Freitag, 21. Januar 2011

Alternativlos. Die Eintracht vor dem Spiel in Hamburg.

Alternativlos - so heißt das frisch gekürte "Unwort des Jahres". Was für ein schreckliches Wort, das Vielfalt ausschließt und Dinge mit einem Streich erledigt. Widerspruch und Diskussion zwecklos. Ein wahrhaft typisches Wort für diese Welt, die munter darauf hinarbeitet, Dinge so gründlich und grundsätzlich zu verändern, dass es kein Zurück mehr gibt. Alternativlos. Und - es klingt fast triumphierend -  „irreversibel“.

Flashback.

Vor zwei Jahren waren wir zum letzten Mal in Hamburg.. Wir hatten uns sehr auf diesen Kurztripp gefreut und dann war all das, worauf wir uns so gefreut hatten, eine einzige große Enttäuschung. Mit einem angepieften, fast schon unverschämten Taxi-Fahrer fing es an. Das angebliche Super-Duper-Last-Minute-Schnäppchen-Hotelzimmer mit Blick auf die Alster befand sich zwar in einem sehr feinen Hotel, entpuppte sich aber als schmale Kammer mit Blick auf den Hinterhof direkt über dem Entlüftungsschacht der Küche. Das Kris Kristofferson-Konzert? Arrgs, besser schnell den Mantel des Vergessens darüber breiten. Der einst so cool-zärtlich-wilde Kris Kris verbreitete den Charme eines – hilfehilfe – Roger Whittaker. Die Mark Rothko–Ausstellung - lieblos, prätentiös, enttäuschend. Zudem war es heiß. Sehr heiß. Also nicht nur ein bisschen sondern so heiß, dass sogar die Elbe brodelte und nur die müden Witzchen des Alleinunterhalters auf dem Rundfahrt-Schiff (doch, wir haben tatsächlich eine gemacht ,-) eine abkühlende Wirkung hatten. („Der Elbstrand – der ist abends im Sommer so voll, dass die Leute nicht mehr neben-, sondern aufeinander liegen.“ Haha. „Gib nicht auf Fozzy…“ )

Trotzdem habe ich diese Hamburger Tage in guter Erinnerung. Zum Ersten deshalb, weil wir einen klugen Satz von Nick Hornby beherzigten, der da lautet: „Man darf auch rausgehen“. Zum Zweiten, weil mein Mit-Adler und ich, wenn wir unterwegs sind (und auch sonst), nicht zum „o wasn Scheiß“, sondern eher zum „hey – wir machen das“ neigen. Und zum Dritten, weil wir für die Abende einen festen Ankerplatz hatten: Das „Max & Consorten“, ganz in der Nähe des Bahnhofes, am Rande des Stadtteils St. Georg gelegen. Kaltes Bier, Bratkartoffeln, Wurstbrote, nette Leute aller Art – ein Ort zum Schwätzen, Sitzen, Trinken, Bleiben. Eine Stadtteilkneipe wie es sie nicht mehr oft gibt. Ein bisschen abgeschubbst, eingeraucht, voller Erinnerungen. Einfache Stühle und Bänke, im Sommer draußen ein paar Tische und Bänke. Ein Adler-Freund aus dem Norden hatte uns diesen Tipp gegeben: „Wenn ihr nach Hamburg kommt – unbedingt Max & Consorten.“ Für ihn seit vielen Jahren ein fester Punkt bei allen Hamburg-Trips, Trink- und Treffpunkt nach Konzerten. Bei Eintracht-Spielen.

Vor ein paar Wochen dann per Mail die Nachricht: "Stell dir vor - Max & Consorten gibt's nicht mehr."  Ein Opfer der „Gentrifizierung“ – der Umwandlung eines Stadtteils zu einem Szeneviertel. Das prenzlauerisierte St. Georg wächst und braucht neue Wohnungen. „Keiner will, dass Max verschwindet. Und keiner kann es verhindern.“  So ein Pech. Und deshalb ist das „Max“ mittlerweile weg und dort, wo es seit vielen Jahrzehnten stand, entsteht ein zwölfstöckiges, „milieugerechtes“ Wohnhaus. So ist das halt. Alternativlos.

Flashbackende.

Für „Max & Consorten“ gab es keine Alternative. Anders für den HSV - da scheinen sich nämlich gerade einige zu eröffnen.  Kommt Sammer?  Geht Ruud?  Und wenn ja: Ist das gut oder ist das schlecht? Diese Fragen bewegen die Fanszene, sollen heute Abend aber erst einmal ausgeblendet werden, denn: „Das einzige, was man beeinflussen kann, sind die eigenen Spiele.“ Meint Armin Veh.

Und welche Alternativen hat die Eintracht? Ganz einfach: Keine. Und deswegen bleibt ihr nur eins: Sie muss und sie wird sich "ihrer Haut erwehren." Oder um es mit Herbert Achternbusch auf den Punkt zu bringen: „Du hast keine Chance, aber nutze sie.“

In diesem Sinne schlage ich vor: Wir ziehen heute abend einfach das Alternativ-Los. Und gewinnen!

Auswärtssieg!

Kommentare:

  1. .. ihr habt 11 Jahre nicht mehr in HH gewonnen - ihr werdet auch diesmal als Verlierer in euer Ffm zurück kehren müssen!
    By the way: das KK-Konzert damals - in meinen Augen - Ohren! - hervorragend! Man wußte schließlich, wie alt er ist, und dass er nicht mehr singt wie damals, mit Rita zusammen. also was soll das Genöle? Und das hotelzimmer? Ich frag nicht danach, was du bezahlt hast, aber ich kann's mir denken. Ich hatte ein preiswertes 4-Sterne-Hotel gebucht - auch nähe Alster/Hbf. - und konnte rundrum zufrieden sein. Und heiß war's? Die haben aber auch gar nichts im Griff, die Hamburger!
    Go back to Hessenland and cool down!

