Sonntag, 18. Oktober 2020

Länderspielpausen-Corona-Schnipsel. Na ja, na gut, na dann...

Alles zurück auf Anfang. Da sind wir wieder, zwischen Zahlen, Prognosen und Listen mit Toten. "Es wird ein langer, harter Winter" und - ja, wir wissen es jetzt - "das Virus" bleibt uns noch lange erhalten. Nur gut, dass das jeder täglich in immer anderen Worten betont und neue Regeln daraus ableitet. Lang, hart, ok. "Die Bevölkerung" (Karl Lauterbach) versteht das. Sie versteht auch, dass wir daran selbst schuld sind, also nicht "wir", sondern "die", also diejenigen von uns, denen wir die Schuld zuweisen. Die, die feiern, Die, die dauernd überall hinfahren. Die Covidioten, Maskenverweigerer.  Wenn die nicht wären... Immer gut, wenn man ein Feindbild hat. Ist das Virus ansteckender, wenn ein Kind in drei Meter Abstand ein Rad schlägt? Wird das Aerosol beschleunigt, wenn ein, zwei oder drei Hunde  im Nachbargarten bellen? Und stimmt es, dass die für schwere Erkrankungen nötige "Virusladung" halbiert wird, wenn ich meine Maske dreimal täglich wasche? Die Wissenschaft wird neue Studien erstellen und es dann schon herausfinden. Bis es soweit ist, trage ich Maske, halte Abstand, arbeite, lese, schaue in den Sternenhimmel und streife zwischendurch auch bei Regen und Wind durch Äcker und Wälder. "Irgendwann werden wir wieder feiern, das wird ein froher Tag", so ähnlich hat es Angela Merkel neulich formuliert, aber erstmal wird (wir erinnern uns) der Winter  lang und hart.  Und: die Welt wird auch nach dem Virus nicht mehr so sein wie sie war. (Okeh, das hat (noch) niemand gesagt,  ist nur meine ganz persönliche Prognose).

Prognosen und Wechsel

Aber zurück zum Fußball und zu vermeintlich einfacheren, sicher aber weniger weitreichenden Prognosen. Einfach sind Vorhersagen immer dann,  wenn sie zu einem Zeitpunkt angestellt werden, an dem  man bereits weiß, wie die Dinge sich entwickelt haben. Zum Beispiel ist es einfach, der Eintracht eine gute Saison vorherzusagen, wenn sie nach drei Spieltagen auf Platz drei steht, schwieriger wäre es, wenn, sagen wir, alle drei Auftaktspiele, wie in Köln, Mainz oder Gelsenkirchen, verloren gegangen wären. So würde ich den Mainzern, Stand jetzt (nachdem auch das vierte Spiel zuhause gegen Leverkusen in die Hose gegangen ist), zweifelsfrei eine äußerst schwierige Saison prognostizieren. Und für die Eintracht stehen - trotz Testspielpatzer -  alle Prognosezeichen auf Optimismus. "So können wir um Europa mitspielen." Können wir? So ganz richtig traue ich, auch nach dem Sieg beim Big-City-Club, dem Bas Dost-Braten noch nicht.

Kurz vor Transferschluss wurde letzte Woche überall noch einmal Staub aufgewirbelt und es wurden zahlreiche Last-Minute-Verpflichtungen gemeldet. Köln holt "unseren" Marius Wolf, Bayern holt (Achtung: Trend!) überraschenderweise  Douglas Costa und den Ex Mainzer Choupo-Moteng, der dann auch beim Viertligisten Düren gleich seine Premiere in der ersten Mannschaft der Bayern feiert. Man wird sehen, wie viele Spiele noch folgen. Sebastian Rudy wechselt bereits zum dritten Mal nach Hoffenheim. Die Eintracht verabschiedet Felix Wiedwald und Simon Falette ("Danke, Felix!" / "Danke, Simon!") und holt Amin Younes, über den ich recht wenig weiß, der aber offensichtlich ein technisch versierter Fußball er ist und von vielen als genau die richtige Verstärkung gefeiert wird.  Auch wenn er noch Trainingsrückstand hat, auch wenn es ein weiter Weg sein wird. Na gut - wir werden sehen.

