Freitag, 9. März 2012

Spieler der Stunde: Sebastian Rode

Eigentlich sollte hier jetzt der Eintrag zum „Spieler der Stunde“ stehen. Aber leider - mir geht's wie Armin Veh: „Keine Zeit.“  Trotzdem habt ihr grad noch mal Glück gehabt ,-) – ich nehm sie mir.

Die Eintracht ist zwar zäh, aber doch einigermaßen geradlinig auf Aufstiegskurs. Wir alle haben es in den letzten Tagen hundertfach gehört: Es wird schwer, es wird holprig, es wird eng. Die Mannschaft ist leicht zu verunsichern, wirkt immer irgendwie gefährdet. Es bleibt spannend bis zum Schluss. Noch nie war die Spitze in der zweiten Liga so eng zusammen. 70 Punkte für den Relegationsplatz. Alles egal. Wenn wir uns jetzt ins Hemd machen, können wir von der Mannschaft nicht erwarten, dass sie es nicht auch tut. Wir ziehen das jetzt durch. Wir sind zu gut, um nicht aufzusteigen. Wir machen das. Hey – hallo – und jetzt alle: Wir. Machen. Das!

Ebenfalls ein bisschen holprig - trotzdem unbeirrbar und zielorientiert ,-) - läuft die Wahl zum „Spieler der Stunde“. Sie ist nach wie vor und „still alive“ und wird dies auch bis zum Aufstieg bleiben! In dieser Woche haben sich 60 Leser an der Abstimmung beteiligt – ganz herzlichen Dank dafür und hier kommt auch schon das gewohnte Streiflicht auf die Ergebnisse.

Martin Fenin
Nein – Martin Fenin stand (auch wenn Anita es sich im Eintracht-Forum gewünscht hätte) nicht auf der Liste des „Spielers der Stunde“ – aber Martin hätte sich diesen Titel in gewisser Weise auch verdient. Vor, während und nach dem Spiel war er allgegenwärtig. Freundlich, ein wenig verlegen, machte er keinen Hehl daraus, wie froh er war, wieder zurück in Frankfurt zu sein. Im Herzen von Europa. Hab mich sehr gefreut ihn zu sehen und von ihm zu hören und hoffe jetzt einfach einmal sehr, dass das alles nicht zu früh und zu viel für ihn war. Erinnere mich daran wie übermotiviert er im Hinspiel gegen die Eintracht war und wie er danach – zunächst fußballerisch – erst einmal in ein Loch zu fallen schien. Hoffe sehr, dass dieses Wochenende – und die ehrliche Zuneigung, die ihm entgegen geschwappt ist - ihm einen weiteren Schub auf dem Weg zur Gesundung gegeben hat - und dass er die billigen Schlagzeilen, die nach diesem Wochenende gefolgt sind, schnell abhakt.

Sebastian Jung
Über Sebastian Jung wurde in dieser Saison bereits viel diskutiert. Nicht wenige (auch ich) hatten erwartet, dass diese Saison vor allem auch seine Saison werden würde. Dass er seine Stärken (Schnelligkeit, Dynamik, Kampfkraft, Spielwitz) noch mehr zur Entfaltung bringen könnte, dass sein Commitment und seine Liebe zur Eintracht gerade im Aufstiegskampf besonders stark ins Gewicht fallen würden. Das war bisher noch nicht so recht der Fall – Sebastian Jung mühte sich, wirkte aber merkwürdig gehemmt, manchmal fast geistesabwesend, blieb häufig hinten kleben, ihm unterliefen mehr Fehler als gewohnt, viele Ungenaugkeiten, Abspielfehler. Nach und nach hat er sich gefangen. Und spätestens seit Sonntag scheint klar, was man in der Vorrunde schon beobachten konnte: Der Schlüssel zur Leistung von Jung ist das Zusammenspiel mit Rode. Eigentlich - so würde man meinen - passen die beiden von ihrer Spielweise und Art  perfekt zusammen Ganz so einfach ist es aber offensichtlich nicht. Spielt Rode – wie am Sonntag in der ersten Halbzeit - rechts, stellt er Jung zu. Spielt Rode in der Mitte hat Jung zwar mehr Platz, das nützt aber nichts, wenn Rode ihn – wie in der Vorrunde häufig – nicht mitnimmt bzw. ihn, wenn er mitläuft, übersieht. Das ist besser geworden, vielleicht ja auch deshalb, weil Rode gemerkt hat, dass auch er von einem starken Sebi Jung profitiert. Wie wir alle. Eine Stimme für Sebastian Jung

