(Nachtrag vom 29.11.2017)
Viel zu lange war ich nicht mehr im Eintracht-Museum, aber heute, bei der Geburtstagsfeier zum 10-jährigen Bestehen will ich unbedingt dabei sein, schon vor Wochen habe ich mir Karten besorgt und am Dienstagabend, pünktlich (!) um halb Sieben biege ich auf den Stadionparkplatz ein. Dort ergattere ich - hurra - einen der letzten noch freien Plätze, das Waldstadion leuchtet heimelig in der Ferne und ich mache mich erwartungsfroh auf den Weg.
„Ich hab auf dich gewartet“, schallt es mir schon nach wenigen Metern entgegen. Dort steht Frank, mit dem ich mich für heute Abend verabredet habe. Wie das in Facebook-Whatsapp-Zeiten so ist, hören wir zwar regelmäßig voneinander, haben uns aber - da wir auch im Stadion an verschiedenen Ecken sitzen - seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Frank hat ein Geschenk für mich dabei, das er schon seit einiger Zeit bei sich zu Hause im Schrank liegen hat, und jetzt wissen wir auch ganz genau, wann wir uns zum letzen Mal in echt getroffen haben. Unglaublich, das war vor vier Jahren - in Bordeaux.
Viel zu lange war ich nicht mehr im Eintracht-Museum, aber heute, bei der Geburtstagsfeier zum 10-jährigen Bestehen will ich unbedingt dabei sein, schon vor Wochen habe ich mir Karten besorgt und am Dienstagabend, pünktlich (!) um halb Sieben biege ich auf den Stadionparkplatz ein. Dort ergattere ich - hurra - einen der letzten noch freien Plätze, das Waldstadion leuchtet heimelig in der Ferne und ich mache mich erwartungsfroh auf den Weg.
„Ich hab auf dich gewartet“, schallt es mir schon nach wenigen Metern entgegen. Dort steht Frank, mit dem ich mich für heute Abend verabredet habe. Wie das in Facebook-Whatsapp-Zeiten so ist, hören wir zwar regelmäßig voneinander, haben uns aber - da wir auch im Stadion an verschiedenen Ecken sitzen - seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Frank hat ein Geschenk für mich dabei, das er schon seit einiger Zeit bei sich zu Hause im Schrank liegen hat, und jetzt wissen wir auch ganz genau, wann wir uns zum letzen Mal in echt getroffen haben. Unglaublich, das war vor vier Jahren - in Bordeaux.
Der Abend ist kalt und klar und vor dem Museumseingang hat sich bereits eine Warteschlange gebildet. Dort entdecke ich Kid, da kommt Nicole. Umarmungen, Wiedersehensfreude und ich bin hibbelisch fast wie vor einem Spiel. Vorfreude mischt sich mit großen Erwartungen.„Große
Erwartungen?“ sagt Kid. „Da bist du bei der Eintracht auf jeden Fall
richtig.“

Drinnen ist mächtig viel los, überall huscht einer der Museums-Mitarbeiter durchs Bild. Matze ist umringt von Gratulanten. Beve. Pia. Steffen. Heute sind deutlich mehr Gäste da als bei „normalen“ Museumsveranstaltungen und auch der Rahmen ist etwas offizieller, statt Jeans und Eintracht-Shirts bestimmen Jackets und Kleider das Bild. Überall hilfreiche Hände, Tabletts mit Sektgläsern. Kurz unterhalten wir uns mit Tankard-Gerre, der hinter uns in der Garderobenschlange steht, und vehement beschreitet, dass auch er sich kleidungsmäßig herausgeputzt habe. "Ich bin wie immer." Wir schlendern in Richtung Welcome-Zone des Businessbereichs, wo ein kleines, feines Büffet aufgebaut ist. Es gibt Fingerfood – belegte Brötchen, Handkäs im Glas, grüne Soße, Butterbretzelchen - und es ist rund herum ein großes Hallo.