Wer wird Millionär (oder ist es schon?)

Länderspielpause. Auch viele Eintrachtspieler sind in aller Welt unterwegs und das deutsche Team absolviert drei Länderspiele. Was ist bei mir davon hängen geblieben?  Ein Foto von einem Selfie, das ein Fan vor einem Hotel mit Jogi-Löw gemacht hat - beide mit Maske.  Da zahlt sich Jogis Frisur doch mal richtig aus - man konnte sofort eindeutig erkennen, welcher von beiden der Bundes-Jogi ist. Und ich denke daran, dass "die Mannschaft"  (inklusive Kevin Trapp) zu Gast bei "Wer wird Millionär war?" Eine Imageaufbesserungsundfanszurückgewinnaktion? Volltreffer. Also.... falls es darum geht, einen Ausschnitt der Zielgruppe Ü50 zu erreichen. "Eigentlich ist es gar nicht so schlecht ohne Fans im Stadion. Da kann man sich besser auf das Spiel konzentrieren," sagt Joshua Kimmich und erzählt, dass bei ihm zuhause immer alles total ordentlich und picobello sauber sein muss. Sein Scheitel sitzt makellos. Da weiß ich doch wieder, warum er mir schon immer so sympathisch war. Wirklich erstaunt bin ich über Kevin Trapp, der mich an den Jungen erinnert, in den wir als Teenies alle verknallt waren. Er sah sehr gut aus, wirkte immer megacool und sprach wenig. Wir alle wollten gerne herausfinden, welche tiefen und klugen Gedanken sich hinter seiner Fassade verbergen, wurden aber alle nicht fündig. Da fällt mir ein...Wie sind die drei Spiele eigentlich ausgegangen? (Scherz...)

Words.

Mit den steigenden Corona-Zahlen und der Rückkehr zu "drastischen" Regeln gibt es auch wieder viele Wortneuschöpfungen zu bestaunen. Die "Sperrstunde" ist eher ein Relikt aus früheren Zeiten, klingt für mich - wenig vielversprechend -  nach Krieg und Verdunklung. Besonders befremdlich begegnet mir - ganz unabhängig von der inhaltlichen Bewertung - der Begriff "Beherbergungsverbot", der - wie alle neuen Begriffe der letzten Wochen - blitzgeschwind und unhinterfragt in den allgemeinen Sprachgebrauch integriert worden ist. "Bist du für oder gegen das Beherbergungsverbot?" Mmh. Bin ich die einzige, die bei "Herberge" an Weihnachten denkt und an die beiden Menschen, die damals vor 2000 Jahren, in Bethlehem eine Unterkunft gesucht haben und vom Beherbergungsverbot betroffen waren? Und bin ich die Einzige, die beim "Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten" an Flüchtlinge denkt? Was im Corona-Zusammenhang einen inhaltlich sinnvollen Bezug  haben mag und als Schutz gemeint ist, klingt objektiv betrachtet als sei es direkt dem Wörterbuch des Unmenschen entsprungen. Im Wortsinn sind (oder waren?) es doch irgendwann mal die Menschen aus Risikogebieten, die besonders dringlich beherbergt werden sollten. Strange times.

Leere.

Am 4. Bundesligaspieltag sind die Stadien zum Teil wieder leer oder nur mit ein paar hundert Fans besetzt. Heute Nachmittag beim Spiel der Eintracht in Köln sind es (vielleicht) 300. In Berlin waren es gestern 4.000, aber die durften  nicht singen oder ihre Mannschaft anfeuern. Pfeifen nach dem Spiel war anscheinend erlaubt. In Bielefeld beim Spiel gegen die Bayern war das Stadion leer. Wie gesagt: Joshua Kimmich findet das eigentlich ganz gut. Na dann hat er ja Glück gehabt.

Von Idioten, Bären und Masken.

Ähnlich wie Campino, der  (so las ich in der Zeitung) einen Psychologen kontaktiert hat, um abzuklären, ob das mit seiner Fußballleidenschaft so seine Richtigkeit habe. Ist es normal, dass er so viel Zeit mit Fußball verbringt? Oder ist er vielleicht ein Idiot? Spätestens nach dem Besuch beim Psychologen lässt sich diese  Frage recht einfach beantworten. Vielleicht war die Meldung aber auch einfach nur ein Teaser für das Buch, das er gerade veröffentlicht hat. 

