Donnerstag, 22. August 2013

Europa - wir kommen: Erste Runde Baku...

Heute. Endlich. Es geht los: Ungefähr 2.050 Tage nach dem letzten Auftritt in Europa (ein hitziges 2:2 bei Fenerbahce Istanbul und damit knapp das Aus in der Gruppenphase) spielt die Eintracht wieder mit auf der europäischen Bühne. Gestern sind die Mannschaft und der erste Fan-Flieger nach Baku aufgebrochen. Die ersten Fotos (dankenswerterweise nicht nur in Facebook, sondern auch  im Eintracht-Forum) zeigen entspannte, erwartungsvolle Gesichter, das erste Training,  bunt bemalte Fassaden. Nur noch knapp 8 Stunden. Wie das kribbelt.

Baku  ist die Hauptstadt von Aserbeidschan und gleichzeitig die größte Stadt des Landes. Sie hat über zwei Millionen Einwohner und ist – ich hab mich mal durch diverse Quellen im Netz geklickt –  eine ziemlich beeindruckende Mischung aus Tradition und Moderne. Die Stadt ist von der Ölindustrie geprägt – und dementsprechend ein bisschen „neureich“,  hat aber auch sehr viele malerische Ecken, Kulturdenkmäler, Moscheen, Paläste und verwinkelte Gässchen. So berichtete auch Geheimnisträger Peter Fischer am Montag im HR Heimspiel – er war selbst schon mehrfach vor Ort. Kein Wunder, es gibt ja konkrete Beziehungen der Eintracht nach Aserbeidschan. Uli Stein ist – im Gefolge des Bundes-Berti - Torwarttrainer der Nationalmannschaft (will aber – wenn ich das Interview bei der Europafeier auf der Waldtribüne richtig in Erinnerung habe – dort demnächst seine Zelte abschlagen). Bernhard Lippert, ehemals Amateurtrainer der Eintracht, ist technischer Direktor der aserbeidschanischen U 21. Vor vier  Jahren hat die Eintracht mal zwischendurch an einem kalten Wintertag anstelle einer Trainingseinheit im Waldstadion ein Testspiel gegen die aserbeidschanische Nationalmannschaft ausgetragen. Der Sieg war denkbar knapp – durch ein Tor von Leonard Kweuke (Stoßstürmer) gewann die Eintracht mit 1:0. 

Baku liegt an der südwestlichen Küste des Kaspischen Meeres, auf einer Halbinsel namens Apscheron. Die Stadt lebt vom Öl. Deswegen kann man im Meer nicht baden – es ist zu schmutzig -, aber am Meer Spazierengehen und den regen Handelshafen bestaunen. Als Wirtschaftszentrum ist Baku außerdem ein Eisenbahnknotenpunkt – das ist doch schon mal etwas, was es seiner Partnerstadt Mainz voraus hat.

Herzstück der Stadt ist die Altstadt – Itscheri Schecher, die von Festungsmauern umschlossen ist.  Sie ist von allen historischen Veränderungen fast unberührt, und ist rings um einen Hügel mitten in der Innenstadt gebaut – oben auf dem Hügel der Palast der Schirwanschah-Dynastie   mit Meeresblick. . Die Gässchen sind so verwinkelt, dass sich selbst heimische Taxifahrer schon mal verirren. Kleine Lädchen, Cafés, malerische Ecken.  Die Altstadt gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Kulturerbe. Hier ist der Autoverkehr streng reglementiert, die Zahl der Autos, die hier, in der Altstadt,  fahren dürfen, ist auf 450 begrenzt.

In Baku herrscht – wenn man Wikipedia glauben darf – ein reges Nachtleben. Es gilt als Stadt der „Nachtschwärmer“. Im Ranking des – by the way ziemlich "kolonialistischen" - Reiseführers „Lonely Planet“  zählt Baku zu den Top 10 Adresses für städtisches Nachtleben. Ui. Da ist wohl davon auszugehen, dass zwar nicht die Mannschaft, aber die Eintrachtler vor Ort dieses Flair dann heute Nacht bereits genossen haben. Im Sommer sind die Menschen bis spät in der Nacht auf der Straße – nachts leuchtet Baku nämlich. Fast alle Häuser sind mit bunten Lichtern angestrahlt, überall blinkt und blitzt es und strahlt einen ganz speziellen Zauber aus.

