Mittwoch, 11. Januar 2012

Rotundschwarze Eintracht-Schnipsel (Jahresanfang-Edition - 1. bis 10. Januar)

Sonntag, 1. Januar

Dieses Mal wird nichts dem Zufall überlassen. Mit Dylan-Shirt und rotundschwarzen Socken starte ich ins Jahr 2012. Die Neujahrsnacht ist mild und nass, der Himmel voller Lichter (merkwürdig: Es wird kaum noch „nur“ geknallt – alles ist bunt und farbenprächtig und spielt sich am Himmel ab.). Unsere beiden Katzen haben sich in – zwei verschiedene – Schränke geflüchtet und kommen zwei Stunden später nicht besonders verschreckt wieder zum Vorschein. Streck. Gähn. War was? Hunger. Uiiii. So eine Welt.

Ring. Ring. Morgens um 10 Uhr - morgääähn - bittet unser junger Mit-Adler um Asyl. Fast schon traditionell - jedes Jahr an Neujahr – ist das Schloss an der Haustür kaputt. Umarmungen. Lachen. Frühstück mit Eiern, Schinken und fliegenden Adlern. Ziiiiiiiiieh.

Die erste Transfermeldung des neuen Jahres: Ailton wechselt ins Dschungelcamp. Wird das dann untertitelt?

Montag, 2. Januar
Am Neujahrsabend gibt es bei uns immer leggä Rippscher mit Kraut. Spät in der Nacht erneuter Adler-Notruf: Die heute Mittag reparierte Tür geht schon wieder nicht auf. Ei, macht ja nix. Immer gut, wenn man einen Adler-Horst in der Nähe hat.

Vor Weihnachten hatte ich bei Amazon Bücher bestellt, darunter zwei Biografien. Heute erhalte ich ein Mail mit Amazon Empfehlungen. Die orientieren sich ja immer an den letzten Bestellungen – heute also auch eine weitere Biografie dabei: Statt Dickens und Novalis eben jetzt Daniela Katzenberger.  Knapp daneben ist auch vorbei.


Dienstag, 3. Januar
Ein Sprecher der Agentur für Arbeit gibt eine Prognose fürs Jahr 2012: „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit sich auch im neuen Jahr positiv entwickeln wird.“ Das klingt vielversprechend.

Ums Haus tobt ein wilder Sturm. Auf der A3 kippt ein Sattelschlepper um. Was hatte er geladen? Alles Käse.

Ein TAZ-Redakteur schildert eine Bahnfahrt im ICE, die er in Begleitung einer Prenzlauer-Berg-Familie (= unglaublich libertärer Werbeagentur-Papa, hippe und trotzdem äußerst kultivierte Mama, zwei Kinder, die unglaublich gesunde Bionade trinken und mit Öko spielen). Er sitzt im Speisewagen, trinkt ein Bier, noch ein Bier, sieht und spürt die missbiligenden Blicke. „Sorry," denkt er, "sorry, der gesocksfreie ICE mit Kinderparadies ist noch nicht erfunden.“ Yep. Eine Weile müsst ihr uns zumindest noch ertragen ,-)


Willi Entenmann ist tot. Gestorben. Einfach so, während eines Skiurlaubs. Er wurde nur 68 Jahre alt. Von meinem schwäbischen Mit-Adler weiß ich, dass er für den  VFB Stuttgart fast so etwas ist wie Charly Körbel für uns. Ähnlich wie Charly hat auch Willi Entenmann sich – irgendwann in den 80ern – als der VFB in höchster Not war, dazu breitschlagen lassen, den Cheftrainer-Posten zu übernehmen. Leider erfolglos. „Willi raus…“ schallte es durchs (damals noch) Neckar-Stadion. "Willi!" nicht etwa "Entenmann". Man hört förmlich, wie das Weh um die verlorene Liebe  mitschwingt.

Mittwoch, 4. Januar
Die Wissenschaft hat festgestellt. Stephen Hawking findet: Frauen sind komplette Rätsel. Auf der Suche nach weiteren ungelösten Rätseln, sollte er sich vielleicht mal mit der Eintracht beschäftigen.

Der Eintracht-Kader für das Hallenturnier in Mannheim steht jetzt fest. HR-Online und FNP vermelden jeweils die gleichen Namen – einmal als Teilnehmer, einmal als diejenigen, die zuhause bleiben müssen. Mit oder ohne 12? Alles besser als auf die.

