorgt. Der das Spiel der Mannschaft prägt und inspiriert. Der Kapitän. Der überragende Techniker und Torschütze. Der nicht aufsteckt und den Mund aufmacht. Der unbedingt will.

Nicht mehr zu toppen? Doch – fast hätten wir es geschafft und Alex Meier wäre an diesem 6. Spieltag der Saison 2012/13 der erste Spieler in der Geschichte des SdS geworden, der  alle Stimmen auf sich vereinigt hat. Aber dann kam doch noch  Herr Striebel mit der Nummer 8 – Pirmin Schwegler, Sebastian Rode und Kevin Trapp erhielten vollkommen zu recht und verdient ebenfalls einige Stimmen - und so ist die Wahl des Spielers der Stunde in dieser Woche zwar überaus deutlich, aber eben nicht hundert-, sondern "nur" einundneunzigprozentig ausgefallen.

Ein bisschen von  all dem, was Alex Meier schon in der letzten Saison auszeichnete, alles zusammen und vielleicht noch ein bisschen mehr,  war  am Sonntag zu sehen und zu spüren – vor allem in dieser einen, magischen  68. Minute. Zuvor hatte es fast schon so ausgesehen,  als würde die Eintracht – wie von vielen erwartet  und typischer Weise – ausgerechnet gegen den  vermeintlich „einfachsten“ der bisherigen Gegner ihre erste Saisonniederlage kassieren. Die Stimmung im Stadion war gut, aber nicht überschwänglich – wäre ja nicht weiter schlimm, wenn wir das Spiel verlieren würden. Wäre ja „nur“ ein vorerst beendeter Traum, die „Erdung“, die halt sowieso und irgendwann kommen muss. Wissen wir ja. Damit müssen wir rechnen. Wird nicht so bleiben?  Doch. Wird.

Tatsache ist: Man darf uns in dieser Saison nicht reizen. Wenn ein Spiel mal etwas zögerlich beginnt, wenn es nicht rund oder vielleicht sogar holprig läuft, gibt es ein tausend Prozent wirksames Gegenmittel: Unser Gegner muss ein Tor machen.  Gegentore drücken uns nicht nieder, Gegentore wirken wie hochwirksames Doping -  waaaaaaaas? Wir? Hinten? Jetzt aber  hoppla.

Wir. Wollen. Nicht. Verlieren. Gegen Dortmund konnte ich es auf jeder einzelnen Stirn lesen. Und jetzt ist es wieder so weit. „Haste widder dei dolle fünf Minuten?“ Hat meine Oma früher immer gesagt , wenn ich – sagen wir mal – eben noch friedlich auf meinem Bett gelegen und gelesen habe und zwei Sekunden später – weil mir irgendeine Idee durch den Kopf geschwurbelt ist – wie von der Tarantel gestochen durchs Haus gerannt bin und etwas gesucht habe. Die dollen fünf Minuten der Eintracht  (die auch mal zehn, fünfzehn, zwanzig Minuten oder eine ganze Halbzeit dauern können) – jetzt, um ungefähr zehn Minuten vor Fünf, brechen sie an. 

Schon in der ersten Halbzeit hatte Alex Meier versucht, den Ball als Seitfallzieher  ins Tor zu befördern. Ungefähr in der 40. Minute muss das gewesen sein:  Der Ball kommt hoch in den Strafraum, Meier  - halb links - leitet den Ball weiter mit dem Kopf zum rechts daneben postierten Pirmin Schwegler, der wird bei der Ballannahme gestört, leitet den Ball per Kopf wieder zurück zu Meier. Alex nimmt den Ball direkt, mit dem Span, steht  halb schräg seitrückwärts zum  Tor, kann den Ball nicht mehr richtig drücken,  zieht ihn dennoch in gefährlichem Bogen Richtung Tor, der Ball senkt sich knapp neben dem rechten Torpfosten.

