Sonntag, 10. November 2013

Hop oder top?

Heute, am frühen Sonntag morgen, lag ich eine Weile warm eingepackt und wach im Bett. War spät ins Bett gekommen, demensprechend müde, konnte aber nicht mehr einschlafen. Es war noch dunkel, kurz vor der Morgendämmerung. Strömender Regen. Die schwarzundweiße Katze saß am geöffneten Fenster, schaute ins Dunkel und ich schaute ihr dabei zu. Was sie gedacht hat, weiß ich nicht. Meine Gedanken hüpften von hier nach da – so viel zu erledigen, zu denken, zu verstehen - und landeten immer wieder bei einem Punkt: Dem Spiel der Eintracht heute in Mainz.

Was wird uns erwarten? Hat die Mannschaft die Kraft und den Willen, sich zu wehren? Wird sie sich ins Schicksal fügen? Am Boden liegen bleiben oder aufstehen? Wünschte, ich hätte mir die Pressekonferenz vor dem Spiel nicht angeschaut. Ratlos, wirkte das, fast ein wenig konfus, wie aus dem Film gefallen. Der Happy Adler aus Mainz huscht durch meinen Kopf. Die bevorstehende Fastnachtskampagne. Das trübe 0:0 im Frühjahr. Punkt. Immerhin. Die Schiffe aus Frankfurt, die in wenigen Stunden an der Landungsbrücke unten am Rhein anlegen. Polizei. Absperrgitter. Freunde, Mitadler. Hurra, hurra, die Frankfurter sind da. Der idiotische Halbwüchsige mit 05er Schal, der sich vor mir und meiner Eintrachtjacke aufbaut und: „Raus aus meiner Stadt.“ brüllt. Das Video mit dem Stadionanmarsch der Eintrachtler in Tel Aviv. Fotos von der Eintracht-Ente am Strand. Das Gesicht von Kevin Trapp. Der jubelnde Patrick Ochs im grünen Trikot. Das niederschmetternde 0:3 vor zweieinhalb Jahren. Bamm. Bamm. Bamm. Die Polizisten, die mich nicht durchlassen wollen, weil sie nicht glauben, dass ich Eintrachtler bin und trotzdem in Mainz lebe. Der bevorstehende Trip nach Bordeaux. 10.000 Adler schalalala. Die Reihe der nächsten Gegner. Schalke. Hannover. Hoffenheim. Sandhausen. Nein. Nicht. Aachen. Was, wenn wir heute untergehen?  

Die Katze plumpst vom Fensterbrett. Ich schrecke hoch, schüttle mich. Alla. Nicht schon vor den Schlägen schreien. Brust raus, Kopf hoch, volle Energie und Konzentration aufs Spiel. Die Mainzer mit Baktus im Tor und mitohne Nicolai Müller. Das ist doch schon mal kein Nachteil. Und wie hat der große Ernst Happel es mal gesagt: „Wennst Angst hast, brauchst net spielen.“ Auch in den historischen Geburtstagen in dieser Woche lässt sich allerlei Aufmunterndes finden. „Die wahre Großzügigkeit der Zukunft gegenüber besteht darin, in der Gegenwart alles zu geben.“ Albert Camus hat diesen Gedanken formuliert. 150 Jahre Rorschachtest? Also, wenn ich mir die Bildchen ankucke: Alles Adler, nichts als Adler. Und apropos „A“:  Bei „Bauer sucht Frau“, dass ich – selbstverständlich ausschließlich aus medienpädagogischem und sozialwissenschaftlichem Interesse – mitunter durchzappe und mich an den - hoho - allgegenwärtigen Alliterationen erfreue, ist derzeit auch ein hessischer Kandidat vertreten: Der - nicht zu fassen -  heitere Hesse Helmut mit seinem Hasen Hansi. Heeey... nix da heiterer Hesse und nix da Hase, schon gar nicht Hansi. Adler. Attila. Aufrechte Adler. Ambitioniert. Angstfrei. Aufmerksam. Angriffslustiger Alex. Aufwärts. 

Da fehlt doch noch was? Stimmt, ein weiteres A, das ich mich kaum traue hinzu schreiben. Egal. Trotzdem. Jetzt erst recht: Auswärtssieg.  


Kommentare:

  1. Die Mannschaft hatte den Willen und sie hat sich gewehrt, aber nach einer Stunde habe ich nur noch auf den Gegentreffer gewartet. In der Trainingssteuerung muss bei uns wohl etwas schief gegangen sein ...

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  2. In der 60. fängt es an, in der siebzigsten fängt man an hochgradig nervös zu werden, ab der 80. hält man die Luft an, dass es dieses Mal irgendwie gut geht. Wenn man im Fernseher die Gesichter in Großaufnahme sieht, - Russ, Rode, Oczipka, Jung, Barnetta, Meier - weiß man, dass es jedem Einzelnen auf dem Platz genau so geht. Bloß nicht wieder ein Tor kurz vor Schluss. Bloß das nicht. Irgendwie durchkommen. Vehs Gesichtsausdruck nach dem Tor war fast schon verzweifelt.

    Dieses schreckliche Ritzamba, das wie eine zusätzliche Verhöhnung über dem Stadion dröhnt. Nach einem ersten Wutausbruch inklusive Tritt gegen den Tisch standen mir echt die Tränen in den Augen. Und jetzt?

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  3. Und jetzt? Bis zur Winterpause die Luft anhalten. Schwegler und Kondition gibt es frühestens in der Rückrunde.

