Sonntag, 1. September 2019

Kleines Fußball-ABC - Heute "U" wie "Unterschiedsspieler"


Unterschiedsspieler, der (pl. (selten die); fußballneudeutsch für einen Spieler, der – wie der Name schon sagt – den Unterschied machen und ein Spiel entscheiden kann. Bsp.  → Rebic, Ante (Eintracht Frankfurt) , der in der ersten Runde des DFB-Pokals 2019/20 den aufmüpfigen Drittligisten Waldhof Mannheim quasi alleine in die Knie zwang.“ In der Regel ist der → Unterschiedsspieler ein Offensivspieler, aber auch Defensivspieler „mit einer starken Technik und einem guten Gespür für Räume imOffensivspiel“  können Unterschiedsspieler sein  -  Bsp.  →Baumgartner, Christoph TSG Hoffenhei m), →Kimmich, Joshua (FC Bayern München) oder  →Kostic, Filip (Eintracht Frankfurt), der für seinen Trainer →Adi Hütter derzeit „der absoluteUnterschiedsspieler“ ist. Auch Torhüter  können den Unterschied machen (Bsp. Neuer, Manuel, FC Bayern München), was als Beleg dafür gelten kann, dass auch Spieler, die nicht der Mannschaft von →Eintracht Frankfurt angehören, →Unterschiedsspieler sein können.

Der Begriff →Unterschiedspieler wird gerne verwendet, um zu verdeutlichen, dass man ein Spiel nicht hätte verlieren müssen, dann aber durch die außergewöhnliche Leistung eines einzigen „Unterschiedsspielers“ ausgeknockt wird. Auch Außenseitermannschaften, die in ihren Reihen einen oder mehrere Unterschiedsspieler haben, können so einen vermeintlich stärkeren Gegner schlagen. Unterschiedsspieler kann es in jeder Mannschaft geben, der Unterschied, den der Unterschiedsspieler macht, steht immer in Relation zu den in einem konkreten Spiel gezeigten Leistung und im Vergleich mit den übrigen Spielern auf dem Platz.  Das ist ein wesentlicher Unterschied, der den Unterschiedsspieler vom →Qualitätsspieler unterscheidet, der immer – unabhängig davon, ob er in einem Spiel einen Unterschied gemacht hat – ein →Qualitätsspieler bleibt, während der →Unterschiedsspieler – in einem anderen Spiel, in einer anderen Mannschaft – nicht unbedingt weiterhin ein Unterschiedsspieler sein muss .  Bsp. → Rebic, Ante (Eintracht Frankfurt), der im Hinspiel der Europacup-Play-Off Runde gegen Racing Straßburg kein → Unterschiedsspieler war sondern ein "Rätsel". 

Ein Unterschiedsspieler, der Unterschiedsspieler sein kann, aber noch keine Gelegenheit hatte seine Unterschiedsspieler-Qualitäten unter Beweis zu stellen, ist ein "Unterschiedsspieler im Wartestand". Bsp. Sané, Leroy  (bei der WM 2018 in Russland oder vor der Saison 2019/20 beim FC Bayern München).

Da ein →Unterschiedsspieler den Unterschied machen kann, werden sie von vielen Vereinen verpflichtet. Bsp. →Bebou, Ihlas (als Unterschiedsspieler verpflichtet von der →TSG Hoffenheim), Sararer, Sercan (als Unterschiedsspieler verpflichtet vom Karlsruher SC), Oschmann, Tim (als Unterschiedsspieler verpflichtet von Germania Halberstadt), Joel Zwikirsch (als Unterschiedsspieler verpflichtet von DJK Arminia Klosterhardt), aber auch Kittel, Sonny (als Unterschiedsspieler für die Saison 2019/20 verpflichtet vom Hamburger Sportverein), obwohl er einige Jahr zuvor zwar in der U18 bei →Eintracht Frankfurt, aber nicht in der Profimannschaft und nur bedingt beim →FC Ingolstadt den Unterschied machen konnte.

Ob alle genannten → Unterschiedsspieler den von ihnen erwarteten Unterschied gemacht haben oder machen werden, lässt sich nur im Einzelfall  nachvollziehen.

