Samstag, 28. Februar 2015

Intergalaktisch

Heute also gegen den HSV. Ein Tag, der "Hinaus, hinaus" ruft und an dem ich bei strahlendem Sonnenschein aufgewacht bin. Gestern war es grau und trüb und hat den ganzen Tag geregnet, am Sonntag und Montag war Winter mit Eis und Schnee und am Dienstag bin ich bei blauem Himmel und einigermaßen mildem Lüftchen durch die Weinberge geradelt. Tja, manchmal  ist es so und dann wieder ganz anders.  Und meistens anders als man denkt. Nicht die einzige Parallele zur Eintracht, die mir in dieser Woche begegnet ist.

Unsere Lokalzeitung hat am Dienstag über einen 79-jährigen alten Herrn berichtet, der sich mit dem Fernbus auf den Weg nach Mainz gemacht hat, um hier eine mittlerweile 92-jährige Dame zu besuchen, die er in der Nachkriegszeit kennen gelernt und mittlerweile 40 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Eine rührende Geschichte, aber: Als die beiden alten Herrschaften einander gegenüberstanden, waren sie so entsetzt und wütend, dass sie von herbeigeeilten Nachbarn getrennt werden mussten. Beide waren sicher, dass sie einander noch nie gesehen hatten und es sich bei dem jeweils anderen um einen Betrüger handelt.

Merke: Manchmal werden unsere Erwartungen nicht erfüllt. Und wenn es ganz dumm kommt, werden wir darüber so wütend, dass wir alles Bisherige in Frage stellen.

Ebenfalls aus den vermischten Nachrichten der Lokalzeitung: Ein Mann entdeckt beim Blick aus dem Fenster, dass beim Nachbarn im dunklen Garten ein Licht herumgeistert. Die Nachbarn sind gerade in Urlaub – der Mann verständigt die Polizei, die mit mehreren Wagen anrückt und den Garten umzingelt. Dort  entdecken sie die verängstigte Freundin des Hauses, die mit einer Taschenlampe gekommen war, um das Kaninchen zu füttern.

Merke: Manchmal fürchten wir uns vor Dingen, die sich hinterher als harmlos herausstellen.

Zum Spiel:

Der Hamburger SV ist mit heftigen Schwankungen in die Rückrunde gestartet. Nach einer Heimniederlage gegen Köln sah es (Sieg in Paderborn und zuhause gegen Hannover) so aus, als ob die Mannschaft mitohne Raffael van der Vaart die Kurve heraus aus der Abstiegszone bekommen könnte, stattdessen kam dann die Packung bei den Bayern und am letzten Spieltag immerhin ein Punkt gegen Gladbach. Petr Jirácek vom HSV hat in der vergangenen Woche betont, dass der HSV  „am Boden bleiben muss“. Heribert Bruchhagen dagegen hat uns in dieser Woche damit überrascht, dass „unser Blick nach oben geht.  Recht hat er. Wie spannend es dort oben zugeht, hat nämlich gerade in  jüngster Zeit eine chinesische Forschergruppe herausgefunden, die in einer fernen Galaxie ein bisher unbekanntes, riesiges schwarzes Loch entdeckt hat: „Die starke Strahlung der hinabstürzenden Materie drückt gegendie nachfolgende Materie und bremst diese.“   

Wie der Blick der Eintracht nach oben, widerspricht auch die Entstehung des schwarzen Loches „allen bisherigen Theorien“.  Und wie die Eintracht ist das schwarze Loch von einem leuchtenden Kern von Materie umgeben und hat  auf seinem langen Weg durch Raum und Zeit mit seinem Licht die intergalaktischen Strömungen  „zu verschiedenen Epochen und an verschiedenen Orten durchleuchtet und dabei seine charakteristischen Fingerabdrücke aufgesammelt“. Das schwarze Loch umfasst eine  enorme Masse, die extrem schnell ist und sehr schnell wächst, indem sie sich die sie umgebende Materie einverleibt.

Für heute Abend gehe ich also fest davon aus, dass sich der intergalaktische Urknall, der auch in uns steckt, exakt ab 18 Uhr 30 über dem Waldstadion entlädt und Zeit und Raum durcheinanderwirbelt. Dermaßen kosmisch beflügelt werden wir uns den HSV "einverleiben" bzw. wunschgemäß dazu beitragen, ihn "am Boden" zu halten. Sonny Kittel (oder vielleicht doch Enis Bunjaki oder Takashi Inui oder Stefan Aigner) werden aus der nachfolgenden Materie nach vorne drängen, uns zu neuen Erkenntnissen über die „Bedingungen im jungen Universum“ verhelfen  und Drobny im Tor des HSV das Fürchten lernen. Der überzeitlich interstellar-rätselhafte Alex Meier wird - wie so oft gegen den HSV - aus der Tiefe des Raumes auftauchen und zuschlagen (was dem Rot gesperrten Zambrano zum Glück heute verwehrt bleibt). Und auch Lucas Piazon wird einmal mehr sein – mancher Theorie widersprechendes - intergalaktisches Potenzial abrufen. 