Noch eine Zeitungsmeldung: Jumbo Jet wird zum dicksten Bären Kanadas gewählt. Stutz? Ist das eine Metapher oder eine verklausulierte Botschaft? Geht es um Trump? Nee, der Bär heißt einfach so, er konnte es sich halt nicht aussuchen.

In Berlin - so entnehme ich dem Foto einer Freundin auf Instagram - gibt es jetzt bereits Automaten, in denen man sich "gegen kleines Geld" Mund-Nasenschutz-Masken ziehen kann. Masken aller Art - bunt, einfarbig, Einweg, mehrfach nutzbar - statt Snickers und Mars, Sandwiches oder Dosenbier: Masken. Na ja. Für die gibt es ja auch keine Sperrstunde. 

Memento mori.

Kein Schwimmbad mehr, den Sommer über durchgearbeitet. Wir gehen unverdrossen und begeistert weiter auf Entdeckungstour in Rheinhessen. Einen bestimmten Ort anvisieren, Thermoskanne einpacken, losfahren, den Schildern auf zum Teil verschlungenen Pfaden durch Dörfer, Wälder, Äcker und Weinberge folgen, aussteigen, laufen, schauen. An einem regenverwehten Tag an der Udenheimer Bergkirche stürmt der Wind über die schon kahlen Äcker, Bäume schmiegen sich an die kleine Kirche, am Horizont in leichtem Nebel zeichnen die Konturen von Taunus und Odenwald und am Plateau um die Kirche herum geben alte Grabmäler und Steine Zeugnis von vergangenen Zeiten. In die Büsche gekauert ein zierlicher Stein mit dem ein Elternpaar seiner verstorbenen Kinder gedenkt, Settchen wurde vier Jahre alt, fünf weitere Kinder starben wohl direkt nach der Geburt. Aloysius, Appollonia, Magdalena, Friedrich... geboren und gestorben im Jahr 1888. Am Gittertor zur Kirche erstaunt uns ein Schild - und wir freuen uns, dass wir unser Pferd heute nicht dabei haben.

Von Ziegen  und Wölfen.

Ob in Köln das Eselverbot ebenfalls gilt oder eingehalten werden kann, lässt sich nicht einwandfrei nachvollziehen. Sicher ist, dass wir dort Ziegen und Wölfen begegnen werden.  "Unleash the woolf" unter diesem Motto ist Marius Wolf vor zwei Jahren aus Frankfurt in Richtung Dortmund aufgebrochen. Heute sehen wie ihn wieder in Köln, und ich vermute, dass seine Selbstvermarktung dort und heute etwas weniger vollmundig ausfällt. Die Ausgangssituation vor dem Spiel ist ziemlich eindeutig. Köln muss gewinnen, um nicht schon frühzeitig und vollends in den "nach unten"-Trend gezogen zu werden. Wir können mit einem Sieg Platz 2 anpeilen und vor dem Spiel bei den Bayern unseren Spitzenplatz festigen. Martin Hinteregger kann spielen Andre Silva ebenfalls.  Meine Prognose:  Die Eintracht beginnt verhalten, kommt aber immer besser ins Spiel. Köln ebenfalls vorsichtig, man merkt ihnen die Verunsicherung an. 17. Minute: Kamada steckt den Ball steil durch auf Dost - 1:0. Das Tor ist wie ein Startschuss für Köln, die jetzt ihre Vorsicht ablegen und ungestüm auf das Eintracht-Tor anrennen. Die Eintracht wankt, aber hält Stand. Der Sturmlauf der Kölner wird  - kurz vor der Pause -  belohnt: Ausgleich durch Wolf, aber die Freude währt nichts lang, denn die Eintracht kommt gestärkt aus der Pause zurück. Ecke auf den mit aufgerückten  Hinti und die erneute Führung. Die Kölner rennen an und vergeben Chance um Chance. Und dann ist da ja auch noch Kevin Trapp. Der steht schweigend und charismatisch zwischen den Pfosten und sichert der Eintracht mit grandiosen Paraden am Ende den Sieg.

Oder?


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