Donnerstag, 17. Mai 2012

Blog, jupphei!

Es sind merkwürdige Tage und Zeiten, in denen wir alle permanent für oder gegen etwas sind und unseren Gefühlen oder Ängsten Ausdruck verleihen, indem wir entweder Plätze oder Städte stürmen oder besetzen. Ob überschwängliche Freude oder Zorn – die Ausdrucksformen ähneln sich sehr. Platz da, fürn Mazda.

Man kann in diesen Tagen auch viel lernen. Z.B. habe ich gesprächsweise neulich erfahren, dass es so genannte „Blockade-Trainer“ gibt, mit denen man – bevor man Schienen, Plätze, Städte besetzt – übt, wie man sich denn richtig verhält in kritischen Situationen – was tun, wenn man Panik bekommt? wie sich verhalten, wenn die Polizei angreift? was tun, wenn geräumt wird, und man sich wegtragen lässt? Das weiß ich seit gestern auch ohne Training: Spagettitechnik. Alle Spannung aus dem Körper nehmen, dann wird das Wegtragen schwieriger und „bindet jedesmal drei Polizisten“. O selige Zeiten, in denen wir nicht lustig und gut vorbereitet, sondern einfach nur zornig demonstriert und uns im Zweifelsfall hinterher elend und scheiße gefühlt haben. Heute könnten wir stattdessen in der Nachbereitung der Aktion unser „Trauma“ in einer Therapiegruppe besprechen.

Ohnehin können wir ja gar nicht so schnell meinen, wie wir meinen, meinen zu wollen oder zu müssen. Ich habe mich deshalb kurzfristig entschlossen, mich dem Trend anzuschließen. An einem der folgenden Tage wird bei uns im Garten – im Rahmen des Grillanzündens – kontrolliert Pyro abgebrannt, wobei in nicht unerheblichem Maße Rauch entstehen kann. Anreisende Gäste, die ein Zelt mitbringen wollen, können das gerne tun. Ich weise jedoch präventiv darauf hin, dass kein Fahnenmast mit Kickersfahne vorhanden ist, der aus Protestgründen besetzt werden könnte, so dass gegebenenfalls mit einem Platz auf der höchsten Tanne vorlieb genommen werden muss. Sollten sich unter den Gästen Mitarbeiter von Banken befinden, die sich – getarnt in Freitzeitkleidung – unter das Volk mischen, möchten wir höflich bitten, dass sie sich freiwillig melden, so dass sie am Eingang mit einer handelsüblichen Krawatte ausgestattet werden können und fortan für Späße aller Art zur Verfügung stehen.

Bitte wundert euch nicht, wenn mein Mit-Adler und ich euch in einem Plantschbecken mit weißer Farbe empfangen. Das ist unsere Art, gegen den Kapitalismus und verbrannte Würstchen, für freie Downloads, gegen das Urheberrecht und den Krieg in Afghanistan zu protestieren. Versucht erst gar nicht uns wegzutragen. „Wir bleiben hier. Wir bleiben hier.“ Im Zweifelsfall wisst ihr ja: wir beherrschen die Spagettitechnik. Die Ereignisse können gerne getwittert werden. Vergesst also nicht, vorher eure Akkus aufzuladen.

Zum Schluss noch ein Sicherheitshinweis: Gäste, die es nicht erwarten können und vorzeitig den Rasen stürmen, müssen damit rechnen, dass der Abend wiederholt wird.

Kommentare:

  1. Das Leben besteht aus Wiederholungen. So lange, bis wir unsere Lektionen gelent haben. Also bis zum Ende.

    Wenn ich jetzt sterben müsste, würde ich sagen: "Das war alles?" Und: "Ich habe es nicht so richtig verstanden." Und: "Es war ein bisschen laut." (Kurt Tucholsky)

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  2. Es gibt so viel zu denken und zu verstehen. Und am Ende sind es doch die ganz einfachen Wahrheiten, die man über viele Umwege herausfindet. Das hat vielleicht sogar etwas Beruhigendes?

    Lieben Gruß, K.

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  3. Ja, so sehe ich es auch.

    Lieber Gruß vom Kid

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