Jimmy Hoffer
Seit einigen Jahren ist es üblich, dass Brötchen und Brotsorten Namen haben. Ein Weizenmischbrot ist kein Weizenmischbrot, sondern schon mal ein „Lecker Mädchen“, ein Roggenbrot heißt (nicht nur am Weltfrauentag) „Starke Hilde“. Es ist schwer einen Spitzweck oder einen Paarweck zu bekommen, stattdessen verlangt man ein „Krusti“, einen „Schuster“, „Mühltaler“ oder „Kartoffelkopp“. So wird schon der Brotkauf in der „Erlebnisbäckerei“ zum ersten Highlight des Tages.

Samstag morgen vor dem Spiel in Cottbus in einer Bäckerei.
Kundin zur Verkäuferin:„Ich hätt gern en Kraftprotz – sind die schon all?“
Verkäuferin:„Nee, nee. Da hab ich noch genug. Gugge se hier: Der „Kraftprotz“ heißt jetzt ‚kerniger Kerl‘.“

Hihi. Wenn ich nicht irre, sind Kraftprotz und kerniger Kerl ja durchaus enge Verwandte.

Keine Ahnung, warum mir diese Geschichte im Zusammenhang mit Jimmy Hoffer einfällt. Am Montagabend war er zu Gast im HR-Heimspiel und sein Auftritt hat mich, nun ja, ein wenig überrascht. Ich schätze Hoffer als spielenden Stürmer, hielt ihn - aufgrund der Berichte und Eindrücke -  bisher für einen robusten, heimatverbundenen, eher schlichten jungen Mann mit nachdenklichen Seiten (Ferarri, Angeln). Ein „Naturbursche“  – ein „kerniger Kerl“ irgendwie - und war also bass erstaunt - achdujemine - über den schüchternen, fast ein wenig piepsigen Jimmy, der da zwischen dem verlässlich unvorbereiteten Volker Hirth („Es gibt da ja fünf Mitkonkurrenten um den Aufstieg : Fürth, Düsseldorf, Paderborn…ähem…1860 München und….ähem…“) und dem dauergutgelaunten Stepi saß und aussah, als würde er sich am liebsten in Luft auflösen.

Eine, tatsächlich nur eine Stimme hat Jimmy Hoffer bei dieser Wahl erhalten, obwohl er es war, der das erlösende 1:0 erzielte. Sicher wären es ein paar Stimmen mehr geworden, wenn er auch noch das  2:0 – allein aufs Torwart-lose Tor zulaufend – gemacht hätte  (Maaaan – den muss er machen – wenn er Rode schon übersieht, zumindest den Ball irgendwie Richtung Tor bugsieren). Die letzten Minuten des Spiels wären deutlich entspannter verlaufen.

Bamba Anderson
Auch Bamba Anderson hat - ich gestehe: Das hat mich ein wenig verwundert - bei dieser Abstimmungsrunde eine Stimme erhalten. In der ersten Hälfte des Spiels hinterließ er einen sehr unsicheren - fast schon verunsicherten - Eindruck - z.B. auch, indem er gleich kurz nach Anpfiff für Paderborn-Feeling sorgte und gleich  ein, zwei Bälle überhastet und sinnfrei ins Aus bugsierte. Unser kleiner Stadiontrupp hoffte, dass Veh dieses Mal bereits direkt nach der Halbzeit wechseln würde. Nach vorne muss sich etwas tun (Lehmann!), hinten:  Butscher nach Innen, Bamba raus - war bei uns im Eck die vorherrschende Meinung. Armin Veh  wechselte - nicht ganz so wie wir erwartet hatten, aber goldrichtig. Vielleicht war es wichtig und richtig, die Innenverteidigung aus dem Off nicht komplett neu zu formieren. In der zweiten Halbzeit  neben Butscher - steigerte sich Anderson. Wie beim – nicht funktionierenden Duo Lehmann/Schwegler – ist es halt manchmal nicht nur eine Frage der individuellen Leistung, sondern des miteinander Harmonierens. Ich zitiere aus einem Kommentar hier im Blog: „Und am Ende war es ja gut so.“ Yep.

