Mittwoch, 19. Juni 2013

Der (fast) ewige Oka

Eigentlich überlege ich gerade, ob ich Heribert Bruchhagen von meinem (nicht vorhandenen) Anwalt ein Schreiben zukommen lasse. Der Vertrag mit Oka ist ja nun zweifelsfrei bereits aufgelöst. Aber vielleicht könnte ich damit drohen, dass ich - falls das nicht umgehend rückgängig gemacht wird - keinesfalls zum Trainingsauftakt nächste Woche im Waldstadion erscheinen werde? Ob das in meinem Falle etwas nützt?

Jedenfalls: Wie? Was? Es heißt doch "ewiger Oka". Und dann hat die Ewigkeit am Ende doch – wie die Wurst – zwei Enden.  Sie fängt an und sie hört auf. Oka verlässt uns. Er geht. Tatsächlich. Kaum zu glauben.

Rügenwald ruft in diesen Tagen seine Teewurst zurück. Wir dagegen lassen Oka ziehen. Als ich die Nachricht heute Nachmittag gelesen habe war ich zunächst ungläubig, dann wehmütig und traurig – aber als ich merkte, dass sich darunter ein klitzekleines Gefühl von Enttäuschung mischen wollte, habe ich es schnell weg geschoben.  Nein, das wäre nicht recht. Es tut weh, wenn etwas zu Ende geht, dass man für etwas Unverbrüchliches gehalten hat. So besonders, dass es nie aufhört. Ewig. Aber so ist das. Leben ist Veränderung. Auch die Ewigkeit ist vorläufig. Oka hat seine gesamte fußballerische Karriere mit uns und wir haben sie mit ihm verbracht. Er hat sich ins zweite Glied gestellt, wenn ihm mal wieder eine neue Nummer 1 vor die Nase gesetzt wurde, hat sich nicht unter kriegen lassen und am Ende doch wieder zwischen den Pfosten gestanden. Er hat großartige Spiele für uns gemacht. Zuletzt das Wahnsinnsspiel gegen Schalke auf dem Weg nach Europa. Eintracht ist…. wenn Oka Nikolov im Tor steht! So war das bis heute. Jetzt nicht mehr. Nikolov. Nikolov.

Ist es tatsächlich die weite Welt, die Oka aus dem Odenwald und dem Waldstadion in die USA lockt? Oder doch die bei der Eintracht nach der Karriere fehlende Perspektive?  Wenn man sich die eine oder andere Anmerkung Okas aus den letzten Wochen vergegenwärtigt, scheint letzteres bei der Entscheidung zumindest mit hinein gespielt haben. 

Wie auch immer: Oka darf gehen, leichten Herzens  und versehen mit allen guten Wünschen. Adler müssen fliegen und ich gönne ihm von Herzen, wenn er die Schwingen ausbreitet und in ein Abenteuer startet.

Vor zweieinhalb Jahren – also einem Zehntel Ewigkeit – habe ich hier im Blog schon einmal einen Abschiedstext für Oka Nikolov verfasst. Seit dem ist viel passiert. Ein Abstieg. Ein Aufstieg. Eine neue Nummer 1 und am Ende doch wieder ein Oka, der im Tor stand und mit der Eintracht, mit uns, in den Europapokal  eingezogen ist.  Das Unentschieden gegen Wolfsburg war also sein letztes Spiel als Oka im Eintracht-Trikot. Schalalala. Kaum zu glauben.

Die Eintracht ohne Oka – das ist für mich und für viele von uns im Moment noch nicht so recht vorstellbar. Der, der immer da war, der die Brücke zwischen „Es war einmal“ und „Was kommt als nächstes?“ gebildet hat und heute eigentlich immer noch genauso aussieht wie  vor zwanzig Jahren. Mit zwei, fast drei Generationen von Eintrachtlern hat er zusammengespielt: Von Falke, Maurizio Gaudino, Ralf Weber, Jay jay Okocha, Anthony Yeboah über Uwe Bindewald, Horst Held, Jan Aage Fjortoft und Alex Schur bis zu Alex Meier, Sebi Jung und Marc Stendera. Alle Abstiege und alle Aufstiege hat er miterlebt.  Ganze Generationen von Nachwuchsadlern sind mit ihm groß geworden. Jetzt ist er weg und wir müssen sehen, wie wir ohne ihn zurecht kommen. Eine Träne kullert. Bestimmt nur ein Staubkörnchen, das mir grade ins Auge geflogen ist.

Danke Oka. Alles Gute, Glück, Spaß, Erfolg, Abenteuer. Bis bald! We’ll meet again.

Kommentare:

  1. Bin geschockt und habe Tränen in den Augen.
    Oka-ein wunderbarer Mensch-fairer Sportler,ein Stück Eintracht wird uns aus dem Herz gerissen.
    Danke für deinen Beitrag,sehr treffend formuliert.
    Denke jetzt,ganz besonders-an das Heimspiel gegen Schalke,was er da alles gerettet hat und die EL mit gesichert hat.
    bin unendlich traurig-ein sehr herber Verlust und ein bitterer -Nachgeschmack-bleibt.
    LG
    (B).

    AntwortenLöschen
  2. HappyAdlerMeenz19. Juni 2013 um 09:34

    Danke Oka

    Vielen Dank für alles was Du für die Eintracht getan hast.Schön das Du in den letzten Spielen mit deiner Leistung dazu beitragen konntest das die Eintracht International spielt.
    Ich wünsche Dir alles Gute in Amerika.
    Eins möchte ich noch betonen.Menschlich warst Du einer der größten Eintachtler aller Zeiten.
    Ich werde dich sehr vermissen.

    AntwortenLöschen
  3. Herrje, gestern war ich ja schon erst ungläubig, dann geschockt, dann traurig. Aber heute früh wachte ich auf und einer meiner ersten Gedanken war: Nein, Oka ist weg! Das darf doch nicht wahr sein.

    Wir verlieren mit ihm eine Identifikationsfigur und einen tollen Menschen. Immer ruhig, bescheiden, freundlich, immer konzentriert, austrainiert. Bereit.

    Kürzlich fragte er Rosa noch, wie alt sie denn nun sei und meinte, seine Tochter sei auch 10 Jahre alt. Seufz. Und ein Foto mit ihm habe ich jetzt immerhin noch.

    Heul.

    Alles Gute Oka! Viel Erfolg in den USA und eine gute Zeit für dich und deine Familie. Du wirst immer einen Platz in unserem Eintrachtherzen haben.

    Danke Kerstin für deinen Blogeintrag. Hilft, die erste und hoffentlich letzte schlechte Nachricht der Sommerpause zu verarbeiten.
    LG Nicole

    AntwortenLöschen
  4. Mach's gut, Oka. Man sieht sich. Some sunny day.

    AntwortenLöschen
  5. ...hatte mir fest vorgenommen , mir für diese saison das (vermeintlich schwarze) auswaertstrikot zu holen , und mit *1* + *oka* zu lassen...

    ...aber ich kam offensichtlich zu spät...

    allesallesalles gute , oka ....

    (bleib , wie du bist....)

    AntwortenLöschen
  6. @Weserbembel: Mach es doch trotzdem :)))

    Einträchtliche Grüße nach Bremen (auch an den Rest der Bembel!)

    lgk

    AntwortenLöschen