Fast hätte man ahnen können, dass – so ist er der Alex -  er das so oder so ähnlich heute noch einmal probieren würde . In der 68. Minute war es dann so weit:  Der Angriff läuft über Bamba Anderson, der mit aufgerückt ist, den Ball in vollem Lauf führt und ihn auf links zu  Oczipka passt, der zögert nicht lange, legt sich den Ball kurz vor und schlägt ihn  scharf, halbhoch in den Strafraum. An der Linie steht Alex Meier, mit dem Rücken zum Tor. Er nimmt den Ball mit dem linken Fuß an, legt ihn sich selbst vor, dreht sich um die eigene Achse,  der Ball kommt halbhoch, Alex legt sich seitlich und hämmert den Ball im Fallen unhaltbar ins linke Eck. Wow.  Was für ein Tor. Und doch ist nicht nur das Tor, sondern auch das , was unmittelbar danach geschieht,  einer der Gründe, weswegen Alex Meier einen festen Platz in meinem Adler-Herzen hat.  Da sitzt er auf dem Boden und reckt die Faust in die Luft. Steht auf. Inui ist als erster bei ihm. Jubeltraube. Und mittendrin geht, hängt Alex Meier, kein exaltierter Jubel, fast ein bisschen erstaunt, ein leises Lächeln, zufrieden sein Blick. Hey. Na also. Geht doch. Ein Mann, der weiß, dass er gute Arbeit geleistet hat. „Es läuft ganz gut im Moment“, sagt er im Interview nach dem Spiel, auf diese coole und gleichzeitig ein bisschen verlegene Art.  Macht bloß nicht so viel Wind. Und: „Stimmt schon - heute kann ich nicht meckern.“

Jetzt rollt die Eintracht – und wenn es etwas ist, was die Eintracht in diesen Tagen auszeichnet, dann ist es diese Urgewalt, mit der sie dann ihr Spiel aufzieht. Wie jeder Einzelne den Schalter umlegt. Wie sie sich gegenseitig von und miteinander berauschen. Unwiderstehlich. Wie am letzten Dienstag die Dortmunder  so sind jetzt auch die Freiburger, die bisher so konzentriert und diszipliniert gespielt haben, von dieser Dynamik überrumpelt.. Man sieht förmlich wie sie nervös werden – und wie die Eintracht mit jeder Aktion sicherer, passgenauer, willensstärker wird. Sechs Minuten später  fällt folgerichtig das 2:0 – fast schon lakonisch. Die wunderbar hoch in den 16er  getretene Ecke von Bastian Oczipka. Alex Meier, der tänzelt, Raum sucht, einen Schritt zurück macht, um sich von seinem Gegenspieler zu befreien, sich leicht – ganz leicht – nach oben reckt und den Ball mit dem Kopf noch einmal ins linke Eck befördert. Gedreht. Wir haben schon wieder ein Spiel gedreht und wenn der Hund nicht schon am Dienstagabend in der Pfanne verrückt geworden wäre, dann würde er es vielleicht jetzt.

„Fällt euch das auch auf, dass Alex Meier immer noch und noch besser wird. Es ist, als ob er das, was er kann, immer souveräner nutzt, immer mutiger und freier damit umgeht. Er spielt gerne gut Fußball – und e mehr gute Fußballer er ums ich herum hat, desto mehr probiert er aus, desto mehr traut er sich, lässt sich inspirieren – und inspiriert seine Mitspieler.“   Das habe ich  hier im Blog vor drei Wochen nach dem Spiel in Nürnberg geschrieben. Armin Veh bestätigt im Gespräch nach dem Spiel, was wir  bereits im vergangenen Jahr beobachten konnte.Die Rolle als Kapitän war ein ganz wichtiger Baustein, der Alex in seiner Entwicklung noch einmal nach vorne gebracht hat, fußballerisch, aber auch persönlich.

Das ist wohl wahr. Trotzdem denke ich: Seine neue  Stärke hat vor allem damit zu tun,  dass er sich weiterentwickelt hat und doch genau der geblieben ist, der er ist. „I Havent’t changed much.“

Alex Meier ist und bleibt Alex Meier. Diese Stärke verleiht ihm derzeit eine Aura, die ihn fast unangreifbar macht.  „Die größte Wertschätzung für Alex Meier zeigt sich darin, dass er jetzt im Stadion nicht mehr ausgepfiffen wird.“ Diesen Satz habe ich so oder ähnlich nach dem Spiel im Eintracht-Forum gelesen und er hat mich fast ein bisschen sprachlos gemacht – und doch deckt  sich diese Aussage mit dem, was ich im Stadion beobachte. Sie sind nämlich  noch da,  die Blicke, das Kopfschütteln, wenn Alex Meier – doch, kommt vor – tatsächlich einmal etwas nicht gelingt.  „Baaa, der Meier…“ murmeln die Meier-Basher  in ihre (meistens nicht vorhandenen) Bärte und man merkt förmlich wie sie das am liebsten in die Welt hinaus quaken würden.  Aber sie sagen nichts.  Vorläufig zum Schweigen gemacht, von einem, der auf seine, leise Art  gezeigt hat, dass er sich  – trotz intensiver Bemühungen von allen Seiten – nicht unterkriegen lässt.  Um noch einmal Bob Dylan zu zitieren: If you need somebody you can trust, trust yourself.”

