Samstag, 9. September 2017

Dritter Spieltag: Schlau, schlauer, am schlausten

Zwei Wochen seit der Heimniederlage gegen Wolfsburg, zwei Wochen, in denen allerhand passiert ist. Wie es aussieht, hat sich zum Beispiel der Sommer in diesem Jahr tatsächlich schon früh verabschiedet. Graue Wolken, Wind, Regen - reichlich herbstlich, der Blick aus dem Fenster - was für ein Glück, dass ich dieses Wetter mag (auch wenn ich noch auf einige Freibadtage hoffe). Gelson Fernandez (who?) hatte Geburtstag, Marco Fabiàn wird voraussichtlich in der Winterpause wieder ins Training einsteigen.  Das "Team hinter dem Team" wurde - hurra, hurra! - weiter verstärkt. Das neue "Fresh Prince"-Shirt ist (für nur 22.95 Euro) auf dem Markt. Und Ante Rebic ist wieder zurück. Man stelle sich vor: Ante Rebic. Er, der niemals hätte gehen dürfen. Ob die supergünstige Rückholaktion ein weiterer, von langer Hand geplanter, umglaublich cleverer Schachzug des ausgebufften Schlitzohrs Fredi Bobic war oder schlicht ein Panikkauf angesichts der doch recht übersichtlichen Leistung gegen Wolfsburg - das sei mal dahin gestellt.

Apropos Bobic: Ist euch schon mal aufgefallen, dass er in den letzten Wochen bei öffentlichen Auftritten häufig Brille trägt? Auch bei Interviews wird immer öfter ein Bobic-mit-Brille-Foto eingeklinkt. Klar, kann ein Zufall sein. Aber nach gängigem Assoziationsschema verleiht die Brille zweifelsfrei seinen Worten mehr Nachdruck und Gewicht.  Bestes Beispiel: der Schlauschlumpf - den erkennt man sozusagen daran, dass er Brille trägt. Dagegen der brillenlose Heribert...Also mal ehrlich.

Deshalb wissen wir jetzt sozusagen offiziell, dass Moral im Profifußball nicht nur nicht besonders hoch im Kurs steht, sondern dort berechtigterweise nix mehr zu suchen hat - es sei denn, man hat Lust darauf, in der dritten oder vierten Liga zu kicken. Moral wird sowieso völlig überbewertet. Ist doch wahr. Nur Erfolg zählt - recht hat er, der Mann. Wer Skrupel hat, der hat halt noch nicht verstanden, wie der Markt tickt und outet sich als ewig Gestriger. Zum Glück können wir unsere "Tradition" ja immer noch als 1A-Produktfeature zur Penetrierung der internationalen Märkte nutzen. Das ist doch auch was. Zumal eine neue Stufe der Öffentlichkeitsarbeit bereits gezündet wurde und der nächste Wording-Baustein medial kaskadiert wird: Positiv ist das Wort der Stunde. Hellmann sieht die (moralfreie?) Zukunft der Liga und der Eintracht rundum positiv, weitere Stars werden kommen. Und auch Niko Kovac sieht vorrangig das Positive und nicht die Ergebnisse. Eine Art "Mini-Auf jetzt-Kampagne" gleich zu Beginn der Saison? Immer gut, wenn man das Kommunikationsheft in der Hand behält und wir wissen, was wir zu denken haben.Schließlich ist die Eintracht nicht umsonst für ihre interaktive Multi-Kanal Öffentlichkeitsarbeit mit einem Medien- und Kommunikationspreis ausgezeichnet worden.

