Direkt zum Hauptbereich

Nachbarschaftsduelle: Geschichten vom Franz *

In dem kleinen rheinhessischen Ort, in dem wir leben, gibt es ein paar Straßenzüge, die unter der Hand schon mal gerne als „Regierungsviertel“ bezeichnet werden. Wir regieren zwar nicht, wohnen aber zufällig mittendrin. Links von uns wohnt die langjährige Bürgermeisterin, oberhalb von uns der ebenso langjährige Bürgermeisterkandidat, beide sind direkte Nachbarn. Die Bürgermeister-Familie ist eher städtisch orientiert – planiert, saniert und hat alles im Griff - , die Bürgermeisterkandidaten-Familie betont ihre ländliche Verbundenheit, was sich z.B. darin äußert, dass sie freilaufende Tomaten, nein: es handelt sich natürlich um freilaufende Hühner, in ihrem Garten hält.

Zu den Hühnern gehört auch ein Hahn, der – wie Hähne das so tun – oft und lautstark kräht. Der Hahn hat auch einen Namen: Er heißt Franz. Und eben jener Franz ist ein ständiger Zankapfel zwischen den beiden Nachbarn. Ganz wie unter zivilisierten Menschen gibt es keine offene Fehde, sondern ein freundlich distanziertes Gartenzaun-Verhältnis. So wie bei der folgenden Szene, die ich gestern Abend aufgeschnappt habe.

Setting:
Ein lauer Frühlingsabend. Die Sonne steht tief. Leichter Wind. Der Kirschbaum blüht. Vögel zwitschern.


Handelnde Personen:
Auf der linken Terasse: Bürgermeisterkandidat
Auf der rechten Terasse: Bürgermeisterin-Gatte

Außerdem:
Bürgermeisterkandidaten-Gattin, im Garten werkelnd
Franz (Hahn)

***Vorhang auf***

Franz (laut): Kikeriki.

Bürgermeisterkandidaten-Gattin (beschwichtigend): Is ja gut, Franz.

Franz (lauter): Kikeriki. Kikeriki.

Bürgermeisterin-Gatte (kommt von rechts ins Bild. Locker, laut, fröhlich):
Ach, hallo Hildegard. Na. Das ist ein Wetter…

Bürgermeisterkandidaten-Gattin (rupfend über ein Beet gebeugt, kurz aufschauend):
Ach, hallo. Ja. Endlich.

Bürgermeisterin-Gatte (locker, laut, noch munterer): Sag mal, euer Franz, der wird ja auch immer lauter.

Franz (wie zur Bestätigung): Kikeriki. Kikeriki.

Bürgermeisterkandidaten-Gattin (weiter rupfend, vor sich hin murmelnd): Grummelgrmpfffargghrgrummel

Bürgermeisterkandidat (kommt von links ins Bild. Locker, laut, munter):
Ach, hallo Peter. Ja, gell - unser Franz. Des is ein richtiger Prachtkerl.

Bürgermeisterin-Gatte (locker, laut, munter): Na ja. Wie gesagt: Man hört’s.

Bürgermeisterkandidat ( locker, laut und munter): Dadefür isses ja ein Hahn. Der muss halt krähen.

Bürgermeisterin-Gatte (locker, laut, betont fröhlich): Ja, ja. Aber muss er das hier.. ?

Franz: Kikeriki

Bürgermeisterkandidat (locker, laut, betont fröhlich): Wart nur ab, Peter. In ein paar Tagen habbe mir eine Lösung…

Bürgermeisterin-Gatte (fröhlich): Ach, da bin ich ja mal gespannt…

Bürgermeisterkandidat (fröhlich): Ja, ja. Wart’s nur ab...

Beide: Hahahahaha.

Franz: Kikeriki.

***Ende***

Tja. Mmh. Jetzt bin ich natürlich gespannt, wie die Geschichte vom Franz ausgeht. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir um Franz keine Sorgen machen muss. Denn in einem hat der Bürgermeisterkandidat ganz sicher recht: Der Franz - das ist ein richtiger Prachtkerl.


* Der Titel "Geschichten vom Franz" ist entlehnt und zwar von einem Kinderbuch von Christine Nöstlinger.

Kommentare

  1. Wahrscheinlich greift der Franz-Hasser demnächst auch zum Bierbecher.

    Hoffen wir mal, dass des Kandidaten Lösung nicht in Richtung "Heut' essen wir den Suppenhahn, der gestern noch im Garten sprang" geht. Ich drücke dem Prachtkerl jedenfalls die Daumen.

    AntwortenLöschen
  2. Ich hoffe auch, dass der Franz das irgendwie unbeschadet übersteht...

    Schöne Geschichte. Ich muss mal das Buch raussuchen, wir haben das, aber ich erinnere mich nicht mehr, alte Frau, die ich bin...

    Liebe Grüße
    Nicole

    AntwortenLöschen
  3. Auf dem Hof mag er sich ja ziemlich aufführen, der Franz, aber privat ist das bestimmt ein ganz feiner Kerl äh Hahn. :-) Gruß vom Kid

    AntwortenLöschen
  4. Hunde-die bellen beissen nicht*ähm ich meinte Hahn Franz-nadierlich.
    Lustiges Schmankerl-Kerstin,ganz herzlichen Dank.
    LG
    (B).