Die  vorläufig ruhig gestellten  Basher sind  mir übrigens fast noch lieber als die anderen - die, deren Keifen mir noch aus Funkeltagen in den Ohren klingt, und die heute den Meier „schon immer gemocht“ haben.  Das ärgert mich über die Maßen, vor allem weil ich weiß:  Ein paar davon gibt es wirklich.

Zum  wiederholten Mal könnte ich euch jetzt die Geschichte erzählen wie ich, damals, vor dem Krieg in Rüsselsheim gegen den TV Haßloch,  Alex Meier zum ersten Mal im Eintracht-Trikot gesehen und sofort gewusst habe, dass… Aber das lasse ich und erzähle stattdessen etwas anderes und zwar eine Geschichte, die sich vor knapp zwei Monaten, bei der Einkaufsversammlung unserer Rheinhessenliga zugetragen hat.

Rheinhessenliga? Regelmäßige Blogleser werden sich vielleicht erinnern: Das ist eine individualisierte Form derKicker-Managerliga, die wir – fünf Freunde J - jetzt bereits seit unglaublichen 20 Jahren  betreiben.  Jedes Jahr vor Saisonbeginn stellen wir in einer langen, wilden und anstrengenden Sommereinkaufsnacht unsere Mannschaften zusammen , haben ein virtuelles Budget (je nach Haushaltsführung plus/minus 20 Millionen), bieten für jeden Spieler einzeln, in manchmal quälend langen, kleinen Schritten (Einstiegsgebot 100.000, jedes weitere Gebot mindestens 50.000) - jeder Spieler ist dann – anders als beim Kicker – nur bei einer Mannschaft unter Vertrag. 

Selbstverständlich wollte ich – wie auch in den vorhergehenden Bundesligajahren der Eintracht – auch in dieser Saison wieder Alex Meier für meine Mannschaft verpflichten. Dachte mir auch, dass das nicht weiter schwierig sein würde – Eintracht-Spieler sind in  unserer RHL (in der mein Mit-Adler und ich eine rotundschwarze Minderheit bilden) nicht besonders begehrt – und stieß auf unerwarteten Widerstand. Die Einkaufsrunde war schon relativ weit fortgeschritten, ich hatte schon ziemlich viel Geld ausgegeben, besaß nur noch knapp 3 Millionen und mir fehlten noch sieben Spieler. Jetzt also die Gebote für Alex Meier. 100.000. 200.000. 300.000. 400.000. Jetzt würde mein Gegenüber doch wohl aussteigen? Nix da. Er ließ  nicht locker:  „500.000.“  Mir stieg das Blut  in den Kopf. Der, der da mitbot, wusste,  dass ich Alex Meier unter allen Umständen kaufen würde. Er ist – anders als ich - ein geschickter Pokerer und würde den Preis noch weiter in die Höhe treiben. Ich konnte, ich wollte dieses Spiel nicht weiter mitmachen. Vielleicht würde ich Meier schon für 800.000 bekommen, vielleicht für eine Million – irgendwann würde mein Gegenüber sicher aussteigen. Aber  ich wollte es darauf nicht ankommen lassen. Egal, was es mich kosten würde,  ich wollte ein Zeichen setzen: Meier gehört zu mir:  „2 Millionen!“  rief ich – und  damit  hatte ich ihn. Aber was für eine verlustreiche Schlacht – für nicht einmal eine Million musste ich jetzt noch sieben weitere Spiele verpflichten. Aber siehe da: Ein knappes Budget macht – wie die Not – erfinderisch.  Ich habe dann auf der Resterampe noch das ein oder andere 100.000er-Schnäppchen gemacht – z.B. Takashi Inui. Nach vielen erfolglosen RHL-Jahren stehe ich derzeit auf Platz 2, knapp hinter dem Tabellenführer. Tja.

Herzlichen Dank an 92 Eintrachtler, die  sich auch dieses Mal wieder hier im Blog an der Abstimmung zum Spieler der Stunde beteiligt haben. Und: Herzlichen Glückwunsch an den Spieler der Stunde – an Alex Meier!


Epilog
O du Mannschaft,  rotundschwarz.
Unermüdlich. Spielend. Laufend. Kämpfend.
Die du uns
An regnerischem Abend
Den Glauben und die Liebe
zurückgebracht
Nach Frankfurt.
Dorthin, wo einst
Der  Ball gestreichelt und die Tore gezaubert.
Wurden. 
Dort wo
Pfaff und Kress, Grabi und Holz, Bein und Yeboah, Falke gar,
Erfreuten der Eintrachtler Herz.

