Freitag, 30. Oktober 2015

Es geht um den Tofu

Jetzt ist es also raus, was uns  Jahrzehnte, Jahrhunderte, ja: Jahrtausende lang verschwiegen wurde: Wurst ist krebsgefährdend. Um weitere akute Bedrohungen der Bevölkerung auszuschließen, sind umgehend erste Gegenmaßnahmen eingeleitet worden:

In Restaurants werden so genannte Fleischfresserzonen eingerichtet, die durch eine geruchsdichte Schutztür vom Essbereich abgetrennt sein müssen. Dadurch  wird vermieden, dass etwaige Dämpfe und Gerüche in den klimaneutralen Nahrungsaufnahmebereich vordringen. So sollen insbesondere Kinder geschützt werden. Denn auch Co-Wurstesser sind potenziell gefährdet, entsprechende Dämpfe könnten z. B. Suchtsymptomatiken verursachen.

Um Doppelbelastungen auszuschließen, sollte der Wurstbereich zudem vom Raucherbereich getrennt werden.

In geschlossenen Räumen, die nicht ausdrücklich als Wurstbereich gekennzeichnet sind, ist der Verzehr von Wurst verboten.

An Bahnhöfen wurden als Sofortmaßnahme Wurstesser-Zonen gerichtet. Vor dem anstehenden Bundesligaspieltag haben auch bereits die ersten Stadionverwaltungen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Bratwurststandbetreiber sind aufgefordert, das Terrain um den Wurststand weiträumig abzusperren. Bei Bedarf kann zur Bewachung der Absperrung eine Hundestaffel angefordert werden. Zwingend geboten ist, dass zumindest Schilder mit der Aufschrift "Verzehr auf eigene Gefahr" angebracht werden. Ähnliche Aufkleber zur Kennzeichnung von Wurst-Fertigwaren sind bereits in Vorbereitung.

Der Begriff Wurst und daraus abgeleitete Komposita sind künftig zu vermeiden, da sie potenzielle Gefahren verharmlosen und als vorsätzliche Verschleierung möglicher Folgewirkungen verstanden werden können. Stattdessen ist der Begriff "verarbeitetes Fleisch" zu verwenden. Dem veränderten Bewusstsein einer modernen und aufgeklärten Gesellschaft soll auch im Printbereich, insbesondere bei der Neuauflage von Kinderbuchklassikern Rechnung getragen werden. Fleisch- und wurstrelevante Formulierungen werden sorgfältig geprüft und ggf. ersetzt, um traumatische Folgewirkungen bei vegan sozialisierten Kindern zu vermeiden.

Conchita Wurst wird zur neuen Ikone der Anti-Wurst-Bewegung und hat sich anlässlich des Weltvegantags am 1.November (Allerheiligen? Pah!) mit sofortiger Wirkung in Conchita Tofu-Bratling umbenannt.

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