In Baku ist es im August sehr warm und dämpfig – im Schnitt um die 29 Grad, wie es heißt, hängt ständig ein Geruch von Öl über der Stadt. Borussia Dortmund hat vor zwei Jahren ebenfalls ein Euro-Qualifikationsspiel ausgetragen – einen sehr interessanten und impressionistischen Reisebericht kann man im BVB-Blog schwatzgelb nachlesen - auch davon, dass der Dortmunder Trupp nicht so besonders viel von der typisch aserbeidschanischen Gastfreundschaft erleben durfte. 

Die Eintracht spielt bekanntermaßen heute nicht gegen Baku, sondern gegen Qarabaq Agdam – die Stadt Agdam liegt ein paar Kilometer weiter im Landesinneren, in Karabach (aha, daher der Name) an der Grenze zu Armenien. Aserbeidschan ist erst seit 1991 unabhängig, zwischen den beiden Ländern Armenien und Aserbeidschan  schwelt seit vielen Jahren ein kriegerischer Grenzkonflikt. Agdam wurde vor ein paar Jahren zerstört und ist noch heute von der armenischen Armee besetzt. Der Verein Qarabaq hat in Baku sozusagen Asyl gefunden.

Die Mannschaft spielt seit vielen Jahren in der aserbeidschanischen Premyer Likasi , in der zwölf Mannschaften antreten.  Qarabaq war drei Mal aserbeidschanische Meister. Kurios: Im Jahr 2003 musste die Meisterschaftsrunde ausfallen. Der Meister wurde trotzdem ermittelt – und zwar im Elfmeterschießen. Qarabaq gewann – der Titel wurde aber unter „inoffiziell“ verbucht.

Qarabaq trägt seine Heimspiele im Tofiq Barhamov Stadion aus, das 31.200 Zuschauer fasst und das größte Stadion in Aserbeidschan ist. Hier sind auch schon Shakira, Rihanna und Elton John aufgetreten.  Eigentlich sollte hier auch der Eurovision Song Contest ausgetragen, für den dann aber eine eigene Halle gebaut wurde – die Baku Chrystal Hall. Wer hat damals noch gleich gewonnen? Richtig: Lorraine mit „Euphoria“. Das passt doch.

Bei Heimspielen ist das Stadion in der Regel höchstens zur Hälfte gefüllt – trotzdem herrscht – wie z.B. beim Spiel von vor zwei Jahren gegen den BVB zu hören und zu sehen ist – eine ziemlich muntere, recht lautstarke Atmosphäre.

Wie stark muss man Qarabaq einschätzen? Peter Fischer meint: Eher mittleres Zweitliga-Niveau, auch vom „ordentlichen Zweitliga-Niveau“ spricht Uli Stein, der es wissen muss.. Das klingt machbar, aber auch nicht so, als wäre ein Sieg heute vollkommen selbstverständlich. In den Reihen von Qarabaq finden sich seit letzter bzw. dieser Saison auch drei Brasilianer – Reynaldo, Chumbinho und Richard – alle drei Mittelfeldspieler, die mit Abstand den größten Marktwert im Team haben und wohl als deutliche Verstärkung der Mannschaft gelten können.  Ebenfalls im Team: Ein Spieler mit Bundesliga-Erfahrung. Miro Varvodicder - wenn ich das, was ich gelesen habe richtig interpretiere - in dieser Saison die Nummer 1 im Tor von Qarabaq ist - hat einige Bundesligaeinsätze hinter sich. Er wechselte in der Saison 2008/09 von Hajduk Split zum 1. FC Köln, wo er jedoch nicht überzeugen konnte. Seit der letzten Saison spielt er in Aaserbeidschan.

