Samstag, 21. April 2018

31. Spieltag: Der verkannte Niko

Was für eine Eintracht-Woche mit Auf und Ab und einem Wechselbad zwischen Wut, Apathie,  Trotz, Glück und Zweifel, immer wieder Zweifel.

Da war die Klatsche in Leverkusen, die man geahnt hatte. Klar, so würde es kommen. Saison am Arsch. Der immer noch trotzige Trainer,  der keinen Fehler gemacht hat und ruhig schläft. Beleidigt,  verkannt. Die Bayern, die den ebenfalls beleidigten Fredi Bobic "zur Räson"bringen. Geburtstagsfeiern in Geretsried. Haha. Hoho. So war das also. Die Versöhnung. Kein Misston in der Geschäftsstelle,  nirgends. Beste Freunde.  Die nicht enden wollende Kette der Stand jetzt-Witze. Aus Niko wird der Kroate bzw. der Kroate mit dem eiskalten Blick. Größte Enttäuschung ever. Menschlich, moralisch. Besser er geht jetzt gleich. Aber so ist das Geschäft. Und da ist der Verein, der größer ist als wir alle. Formierung der ersten Jetzt erst recht-Rufe. Die Fokussierung. Die Mannschaft, die sich nicht aus dem Konzept bringen lässt. Dann das präsidiale Video, das Gänsehautmomente und die unglaublichen Fans beschwört, den Schulterschluss fordert und mir einen Schauder verursacht. Manipulationsmasse. Stimmungskulisse. Und alle so yeah. 


Der Tag des Halbfinales.  Stille Resignation. Innerlich abgehakt. Trotzdem in banger Erwartung.  Der zähe Spielverlauf.  Das Tor. Finale. Finale?  Fassungslosigkeit. Glücksmoment, Umarmungen, Jubel. Kreisch. Die Medienmaschinerie,  die unmmittelbar Fahrt aufnimmt. Und auch wir Fans konzentrieren uns wieder auf das Wesentliche. Die Euphorie. Die Rückkehr der Adler. Ein Event, wie es Berlin noch nicht gesehen hat. Die Eintrittspreise, um ein Drittel höher. Nobelpreiswürdig. Ein eingeschworener Sauhaufen. Und - hurra - auch der Kroate ist verschwunden, Niko Kovac ist wieder da. Entspannt. Lächelnd. Wo kämen wir denn da hin, wenn zwei gute Jahre einfach weggewischt wären. Zudem hat er inzwischen ja auch "Klartext geredet" und „seinen (sic)  engsten  Journalisten“ Einblick in den wahren Ablauf der Dinge gewährt. Und jetzt wissen wir, wie es wirklich war:  Er konnte gar nicht anders, er musste diese Ausstiegsklausel in seinen Vertrag formulieren lassen. Uns bleibt die Genugtuung, mehr noch: Wir können uns glücklich schätzen, dass wir ihm dabei behilflich sein durften, seinen Traum zu verwirklichen. Schließlich haben wir uns seines Vertrauens würdig erwiesen, denn er war "„überzeugt, dass ich es im Zusammenspiel mit der Mannschaft schaffen könnte, interessant zu werden für einen großen Verein, deswegen die Klausel.“

Zweieinhalb Jahre allein in einem kärglichen Hotelzimmer gehen jetzt zu Ende. Die Eintracht kann stolz sein, diesem überragenden Trainer eine Bühne geboten und dabei selbst nach dürren Jahren wieder Visionen entwickelt und nach vorne gekommen zu sein.  Das lässt er sich nicht nehmen.  Sogar der scheinbar ungünstige Zeitpunkt der Veröffentlichung des Wechsels erscheint jetzt in einem anderen Licht. Könnte es nicht sein, dass Niko lediglich den Druck von der Mannschaft nehmen wollte, die jetzt – wo ihr keiner mehr den großen Coup zutraute – erst richtig zuschlagen konnte? Puh, das wäre ja auch zu blöd gewesen, wenn die ihre Flüge hätten canceln müssen. Grade nochmal Glück gehabt. 