Constant Djakpa
Nach dem furiosen Auftritt von Heiko Butscher gegen Braunschweig auf der Position des Linksverteidigers sah es so aus, als seien die Zeiten von Constant Djakpa als linker Verteidiger in der Abwehrreihe der Eintracht erst einmal vorbei. Schneller als gedacht ist er wieder da und zeigte, dass er mehr kann, als ihm manchmal zugetraut wird. Wenn er sich an taktische Vorgaben hält, wenn er mitspielt, kurz anspielt und anspielar ist, geht - dann ist er ein richtig Guter. Zwei Stimmen für ihn: Yes, he can!

Alex Meier
Vor dem Spiel habe ich mich ein bisschen über Christoph Preuß geärgert, der im Stadion-Interview betonte, wie wichtig der Kapitän für eine Mannschaft, wie wichtig also auch die Rückkehr von Pirmin Schwegler sei – aber mit keinem Wort darauf eingegangen ist, wie beeindruckend Alex Meier in den vergangenen Wochen diese Rolle übernommen hat. Der nicht mehr Kapitän Alex Meier war – neben Sebastian Rode und Martin Amedick – fast der einzige Lichtblick in der ersten Hälfte. Als er merkte, dass spielerisch nichts lief, versuchte er – ganz Kapitän – das Spiel an sich zu reißen. Stieß in die Spitze, suchte die Lücke, drängte aufs Tor. 3 Stimmen für ihn.

Martin Amedick
Martin Amedick hat gegen Eintracht Braunschweig ein denkbar schwaches Debüt bei der Eintracht gegeben und sah ganz - also ganz – schlecht beim 0:1 aus.. Ganz anders jetzt gegen Cottbus. Er ist nicht der Schnellste – wie mir eine zufällige FCK-Bekanntschaft an Fastnacht und diekt nach seiner Verpflichtung bereits erklärt hat, wovon wir uns sehr schnell alle selbst überzeugen konnten – aber er steht gut und sicher, ist sehr präsent und kopfballstark. 80 % seiner Zweikämpfe hat er (wie ich nach dem Spiel gelesen habe) gewonnen – Wahnsinn. Trotzdem musste er gehen. Schade. Aber es wird neue Chancen geben. Wie im Fall Djakpa gesehen, kommen die manchmal schneller als man denkt.

Oka Nikolov
Schon immer lieben wir Oka (zumindest die meisten von uns), jahrelang haben wir aber auch den Oka-Faktor gefürchtet. Es ist nicht so, dass es den jetzt nicht mehr gibt (ich erinnere nur an die letzte Minute des Spiels gegen Cottbus, als Oka den Ball hat und doch nicht hat, er fällt ihm aus der Hand. Er hat ihn nicht. Doch.) – aber irgendwie stehen wir da inzwischen drüber. Und Oka auch. Oka hält, was zu halten ist. Und wenn er mal nachgreifen muss, oder dann doch einmal wieder durch den Strafraum irrt – ja, und? Wir wissen, was wir an ihm haben. Wie am Sonntag gegen Cottbus, als er in der ersten Halbzeit das Spiel für die Eintracht offen gehalten  und zwei gute Cottbuser Chancen vereitelt hat. Aber ich glaube, das ist nur ein Teil der Wahrheit und der Begründung, für die Stimmen, die er auch diese Woche wieder erhalten hat. Wenn das stimmt, was ich sehe, will Oka unbedingt – UNBEDINGT – aufsteigen. So oft wie nie hab ich in den letzten Spielen beobachtet, dass er sich ärgert, über Fehler seiner Vorderleute aufregt. Kein Zweifel: Oka will seine – vielleicht letzte Saison als Stammtorwart – nicht in der zweiten Liga austrudeln lassen. Er will das nicht so stehen lassen. Er will mit der Eintracht zurück in die Bundesliga. 7 Stimmen für ihn.

Sebastian Rode
Folgende Szene am Rande des Spiels gegen Cottbus, zweite Halbzeit.
Eine ältere Dame stubbst von hinten meinen Mit-Adler an: „Wer issen der Spieler mit der 20?“
Mit-Adler: „Der Rode.“
Ältere Dame: „Mmh…neee…. Net rot, eher so rotblond.“

Wie man sieht: Auch beim nicht besonders fachkundigen Publikum ist Sebastian Rode am Sonntag aufgefallen und im Gedächtnis geblieben.

