Sonntag, 24. Juli 2016

AdlerToGo

Taleb Tawatha, Omar Mascarell, Branimir Hrgota, Ante Rebic, Danny Blum, Jesús Vallejo, Guillermo Varela. Ich habe jetzt  intensiv angefangen, mir  die Namen der neuen Eintracht-Spieler einzuprägen und repetiere sie mehrmals täglich. Sicher gute Fußballer dabei. Manche werden sich durchsetzen. Andere nicht. Wir werden sehen.

Mit fortschreitender Testspiel-Dichte verbindet sich allmählich mit dem einen oder anderen Namen auch ein Gesicht.  Zur Vorbereitung auf die neue Saison plane ich, mir eine Art  Memory zu basteln, bei dem man die Namen den passenden Köpfen zuordnen muss. Mit den Vorarbeiten habe ich bereits begonnen.

Alle Welt spricht über PokemonGo, aber ist eigentlich noch niemandem aufgefallen, dass das „PokemonGo“-Prinzip längst auch in anderen Gesellschaftsbereichen greift? Nehmen wir doch einfach mal die Transferpolitik der Eintracht. Also:

Die PokemonGo-App (der Scout) macht dich darauf aufmerksam, dass irgendwo ein interessantes Pokemon (Spieler) auf dich wartet – du musst es nur noch fangen (verpflichten). Du begibst dich ins Freie und – wuppdich – ist das Pokemon, das eben noch irgendwo im virtuellen Raum flotierte, Teil deiner eigenen Welt – es hat sich z. B. am Frankfurter Flughafen versteckt. Bevor du es fangen kannst, musst du es zunächst in seinem Versteckt aufspüren. Wenn du clever bist, schaust du gleich auch mal, um was für ein Pokemon es sich handelt: Raichu (Innenverteidiger ?), Taubsi (Stürmer?), Picachu (Linksaußen? ), Smettbo (6er? ) usw.  (Nicht dass jemand auf den Gedanken kommt, ich kenne mich aus mit Pokemons, ich habe einfach in einer Liste nachgeschaut - möglicherweise auch das eine Parallele zum professionellen Scouting?)

Sobald du das Pokemon gesichtet hast, nimmst du einen PokeBall (!!)  und versuchst es zu treffen – denn nur so kannst du es für dich unter Dach und Fach bringen. Dabei musst du geschickt vorgehen, denn du hast nur eine begrenzte Zahl von Bällen. Was, wenn dir die Bälle ausgehen, bevor du das Pokemon für dich gesichert hast?  Dann gehst du zur Poke-Station und besorgst dir dort neue Bälle (frisches Geld).

Die Pokemons (Spieler), die du auf diese Weise sammelst, gehören jetzt zu deiner Mannschaft. Du kannst sie trainieren, damit sie immer besser werden und erfolgreich sind, wenn sie später  in der Arena (!!) gegen andere Teams antreten. Vorsicht: Es kann sein, dass du ein Pokemon „übertrainierst“, dann ist es besser als es deinem Level entspricht und du kannst es nicht beherrschen.

Es kann sein, dass ein Pokemon trotz intensivem Training deine Erwartungen nicht erfüllt. Dann kannst du es wieder aussetzen (freilassen) – dazu gehst du ins Pokemoncenter und legst die überzähligen Pokemons in einer Box ab.  Statt es komplett vom Markt verschwinden zu lassen,  kannst du  dein überzähliges Pokomon auch mit anderen tauschen oder dir Pokomons von anderen ausleihen.  Grundsätzlich gilt: Bei Bedarf fängst du dir einfach ein Neues. Je aktiver du dich im Freien bewegst, desto größer ist die Chance, dass unter den vielen Pokemons, die du aufspürst, ein richtiger Treffer dabei ist, der in das System, das du dir ausgedacht hast, passt.

In der Sozialwissenschaft beobachtet man Trends, um herauszufinden, ob es Ähnlichkeiten gibt, die sich verdichten und als Symptom beschreiben lassen, das für eine bestimmte gesellschaftliche Entwicklung steht. Worauf die Gemeinsamkeiten zwischen PokemonGo und dem Scouting der Eintracht hindeuten? Also, das  kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Oder eben gerade doch.