Jetzt geht es los mit dem Programm und das heißt vor allem: Es folgen Reden, viele Reden. Peter Fischer kommt gerade aus einer Vorstandssitzung, verkündet, dass er im Januar erneut für das Präsidentenamt kandidieren wird, und nutzt den Abend auch direkt, um in den „Wahlkampf“ zu starten. Das Gratulieren vergisst er natürlich auch nicht ,-) Axel Hellmann findet kluge und bedachte Worte und betont die gesellschaftliche und integrative Funktion des Museums, das klare Position bezieht bei gesellschaftlichen Themen, gegen Rassismus, gegen Anti-Semitismus, für Vielfalt und Toleranz. Außerdem rückt er die besondere Rolle in den Blickpunkt, die die Eintracht-Fans bei der Weiterentwicklung des Vereins hatten und haben. Viele maßgebliche Veränderungen bei der Eintracht sind "basisgetrieben" – von den Anfängen des Museums, vom Internet-Auftritt der Eintracht bis zu dem in seinen ersten Jahren so wunderbar klugen, einträchtlich-anarchischen und inspirierenden Eintracht-Forum (das übrigens auch mal einen Museumsabend - "Mein Lieblings-Fred" - wert wäre). Auch ein Grußwort der Stadt Frankfurt, vertreten durch Bürgermeister Uwe Becker, darf nicht fehlen. Für meinen Geschmack kommt das alles ein klitzekleines bisschen zäh daher, aber – ok – es ist eine Gala, Ehre, wem Ehre gebührt. Und jedes Lob und jede Anerkennung, die dem Museum, seinem Leiter Matze Thoma und dem Museums-Team ausgesprochen wird, wird zu recht mit langanhaltendem und euphorischem Beifall belohnt
Ich hatte mir Geschichten aus der Geschichte des Museums erhofft, Rückblicke auf die zahlreichen Veranstaltungshöhepunkte - der legendäre Abend mit Alfred Pfaff und Jürgen Grabowski, das historische Public Viewing des Spiels gegen den SSV Reutlingen, der Aleschia-Abend mit der Fast-Meistermannschaft um Falke, Webi, Manni. Auch Dietmar Roth war - noch vor seiner Krankheit - an diesem Abend dabei. Ich spähe, ob hinter den Kulissen vielleicht die neuen Eintracht-Markenbotschafter versteckt sind, um uns und natürlich vor allem das Museums-Team zu überraschen. Leider nein, aber ich will nicht unbescheiden sein. Die Festtagsreden werden ja immer wieder unterbrochen von kleinen Talkrunden, die angenehm unprätentiös und witzig von Beve moderiert werden. Da geht es um die Vorgeschichte des Museums, oder um Heldengeschichten, die von Ioannis Amanatidis, Ronnie Borchers und Fredi Bobic zum Besten gegeben werden. Ioannis Amanatidis weckt in mir einen ganzen Schwapp von zum Teil sehr wehmütigen Erinnerungen ("Käpt'n mein Käpt'n", murmelt Kid neben mir). Ama erzählt, dass er in diesem Sommer seinen Trainerschein gemacht hat und zuletzt beim Auswärtssieg der Eintracht in Köln mit dabei war. Der frisch gebackene Markenbotschafter Ronnie Borchers berichtet, dass Botschafter-Kollege Holz zum offiziellen Markenbotschafterfoto-Termin mit Turnschuhen erschienen ist und Fredi Bobic erinnert sich an Schiedsrichter Hans-Jürgen Kaspar, den er (am Rande eines Spiels des VFB Stuttgart hier bei uns im Waldstadion) nach seinem Platzverweis als "blinde Bratwurst" bezeichnet hat. Die "Bratwurst-Affäre" hat ihm eine verlängerte Sperre, aber auch eine Schlagzeile in US Today eingebracht hat.