Historischer Startpunkt für die Ära des → Unterschiesspielers war die WM im Russland im Jahr 2018. Dementsprechend ist der Aufstieg des →Unterschiedfußballers eng verknüpft mit der Krise des Ballbesitztfußballs. Statt das "Ballbesitzmaschinen" ewig weiter im →TikiTaka den Ball hin- und herschieben, ergreift der → Unterschiedsspieler die Initiative und macht etwas, womit keiner rechnet. Bsp. für sehr wichtige Spiele, die durch Unterschiedsfußballer entschieden wurden. Bsp: → Eintracht Frankfurt, Pokalsieger im Endspiel gegen Bayern München am 19.5. 2018 in Berlin mit Unterschiedsspieler →Rebic, Ante,

Manche Länder verfügen über mehr Unterschiedsspieler als andere: Z.B.  Frankreich und Brasilien, im Verglich mit Deutschland, was (Zitat Nico Kovac) daran liegt, dass es in Deutschland keine Trainer gibt, die in der Lage sind potenziellen Unterschiedsspielern bereits im Kindesalter (sic) "entsprechende Übungen vorzuführen", wohingegen andere behaupten, dass der eigentliche Unterschiedsspieler sich seine unterscheidenden Fähigkeiten "differenziell" selbst angeeignet hat. Vgl. hier auch profan (ugs) →Bolzplaz →Straßenfußballer

Aufgabe des Trainers wäre es  im Wesentlichen dann, den Unterschiedsspieler als solchen zu erkennen und zu fördern und die Rollen innerhalb der Mannschaft zu definieren. Der →Unterschiedsspieler dient der Mannschaft, indem er den Unterschied macht, während die Mannschaft dem →Unterschiedsspieler ermöglicht, den Unterschied machen zu können. Was dazu führt, dass "Unterschiedsakteure mittlerweise zu kalkulierbaren strukturellen Größen innerhalb eines Kollektivs geworden sind", was bedeutet dass die "vermeintliche Unkalkulierbarkeit eines Individualkönners" mittlerweile Teil des Matchplans ist. Bsp. →Eintracht Frankfurt, Pokalsieger im Endspiel gegen Bayern München am 19.5. 2018 in Berlin mit Unterschiedsspieler →Rebic, Ante, 

Pendant des →Unterschiedsspielers wäre in diesem Sinne der →Komplementärspieler, der dazu da ist, Räume freizublicken, Wege zu gehen und den Unterschiedsspieler in Szene zu setzen. Bsp. (hist.) →Schwarzenbeck, Katsche, →Wimmer, Hacki und →Breitner, Paul, die für die →Qualitätsspieler →Beckenbauer, Franz und →Netzer, Günther auf dem Platz die Drecksarbeit erledigt haben.  

Aufgabe des Trainers wäre es dann, den →Unterschiedsspieler als solchen zu identifizieren und zu fördern und die Rollen innerhalb der Mannschaft zu definieren. Der →Unterschiedsspieler dient der Mannschaft, indem er den Unterschied macht, während die Mannschaft dem →Unterschiedsspieler ermöglicht, den Unterschied machen zu können. 

Echte→ Unterschiedsspieler sind immer auch →Qualitätssspieler, nicht zulässig ist hingegen der Umkehrschluss - nicht jeder Qualitätsspieler ist auch ein Unterschiedssspieler. Keine Unterschiedsspieler sind z.B. Bojan Krkic, Marko Marin, Emre Mor und Martin Odegaard, die "einfach tolle Techniker, aber keine Unterschiedssspieler sind."

Ähnlich wie →Unterschiedspieler verwendete Begriffe sind (s.o.)  z.B. →Mentalitätsspieler, gerne auch Mentalitätsmonster →Einstellungsspieler oder →Qualitätsspieler.  