Zwischenzeitlich empfehle ich der Eintracht – ggf. ergänzend zu ihrem seit neuestem unglaublich ausgeklügelten Scoutingsystem -  einfach blind in den großen, irgendwo befindlichen Scouting-Pool zu greifen. Mal sehen, was dabei so rauskommt. Die Chancen, einen Treffer zu landen sind dann zumindest nicht kleiner. Nico Kovac „wünscht sich nach dem Spiel gegen den SV Wehen zwei weitere Innenverteidiger“? Hier ist das Bestellformular:

n= national, i = international


Kommentare:

  1. Ich stelle gerade fest, dass ich nicht "alle Welt" bin und diese offensichtlich mehr und mehr an mir vorbei geht. Ich habe auch einen Verdacht, an welchem Körperteil genau. Aber das war mit mir und den Pokemons schon vor 20 Jahren so.

    Wie die Eintracht ihre Spieler findet, da habe ich allerdings eine Ahnung: So wie immer. Jeder gibt, was er hat bzw. wen er kennt: Sportvorstand, Sportdirektor, Scout, Trainer und der aktuelle Spielerberater des Vertrauens mit seiner Agentur. Da wechseln die Namen der Protagonisten, doch am Spielchen selbst ändert sich wenig.

    Und "to go" sind sie sowieso alle. Sie kommen, gehen oder werden gegangen. Und wir - du und ich zum Beispiel - schauen dabei bisweilen ganz schön mitgenommen aus der Wäsche.

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  2. Pokemons, Mönsterle im Taschenformat - niemals! Wenn schon Monster, dann will ich rischdische, ausgewachsene, Tormonster, Pressingmonster, Verschiebemonster, Kopfballmonster ... Und: sie müssen nach der Schulung die Mannschaften der Eintracht ab 1959 auswendig runterrasseln können. So wie bei der Erlangung der Konfirmationslizenz die Namen der Prophetischen Bücher des Alten Testaments. Sie müssen einen herrisch-scharfen Blick haben und Äpo in den Schnabel gießen. Sonst hat das überhaupt keinen Sinn.

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    1. Der Sinn dieser Tage ist vom Wahn geprägt. Und den gewünschten Blick bietet doch bereits der Trainer - zusammen mit "Balkan-Gen" und der dazu gehörigen "Sieger-Mentalität". Und der überträgt das Ganze jetzt noch flugs auf seine Spieler. Die Welt ist so einfach - mit Worten beschrieben, wenn man an der Oberfläche bleibt. Oder war es "oberflächlich bleibt"? Wie auch immer: Die Welt will betrogen werden, heißt es. Und wie so oft werden Welt und Menschen miteinander verwechselt, auch von mir.

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    2. Womöglich sind alle Tage vom Wahn geprägt, bei uns allen, lieber Kid. Vielleicht kann es garnicht anders sein und gehört einfach dazu. Möglicherweise wäre es schon ganz schön, wir wären uns dessen möglichst stabil gewärtig. Schwärrre Aufgabe. Gruß aus dem Wilden Süden von ak.

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  3. Vielen Dank für eure Kommentare und zunächst mal Entschuldigung dafür, dass ich erst heute antworte - ich habe es die Woche über einfach nicht geschafft...

    Ja, lieber Kid, mit dem was "alle Welt" tut, muss man vorsichtig sein und wohl auch mit der Formulierung. Sagen wir einfach: Viele.

    Was im Moment bei der Eintracht vor sich geht, hat für mich allerdings zunehmend wenig mit "wie immer" zu tun. Da ist etwas anders, ganz anders und das gefällt mir nicht. Es kann - auch dann, wenn es am Ende vielleicht gut geht - nicht richtig sein, alles zu zertrümmern, was da ist, nur um neue Impulse zu setzen. Das ist kein Umbruch, das ist eine Entkernung, die noch dazu nur scheinbar transparent vonstatten geht. Nach vorne wird - von wegen Marketing (ich wiederhole mich) - kommuniziert und merchandist, was das Zeug hält, was hinter den Kulissen passiert, tröpfelt nur so nach und nach außen. Auch da würde mir ein Vergleich einfallen, diesmal ohne Pokemons. Transparent scheint mir allerdings die neue Philosophie: Es ist beliebig (oder sagen wir: egal?), wer kommt und wie lange er bleibt. Und gehen kann/muss jeder, der nicht schnell genug auf einem Baum ist. Wer wollte gehen, wer ist gegangen worden? Sitzt da überhaupt noch jemand in der Geschäftsstelle? Schui noch da? Alle suchen "neue Herausforderungen". Und das, was bleibt und wir von außen sehen, kommt mir im Moment vor wie eine "Potemkinsche" Eintracht - die Fassade (der Adler) steht noch, dahinter ist... weiß nicht. Immerhin durften wir - als Identifikationsfigur, weil marketingtauglich - Alex Meier behalten.