Abends ist Bundespräsident Wulff im TV-Interview zu sehen. Er hat sich doch bereits entschuldigt. Mehrfach. Er hat auch nicht gedroht, er hat gebeten. Auch ein Bundespräsident darf Freunde haben und kann ja schließlich nichts dafür, wenn diese Freunde zufällig auch noch reich sind. Und auch ein Bundespräsident muss lernen, dass es nicht so einfach ist ein Bundespräsident zu sein. Is ja klar. Eben noch  im kleinen Gästezimmer hinter dem Süßwarengeschäft auf Sylt, und jetzt hier auf unserer Showbühne. Putzig. Interview-Partnerin Bettina Schausten überrascht mit der Aussage, dass Freunde, die bei ihr übernachten, 150 Euro dafür zahlen. Mit oder ohne Frühstück?

Josef Skvorecky, der wunderbare, in Deutschland viel zu wenig bekannte tschechische Autor stirbt im Alter von 88 Jahren in Toronto. Danny Smiricky heißt der Held vieler seiner Bücher. Danny lebt in dem kleinen Ort Kostelec, er liebt Mädchen, besonders Irena. Oder doch Mizzi. Nein, Irena - oder das Mädchen, das er irgendwann treffen wird. In Prag. Am meisten liebt er sowieso sein Tenor-Saxofon und den Jazz, Swing, Dixie – und so schlägt er sich irgendwie durch die chaotischen Nachkriegswirren. Glück. Elend. Musik. Liebe. Tod. Leben. Witzig, anrührend, klug, traurig, lebendig. Lebendig. "Ahoi, Danny!" - "Ahoi, Josef!"

Donnerstag, 5. Januar
Es ist immer noch mild, aber der nächste Sturm fegt bereits übers Land. Andrea rüttelt nachts an den Rolläden, die Bäume ächzen, der Wind pfeift. Da hat sogar unser unerschrockenes Katerle keine Lust seinen nächtlichen Streifzug fortzusetzen und maunzt mitten in der Nacht jämmerlich vor dem verschlossenen Fenster. Schnell rein mit dir. Schnurr. Stubbs.

Am Vormittag ist der Himmel rabenschwarz. Gewitterblitze. Hagel.

Auch beim Hallenturnier in Mannheim hagelt es - Tore gegen die Eintracht, die nach einem 1:6 gegen Wolfsburg bereits in der Vorrunde ausscheidet. Der im grünen Trikot sehr fremd wirkende Patrick Ochs erzielt zwei Treffer. Nur Hallenfußball. Nicht wirklich wichtig. Trotzdem eine verpasste Chance. Es könnte ja ein Hauch von Begeisterung aufkommen. Wenn immer mehr egal ist, ist irgendwann auch nichts mehr wichtig.

Bei „The Voice of Germany“ hat ein Forums-Adler es bis in die Endrunde geschafft. In youtube hat Michael Schulte sich schon seit einiger Zeit einen Namen gemacht. Mal sehen, ob er sich irgendwann auch im Fernsehen als Eintrachtler outet?

Jedes weitere Eintracht-Outing ist bei Stefan von Blog G und „Hoffebasher“ Beve nicht mehr nötig – leugnen wäre sowieso zwecklos. Tatata. Im letzten Jahr der derzeit leider nicht mehr bloggende Kid Klappergass - in diesem Jahr "Blog G" und "Beves Welt" auf der Shortlist zum Sportbloggerbeitrag des Jahres – Stefan mit „1000 Meisterwerken“, Beve auf den Spuren von „Franziska van 1899 Almsick“  – zwei von  insgesamt 11 höchst unterschiedlichen Nominierungen, die einen wunderbaren Querschnitt durch Sportbloggerlandschaft bieten. Hier könnt ihr sie euch alle anschauen - und hier (noch bis zum 15. Januar) mit abstimmen. Adler vorn? Ei, sischä!

Freitag 6. Dezember
Eintracht-Ehemaligentreffen in der Ballsporthalle. Friedhelm ist da. Der Arie. Der Ali. Der Alex (Huber). Der Stefano (Cincotta). Der Marco und der Patrick.

Auch Armin Veh steht heute hinter der Bande, ein leichtes Lächeln spielt um seine Lippen. Die Eintracht fliegt wieder in der Vorrunde raus. Nach einer Niederlage gegen Friedhelm Funkel Hallengotts Aachener retten wir zumindest ein 3:3 gegen Oxxenbach. Am Rande des Turniers wird der Wechsel von Gekas bekanntgegeben. Jubelwellen schwappen durchs Netz. Mmh. Jetzt ist er also tatsächlich weg – und ich sehe darin vor allem eine Chance für Mannschaft (und Trainer). Das „Alibi“ ist weg, dann kann es jetzt ja losgehen: 1000 und eine taktische Möglichkeit. Spielerische Variabilität. Flankenläufe. Kombinationsspiel bis in den Strafraum. Herausgezauberte Tore. Nie wieder lange Bälle. Endlich kein immer wieder vor die Nase gesetzter Theo, der Team-Spirit und mannschaftliche Geschlossenheit verhindert. Na, dann...