Unverzichtbar.  Musterschüler. Energieversorger. Das Lob für Sebastian Rode kannte nach dem Spiel gegen Energie Cottbus fast keine Grenzen. 73% gewonnene Zweikämpfe. Giftig. Gallig. Bissig. Seine Vorlage zum 1:0 wird vielerorts als „Weltklasse“ bezeichnet. Rode meint dazu: „Man lernt schon in der Jugend, dass man den Ball in solchen Situationen in den Rückraum passen muss.“

Selbstbewusst, aber zurückhaltend. Dieser Satz scheint mir typische für Sebastian Rode zu sein, den ich als Fußballer fast von Beginn an schätzen gelernt habe, aber den ich (und ich denke, da stehe ich nicht alleine) auch einfach mag. Ehrgeizig, ungestüm. Hibbelig. Immer zu 100 % hellwach. Er geht in Zweikämpfe, er setzt spielerische Akzente. Ist mutig, traut sich. Mit Ralf Falkenmayer hat Beve Rode neulich (nach dem Spiel in Düsseldorf) verglichen. Ein großer Schuh. Aber. Ja. Yep. Fußballerisch könnte man Sebastian Rode in diese Richtung denken. Er wirkt unbefangen, jungenhaft. Nicht dumm. Ich mag, wie er lacht. Ich mag die Art, in der er sich über eine gelungene Aktion, ein Tor freut. Ich mag sogar die Fehler, die er macht...naaain. Natürlich nicht. Aber es ist leichter, Fehler zu "verzeihen", die aus Übereifer entstehen als solche, die daraus resultieren, dass man es gar nicht erst probiert.Wollen wir hoffen, dass er der Eintracht lang erhalten bleibt..

Mit 41 von 60 Stimmen (68%) wurde Sebastian Rode verdient und überlegen zum „Spieler der Stunde“ gewählt.

Statt Armin Veh gab heute Co-Trainer Reiner Geyer einen Ausblick auf das Spiel in Rostock und machte deutlich: Wir werden trotz der Tabellensituation Rostock nicht unterschätzen und: „Wir ziehen unser Ding durch.“ 

Uff. (Schon wieder) grad noch mal Glück und Seppl Rode gehabt -  nach der ersten Halbzeit des Cottbuss-Spiels hätte das ja fast wie eine Drohung klingen können, jetzt klingt es wie ein Versprechen. Wir. Machen. Das. Danke!

Kommentare:

  1. Jimmy Hoffer im Heimspiel: Die armen Schweine, die da immer hin müssen. Das ist, zumindest im Sport, die mieseste Sendung, die jemals über ein Schirm flimmerte.

    Einen Auftragskiller stellt man sich, egal in welcher Sendung, wirklich anders vor. Wahrscheinlich brauchen wir aber demnächst eher einen, der gewltig auf den Tisch haut. Gruß, C.

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  2. Yep. Deswegen hat das Heimspiel im Forum ja schon seit langem fast schon Kultstatus. Merke: Das MUSS so sein -) Stimmt, den "Killer" hab ich vor lauter "kerniger Kerl" vergessen. Hihi. Und wg. Tisch: Bist du dir sicher, dass wir einen haben?

    Jetzt erst mal Rostock. Da fällt mir ein: Ist Armin Veh heute eigentlich wieder aufgetaucht...? *+stirnpatsch** Klar, hab ich ja vorhin im Trainingsbericht gelesen. Na dann - alles klar. Oder?

    lgk

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  3. Dann ist das Heimspiel, s. vorherigen Artikel, also eine Forumswolke. Also ich wei0 nicht so
    recht

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  4. Oh. Das MUSS ich einfach noch beim "Wolke"-Eintrag ergänzen. Wie KONNTE ich das vergessen? Danke!!!

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  5. Kurz vorm Heimweg doch noch schnell hier reingesehen. Hast also tatsächlich doch wieder die Kurve gekriegt. Danke.
    Interessante Anmerkungen zu Oka übrigens, ist was dran (und nur allzu verständlich).

    Ab hier stand schon was zu Hoffers TV Auftritt, hab mich aber in Rage geschrieben (nicht gegen Hoffer btw) und daher Selbstzensur geübt;=)

    Daumen drücken für einen Auswärtssieg ist angesagt, und darunter verstehe ich diesmal nicht nur die maximale Punktausbeute, sondern auch einen schön erspielten Sieg.

    LG, BB

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