    Aus meiner Sicht kommen da im Moment viele Dinge zusammen, die sich wechselseitig verdichten und verstärken. Das ohnehin - ja z.B. bereits auch von Herrn Tuchel in Dortmund kritiserte - immer absurder verlaufende Transfergeschehen (Eigentlich könnten die Vereine vor jeder Saison einfach aus unterschiedlichen Budgettöpfen - siehe Bestellformular Innenverteidiger oben im Text - jeweils eine neue Mannschaft ziehen. Heissa, das wäre spannend, wer da am Ende in welchem Trikot auf dem Platz steht - lauter neue Trikots zum Kaufen). Das Machtvakuum, das jetzt endlich gefüllt werden darf. Akteure, die aus welchen unterschiedlichen Motivationen heraus auch immer, es geil finden, ihr Ding jetzt endlich durch zu ziehen. Vielleicht geht es ja gut. Wobei: Auch "gut" ist in diesem Sinn relativ.

    Bei Wahn-Sinn fällt mir immer Hamlet (oder ist es King Lear??) ein: "Und ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode." Im Großen wie im Kleinen passt dieser Satz in diesen Wochen und Tagen so gut wie selten zur Eintracht und in die Welt.

    Fast genauso gut - zur Eintracht wie zur Welt an sich - passt mein Lieblingszitat des bisherigen Sommers. Stammt von Norbert König im Rahmen der Leichtathletik EM.

    Setting: Er wartet auf Gina Lückenkemper, die gerade ihren Vorlauf über 200 Meter absolviert hat. Sie kommt, ist noch etwas außer Atem.

    Anmoderation: "Sie schnauft noch - vielleicht ja vor Glück."

    Vielleicht :)

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  4. Mer waaß es net ...

    Im übrigen, bloß keinen Stress mit dem Antworten. Wir sind hier alle freudig ge-, zugleich aber auch angenehm ent-spannt.

    Ja, die Eintracht wird derzeit gründlich durchgeschüttelt. Ich teile das merkwürdige Gefühl von Entfremdung und Intransparenz. Habe mich gefragt, ob es einfach mal wieder nur an der Sommerpause liegt oder an subjektiven Grillen - Antwort: (ausnahmsweise) eher nicht. Und was den Potemkin-Effekt betrifft - ja, gut beschrieben, die Frage ist: ist dieser eintrachtspezifisch (so nehmen wir ihn zunächst einmal wahr) oder nicht vielmehr, wie von Dir ja auch angedeutet, bezeichnend für die Gesamtentwicklung des Profifußballs.

    Attila, der Schöne, in einem Schwarm von Drohnen, wir müssen ihn uns als einen glücklichen Adler vorstellen. (Zitatende)

    Gruß aus dem immer Wilderen Süden - ak

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    1. Tja...ich glaube schon, dass wir da Teil einer ziemlich garstigen Gesamtentwicklung sind. Kein wahres Leben im falschen. Könnte aber sein, dass wir uns für besonders clever halten und alles so richtig richtig machen wollen. Vielleicht ist das dann doch wieder etwas Eintracht-typisches...Ha! Na also! Ein Identitätsanker :)

      Ge-und dabei entspannt, wer das durchhalten könnte, wäre glücklich wie...wie...Atilla.

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    2. "Identitätsanker" *notiert*
      Hoffentlich plumpst er nicht ins Bodenlose.

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    3. Gilt übrigens auch für den Liquiditätsanker ...

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    4. Ich fürchte ja, dass der Identitäts- und der LiquiditätsAnker an zwei verschiedenen Enden des Schiffs heruntergelassen werden. Möglicherweise kommt der Liqiditätsanker immer dann zum Einsatz, wenn der Identitätsanker gelichtet wurde und das Schiff trotzdem keine Fahrt aufnimmt. Oder umgekehrt?

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    5. Kommt immer drauf an ... Klar ist nur eines, wenn diese Anker so oder so in Bewegung gesetzt werden: es rasselt.

      Und tatsächlich: rasseln tuts : - )

      Kommt jetzt drauf an, ob einigermaßen koordiniert oder nicht.

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