Sonntag, 22. Dezember 2019

Deja vu?

Eigentlich hätte ich das Spiel gegen Paderborn heute gar nicht sehen können - ich war nämlich ab 18 Uhr im Theater. Eigentlich. Denn im Foyer wurde uns nach Ankunft mitgeteilt, dass die Aufführung krankheitsbedingt leider entfallen müsse. Sehr sehr schade, aber nicht zu ändern und so fuhren wir durch das regennasse rheinhessische Hinterland zurück nach Hause - nicht ohne vorher eine Bogen über den nahegelegenen Weihnachtsmarkt zu machen, wo wir eine Currywurst verzehrten und mit Blick auf den Dom die Meldung vom 1:0 der Paderborner zur Kenntnis nahmen .

Im Auto  dann die Liveübertragung des zwischenzeitlichen zweiten Tores - eieieiei, Maaaaan, das gibt's doch gar nicht -  und dann konnten wir vor dem heimatlichen Fernseher also auch bildlich einen Eindruck vom Spielgeschehen gewinnen. Von tapferen, gradlinigen, aber spielerisch sehr limitierten Paderbornern. Von einer bemühten, aber hilflosen Eintracht. Filip Kostic unermüdlich und wild. Silva und Sow nach Einwechslungen mit einzelnen hellen Momenten. Aber auch ein merkwürdig aufgelöster Danny Da Costa, Hasebe unsicher und mit vielen Fehlern, ungenauen Zuspielen. Gacinovic gewohnt wuselig und glücklos. Die fast schon gewohnten Ballverluste bei der Ballannahme,  ohne echte Gegenwehr. Bas Dost kraftlos, Felix Wiedwald erkennbar verunsichert, aber mit dem Mut der Verzweiflung. Ewan N'dcka, kraftvoll und mit immer wieder neuen Anläufen, Druck nach vorn aufzubauen. Immer wieder eingeblendet: Adi Hütter, der auf Armin Reutershahn einredet. Armin Reutershahn, der nickt, und irgendwie ins Leere blickt. Der TV-Reporter, der vom der geplanten Florida-Trip berichtet. "Die kurze Pause ist jetzt sicher nicht optimal, aber die Verträge sind unterschrieben." Stimmt, das ist sicher schon vor der Saison geplant worden, als noch kein Mensch wissen konnte, dass wir durch die Qualifikationsrunde bis zum Winter ziemlich viele Spiele auf dem Buckel haben würden...

Der Versuch, sich nach dem Anschlusstreffer noch einmal aufzubäumen. Lange Bälle, ein Distanzschuss von Da Costa. Die Paderborner, die sich mit Mann und Maus wehren, immer wieder gefährlich vor unser Tor kommen und den Sack zumachen könnten. Filip Kostic, der nach einem Fehlschuss am Boden liegt, die Arme über dem Kopf zusammengeschlagen. Adi Hütter, der nach dem Spiel die Bank verlässt und um dessen Mund so etwas wie ein leichtes Lächeln spielt. Bei wem habe ich das genau so schon einmal gesehen? Hilfe, ja genau - bei Armin Veh. (Ich muss mich getäuscht haben).

Fast schon aberwitzig, dass dann direkt im Anschluss an die Übertragung des Spiels die Teilnehmer der nachfolgenden Diskussionsrunde vorgestellt wurden, und als erster Armin Veh im Bild erscheint, noch vor Heribert Bruchhagen. Manchmal gibt es einfach ein paar Zufälle, die braucht kein Mensch.

Und jetzt? Mit einem gewissen Erstaunen lese ich, dass an vielen Ecken bereits die Grundsatzfrage gestellt wird. Der breite, klug zusammengestellte Kader, der Trainer, ja sogar Fredi Bobic - gestern noch bejubelt,  werden heute bereits mit "habe ich doch schon immer gewusst"-Gestus in Frage gestellt und ich muss sagen: Diese so schnell wieder zum Vorschein kommende Fähnchen im Wind-Mentalität von Adler-Fans ärgert mich, obwohl sie ja Wasser auf meine Mühle sein könnte. So nicht. Ein bisschen was muss sich doch geändert haben durch den Pokalsieg und die Erfolge der letzten beiden Jahre. Oder?

