Mittwoch, 26. August 2009

Eintracht-Schnipsel (14.-26. August) - Jetzt abber wirklich erster Heimsieg-Edition

14. August 2009
Nach dem Spiel in Bremen erscheint die neue Saison in strahlendem Licht. Morgen gegen den Club. Der erste Heimsieg ist fest eingeplant. In der Abenddämmerung hängt der Himmel über dem kleinen Ort, an dem ich lebe, voller Geigen. Na ja: So ähnlich.

Heute Journal. Schrecksekunde. Was ist das? Warum um des Himmelswillen hält Angela Merkel eine Rede vor rotverbrannten, spärlich bekleideten Menschen?? Ach so. Da hätte man ja gleich drauf kommen können. Frau Merkel holt die Menschen da ab, wo sie gerade sind: Auf dem Campingplatz. Und sie erzählt Ihnen etwas über die Zukunftsaussichten Deutschlands. Wie die wohl sein werden? Wenn ich mir die Fernsehbilder anschaue: Nicht gerade rosig.

15. August
Über die Welt spannt sich eine heiße, blauhimmelige Glocke. Shane Mac Gowan und wir schweben im fatzeheißen Auto Richtung Waldstadion. Parken am Waldrand, eingewiesen von einer pingeligen Polizistin. Egal. Steige aus und habe, trotz Hitze, Gänsehaut. Die Stimmung rund ums Stadion ist fast unwirklich – heiter, beschwingt, erwartungsfroh, relaxed. Überall Trauben von rotundschwarzen Menschen, Stimmengewirr, die Bratwurststände dampfen, der Äppler fließt. Im Stadion ist mir dann ein wenig flau, aber das wird am Wetter liegen.

Seitlich von uns sitzt heute ein Eintrachtler, dessen kleine Tochter von der Kapp bis zu den Söckchen in Eintracht-Klamotten steckt. Die Meisterschaftschoreo ist zum Heulen schön, das 1:0 durch Caio-Ama-Meier-Caio ebenfalls. Das war es dann leider auch schon. Fast Tabellenführer. Ist doch auch was. Aber die Geigen hängen heute schon wieder tiefer.

Die ARD berichtet, dass Bundespräsident Klaus Köhler die Leichtathletik Weltmeisterschaft eröffnet hat. Macht ja nix. Wir ahnen eh, wer gemeint ist. Und so eine Namensverwechslung kann schon mal vorkommen. Wie wär’s zur Richtigstellung mit einem Film: „Horscht Köhler. I kandidier nomol.“

16. August
Erst der zweite Tag der Leichtathletik-WM und gleich ein Höhepunkt: Die 100 Meter der Herren. Vor Beginn des Halbfinales muss Zeit überbrückt werden. Dem Reporter geht der Stoff aus und er verwirrt sich in immer komplizierteren Satzkonstruktionen „ … wohnend in den USA, aber trainierend in….“ Wir blödeln herum. „Rennend will er siegen.“ „Der Sieg ist ein einzuheimsender.“ Auf Lateinisch: ‚Ceterum censeo titulum esse einzuheimsendum.“ Das Einheimsen übernimmt dann zwei Stunden später Usain Bolt. Neuer Weltrekord. 9,58 Sekunden. Wow. Früher hätt mer gesagt: „Der läuft wie gedoppt“ – heut muss man vorsichtig sein mit so was. Könnt ja einer annehmen, man meint es ernst.

Think pink. Keine Leuchtreklame. Kein Panther. Kein Schal. Einfach nur die
Auswärtstrikots des VFL Bochum. Kann man als Spieler eigentlich für so was Schmerzensgeld verlangen? Und als Fan?

17.8.
Ein Fred im Eintracht-Forum erinnert daran, dass die Eintracht heute vor genau 35 Jahren
zum ersten Mal den DFB-Vereinspokal gewonnen hat. Auf dem Weg zum nächsten Pokalsieg werden wir im September auf Alemania Aachen treffen. Die verlieren heute - zur Einweihung des neuen Tivoli – erst einmal mit 0:5 gegen St. Pauli. Das ist bitter. Mmh. Is ja nicht so, dass man als Eintrachtler nicht weiß, wie sich so ein 0:5 anfühlt.