Heute also gegen Gladbach. Witzigerweise spielen wir gefühlt immer gegen Gladbach, wenn bei uns im Ort Kerb ist. Beim Umzug immer dabei: der ortsansässige Fanclub "Die Fohlen",  der gleich hier um die Ecke seine Fahne am Vereinsheim "Am Bökelberg"  hisst. In der Schlussphase - so gegen 17 Uhr -  kommt der Zug hier bei uns am Haus vorbei und ich wedele mit meinem Eintracht-Schal. So auch am dritten Spieltag der Saison 2010/11, die für Gladbach und noch mehr für die Eintracht sehr unerfreulich werden sollte. Aber das wussten wir am 11.9.2010 um 16  Uhr 55 noch nicht. Da hatte die Eintracht - nach zwei Auftaktniederlagen - mit  0: 4 in Gladbach gewonnen. Zwei Mal Gekas, einmal Köhler, einmal Ochs. Es war ein schöner Kerbesamstag.

Heute wird die Eintracht in Gladbach ohne Makoto Hasebe auskommen müssen  - ein Ausfall, der (nicht nur aus meiner Sicht) schwer wiegt. Trotzdem Dreier- oder dann doch Viererkette? Wer spielt auf der 6? Steht Ante Rebic gleich wieder in der Startformation?  Das sind so Fragen. "Wir müssen Räume finden, Räume suchen und Räume nutzen," sagt Niko Kovac. "Wär schon nicht schlecht, wenn wir mal wieder ein Tor schießen", sage ich.

Wie ich seit der Leichtathletik-WM weiß, hat Lisa Ryzih, die deutsche Meisterin im Stabhochsprung, ihre Masterarbeit über das Thema "Non-verbales Verhalten von Fußballspielern im Vergleich von Auswärts- und Heimspielen" geschrieben. Ich vermute: Spielverlauf- und Ergebnis könnten darauf einen gewissen Einfluss haben, und bin gespannt, wie sich das heutige Spiel in Gladbach auf mein non-verbales Fanverhalten auswirken wird. Aber wie auch immer es ausgeht - auf jeden Fall: Positiv!

Kommentare:

  1. Positiv ist es ja nunmal ausgegangen. Yessss. Und dass mir Bobic von nun an blaugesichtig vors innere Auge tritt, na prima. Obwohl, mir scheint, es steht ihm recht gut.

    Überhaupt hat ja Friedrich Nietzsche das Buch zur neuen Fußi-PHILOSOPHIE geschrienen: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn. Nietzsche beleidigt zwar AMFG ("Gott ist ... eine Undelicatesse"), aber er liebt die Skeptiker und perspektivisches Denken, was wiederum für ihn spricht. Und schließlich: wo Gott tot ist, sollte da die Moral nicht gleich maustot sein?

    Mer waaß es net.

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    1. Yesss. Das war überraschend, aber unteem Strich verdient.

      Was man aber darüberhinaus weiß, ist: Egal, wie es ausgegangen wäre, alles ist und bleibt positiv.

      Und wg. Moral: Es ist die eine Sache, festzustellen, dass Moral (nicht nur im Fußball) nicht mehr hoch im Kurs steht und jeder sich im Zweifelsfall nach der Decke strecken muss, um zu sehen, wo er bleibt. Aber die fehlende Moral zum positiven Prinzip sine qua non zu erklären, ist - vorsichtig gesagt - zynisch.

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    2. Oder realistisch? Glücklicherweise haben wir ja noch sowas wie Gewissen, völlig unnormativ, bassd.

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  2. Was man weiß, ist: Nietzsche ist tot.

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  3. Nietzsche lebt. Er sitzt irgendwo bei Wanne-Eickel an Rhein-Herne-Kanales Ranft und wartet zusammen mit Elvis auf den dritten Mann zum Skat. Nietzsche mit abgeschnittenem, Elvis mit rauschendem Bart.

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    1. Dieser Kommentar lässt mich nachdenklich zurück. Warum Wanne-Eickel? Warum trägt Elvis Bart? Was rauscht? Und schließlich: Wer gewinnt?

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    2. Wanne-Eickel wg des Vollmonds über Wanne-Eickel. Die Frage nach Gewinn stellt sich erst, sobald der/die dritte Mann/Frau dazugestoßen ist. Aber bereits die beiden reichen vollkommen aus um einhellig festzustellen: er ist rund, der Vollmond.

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  4. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=QYeV0BF8of4

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