Auf allen Kanälen nochmal die Kurve gekriegt. Die Ticketpreise fürs Finale ein Drittel höher als im letzten Jahr. Aber das ist es uns wert. Wir Fans in unseren "Rückkehr der Adler"-Shirts werden mit unserem unglaublichen Support für neue Gänsehautvideos sorgen. Zur Freude des wieder aufgetauchten Axel Hellmann, zur Freude der Sponsoren aus aller Welt.  "Wir haben die Kraft außergewöhnliches zu vollbringen." „Wir werden mit noch mehr Sponsoren als letztes Jahr feiern. Unsere internationalen Partner aus Abu Dhabi, China und den USA haben den Sieg genau verfolgt, sie alle werden nach Berlin einfliegen.“

Und heute beim Spiel gegen Hertha? "Nach den Leistungen der zurückliegenden zwei Jahre kann es eigentlich nichts anderes geben, als die Mannschaft und letztlich auch das Trainerteam mit Applaus zu begrüßen", lässt Niko uns wissen.

Wie wäre es außerdem mit "Verzeih uns, Niko"-Spruchbändern und "Niko, wir danken dir" Sprechchören. Für den Verein, der über allem steht und für das große Ziel.  Ich lasse mich überraschen (und hoffe, heute tatsächlich im Stadion anzukommen). Ob ich  hinterher weiß, was und wie ich mich fühle?

Heimsieg und sonst gar nichts.  


Kommentare:

  1. Was wäre noch zu sagen? Die geschundene Fanseele wird bald Frieden haben. Soll doch Sky oder wer auch immer die Fan-tastillarden Stunden von Tribünen-und-Kurven-Videomaterial aus Jahrzehnten in die Übertragungen mixen, und gut is. Das Ganze noch als Hologramm in die Arena gepowerpointed, und die internationalen Partner können kommen. Unsichtbare Nanodrohnen versprühen den Duft von Schweiß, Testosteron*, Pyro, Äpo ** und Weißgott***nochwas.

    *Das weibliche, trans- und crossgender, androgyn, drag king/queen und überhaupt two-and-much-more-spirits-and-bodies Aequivalent zu Testosteron ist hier selbstverständlich mitgedacht.

    ** Unvorstellbar im realen Stadion.

    *** -> Allah, Buddha, Manitou, Vishnu, Jahwe, Ra, Großer Geist, Tao ... (nichterwähnte/gewusste Götter wenden sich bitte an die Redaktion.)

    Erleichternd immerhin: diese Niederlage war nicht eingeplant (Bobic).

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  2. Wirklich beruhigend, dass die Niederlage nicht geplant war, sonst könnte man - wenn man zu Verschwörungstheorien neigt - auf dumme Gedanken kommen.

    Ein schwaches Spiel, dass wir trotzdem in der ersten Hälfte für uns entscheiden müssen. In der zweiten Hälfte fehlte dann so ziemlich alles. Haller wirkt manchmal wie eine Karikatur seiner selbst, über die Außen ging gar nix - frage mich immer noch ob Thimmy Chandler rechts nicht besser aufgehoben wäre. Ohne Rebic und Wolf fehlt die Dynamik, Jovic zu oft ohne Anbindung, Barkok konnte seine Chance leider nicht nutzen. Ein (immerhin in Anwesenheit beider Mannschaften) video-gestützt verkündeter bestenfalls Kann -Elfer, ein zu hartes Rot, keine Spruchbänder, sondern Pfiffen für NK und eine rechte Hitze.

    Und über allem schwebt Attila, der es in seiner Unschuld nicht besser weiß und nach dem internationalen Sponsorentreffen höchstpersönlich als Markenbotschafter nach Abu Dhabi reist und die einträchtliche Mission vollendet. Der Traum lebt ;-)

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    1. Das sind dann so die Meldungen, in denen ich fühle, dass es noch Hoffnung gibt und die alte Eintracht noch lebt. Die "Freunde des Adlers GmbH" hat 18,88 Prozent der Anteile der "Freunde der Eintracht Frankfurt AG" erworben. Da hüpft mein Herz und Erinnerungen an manche Transaktion aus alten Eintracht-Tagen schwurbeln durch meinen Kopf.

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