Ein Höhepunkt des Abends ist sicher der gemeinschaftliche Auftritt von Michael Apitz und Henni Nachtsheim. Henni berichtet über seine 17-jährige Tochter, die ein gewisses Interesse am Fußball entdeckt hat, seitdem sie mit einem Jungen befreundet ist, der Bayern Fan ist (also genau genommen mit Fußball nichts am Hut hat). Hennis eigene Eintracht-Geschichte beginnt 1981, genauer gesagt beim Spiel gegen Werder Bremen. ("9:2", flüstert Kid in mein Ohr "Nach 0:1 durch Norbert Meier - zwei mal Nickel, drei mal Borchers, zwei Mal Nachtweih, zwei Mal Bum Kun Cha.") Henni hatte nach dem Spiel nicht nur seinen damaligen Liebeskummer, sondern bereits den Namen des Mädchens vergessen, und hat in den nächsten Wochen direkt seine wichtigste Eintracht-Lektion gelernt: Nach Höhenflügen folgen tiefe Tiefpunkte. Als Eintrachtler schläft man auf den Malediven ein und wacht in Nordkorea auf und sollte deswegen auch bei heißestem Wetter am Strand niemals mit Badehose, sondern lieber mit Moonboots und dickem Mantel ausgerüstet ist - mer waas ja nie und sollte immer auf alles gefasst sein. Der locker sympathische Michael Apitz wohnt (wie ich) als eingefleischter Eintrachtler in der Nähe von Mainz und gibt Einblicke in die Entstehung seiner Comics. Unvergessener Alltime-Liebling ist der Adler, der Alex Meier umarmt, und dabei "Gott sei Dank" ausruft. Abschluss der Comedy-Einlage bildet eine launige Lesung aus dem Buch "Adlerträger", das Henny Nachtsheim und Michael Apitz gemeinsam verfasst haben.
Fast ein bisschen leid tut uns Hank Becker, der als Zwischen-Act eigene Eintracht-Lieder zum Besten gibt und mit seiner Gitarre auf der großen Bühne ein wenig verloren wirkt. Der Funke zum Publikum will nicht so recht springen - was vielleicht auch daran liegt, dass sich ein erklecklicher Anteil der Gäste bereits zu kühlen Getränken und Small-Talk nach hinten zurückgezogen hat und von dort aus für einen gewissen Lärmpegel sorgt.
Ein Höhepunkt des Abends ist sicher der gemeinschaftliche Auftritt von Michael Apitz und Henni Nachtsheim. Henni berichtet über seine 17-jährige Tochter, die ein gewisses Interesse am Fußball entdeckt hat, seitdem sie mit einem Jungen befreundet ist, der Bayern Fan ist (also genau genommen mit Fußball nichts am Hut hat). Hennis eigene Eintracht-Geschichte beginnt 1981, genauer gesagt beim Spiel gegen Werder Bremen. ("9:2", flüstert Kid in mein Ohr "Nach 0:1 durch Norbert Meier - zwei mal Nickel, drei mal Borchers, zwei Mal Nachtweih, zwei Mal Bum Kun Cha.") Henni hatte nach dem Spiel nicht nur seinen damaligen Liebeskummer, sondern bereits den Namen des Mädchens vergessen, und hat in den nächsten Wochen direkt seine wichtigste Eintracht-Lektion gelernt: Nach Höhenflügen folgen tiefe Tiefpunkte. Als Eintrachtler schläft man auf den Malediven ein und wacht in Nordkorea auf und sollte deswegen auch bei heißestem Wetter am Strand niemals mit Badehose, sondern lieber mit Moonboots und dickem Mantel ausgerüstet ist - mer waas ja nie und sollte immer auf alles gefasst sein. Der locker sympathische Michael Apitz wohnt (wie ich) als eingefleischter Eintrachtler in der Nähe von Mainz und gibt Einblicke in die Entstehung seiner Comics. Unvergessener Alltime-Liebling ist der Adler, der Alex Meier umarmt, und dabei "Gott sei Dank" ausruft. Abschluss der Comedy-Einlage bildet eine launige Lesung aus dem Buch "Adlerträger", das Henny Nachtsheim und Michael Apitz gemeinsam verfasst haben.
Fast ein bisschen leid tut uns Hank Becker, der als Zwischen-Act eigene Eintracht-Lieder zum Besten gibt und mit seiner Gitarre auf der großen Bühne ein wenig verloren wirkt. Der Funke zum Publikum will nicht so recht springen - was vielleicht auch daran liegt, dass sich ein erklecklicher Anteil der Gäste bereits zu kühlen Getränken und Small-Talk nach hinten zurückgezogen hat und von dort aus für einen gewissen Lärmpegel sorgt.