Heute in der Post, ein verspätetes Weihnachtsgeschenk, das mein Mit-Adler antiquarisch für mich aufgetrieben hat. Kosten: 1 Cent. Kindheitslektüre: „Und der Wind weht frei“  von Loula Grace Erdman – der volkstümlichen „Verwandten“ der großen Willa Cather. Das Buch sieht genau aus, wie das  damals schon abgegriffene Exemplar, das ich mir als Kind in der Stadtbücherei in Rüsselsheim ausgeliehen habe. Panhandle. Erdhütten. Hard Times. Wind. Heulende Kojoten. Einsamkeit. Mut und der unbeirrbare Glaube an eine bessere Zukunft. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem Tagebuch eines Eintrachtlers sind rein zufällig.

Samstag, 7. Dezember
Einkaufen in Mainz. Es regnet in Strömen. Der Markt auf dem Domplatz, nur vereinzelte Stände unter drippenden Planen. Plitsch platsch. Ich bewege mich immer noch in einer Art nachweihnachtlichem Nebel. Stehe still, während die Zeit um mich herum bereits weiterrast. Es ist, als müssten die Ladenregale und ich uns wieder neu miteinander bekannt machen. Für was braucht der Mensch einen Tomatenschneider? Die ersten Fassnchtsgarden ziehen mit duffdä durch die Mainzer Straßen. Rivers of Babylon. Plitsch platsch. Zuuugblagettscher. Schaufenster voller Fastnachtskostüme. Bardame. Maikäfer. Biene Maja. Clown. Ich brauch mich nicht zu verkleiden, ich geh als Adler. Got my Eagle-Mask on. Ganzjährig.

Ramschtische mit Kalendern, Büchern, DVDs. Eine schwäbisch sprechende ältere Dame zu ihrer Freundin. „Ich such noch nen heißen Kalender für den Dieter.“ „Heiß??“ „Ei yo – schöne Frauen.“ Kommentar eines zufällig daneben stehen Meenzers. „Wo gibt’s den dann?“

Ein netter Adler-Freund hat mir zu Weihnachten eine DVD mit den Sportschau-Berichten aller Eintracht-Spiele der Aufstiegshinrunde geschenkt; außerdem - als historisches Zeitdokument - eine komplette Aufzeichnung des WM-Endspiels 1966, das ich noch nie in voller Länge gesehen habe.Wir zappen uns durch und tauchen ein in eine fast rührend altmodische Welt, in der Fußball noch so gespielt wurde, wie er im Buch steht: Mann gegen Mann, Mittelfeld möglichst schnell überbrücken. Schießen. Wenn ein Tor fällt: Arme hoch reißen. Jubel, jubel, jubel. Kurze Umarmung. Zurück zum Mittelkreis, weiter geht’s. Rudi Michel ganz der Sportreporter alter Schule. Respektvolle, getragene Worte: „Gut gemacht, Tilkowski.“ „Helmut Haller konnte den Ball nicht mehr erlaufen.“ Fast schon befremdlich, dass es damals noch keine Zeitlupe gab. Das Wembley-Tor. War es drin oder nicht drin? Der Schiedsrichter gibt es. Jubel bei den Engländern. Weiter gehts.  In der Halbzeit und nach dem Spiel: Keine Interviews, stattdessen eine auf- und ab marschierende Militärkapelle. Der rührend junge Wolfgang Overath. Siggi Held. Lothar Emmerich, der sich – als er seine Medaille „vom“ Queen Lisabeth überreicht bekommt – verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel wischt.

Sonntag, 8 Januar
Heute sind bei uns im Ort die Sternsinger unterwegs. Beinahe verpassen wir sie. Halt, halt – hiergeblieben. Glück und Segen können wir für dieses Jahr besonders gut gebrauchen. Es regnet in Strömen, als sie vor unserer Tür stehen, bricht die Sonne durch. Na also.

Unser Katerle fürchtet sich vor brennenden Kerzen. Sein Lieblingsschlafeplatz ist auf dem Sofa, auf dem Tisch vor dem Sofa stand der Adventskranz, der in diesem Jahr dementsprechend selten gebrannt hat. So bleibt manches im Dunkel.