Qarabaq ist gut in die aktuelle Saison gestartet - mit drei Siegen steht die Mannschaft derzeit an der Tabellesnpitze. Das Video vom Sieg im Heimspiel gegen Gefle Qarabaq - ein 2:0 - vermittelt den Eindruck einer sehr straighten, geradlinigen Spielweise. Nicht viel Kombinationsußball, lange Bälle über die außen, laufstark und durchsetzungsfähig im Spiel eins gegen sein - und Spieler, die schnell den Abschluss suchen. Torschützen waren übrigens zwei der neuen, technisch starken Brasilianer: Richard (20) und Reynaldo (9). Nicht zu unterschätzten. Wie hat mein Opa immer gesagt? "Die wolle aach net verliern." So ist das - und der Qarabaq-Trailer vor dem Spiel gegen Ayntraxt lässt daran keinen Zweifel.

Hibbelisch. Gespannt. Aufgeregt. In freudiger Erwartung. Nervös. Wie ein Flitzebogen. Voller Vorfreude. Es ist so weit. Europacup in diesem Jahr. Den verkorksten Saisonstart endgültig abschütteln. Durchstarten in die Gruppenphase.  Leider, leider ohne Schwegler und Jung, trotzdem: Wir sind bereit. Und wie wir anfangen? Am besten so:

Auswärtssieg!

Kommentare:

  1. Das gibt heute einen 3:1-Sieg der Ayntraxt über Qarabağ, das werden auch Caio II, Caio II und Caio IV nicht verhindern können.

    Auswärtssieg!!!

    AntwortenLöschen
  2. Wird eine schwierige Sache. Hoffentlich wird unser Spiel so gut wie dieser Vorbericht. Man könnte glatt einfach mal so nach Baku fahren wollen. Auswärtssieg! Gruß, C.

    AntwortenLöschen
  3. Meier. Mein Meier. Großartig. Ein wichtiger Sieg. In mehr als einer Hinsicht.

    AntwortenLöschen
  4. Leider habe ich deine Einstimmung erst nach dem Spiel gelesen. Trotzdem noch sehr lesenswert :).

    Auswärtssieg eingetütet. Was wären wir ohne Alex Meier? Guter Mann!

    So können wir dem nächsten Donnerstag recht entspannt entgegen sehen.

    LG Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der größte Fehler, den die Mannschaft machen kann, ist es, dem Spiel entspannt entgegenzusehen, da dann das Spiel verloren gehen könnte. Auch dieses Spiel muss gewonnen werden, 70% reichen da nicht.
      Was passiert, wenn zu lässig gegen Qarabağ gepielt wird, hat man im letzten Viertel des Spiels sehen können. Da kamen sie auf einmal zu Chancen, die glücklicherweise aber nicht erfolgreich abgeschlossen wurden.

      Löschen
    2. Du hast natürlich recht. Ich meinte da aber uns, oder mich halt, als Fan. Ich werde entspannter sein nach diesem Sieg und der guten Ausgangsposition.
      Von der Mannschaft erwarte ich natürlich, dass sie konzentriert zu Werke geht.

      Löschen
  5. Ich sage nur: Fussballgott!

    Auch wenn ich Kid seinen Meier nicht nehmen möchte. Aber mein Meier ist es auch!

    Und jetzt ist Braunschweig richtig wichtig.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

    AntwortenLöschen
  6. Meindeinunser Meier :) Ich bin der festen Überzeugung, dass uns Baku auch über die Hürde in Braunschweig hilft. Das muss und das wird einen Schub geben. Konzentriert bleiben, wieder an die eigene Stärke glauben, reinhängen - dann können wir in der Bundesliga zum Auftakt doch noch einigermaßen die Kurve kriegen. Und dann Europa. Menschenskinners. Ich freu mich so. So was von.

    Einträchtliche Grüße, K.

    AntwortenLöschen