Was macht eigentlich Bob Dylan? Klar, er ist - wie immer - irgendwo auf Tour. Wie es aussieht, stapft er zwischendurch in Regenmantel, Gummistiefeln und Kaputzenshirt durch dunkle, verregnete Straßen und begutachtet Häuser und Gärten. „It ain’t me Babe.“ Oder etwa doch?

18.8.
Es ist heiß. Die Leichtathletik-WM ist in vollem Gang. Der Reporter vermeldet, dass drüben auf der Gegengerade gerade die drei Springer ihren Endkampf durchführen. Nur drei? Und was machen die anderen?

19.8.
Der Bruder von Dede absolviert bei der Eintracht ein Probetraining. Hat sich wahrscheinlich rum gesprochen, dass wir für Brasilianer ein gutes Händchen haben. Heller und Toski werden allerorts charmant als „Ladenhüter“ bezeichnet, während Bajramovic freiwillig mit der U23 aufläuft, um Spielpraxis zu bekommen. Maddin zwackt es wieder an der Leiste. Mist.

Schnitt nach Berlin. Vorstellung der Läufer im 400-Meter-Halbfinale. Einer ist Musiker – er bläst in seiner Freizeit die Tuba und die Trompete. Der Reporter fährt fort: „Und jetzt will er hier seinen Gegnern…“ Ich halte kurz die Luft an. WAS will er seinen Gegnern...??? Der Reporter stockt einen Moment und vollendet dann seinen Satz: „…den Marsch blasen.“ Uff. Grad noch mal die Kurve gekriegt!

Borussia Dortmund trägt anlässlich des 100. Vereinsjubiläums ein Freundschaftsspiel gegen Real Madrid aus und verliert mit 0:5. Schon wieder dieses Ergebnis bei einem unserer nächsten Gegner. Ob da geheimnisvolle, zahlenmagische Kräfte walten? Und wenn ja: Wohin? Und für wen?

20.8.
Vor einigen Tagen wurde der Eintracht-Film
„Träume in Schwarz und Weiß“ vorangekündigt, der am 16. September ein einziges Mal im Kino (im Metropolis in Frankfurt) gezeigt werden wird. Unterdessen findet Friedhelm Funkel, dass die Eintracht – ebenso wenig wie unser nächster Gegner aus Köln – irgendeinen Anlass zum Träumen habe. Ach, Friedhelm, du immer und ausschließlicher Realist. Doch. Haben wir. „We are all free.“ Und zumindest träumen können wir, was wir wollen.

22.8.
Die Eintracht erkämpft mit zehn Mann ein 0:0 beim FC P, und auch Alex Meier gewinnt in letzter Sekunde. Zwar nicht das Spiel, aber zumindest die uneingeschränkte Sympathie eines mit uns vor dem Fernseher sitzenden Kölner Mit-Adlers. Ha ha. Und schon wieder ungeschlagen SGE. Die Ereignisse vom Bruchweg bekommen wir nur am Rande mit. Muss das wirklich sein? Es muss und verheißt, ähem, närrische Stimmung für das Fest, zu dem wir heute Abend fahren. Dort wird nämlich eine Überpopulation von 05ern erwartet. Hilfe.


Die ersten Hochrechnungen zur Sitzverteilung im rheinhessischen Festzelt ergeben folgendes Bild.
  • Stärkste Fraktion: Die 05er. Nun ja. Stimmungslage: Obenauf.
  • Grade noch ins Zelt gerutscht: Der FCK. Stimmungslage: Zwiespältig. („Ah, hallo – lang net mehr gesehn. Und?“ „Ach, frag net. Ich war schon lang net mehr obbe. Vor drei Jahren – da han mir geeesche die Offebächer gespielt. Des war des schlechteste Fußballspiel, das ich je gesiehn han.“ Das kann man so stehen lassen.)
  • Zwischen den Fraktionen: Ein Fußball-Interessierter, den es ins Schwäbische verschlagen hat. Gelegentliche Besuche im Neckarstadion (Stimmungslage: zufrieden-optimistisch), ergänzt durch Stippvisiten beim VFR Aalen. Ex-Verein von Euro-Eddi und Ex-Trainer-Manager Kohler. Fest in der Hand des Ortsmoguls Scholz und trotzdem nicht erfolgreich. Überall: Scholz. Scholz. Scholz. Klitzeklein am Eingangshäuschen dann doch noch ein Schildchen: VFR Aalen. Immerhin.
  • Kleine, renitente, aber qualifizierte Minderheit: Eintracht Frankfurt. Stimmungslage: Kämpferisch. Wie immer. Wie sonst?