Verbringe einen selig schwebenden Nachmittag voller Musik und Farben. Höre die komplette „Entführung aus dem Serail“. Warum nur, warum, folgt Constanze diesem eitlen Fatzke Belmonte, dessen größte Sorge es ist, ob sie ihm während ihrer Gefangenschaft auch treu geblieben ist. Armer, melancholischer Bassa. „Nichts ist so gräääässlich als die Raache,“ singe ich lauthals mit und male dabei ein Porträt unserer schlafenden Katze. Schwarzundweiß wie Schnee.

Caio fällt durch den Laktattest.

Montag, 9. Januar
In den Zweitliga-Kicker-Ranglisten schneidet die Eintracht gut, aber nicht überragend ab. (Fast) ganz vorne ist Alex Meier im offensiven Mittelfeld, Benny Köhler auf Platz vier auf der offensiven Außenbahn, Seppel Rode im Blickfeld. Idrissou auf Platz 6 der Stürmer, Oka bei den Torhütern und Sebi Jung auf der defensiven Außenbahn im Blickfeld. Nur bei den Innenverteidigern – kein herausragender Adler nirgends. Da hätten wir auch selbst drauf kommen können.

Auch wenn mir nicht alle Entscheidungen gefallen, freue ich mich, dass es jetzt endlich ein paar klare Ansagen zu geben scheint. Tzavellas fährt nicht mit nach Katar, spielt keine Rolle mehr. Marcel Titsch-Riveiro, Marcos Alvarez und Dominik Schmidt können bzw. müssen sich bei der U23 neu beweisen. (Aufsteigen können sie da immerhin auch). Stattdessen fahren U23 Torschützenkönig Elia Soriano und Linksverteidiger Anthony Jung („Das ist der, der in Mannheim zwei Tore gemacht hat?“ „Yep!“) mit nach Katar, wo Armin Veh sie „genauer kennen lernen“ möchte. Würzburger Adler freut sich im Eintracht-Forum auf die künftig mögliche „Jung-Jung-Flügelzange.“

Grad mal eineinhalb Jahre her, dass ich im kleinen Fußball-ABC hier im Blog einen Eintrag zum Thema "Griechenbomber" verfasst habe. Jetzt ist die Eintracht demnächst also Griechen-los. Ausgejassut.

Dienstag, 10. Januar
Das Jahr 2012 ist das Jahr der Jubiläen:
Charles Dickens (200. Geburtstag)
Karl May (100. Todestag)
Andy Warhol (25. Todestag)
Friedrich der Große (300. Geburtstag)
Gustav Klimt (150. Geburtstag)
Biene Maja (100. Geburtstag)
Erwin Strittmatter (100. Geburtstag)
Jean-Jacques Rousseau (300. Geburtstag)
Marc Chagall (100. Geburtstag)
Gerhard Hauptmann (150. Geburtstag)
Arthur Schnitzler (150. Geburtstag)
20 Jahre Aleschia...


Was lese ich da? Aleschia? Sehe ich Sorgenfalten auf deiner Stirn? Alles Quatsch - das muss nicht sein: Hol dir das Eintracht-Sorglos-Paket.  Jetzt buchen. Immer die Eintracht, die du dir gerade wünschst. Flatrate. Nur noch bis 31. Januar. Nimm die Eintracht in dir auf. Jetzt geht's up. Erlebe unvergessliche Momente. Eintracht: Sehen. Fühlen. Spüren. *


Na also - da haben wir ja schon das nächste Jubiläum 2012: Vierter Wiederaufstieg!


***to be continued***
(Die Schnipsel wird es in diesem Jahr wieder regelmäßiger geben. Nicht immer, aber öfter mal wieder ,-)

* alles leicht ,-) modifizierte Zitate aus nächtlicher TV-Werbung

Kommentare:

  1. Ailton schreibt seine Biografie und Daniela Katzenberger geht ins Dschungelcamp. In Wembley spielen in der Halbzeit die Fastnachtsgarden, die Katze spielt Tenor-Saxofon und Armin Veh entführt Constanze, wesewegen er dann auch zum Sportblogger des Jahres nominiert wird. Die Biene Maja verirrt sich ins Kinderparadies, Gekas trinkt Bier, die Sternsinger kommen in die Endrunde von The Voice of Germany und Benny Köhler feiert sein 200. Eintracht-Jubiläum, während die Mannschaft sich im Fernsehen für das Hallenturnier in Mannheim entschuldigt. Kann natürlich sein, dass mir da jetzt einiges durcheinander gerutscht ist.

    Schön, wenn die Schnipsel jetzt wieder öfter kommen.

    Éinträchtliche Grüße, Carsten

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  2. Alles richtig so :) Sehr schön - ein Ergänzungsschnipsel *g - Vielen Dank dafür, lieber Carsten. Und gut aufpassen: Morgen soll es in der Wetterau ziemlich stürmisch werden!

    lg von hier nach da, K.

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