Da wir gemäß Kicker-Statistik durchschnittlich gut 13 Mal pro Spiel aufs Tor schießen und dabei 1,82 mal treffen, der  HSV aber durchschnittlich nur gut 11 mal für Torgefahr sorgt und lediglich 0,68 Tore erzielt, sollte das sowohl theoretisch wie praktisch kein Problem sein. (Zumindest solange in unserer intergalaktischen Abwehr keine irdischen schwarzen Löcher entdeckt werden).

Heimsieg und sonst gar nix. 

Kommentare:

  1. Ich merke ja nicht mehr viel und kann auch immer weniger behalten, doch dein unerschütterlicher Glaube an die Eintracht beeindruckt mich. Ob ich ihn noch teile, ist eine andere Frage. Doch so viel kann ich verraten: Mein "Glaube" bleibt unberührt davon, wie das Spiel heute Abend ausgeht. Um meine Meinung über diese Truppe zu ändern, bedarf es mehr als einer Partie. :-)

    PS: Piazons Potenzial widerspricht keiner Theorie, sondern existiert ausschließlich in einer. ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der unerschütterliche Glaube, der heute mal wieder belohnt wurde. Verdientermaßen. Wie der Sieg verdient war.

      Und Piazon, dessen Potenzial nach meiner These ausschließlich in der Theorie existiert, hat beide Tore „vorbereitet“. Ob Glaube vielleicht doch Berge versetzen kann?

      Löschen
    2. Mein Lucas ,-) Und er wird es in den nächsten Spielen noch deutlicher zeigen. Wenn ich mein Opa wäre, würde ich sagen: "Denk an mich..." *g

      Löschen
    3. Ich glaube auch an deinen Lucas. So wie du von Anfang an in Sandhausen wusstest, dass dein Lucas es packt. War damals bei Zoe und ihrer "Rakete" Inui so, den wir beim Testspiel in Mannheim gesehen haben. Deswegen hoffe ich ja weiter auf Flum, den ich gleich beim Testspiel in Luxemburg in mein Herz geschlossen hatte...
      Haha, Frauen und Fußball ;-)

      Löschen
    4. Dann kann heute am Weltfrauentag ja schon mal überhaupt und gar nix schief gehen :)

      Löschen
  2. "Die Wahrheit is auf'm Platz..." - oder so.
    Ich gehe wieder hin und hoffe, habe aber leider auch nicht allzu viel davon (Hoffnung) - aber die stirbt ja bekanntlich zu letzt.
    Auf geht's EINTRACHT!!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. (Hoffnung) - aber die stirbt ja bekanntlich zuletzt.
      Vor ein paar Tagen hörte ich die englische Redewendung, die ich schöner finde:
      "Hope springs eternal." :-)

      Löschen
    2. Irgendwie bin ich gestern zwar äußerst hibbelisch, aber auch sehr zuversichtlich Richtung Stadion gefahren. Das liegt vielleicht daran, dass ich in dieser Saison nicht unsere guten, sondern unsere schlechten Spiele für - mitunter unerklärliche - Ausrutscher halte. Dass jedes Spiel so oder eben auch anders ausgehen kann - damit müssen wir wohl weiterhin leben. Das ist schade, weil die Mannschaft sich damit selbst das Leben unnötig schwer macht und unser aller Nerven auf harte Proben stellt. Trotzdem schaue ich (obwohl das im Moment wohl nicht gerade konsensfähig ist) der Mannschaft bei solchen Spielen wie gestern gerne zu, sehe - in all dem zwischenzeitlichen Chaos - zwischen Händeringen, Nicht-Hinschauen-und-es-kaum-Aushalten-Können viele schöne Spielzüge, technische Feinheiten, Spielverständnis, hohe Einsatzbereitschaft, auch: Spaß am Spiel, Kreativität. Und: Ich sehe eine Entwicklung. Auch, wenn uns immer wieder die gleichen, dummen Fehler unterlaufen, wir einen hohen Aufwand betreiben müssen, um Siege ins Ziel zu bringen, trotz dieser Aussetzer-Spiele in Mainz - aufs Ganze gesehen werden wir (so mein Eindruck) Schritt für Schritt immer besser.

      Ob die Mannschaft z.B. gestern wegen oder trotz des Trainers ein gutes Spiel gezeigt hat, weiß ich nicht. Falls es Spannungen gibt (und der Verdacht könnte nahe liegen), scheinen diese Spannungen zumindest auch Produktivkraft zu haben. Den Wutausbruch von Stefan Aigner, aber auch die Art und Weise wie Aigner und Schaaf damit umgegangen sind, sehe ich deshalb positiv. Gut so, raus damit und dann den Ärger in Energie auf dem Platz umwandeln.

