Sonntag, 21. Februar 2016

Volle Breitseite


Da haben wir ihn wieder, den Salat. Nicht nur so ein bisschen. Volle Breitseite. Anders tun wirs nicht bei Eintracht Frankfurt. Auf dem Platz ein (oops)  "verängstigter" , orientierungsloser Haufen, der versucht, sich mit einigermaßen heiler Haut über die 90 Minuten zu retten und der bemüht ist, so zu tun, als ob er Leidenschaft zeige.  Überforderte Verantwortliche, denen nichts besseres einfällt als a) einfach nicht mehr aufzutauchen oder b) öffentlich dazu aufzuforden nicht zu pfeifen. Ein Trainer, dessen Nerven blank liegen und der ob der bedenklichen Situation unzufriedenen Fans den  Rat erteilt,  "zuhause zu bleiben". Volles Programm. Gerüchte und Berichte über Disziplinlosigkeiten und schlechte Stimmung in der Mannschaft. Über das herausragende abbudabbische Traingslager, das nicht so "intensiv" gewesen sein soll wie nach Außen vermittelt. Wilde Diskussionen im Netz. Argumente. Abwiegelungen. Fast schon kollektive Trainer raus-Einmütigkeit. Rechthabereien. Ein tapfer und fast schon verzweifelt Standardsätze vortragender Bruno Hübner (arme Socke) im Doppelpass. "Noch haben wir die Chance es aus eigener Kraft zu schaffen." Optimismus klingt anders. Alles schon mal dagewesen. Schon mitten drin im Trümmerhaufen oder noch dabei, ihn aufzuschütten? Peinliche öffentliche Demontage. Bei der Eroberung asiatischer Märkte im eigenen Klüngel erstickt. Fische. Und irgendwo, ganz am Rande: ich, ein kleiner rotundschwarzer Punkt, Hände vor dem Gesicht, wütend, traurig, fassungslos, sprachlos (naja,  noch nicht ganz). Vieles geahnt, manches gewusst, alles kommen sehen, null Genugtuung.  Da ist es fast schon wieder das Gefühl von damals, 2011, im Stadion nach dem Abstiegsshowdown gegen Köln. Qualm. Trümmer. Hubschrauber kreisen.

Nie mehr zweite Liga, nie mehr, nie mehr... Noch haben wir 12 Spieltage, wenn auch deutlich weniger Punkte als zum gleichen Zeitpunkt 2011, um den Nullbock...ähem...umzustoßen und die Kuh...ähem...vom dünnen Eis zu holen. 12, 13 Punkte - das könnte knapp reichen. 3 Punkte zuhause gegen Hannover? Je einen gegen Ingolstadt, Hoffenheim und Mainz? Auswärts - in Leverkusen? Bei Hertha? - einen Überraschungscoup landen. Irgendwo ein Unentschieden erkämpfen. Am letzten Spieltag bei Werder? Da würde ich es lieber nicht drauf ankommen lassen.  Angst? Wenn's Angst hast, brauchst net spuin, hat der große Ernst Happel mal gesagt. Wenn wir noch einen Notausgang finden, ist die Tür hoffentlich noch nicht von Innen verrammelt.

Kommentare:

  1. Ich such ja wirklich danach, finde es aber gerade nicht. Nichts, wo ich meine Liebe zu Eintracht Frankfurt konkret festmachen kann. Schon garnicht und zuallererst nicht bei den Funktionären. Nicht beim Trainer und auch nicht bei der Mannschaft. Wenn ich mal vom fliegenden Däno-Finno-Tschecho-Frankfurter absehe, feiner Kerl, bedauernswert in dem verlorenen Haufen.

    Merkwürdig abstrakt-konkret gilt aber meine Leidenschaft ungebrochen der Eintracht, ihrer Geschichte, den unzähligen Geschichten, der Adler-Erinnerung. Liegt womöglich am eigenen Älterwerden. Sei's drum. Und die mitleidenden Kollegen und Innen mag ich auch.

    Das ist doch immer noch eine ganze Menge.





    AntwortenLöschen
  2. Lieber Adler-Zauberer, mir geht es zwischendurch ähnlich - und dann ist da doch wieder dieser, wohl unverbrüchliche Kampfgeist, vielleicht auch einfach nur Trotz. Nein, nein, nein - ich lasse mir die Eintracht nicht wegnehmen. Und nein, nein, nein - nur nicht absteigen.

    Das niederdrückende im Moment ist, dass man (grade auch im Nachklapp zur letzten Saison) das Gefühl hat, nur einen Teil der Abgründe und Spielchen, die da im Hintergrund ablaufen, zu erkennen und das alles so... fies ist, irgendwie.

    Aus gegebenem Anlass habe ich diese Woche in meinen Jahresrückblickschnipseln aus dem Jahr 20111 hier im Block "geblättert". Sehr plastisch und sehr deutlich alles wieder da... und irgendwann (nach dem Abstieg) die Stelle: "... zu sehr später Stunde mitten in der Nacht erheben mein Mit-Adler und ich in einem pathetischen Moment die Gläser und stoßen an auf die Eintracht, die 'mehr ist als die 11 Hanseln, die gerade auf dem Platz stehen'..."

