Montag, 30. Juni 2014

WM-Schnipsel (4): Elfmeterschießen

Der Elfmeterschütze ist der einsamste Spieler der Welt? So heißt es. Ja. Und doch ist mir gestern beim Spiel zwischen Griechenland und Costa Rica erst  so richtig klar geworden,  dass es auch beim  Elfmeterschießen aufs Team ankommt.  Ein gutes Händchen bei der Auswahl der Schützen? Wer ist sicher und selbstbewusst genug? Wer traut es sich in genau diesem Moment zu?  Alles richtig, alles wichtig. Trotzdem: Dass Costa Rica sich gestern gegen Griechenland durchgesetzt hat, das war der Sieg einer Mannschaft, die auch zum Elfmeterschießen gemeinsam angetreten ist.  

Der Kreis, den die Mannschaft vor dem Shoot-Out gebildet hat: Sich gegenseitig anfeuern und Mut machen? Ich glaube, es war mehr: Mut, Zusammenhalt, wilde Entschlossenheit, Unbedingtheit,  eine Art Absprache - keine Mätzchen, kein Geplänkel: Wir!  Wir haben zusammen gekämpft, gelitten, alles gegeben,  mit einem Mann weniger auf dem Platz die Verlängerung überstanden. Jetzt darf, jetzt wird nichts mehr schief gehen, jetzt holen wir uns den Sieg.  Ihr fünf, ihr schießt – aber wir entscheiden gemeinsam, was wir tun: Links oder  rechts, draufhalten oder schieben, halbhoch, flach,  mit viel Risiko direkt neben den Pfosten? Nichts da. Einfach das Herz in die Hand nehmen, anlaufen, abziehen, mit aller Kraft, die noch da ist,  voll drauf halten, egal wie.  

Und genau so setzen sie es dann um. Jeder einzelne, ohne zu zögern: Celso Borges, Bryan Ruiz, Giancarlo González, Joel Campbell und Michael Umana. Kein Überlegen:  Jeder weiß genau, was er zu tun hat. Eine mannschaftliche getroffene Entscheidung für alle  – und am Ende keiner der „schuld“ ist (oder gewesen wäre), aber  alle gemeinsam, die diesen Sieg errungen haben.  

So könnte es gewesen sein. Kann natürlich auch sein, es lag einfach an Gekas. 

Kommentare:

  1. Sehr schön, Kerstin. Würde ich noch bloggen, hätte ich heute zu Gekas wahrscheinlich auch etwas geschrieben. ;-)

    Den Puerto Ricanern will ich ihren Mannschaftsgeist gar nicht absprechen, aber allgemein frage ich mich schon, wie tief die bei dieser WM gerne und ausgiebig demonstrierte Geschlossenheit der Auswahlmannschaften wohl wirklich geht.

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  2. Ja, der Gekas. Keine guten Zeiten für Revolverhelden ,-)

    Mir ist das an vielen Stellen auch zu aufgesetzt um wahr zu sein. Bei Costa Rica glaub ich's (vielleicht aber auch, weil ich es gerne so hätte ,-)

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