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  2. Also – du wirst es nicht glauben: Ich mag Hamburg und ich mag den HSV und muss trotzdem nicht alles gut finden, was in Hamburg passiert. Über das Kris-Konzert kann man offensichtlich streiten - geht nicht um die gesanglichen Qualitäten, sondern um die Null-Attitude und die Bunter-Nachmittag-Stimmung in der Halle. “Sunday morning coming down“ und dann dazu Schunkeln? Sorry – muss nicht sein. Das is soweit entfernt von Billy, the Kid wie der HSV von..., ach, sag ich nicht ,-))

    Doch, doch - preiswert war unser Hotel auch. Und mit dem Gewinnen heut abend - da is schon was dran an der Sache mit den angeschlagenen Boxern und die Jungs, die heute für die Eintracht auflaufen werden, die werden sich zerreißen, so viel ist sicher. Und bei euch - mm... war das in dieser Saison nicht immer so, dass ihr nach einem guten Spiel erst mal wieder eine Auszeit nehmt? Insofern: Abwarten :-)

    Danke fürs Vorbeischauen - rotundschwarze Grüße!

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  3. Wahnsinn. Gerade schüttelt Kris in meinem Musikzimmerchen die Hand mit dem Teufel und gestern erst habe ich "the pilgrim, chapter 33" gehört und an die Diva denken müssen: "a walkin' contradiction, partly truth and partly fiction".

    "Never knowin' if believin' is a blessin' or a curse", aber wie Kris würde ich seine Frage am Ende der ersten Strophe mit dem Ende der zweiten beantworten: "The goin' up was worth the comin' down."

    Welches Los die Eintracht mir heute Abend auch immer beschert, ich nehme es.

    Danke für den schönen Eintrag mit Gruß vom Kid

    PS: Am Besten "nölen" lässt es sich offensichtlich immer noch "anonym". ;-)

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  4. Alternativlos eine Niederlage und ich bin nicht traurig.
    Nein,die Mannschaft präsentierte sich als geschlossene Einheit und versuchte dass Beste aus dieser Situation zu machen,was ihnen auch gelang.
    Respekt an die Spieler und nächsten Sonntag-wirst sehen,da wird gewonnen und wir rollen das Feld-von hinten-auf.
    Schönes Wochenende,
    LG
    (B).

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  5. Schade. Ich war ja skeptisch, muss aber sagen, dass ich mit dieser Niederlage leben kann (im Gegensatz zu der Pleite gegen Hannover). Wer so kämpft und alles gibt, hätte durchaus einen Punkt verdient gehabt. Aber ok.

    Hihi, Kerstin, so sehr oft wir einer Meinung in Eintracht-Fragen sind: Mein Musikgeschmack geht meistens andere Wege als der deine ;-)

    Aber schade, als ich deinen Text las, dachte ich noch, ich muss mir den Namen der Kneipe merken. Um dann weiterlesend zu erfahren, dass es sie nicht mehr gibt. Das ist auch schade.


    Liebe Grüße
    Nicole

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  6. Die letzten Kristofferson Konzerte in Deutschland waren in der Tat bitter. Der hat seine Sachen runtergesungen, als ob er gar nicht mehr wüßte, daß er sie selber geschrieben hat. Und mich zerreißt es fast, während ich das hinschreibe. Ich habe den Mann gesehen, da waren ein paar tausend GIs und wir handvoll anderen da, die wußten, daß der nicht von Truck Stop kommt. Und Lovely Rita mußte auch nicht sein (außer natürlich in Pat G. & Billy the Kid: Billy they don't like you to be so free...). In Hamburg gibt es ein Haufen Ecken, da möchte ich nicht mal abgemalt sein und daß das Max und Konsorten gekillt wurde, dafür mögen die Zuständigen lange in der Hölle schmoren. Hienieden heißt das Modernisierung und damit kommt man immer wieder durch. C.

    PS. Ein Unentschieden wäre korrekt gewesen!

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  7. @Kid: Echt? Du hast zufällig in diesen Tagen auch Kris gehört? :-) Das am Freitag war jedenfalls mehr „truth“als „fiction“ – aber klar: Wir nehmen das. Wären wir sonst Eintrachtler?

    @C-Willi: Mir hat es auch gefallen, wie die Mannschaft aufgetreten ist. Gekämpft, sich reingehängt. Zwar ohne richtiges „System“ , aber im Team - gut wieder zu wissen, dass wir das auch noch können! Ich hoffe sehr, dass wir mit dem „Rollen“ am Sonntag anfangen, sonst rollen wir nämlich ganz von selbst *g in die andere Richtung… Quatsch – wird schon! Zumal sich die Reihen ja wieder füllen – bin gespannt darauf, ob Clark und Rode auch nach Rückkehr der Verletzten weiter ihre Chancen bekommen. Verdient hätten sie es!

    @Nicole: Nach dem Spiel hat mir mein Informant ,-) berichtet, dass es offensichtlich jetzt ein neues „Max“ gibt. Mmh… (Musikgeschmack? Das sollten wir gelegentlich mal vertiefen:-)

    @Celtix: ich bin in allen Punkten vollkommen deiner Meinung.

    Herzlichen Dank für die bunten Kommentare und einträchtliche Grüße in alle Richtungen!

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  8. Yep, echt. Ich habe mir kürzlich einige Boxen aus der "Original Album Classics"-Reihe zugelegt, darunter die von Carole King, Harry Chapin und eben Kris. :-)

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