Beve macht eine Runde durchs Publikum, begrüßt den Doc, ohne den die
Waldtribüne nicht zu denken ist, Billy, der neun Jahre im Eintracht-Museum
gewirkt hat und seit zwei Jahren in Rente gegangen ist. Und im kurzen Talk mit
dem Stadionpfarrer erfahren wir, dass der Adler vom heiligen Geist getragen
wird, denn bekanntlich werden die, die auf den Herrn vertrauen, von neuer Kraft beflügelt und auffahren wie die Adler.
Dann fällt für heute der sprichwörtliche Vorhang, lang anhaltender herzlicher Applaus und für uns alle die Möglichkeit, den Abend locker ausklingen zu lassen. Wir sind hungrig und - yeah - vor dem Stadion sind Imbissstände aufgebaut, an denen es Currywurst und Pommes oder Crepes gibt. Lecker. Wir verabschieden uns und ich streife allein noch ein wenig durch die Räume Überall stehen Gruppen von Eintrachtlern, Geprächsfetzen, Lachen, Bratwurstdurft, Stadionatmosphäre. Hallo hier, hallo da. Peter Fischer sitzt sinnend im Foyer, Ama ist in ein Gespräch vertieft und ich unterbreche höflich und lasse mir meine Eintrittskarte unterschreiben. Ach, Ama.
PS: Leider funktioniert meine Link-Funktion im Moment nicht:
Einen Spielbericht zum 9:2 gegen Werder (Saison 1981/82) findet ihr im wunderbaren Eintracht-Archiv http://www.eintracht-archiv.de/
Eine Meldung zur "Bratwurst-Affäre" gibt es hier: http://a.rhein-zeitung.de/on/96/04/18/sport/
Mehr Infos zum Adlerträger-Buch hier: http://www.henni-nachtsheim.de/adlertraeger-das-neue-ich-von-henni-und-michael-spitz/
Und wer noch einmal meinen Rückblick auf den Aleschia-Abend im Museum nachlesen möchte: http://rotundschwarz-kd.blogspot.de/2012/05/rostock-1992-das-ist-eine-mud-meer.html
(Dank Frank, der am 15. Mai Geburtstag hat, weiß ich seit Dienstagabend übrigens, dass dieses Datum nicht nur mit Aleschia, sondern auch mit anderen wichtigen Eintracht-Ereignissen verknüpft ist - z.B. einem Testspiel in den Vereinigten Staaten...)
Danke für den tollen Bericht zu einem großen Abend. Schön, dass so viele Eintrachtler unterschiedlichster Couleur zusammen gefunden haben.
AntwortenLöschenHerzlichen Dank für den Bericht; jetzt kann es auch hier ein wenig nachklingen.
AntwortenLöschenOff topic: Die Frühjahrstour ist für dich dieses Jahr ja so was wie ein never ending Heimspiel :)
LöschenPaderborn-Bielefeld in 35 Minuten- perfekt! Und erstmals die ganze Familie gemeinsam. Außerdem fahre ich noch nach Krefeld und vielleicht klappt noch ein Termin. Jetzt aber ist für mich als nächstes die Eintracht in Heidenheim dran; ich freu mich drauf, da war ich noch nie.
LöschenBei uns: Ulm und Nürnberg, Baden-Baden finde ich - bob hin oder her - zu teuer. Mal sehen, welche Stationen in Nachbarländern vielleicht noch dazu kommen. Heidenheim werden wir leider nicht schaffen, doppelt schade, da mein Mit-Adler aus dem Nachbarort kommt 😐
LöschenNeu-Ulm, glaube ich. Diese *huust* Ratiopharm *husthust* Arena.
LöschenNun gut. Es ist feine alte Tradition, dass für Adler, sollten sie eine kritische Distanz von 20 km unterschreiten, ein Vorstellungsgespräch hierselbst obligatorisch ist.
Auch ich sage DANKE für deinen schönen Bericht!
AntwortenLöschenAuch von mir DANKE für den schönen Bericht.
AntwortenLöschenAber was willst du mit Aleschia? Ich kenne kein Aleschia, niemand kennt dies!
Vielen Dank für die netten Rückmeldungen - freut mich sehr. Und klar, Aleschia liegt irgendwo im ganz, ganz Dunklen.
AntwortenLöschen