Das war’s dann mit dem Fußball-Patchwork? Noch nicht ganz: Da ist auch noch ein englischer Bekannter. Eingefleischter Liverpool-Fan, der – wie wir alle – ein wenig überrascht darüber ist, dass die Roten *freu&staun* Sotos verpflichtet haben. Wir sind uns einig: Die wichtigsten englischen Vokabeln für den zwischenmenschlichen Kontakt auf dem Rasen beherrscht er.

24.8.
Die Mainzer Allgemeine Zeitung berichtet, dass zum Spiel in Mainz auch einige Münchener Problemfans angereist seien. Einer war im Zug von Polzisten festgehalten worden, drei andere fühlten sich berufen, ihren Kumpel zu befreien. Drei Polizisten wurden leicht verletzt und mussten ihren Dienst abbrechen. Huch. Wie sang einst
Georg Kreisler? (Sorry, weiß schon. Keine Gewalt - aber der musste einfach sein **gg)

„By George“ – so heißt das Parfum des englischen Tourismusverbandes, das nach Meer, Minze, Mohrrüben und frisch gemähtem Gras – also angeblich nach England – riecht. Ralf Sotscheck empfiehlt in der TAZ, doch vielleicht noch eine Prise „Odeur du Kotz“ beizufügen, damit auch der
Samstagabendgeruch britischer Innenstädte authentisch abgebildet wird.

Wie riecht eigentlich Fußball? Wie riecht das Waldstadion? Nach Schweiß. Salzigen Tränen. Staub. Gras. Bratwurst. Bier. Äppler. Himmel. Angst. Glück. Und wie riecht Glück? Unterschiedlich. Ganz unterschiedlich.

25.8.
Der rothaarige Troll in der irischen Sage, die
Henni Nachtsheim in Erinnerung an seine Kindheit erzählt, beißt zwar ein ums andere Mal dem Falschen ein Ohr ab, geht aber am Ende trotzdem ohne Strafe aus. Der rothaarige Spieler im Dress der Eintracht wird dagegen für vier 4 Spieltage gesperrt. Das ist happig. Aber vermutlich würde heutzutage auch der Troll beim DFB keine Gnade finden.

Auch Oka Nikolov sorgt heute für Mini-Schlagzeilen. Er fehlt nämlich beim Training, aber mit Entschuldigung. War zur Einschulung seiner kleinen Tochter. Oka, wir lieben dich.

Nach Tagen der Schwüle setzt abends endlich Regen ein. Heute riecht das Glück grün.

26. 8.
Union Berlin, Tabellenführer der 2. Liga, tritt heute abend im Testspiel gegen den FC Bayern München
ohne den Schriftzug seines bisherigen Hauptsponsors ISP an, dessen Geschäftsführer ein Stasi-Offizier gewesen sein soll. Konsequenz statt Millionen. Eisern Union.

Das Spiel gegen Dortmund wirft allmählich seine Schatten voraus. Michael Skibbe sammelte seine ersten Erfahrungen als Bundesliga-Trainer beim BVB.
Edwin Boekamp war einst Jugend-Koordinator bei Borussia Dortmund und ist auch heute noch in der Hobbymannschaft des FC Bine aktiv. Bine. Ja genau – ohne „e“ – also wie z.B. FC Ader. 100 Jahre werden sie in diesem Jahr, die Dortmunder. Über 50.000 Dauerkarten wurden verkauft, der Umsatz gesteigert und – gemäß Bilanzpressekonferenz von letzter Woche – trotzdem im vergangen Jahr ein Minus von knapp 6 Millionen Euro erwirtschaftet. Das ist etwas mehr als die Summe, die in der vergangenen Spielzeit für erhöhte Personalaufwendungen aufgebracht werden musste. Erst seit dieser Saison neu im Team ist der Welttorjäger „Lukas“ Barrios, der bisher für die Dortmunder noch nicht getroffen hat. Tinga fällt verletzt aus, Kehl ist noch nicht wieder fit, Subotic (einer der insgesamt drei Ex-Mainzer, die Jürgen Klopp zum BVB geholt hat) muss noch mit dem DFB rechnen. Im BVB-Forum wird ein Sieg gegen die Eintracht zur Pflicht erklärt und vor allem vor Ama gewarnt.