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  4. Gelandet statt flieg, Adler, flieg. Luft holen, Kleine Brötchen backen. Kampf gegen das Wort mit A annehmen. Und endlich auf anderen GEdanken kommen. Mehr fällt mir nicht ein. Wirklich nicht.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

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  5. Da kommen noch ein paar schwierige Wochen auf uns zu, fürchte ich. Und dann? Die Winterpause als Heilmittel? Ich weiß nicht.

    Eintrachtdepriphase :(

    LG Nicole

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  6. Immerhin sind wir Nachvierundachtzigminutentabellenzehnter. Beruhigend? Nö. Ein Spiel dauert wievielminutennochmal? Der Gegner wartet schier, wir starren drauf. Mental? Kopfgefängnis? Kuh, Eis, Bock, trockene Tücher? Das Runde ins Eckige? Ich fürchte, die Jungs sehen das zu vielohsoffisch: Unendliches ins endliche Geviert der Welt? Unmöglich.

    Meine persönliche Erfahrung mit Teams sagt mir: ein Besonderer fehlt, na klar macht sich das bemerkbar. Breite hin, Breite her. Schwegler, wer als Jugendlicher die Leukämie besiegt hat, den wirft so schnell auf dem Rasen oder sonstwo nichts um. Er fehlt uns wirklich.

    Und die Rhetorik des Trainers, die mir einstens gut gefallen hat, sehr gut sogar - sie hat sich, ja R&S, merkwürdig ins Hilflose, beinah Verzagte gedreht. Nach wie vor gilt aber: werauchimmer wasauchimmer - egal, Hauptsache EINTRACHT!




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    1. P.S. Man könnte das auch so lesen: In den 60ern fängt es an, in den Siebzigern fängt man an hochgradig nervös zu werden, ab 80 hält man die Luft an ... *Schnappatmung*

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  7. @ Kid und Nicole: Mindestens 17, 18 Punkte brauchen wir bis zur Winterpause... Mir fehlt im Moment die Phantasie mir vorzustellen, wo die herkommen sollen. Habe immer noch mehr und noch mehr Fragezeichen über dem Kopf schweben, was schlimmer ist: Ich sehe sie auch über dem Kopf der Spieler und des Trainers. Kann das richtig sein, dass wir jetzt zwei Tage nicht trainiert haben? Wenn schon nicht trainieren, dann muss man sich doch zumindest treffen, Frust abbauen, positive Energie aufbauen, was auch immer. Bis Donnerstag ist das Spiel vom Sonntag, der Ärger, auch der Jetzt-erst-recht-Impuls doch fast schon wieder verraucht oder wie oder was....Aaaaargs..... Was mich freut, ist das Pirmin angekündigt hat, sich stärker einzuklinken. Auf die Winterpause hoffen, das wird vielleicht nicht reichen...

    @Fritsch: Es gibt noch so viele andere Worte mit A... Alarmglocken, Ärmel aufkrempeln, Alles schon mal dagewesen...

    @Anonym: Ja, Schwegler fehlt. Aber es fehlt auch ein kollektives, gemeinsames Wollen - vielleicht hängt das eine aber auch mit dem anderen zusammen. Mir fallen so viele Mosaiksteinchen ein... da ist irgendwie nichts was uns trägt, beflügelt, Kräfte frei setzt. Und wg. Veh: Das ist wohl irgendwie Teil seiner Trainerpersönlichkeit, dass die gleichen Eigenschaften, die in guten Zeiten strahlen, in schwierigen Zeiten irgendwie genau so sind und doch ein ganz anderes Bild zeigen. Wie bei einem Vexierbild - je nachdem wie man draufkuckt, kippt es in die eine oder in andere Richtung.

    @PS: Hihi, das lässt sich sogar noch erweitern.... In den 20ern hat man das Gefühl, alles ist möglich, in den 30ern ist schon ein bisschen die Luft raus, in den 40ern macht man erst mal halblang, in den 50ern noch mal ein kurzes Aufbäumen...*g

    ...wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendrin Europacup.... *singan* wir spielen internationaaaaal....und nächstes Jahr fahrn wir nach Baunatal.... Nein. Tun wir nicht. Nein. Nein. Nein.

    Danke euch sehr für eure Anmerkungen. Hoffe auf weiteren Beistand bis zur Winterpause - und darüber hinaus :)

    Rotundschwarze Grüße, K.

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  8. http://www.rtl-hessen.de/prakticam.php?start=160&video=23693&kategorie=27

    Hinter den Kulissen der Commerzbank-Arena!

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  9. Der Wind bläst uns ganz schön heftig ins Gesicht. Wir sind aber immer noch WIR und nicht DIE.
    Jetzt.Erst.Recht.
    Beistand selbstverständlich zugesagt. Wie sangen diese Menschen aus dieser Stadt am Rhein doch einst? Guude Fründe stonn zesamme. ...
    Aufrechtstehend,
    die Sarroise

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  10. Ich hatte nichts anderes von dir erwartet. Wir! :)

    PS: Das is abber die anner Stadt am Rhein *g

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  11. http://rtl-hessen.de/prakticam.php?video=23693&kategorie=27

    Hinter den Kulissen der Commerzbank Arena!

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  12. Haaaaaalllloooo? Jemand zu Hause?
    Blogruhe?
    Schon gepackt?
    Am Ende schon sur l'autoroute?

    Ich troll mich dann wieder, packen und so.
    Un petit rouge pré-match?

    die 'ibbelisch Sarroise

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  13. Nein, isch bin noch present. Aber du 'ast rescht: Der Blog ist sträflich vernachlässigt, das muss sich wieder ändern ,-) Wir sind morgen am frühen Nachmittag - das wär trés genial, wenn wir uns treffen könnten. Wir kontakten per Handy!!!

    rouge et noire :)

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