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Wir!

Mittwoch, der 18. Mai 2022. Nein, ich bin nicht in Sevilla. Und ich bin auch nicht beim Public Viewing im Waldstadion (obwohl ich mir in zähem Kampf mit der Registrierungssoftware ein Ticket erkämpft habe). Ich habe zum Glück frühzeitig registriert, dass dort nicht einfach zusammen geschaut und mitgefiebert, sondern eingeheizt werden soll. Schals nach oben. Seid ihr bereit? Och... nö.... Flashback Rückspiel gegen Westham im Waldstadion.  Ich habe die Hoffnung, heute ein richtiges Fußballspiel zu sehen, und weiß schon nach einigen Minuten, dass sich das nicht erfüllen wird. Jede Ballberührung, jeder Ballkontakt eines West Ham-Spielers wird niedergepfiffen und niedergebrüllt. Das ist Leidenschaft. Das ist Euphorie. Wixxer. Arschloch. Stinkefinger. Verpiss dich. F*tze. (Hä?) Und nochmal: F*tze. Halbzeit. Ich sitze mit einem Becher Wasser auf einem Mäuerchen hinter der Haupttribüne. "Völlig losgelöst von der Erde" klingt es aus dem Stadioninnern und in mir tobt ein Gefühlswirrwar...

Adler mit Warnweste

Gestern morgen habe ich in der Zeitung eine überraschende Notiz gelesen. Es wurde berichtet, dass Autofahrer irgendwo im Hessischen sehr irritiert waren, weil vor ihren Autos plötzlich ein Huhn über die Straße lief.  Nicht das Huhn selbst war Auslöser der Irritation, sondern seine Bekleidung: Es trug eine Warnweste. Vor Lachen habe ich fast den Kaffee, den ich im Mund hatte, über den Tisch verspritzt. Huhn mit Warnweste. Man stelle sich vor: Ein Huhn, das seinen morgendlichen Ausflug plant und vorher noch die Warnweste überzieht. Sicherheit muss sein. Und  (schon mit einem Gedanken in einem nachfolgenden Zoom-Call mit Kolleg'*innen aus Londen) höre ich das Huhn sprechen: "What is wrong with wearing a high-visibility vest?" Was dann folgte, war ein sehr stressiger Tag, an dem zwischendurch immer mal wieder die Hühner mit ihren Warnwesten durch meinen Kopf gegeistert sind. Und dann war Wochenende. Freitagabend. Die Eintracht spielt zuhause gegen Bielefeld. Ok, Bielefeld übe...

Die 12 beim Geisterspiel

Letzte Woche, beim Spiel der Eintracht gegen den BVB, habe ich mich gefreut. Nein, nicht über das Ergebnis, aber vorher (als es noch so aussah, als ob wir den Sieg vielleicht über die Runden bringen könnten) über die Anfeuerungsrufe, die deutlich zu hören waren und durchs Stadion schwappten.  Anfeuerungsrufe? Schwappen? Es war doch keiner da... Ok, schwappen ist vielleicht etwas übertrieben, aber der Wechselgesang war so deutlich zu hören, dass ich fast so was wie Gänsehaut davon bekam. "Eintracht"  "Frankfurt". Nochmal: "Eintracht" - "Frankfurt". So hallte es durchs leere Stadion. Wahrscheinlich einige halb- oder ganz Offizielle aus dem Mannschaftsumfeld, die wegen eines Jobs oder einer Funktion trotz Geisterspiel im Stadion sein konnten und mit den vorhandenen Mitteln versuchten, der Mannschaft da unten das 12.Mann-Gefühl und damit das extra Quäntchen mitzugeben, das nötig ist, um aus einen knappen Vorsprung gegen einen bärenstarken Gegner am E...

Alles neu?

Da sind wir also wieder   in einem neuen Jahr gelandet. In der Neujahrsnacht haben wir den Zauber des Neuanfangs gespürt, uns über vereinzelte Glitzerstreifen am Himmel gefreut, liebe Menschen fest unmarmt, gute Wünsche in den Himmel fliegen lassen und mit unserem Glas Sekt in der Hand vielleicht ein wenig nachdenklicher als früher, aber zuversichtlich nach vorne geschaut. Still crazy. Immer noch da. So viele Pläne. Eine Woche später scheint das neue Jahr sich schon etwas weniger verheißungsvoll zu präsentieren. Nicht nur wir, auch Corona und alle seine mutierenden Verwandten sind immer noch da und nehmen zusammen mit wissenschaftlichen Experten aller Länder, mit Tweets und Talkrunden neue Fahrt auf. Inmitten der vierten Welle schauen wir schon voraus auf die fünfte und lernen aus täglich neuen Detailstudien, dass Omikron sich so aber auch ganz anders auswirken kann. China sperrt seine Menschen ein, damit die Welt sich demnächst ungetrübt an makellosen olympischen Spielen erfreuen ...

