Freitag, 7. November 2014

Chancenlos

Ich kann nicht so recht sagen, wie die Chancen der Eintracht stehen, in den nächsten drei Spielen den einen oder anderen Punkt zu holen oder ob sie tatsächlich chancenlos ist.  Nun sehe auch ich gewiss keinen Anlass zu großer Siegesgewissheit, gehe aber dennoch davon aus,  dass trotz Zement  und Zweiklassengesellschaft ein Fußballspiel immer erst dann verloren ist, nachdem es gespielt ist. 

Absolut  chancenlos, da bin ich mir zunehmend sicher, ist in Frankfurt derzeit vor allem einer:  Und der heißt Thomas Schaaf.

Er ist  zwar noch nicht zum „Trainer“ geworden, aber fast alles was er tut bzw. „tut“  ist bereits auf dem Weg in die Gänsefüßchen. So arbeitet z.B. die  Mannschaft im Training  nicht etwa an den Abläufen in der Defensive, sondern sie  „arbeitet an denAbläufen in der Defensive“. Und das ist ein feiner Unterschied. 

Auch die medial begleitete Dramaturgie des bevorstehenden Untergangs und das zu diesem Zweck verwendete Vokabular nehmen ihren Lauf und beschleunigen sich täglich. War Schaaf zunächst nur wortkarg wurde er rasch langweilig, schließlich stur, dann ratlos.  Ließ er zunächst im Training akribisch arbeiten, ist er jetzt als besserwisserischer  Rumsteher und Nörgler entlarvt, der den Spieler pausenlos Unfug ins Uhr trötet. War er zunächst auf der Suche nach einer neuen Hierarchie und nicht immer ganz geschickt im Umgang mit Spielern, ist er heute derjenige, der willkürlich mit Spielern umspringt wie er gerade will. *Er hält an Ozcipka  links hinten fest. Was für eine Katastrophe.* Er lässt stattdessen Kinsombi spielen. Ausdruck seiner Ratlosigkeit, mit der er die Spieler immer weiter verwirrt.*Inui spielt. Der Japaner ist unter aller Sau und macht Augenkrebs, das sieht doch jeder, nur unser Trainer nicht. *Inui spielt nicht. Der könnte wenigstens für Bewegung im Spiel sorgen.*Stendera sitzt nur auf der Bank. Der kann wenigstens Standards und wir hätten eine Art Mittelfeld. * Stendera spielt.  Warum spielt eigentlich nicht Flum? * Piazon spielt. Warum führt er nicht stattdessen den jungen Sonny Kittel an die Mannschaft heran?*Sonny Kittel spielt. Wie kann man so idiotisch sein, einen jungen Spieler ganz ohne Spielpraxis aufzustellen? *

War Schaaf zunächst auf der Suche nach einem System, ist man sich jetzt einig, dass er keines hat bzw. doch, hat er, aber nur eines in Anführungszeichen. Mussten die Spieler sich zunächst erst noch an das neue Konzept gewöhnen, waren aber eine Mannschaft „die nur schwer klein zu kriegen ist“, zeigt  die Welt – auf der Rutsche nach unten -   drei Spieltage später ihr wahres Gesicht:  Die Mannschaft ist  total verunsichert, einen Tag später geht gar „die Angst um“.  Vorgestern waren wir auf dem Weg nach unten, gestern drohte der Abgrund und heute stecken wir – über Nacht -  „in der schwersten sportlichen  Krise“ des Vereins seit dem Abstieg, die Qualität der Mannschaft ist nicht bundesligtauglich, der Abstieg praktisch nicht mehr abzuwenden. Ja, leck mich am Ärmel.  

Dazu passt, dass sich, hinter den Kulissen der Eintracht etwas zusammenbraut. Positionen werden in Stellung gebracht und es mehren sich, wie überall berichtet wird, die „Indiskretionen im Eintracht-Umfeld“ . Und tatsächlich  mehren sich vor allem auch diejenigen, die behaupten, dass sie sich mehren. Wer  und wie viele da immer und warum auch immer ihr Süppchen kochen und was auch immer sie damit verfolgen: Schaaf passt da anscheinend nicht. Only a pawn in their game. 

Was wäre, wenn die Eintracht mit Thomas Schaaf jetzt überraschend zwei der drei anstehenden Novemberspiele gewinnen würde? Was, wenn nicht, sie aber am Ende trotzdem mit 18, vielleicht sogar mit 20 Punkten in die Winterpause geht? Es wäre jetzt schon klar, dass das ganz sicher nicht der spielerischen Leistung geschuldet ist. Zufall.   

Hier hilft wohl derzeit nur noch die alte finistische Weisheit: Schaaf hat bei der Eintracht keine Chance, vielleicht nutzt er sie. 