      PS; Hope springs eternal - fast schon Poesie :)

      Löschen
  3. Nach dem Halbzeitausgleich war meine Stimmung und Erwartung nicht druckreif...
    Aber es hat ja doch noch geklappt, wir sind nicht (wieder) umgekippt.
    Verdienter Sieg allemal.
    Mein Wochenende ist so gerettet.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Direkt nach dem 1:1 habe ich geschimpft wie ein Rohrspatz. :-)

      Löschen
    2. Bei mir war es auch eher der Rohrspatz. "Dieses Spiel können wir eigentlich gar nicht verlieren - würde ich sagen, wenn es nicht die Eintracht wäre" - das habe ich fünf Minuten vor dem Ausgleich zu meiner Sitznachbarin gesagt. UNFASSLICH. Sobald unsere Konzentration mal kurz nachlässt, fangen wir ein Tor - wie ein Tor im Training.. pitsch patsch drin. Maaaaaaaaan!

      Aber eigentlich hätten wir uns die Aufregung schenken können - es war ja sowieso alles klar: Alex Meier hatte getroffen - und (wie hier schon öfter gesagt) wenn AMFG ein Tor macht, ist die statistische Wahrscheinlichkeit, dass wir verlieren, verschwindend gering. Außerdem: Gegen den HSV trifft Meier, wenn er trifft, überdurchschnittlich häufig doppelt - und so kam es dann ja auch :) Und als die Mannschaft dann auch noch nach der HZ-Pause als erstes auf den Platz kam... (Trotzdem habe ich die letzten zehn Spielminuten häufiger händeringend unter meinem Sitz als sitzend verbracht - ...da war die Wahrheit auffem Platz kurz davor dann doch noch zurück zu schlagen...)

      Löschen
    3. Falsch. Falsch. Alles falsch. Danke, lieber Kid, für den Hinweis. Man sollte seiner gefühlten Erinnerung zumindest bei Zahlen nicht trauen und lieber noch einmal genauer hinschauen. Meier hat gegen den HSV zwar in den ersten Jahren, jetzt aber schon länger nicht mehr getroffen. Und: Auch nur einmal doppelt. Danke für den Link!!

      http://www.weltfussball.de/spieler_profil/alexander-meier/hamburger-sv/3/

      Wie gut, dass ich das nicht vorher gewusst habe ,-) "If the legend becomes truth - print the legend." :D

      Löschen
  4. Das Schwarze Loch als solches ist ein reines Eintracht-Phänomen. Gemäß der allgemeinen Relativitätstheorie wird es durch einen Ereignishorizont charakterisiert, eine Grenzfläche (in der selbstverständlich gekrümmten Raum-Zeit), jenseits derer Ereignisse nicht wahrnehmbar sind für Beobachter, die sich auf der anderen Seite befinden. Die Ausdehnung eines Ereignishorizontes bei Schwarzen Löchern wird als Schwarzschild-Radius bemessen. Dabei spielt die gravitative Rotverschiebung eine Rolle, und, voilà: Schwarz mit Rotverschiebungen ... q.e.d.

    Nur, dieser Ereignishorizont müsste sich ja nicht unbedingt bei jedem Spiel direkt vor unserer Abwehrkette befinden.

    Egal, nicht der Tag für Meckerei, 3 Punkte, der Abstieg ist spurlos im Schwarzen Loch verschwunden, die Eintracht, wie zu lesen ist, schielt ... ... nein doch, eine Diva schielt nicht. Höchstens Silberblick. Und was wäre schon die nächste Geschichte.

    AntwortenLöschen
  5. Die gravitative Rotverschiebung am Rande des Ereignishorizonts wirbelt uns - trotz Schwarzschild-Radius vor der Abwehrkette - weit weg von allem, was nach Abstieg riecht und wenn ich ganz vorsichtig mit Silberblick nach vorne schiele, kann ich, jenseits von Zeit und Raum, auf der anderen, noch nicht wahrnehmbaren Seite, einen silberhellen Lichtstreifen erkennen. Kann aber auch an der Rotundschwarzverschiebung in meinem Kopf liegen ,-)

    AntwortenLöschen
  6. Interessant ist es auch, nicht nur den Ereignishorizont eines Schwarzen Loches zu betrachten, sondern auch den Kosmologischen. Dieser liegt in einer Distanz von ca. 16,2 Milliarden Lichtjahren. Auf unsere Zeit komprimiert gehe ich also fest davon aus, dass wie spätestens in 16 Jahren Deutscher Meister sein werden. ;-)

    AntwortenLöschen
  7. Für die Eintracht müssen wir ganz einfach die kosmischen Gesetze aus den Angeln heben. Ich habe vor drei Jahren gewettet, dass wir innerhalb der nächsten zehn Jahre Meister werden. Da ich speziell diese Wette gerne gewinnen würde, müssen wir also die Lichtjahre noch weitgehender komprimieren (Einfache Formel: x:2), wären dann also bei 8 Jahren und könnten nach unten runden. Deutscher Meister Eintracht Frankfurt = spätestens im Jahr 2022. Check!

    AntwortenLöschen
  8. Gebe zu bedenken: höchstwahrscheinlich können wir auch noch auf eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Paralleluniversen zurückgreifen. Deutsche Parallelmeister werden nur (!) die SGEs.

    AntwortenLöschen