And now it is Christmas...

Ja, ist es denn schon wieder so weit? Ja, es ist, und wir sind schon wieder oder immer noch, immer noch im Ausnahmezustand. Und das heißt auch: Wir sind mal mehr, mal weniger zuversichtlich. Wir denken, träumen, hoffen, haben es eilig oder lassen uns Zeit, wirbeln, lernen, begreifen, entdecken, nehmen uns Dinge vor und vergessen sie dann doch wieder, denken, sind glücklich oder traurig oder neugierig, machen Pläne und verwerfen sie wieder, zweifeln, sind stark oder ängstlich oder zuversichtlich. Und wir wundern uns mal mehr,  mal weniger - über die Welt, das Virus und die Eintracht.  Aber jetzt machen wir damit erst mal Pause. Noch ein letzter lustiger Podcast mit wichtigen Analysen zum Abschlussverhalten in der Box oder mit den lalleraller neuesten Transfergerüchten. Noch das  Päckchen mit dem Eintracht-Gartenzwerg zur Post bringen. Das Hinti-Buch in Adler-Papier einwickeln, einträchtliche Weihnachtsgrüße per whats app verschicken, ein Bild vom Weihnachtsbaum mit den rot...

Oh, wie ist das schön...

Wow. Wow. Wow. Wahnsinn. Unglaublich. Nicht zu fassen. Comeback-Kids. Mannschaft der Stunde. Irre. Aufholjagd. Never give-up. Kreisch. Hüpf. Jubel. Ich glaub, ich träume. Waaaaaaaaaaaaaahnsinn.  Und einmal mehr bringt die Eintracht mich an meine Grenzen. Wie konnte ich nur einen Moment an dieser Mannschaft zweifeln? Schande über mein Haupt. Kein Blumentopf? Elfter? Dümpel? Lindström zu schmächtig? Borré zu ballverliebt? Glasner zu verkopft?  Kein Stürmer? Kostic und sonst nicht viel? Europa hui, BuLi pfui...?  Keine Konsequenz vor dem Tor? Gruppendynamik - ha ha? Ach, was. Blind waren wir. Alle. Nehmt das, all ihr Kleinmütigen. Was für eine Mannschaft. Der große Fußballgott, der, wie wir wissen, im Herzen ein  Adler ist, hat uns den Kopf zurecht gerückt. Wie ein Vexierbild waren die Bilder gestern übereinandergelegt: Im Vordergrund die Bank der Gladbacher, davor unser deutlich angeknockter Ex-Trainer, direkt daneben, im Hintergrund, die Eintracht-Bank mit Trauben von...

Adventsschnipsel (2): Garantiert garantielos.

Die Eintracht bleibt ihrer Linie treu – wackelig in der Liga, erfolgreich (wenn auch nicht wirklich überzeugend) auf europäischer Ebene. Die Niederlage in Hoffenheim hätte nicht sein müssen, hat  aber einmal mehr gezeigt, dass es für uns in der Bundesliga in diesem Jahr echt schwer werden wird, mehr als einen Blumentopf – sprich einen Platz irgendwo im einigermaßen gesicherten Mittelfeld (Elfter?) – zu ergattern.  Aber da ist ja zum Glück noch Europa. Hätte nicht gedacht, dass wir es schaffen bei Fenerbahce den Gruppensieg und die Pause bis März noch klar zu machen, aber wer kann schon verlässliche Prognosen anstellen, wenn Europas beste, aber auch unberechenbarste Mannschaft auf dem Platz steht. Schon zur Halbzeit war ich  (gestärkt auch durch den Blick nach Antwerpen) recht sicher, dass da nichts mehr anbrennt. Ähnlich dachten sich das wohl auch die Jungs auf dem Platz und entsprechend ermüdend war das Ballgeschiebe in der zweiten Halbzeit. Egal, klar. Hauptsache durch,...