Im Unterschied zum Unterschiedsspieler ist der Qualitätsspieler nicht derjenige, der notwendig den Unterschied macht bzw. in einem Spiel den entscheidenden Punch setzt, sondern derjenige, der technisch in der Lage ist, die Spielidee des Trainers auf dem Platz umzusetzen und ggf. das Spiel so zu organisieren, dass der →Unterschiedsspieler den Unterschied machen kann. Der → Qualitätsspieler ist keine graue Mannschaftsmaus, sondern ragt leistungsmäßig aus einer Mannschaft heraus und ist häufig ein Starspieler. Vgl. Hütter, Adi (Trainer Eintracht Frankfurt, Saison 2019/20)  "Ich will keinen Spieler mehr, der uns in der Breit besser macht, sondern wir sollten versuchen, einen Qualitätsspieler dazu zu bekommen." Bsp. →Qualitätsspieler i.d.S. →Dost, Bas

Auch →Qualitätsspieler können nicht in jeder Mannschaft und zu jedem Zeitpunkt zeigen, dass sie Qualitätsspieler  sind und/oder können beim Wechsel zu einer neuen Mannschaft zum Qualitätssspieler werden. Bsp. Rudy, Sebastian -der bei Bayern München kein Qualitätsspieler sein konnte, aber jetzt beim FCSchalke wieder einer sein will.

Dagegen: Bsp. für Qualitätsspieler, die immer und überall Qualitätsspieler sind und bleiben.: Messi, Lionel, Ronaldo, Christiano, mit Einschr.  Hazard, Eden

Insgesamt scheint es fast wichtiger zu sein, dass ein Spieler den Unterschied macht als dass er Qualität mitbringt. Wenn es für einen →Unterschiedsspieler (gff. auch finanziell) nicht reicht, kann es sich empfehlen, einen →Mentalitätsspieler zu verpflichten (der gleichzeitig auch ein Unterschiedsspieler oder Qualitätsspieler sein oder werden kann). 

So möchte BVB-Präsident Watzke mehr →Mentalitätsspieler verpflichten und auch Jonas Hoffmann (Borussia Mönchengladbach) fordert für seine Mannschaft (offensichtlich zu recht, Stand jetzt / August 2019) mehr Mentalitätsspieler. Der →Mentalitätsspieler darf nicht brav sein. Daher wird der Unterschiedsspieler, der gleichzeitig ein →Einstellungsspieler oder →Mentalitätsspieler ist (Bsp. →Rebic, Ante) gleichzeitig zum →Typ und das bedeutet, dass alles - was immer er auf oder außerhalb des Platzes tut - Teil seiner Mentalität ist und er nur deshalb, weil er so ist, wie er ist, den Unterschied machen kann. Oder auch nicht. Die Eigenschaften, die ihn zum →Typ und →Unterschiedsspieler machen, können gegen ihn ausschlagen, wenn er - aus welchen Gründen auch immer - keinen Unterschied mehr macht. Dann wird er zum Unruhestifter. Bsp. →Rebic, Ante.

Echte Qualitätsspieler sind häufig auch Mentalitäts- und damit Unterschiedsspieler. Bsp. →Kruse, Max oder →Kimmich, Joshua, wobei man diese Tatsache unterschiedlich bewerten kann. So ist es z.B. möglich, dass Max Kruse zwar ein Mentalitätsspieler, aber gleichzeitig auch ein "hohle Nuss" ist oder Joshua Kimmich mgwse. "durch Körpersprache, Selbstbewusstsein und Ehrgeiz auffällt" (Matthias Sammer) , aber  auf diese Weise auch  "hochgradig unsympathisch" ist, sodass die Frage berechtigt scheint: "Will man so jemanden wirklich in der Mannschaft?"

Zusammengefasst lässt sich sagen: →Mentalitätsspieler kann jeder sein, der Mentalität mitbringt. Ein Qualitätsspieler ohne Mentalität ist nicht wünschenswert, wohingegen ein →Mentalitätsspieler mit eher durchschnittlicher Qualität durchaus auch ein →Unterschiedsspieler sein kann, wenn er in der Lage ist, die anderen mitzureißen, den Rest dann "über Ihre Qualität" regeln.


Kommentare:

  1. Da wird mein ABC-Eintrag (der ja irgendwie auch eine kleine Hommage an Ante Rebic ist) unfreiweillig zum Schwanengesang. Manchmal ist die Gegenwart schon die Vergangenheit bevor man es überhaupt merkt.