Kommentare:

  1. Only a pawn in their game? Das glaube ich dann doch nicht, denn er spielt - wie jeder Trainer - auch seine eigenen (Macht-)Spiele. Die gehen möglicherweise nach hinten los. Wie bei Skibbe gilt eben, dass ein Trainer eine vorhandene Hierarchie abschaffen kann, aber eben auch durch eine andere, funktionierende ersetzen muss.

    Und ungeachtet journalistischer Wellenreiterei, die ja auch ihre Gründe hat und mit der jeder Profi, Trainer und Funktionär in diesem Geschäft umgehen muss, hat Schaaf (s)eine Chance. Die Frage ist aber auch, wie er diese nutzt. Und wie er sie bisher genutzt hat. Meine Meinung dazu kennst du ja. :-)

    Und wenn er mit 20 Punkten in die Winterpause geht, dann passiert folgendes: Dann ist er erfolgreich gewesen. Und hat damit - so wird die Sage gehen - wieder "alles richtig gemacht". Und mir wird es wie voher und jetzt egal sein, was die Zeitungen schreiben. :-)

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  2. Dann wäre Schaaf zwar der bessere Trainer, hätte aber mit Blick auf das Mannschaftsganze die nämlichen Schwachstellen wie Skibbe? Mmh..

    Beim "pawn in their game" habe ich beim später nochmal Lesen auch gezuckt, ja, das ist wahrscheinlich ein bisschen zu dramatisch (und zu einseitig) formuliert. Trotzdem kann ich inzwischen nicht mehr glauben, dass Schaaf - selbst dann, wenn er das Boot auf Kurs hält - im öffentlichen Diskurs derjenige sein würde, der alles richtig gemacht hat. Es wäre, glaube ich, immer ein...ja, aber. Auch dann würde - glaube ich - feststehen, dass er für Rückschritt steht und demnach also nicht für den projektierten Fortschritt und/oder das, was sich als Fortschritt positioniert. Sagen wir mal so: Es scheint mir kein Interesse daran zu bestehen, dem, was Schaaf tut, auch etwas positives abzugewinnen. Warum das so ist, weiß ich nicht. Dass es so ist, glaube ich lesen und hören zu können. Abwarten.

    Ich hoffe mal, dass ich einigermaßen in der Lage bin, mir aus dem, was ich sehe und aus dem Austausch mit anderen, so etwas wie eine unabhängige Meinung zu bilden. Aber egal, was in der Zeitung steht ....nee, irgendwie nicht. Ich will ja nicht nur wissen, was ist, sondern auch wie es gesehen werden soll ,-) - Aber wem sag ich das. Weiß ja keiner besser als du, was für erstaunliche Dinge man da manchmal zusammenpuzzeln kann? :)

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    1. Ich weiß es nicht, ob Schaaf auch bei Erfolg für Rückschritt stehen würde. Seit ich weniger im Internet lese und einfach nur zuhöre, wenn sich Menschen im richtigen Leben über die Eintracht unterhalten, bekomme ich ein Meinungsbild, das sich von dem im Netz unterscheidet. Was sicher auch daran liegt, dass ich im Netz nicht alle Orte besucht habe. Und wenn man immer nur in denselben zwei, drei Kneipen abhängt, bekommt man nicht die Musik mit, die in all den anderen gespielt wird. :-)

      Meine Meinung ist allerdings nicht unabhängig. So sehr ich das auch versuche, ganz gelingt es nie. So wie bei der Werbung, der ich auch gerne jeden Einfluss auf mich abspreche. Manchmal merke ich beim Einkaufen dann aber doch, dass die Werbung vereinzelt doch Wirkung zeigt. Wenn ich zum Beispiel ganz bewusst ein anderes Produkt kaufe. Und vielleicht ist es mit meiner Meinung ja manchmal ähnlich. ;-)

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  3. Unabhängig heißt ja nicht notwendig auch objektiv ,-) - kann ja gar nicht der Anspruch sein.Klar ist jeder von uns, je nach Erfahrung, Wissen und Verfasstheit, für äußere Einflüsse empfänglich und geht mehr oder weniger bewusst damit um. Von diesem Innen gibt es kein Außen :)

    Wg. Schaaf: Das erlebe ich genau wie du. In den Gesprächen im wirklichen Leben und mit Menschen, die wenig in Foren oder Blogs unterwegs sind, stellt sich die Situation der Eintracht im Moment ganz anders da: Die Eintracht spielt bisher eine irgendwie ganz ordentlich Saison, blöd gelaufen in den letzten Spielen, Schaaf ist ein guter Trainer, der das Vertrauen hat, kein Grund in Panik zu verfallen. Umso spannender ist es, dass die veröffentlichte Meinung im Moment so sehr darum bemüht ist, genau den gegenteiligen Eindruck zu vermitteln und andere Sichtweisen mit mangelndem Fußballsachverstand gleichsetzt.

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  4. Hurra, der Finismus lebt: Er hatte keine Chance und hat sie genutzt :)

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