Sonntag, 25. Januar 2015

Nachtrag: Alles nichts, oder?

Wie alles in der Welt neuerdings seinen ganz speziellen Tag hat, so auch das Nichts. Am 16. Januar war es soweit: „Nichts-Tag“. Wenn mich nicht alles täuscht, dann geht es am Nichts-Tag weniger ums Nichts – das ein außerordentlich weites, unerforschtes Feld ist – sondern vor allem ums Nichtstun – also so was wie die Entdeckung der Langsamkeit, neudeutsch: Entschleunigung. Mal sehen, was große Denker so alles zum Thema „Nichts“ zu sagen haben.

„Aus Nichts wird Nichts.“ (Epikur) Aber das macht ja  (sic!) nichts, denn:  „If you ain’t got nothing, you got nothing to loose.“ (Bob Dylan) Trotzdem sollte man das Nichts nicht unterschätzen -  “Dies Nichts ist mehr als Etwas.“ (Wiliam Shakespeare, Hamlet) – oder sich von ihm austricksen -  „Es ist das Nichts selbst, das nichtet.“ – oder täuschen lassen: „Das Sein ist, was es nicht ist, und ist nicht, was es ist.“ (Martin Heidegger). Möglicherweise liegt ja gerade darin auch ein Schimmer von Hoffnung: „In deinem Nichts hoff ich, das All zu finden.“ (Johann Wolfgang Goethe, Faust) Obwohl am Ende mit an Sicherheit geltender Wahrscheinlichkeit gelten darf, dass es besser ist „ein eckiges Etwas zu sein, als ein rundes Nichts“ (Friedrich Hebbel) (wobei das runde Nichts, wie wir wissen, ohnehin am besten im eckigen Etwas aufgehoben ist),  hat das Nichts ohnehin auch seine unbezweifelbaren Vorteile: „Ich spreche gerne von Nichts, das ist das Einzige, wovon ich etwas verstehe.“ (Oscar Wilde) Vielleicht deshalb kommt Jacques Derrida zu dem Schluss „Nichts offenbart sich ausschließlich im Schweigen“, woran sich manch einer gerne öfter mal halten sollte, was aber  Franz Kafka offensichtlich besser weiß, denn er notiert in seinem Tagebuch eben nicht nichts, sondern: „Nichts geschrieben.“ Aber irgendwie doch. Was das alles bedeutet ist ohnehin klar: Nichts. 
***
 „Der verhaltene Positivismus war einigermaßen berechtigt.“ (TV Kommentar bei einer Ski-Langlaufübertragung) 

Mmh… Bleibt nur noch die Frage, wie  es  wohl um den verhaltenen Negativismus bestellt ist? Ich sag mal: Ziemlich ähnlich.

Kommentare:

  1. Eben, und chin. wu-wei ist "Tun durch nicht-Tun". Das Herz-Sutra sagt: "Form ist Nichts/Leere, und Nichts ist Form." (*Notiz an mich*: unbedingt abheben von nicht in Form.) Ah ja, und danke für ni..., oh nein, keineswegs: danke für den Fisch.

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    1. Wenn Form die Voraussetzung für die Aufbewahrung und "Ergreifbarkeit" einer wie auch immer gearteten Wahrheit ist - wofür nach meinem Verständnis vieles spricht -, dann wären also im Sinne des Herz-Sutra Wahrheit und NIchts identisch. Mmh. Darüber kann man lange nachdenken. Echt jetzt.

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    2. Nichts ist nicht ganz korrekt meinerseits, damit habe ich nur versucht, das Zuspiel aufzunehmen ; - ) Das Sanskritwort shûnyatâ wird in der Regel mit "Leere" übersetzt. Diese Leere soll man sich nicht als Nichts vorstellen, vielleicht eher - wenn überhaupt - als eine Art Möglichkeitsfeld (Musil lässt grüßen?). Die Kommentatoren legen Wert darauf, dass beides, Form und Leere, nur zusammen und zugleich zu haben sind. Ich finde, da kommt der Wahrheitsbegriff sehr schön ins Spiel, als etwas Oszillierendes, als Ankunft und Abschied.

      Robbie

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  2. Oh, vergessen: bei beiden, dem verhaltenen Positivismus wie auch dem verhaltenen Negativismus (den es gemäß meinem Rechtschreibprogramm übrigens nicht gibt) handelt es sich um positivistische resp. negativistische (gibts auch nicht) Spielarten von ..... hm, jetzt hab ich doch glatt vergessen, wovon. Naja, jedenfalls von der "Wo-ist-Behle-Schule.

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  3. Ah ja, und noch ein Wort zu dem vermeintlichen Faktum, kein Roboter zu sein. Wär ich einer, wär ich sicher net so blöd, das Häkchen bei "bin Roboter" zu setzen. So viel Selbstverleugnung ist selbst künstlicher Intelligenz zueigen. Aber wahrscheinlich plaudere ich da schon wieder zu viel aus der Mäh-Tasche. Nur soviel noch: es gibt auch verhalten-künstliche Deppertheit. So oder so. Ich denke: eher so. Meine Meinung.

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    1. Muhaha. Der sich selbst verleugnende Roboter. Insofern kann ich also niemals nicht sicher sein, dass hier im Blog nicht am Ende vielleicht doch längst die Roboter das Ruder an sich gerissen haben.

      Was passiert eigentlich, wenn man das Häkchen bei "bin Roboter" setzt? Sprengt sich das System dann selbst in die Luft? Vielleicht bekommt man auch eine Mail? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind der tausendste Roboter und haben zwei Eintrittskarten fürs nächste Heimspiel der Eintracht gewonnen. Ha.

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  4. Das wird von euch allgemein unterschätzt. In Bordeaux zum Beispiel waren erstmal nur die Kollegen der Orange-Series - *scan emotion* ... : - )

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