O, du Eintracht, die du dich
Mit wildem Kämpferherz und Adlermut. –
Spielend entgegenwirfst der Ungemach, der drohenden.
Ohne Furcht. Ohne Tadel.
Angetrieben von Pirmin, dem Schweizer,
von Schrunden und Wunden gezeichnet,
jedoch mit kühnem Blick.
Nach vorn. Nach oben.
Fliegen
Die Adler.

Kommentare:

  1. Nie war es wahrer: Es kann nur einen geben. Mein Meier!

    Und dann ... Nach vorn. Nach oben. Fliegen. Die Adler.

    Danke Kerstin, danke Alex!

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

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  2. Es war der 16.7.2004, ein Spiel im Düsseldorfer Paul Janes-Stadion gegen Bayer Leverkusen, das im Fernsehen übertragen wurde, als ich Meier zum 1. Mal sah und mich fragte, wo sie diese Granate ausgegraben haben. Beim 2:2 brachte er die Eintracht mit zwei Toren in Führung - beide mit der Innenseite erzielt. Ich zitiere mal aus dem Spielbericht des Kollegen gereizt:
    “Der Alexander hat sehr viel Gefühl im rechten Fuß. Der Junge hat Perspektive, an ihm werden wir noch viel Freude haben“, meint Friedhelm Funkel, während Meier bescheiden bleibt: “Ich habe versucht, mein Bestes zu geben.“ Klick

    Bescheiden ist er geblieben und Freude hat er auch gemacht und macht er noch. Immer weiter und immer mehr.

    Und so schließe ich mich Fritsch an:
    Danke, Kerstin - danke, Alex!

    Herzliche Grüße vom Kid

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  3. Mein, dein, unser Meier :-) Flieg, Adler, flieg!

    Und ja lieber Kid, da bist du mir tatsächlich nachweislich um eine Nasenlänge voraus. Mein meierscher Erstkontakt war erst zwei Wochen später, Anfang August, dafür aber dann live und - in diesem Fall dann wirklich - ausgerechnet in Rüsselsheim.

    Ich bin so gespannt, was die Saison uns noch bringt. So, so gespannt.

    Hey ho - lgk

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  4. Neugierig, soso ... schauen wir doch mal in den 'Redlichen Verkündiger - Ein Archiv des mannichfaltigen und Interessanten', Ausgabe 1814, p. 255:

    "Im Kiranides steht auch ein ägyptisches Recept zu einem mystischen Ringe: man lasse in einen Saphir einen Adler stechen, der einen Xiphias (Schwert f i s c h , sic!) in seinen Klauen hat. Unter dem Stein verschließe man etwas von der Wurzel des Krautes Xiphon (Schwertel, blaue Lilien), so hat man einen heiligen Ring, der in allen Fällen zum Orakel dient, auch wird jedes Bildniß, auf welches man diesen Ring legt, von dem, was man zu wissen verlangt, Kennzeichen und Auskunft geben. Probatum erat."

    Der 'Kicker' liegt schon bereit, statt Saphir nehm ich einen Meteoriten (man muss das nicht so eng sehn), fehlt nur noch das Adler-Modell mit Fisch ... BEEEENNNNNNIIIIIEEEEEEEE !!!!!

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  5. Es gibt nur einen Alex Meier. Fußballgott! Seine Tore freuen mich immer so besonders (ich schreie dann immer "der Meier, der Meier, hahaaaa!") Und sie sind auch oft wirklich besonders. Wobei ich irgendwie bis hierher alle unsere Tore besonders fand. So wie den bisherigen Saisonverlauf.

    Ich bin froh, dass ich jetzt die Wolke habe (danke nochmal für die schnelle Zustellung). Sie trägt mich am Sonntag nach Gladbach und weiter weiter weiter...

    Und endlich die Ode :)

    Danke Kerstin!

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  6. No more robots in the Blog :-) Kid hat mir einen Tipp gegeben, wie ich das abstellen kann - es hat funktioniert. Ab sofort nur noch Wolken!

    glgk

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    1. das ist wunderbar, danke. Auch an Kid für den Tipp!

      LG Nicole

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  7. Kein Robotcheck mehr? Schee. Nun kann ich auch mal kommentieren und sagen, dass mir das lesen hier auch immer viel Spass macht.
    Gruß vom Uli

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  8. Das freut mich sehr. Nieder mit dem Gurkenkönig...ähem: Robotchek :)

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