Oberste Pflicht beim
Umgang mit Bienen: Ruhe bewahren und nie nach den Tieren schlagen. Hektische Bewegungen vermeiden. Oder so schnell zuschlagen, dass ihnen keine Zeit mehr zur Verteidigung bleibt. Schwarze Kleidung mögen sie übrigens nicht. So ein Pech aber auch.

Um es kurz zu sagen: Vor diesem Spieltag liegt die Borussia hinter der Eintracht. Ich gehe fest davon aus, dass das auch am Samstagabend noch so ist.

Nachtrag am 27.8.09:

Lebbe geht weiter - und das gilt auch für die Schnipselei: Schnipsel-Fortsetzungen gibt es künftig an jedem zweiten Mittwoch, die nächsten also am 9. September. Und dazwischen wird sich sicher auch noch das ein oder andere tun. Ungeschnipselt :-)

Kommentare:

  1. Um es kurz zu sagen: Ich auch! :-)

    Sehr schöne Schnipsel, die ein paar Kommentare mehr verdienen. Mal sehen, was sich da machen lässt. ;-)

    Gruß vom Kid

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  2. Eieiei - da muss ich mich wirklich erst dran gewöhnen, dass das "Leben" hier im Blog manchmal einsam sein kann ,-). Deswegen lieben Dank für den netten Kommentar. Und ein herzliches Dankeschön auch an andere unbekannte leser, die ja möglicherweise ebenfalls die Schnipselspur bis hierher aufgenommen und mitgelesen haben :-)

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  3. Ja, diese Form der "Einsamkeit" ist mir nur zu gut bekannt. Das liegt auch daran, dass die Leser/innen oft gar nicht wissen, welche Freude sie der Autorin/dem Autoren mit einem "Fingerabdruck" machen - und sei er noch so flüchtig. :-)

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  4. Ein Tipp: Du könntest auch anonyme Kommentare zulassen. Bei denen muss sich zum Kommentieren nicht erst anmelden, kann aber im Text seinen Namen hinterlassen. :-)

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  5. Deine Eintracht-Schnipsel sind wie immer köstlich.
    Ich werde sie auf jeden Fall regelmäßig lesen.
    Viel Glück bei deinem Blog-Abenteuer wünscht dir FräuleinAdler

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  6. Hallo Fräulein Adler, wie nett dass du hier auch dabei bist - da freu ich mich sehr :-) Und von wegen Abenteuer: Ja, so ein bisschen was davon hat es - ich bin auch sehr gespannt!!

    @Kid: Danke!

    Und als allgemeiner Hinweis: Wenn ich alles richtig gemacht habe, müsste das Kommentieren jetzt auch mit URL/Name möglich sein, hoffe ich mal…*g (Gruß an Fritsch :-)

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  7. Nun denn ... meine Begeisterung kennt keine Grenzen mehr. Wunderbare Schnipsel & die Möglichkeit der Kommentarabgabe. Damit enden dann doch hoffentlich auch die Momente der "Einsamkeit".

    Vielen Dank für diese Schnipsel (eine wahre Freude)!

    Viele Grüße & endlcih Heimsieg,
    Fritsch.

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  8. Hier liest sich das irgendwie noch schöner.
    DAnke für schöne Schnipsel.

    DA

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  9. Ah, jetzt kann man sich bemerkbar machen. Danke bis hierhin; ein Landepunkt, von dem aus es gleichweit zur Eintracht und zu Dylan ist: Großartig.

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  10. Das wär ja wirklich furchtbar gewesen, wenn meine doch (noch!) eher rudimentären blogeinstellungstechnischen Fähigkeiten euch am Kommentieren gehindert hätten :-) Vielen Dank an Kid und Fritsch, die mich darauf aufmerksam gemacht haben.

    @DA: Danke :-) Und - ja, mir gefällt’s hier auch ganz gut *g – freu mich drauf hier weiter zu basteln, werde aber sicher auch weiterhin im Forum dabei sein. @ owlader: So soll es sein :-) Mit Eintracht und Bob - together through life. Das geht gar net anners. Da geht’s mir wie dir :-)

    Ansonsten: Was für ein Wetterchen heute. Genau richtig zum ...Siegen! Abgemacht!

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