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  2. Oh je, Herr Hütter, da müssen wir aber dreinfahren: "absolut" und "Differenz (->spieler), das geht leider schonmal garnicht. "Differenz" ist per definitionem relativ und jeweils abhängig vom -> Differenzquotienten wie auch von der Tageslaune des -> Differenzspielers (= Diffspie).

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    1. Der Differenzspieler war an mir vorbei gegangen, ist aber auch richtig schön. Vielleicht hat Herr Hütter ja den Aspekt mit der Tageslaune sogar schon mitbedacht? Träfe ja auch auf unseren Ex-Ante vor - je nachdem macht er ihn, den Unterschied, oder eben nicht.

      Wir könnten im derridaschen Sinn auch noch nach der Differance fragen, die sich dann irgendwo im Raum zwischen den Linien (oder vielleicht sogar in der Box) selbst dekonstruiert...

      Hiiiiiiiiiiiilfe.

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    2. Danke. Wir dürfen ganz ungeschützt als essentiell festhalten:

      (...) "je nachdem macht er [DER DIFFERENZSPIELER]ihn, den Unterschied, oder eben nicht." Nuff said!!

      Bin mir indessen nicht sicher, wenn ich so an unsere kürzlichen Erfahrungen mit Marseille zurückdenke, ob französische Philosophen wirklich als Autoritäten für zwischen den Linien gelten dürfen. Schließlich haben wir höchsteigene Linienkompetenz - zum Beispiel:

      "Nur da, wo nicht bloß von Figur, d.h. von Lage der Linien, sondern von Flächeninhalt, abgesehn von der Figur, die Rede ist, kann man meistens nicht vom Dasein der Folge auf das Dasein des Grundes schließen, oder vielmehr die Sätze reziprozieren und das Bedingte zur Bedingung machen" (Schopenhauer). Tja, so ist das.

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    3. Wenn ich dem Satz richtig folge, geht es hier um die Frage nach Henne oder Ei, während Derrida...mmh... das Ei bzw. den Ball in seinem So-Sein auch unabhängig vom Huhn bzw. Spieler zu denken in der Lage ist, uns uns sozusagen die nur sich selbst verpflichtete Ballbehandlung lehrt.

      Was in diesem Fall außerdem für die französische Autorität spricht: Derrida war erwiesenermaßen selbst in jungen Jahren ein guter und begeisterter Fußballer, und die Fußball-Liebe ist ihm auch danach geblieben (Man lese z.B. hier: https://www.merkur-zeitschrift.de/2015/02/09/dekonstruktion-im-rueckspiegel/), wohingegen die Fußballaffinität Schopenhauers zweifelhaft bleiben muss.

      Ansonsten ist Schopenhauers Aussage natürlich absolut nichts hinzuzufügen. Zudem hebt sie das Niveau dieses Blogs aufs Angenehmste :)

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    4. Ah ja, Niveau, und überhaupt: reziprozieren ... : - )

      Jep, Huhn & EI bEI Schopenhauer, besonders in sEInen Überlegungen zum "Satz vom zurEIchenden Grund".

      Heidegger machts einfacher und schreibt nur zum "Satz vom Grund". Er lässt "zureichend" einfach weg und ist damit klar im Vorteil. "Zureichend" klingt halt verdammt nach Handspiel, außerdem ist der Ball eben rund und kein Ei. hEIdegger wusste das ungeachtet seines Namens, dachte über das "Geviert" nach (das Spielfeld, der Strafraum, irgendwie auch das Tor), schwieg berede über das "Gerund" und blieb der Fußijunkie der er war, Fan namentlich von Franz Beckenbauer.



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  3. Ich vergaß: Im Raum zwischen den vertikalen und horizontalen Linien... so muss das korrekt heißen

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  4. Kostic ist, laut Hütter (s.o.), der absolute Unterschiedsspieler... Und das Spiel gestern gegen Ausgsburg hat gezeigt, dass Herr Hütter mit dieser Einschätzung nicht so ganz falsch liegt...

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