Die TV-Diskussion habe ich mir erspart,  mich stattdessen aber noch ein wenig durchs Netz gezappt, Stimmen, Stellungnahmen zum Spiel, auch eine Art Theater. Dabei ist mir dann leider der Schreck noch mal heftiger in die Glieder gefahren. Ich bin nämlich einem weiteren guten, alten Bekannten begegnet: Dem Bock.

"Wenn du in so einem Trend bist, ist es gar nicht so einfach, den Bock wieder umzustoßen." Sagt Fredi Bobic. Und dem ist vorläufig nichts hinzuzufügen.


Kommentare:

  1. Die bessere Lösung wäre es sicherlich gewesen, nach Paderborn zu fahren, dort vor dem Stadion zu erfahren, dass die Vorstellung krankheitsbedingt ausfällt, und dann ins gesunde Theater zu gehen. Naja.

    Eintracht also etwas erkrankt. Guude Besserung, verehrte Diva. Da fällt mir ein: eine Diva stößt selbstverständlich keine Böcke um, und seien es noch so gute alte Bekannte, und holt auch keine Kühe vom Eis. Eine Diva führt einen Salon und hält Hof - und genauso war es gestern auch. Keine Bange aber: sie wird ihre Magie schon wieder entfalten.

    Schön, von der Genesung des Käzzles zu erfahren. Wünsche ihm allzeit genügend Mäuse unter dem Kiel (?). Sohnemann und Verlobte haben sich einen MopsMix zugelegt. Sehr ungestüm, ein Quirl. Rennt gleichzeitig in alle 4 Himmelsrichtungen, mit fliegenden Ohren. Bin ja eher so der Kazzntyp, aber die Kleine ist schon sehr nett. Wenn sie hier in die Diele stürmt, klingt es wie ein Hagelschauer : - )

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  2. ...und da es bei der Eintracht ja wirklich krankt, wäre das tatsächlich ein optimaler Tausch gewesen.

    Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob das Diva-Bild wirklich noch etwas mit der Eintracht von heute zu tun hat. Bist du? Auf und ab. Großartig und niederschmetternd. Ja, das erleben wir immer noch. Aber fehlt zur Diva nicht die Nonchalance oder besser das Laissez faire früherer Jahre - Uwe Bein, Heinz Gründel, Maurizio Gaudino (und weiter zurück auch Thomas Rohrbach, Uwe Trinklein, Grabi, Holz) - dieses "Wir könnten ja eigentlich, wenn wir wollten - aber ob wir wollen? Mal sehen..." Und genau dieses geistige Laissez faire fand ja auch seine Entsprechung bei den Fans. Jeder wusste, dass sie können, wenn sie wollen - und konnte deshalb relativ lässig in Kauf nehmen, dass sie eben nicht immer Bock hatten. Es war klar: Wenn sie dann irgendwann wieder wollen, dann spielen sie alles in Grund und Boden.

    Apropos gute alte Bekannte: Es ist wirklich unglaublich wie nicht nur die Sätze, sondern auch die Protagonisten sich ähneln und sofort wieder Gewehr bei Fuß stehen. Wer meldet sich heute via SGE4ever zu Wort? Der Berthold Thomas, der wie immer dann, wenn alle es ohnehin sehen, sich das Offensichtliche zu eigen macht und als fachkundige Analyse verkündet: https://www.sge4ever.de/sge-kompakt-thomas-berthold-eintracht-hat-mehr-masse-als-klasse/
    Pfff.

    MopsMix, den mag ich schon weil es so schön klingt (erinnert mich an KatzKatzel - so hieß die leider schon lange verstorbene Katze eines Freundes). Jedenfalls: So ein stürmender MopsMix, der mit fliegenden Ohren um den Weihnachtsbaum stürmt - na, das hat ganz bestimmt was :)

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  3. Das war jedenfalls kein schönes Weihnachtsgeschenk, dass uns unsere Eintracht unter den Baum gelegt hat.
    Da kann das neue Jahr eigentlich nur besser werden.

    Ich wünsche Dir und allen Lesern dieses kleinen aber feinen Blogs erholsame Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020.

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    1. Vielen Dank für die guten. Wünsche, lieber Marc. Auch dir eine frohe und friedliche Zeit und alles Gute furs neue Jahr. 2020 - ist ganz real und klingt trotzdem irgendwie scifi-mäßig. Gehen wir es einfach an und schauen, was es bringt und wie es weitergeht. Mit der Eintracht und mit der Welt an sich. Wird schon :)

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