    Eine ganze Menge!

    AntwortenLöschen
  3. Gute Abgründe und Spielchen wären ja noch was. Aber hier, so scheint es, sind sie - beinah nichts. Unbedarfte Protagonisten, die darum für die Eintracht nur umso gefährlicher sind. Sie nehmen die Welt aus dem Fensterausschnitt ihres Büros wahr. Und genauso guckt die Welt zurück. Und genauso ...

    Die euphorischen Momente zu später Stund kenn ich wohl. Eintrachtbezogen, auch, aber nicht nur. Heut zum Beispiel ist was sehr Besonderes ins Kabinett eingetreten. Darauf den Becher gehoben und geleert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Nichts, das große Nichts, das einem garstig anschaut. Und dabei müsste man bloß mal das Fenster aufmachen.

      Was auch immer Großes in dein Kabinett eingetreten ist - es freut mich für dich und ich stoße sehr gerne mit dir darauf an!

      Löschen
  4. Ich hab mich ja auch mal gefragt:was ist es eigentlich, dass die Eintracht ausmacht,und wodurch bin ich Fan geworden? Tatsächlich begründet sich dies(bei mir) in der fussballerisch tollen Vergangenheit der 70er und der geile Fußball zu Uwe Beins und Yeboahs Zeiten, also zu den "schönen" Zeiten. Dazwischen gab es immer wieder schlimme Phasen,aber einmal angefixt, stand ich die durch, in der Hoffnung, dass ich wieder mal auch schöne Zeiten erleben darf, bsp.weise die 1. Halbserie nach dem Wiederaufstieg oder auch die Euroleaguespiele. Und es gibt die vielen kleinen Geschichtchen rund um die Eintracht, die nur hier bassiere könne. Aber seitdem die kleine Eintracht abgemeldet wurde, ist etwas in meinem Adlerherz zerbrochen, ein kleines Stück nur, aber ziemlich zentral gelegen. Das Geld der Regionalligamannschaft ging in die Entwicklung der Jugenspieler, die spielen zwar Bundesliga, sowohl in der A-,wie auch in der B-Jugend, mehr aber auch nicht; von Meisterzeiten wie früher sind wir auch in diesem Bereich weit entfernt.
    Aber wieso verpflichtet man dann den gleichen Trainer, der schon beim ersten Engagement wenig mit dem Jugendzentrum vernetzt war und der keinen A-Jugendspieler an die 1.Herren herangeführt hat(das wäre ja sogar eher Th.Schaaf gewesen). Im Gegenteil, entweder gehen sie freiwillig (Kinsombi,Gerezgiher) oder versauern auf der Bank(Waldschmidt), stattdessen werden zweifelhaft fitte Aussortierte oder ältere Ex-BuLi-Spieler verpflichtet.
    Ich sehe nur noch Planlosigkeit oder Passivität in der Führung, und die manifestiert sich auch auf dem Platz.
    Und leider ist die Qualität seit Vehs letzter Demission schlechter geworden(obwohl vom best Kader ever geredet wurde), denn in der Euroleaguesaison war der Blick ja auch stets nach unten gerichtet, aber der Kader war damals spielstärker und konnte das halbwegs kompensieren. Jetzt sieht es in meinen Augen deutlich schlechter aus, ein Abstieg ist wahrscheinlicher, und wenn der Alex Meier nicht endlich wieder mindestens 2(!)Tore in einem Spiel macht, gewinnen wir diese nicht...wie verrückt ist das denn!?? Ach, ich könnt noch soo viel schreiben, lass es erstema, und hoffe für gegen Schlacke06, daß unsere Eintracht ihre Krise eher beendet als die Gelsenkirchener die eigene.

    AntwortenLöschen
  5. Lieber Briegel, vielen Dank für deine Erinnerungen und Gedanken - sehr, sehr gerne mehr davon!

    Das alles bringt ziemlich viel von dem auf den Punkt, was mir auch durch den Kopf und durchs Herz geht. Die Eintracht ist solange Ich zurückdenken kann ein Teil meines Lebens. Opa, Papa, alles Eintrachtler und jede Phase meines Lebens ist mit Eintracht-Geschichten, Erinnerungen an Menschen verknüpft. Kontinuität. So vieles, was geht - die Eintracht bleibt. Manchmal ist es so als ob man wider besseres Wissen an etwas fest hält, was es so nicht mehr gibt. Die Funkelzeit damals, der Hass - gegen Meier, Köhler -, der Schaum vorm Mund, den ich im Stadion erlebt habe, hat bei mir z. B. eine Wunde gerissen, die bleibt. Es sind nicht die Niederlage und die AbstiegE - die tun auf andere Weise bitter weh und ketten einem in gewisser Weise noch enger an die Eintracht. Es ist - wie von dir beschrieben - das Gefühl, dass da grundsätzlich etwas falsch läuft, andere Interessen, eine Rolle spielen, offensichtlich falsche Entscheidungen getroffen werden, es längst um andere Dinge geht. Ich will mir die Eintracht nicht wegnehmen lassen - ob es Trotz und Nostalgie oder immer noch Liebe ist, kann ich, wie du, manchmal nicht mehr eindeutig beantworten.

    AntwortenLöschen