Freitag, 14. Januar 2011

Keine halben Sachen

Den folgenden Text habe ich – ganz gegen meine Gewohnheit – bereits am Dienstag verfasst, obwohl ich ihn erst heute – also am Freitag – zur Einstimmung auf das Spiel gegen Hannover einstellen wollte. Am Dienstag konnte ich noch nicht wissen, was diese Woche mir Trauriges bringen würde. Aber das ist ein anderes Thema – etwas dazu vielleicht in den nächsten Schnipseln. Der Text hier war schon fertig. Nicht halb, sondern ganz. Und hier ist er also:

Es war vor kurz vor Weihnachten als sich folgende kleine Begebenheit ereignete.
Am frühen Nachmittag war ich noch kurz in ein alteingesessenes Schreibwaren- und Bastelgeschäft in der Mainzer Innenstadt gewitscht, um verschiedene Dinge zu besorgen: Kein Großeinkauf, nur ein paar gemischte Materialien, die man halt so braucht. Allerlei Weihnachtliches – Geschenkpapier, Bänder, Kerzen -, aber auch einige Büromaterialien: einen Kalender, einen Schreibblock, Stifte. Es war relativ voll im Geschäft, an allen Kassen hatten sich etwa gleichlange Schlangen gebildet – naja, so ist das halt - ich musste also eine Weile anstehen.

Jetzt war ich dran, packte meine Sachen aus dem Körbchen, bildete zwei Häufchen und bat darum, die beiden Stäpelchen – von wegen getrenntem Beleg – getrennt abzurechnen. Ja, ja, nickte die Dame hinter der Kasse mir eher unaufmerksam zu, während sie gleichzeitig den hinter mir in der Schlange Wartenden in recht harschem Ton Bescheid gab, dass es keinen Zweck habe weiter zu warten. „Ich mach hier gleich zu, gehe se bitte an die anner Kass.“

Von hinten berechtigtes Murren. „Das hätten Sie aber auch eher sagen können…“ „Ich hab doch nur ein Teil, das werden Sie doch noch….“ Nein, nein – raunzte die Dame an der Kasse – „Des“ (sie deutet mit dem Kinn auf mich) „is mei letzte Kundin.“ Sie habe schließlich auch mal Feierabend und dann fing sie auch bereits an, die Einzelteile, die ich vor ihr aufgebaut hatte, hurtig einzuscannen. „12 Euro 58“, sagte sie, während von hinten eine der Murrenden nicht locker lassen wollte. „Bitte, ich hab’s eilig, nur das eine Teil…“ „Ich hab doch gesagt – ich mach jetzt Schluss, und außerdem hab ich auch schon abgedrückt“, hörte ich die Verkäuferin keifen, während ich das Geld für das erste Stäpelchen aus meinem Portemonnaie heraus kramte.

Abgedrückt? Wer? Was? Wen? Ich blickte auf. Die Verkäuferin saß jetzt nicht mehr. Sie stand, hatte den Inhalt ihrer Kasse in der Hand und sah mich beifallheischend an: „Also jetzt saaache se doch mal ehrlich. Die Leut – unmöglich. Ich will doch schließlich auch mal heim. Mein Bus….“ Und während ich noch überlegte, wie ich mich möglichst neutral aus der Affäre ziehen könnte , begann es bei mir zu dämmern, dass es hier nichts, aber auch gar nichts, mehr zu überlegen gab. Nein, ich hatte keineswegs grade noch mal Glück gehabt hatte, sondern auch ich war aufgelaufen. Den ersten Teil meiner Einkäufe – den hatte ich noch bezahlen dürfen. Aber der zweite? Zu spät. Auf halber Strecke. Einfach "abgedrückt".

Ich vermute, dass ich recht dämlich da gestanden habe, mit offenem Mund und heruntergeklapptem Kinn. Bevor ich mich so weit berappelt hatte, um protestieren zu können, war die Kassiererin jedenfalls bereits entschwunden. „Da kommt gleich jemand“ rief sie mir noch zu. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich hier und stehe nicht mehr da – sie scheint also recht behalten zu haben.

Was will uns diese Geschichte sagen? Halbe Sachen – so was macht man nicht. Und eine halbe gute Saison ist nichts wert, wenn man am Ende dann doch bedröppelt da steht. Deswegen gibt’s für die Eintracht nur eins: In der Rückrunde nicht nachlassen, sondern einfach weitermachen. Und am Sonntag fangen wir damit an. Trotz kurzer Pause. Trotz Verletzungssorgen. Keine halben Sachen – Sieg!

Kommentare:

  1. Es gab eine Zeit - noch gar nicht so lange her - da wäre es mir wie dir ergangen. Heute würde ich der Kassiererin entgegnen, dass die unmögliche Person sie selbst ist. Und wenn sie "abgedrückt" und unbeeindruckt das Weite suchen würde, würde ich den Laden lautstark auf Vordermann bringen. Höflichkeit und Zurückhaltung hilft leider viel zu oft den Arschlöchern auf diesem Planeten. Mit mir nicht mehr.

    Das gilt auch für Profifußballer. Besonders für die, die volles Gehalt beziehen und halbe Arbeit abliefern. Mit mir nicht mehr.

    Mein Kanal ist voll.

    Liebe Grüße vom Kid

    PS: Es passiert einfach zu viel Trauriges im Leben.

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  2. Mir wäre es höchstwahrscheinlich wie dir gegangen, Kerstin. Sprachlos.

    Das tut mir leid, dass dir etwas Trauriges passiert ist. Ich hoffe, du kannst das gut verarbeiten.

    Heute gilt es: keine halben Sachen! Ich gebe zu, ich habe da eine gewisse Erwartungshaltung.

    Liebe Grüße und immer Kopf hoch, liebe Kerstin!
    Nicole

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