    AntwortenLöschen
  5. Ach du liebes bisschen, Celtix. Du glaubst doch nicht wirklich, dass.... Nein. Nein. Ich hoffe, dass ich auch am Montag noch vermelden kann: Franz kräht und scharrt und ist putzmunter, auch wenn es dem Nachbarn rechts vielleicht nicht (oder immer weniger) gefällt.

    Franz beißt in der Tat nicht - der hört sogar, wenn man ihn mit seinem Namen anspricht. Und ja, Nicole, such das Buch ruhig mal wieder raus. Die Franz-Geschichten sind seeeeeehr unterhaltlich.

    Danke und Grüße in alle Richtungen!

    AntwortenLöschen
  6. Wenn der Franz so gut hört, dann sag' ihm doch, dass er am WE noch ein bißchen zulegen soll! Voll drauf äh' Kikeriki!

    AntwortenLöschen
  7. Ja,der Franz-der kann`s.
    Schönes Spiel heute für euch-mit hoffentlich 3.Punkten und einen zufriedenen Hahn Franz-der dass krähen nicht vergisst.
    LG
    (B).

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Spieltagsschnipsel 24/25: St. Pauli (33)

 "Du glaubst doch nicht im Ernst, dass wir gegen St. Pauli nicht gewinnen?" Sage ich zu meinem leicht skeptischen Mit-Adler und dann fahr ich los in Richtung Stadion. Es ist kurz vor Drei, Schon klar, dass das kein einfacher Tag werden wird, aber dabei denke ich eher an die Hin- und Rückfahrt. Der S-Bahnverkehr zwischen Mainz und Frankfurt ist derzeit - ok, sagen wir mal so - stark eingeschränkt, genau gesagt: er fällt mehr oder weniger aus. Auf verschlungenen Fahrten ist der Weg natürlich irgendwie möglich. Irgendwie? "Ob mit Bus oder Bahn..." Na, das passt doch zu dem, was wir heute vorhaben. Die Hinfahrt ist jedenfalls fast idyllisch. Mit einem SEV Über-Land-Bus zuckele ich im hellen Sonnenschein durch wenig Stadt und viel Land zum Frankfurter Flughafen, das dauert ein bisschen länger, ist aber recht beschaulich. Am Flughafen dann ein Sammelbecken für Eintrachtler aus aller Herren Richtungen, um kurz nach fünf bin ich am Stadion. Immerhin. Die Europa-Hymne höre i...

Die nächste Strophe vom alten Reisbrei

Am Samstagabend höre ich im ZDF Sportstudio die Vorankündigung für das Spiel am Sonntag im Waldstadion. „Hannover kann morgen auf den zweiten Tabellenplatz vorstoßen“, verkündet Katrin Müller-Hohenstein. Tatsächlich? Was Sie nicht sagen. Und die Eintracht? Hey – hallo, das ist unser Heimspiel, und wir werden es gewinnen, weil nämlich dann wir es sein werden, die zu Hannover und zur Spitzengruppe aufschließen. Capisce? Und tatsächlich. So machen wir es. Impressionen vom Spiel: Patrick Ochs, der in der ersten halben Stunde auf der rechten Seite herum mannövert als habe er tatsächlich vor, was er vorher verkündet hatte: Sich festbeißen – und von dem in der zweiten Halbzeit nichts mehr zu sehen ist. Halil Altintop, der (auch in seinem eigenen Sinn) zur Halbzeit hätte ausgewechselt werden müssen, und von seinem Trainer, der voll hinter ihm steht, eine viertel Stunde vor dem Ende zum Abschuss freigegeben und – sichtlich um Fassung bemüht – regelrecht vom Platz gepfiffen wird. (Ja,...

Spieltagsschnipsel 24/25: Eintracht Frankfurt - RB Leipzig (31)

Wow! Wie kann diese Mannschaft Fußball spielen, wenn sie in den Flow kommt. Abheben und dann einfach weiterfliegen.  Eine hochmotivierte Eintracht fegt überforderte Leipziger mit 4:0 aus dem Stadion. Ein über-über-ragender Ansgar Knauff. Warum in der Ferne suchen, wenn das Gute ist so nah? - alte Transferpolitikweisheit. Nene Brown. Theate. Ekitiké, der immer mehr zum unermüdlichen  Gute-Laune-Monster des Teams wird. Trapp ein starker und sicherer Rückhalt. Die Mannschaft voller Spielwitz und Energie, voller Lust am Fußball. In der zweiten Halbzeit dann kein Halten mehr. Die "Champions League wir kommen" - Stimmung verwandelt das Stadion in eine Raumkapsel, die abhebt. Bei der Auswechslung von Ansgar Knauff erbebt das Stadion. Und dann  tut Dino Toppmöller noch ein übriges um die Stimmung zum Überlaufen zu bringen. Es kommt Thimmiiiiiiiiiiie Chandler. "...und wenn sie gewinnt im Waldstadion, dann ist die Stimmung groß." O ja, das ist sie. Es war ein warmer, sonniger...